Der römisch« Despot Nero hat Rom in Brand gesteckt, um ein Gedicht darüber schreiben zu können. Im preußischen Landtag konnte man gestern glauben: die Kommunisten haben den Brand in Mitteldeutschland nur entfacht, damit ihr Sprecher Eberlein eine Rede vom Stapel lassen konnte. Neros Verse waren, wie der Geschichtsschreiber berichtet, herz- lich schlecht. Sicher waren ste besser als Eberleins Rede. Eber- lein konnte nur dasselbe, was er zwanzigmal als Landtags- kandidat in jeder Wahlversammluna gesagt hat, zum einund- zwanzigsten Male memorieren. Einmal demaskiert er sich selber, als er den Deutschnationalen versichert, daß sie ihm viel lieber seien als die Sozialdemokraten. Und dann bricht Eberlein in laute Klagen aus, wieviel bester es früher gewesen sei als seht unter den so�ialistii�en Miniltern, so daß man nur noch die Worte vermißt:„Wilhelm kehre zurück!" Ueberhaupt, wer die Zusammenhänge zwischen der äußer st en Rechten und der ä u ß e r st e n Linken studieren wollte, hatte gestern reichlich Gelegenheit dazu. Ehe Eberlein seinen kommunisiischen Zorn über die Regierung Braun-Severing ausgeschüttet hat�e, war die Rechte mit einem Vorstoß des deutf�'nationalen Sprechers Graes- Anklam vorangegangen. Er polemisiert ausschließlich gegen die sozialdemokratische Regierung: nur ihre„schlappe" Be- kämpfung des Putsches interessiert ihn, die Putschisten selber erfreuen sich seiner woblwollenden Schonung. Warum soll Herr Graes die Komunisten angreifen? Hat er doch längst bemerkt, daß jene seine besten Helfer sind. Für den Sprecher der Sozialdemokratie, Genosten Franz Krüger , war es eine dankbare Ausgabe, nach diesen beiden Vorgängern nachzuweisen, wie sich Rechts- und Linksputschi- sten. Deutschnationale und Kommunisten, gegenseitig in die Hände arbeiten. Krüger ging als erster aus das ein, was seine beiden Vorredner versäumt botten, nämlich auf die Geschichte und den Ursprung des Putsches. Und da erbrachte unser Redner den dokumentarischen und lückenlosen Beweis, daß alles Geschrei der Kommunisten, sie seien angegriffen oder provoziert worden, blanker Schwindel ist. Aus der Broschüre Paul Levis, aus der.Roten Fabne" usw. wies Genoste Krüger klar nach, daß dieser Putsch snstematisch von den Kom» munisten vorbereitet und bewußt ohne äußeren Anlaß zum Ausbruch gebracht worden ist. Und besonders rechnete Ge- nosse Franz Krüger ab mit jener abgründigen kommunisti- schen Heuchelei, die setzt an das Mitleid der Arbeiterklasse appelliert, während die Kommunisten selber in Roheit und Grausamkeit schwelgen. Hat doch das Düstel- dorser Organ der VKPD. , die kommunistische„Freiheit", an- läßlich des viehischen Lynchaktes gegen unseren Genosten Zimmer in Mörs Gemeinheiten zuwege gebracht, die hier sestgenagelt seien. Das kommunistische Organ schreibt unter der Ueberlchrift„Peter Zimmer, der erschlagene Schuft": Daß dieser Schuft in zorniger Aufwallung erschlagen wurde, W menschlich wohl zu begreifen, trotzdem verurteilen wir die Tat, nicht jedoch wie wir den Mord an Tült verurteilen, sondern eher wie da? einfache Lynchen eines Pferdediebes, wobei wir zuge- stehen, daß ein Pferdedieb sich beleidigt suhlen könnte, wenn man ihn mit einem Sozialisten vom Schlag« eines Zimmer auf eine Stufe stellen wollte. Die Abrechnung des Genosten Krüger mit den Kommuni- sten fiel in jeder Weise wuchtig und vernichtend aus. Aber er vergaß darüber nicht, den Deutschnationalen zu sagen, daß sie die Sozialdemokratie geaen irgendwelche Gewaltver- suche ihrerseits ebenso auf den Schanzen finden werden. So holten sich die parlamentarischen Leichenfledderer des Putsches, Deutschnationale und Kommunisten, am ersten Tage blutige Köpfe. Heute dürfte Minister S e v e r i n g namens der Regierung mit beiden Teilen abrechnen. »» » Zu Beginn der gestrigen Sitzung des Preußischen Land- tage- teilte Präsident Lelnert mit. daß Abg. Adolf H o f f m a n n (Komm.) seinen WaHtauftrag zurückgegeben habe. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die große Anfrage Graef-Anklam(Dnat.) über den k o m m u n i st i s ch«n A u f st a n d inderProvinzSachsen.— Minister des Innern S e v« r i n g erklärt sich zur Beantwortung bereit. Abg. Graef-Anllam(Dnat.): Im Januar, als alle Well von der kommunistischen Gefahr sprach, versicherte Herr Hörsing einem Berichterstatter, daß an der kommunistischen Geschichte nichts wahr sei.(Redner richtet eine Reihe schwerer Borwürse gegen den Oberprästdenten Hörsing.) Es ist eine ausgleichende Gerechtiq- teit des Schicksals, daß gerade H ö r s i n g den Belagerungszustand verhängen mußt«, mlt dem bekanntlich jeder Esel regieren kann. (Sehr r I ch t i gl b. d. Komm.) Unter den Augen der Regierung wird in Berlin in der Luisenstraße«in Paßbureau für bolschewistische Agenten unterholten, an das auch der bekannte P a r v u s feine Freund« zu verweisen pflegt.(?!) Der schwerste Borwurf ist Herrn Severing deshalb zu machen, weil er das Eiagreisen der Reichswehr verhindert hat. Offenbar gönnte er ihr die Lorbeeren in diesem Feldzuge nicht.(Beifall rechts, Lärm links.) Das Ministerium des Iginern muß endlich in solch« Hände gelegt werden, die tatkräftig zugreifen, um Ruhe und Ordnung im Lande zu schützen.(Anhalten- der Beifall rechts. Zischen und Lärm links.) Di« Kommunisten beantragen, dem Staotsministerium das Bertrauen zu entziehen und fordern in einem weiteren Antrage Aufhebungdes Ausnahmezustandes und B«- seitigung der Ausnahmegerichte. Abg. Eberlein(Komm.): Wir lehnen die Attentate ab, weilsienichtimJnt«r«ls«desProl«tariatsge� l e g e n f i n d. Zu diesem Deutschland haben die Arbeiter Englands. Frankreichs und Italiens kein Vertrauen. Rur eine Verbindung mit Sowjetrußland kann uns aus den Klauen des Ententekapitals retten. Es ist an der Zeit, daß das Proletariat aus der Defensive in die offensive Sampfaktion tritt. Die Schuld an der Niederloge trogen die schamlosen Per- räter.(Sehr wahr! b. d. Komm.— Lärm b. d. Soz.) Di« Ausgleichung der Besitzverhältniste. die Vorbedingung der wahren Ö«mokraiie, ist nur auf dem Wege desoffenenKampfe« mög- 1*5 Wir sogen den Arbeitern: Seht Euch Eure eigenen Führer an. (Zurufe: Ähr wahr! Levil) Der Kampf war deshalb notwendig und wichtig, weil durch ihn die Freunde und Feinde des Proleia- riats offenbar wurden. Die Arbeiter müssen sich überlegen.... (Zurus: Müsten Sie überlegen! Große Heiterkeit!) Es war das erste Gefecht. Das Proletariat wird von Riederlog« zu Niederlage schreiten, bis die revolutionären Arbeiter(Zuruf: Tot sind! Große Heiterkeit.) die Bourgeoisie niedergerungen haben. Die Kcmmunisten werden in den künftigen Kämpfen die mutig st«n. tapfer st en Führer (Hetterkeit) zu stellen haben. Einer von beiden muß sterben— die reattionäre Bourgeoisie und ihre Helfer oder das revolutionäre Pro- letariat.(Heiterkeit.— Beifall b. d. Komm.)
Die putfthiften auf öer /Anklagebank.
Abg. Srüger-Potsdam(Soz.) begründet einen Antrag, der die Beschränkung der S o n d e r g e r i ch t e aus die Bezirke verlangt, in denen der Ausnahmezustand verhängt ist und für Jugend- siche ordentliche Gerichte sowie im übrigen Sicherheiten für ein geordnetes Verfahren fordert. In der Unterhöhlung der Staats- autorität, die Herr Graes so scharf verurteilte, leisten seine Freunde dasselbe wie die Kommunisten. Zwischen beiden herrscht eine merkwürdige Uebereinsiimmung der Sampfesweise und der Kampfesziele. Jugendliche Verbrecher gibt es nicht nur bei den Kommunisten— der jugendliche Mörder Eisners und der Urheber des Atten- tats auf Erzberger wurden gerade in der Herrn Graes nahe- stehenden Presie als„nationale Helden" gefeiert. Herr Graes hat sich darüber beschwert, daß die Regierung die Pressemeldungen über Kommunistenaufstände nicht ernster nahm. Das ist begreiflich, wenn man beobachtete, wie die Rechte und Linke sich in Schauernach- richten über Putsche gegenseitig überboten. Es- schien geradezu, als wenn die Mobilmachungspläne gegenseitig aus- getauscht wären. Gras P o s o d o w s t i hat festgestellt, daß der K a p p- P u t s ch erst die spartakistische Bewegung a u s g e l S st hatte. Rechts und Links arbeiten sich immer gegenseitig in die Hände. Die deukschnalionalen Landräte und Gemeindevorsteher haben ihre > Pflicht beim Sapp-Puksch viel schändlicher verletzt, als jetzt angeblich I sozlallsftsche Beamte. Die Bluttaten in B r e s l a u seitens der Rechts- bolschewisten, die der Aulockprozeß enthüllt hat, stehen nicht hinter den kommunistischen zurück. Auch die Feindschaft der Freunde des Herrn Graes gegen russische Ausländer ist sehr einseitig. Der j deutsche L a n d b u n d hat sich der Rückführung der bosichewistischen Gefangenen heftig widersetzt, weil er die Russen als Ar- beiiskräfte braucht. Eine Presie, die, wie dt« veusichnationale, i an Beschimpfungen der Regierung das Menschenmögliche leistet, hat kein Recht, von einer Untergrabung der Staatsautorität durch die Inaktivität der sozialistischen Minister zu sprechen. Daß der Mi- nister die R e i ch s w e h r in den Ausstand nicht eingesetzt hat, hallen wir für einen Akt außerordentlicher politischer Klugheit. Der Reichswehrmini st er hat erklärt, daß die Reichswehr viel weniger geeignet sei für Unterdrückung innerer Unruhen als die Schutzpolizei. Das Einsetzen der Reichswehr hätte große Masien von Arbeitern aus die Seite der Kommunisten getrieben. Der Rechten kam es ja nur darauf an, aus der Niederlage der Kommunisten eine Niederlage der gesamten Arbeiterschaft zu machen(Sehr wahr! b. d. Soz.) Wir danken der Polizei, daß ste nicht blindwütig vorging und auf beiden Seiten das Blutoer- gießen möglichst zu vermeiden suchte. In einem Punkt« waren sich Deutschnationale und Kommunisten einig: Die S o z i a l d e m o t r o- ten und ihre Minister haben an allem schuld.(Sehr richtig! rechts und b. d. Komm.) Nach der Liebeserklärung Eber» l e i n s an die Deutschnationalen ist ja die Bahn frei für die Tüch- tigen auf beiden Seiten: vielleicht bilden sie dann nie neue Regie- rung zusammen.(Heiterkeit.) Wir würden durch eine bequeme Opposition unser« Parteiinteresien viel mehr fördern können. aber wir arbeiten in der Regierung mit Bürgerlichen zusammen, weil wir mehr B e r st ä n d n i g für die Not des Volke» haben als Sie (nach rechts). Ohne O r g e s ch, ohne K a p p. P u t s ch wären die Kommunisten bedeutungslos, ohne K o m mu n i st e n säßen Sie(zur Rechten) nur halb so zahlreich in diesem Hause. Wenn beide Teil« den Kampf gegen die Entente betreiben, so lehnen wir die natio- nalistische Revanchehetze ebenso scharf ab, wie die angeblich revolutio. nare. Herr Paul Leoi, den Eberlein allerdings schon in ziemlich durchsichtiger Weise als Renegaten und Verräter bezeichnet, fuhrt in seiner Broschüre selbst aus, daß dieser Putsch nicht von anderen pro- voziert worden ist. Allerdings weiß er selbst nicht, von wem die Hetze eigentlich ausging. Jedenfalls hat er recht, wenn er die An- stifter der Aktion als Klndsköpfe bezeichnet, die man in jeder anderen Partei in die Kaltwasierheilanstalt schicken würde. Sie(zu den Komm.) sind sich des großen Unglücks, daß Sie über Ihre An- Hänger bringen, vollbewußt. Die„Rote Fahne " hat vom 17. Mär; an systematisch aufgehetzt, in der Verhandlung der kommunistischen Zentrale wurde erklärt, eine Demonstration genüge nicht, es fei der unmittelbare Kampf erforderlich. Es wurde zum General st reik aufgefordert, zur Verbrüderung, um einen Sern der Rolen Armee zu bilden. Bald darauf erscholl dos kommunistische Geschrei, daß die Polizei den Kampf provoziert habe. Die Unruhe und Empörung im Industriegebiet bestand nur zum Teil, sie wurde erst p r o v o- ziert. Die Kommunisten haben die Differenzen, die sich aus den Arbeitsverhältnissen ergaben, bewußt auf die Spitze getrieben. Die Politik der kommunistischen Zentrale hat nicht nur bei dem bisher!» gen Führer Leoi Derurteilung gefunden, sondern auch bei den Syndikalisten. Endlich konnte die„Rote Fahne" verkünden: „Wir haben die Sipomörder gezwungen, aus ihrer wohlbedachten Reserve herauszutreten, es ist Blut geflossen!" Mr Sozialdemokraken protestieren auf das schärfste, wenn sich heule die Sommunisten nachträglich im Namen des gesamten Proletariats gegen den Putsch aussprechen. Dieser wurde nicht von Arbeitern, sondern nor von einem kleinen Teile irregeleiteter Arbeiter, zum größten Teil aber von Elementen aus dem Verbrechertum durchgejührt.(Redner geht dann auf den sozialdemokratischen Antrag ein.) Wir haben schärisles Mißtrauen gegen die Ausnahmegerichte mit ihrem abgekürzten ver» fahren. Zur Abneigung der Arbeiter gegen sie trägt besonders das Geschrei der Rechtsparteien bei, die gegen die Urteile gegen Kapp» Verbrecher und ihre Nichtverfolgung keinen Tadel übrig hatten. Das Vertrauen zur Justiz wird nicht gefördert, wenn man an die Prozesse der H i l l e r , Kessel, Marloh und dergleichen denkt, bei denen mau immer das Gefühl hatte, als hätten nicht Staats- anwälte, sondern deutschnational« Parteisekretäre ge- richtet. Zum Falle Gült habe ich schon an anderer Stelle gesprochen. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß hier eine scharfe Untersuchung eingeleitet werde und daß, wenn eine Schuld bei der Behörde vor- liegt, unnachsichtlich vorgegangen wird. Aber Sie(zu den Komm.), die Sie wochenlang zu Morden aufgerufen, haben keine Ursache, sich weder über die Gericht« noch über den besonderen Fall Sült besonders zu entrüsten. Sie hoben in menschlicher, moralischer und sittlicher Beziehung dos Recht dazu ver» wirkt. Die Mitteilung über den unlängst von den Kommu» nisten bis zu einer breiigen Masse zerschlagenen lozialdemo- t i st i s ch e m Muster, weil man dort ohne Sonder- und Schwur- kommunistisch«„Freiheit" in Düsseldorf zu den greulichsten Be» schimpfungen und Verhöhnungen, in denen ste ihre Genugtuu.ng über Viesen unmenschlichen Akt ausdrückt«. Die kommunistischen Putschisten würden bei einem Schwurgericht nicht besser wegkommen, als bei einem Sondergericht- Sie wollen allerdings ein Gericht nach kommunistischem Muster. Wahrscheinlich aber nicht nach sowje- t i st i s ch e m Muster, well ma»dort ohne Sonder- und Schwur- gericht« die Widerspenstigen einfach an die Wand stellt. Für die Sondergerichte müssen besondere Rechtsgarantien ge» schaffen werden. Wie die kommunistischen Führer Ihren verhetzten Massen im Kampfe vorangehen, wie ste auf dem Platze geblieben sind, da» baben wir diesmal gesehen.(Heiterkeit.) Selbst Herr Schalem, der seine aufreizenden Arttkel mit seinem Ramey deckt, fühlt sich viel wohler in unserem Kreise hier im Hause und überläßt es anderen. für seine Ideen zu fallen. Auch der„Aktionsausschuß" hat das tLeuna-Werk vor der Besetzung verlassen. Andere sind rechtzeitig
snach Rußland ausgewandert.(Lärm i. d. Komm.) Ich kenne sogar einen Herrn, der sich in den Kapp-Tagen seinen schönen Kopfschmuck und Bart abnehmen ließ.— Es war Herr Adolf H o f f m a n n.(Große Hellerkeit.) Das wüste kommunistische Ge- schimpfe über Mordpolitik, weißen Terror usw. kann niemanden über die Tatsache hinwegtäuschen, daß ihr Anhang keine Lust hat, sich noch weiter in Abenteuer hineintreiben zu lassen: sie tun deshalb so. als ob sie wenigstens innerlich von der Richtigkell ihrer Aktion über- zeugt wären. Sie misten genau, daß es ihnen nicht gelingen wird. eine Mehrhell im Parlament durch das Volk aus demokratischem Wege zu erlangen. Sie sind keine Massenpartei, die groß« Masse der Arbeiter denkt nicht daran, Ihnen zu folgen. Wir So- zialdcmokraten führen den Kampf um die sozial« Befreiung und Besserstellung der Arbeiterschaft aus dem Boden der Republik . Wenn die Kommunisten für ihre Aktionen«inen gewissen Boden finden, dann hoben sie sich bei den R e ch t s p a r t e t e n zu bedanken. Wir find überzeugt, daß trotz allem die Massen der Arbeiterschaft einig sein werden in dem Augenblicke, in dem«ine Regierung nach dem.allen System aufgerichtet werden sollt«. Der einzige Machtfaktor der Arbeiterschaft ist die Sozialdemokratie: denn die Kom- munisten kämpfen nicht gegen rechts, sondern gegen die Ar- beiterschast selb st. Unsere Aufgabe bleibt, die breiten Massen der Arbeiterschaft von dem Vabanquespiel sowohl der Rechten als auch der Kommunisten abzuhalten und sie in geschlossener Masse zu ihrem Ziele zu führen.(Langanholtender Beifall b. d. Soz.) Abg. Slclnspehn(U Soz.): Wir wenden uns schärfstens gegen solche russischen Kompfformen. Man wollte den Gegner, der noch gar keine scharfe Gestalt Halle , auf alle Fälle zer- mürben durch militärische Borstöße der Avantgarde der Kommu- nisten. Die Kommunisten setzten an die Stelle des Klassen» kampfes den Bürgerkrieg. Wir sehen die Förderung der sozialen Revolution nicht in der Steigerung der Arbeitslosig» teit, sondern in der Steig-runq der P r o d u t t i o n. Die Kam» munisten haben in Mitteldeutschland die W e h r p s l i ch t in den brutalsten Formen eingeführt. Sie forderten zum Barrikaden, kämpf auf wie die Bürg-r von 1848 und find in Wahrheit revolutionäre Spießbürger; mit ihrer Aufreizung zum Blutvergießen haben sie an der Arbeiter» rdas größte Verbrechen begangen. Wir treten ein den sozialistischen Aufbau unter Ablehnung aller Putsch- t a k t i k und Attentate, vt« nur zur Verelendung der Ar- beiterklasse dienen.(Lebhafter Beifall bei den U. Eoz.) Präsident Leinrrt teilt mit, daß der Antrag Eberlein (Komm.), der als zweiter Punkt auf der Tagesordnung steht und der Regierung das Mißtrauen aussprechen will, nicht die ver» sassungsmäßig notwendigen SV Unrerschriften trägt und deshalb von der Beratung ausscheidet. Abg. Dr. Meyer(VKPD.) pro- testiert.— Das Haus vertagt sich auf Freitag, 12 Uhr: Kleine An» fragen, Uebergang der Wasserstraßen an das Reich, Rest von heute. Schluß gegen 8 Uhr.__ der Hochverrats vom H. November. Ein Franttuner Rechtsanwalt hat sich den Spaß gemacht, gegen den Prinzen Max von Baden und die noch lebenden fünf von den sechs Volksbeoufttagten Strafanzeige wegen Hochverrats ein« zureichen. Der Hochverrat soll begangen sein durch die Uebergab«. des Reichskanzleramts an Ebert, die Uebernabme der Regieiung, die Ausrufung der Republik ulw. Der Oberrei»Sanwalt hat die Anzeige zurückgewiesen mit der Begründung, daß für politische Ver« brechen, und nur um solche könne eS sich handeln, am 12. November 1918 durch Beschluß der VolkSbeauflragten Amnestie gewährt worden sei, und das Reichsgericht hat diese Ent'cheidung de« Ober- reichSanwaltS bestätigt. Die Entscheidung, die auf den ersten Blick erheiternd wirkt, ift dennoch juristisch richtig. Taten, die sonst als Hochverrat ange- sprachen werden müßten, hören auf. strafbar zu sein, wenn die- jenigen, die sie begangen haben, die Macht besitzen, den von ihnen erlassenen Amnestieakien Rechtskraft zu verleihen. Das war aber zweifellos der Fall. Die Entscheidung des Oberreichsanwalt» ist nur eine in besondere Form gefaßte Bestätigung der Tatsache, daß durch die Rovembererrignisse neues Recht geschassen worden ist.
Adolf Hoffmann hat sein Mandat zum preußischen Landtag niedergele gt. Ueber die Gründe dieses Schrilles werden ver- schieden« Vermutungen geäußert. Nach der«inen Quelle hat die kommunistische Partei daran Anstoß genommen, daß Hoffmann als Reichstags, und Landtagsabgeordneter ein Doppelmandat inn« hat, weshalb er auf eines seiner Mandate verzichten mußte. Nach einer anderen Version hat Hoffmann seinen Platz aufgegeben, um das Mitglied der kommunistischen Zentralleitung Pieck nachrücken zu lassen, gegen den ein politisches Strafverfahren schwebt und dem aus diele Weise der Schutz der Immunität gesichert werden soll.— Daß Aoolf nach Hamburger Muster meuchlings durch die Zentral« „tnteigr.ee worden ist, scheint unwahrscheinlich. Die Beschla>n«hme der„Roten Fahne" durch die Staatsanwalt- schaft ist nacl-«ine» Korrespondenzmeldung von dem zuständigen Ge- richt bestätigt worden. Dos Gericht Hot auch die vom Staats- anwalt rorgenommene Deschlagnohnie der Rotationsmaschin« für rechtmä ßig erklärt.— Auch die gerichtliche Entscheidung kann unsere schweren Bedenken gegen die Rechtmäßigkeit dieser letzteren Maßnahme nicht beseitigen. Der Fall Dämmert. Der Letter der Nachrichtenabteilung im verkauften Dammert-Derlag, Herr Heinrich Gesell, erklärt uns, daß er völlig unabhängig sei, und legt als Beweisstück einen am 11. April d. I. geschlossenen vertrag vor, der ihm das bestätigt. Wir sind leider, nach KermMis der Vorgeschichte, nicht in der Lage, solche Unabhängigkeitsalleste für absolut beweiskräftig zu halten. 0rdnuag»block in Ztalta»? Eine TU.-Meldung au« Rom spricht von antttozialistischem LSahlblockstreben unter den bürger« lichen Parteien. ES ist schon möglich, daß Moskau » Agenten auch dem italieniichen Sozialismus die Wahlausstchten vr, patzt haben. Spanien » Sozialisten und Moskau . Der Sozialtstische Partei« tag in Madrid lehnte mit 8008 gegen V02Z Stimmen den Anschluß an die Dritte Jnternationvle ab.— Folgt die obligate Spaltung l Ander« Horchy-Minlster. An die Stelle des Kabinetts Teleti ist ein Kabinett Graf Stefan Bethlen getrete«. Es wird ein« „christlich-nationale und agrarfreundliche" Richtung»erfolgen.—. Der Pariser„Excelstor" meldet aus Luzern , im Juli werde in Ungarn nach griechischem Muster ein K a r l> Parlament gewählt «erden. Wenn das Strafgesetz gegen Bannbruch Landeeverwiesener (lies Habsourger) im deutschösterreichischen Nattonalrat angenom» men tyird, wollen die christlichsozialen„Republikaner " die Regierimg verlassen. Rückkehrzwang noch Sowjet rußland. Die Moskauer„Iswostija" sollen nach der Dena ein Dekret der Dolkskommissare veröffentlichen. demzufolge das gesamte Eigentum aller Russen, die im Auslande weilen, der Beschlagnahm« anheimfällt.— Diplomatische Putschrussen und turtestanisch« Deutschlandverweser natürlich ausge, nommen! vel de« Londoner Zeugenaussagen rür deutsche Kriegsprozesse können sich die Angeschuldigten vertreten lassen.