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Dke Regkerungsparteien gegen wirth. Lei der Fortsetzung der zweiten Ausschußlesung am Dienstag oerharrten die Regierungsparteien dabei, die Einkommen- st« u e rn o v e ll e mit Aushöhlungsbestimmungen zu- gunsten der großen Einkommensteuerpflichtigen zu bepacken, von denen der Reichsfinanzminister Dr. Wirth ebenso entschieden ab- riet wie die sozialistischen Vertreter. Die aus sozialdemokratischen Antrag in erster Lesung beschlossene Erhöhung des steuerfreien Ve- trags der KriegsbeschSdigtengebührnisse von 2000 M. auf 8000 M. wurde bestätigt. Die Steuerfreiheit für Beiträge zu gemeinnützigen usw. Zwecken wurde trotz der ab- lehnenden Haltung der Regierung wieder bis zu 10 Prozent <erst� Lesung S Prozent) des Einkommens genehmigt. Mit knopper Mehrheit fand dazu ein Antrag Keil Annahme, der verhindert, daß der Spender für den Rest des Einkommens noch steuerliche Erleichterungen genießt. Sehr nachdrücklich bat Minister Dr. Wirt den Ausschuß, den Beschluß erster Lesung zu streichen, daß ein V e r l u st des einen Jahres am Einkommen des folgenden Jahres abgezogen werden darf, eine Bestimmung, die den Einkommensbegrifs vollkommen | aushöhlt. Der von unseren Vertretern gestellte Antrag auf Streichung wurde aber trotzdem von den Regierungsparteien, unter- stützt von Dr. Helfferich, uiederge stimmt. Der neue Steuertarif wurde nach dem Beschluß erster Lesung genehmigt, nachdem der Vorschlag des Abg. Keil(Soz.), Einkommen aus Lohn und Gehalt grundsätzlich anders zu er- fassen als Einkommen aus anderen Quellen, von allen Rednern, mit Ausnahme der Unabhängigen, abgelehnt worden war. Ein Amrag der Unabhängigen auf weitere Abschwächung de? Tarifs nach unteN erwies sich steuertechnisch als nicht stichfest. Aber auch der sozial- demokratische Antrag, bei der Lohn- und Gehaltssteuer statt 4 M. täglich 12 Mark für jede auf das Einkommen ange- wiesene Person steuerfrei zu lassen, wurde a b g e- lehnt: desgleichen ein Antrag Gerauer(Bayr. Vp.), den steuer- freien Abzug von 4 M. auf 8 M. pro Kopf und Tag zu erhöhen. Abgelehnt wurde serner der sozialdemokratische Antrag, den von der Steuer abzuziehenden Betrag von 120 M. auf 240 M. pro Kopf zu erhüben und diese Steuerfreiheit nur den Einkommen bis etwa SO lpO M. zukommen zu lassen. Auch der Antrag der Unabhängigen, den Abzug an der Steuer nur beim Lohn- und Gehaltseinkommen zu machen, verfiel der Ablehnung. Nach dieser Haltung der Mehrheit war die Debatte über die großen Vergünstigungen, die den einmaligen Ein- nahmen zugedacht stnd, von besonderem Interesse. Genosse Keil empfahl unseren Antrag auf Streichung dieser Bestimmungen mit sachlichen Gründen, fügte aber hinzu, parteipolitisch könnte es uns nur erwünscht sein, wenn die Mehrheit den großen Waldbesthern für Nutzungen ans Windbruch und dergleichen 5 Pro- ,ent Skeuer zugestehen, während der Arbeiter für den Lohn aus jeder Ueberstunde 10 Prozent Steuer zahlen müsse. Dr. Becker (2>. Vp.) und Pohlmann(Dem.) bekamen darauf einige B e- denken gegen ihre eigenen Anträge und behielten sich eine Nach- Prüfung im Plenum vor. Trotz der aanz entschiedenen Ablehnung der neuen Bestimmungen seitens des Reichsfinanzmini st»rs hielten aber die Reaierunasparteien, unterstützt von Helfferich, vor- läufig daran fest. Abgelehnt wurde der sozialdemokratische An- »raq auf Wiederherstellung der Besteuerung der Veräußerung»- und Spekula kionrgeminne, die auch der Minister empfohlen hatte. An- rahme fand ein von den Regierungsparteien beantragter schwacher Ersatz, wonach nur �ausgesprochene" Spekulationsgeschäfte, ateet aber die davon gar nicht zu trennenden Deräußernngsoeschäfie der Steuer unterfiegen. Eine erhebliche Verbesserung für die Kleinrentner wurde durch einen Antrag Keil insofern bewirkt, als unter den km Gesetz vorgesehenen Voraussetzungen die Einkom- I men�euer je nach der Höhe des Einkommens um 25 bis 100 Prozent direkt erlassen werden soll, statt daß sich der Steuerpflichtige auf Antrag die bezahlte Kapitalertragsteuer auf die Einkommensteuer anrechnen läßt. Die von Helfferich beantragte Herabsetzung der Mtersgrerze, von der ab auch der erwerbsfähige Kleinrenter An- spruch auf den Erlaß der Steuer hat, von dem zurückgelegten 60. auf das 50. Lebensjahr, wurde abgelehnt: angenommen dagegen ein Antrag Helfferich, der die Steuerfreiheit erhöht bei D e r s i ch e- runasprämien von 600 auf 1000 M. Schließlich wurde von den Regierungsparteien, unter'ützt von den Deutschnationalen, noch eine Bestimmung eingefügt, die S t e uJj r e i h e i t für die Mehrkosten des Baues von Werk- mohn>»ftaen gewährt. Die starken Bedenken, die die Genossen Keif und S o l l m a n n dagegen geltend machten und die von un- serer Seite beantragte Sicher st ellung dieser Wohnungen g�gen Spekulation wurden abgewiesen.

der Jall �ermes-?luguftsn vor Gericht. Magdeburg , IL. März.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärts".) Am Dienstag stand in Magdeburg der Prozeß gegen den Redakteur Roether derM agdeburgischen Zeitung" wegen B e- leidigung des Ministerpräsdenten Braun zur Ver- Handlung. Die Klage wurde von der Staatsanwaltschaft im öffent- lichen Interesse geführt. Minister Braun war als Nebenkläger bei- getreten und wurde durch Iustizrat Werthauer-Berlin vertreten. Der beleidigende Artikel derMagdeburg . Zeitung" wurde im Herbst 1920 geschrieben, als der Fall A u g u st i n- H e r m e s in der Deffentlichkeit lebhaft diskutiert wurde. Genosse Braun hatte auf dem Sozialdemokratischen Parteitag in Kassel erwähnt, daß ein höherer Beamter des ReichsernShrungsministeriums B«- stechungsgelder angenommen habe, als der dann später Ge- heimrat Augustin genannt wurde. Dem Minister Hermes wurde insbesondere der Vorwurf gemacht, daß er Augustin nicht rechtzeitig zur Verantwortung gezogen und ihn noch Ende Mai 1920 im Dienst- verteilunqsplan zum Sektionschef ernannt habe, obwohl er bereits am 7. Mai durch einen Brief des Unter st aatssekretärs Ramm vom preußischen Landwirtschaftsministerium über die Der- fehlungen Augustins in Kenntnis gesetzt worden sei. Hermes selber behauptete, den Brief nicht am 7. Mai, sondern erheblich später er- halten zu Hadem Weiter wurde gegen Hermes noch der Vorwurf erhoben, kostspielige Anschaffungen für seinen persön- lichen Bedarf als Minister durch den Ankauf eines Automobils für 240 000 M. und einer kostspieligen Bureaucinrichtung gemacht zu haben. Da Gelder hierfür im Etat nicht vorgesehen waren, so habe er die Summen vorschußweise der Stick st offdüngemittel- Ausgleichstasse entnommen, was zum mindesten inkorrekt gewesen sei. DieMagdeburgische Zeitung" hatte versucht, den Spieß um» zudrehen und insbesondere behauptet, dem Geheimrat Lugustin sei durch Braun und sein« Beamten absichtlich eine Fall« gestellt »ordem In der Verhandlung berief sich der Angeklagt« darauf, daß er in gutem Glauben gehandelt habe. Unterstaatssetreiär Ramm als Zeuge gab die bereits bekannte Darstellung, daß er am 7. Mai 1920 durch den ersten Geschäftsführer der Ackerbaugefellschast Karl Lieber die Bestechlichkeit Augustin« erfahren Hab«. In der Meinung. daß«in Beamter nicht bestechlich fem darf, Hab« er die Entfer- aung Augustins von seinem Posten verlangt. Aus der wei- teren Zeugenvernehmung ist hervorzuheben, daß die Herren Dt. L a v o l l e und Dr. B i t t o n vom Ernährungeministerium be- stätigen, daß der Brief Ramms an Hermes am 7. Mai geschrieben sei» muß. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten Zwei MonateGefängni» und Publikationsbefugnis in zwei Magde- burger Zeitungen. Da» Gericht erklärte den Angeklagten der Be- leidigung schuldig, erkannte zedoch nur auf 500 Mark Geldstrafe. keil es dem Angeklagten den guten Glauben zubilligt«.,

Parlament oöer pojsenbühne!

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Es wäre zu wünschen gewesen, daß sämtliche unab-> hängigen und kommunistischen Wähler Verlins der gestrigen! Reichstagssitzung hätten beiwohnen tonnen. Wir sind sicher,� daß sie alle, soweit sie überhaupt Klassenbewußtsein und Proletarierstolz im Herzen tragen, mit tiefem Scham- g e f ü h l den Reichstag verlassen hätten. Sie wären zwar zuerst unter dem unmittelbaren Ein- druck der Rede- und Schimpfduelle Ledebour-Adolf H o f f m a n n dem Lachkrampf verfallen, der alle Zuhörer er- greifen mußte, später aber hätten sie sich gesagt:Wie ist es möglich, daß eine Arbeiterschaft, die um ihre Vergangenheit, um ihre Stärke, um ihr intellektuelles Niveau in der ganzen sozialistischen Welt bewundert und beneidet wird, solche H a n s w ü r st e als Führer ansieht und duldet?" Wir verzichten auf eine Erörterung des eigentlichen Streitthemas, jenerkommunistischen Morderzentral«", die Ledebour zum zwanzigsten Maleenthüllte", ebenso auf eine Schilderung der wüsten Szenen, die sich während dieser De- batte abspielten. Wir wollen auch nicht darüber als Schieds- richter entscheiden, wer von den beiden, Ledebour oder Host- mann, den größten Lacherfolg errungen, wer das konfusere Zeug zusammengeschwatzt hat. Wie man sich bettet, so liegt man", sagt das Sprichwort, und, ins Polstische übertragen:Jede Partei hat die Führer, die sie verdient. Ledebour und Adolf Hoffmann können sich in der Tat daraus berufen, daß sie die populärsten Figuren der radikalen, rrrevolutionären Berliner Arbeiterschaft sind. Der alte Schauspieler und der alte Clown haben am gestrigen Tage wieder einmal nicht nur sich selbst, sondern chren Wählern ein erschreckendes Zeugnis geistiger Armut ausgestellt. » Der Anlaß(?) dieser Raufereien war merkwürdigerweise die Besprechung des Reichsministerüims des Innern. Dabei wurden durch Zufallsmehrheiten der drei Arbeiterparteien die Anträge angenommen, oie die Regierung aufforderten, die Entwaffnung und Auflösung der baye- rischen Einwohnerwehren schleunigst durchzu- führen und dem Reichstage die RotMi vorzulegen, die zwi- schen der Reichsregierung und der bayerischen Regierung ge- wechselt worden sind.

Zu Beginn der Sitzung verlas Präsident L ö b e ein Telegramm der Deutschen in Valparaiso , das die Abwehr der maßlosen Forderungen der Entente billigt und verspricht, fest hinter der Reichsregierung zu stehen.(Beifall.) Der Haushaltsplan für 1H21. Auf der Tagesordn>mg steht nach einer Reihe von Anfragen die erste Beratung des Reich-haushaltplans für 1921 in Verbindung mit Gcsetzemwürfea zur Aenderung des Zündwarensteuergefetzes und des Zuckersteuergesetzes, sowie zur Verlängerung der Güllig. keitsdauer des Kohlenfteuergeietzes, schließlich der Entwurf eines Süßstoffgesetzes. Der Haushaltsplan geht auf Antrag des Abg Mumm(Dnat.) an den Hauptausschuß. Die Steuervorlägen an den Steuerausjchuß. Di« Aussprache beim Reichsmini st erium des Innern wird fortgesetzt. Präsident Löbe mahnt die Redner zur Einschränkung und die Abgeordneten zur Anwesenheit. Wir wollen nach den Osterferien ohne Hetzerei arbeiten und unsere Zeit so einteilen, daß die Ab­geordneten auch ihren anderen Geschäften nachgehen können.(Bei- fall.) Die Plenarsitzungen sollen dann täglich nur von 2 bi« 6 Uhr stattfinden, und alle 14 Tage Sonnabend und Montag sttzungsfrei sein. Wollen wieder zu einer geordneten Arbeitsweise zurückkehren. Dann werden auch die Herren der Presse uns die Versündigung am Achtstundentag verzeihen.(Heiterer Bei- fall.) Auch hier kann uns nur Arbeit retten. Abg. Hofmann-Ludwigshafen(Z.): Die Ausgestallung des Schulwesens ist Sache der Länder, wir sind grundsätzlich gegen die Reichsschulen. Wir machen keine weiteren Schulkompromisse wie in Weimar . Abg. veuermmm(D. Vp.): Das Reichsschulamt muß mit der höchsten Autorität ausgestattet werden. Der Religionsunter­richt darf auf kein« ander« Wesse betrieben werden, als wir es schulmäßig gewok>nt sind. Staatssekretär Schulz: Dem allgemeinen Drängen auf kulturelle Fortschritte steht leider die Verarmung des Reiches entgegen. Der Reichsschulausschuß hat sich durchaus bewährt. Die Reichsschulkonferenz hat eine große Bedeutung und brachte viel Material für die Schulgesetzgebung der nächsten Jahre. Stall einer Wiederholung der Konferenz wird das Reichsministerium des Innern aber von Fall zu Fall Fachausschüsse einberufen. Hoffent- lich gelingt die Förderung da Lehrerbildung trotz der Bedenken der Finanzvenvalllmg. Der erste Versuch, ein einhellllches Schuljahr durchzuführen, ist am Widerstand Bayerns gescheitert. Do-t hat man sogar Plakate dagegen verbreitet.(Der Staatssekretär ipeist auf ein große» Plakat auf dem Tisch des Hauses hin. das a"s München stammt:Es geht um die Zukunft unserer Jugend!") Abg. Dr. Löwevstein(ll. Soz.): Der Ausstieg der Tüchtigen scheitert an den Vorrechten der Besitzenden und an finanziellen Hindernissen. Unser Antrag auf obligatorischen Besuch der Schul- k i n d e r g ä r t e n soll der erste Schrill sein zu einer wirklichen Arbeitsgemeinschaft und einem einheitlichen Aufbau des Schul- wesens. Abg. Müller-Franken(Soz.): Am nächsten Sonntag findet die Abstimmung in Qberschlesieu statt: da fürchten nun die Beamten und Arbeiter, die sich für Polen eingesetzt haben, daß st« terrorisiert werden, wenn die Ab- stimmung, wie wir hoffen, sür Deutschland ausfällt. Nach der Friedensvertrag ist eine Maßregelung unzulässig, wir hallen aber eine Erklärung des R e i ch» m i n i st e r s für wünschenswert. Reichsminister des Innern Koch: Die Rcichsregicrung denkt nicht daran, nach der Abstimmung irgendeine Politik der Rache zu treiben.(Beisoll.) Wir wollen es nicht so machen wie Herr Korfonty. der heute bereits denjenigen, die sich für Deutschland eingesetzt haben. Rache angedroht hat.(Hört, hört!) Bezüglich der negativen oder positiven Erklärung beim Reli- gionsunterricht gibt ker Wortlaut der Verfassung keine bestimmten Richtlinien. Es wäre besser, wenn die Kinder, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen wollen, eine Erklärung abzu- geben hatten. Da aber«in Verfassungsbruch nicht vor- liegt, kann gegen die Länder, die anders verfahren, nicht einge- schritten werden Abg Fröhlich(Kom.): Die alte Regierung hat die polnische De- völkerung ausgeplündert.(Große Entrüstung recht». Pfuirufe. Gegenrufe der Kam.) Man fordert für Militär- und konter­revolutionäre Zwecke Hund-rt» von Millionen, aber für Kultur- zwecke hat man kaum 20 Millionen übrig.(Großer Lärm rechts.) Wir fordern die Arbeiterklasse zum Sturz der Regierung auf. Abg. Ledebour(ll. Soz.i: Während unserer Parteikonferenz w Halle Hab« ich von einem Moskowiter einen Brief erhallen, der dazu gedungen war, mich zu ermorde». Mir wurde ange- droht, daß Leute wie lih� Kaut»ky usw.

wegen Bremsung der reoalullouSreu Arbeiter beweguag erschösse» werden sollen. Di« Fessstellungen meiner Parteifreunde ergaben: Der terroristische Briefschreiber hat sinngemäß erklärt, daß inner« halb der Parteiorganisation eine Unterorganisation ge­bildet sei zur Beseitigung revolutionsfeindlicher Führer. Weller erklärte der Mann, daß gerade er zu meiner Ermordung deshalb beauftragt worden sei, da er infolge angeblicher Unzurechnungsfähigkeit nicht vor Gericht gezogen werden könne. Es ist ties dasselbe Rezept, nach dem der Abg. Haas« hier vor dem Reichstage erschossen worden ist. Durch die maßlosen ehrenrührigen Angriffe des Abg. Levi gegen mich, bin ich ge- zwungen, völlige Aufklärung zu schaffen. Die Kommunistische Partei hat sich niemals gegen derartige Vorkommnisse gewandt. Ich bezeichne diese Organisation als eine Mörderzentrale.(Sllir- mische Unruhe bei den Kommunisten.) Diese Mörderzentraleu stnd Gesellschaften mit beschränkter Haftung, für die es einen legitimen Ausdruck einfach nicht gibt.(Hellerkell.) Wenn Ihre Parte! all die Aufreizungen und Aufforderungen zu Mißhandlungen Nicht abschüttelt, so machen Sie sich zu Misschuldigen. Ich hoffe, daß der gesunde Sinn der deusschen Arbeller diese Terra- risten abschütteln wird.(Beifall bei den U. Soz.) Präsident Löbe bittet die nächsten Redner, sich auch etwas mit dem Etat zu beschäftigen.(Heiterkeit.) Abg. Dr. Levi(Komm.): Ledebour benutzt einen solchen Brief, der ihm Material gegen seme früheren Parteigenossen geben kann. Ich kann dem Abg. Ledebour nur eins sagen: Armer Teufel! (Heiterkeit.) Abg. Hoffmana(Komm.): Der Justiz mache ich den Vorwurf, daß sie den gemeingefährlichen Mörder H a a s e s in keiner Anstall untergebracht hat, obwohl er gedroht hat, auch D i t t m a n n und mich zu ermorden. Damit schließt die Aussprach«. Bei der Abstimmuna wird der Antrag Aderhold(U. Soz.), die Entwaffnung und Auflösung der bayerischen Einwohnerwehren schleunigst durchzuführen und dem Reichstag den Notenwechsel zwischen Bayern und dem Reich vorzulegen, mit den Stimmen der sozialistischen Parteien gegen die bürgerlichen Parteien angenommen.(Bravo ! links.) Einstimmig angenommen wird der Antrag, einen Gesetzentwurf einzubringen zur Regelung des Ver- fahrens beim Volksentscheid, sowie der Antrag auf Be- strafung der Schuldigen an der Derhaftuntz der Abgg. Colshorn (Welse) und Schiele(Dnat.). Abg. Mulle(DncllL): Die Aufführung von SchnitzlersReigen" auf einem Berliner Theater ist eine Verschandelung des deusschen Geistes und der deusschen Kultur.(Zuruf Maitz ahn fKomm.s: Da gehen doch bloß Ihre Kreise hin. Die Arbeiter haben nicht Gelb und Zeit dazu! Lebhafte Zustimmung.) Es werden überhaupt nur noch Stücke von ausländischen Autoren ausgeführt.(Deusschöster- reich ill diesem Nationalen Ausland! Red.) Abg. Löweuflein(ll. Soz.): Die Aufführung desReigen" war gerade in derDeusschen Tageszeitung besonder» auf- fallend annonciert. Bekämpfen Sie doch zuerst In Ihren Reihen die unglaubliche anfisemitische Schmutz- und Schuudllkeratur. Angenommen werden die Ensschlleßunaen Schreiber(Z.), die eine Denkschrift über die Maßnahmen zur Förderung planmäßiger Leibesübungen sowie den Betrag von 200 000 M. für eine päd- agoyische Auskunft» st eile bei der Abteilung II des Mi- nssteriums fordern. Abg. Luther (D. Vp.) wendet sich gegen unabhängige Anträge auf Abschaffung des Religionsunterrichts. Abg. Frau Matz(D. Vo.) begrüßt eine Ensschlleßung, daß die. Schüler der Oberklassen in den Friedensvertrag eingeführt werden sollen. Abg. Frau Dransfeld (Z.) spricht gegen die Gabe von 100 000 Mark an die Filmindustrie. Abg. Löwevstein(U. Soz.) wendet sich gegen die Lehrbücher. die zum großen Teil zu monarchistischer Propaganda in ßbraucht werden. Den Antrag auf Unterweisung der Schulkinder im Friedens- vertrag lehnen wir ab. Abg. hellmann(Soz.): Die Ziffern für die Förderung de» Schulwesens stnd aufreizend niedrig. Der Ensschlleßung, statt 100 000 M. 5 Millionen sür wissenschafillche Zwecke eirzustellen, stimmen wir mit Freuden zu. Die Allwität des Reiches auf diesem Gebiete muß viel planmäßiger mrd umfassender werde» Auch die unabhängigen Anträge auf Vereinheitlichung der Lehrer- bildung und Vorbereitung der Einhellsschule begrützen wir Die Reibungen zwischen Dollsschullehrern und Oberlehrern müssen auf- hören. Kündigung de» Weimar « Schulkompromlsse» und eine Ausrollung dieser ganzen Frage. Er»erletzt die Der- fassung und seine Annahme wäre eine politische Angelegenhell ersten Ranges. Er ist ebenso verfassungswidrig wie der unab- hängige Antrag, den Religionsunterricht als ordentllches Lehrfach abzuschaffen. Wir lehnen deshalb beide Anträge ab. Der Unter- richt soll die Elemente geben, au» denen sich der heranwachsende Mensch den Dom sein« Weltanschauung selbst aufbauen kann. Es besteht absolut kein Recht, auch keins der Eltern, das Kind in den Zwang ein« Konfesston hineinzudrücken. Es handelt sich nicht um ein« religionslose, sondern um«in« konfessionslos« Schule. Den volksparteilichen Antrag lehnen wir ab. Er bedeutet nur eine weiter« Völkerverhetzung und wir wollen uns«« Schule von diesem Gift freimachen. Abg. Mumm(Dnat.) zieht die Entschließung betr. Teilnahme am Religionsunterricht zugunsten der gemeinsamen Entschließung der bürgerlichen Parteien zurück: daß Dr. Löwenstein von Deutsch - nationalen verhindert worden ist, in Berlin vor den Lehrern zu sprechen, sei eine Verleumdung! Die Nichtbestätigung Löwenstein» als Oberschulrat ist ausgegangen van den mehrheitssozialistssche« Ministern Severing und Haenisch.(Hört, hört! rechts.) Die Verhandlungen dauern bis in die späten Nachsstunden fort. Die Pressevertreter machen Schluß. Millwoch 1 Uhr: Reichswirtfchastsmwisterium.

LVehrmacbt-verforpunfts-'efeH. Dem Reichstag ist ein Gesetzentwurf üb« die Versorgung d« Angehörigen des Retchsheeres und d« Reichsmarin« sowie ihr« Hinterbliebenen(Wehrmachtsoersorgungsgesetz) zugegangen. Das Versorgungsgesetz geht bei der Versorgung der Unter- ofsiziere und Mannschaften von völlig andere« Prinzipien aus als bei d« Versorgung der Offizier«. Unt«offiziere und Mannschaften haben in d« Regel nach Ablauf ihr« zwölfjährigen Dtenstoerpflichtung nur Anspruch auf U e b e r- gangsgebührnisse. Offiziere dagegen schon nach Absoloi«. rung ein« zehnjährigen Dienstzell auf lebenslängliche Pension. Nur Unteroffizi«« und Mannschaften, die nach ein« Dienstzell von mindestens IL Jahre»»»«gen Dienstunfähigkell ent- lassen werden, können auf ihren Antrag»ach den für Offiztere vor- gesehenen Dorschriiten versorgt werden. Sonst richtet sich die Dauer der Uebergangsgebiihrniss« nach d« absolvierten Dienstzell, im Höchstfälle w«den sie drei Lahre lang gewährt. Dienstbeschädigte Mannschaften haben außerdem noch auf die Leistungen d« Reichsoersorgungsgesetze» Anspruch. Di« völlig verschiedenartige Versorgungsbehandlung von Offi- ziuen und Maimschaften kann nur dazu führen, die Kastenbildimg i» d« Reichswehr zu stärke».