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biete des Baum-irltes in Berlin bei den Bauhandwerkern ganz allgemein die irrthümliche Meinung vorwalte, daß sie angesicht? eines drohenden Verlustes ihres Eigenthums zur Seldsthilse greifen dürfen. Das Schöffengericht mußte bei dieser Sachluu. die Kriterien des Diebstahls für festgestellt erachten und ver urtbeilte den Angeklagten zu einem Tage Gefängniß. Der Staatsanwalt sagte dem Angeklagten zu, ein etwaiges Gnadengesuch seinerseits unterstützen zu wollen. Verla»»»tulungen. Drei Volksversammlungen tagten, einberufen von der Dertrauensperson. gleichzeitig am 23. d. M. für die Schönhauser Vorstadt in Angelegenheit des Bierboykolts. Die Einberufung geschah gemäß eines gefaßten Beschlusses, indem gelegentlich der Abhaltung der 27 Boykottversammlunaen am 17. d. M. auf die Schönhauser Vorstadt nur eine entfallen war, was für diesen Stadtthei! als nicht ausreichend erachtet wurde. Die Versamm- lungen, die imBelforler Salon",Kelle'schen Lokale" und im »Jägerhaus" tagten, wurden bei vollbesetzten Sälen ab- gehalten. Die Tagesordnung lautete gleichmäßig:»Der Bier- Boykott und die bürgerliche Gesellschaft", über welche bei Schneider(Belsorterstraße) Genosse A u g u st i n, bei Kelle Genosse I a c o b e y und im Jägerhaus Genosse Drittel- Witz referirte. Dieselben behandelten die Boykottangelegenheit unter allseiliger Zustimmung der Versammelten in ihren einzelnen Phasen von Anbeginn bis zur Gegenwart. Sie richteten einen dringenden Appell an das Solidaritätsgefühl der Versammelten und ersuchten, keinen Tropfen Ringbier zu trinken und auch die Lokale zu meiden, in denen solches geschänkt wird und nur diejenigen Lokale zu besuchen, in denen ein Plakat mit der Inichrisl:Hier wird kein Ringbier ausgeschänkt", aushängt. An die gieferate knüpfte sich in allen drei Versammlungen eine Diskussion, in denen noch mancherlei Einzelheiten zur Sprache gebracht wurden. Unter diesen ist besonders die in der Ver- sanimlung bei Kelle gemochte Mittheilung, daß die Schankwirlhe Seidel, Schönhauser Allee 62, und Franz, Wörtherstr. 86, beim Biermogeln ertappt worden sind, hervorzuheben. Hier faßte die Versammlung einstimmig folgende Resolution: »Di« im Kelle'schen Lokale tagende öffentliche Volksversamm- lung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten vollständig einverstanden; sie erklärt ferner, den Boykott nach wie vor so lange weiter führen zu wollen, bis der Sieg der Arbeiterschaft errungen ist.> Die Versammlung verspricht in de» Gewerk- schaften dahin zu wirken, daß Vergnügungen nur in Lokalen, in denen ringsreies Bier verschänkt wird, abgehalten werden, auch erklärt die Versammlung, nur von solchen Kaufleuten ihre Waare entnehmen zu wollen, die ringfreies Bier führen." Im Jägerhaus gelangte die Resolution vom 17. d. M. zur Abstimmung und Annahme. Im Sinne dieser beiden beschloß auch die Versammlung bei Schneider eine Resolution. Die Ver- sanimlungen, für welche man eine rege Agitation entfaltet hatte, haben vollständig ihren Zweck erfüllt, indem dieselben zum Theil von bisher Indifferenten besucht waren. Der Wahlverein für den I. Berliner Reichstags- Wahlkreis hielt am 23. Oktober im Lokal von R ö l l i g, Neue Friedrichstr. 44, eine Generalversammlung ab. Nach einem sehr beifällig entgegengenommenen Vortrage des Genossen Dr. Pinn überDas Bildimgswesen im Klassenstaat", erstattete der Vor- sitzende Pölitz den Bericht des Vorstandes. Es haben im letzten Vierteljahr 8 Vorstandssitzungen und 6 Vereinsversammlungen stattgesunden. Eine Versammlung im Hansa-Viertel wurde ver- eitelr, da der Wirth der.Kurhallen" in letzter Stunde die Her- gäbe des SaaleS verweigerte mit der Begründung, es erwüchien ihm zu viel Scheerereien mit der Polizei. Hoffentlich belehrt ihn das Gericht, bei dem die Schadenersatzklage anhängig gemacht wurde, daß ein anständiger Mann auch Sozial- demolraten gegenüber sein gegebenes Wort einlösen muß. Wie Pölitz weiter mitthetlte, ist nach eingehender Prüfung durch den Vorstand die Beschuldigung des Mitgliedes Werner gegenüber dem Genossen Kaßler, derselbe verkehre in Lokalen, wo Ringbier ausgeschänkt werde, als grundlos erwiesen worden. Werner will daher aus dem Verein ausscheiden. Der von Peter mann verlesene Kassen- bericht wies folgende Zahlen auf: Bestand des vorigen Viertel- jahres 136,65 M., Einnahme mit diesem 314,96 M., Ausgabe 149,55 M., bleibt ein Bestand von 165.35 M. Auf Antrag des Revisors K ö r st e n wurde der Kassirer entlastet. Zum 5. Punkt der Tagesordnung: Vorstandswahl, stellte Dom- s ch e i d t den Antrag: nur gewerkschaftlich organisirte Genossen zu wählen, die außerdem keiner Religionsgemeinschaft angehören dürfen, falls nicht ihre wirthschastliche Existenz davon abhänge. Der Antrag wurde in seinem 2. Theil von Körsten, Bohn, T ä t e r o w und D ä u m i g unter Hinweis auf unser Pro- gramm auf daS Entschiedenste bekänipii und die Behauptung Domscheidt's, im Wahlverein des 3. Kreise? fei derselbe bereits durchgeführt, von König als Jrrthum hingestellt. teiterkeit erregte die Bezeichnung der freien Gemeinde durch o m s ch e i d t alsreligiöse Sekte wie alle anderen". Der Antrag wurde in seinem ersten Theil als selbstverständlich be- zeichnet und einstimmig angenommen, in seinem zweiten Theil jedoch gegen 6 Stimmen abgelehnt. Die Vorstandswahl hatte folgendes Srgebniß: 1. Vorsitzender: Pölitz; 2. Vorsitzender: Bohn; 1. Schriftführer: Buch; 2. Schriftführer: Dom- s ch» i d t; Beisitzer: Büttner; 1. Kassirer; Petermann; 2. Kassirer: Oberheu. Zu Revisoren wurden K ö r st e n und W o l d t gewählt. Ter Beschluß des Vorstandes, dem Kreis- Vertrauensmann 166 M. zur Agitation zu überweisen, fand die Billigung der Generalversammlung. Pölitz und D o m s ch e i d t forderten zum Schluß zur unernnidlichen Bierkontrolle und Agitation für die Boykottbeschlüsse aus. Ter sozialdemokratische Wahlverein für de» vierten Wahlkreis hielt am 23. Oktober bei Fiebig seine General- Versammlung ab. Nachdem die Anwesenden das Andenken des verstorbenen Mitgliedes Hanke in der üblichen Weise geehrt hatten, gab der Vorstand seinen Bericht, der indessen nichts Be- merkenswerthes enthielt, da die Reorganisation thatsächlich erst vor vierzehn Tagen perfekt geworden war. Es hat, seit der gegenwärtige Vorstand im Amte ist, eine Generalversammlung und in jedem Viertel eine öffentliche Vereinsversammlung statt- gefunden. Die Einnahmen des dritten Quartals betrugen mit einem Bestände von 361,82 M. zusammen 1733,57 M., die Aus- gaben 1611 M., so daß der Bestand zur Zeit 722,57 M. beträgt. Reich, Kleemann, Jechel wurden zu Revisoren für das laufende Vierteljahr, Rochendorf, Weimann, Paul Scholz und Westfal zu Kontrolleuren, die bei Generalversammlungen daraus zu achten haben, daß nur Mitglieder den Saal betreten, gewählt. Dr. Heymann referirte sodann über daS Thema:Hat der Sozialdemokrat Religio »?" Redner hob hervor, daß allen Re- ligionen die Unzufriedenheit mit den irdischen Verhältnissen zu Grunde liege. Dieselbe habe bewirkt, daß die Menschen in der Erkennlniß ihrer Unfähigkeit, die Welt zu beherrschen und hier befriedigende Zustände herzustellen, glaubten, es müsse ein Jenseits " geben, in welchem ein besseres Dasein als hier zu führen möglich sei. Da heute infolge der Eyt- Wickelung der Technik allen Menschen ein erträgliches Dasein auf Erden geschaffen werden könnte, so ist der Sozialismus, der allein dies anstrebt und durchzuführen im stände ist, die Erfüllung aller Religionen. Das, was die Christen und Juden in der Erlösung von der Erbsünde ersehnen, wird er verwirklichen in der Befreiung der Arbeit von der Sklaverei, in der Vereinigung der Koos- und Handarbeit, und der höchste Be- griff dieser neuen Religion, des'Sozialismus, ist die Zusammen- geHörigkeit aller Menschen und Dinge. Daher erwarten wir die Erlösung auch nicht von einzelnen irdischen oder überirdischen Wesen, sondern von der Gesammtheit,(Lebhafter Beifall.) Zur Diskussion verlangte niemand das Wort. Unter Vereins- angelegenheiten entspann sich eine kurze Erörterung über die Durchführung*,er Bierkontrolle. Eine kombinirte Mitglieder-Bersammlung des deutschen Metallarveiter Veroandes(Filiale., von Berlin und Umgegend) tagte um 14. ds. Mt-i. in den Arminhallen. Zum I. Punkt der Tagesordnung erstattete Kollege H o f m a n n eingehenden B-richl über die Brandenburger Metallarbeiter-Konferenz. Bei der oar- auf ,olgei>den Wahl einer dreigliedrigen Agitationskommission für die Provinz Brandenburg wurden die Kollegen B e r g e r, R o h r l v ck und Gehbaucr gewählt. Hierauf hielt Herr Dr. Christeller einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag überBerufskrankheiten". In eingehender Weise entledigte sich der Referent seiner Aufgabe. Er zeigte, wie die Berufskrank- heilen in ganz eminenter Weise dazu beitragen, den Gesundheits - zustand der Bevölierung, speziell des arbeitenden Volkes, zu unter- graben. Ungenügende hygienische Arbeitsräume, einseitige Muskel- anftrengung, intensive Schädigung der Sinnesorgane, Einathmung von metallischen, mineralischen, pflanzlichen und thierischen Staub- sorten, Einathmung schädlicher Gase, das Umgehen und Han- tiren mit giftigen Substanzen und das überaus reiche Gebiet der Unfälle seien die Hauptursachen der beruslichen Krankheiten. Die durch die Wissenschaft aufgestellten Forderungen in gesund- heitlicher Beziehung stehen leider zu der heutigen Praxis in direktem Gegensatz. Alle Ursache haben wir daher, das Feld des Arbeiterschutzes zu erweitern, der in heutigen Verhältnissen trotz alledem Stückwerk bleiben wird, da nur erst spätere geordnetere Gesellschaftszustände hierin Remedur schaffen können. Unter Verbandsangelcgenheiten stimmte die Versammlung folgenden An- trägen zu:Bei Aufnahme von Streikbrechern soll von Fall zu Fall untersucht werden und die darauffo'gende Versammlung darüber entgiltig entscheiden, ob der Betreffende aufnahmefähig. Ferner sollen die gemeinschaftlichen Mitglieder-Versammlungen für die Zukunft nur des Sonnabends stattfinde». Kollege Kur- gas machte die Versammlung auf die von den organisirten Kellnern für das 4. Quartal ausgegebenen Karlenroth aus weiß" aufmerksam und Kollege Lange theilte mit, baß am 21. d. M. für den Norden eine Generalversammlung und am 23. für das Zentrum eine Mitgliederversammlung(Admiralstr. 16) stattfindet, wo der Plan der Reorganisation der Berliner Ver- waltuugsstellen des deutschen Metallarbeiter- Verbände? Erörte- rung findet. Tie Filiale Berlin des Verbandes der Vergolder hielt am 15. Oktober ihre Monatsversammluug ab, in der Genosse R o h r I a ck überdie Bekämpfung des Jndifferentismus" sprach. Redner hält diejenigen, welche aus anderen Gründen als lln- wisienheit der Bewegung fernstehen, wie: Furcht vor dem Unter- nehmerthum, Unzufriedenheit mit den leitenden Personen u. s. w. nicht für indifferent. Ehe man sich als Agitator ausspiele, müsse man vor allen Tingen bestrebt sein, sich vorerst selbst aufzuklären, denn Gemeinplätze und ungenaue Darstellungen der Verhältnisse im gewerkschaftlichen und politischen Leben verwirren den In- differenten nur. Der Redensart der Indifferenten, daß aus den vorgesteckten Zielen doch nichts würde, müsse man den Beweis ent- gegen stellen, daß durch Einigkeit und unermüdlichesArbeiten alles zu erreichen sei. Nichts dürfe verabsäumt werden, um diese Interesselosen zum Besuch der Versammlungen zu bewege». In der Diskussion wurde das Verhalten vieler Kollegen gegeißelt, welche, sobald ein Streik ein Aussicht steht, der Organisation bei- zutreten, solange kannlcn sie die Organisation nicht. Wird aber aus irgend welchen Gründen nichts aus dem Sireik oder ist er vorüber, so verlassen diese Helden die Organisalion schaaren- weise, wie sie gekommen. Hierauf gab der Kassirer den Kassen- bericht vom 3. Quartal. Danach betrug die Einnahme 466,32 Mark und die Ausgabe 157,56 Mark, milhin bleibt Bestand 362,82 Mark. Zum Beisitzer im Hauptvorsiand wurde Kollege Stajmann gewählt. Der in der letzten Versammlung vom Kollegen Klahre gestellte Antrag,die Filiale in eine Lokalorganisation umzuwandeln". rief eine lebhasle Debatte hervor. Ter Antragsteller begründete seinen Antrag damit, daß Berlin seinen Mitgliedern weil mehr bieten könne, wenn es die Last der kleinen Filialen abschüttelte und behauptet weiter, die Mitaliederzahl würde steige». Dem Redner wurde von mehreren Kollegen klar gemacht, daß die Re- organisatio» der Filiale in einen Lokalverband einen Rückschritt bedeutet, denn die kleinen Filialen sind ohne die großen nicht lebensfähig. Hierauf wurde der Antrag gegen die Stimme des Antragstellers abgelehnt. Die an der Spitze desKorrespondenz- blattes" vom 1. Oktober stehende Bekanntmachung des Hauptvor- standes, betr. die Abführung der gesammelten Gelder für die ausgesperrten Brauerei- Arbeiter an den Kollegen Donath, Große Frankfurterstraße 136 hat ein Mißversländniß unter den Kollegen hervorgerufen. Kollege Höpfner erklärte, daß diese Bekanntmachung nur die anderen Filialen angehe. Berlin hat wie bisher die gesammelten Gelder an Kollegen Schütte, Schlesischestr. 36, abzuliefern. Der allgemeine Arbeiter- und Arbeiterinnen-Berein für Berlin und Umgegend hielt am 17. Oktober in den Arminhalle» seine Generalversammlung ab. Die Zahl der Mit- gliever betrug 354, darunter 28 weibliche. Ter Kassenbestand vom letzten Quartal mit den Einnahmen belief sich auf 216,69 M., die Ausgaben betrugen 165,45 M., es verblieb also ein Bestand von 164,64 M. Von den Revisoren wurde die Richtigkeit dieser Abrechnung bestätigt. Sodann wurde an stelle des Kollegen Paul Neumann vie Kollegin Frl. Elise Doborowski als stellvertretende Vorsitzende gewählt. Hierauf hielt Kollege P Jahn einen interessanten Vortrag über: De» Werth und bie Bedeutung einer Berufsstatistik für die arbeitenden Klassen. Unter Verschiedenem wurden die Kollegen aufgefordert, sich etwas zahl- reicher in den Zahlstellen einzufinden. Diese befinden sich Friedrichsgracht 16 bei Thierbach(Ausnahmen und Beiträg« werben an jedem Sonnabend von Abends 8 Uhr entgegen ge- nommen, auch findet hier die Bücherausgabe statt); ferner jeden Sonnabend nach dem 1. des Monats Wafferthorstr. 57 beiSinth; Wollinerstr. 56 im Restaurant; Schlesischestr. 33 bei Pank; Gerichtstr. 89 bei Schulze; Gotzkowskystr. 3 bei Leder. Zur Er- gänzung der Bibliothek wurden 26 M. bewilligt. Zeutralverein der Gärtner. Die Zahlstelle Berlin (Ost) hielt am 17. Oktober ihre regelmäßige Mitgliederversamuilniig ab, in der Kollege Krause überDie Entwickelung der Elektrizität" sprach. Nach Beendigung seines Vortrages forderte Redner zum regen Besuch der Urania aus. Sodann theilte Kollege Büchner mit, daß die Resolution, betreffend die Sonntagsruhe der Gärtnergehilfen, von der dazu gewählten Kommission dem Bundesrath überreicht worden ist. Nachdem noch Kollege R o s ch I a u zur strikten Durchführung des Boykotts ermahnt hatte, erfolgte Schluß der Versammlung. Nächste Ver- sammlung Mittwoch, den 7. November, im Proskauer Garten, Proskauerstraßc; sachwiffenschafllicher Vortrag des Kollegen Walter, wozu alle unserer Organisation noch sernstehenden Kollegen hiermit eingeladen werden. Die Freie Vereinigung der Lokal» und Straßen- Händler beschäftigte sich i» ihrer letzten Mitgliederversammlung mit der Erledigung einer Reihe geschäftlicher Angelegenheiten. Die Abrechnung, die zur Verlesung kam, weist eine Einnahme von 72,35 M. auf, der eine Ausgabe von 52,15 M. gegenüber- steht. Die hieraus vollzogene Wahl des Vorstandes hatte sol» oendes Resultat: Schröder erster. Müller zweiter Vorsitzender; Saß erster. Jung zweiter Schriftführer; Gruschinski erster. Am- berger zweiter Kassirer; Frau Gruschinski Beisitzende; Nadge, Haupt und Frau Hintze Revisoren. Das Schiedsgericht setzt sich zusammen aus: Nadge, Haupt und Seiler. Zum Schluß wird bekannt gegeben, daß in diesem Quartal gelbe Karten verausgabt werden. Der Fnchvereiu der Musikinstrumeutrn-Arbeiter hielt am 26. Oktober in der Rosenthalerstr. 57 eine Mttglied«r-B«r- sammlung ab. Auf der Tagesordnung stand: I. Vortrag des Gen. Hoffn.ann überIndividuelle Freiheit und K�davergehorsui>. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Werkstatt-Ange- legenheiten. 5. Verschiedenes. Der Referent erledigte sich i-ineS Vortrages in leicht verstündlicher Weise und wurde oemselben all- seitige Zustimmung zu theil. Eine Diskussion fand nicht statt. Punkt 3, 4 und 5 der Tagesordnung gelangten de» schwachen Be- suchs halber nicht zur Verhandlung. Heber konventionelle Lügen sprach Genosse Pinn am 21. Okiober in einer öffentlicheri Versammlung, dir von der Filiale V der Maler einberufen war. Dem interessanten Vor» trag folgte eine rege Diskussion, die dem Referenten Beranlassnug gab, in seinem Schlußwort dem Genoffen Fiedler den Unter- schied zwischen Sozialismus und Anarchismus eingehend aus- einander zu setzen. Nach Schluß der Versammlung fand ein gemüthliches Beisammensein statt. Recht gut war die Versammlung der HilfS- arbeiter in der Lampenbranche besucht, welche am 23. Oktober bei Zubeil abgehalten wurde. Dem Referat Wagner's überVolksbildung und Klassenbewußtsein", daS lebhafte Zustimmung hervorrief, folgte eine Darlegung der hauptsächlichsten Mißstände in den Lampenfabriken, wozu Hilfs- arbeiter Kump das Wort nahm. Entgegen dem vielfach ver-' breiteten Glauben an das Eldorado in den gena>.nten Betrieben inüsse endlich einmal festgestellt werden, daß zunächst mit vezug aus die Arbeitszeit hier überhaupt von einerRegelung" keine Rede sei. Die Saison verpflichte z» 13 14stündiger Schinderei die Arbeit der Lampenpacker ist sehr ungesund nachdem setze man die Arbeitskräfte ohne weiteres auf die Straße. Be- sonders niedrige Löhne zahle z. B. Frister u. Co., Lindenstraße, (15 M.); vor kurzum sei sogar durch Inserat nach Naunynstr. 13 ein Packer für 12 M. Wochenlohn verlangt! Ausführlich behau- delte der Referent und nach ihm auch die Diskussionsredner die Zustände bei Kindermann iu Co., Möckernstraße. Die Antreiberei ist ungeachtet der 1218 Mark-Löhne besonders ausgebildet. Man beklagte sich bitter über bie allzusehr an soldatischen Drill erinnernde Behandlungsmethode des Expedienten Schmidt. Daß die große Mehrzahl der dort beschäfttgten Hilfsarbeiter leider unorganisirt ist, versteht sich danach von selbst. Wie in der Debatte weiter bemerkt wurde, hat in der genannten Fabrik der eigenartige Modus Platz gegriffen, dast die Meister selbständig Leute annehmen und gänzlich nach Guidünken entlohnen, diese bekommen dann als Aequivalent für den geringenLohn" zum Weihnachtsfest Tantiomen von 646 M. Eine Resolution, in welcher zum Beitritt in die Organisation ausgefordert wurde, gelangte zur Annahme. Von Wagner und mehreren anderen Rednern wurde die straffe Durchführung des Vierboykotts al? unerläßliche Pflicht hingestellt. Der Fachverein der Stellmacher hatte am 21. Oktober eine Generalversammlung einberufen. Dem Kassenbericht, der der Versammlung unterbreitet wird, ist zu entnehmen, daß bie Einnahme 85,63 M. betrug, die Ausgabe 52,76 M., mithin bleibt ein Kassenbestand von 82,33 M. Bei der Vorstandswahl wurden die Kollegen MichölS und Tröger zum ersten resp. zweiten Vorsitzenden gewählt. Unter Verschiedenem befürwortete man die strikte Durchiührung deS Bierboykolts und wurde hierbei das indifferente Verhalten einiger Kollegen zur Sprache gebracht. Unter anderem kritisirten mehrere Rebner die Zustände in den Werkstätten von L a u g k, Fruchtstraße, und Rudowsky, Rostockcrstr. 56. Letzterer hat als Brauereilieferant und Haus- eigenthümer seine Gesellen wiederholt zum Verkehr bei seinem Ringbier- Budiker angehalten. Von einem Kollegen wird der Wunsch geäußert, sämmtliche Werkstätten, in denen die Kollegen Boykoltbier trinken, der Agitationskommission namhaft zu mache... Hieraus sprach Genosse H o f s m a n n in einem sehr beifällig aufgenommenen Vortrage überDas moderne Raubritterthum". Die Versammlungen finden am Sonntage nach dem 15. eines jede;« Monats bei Brüß, Lothringerstr. 41, statt. Rixdorf. Der deutsche Lolzarbeiter-Verband hielt hier am 14. Ottober seine Generalversammlung ab. Da der Referent, Kollege Schöpflin, nicht erschienen war, so ging man sofort zum dritten Punkt der Tagesordnung über. Der Vorsitzende sowie der Obmann der Arbeitsvermittelungs- Kommission be- richteten über die bisherige Thätigkeit im dritten Quartal. Danach haben 3 Vereineversammlungen und 3 BorstandSsihungen stattgefunden, die Mitgliederzahl ist auf 153 gestiegen. Die Ab- rechnung ergab: Einnahme der Verbandskasse 274,72 M., Ans- gäbe 235,64 M., bleibt Bestand 39,68 M. Einnahme der Lokal- lasse 116,65 M., Ausgabe 86,15 M.. bleibt Bestand 29,96 M. Der Streikfonds weift eine Einnahme von 33,55 M. aus, davon sind abgeschickt 36 M. Für den Agitationsfonds ist eine Ejn- nähme von 15,96 M. zu verzeichnen, der oine Ausgabe von 12,26 M. gegenübersteht. Unter Verbandsangelegenheiten wurden die Verhältnisse der Werkstatt von Brauer, Stemmetzstraße,«mv der Fäcbersabrik in der Knesebeckstraße einer herben Kritik unter« zogen. Sodann bringt Kvll. Hopp« den Bierboykott in Er» innerung und richtet an die Mitglieder die Aufforderung, den- selben energisch durchzuführen. Von dem Kassirer werden die Beiträge jeden Sonnabend Abend von 89»/, Uhr letzt bei Reden, Prinz Handjerystr. 53, jowie im Arbeitsnachweis b« Hoffmann. Lessingnraßen-Ecke, alle Abend entgegen genommen. Die regelmäßigen Mitgliederversammlung«» finden immer des Sonntags nach dem 15. statt. Eine öffentliche Versammlung des Gewerkschafts-KartellS m Rixdorf tagte am 13. Oktober. Nachdem daS Bureau aus den Genossen Schulz, Frese und Gcschke zusammengesetzt ist, wirb in die Verhandlung eingetreten. Genosse Schulz beantragt, ein Verzeichniß sämmtlicher Gewerkschaften mit Angabe ihrer Zahl« stellen drucken zu lassen, und ouse? Verzeichniß in den Lokalen auszuhängen. Der Antrag, der von einigen Delegirten besür- wertet wird, gelangt hierauf zur Annahme. Im 2. Punkt der Tagesordnung schildert Genosse Schulz bie Lage der Textilarbeiter und fragt an. ob es nicht möglich wäre. eine öffentliche Versammlung der Textilarbeiter einzuberufen, die Kosten aber das Kartell übernimmt. Die Genoffen H e i n z e, Frese und B i e r l i n g spreche» für den Antrag und wurde demgemäß beschlossen. Ferner wird verlangt, daß die Gewerkschaften für das zweite Halbjahr ihren Beitrag an das Kartell zu entrichten haben. Nachdem noch etliche Gewerkschastsangelegenheiten erledigt waren, erfolgte der Schluß der Versammlung. Gefehlt haben die Tele- girten der Möbelpolierer, Schmiede und Kutscher. Charlottenburg . Die definitive Beschlußfassung über die Gründung eines Gewerkschastskartells wurde in der im Lokale Bismarckshöhe tagenden Versammlung am Sonntag Nachmittag vollzogen. Namens der mit den darauf bezüglichen Vorarbeiten betrauten Kommisfion erstattete Zimmerer K u b« Bericht. Die Vorlheile eines losen Zusammenschlusses der in Charloltenburg bomizilirten Gewerkschaften beleuchtete Buchdrucker Göhrke in einer längere» Rede. Man solle, so schloß der Referent, den frischen Zug, der momentan durch die hiesig« Beweguuggeht, benutzen, um Dauerndes für die Gesainmthelt zu schaffen. Mit Ausnahme von B« y, Porzcllanarbeiter, der seine Stellung durch die eigenartigen Organisationsverhältniffe seiner Branche molivirte, ergab sich durch die Debatte Uebereiiistimmung der Vertreter der ver- schiedenen Gewerkschaften mit der Ansicht des Bortragenden, ein Kartell nach de mMu st er der Berlin er Gewerk- schaftskommission ins Leben zu rufen. Auf Antrag Sellin beschloß man, baß jede Gewerkschaft vorläufig durch einen Delegirten vertreten sein soll. Innerhalb drei Wochen haben die diesbezüglichen Wahlen in öffentlichen Ver- sanimlungen stattzufinden; die Adressen der Gewählten sind dem Komitee, welches die Vorarbeiten geleitet hat, zu üb«rmitteln, welches dann unverzüglich die konstituirende Versammlung ein« zuberusen hat.