fie. 531 37.Jahrgang Ausgabe B Nr. 128
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Vorwärts
Berliner Volksblatt
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Mittwoch, den 27. Oftober 1920
Verhandlungen in England.
dondon, 27. Citober.( WTB.) Der Kongreß der Gemert-| dem alle zivilifierten Wölfer angehören müßten. Infolgedeffen schaften tritt hente zusammen, um über die Mittel zur Unter- müsse auch Deutschland Mitglied werden, wenn es sich der Satzung stüsung der Forderungen der Kohlenarbeiter zu beraten. Gestern unterwerfe und Beweise eines guten Willens gebe. Auf die Frage abend konferierten die Vertreter der Bergarbeiter mit des Interviewers, was er über die Erklärung des republikanischen Lloyd George nur 10 Minuten. Die Besprechung wurde auf Präsidentschaftskandidaten Harding dente, der gesagt habe, wenn heute vertagt. Wenn auch einige Arbeitervertreter sich nach dieser er gewählt werde, werde er die Burüdziehung berameri kurzen Besprechung deffimifif äußerten, so scheint die Lage, tanischen Bejagungstruppen bom linken Rhein wie verfichert wird, doch eine Wendung zum Besseren angenommen ufer borschlagen, sagte Cog, wenn der Krieg tatsächlich beendet sei, zu haben, müsse er auch legal zu Ende sein.
Die Präsidentenwahl in Amerika .
New York , 27. Oftober. Der demokratische Präsidentschaftstandidat Cor wendet sich in seiner Zeitung an die Amerikaner deutscher Abstammung und bittet sie um ihre Unterstützung bei der Präsidentschaftswahl, wobei er sich insbesondere auch auf die deutschfeindlichen Auslassungen der Republikaner Noot und Senator Lodge bezicht von denen soraussichtlich einer das Amt des Staatssekretärs unter Harding erhalten würde. Im Staate New York vollzicht auch der bekannte Beitungsberleger ear st eine Schwentung(?) und setzt seinen ganzen Einfluß für die Demokraten ein.
Kommunistische Brückensprenger.
Vorwärts- Verlag 6.m. b. H., SW. 68, Lindenstr. 3. Ferniprecher: Ami Morigplass, Nr. 117 53-54.
Eindrücke in England.
Was weiß das englische Bolt eigentlich von den Zuständen in Deutschland ? Unwillfürlich wird man sich diese Frage vorlegen, wenn man eine Woche hindurch in der englischen Presse so gut wie vergeblich objektive Berichte über deutsche Verhältnisse sucht. Für uns sehr belangreiche politische Vorfommnisse werden dort faum sfizziert; deutsche Seitungen sind auf der Straße nicht zu haben. Deutschland unter Berufung auf den Versailler Vertrag an ruinöfen Sonderleistungen gefordert wird, zum Beispiel die Ablieferung von 800 000 Kühe, die Zerstörung der Dieselmotoren, davon erfährt die breite Masse der Zeitungsleser jenseits des Kanals nichts oder nur Unverständliches.
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Was bon
Ich spreche von den billigsten Zeitungen mit den Massen
Wien, 26. Oktober. ( T.) Hier findet ein Prozeß gegen auflagen, eben den einflußreichsten Informationsquellen des gegen 10 Kommunisten statt, welche im vorigen Jahre die Nord- großen Publikums. Dagegen kommen die wenigen Organe der bahnbrüde zu sprengen versuchten. Der Versuch scheiterte Arbeiterpartei und die ihr nächſtstehenden liberalen Zeitdamals jedoch, da die Zündschnüre feucht waren, Einer der Ange- fchriften nicht auf. Die treitägigen Verhandlungen des flagten erklärte zum Schluß seines Verhörs: Ich bin zu der Ansicht Fight the Famine Council" befaßten sich mit den nätürgekommen, daß das ganze Attentat eigentlich Unsinn war. Es führen lich auch für Großbritanien außerordentlich wichtigen brei Brücken über die Donau , die hätten gesprengt werden müssen, Problemen der Rekonstruktion der eurodas aber wäre ein viel zu großer Schaden gewesen. Ich päischen Wirtschaft, aber die Presseberichte über bin damals auf den Blan eingegangen, die eine Brüde zu sprengen, diefen Stongreß waren sehr spärlich. Für einen bedeutenden In einem Interview mit dem Berichterstatter der Pariser ein zweites Mal aber würde ich mich gewiß nicht dazu her. Teil der Londoner Presse existierte der Kongreß überhaupt Liberté" sprach sich Cog entschieden für den Wölferbund aus, I gegeben haben. Der Prozeß wird bis Donnerstag bauern. nicht. Deutschfreundliche Engländer erzählten mir, die Kenntnis von den neuen staatsrechtlichen Verhältnissen Deutschlands set in Großbritannien leider noch sehr mangelhaft. Die jingoistisch
Geheim- Waffenlager der Reichswehr.
Aus Prenzlau erhalten mir von zuverlässigster Seite Nach richten über Borgänge bei der borligen Waffenablieferung, die ein fofortiges Gins dreiten bes Reichsfommissars bringend notwendig machen. In Prenzlau liegt das 1. Bataillon des Reichsmehrregiments 5, Kommandeur Major v. Bredelom. Ende Wugust d. J. hatte der etatsmäßige 23 affenmeister mit seinen Gehilfen und Angehörigen des Bataillons den Befehl, Waffen torräte zu vernichten und alsdann ber Treuhandgesellschaft zu über meisen. Es ist anzunehmen, daß diesem Befehl ein anderslautender Geheim befehl parallel lief. Denn tatsächlich hat der Waffen meister den größten Teil der Waffen nicht vernichtet,
worden,
Ein Waffenablieferungsskandal in Prenzlau . Ganze, sondern nur einen Teil der Waffen abgegeben zu gerichtete Preffe forge gelegentlich dafür, daß durch sensationelle haben, außer ihm beteiligten sich an der Ablieferung noch mitteilungen über verbotswidrige Waffenfabrikationen, heimein ehemaliget Feldwebel und ein alter Rafernenwärter bon liche Waffenlager. Drgesch" und ähnliche militaristische Ver75 Jahren, alles bisher unbescholtene Leute, der Lepogenannte einigungen der Durchschnittsinfulaner in Deutschland immer Kriegsteilnehmer von 1884 und 1870/71, ber dem Staate bereits noch den Militärstaat sebe, vor dem man auf der Hut über 50 Jahre gedient hat. Diese Leute sind jetzt auf unbekannte sein müsse. Ueber die hohen Betriebsüberschüsse der deutschen Beranlassung Industrien wird auch berichtet mit der Anmerkung, diese Geplöblich verhaftet und in Untersuchungshaft geftedt winne widersprächen start den Behauptungen von der Wirtwegen Diebstahls. Unglaublicherweise fchaftsnot in Deutschland . wurde bei diesen alten Leuten, die Familienbäter find, Fluchtverdacht angenommen. Bei der Frau des Arrestaufsehers, schritt zu tonftatteren. Der vorjährige Stongreß des„ Fight Trozdem, so sagte man mir, sei ein beachtlicher Fortder Afrikakämpfer und Salbinvalide ist, wurde aussuchung ge- the Famine Council" fei bon einflußreichen Blättern bös anhalten und 450 Mark Wirtschaftsgeld sowie das Sparbuch mit dem gegriffen worden. Diesmal find diese Angriffe unterblieben, Dienstprämiengeld( etwa 8000 Mark), das ganze Vermögen der es fam schon zu einer wenn auch nur fragmentarischen, aber Familie, Leilagnabmt, so daß die Familie dem Verhungern doch. im ganzen fachlichen Berichterstattung; und zwar nicht ausgefekt ist. Im Gegensatz zum flaren Wortlaut des Entwaff nungsgesetzes ist der Mann also für die Ablieferung von Waffen inhaftiert worden.
sondern beiseite geschafft.
Tuf eigene Fauft dürfte der Mann schwerlich gehandelt haben. Er schaffte die Waffen, zum Teil in einen schwer zugängliden Boben raum des Arrestaufsehers, eines ehemaligen Vigefeldwebels mit 16 Dienstjahren, der jetzt auf Zivilvertrag angestellt ist. In diesem Bodenraum befanden sich Tausende von Gewehren und größere Waffen, die teilweise erst zerlegt werden mußten, um sie überhaupt hineinzubekommen. Die Wassen wurden nicht wie die etatsmäßigen Waffen der Reichswehr gestempelt. Ein
weiteres Waffenlager wurde
in den Kellerräumen des Kantinenwirts
angelegt. Diese Waffen wurden zum Teil nach und nach mit Laftautomobilen und Gespannen abgeholt und verschoben, wofür Beugen vorhanden sind, die das Abfahren der Waffen beobachtet haben. An dieser Verschiebung waren Offisiere bes Bataillons be teiligt. Bielleicht stellt der Reichsentwaffnungskommissar ein mal feft, wohin bie Waffen gekommen sind. Das Vager im Kantinenteller erschen wohl nach dem Inkraft treten des Entivaffnungsgefehes nicht mehr als sicher genug, es wurde im Galopp geräumi und in dem jeg: unbenugien Mann fchaftsspeisesaal untergebracht. Auch in der Arrestaufseherwohnung herrschte plötzlich reger Verkehr. Es scheint, als ob die Waffen nach itäglich gestempelt worden sind.
nur in Zeitungen wie„ Daily News",„ Westminster Gazette" und„ Manchester Guardian". Das ist gewiß erfreulich im Interesse der Völferverständigung. Leider war von den anbaur, feiner erschienen. Man sagte uns, die französische gekündigten französischen Kongreßdelegierten, darunter JouRegierung habe die Ausreiseerlaubnis verweigert. Ich kann das nicht tontrollieren, bedaure aber lebhaft das Ausbleiben
Bataillons mit einem Militär- Hundegespann durch den Sergeanten Im Gegensatz dazu steht fest, daß die Offiziere des eppner massenhaft haben Waffen abliefern lassen und zwar Militärfarabiner, Militärgewehre, auch russische Gewehre geblich eigene Waffen! Geppner, ber wohl eine Art Berber Franzosen auch in ihrem Interesse.
trauensperson der Offiziere war, ist seit acht Tagen plöglich verschwunden,
-an
Ueber persönliche Belästigungen der deutschen Kongreßdelegierten in London habe ich nichts vernommen. Ihr obwohl er vorher bestimmt gesagt hat, daß er bei der Reichswehr Empfang im Kongreß war außerordentlich herzlich, die umbleibe. Aller Wahrscheninlichkeit nach sind die von Geppner ab- faffend ausgeübte Gastfreundschaft war gar nicht zu übergelieferten Waffen dem gleichen Geheimwaffenlager bieten. Vom Arbeitervertreter bis zum Lord wetteiferten die in der Wohnung des Arrestanstaltsauffehers entnommen worden, Rongreßveranstalter, den deutschen Delegierten ihren Aufenthalt denn den Schlüssel haben sich in letter Beit mehrfach andere Leute in der Metropole des britischen Weltreiches angenehm zu machen. geholt, sumeist Personal des Waffenmeisters. Der Waffenmeister und zwei überzählige Waffenmeister sind mehrfach auch über Land gefahren, offenbar zu den Gütern, auf die ein Teil der Waffen verschoben worden war. Vorher hatten sie eine Besprechung mit dem Bataillonsabjutanten an einem abgelegenen Orte. Es scheint jest, daß der Arrestaufseher für all die umfangreichen Waffenschiebungen, an denen eine große Ansein.
Bon all den Warnungen, die man vor der Hinreise über Belästigungen seitens deutschfeindlicher Elemente zu hören befam, fand ich teine bestätigt. Ueberall eine wenigstens höfliche Behandlung. Unangenehm empfindet man aber das fehr langwierige Verfahren der Paßtontrolle. Ob es im Interesse der Reichssicherheit absolut erforderlich ist, daß Reisende mit deutschen Reisepässen im englischen Antunftsabgefertigt werden, das mag die zuständige englische Behörde untersuchen.
Nun trat die Katastrophe ein Der erwähnte Arrestauffeher/ dahl Bersonen beteiligt ist, den Sündenbod abgeben soll. Auch hafen offenbar systematisch hinter allen anderen Passagieren
hatte zu dem Geheimmaffenlager ein Borhängeschloß geliefert, zu dem er den Schlüssel an sich nehmen sollte, weil der Waffenmeister mit der Sarte nich.s mehr zu tun haben wollte. Dieser hatte seiner
zeit geäußert:
" Ich muß etwas verschwinden faffen und einen Ort haben, wo fein
Mensch hinkommt."
Daß es Waffen waren, hatte er nicht ausdrücklich gesagt. Der Acresbauficher nahm nur widerstrebend den Schlüssel an sich, er flärte aber, daß er feine Verantwortung für die Sache übernehmen molle. Nun erschien bald darauf das Entwaffnungsgefeb. in dessen§ 4 es heißt:
Die Angelegenheit ist zweifellos sehr verwidelt und noch lange nicht restlos geklärt. Von gewiffer Seite mird offenbar alles aufgeboten, um fie au berschleiern. Es muß jedoch verlangt werden, daß hier restlos larbeit geschaffen wird und nicht ein paar Suballerne zu Sündenböden für das gemacht werden, was offenbar von viel höherer Stelle aus begangen ist.
Escherich lagt. Wie die TU. erfährt, hat Dr. Escherich gegen die Breslauer Polizeibehörde, die das Verbot seiner Bersammlungen ausgesprochen hat, klage im Verwaltungsstreit berfahren erhoben.
Das ab
Strüppel daran, daß der Jungbrunnen Strieg" auch in EngIm Londoner Straßenbild erinnern die auffallend vielen land viel Leid und Elend zurückgelassen hat. gerissene Aeußere der am Themsestrand herumliegenden oder -fizenden, bettelnden Verstümmelten, die mit Kriegsabzeichen beriehenen, einarmigen oder einbeinigen Drehorgelspieler, die Hilfsgesuche verelendeter Kriegsteilnehmer in den Zeitungen, alle find Demonstrationen gegen den Kriegswahnsinn, wodurch die starte antimilitaristische Stimmung in der Ein Waffenneft. Im Schlafhaus zu Schoppinib haben in englischen Arbeiterschaft schon hinreichend begründet wird. Allen Personen, melche die in ihrem Gewahrsam befind- der letzten Zeit wiederholt Schießereien stattgefunden. Eine Nimmt man noch hinzu die Nachrichten über zunehmende lichen Militärsachen innerhalb der vom Reichskommissar gefet en plöbliche ebision förderte Waffen mit reichlicher Munition Arbeitslosigkeit, hauptsächlich eine Folge der schlechten Valuta Frift abliefern, oder welche die gemäß§ 1 Abs. 2 erforder- 18utage. Fünf Infaffen wurden beri aftet und zwei bon ihnen als der europäischen industriellen Konkurrenzländer, betrachtet man liche Anmeldung innerhalb dieser Frist erstatten, wird Straf berüchtigte Band ten aus dem Streise le feitgestellt. in den Warenlagern die gegen die Vorkriegszeit enorm erhöhten freiheit wegen unbefugter Ancigning ust. gewährt. Bestrafte Berbrecher. Laut Frantf. Big." wurde bom fran Breise für die notwendigsten Lebensmittel( die übrigens reichlich Der genannte Bodenraum war ein Privatra um des Arrest afisen Riegsgericht in Waing ein Angehöriger des vorhanden sind), dann versteht man leicht, warum sich in dem oritien algerischen Schüßenregiments, der während der Besetzung auffehers. Er hatte den Schlüssel. An der Tatsache seines GeFrankfurts eine Frau zu bergewaltigen suchte, zu zehn Siegerlande England eine anfangs sehr fleine, aber ständig wabriame mar also nicht zu zweifeln. Der Mann überzeugte Jahren 8 mangsarbeit und Ausstoßung aus dem wachsende Schar weitsichtiger Boltswirte und edelgesinnter fich nun, daß die con dem Waffenmeister dorthingebrachten und Heere terurteilt. Männer und Frauen aus allen Bevölkerungsschichten opferbei ihm lagernden Gegenstände Waffen waren. Als Inhaber bes Das neue fchwedische Ministerium. Aus Stocholm wird die willig bemühte, unter ihren Volfsgenossen die Erkenntnis der Gewahriams fühlte er sich zur Ablieferung und zum Emp endgültige Ministerliste gemeldet. Ministerpräsident ist de Geer, natürlichen Interessengemeinschaft aller Kulfang der Prämie berechtigt. Leider scheint er nicht das Minister des Aeußern Graf rangeL turböller zu verbreiten. Der Untergang des einen zieht
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