Einzelbild herunterladen
 

Nr.550 37.Jahrgang Ausgabe A nr. 138

Bezugspreis:

Berteljährl. 30,-RL monatl.10,-

feet ins Haus. voraus zahlbar. Boft. bezug Monatlich 10,- t erfl. Ru tellungsgebühr. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich 16,50 ML für das übrige Ausland bei täglich einmal. Buftelluna 21.50 R. Boftbe. ftellungen nehmen an Defterreid Ungarn, Tschecho Glowate, Däne mart, bolland,-uremburg, Schweden und die Schweiz . Eingetragen in

Crave

die Boft Zeitungs- Breisliste. Der Vorwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt u. Reit" erscheint wochens täglich zweimal. Sonntags und Mon tags einmal

Telegramm- Abreffe

Sozialdemofcal Berlin".

Sonntags- Ansgabe

Vorwärts

Berliner Volksblatt

30 Pfennig

Anzeigenpreis:

Die achtgespaltene Ronparellezeile foftet3.- M., Seuerungszuschlag 50%. Kleine Anzeigen", das tett­gedruckte Bort 1- M.( aulässig zwei fettgedruckte Worte), tedes mettere Wort 60 Pfg. Stellengefuchefno Schlafftellenanzeigen das erste Sort 85 Big.. redes weitere Wort 40 fg. Borte über 15 Buchstaben zählen für wwer Worte. Teuerungszuschlag 50%. Familien- Anzeigen für Abonnenten Beile 2, 9, politische und wertschaftliche Vereins- Anzeigen 3.- ML die geile ohne Aufschlag. Anzeigen flir die nachste Summer miten dis 3 2hr nad mittags in Sauptgeschäft, Berlin SB 3, Linden. Straße 3, abgegeben werben. Geöffnet pon 9 Uhr früh bis 5 Uhr abends.

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands

Redaktion und Expedition: Sw. 68, Lindenstr. 3.

Fernivrecher: Amt Morinvlas, Nr. 15190-15197.

Sonntag, den 7. November 1920

Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., Sw. 68, Lindenstr. 3. Feruivrecher: Amt Moritplat, Nr. 117 53-51.

Nothilfe gegen den Streik.

#

*

Ausdehnung des Streiks.

rufen früher au entsprechen. Die Verlegung des Einsatzes der Tech nischen Nothilfe, in die Abendstunden infolge Hinauszögerung durch die Verhandlungen hat für die technische Ausführung der Inbetrieb nahme der Werke außerordentliche Schwierigfeiten mit sich gebracht, die Kessel sind zum Teil bereits erfaltet. Die Werke liegen ganz im Dunkeln und sind nur schwer wieder in Gang zu bringen. Um 11 Uhr abends meldet Wolffs Bureau:

*

Die Technische Nothilfe hat in den späten Abendstunden die beiden Elektrizitätswerte tu mmelsburg und Moabit über­nommen. Mit der Arbeit fonnte ohne irgendwelche äußere Störung, wenn auch unter überaus erschwerten Umständen begonnen werden. Die Nothilfe hatte eigenes Brennmaterial mitbringen müssen. Wenn sich keine unvorhergesehenen Schivierigkeiten era geben, hofft die Nothilie, in den Morgenstunden mit der Strom­lieferung für die lebenswichtigen Betriebe beginnen zu Streitwirkungen.

fönnen.

Der Streit der Elektrizitätsarbeiter deckt den Widerfinn| Es liegt aber leider sehr stark die Vermutung nahe, daß der polifischen und wirtschaftlichen Strömungen der Jetzt- ein Teil der kommunistisch gerichteten Arbeiter weniger gegen zeit in feiner ganzen Straßheit auf. Nach jahrzehntelanger den Spruch protestieren als der heutigen Feier der russischen Organisationsarbeit ist es gelungen, eine sozialistische Re- Revolution eine passende Umrahmung geben wollte. gierung des Gemeinwesens Groß- Berlin zu schaffen. Zur Begrüßung werden den neuen Männern, die die Hoffnungen ,, einen Teil der proletarischen Forderungen in die Wirklichkeit umzufeßen, erfüllen sollen, von ihren eigenen Klassengenossen Die zwischen den streitenden Elektrizitäts- und Transport­Anüppel zwischen die Beine geworfen. Die neuen Männer arbeitern und dem Einigungsamt des Magistrats im Laufe des tommen von Anfang an in eine unmögliche Situation, weil Tages geführten Berhandlungen haben nicht zur Einigung ge­sie aus innerftem Pflichtgefühl beraus nur einen Teil der Forde führt. Die Gleftrigitätsarbeiter verwahren sich gegen die Be rungen bewilligen fonnten, weil nach ihrer Meinung neben den hauptung, daß ihr Streit als ein wilder" anzusehen sei. Sie Lohnforderungen der städtischen Arbeiter auch noch andere erklären, daß im Laufe des Freitagnachmittag ordnungsmäßige ebenso dringende soziale Aufgaben von dem arm gewordenen Urabstimmungen in den Betrieben stattgefunden haben, und sie und mit Schulden überlasteteten Groß- Berlin zu er- wollen, nachdem fich 90 Proz. der Arbeiter für den Ausstand er­füllen find. flärten, die Genehmigung zum Streit vom Verband der Heizer Seit Monaten lesen wir in den Breßorganen aller sozia- und Maschinisten erhalten haben. listischen Parteien, daß die reaktionäre Gefahr immer stärker Im Laufe des Tages sind die Gaswerte in Neukölln, wird, daß das Proletariat sich bereit halten muß, um den An- Charlottenburg und Lichtenberg labmgelegt worden, Infolge des Streits der Berliner Elektrizitätsarbeiter tann sturm und den Anschlägen der Reaktionäre zu begegnen. Man da infolge des Elektrizitätsstreits die automatische Stohlenbeschidung eine Reihe Berliner Zeitungen bis auf weiteres nicht erscheinen. gewinnt aber den Eindruck, daß die Wirkung von Streifs der Retorten nicht mehr zu arbeiten vermochte. Man will vor- Sierzu gehören der Berliner Börjen- Courier", die Berliner dieser Art weniger einer Stärkung der Einheitsfront des Prole- läufig versuchen, die Feuer durch Arbeiter notdürftig unterhalten Börsen- Zeitung", die" Tägliche Rundschau", die Deutsche Zeitung", die Deutsche Tageszeitung" und die Freiheit". tariats als vielmehr ein Abschrecken weiter Boltstreise be- au lassen, um ein völliges Grtalten der Retorten zu deutet. bermeiden. In diesem Falle würden die Ofenwände reißen Gegen die Putschiften. Wenn Berlin im Dunkeln liegt und sich alle zweifelhaften und Neubauten, die drei bis vier Wochen Zeit erfordern, not­Subjette breitmachen können, wenn Taufende und aber Tausende wendig machen. Der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter von Familienvätern durch den Streit einer Arbeitergruppe steht auf dem Standpunkt, daß er Notstandsarbeiten durch seine gleichfalls zum Feiern gezwungen werden, dann wird mancher Mitglieder versehen lassen will, wenn die Technische Nothilfe nicht Wie uns aus Kollegenkreisen mitgeteilt wird, versucht man ton von ihnen z. B. in der Technischen Nothilfe nicht mehr den eingreift. Andernfalls würden sämtliche Arbeiter aus den Bes Fremdkörper im Organisationsleben der Arbeiterschaft er- trieben herausgezogen werden. Die Urabstimmungen, in den ein­blicken. Und mancher wird auch der Agitation der reaktio- zelnen Betrieben haben bereits im Laufe des Vormittags begannen, nären Kreise, die solche Zustände als einen Ausfluß der sozia- Da jedoch in Groß- Berlin etwa 700 bis 800 Heinere und größere Be listischen Denkweise hinstellen, geneigter sein Dhr schenken. triebe in Frage kommen, glaubt man das Resultat der Abstim­Wir wollen nicht rechten darüber, ob die städtischen mungen nicht vor Montag mittag befanntgeben zu fönnen. In den Arbeiter mit den neu bewilligten Zulagen ihre Lebensbedürf- Lebensmittelbetrieben der Stadt hat der Transport nisse befriedigen können. Dazu ist heute kein Werftätiger in arbeiterverband vorläufig noch Arbeiter zurückgelassen, welche die der Lage. Die furchtbare Schivere der Zeitverhältnisse lastet notwendigen Instandhaltungsarbeiten verrichten. Sollte eine Gini­auf uns allen; wir wissen aber auch, daß die Löhne der gung mit der Stadt jedoch heute nicht zustande kommen, so sollen städtischen Arbeiter dank der Tätigkeit der sozialistischen Ver auch die Notstandsarbeiter aus dem Betriebe herausgezogen werden. treter im Stadtparlament immer noch den Vergleich mit den Die Gewerkschaftskommission hat am Sonnabend nachmittag ber­mittelno eingegriffen und hat auch Vertreter zu der Sizung des Lohnfäßen in der Privatindustrie aushalten können. Einigungsamtes entsandt.

Wie uns mitgeteilt wird, haben auch die Straßenbahner mit großer Mehrheit den Streik beschlossen.

Der Vorstand des Deutschen Eisenbahnerberban dee, unterzeichnet Franz Scheffel , Borjizender, erläßt folgenden Aufruf:

unverantwortlicher Seite aus, die Eisenbahner und zwar in erster Linie das Fahrpersonal und die Beamten in einen General­streit zu treiben. Der Deutsche Eisenbahnerverband, als die größte Gisenbahzerorganisation lehnt jebe Mittoirkung und Betei­ligung an solchen unsinnigen wilden Bewegungen mit aller Entschiedenheit ab, und wir tarnen unfere Verbandekollegen eindringlich, sich in irgendeiner Weise daran zu beteiligen. Es ist unerläßliche Pflicht eines jeden Mitgliedes, jeber unbefugten Einwirkung entgegenzutreten und nur der Parole der Verbandsleitung zu folgen.

Zur Abstimmung über den Schiedsspruch. Bom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Gegenüber den unklaren Berichten über die Versammlungs­beschlüsse der Hilfskräfte des Magiftrats ist es notwendig festzu­stellen, daß die Abstimmungen über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches des Einigungsamites der Stadtverordnetenversamm lung am Montag, den 8. November, in den Betrieben stattfinden sollen. Nach Feststellung des Ergebnisses wird von der Organisation Anweisung für das weitere Verhalten der Kollegen fchaft ergehen. Wir ersuchen alle Magistratshilfskräfte Groß- Berlins, feiner anderen Parole zu folgen.

Bezirksvorstand Berlin S. B. D.

Die Hohenzollern - Milliarde!

Nach den bisherigen Lohnfäßen hatten die städtischen Arbeiter einen Stundenlohn von 4,09-4,21 M. für un­gelernte Arbeiter. Angelernte Arbeiter erhielten 4,31-4,40 m., Handwerker 4.57-4,69 m Zu diesem Lohn famen bei Die Technische Nothilfe eingesetzt. Jugendlichen 65 M., bei Ledigen über 18 Jahre 100 M. und bei Verheirateten 150 M. monatliche Teuerungszulage. Wolffs Bureau verbreitet folgende amtliche Meldung: Durch Familienväter erhielten auf jedes Stind bis zum 18. Lebens- den wilden Streif einiger Gruppen städtischer Arbeiter ist unter jahre 50 M. monatlich. Den Elektrizitätsarbeitern, die früher anderem die ganze Elektrizitätsveriorgung Groß- Berlins zum Still einen besonderen Lohnzuschlag von 8 Proz. hatten, ist im stand gekommen. Auch die Notandsarbeiten und die Laufe dieses Jahres durch einmalige Bewilligungen diefer Notstandsversorgung sind unterblieben. Dadurch Prozentzuschlag abgegolten worden. find die Krankenhäuser stromlos. Operationen können Alle Betriebs- und Gewerkschaftsfunktionäre der städtischen Be­Die Forderungen der Arbeiter find 5,60 M. für Un nicht ausgeführt werden, zahlreiche Menschentriebe, die Mitglieder der S. B. D. find, ferner alle Bartei­funktionäre, die in städtischen Betrieben arbeiten, und der erweiterte find in gelernte, 5,70 M. für Angelernte und 5,80 M. für Handwerker. le ben Gefahr. Ferner sind die elektrisch| Bezirksverstand werden zu einer wichtigen Sisung zu heute, Pumpen ber Nord Südbahn Weiter wird die Erhöhung der Lohubeihilfe auf 150 M. auch betriebenen außer Sonntag, nachmittags 2 Uhr, nach dem Jugendheim, Lindenstr. 3, für Unverheiratete und Erhöhung der Kinderzulage auf 75 M. Betrieb gefeßt, dadurch ist nach dem Gutachten der maßgebenden eingeladen. berlangt. Behörde die Möglichkeit des Einsturzes von Häusern an Mitgliedsbuch und Funktionärkarte legitimiert. Der Schiedsspruch sieht für Gas, Elektrizitäts- und besonders gefährdeten Stellen der Friedrichstraße gegeben. Wasserarbeiter eine Erhöhung des Stundenlohnes um 50 Pig., Die Stromzufuhr von Golpa ist durch Sabotage abgeschnitten. für die anderen Arbeiter und die Bureauhilfskräfte um Die preußische Regierung hat deshalb im Einvernehmen mit den 20 Pf. vor und macht noch Ausnahmen für Jugendliche und Reichsbehörden die Technische Nothilfe eingefett. Rostarbeiter. Weiter erklärte sich der Schiedsspruch für Auf- Diese hat den Auftrag, den nötigsten Strom zur Beseitigung Die geftrige Sigung des Rechtsausschusses hat endlich volle hebung der Schwerarbeiterzulage. Um einen Begriff von den der geschilderten Gefahren herzustellen. Klarheit gebracht: der dem Landtage vorgelegte Vergleich zwischen bewilligten Summen zu erhalten, muß man sich vor Augen Krone und Staat ist als cine Ungeheuerlichkeit erwiesen führen, daß die Zulagen nach dem Spruch den Stadtsäckel leber das Eingreifen der Technischen Nothilfe wird noch geworden, die unter keinen Umständen Annahme finden mit 90 Millionen Mart belasten und daß jede weitere 10 Pf. meldet: darf. Er beläßt den Hohenzollern ein durchweg zinstragendes Ver= Stundenzulage eine Gesamtfumme von 18 Millionen Mart Der Einsatz der Technischen Nothilfe ist zunächst für Elektri - mögen, dessen Höhe man nicht genau kennt, das aber sicher tau­darstellt. Ihre Folge sind weitere Erhöhung der Tarife für aitätswert Moabit , Elektrizitätswert Stummelsburg und fend Millionen weit übersteigt, während er den Staat Gas, Straßenbahn usw. Elektrizitätswerk Oberspree angeordnet worden. Die Lage hatte mit einer jährlichen Mehrausgabe von 50 Millio Die Elektrizitätsarbeiter so begründen sie ihr Vor- fich für die Bevölkerung Groß- Berlins mit zunehmender Dunkel nen Mart belastet. Dem unermüdlichen Drängen unserer Ge­gehen sahen in der Beseitigung der Schwerarbeiters heit sehr bedenklich gestaltet. Von allen Seiten waren dringende noffen ist es gelungen, herbeizuführen, daß von diesem lange genug zulage die Beseitigung einer Sondervergütung, die sie Bilferufe an die, Leitung der Technischen Nothilfe gerichtet worden. verdeckten Bild endlich der Schleier weggezogen wurde. bisher für Sonntags- und Nachtarbeit erhielten, und da- So hatte ein großes Berliner Krantenhaus folgendes dringendes Diefer eine Standal vermehrt sich noch um einen zweiten. durch nur eine scheinbare Aufbesserung. Das Einigungs- Telegramm gesandt: Durch das Bersagen der Gleftrizitätsversorgung Man hat dem Rechtsausschuß das für die Hohenzollern amt hat diese Zweifel beseitigt, indem es in einer Sigung außerstand gejezt, unsere Heizanlage in Gang zu bringen, müssen fehr Gutachten des Profefford am Sonnabend den Spruch dahin auslegte, daß die Sonder- mir eventuell die Kranken in ihre Wohnungen ent- Süding einfach unterschlagen. bergütung dieser Arbeitergruppe nicht unter den Begriff lassen und lehnen jede Verantwortung für Schädi- Zrob alledem versuchten die bürgerlichen Parteien noch immer der Schwerarbeiterzulage fallen foll. gungen der Insassen unseres Hauses al Eine weitere den Vergleich durchzupeitschen. Ihre Taktik scheiterte aber an dem Immer wieder müssen wir betonen, daß die Arbeiter der große Gefahr bedroht die in der nördlichen Friedrichstraße in der Widerstand unserer Genossen. Die Sigung wurde auf den 16. No lebenswichtigen Betriebe eine größere Verantwortung haben, Nähe der Baugrube der Nord- Südbahn gelegenen Wohnhäuser. vember vertagt, ohne daß ein Beschluß gefaßt worden wäre. Wahr­als andere Berufsgruppen. Auch wenn der geiällte Spruch Durch Ausschaltung der Strombersorgung wurden die Pumpverte fcheinlich aber wird das preußische Boll im kommenden den Wünschen der städtischen Arbeiter nicht gerecht wurde, dieser Grube stillgelegt, wodurch die Grube sich mit Wasser Wahlkampf selber darüber zu entscheiden haben, hatten sie die Pflicht, auf dem Wege der Verhandlung eine füllte und eine große Gefahr für die umliegenden Häuser be- ob wirklich die Hohenzollern eine Milliarde oder noch Verbesserung der Tariffäße zu erstreben. Das war um so deutet. Da die Technische Nothilfe ohne Anordnung der maß- mehr, der Staat jedes Jahr 50 Millionen Mart neue Leichter möglich, als der Spruch die Entscheidung über die gebenden Reichs. und Staatsbehörden nicht berechtigt ist, einzu Schulden bekommen soll, damit Wilhelm, der Desertenr, in Annahme bis zum tommenden Freitag hinausschob. greifen, war sie nicht in der Lage, den vielfach dingenden Silfe- Holland schlemme, während das Bolt hungert.

-

-

ungünstige