Nr. 1 38. Jahrgang Ausgabe A r. 1
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Sonnabend, den 1. Januar 1921
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An die Partei!
Zwei Gefahren bedrohten nach der Novemberrevolution bas beutsche Bolt: Innere Unruhen und das Dittat unbarm= Wir stehen an der Schwelle eines neuen Jahres, das voll herziger Sieger. Sind diese Gefahren in dem nun abgelaufenen der ernsteften Aufgaben, vielleicht der schwersten Kämpfe fein Jahr weniger drohend gewesen? Ist drinnen und draußen Die Bernunft auf dem Marsche? Diese Fragen drängen fich auf, wenn wir die Bilanz für 1920 ziehen wollen.
wird.
der Ausbeutung, den die vom Kapital getaufte Breffe nou einem Winkel des Landes bis zum anderen trägt; darum der Kampf, den die Regierungen im Reich und in Preußen gegen ihre eigenen bürgerlichen Regierungsparteien um die notwendigsten Besitzsteuern
Die Wirtschaftstrije, eine Folge der Zerstörungen des Weltkriegs, liegt noch immer drüdend auf Europa . Während es den Maffen an den notwendigsten Miffeln zur Erhaltung ihres Lebens fehlt, gelingt es nicht, die Produktion wieder zu führen gezwungen find! in Gang zu setzen, um die drängendsten Bedürfnisse zu befriedigen. In den Ländern der Besiegten wie der Sieger greift die Arbeitslosigkeit
Was die inneren Berhältnisse angeht, so wird von allen nicht voreingenommenen ausländischen Beobachtern Deutsch lands zugegeben, daß das deutsche Volf im Jahre 1920 für den Wiederaufbau der deutschen Boltswirtschaft das an Kraft bergegeben hat, was ein durch 5 Jahre Krieg und Baffenstillstand seelisch zermürbtes und körperlich geschwächtes Bolt überhaupt geben tann. Gewiß, die Arbeitsleistungen von in erschreckender Weise um sich. 1913 find hierzulande nicht erreicht worden. Aber soweit ist in erfchredender Weise um sich. man auch in den Ländern der Sieger noch nicht. Man reißt Hilfe bringen fann nur die Wiederherstellung des wirt. bie Männer und Jünglinge ganzer Bölfer nirgends ungestraft lichen Friedens und des geregelten internationalen fünf Jahre lang aus dem produttiven Erwerbsleben heraus, Güteraustausches. Die Regelung der deutschen wiederum fie in Schüßengräben die Technit des Lötens und Ber- gutmachungspflichten im Rahmen des Möglichen und Störens in höchster Vollendung zu lehren. Trotzdem ist der die Herstellung freier Wirtschaftsbeziehungen auch nach Mille zur Arbeit und zu geordnetem Leben in den letzten zwei dem Osten ist dafür unumgängliche Voraussetzung. Jahren bei den Massen in Deutschland so start geworden, daß Deutschland dadurch bisher vor chaotischen Zuständen bewahrt blieb.
Diefes wirklichen Friedens bedürfen alle Völker, feines mehr als unser eigenes! Kampf den Toren und Verbrechern in allen Ländern, die dem Ziel der Völkerverföhnung wider
ffreben!
Aber auch unfer inneres Wirtschaftsleben tranti an Schäden, die durch die Unarchie und das ungezügelte Gewinnfireben des Kapitalismus hervorgerufen sind. Die Weltmacht des Kapitalismus
nicht zugleich die Grundlagen der Existenz des arbeitenden Bottes feibst zertrümmert werden sollen. Es gilt, sturmreife pofitionen zu erobern, nicht aber sich an noch uneinnehmbaren die Köpfe einzurennen.
Die Gewinnung von
Ich erinnere mich einer Unterredung, die ich in den ersten Januartagen 1919 mit aus der Schweiz gebürtigen Großfaufleuten hatte, die jahrzehntelang in Rußland ihre Geschäfte be= trieben hatten und die Berlin auf der Rückreise nach der Hei mat pajerten, in die sie zurückkehrten, weil sie alle Hoffnung auf balbige Befferung der ruffen Zustände aufgegeben hatten. Sie hörten damals in Berlin die finnlosen Schiebe reien und die ihr Nieder" schreienden Demonstrationszüge; fann nicht mit einem Schlage überwunden werden, wenn fie fahen ar jeber freien Fläche fich jagende Plakate und den wilden Straßenhandel, und sie behaupteten fest, daß sich die Dinge in Deutschland nach demselben Schema weiter entwidein mürben, wie sie das in Rußland erlebt hätten. Wenn es troß dem anders tam, so ist das in erster Linie dem gefunden Sinn der sozialistisch geschulten Arbeiter Deutschlands zu danken. Die bolichemistische Krise wurde in Deutschland wesentlich Kohle, Baumaterialien und Düngemitteln schon im Jahre 1919 überwunden. Wenn im Jahre 1920 ber ist von fo ungeheurer Bedeutung für das Wohlergehen der Gefundungsprozeß nicht noch größere Fortschritte machte, fo liegt das nicht an dem mangelnden guten Willen der deutschen Gesamtheit, daß sie nicht länger der fapitalistischen Profitwirt. Arbeiter, sondern vor allem daran, daß wir aus der deutschen fchaft liberantwortet bleiben darf. Ihre öffentliche BeRohlengewinnung für die Bedürfnisse des industriellen Wie wirtschaftung im Jnteresse der Gesamtheit liegt im beraufbaues nicht das unbedingt notwendige Quantum zu- ahmen des fechnisch möglichen; wir fordern sie daher mit rüdbehalten dürfen. Kohlennot führt zu Stillegungen der In- aller Entschiedenheit. Unsere allernächste Forderung geht dadustrie und bringt furchtbares Elenb für Hunderttausende hin, daß die Regierung durch ungefäumte Einbringung einer mit sich. Elend, das bem fremden Beobachter oft verborgen Gejegesvorlage über die Sozialisierung des kohlen bleibt. Elend und Arbeitslosigkeit sind eben der beste Nähr bergbaues im Reichstag den Verschleppungsverfuchen des boden für verzweifelte Stimmungen. vorläufigen Reichswirtschaftsrates ein Ende berelle.
2ber auch auf allen anderen Wirtschaftsgebieten muß es
Trogalledem hat das Jahr 1920 erwiesen, daß die Jünger der Mostauer Propheten in Deutschland nicht Gewalt über ben Geist der Maffen bekommen werden, wenn das deutsche die Aufgabe der Regierung fein, die Intereffen der Arbeiter Bolt nicht etwa durch Druck von außen von neuem in den 3u- und Erzeuger mit denen der Verbraucher in Uebereinstimmung ftand der Berzweiflung versetzt wird. zu bringen. Die fortschreifende Auflösung der zwangs Berben die Staatsmänner der Entente bas endlich bewirtschaft macht sich indeffen im Steigen aller Preise begreifen? Werden fie 1921 mehr Einsicht haben als 1919 mertbar und bedroht uns mit einer fchweren und 1920?
Werden sie endlich auf den Rat derer hören, die wie
Ernährungsfatastrophe.
Boran leuchtet diesem Treiben das Bethalien jener vormals regierenden Familien,
die, nachdem sie durch ihre Unfähigkeit das Land ins Unglüc gestürzt haben, entschlossen zu sein scheinen, ihm, auf zweifelhaftefte Privatrechte" geflüßt, auch noch das lehte zu nehmen, was ihm die Feinde von vordem zu lassen bereit sind.
Gegen diese Ausschreitungen habfüchtigen Eigennutes muß das arbeitende Bolt den Kampf auf der ganzen Linie aufnehmen. Das tann es mit 2usfigt auf Erfolg nur dana tun, wenn es bereit ist, ihn mit geschlossener Disziplin zu führen und dem Wohl der Gesamtheit alle Opfer zu bringen, die in den Grenzen feiner Kraft liegen. Denen aber, die arbeiten oder arbeiten wollen, muß ein gerechter Anteil an den vorhandenen Borräten zur Friftung ihres Lebensunterbalts gewährt werden. Die notwendige Stabilisierung unserer Baluta darf nicht erkauft werden durch den Untergang von Volfafdichten, die zum Leben berechtigt und zur Arbeit beteit fits.
Die Ziele des arbeitenden Boltes find nur zu erreichen auf dem Boden
der Republik und des allgemeinen Wahlrechts. Diese teuer erfauften idealen Güter darf die Urbeiterklasse nicht preisgeben oder geringfchäzen, weil ihr die wetilise und der unentwidelte Stand unserer Wirtschaftsverfaffung die Erfüllung gerechter materieller Ansprüche noch versagt. Die Einfah seines Lehten, wenn es fein muß, auch seines Republit und das allgemeine Wahlrecht muß ein, jeder mif Lebens, zu verteidigen bereit fein. Laft Euch nicht einfchläfern, verfennt nicht die drohende Gefahr!
Die monarchiffische Reaktion, die im März des verflossenen Jahres ihre voreiligen Pläne an der Macht des Generalftreits fcheitern sah, hat ihre Tattif geändert. Jetzt richtet sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf die kommenden
bei denen sie durch schlauen Boltsbetrug eine ihr passende preußischen Landtagswahlen, Mehrheit zu schaffen und den Einfluß der Sozialdemokratie 3u brechen hofft, um so freie Bahn für ihre weiteren Unternehmungen zu gervinnen. Inzwischen lauert fie auf fomfollen, mit bewaffneter Hand ihr lehtes Ziel zu verwirklichen. munistische Zorheiten, die ihr das Signal dazu geben Wer zu solchen Torheiten rät, wer weiter dazu hilft, die Urbeiterflasse durch inneren Kampf zu zerfleischen, wirkt für den Sieg der Feinde.
M. Rennes ihnen immer wieder auseinandersehen, daß Europa Mer aus Gewinnsucht Stoffe, die der Ernährung dienen können, nicht zur Ruhe tommt und baß auch die Länder der Sieger den darbenden Verbrauchern vorenthält oder sie über Gebühr die vor uns liegen. Wir nehinen fle auf im Vertrauen auf Genoffinnen und Genoffen! Schwer find die Aufgaben, wirtschaftlich nicht gefunden werben, ehe nicht Deutschland verteuert, begeht das jawerfte Berbrechen an der Boltsgemein- bie wachsende Selbstbesinnung des Proletariats, die unauf und Rußland wieder als gleichberechtigte Glieder in dem fchaft. Dagegen sind schärffie Maßnahmen geboten, ihre Un- haltsam vordringende Erkenntnis, daß nur die Einigkeit Lomplizierten System der Weltwirtschaft sich und den anderen zum Nußen mittun dürfen? Die Konferenzen von Hythe, Sanwendung wird in den Maffen Genugtuung hervorrufen, wäh- im 3eichen der Sozialdemokratie den Sieg be Remo, Boulogne und nicht zuleht die erste Tagung tend jede Nachgiebigkeit gegen das gemeinschädliche Trelben reifen tann. bes Bölterbundes in Genf haben im verfloffenen der Lebensmittelschieber, Wucherer und Praffer die stärkste Jahre gezeigt, daß in der europäischen Bolitik und Wirtschaft Erbitferung auszulösen geeignet ist. Don dem neuen Geist, der nach dem Kriegsgefchrei der Cienie der Welt den dauerhaften Frieden bescheren sollte, noch verflucht wenig zu verspüren ist. Ist die Brüsseler Finanztonferenz, die in das neue Jahr hinein vertagt worden ist, ber Anfang einer Besserung? Das ist die Frage.
notwendigen Maßnahmen widersetzt sich mit Ungestüm die Den zur Wiederherstellung des wirtschaftlichen Lebens Selbstfucht der besitzenden Klassen
in Stadt und Land. Darum der Schrei nach voller Freiheit Berlin , Neujahr 1921.
Ein Jahr großer organisatorischer Erfolge liegt hinter uns, es gift, fie fortzusehen und zu vollenden.
Glad auf zum neuen Jahr! Nie zurüd, sondern den Blick fest auf die Zukunft gerichtet unermüdlich vorwärts! Hoch die Sozialdemokratie!
Der Parteivorstand.
1921 wird für Deutschland das Schidfalsjahr werden. In den nächsten Monaten wird über die Summen, bie Deutschland für die Wiederherstellungen in den ver teten Gebieter gasten soll, die Entscheidung fallen. Bir Sozialberaten haben uns aus eigenem Willen für den Bartels. Adolf Braun . Rich. Fischer. Otto Frant. Heinrich. Hildenbrand. Marie Juchacz . Franz Krüger . Moffenbuhr. Teberaufbau des verwüsteten Flandern und Nordfrankreich eingefeßt, soweit das in der Kraft des deutschen Boltes liegt. Hermann Müller . Pfannkuch. Rifter. Elfriede Ryned. Heint. Schulz. Stampfer. Stelling. Wels. Zugerbem darf darüber kein Zweifel sein, daß auch alle, die es in Amerifa und in dem neutralen Europa gut mit dem Deutschen Bolte meinen, das in den Grenzen des Möglichen Biegende von uns erwarten. Behaupten wollen, daß wir gar nichts zahlen und bieten fönnen, würde uns in der Welt der legten Freunde berauben.
den Goldmart zahlen soll. Um das zu ermöglichen, sollen das Reich, die Gliedstaaten und die Gemeinden unter eine Finanztontrolle genommen werden, die mit dem Befen eines jouve Gardiner, der Herausgeber der„ Daily News", hat im ränen Staates unerträglich wäre, praftisch unmöglich ist und vorigen Frühjahr Deutschland bereift und über seine Studien Im Jahre 1921 haben unsere ehemaligen Kriegsgegner vor allem nie zu dem gewollten 3wed führen tann. Ein solches dann in England sehr lesenswerte Artifel veröffentlicht. Er u beweifen, ob fie mit uns auf Grund der realen Berhält Borgehen müßte im deutschen Bolte alles Interesse fchrieb u. a., bak Deutschland , faufmännisch betrachtet, in der niffe über Deutschlands finanzielle Berpflichtungen veram staatlichen Leben ertöten. Welche politische Lage eines Bantrotteurs sei. Er hat nur zu recht handeln wollen. Die Times" hat dieser Tage behauptet, Bartel märe unter foldhen Bedingungen bereit, die Regierungs- Aber er hat ebenso recht mit seinem weiteren Hinweis, daß baj bas beut dhe Bolt ab Mai 1921 in 42 Jahren 265 miliar geschäfte der Deutschen Republik zu führen? Haben die Hinter- ein Bankrotteur nur dann auf die Dauer zu intensiver Arbeit