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Nr. 180 38. Jahrgang Ausgabe B Nr. 89

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Montag, den 18. April 1921

Die drohende Faust.

Condon, 18. April. ( WTB.) Daily Telegraph " mel-| Ruhrreviers denn überhaupt für einen 3wed, wem nüßt, det, daß zwischen Frankreich und seinen Alliierten wem schadet sie? So macht der Petit Parisien" fol­ein Gedankenaustausch über die die Frage weiterer gende Rechnung auf: 3wangsmaßnahmen im Gange fei.

Paris , 18. April. Havas meldet, daß die Alliierten fich zu einer neuen konferenz in den ersten Tagen des Monats Mai in Paris versammeln werden.

Paris , 18. April. ( WIB.) Nach einer Meldung der In­mation" aus Lille find gestern dort Einberufungsorders für die Jahresklassen 1918 und 1919 des ersten Armeekorps einge­troffen. Man glaubt, es handle fich um eine Uebung.(!)

Amerika Konferenzteilhaber?

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Zerreißung des Ruhrreviers.

Während Hunderte von Zeitungsartikeln und offizielle Noten die Unteilbarkeit Oberschlesiens nachweisen, trifft die Entente alle Veranstaltungen, um eine Scheidelinie mitten durch das rheinisch- westfälische Industriegebiet zu ziehen. Die 3ollgrenze, die vom 20. April an den westlichen Teil des Benn man beispielsweise eine Steuer auf die Rohle des Ruhrreviers gegen den östlichen trennen wird, ist als ein Ruhrgebiets lege oder die Kohlengruben beschlagnahme, nicht geringeres nationales Unglüd zu bezeich­die im Staatsbefiz seien und deren jährlicher Ertrag auf 13 Mil nen als eine etwaige Berreißung Oberschlesiens. lionen Tonnen geschäßt werde, so erhalte man nicht viel Eine Obwohl das ganze Rheinland unter den wirtschaftlichen Kohlenfleuer von 50 Prozent des Werts ergebe feinen höheren Be 3wangsmaßnahmen der Entente leiden wird, verstärfen sich trag als 700 Millionen Goldmark. Der Wert der Staatsgruben ihre Wirkungen in dem Gebiet, das seiner ganzen inneren überschreite nicht 500 Millionen Goldmart. Man sei also weit ent- Gliederung nach ein wirtschaftliche Einheit bildet fernt von den Milliarden Goldmart, die man für die Reparationen und dessen Wirtschaftsleben nur durch ungestörte Beziehungen nötig habe. Höchstens könnten die Erträgniffe im Ruhrgebiet die aller Teile untereinander möglich ist. Jenseits der Zollgrenze Paris , 18. April. ( WEB.) Nach einer Havasmeldung aus Befeßungskosten decken und einen fleinen Betrag für die Reparationen( auf der linken Rheinseite) liegen große Werksanlagen der London fündigt eine Washingtoner Depejde offiziell an, daß die übrig laffen. Die Besetzung des Ruhrgebiets oder jedes anderen Firma Krupp , die ihr wirtschaftliches Schwergewicht diesseits Bereinigten Staaten entschieden hätten, sich auf den kon- industriellen Bezirks müsse alfo viel eher als ein Druckmittel auf der Boligrenze hat. In Hamborn und Mülheim liegen die Eisenwerte von Thyssen, in Oberhausen die Gutehoffnungs ferenzen über die Reparationsfrage, sowie bei allen Deutschland denn als ein Zahlungsmittel angesehen werden. anderen, die sich auf Fragen beziehen, die durch den Krieg ver­" Matin" hälf es für unflug, anzunehmen, bei einer Besetzung hütte, in Duisburg die Rheinischen Stahlwerke, die Deutsche des Ruhrreviers werde Deutschland fofort tapitulieren. Im übrigen Maschinenfabrik 2.-G. und andere Werke, die für den Absatz anlaßt wurden, vertreten zu lassen. rollt er phantastische Pläne auf, wie man die Gruben und Fabriten ihrer Erzeugnisse und für deren Weiterverarbeitung auf den zugunsten Frankreichs ausfaugen könne, verhehlt es sich aber selbst deutschen Markt angewiesen sind. Nach der Anordnung der nicht, daß diefe Pläne zum größten Teil von dem guten Willen Rheinlandtommiffion find in Zukunft für alle nach deni un­der Arbeiter abhängen. Die Arbeitslöhne will er aus Rontri- befehten Deutschland auszuführenden Waren Ausfuhrzölle in butionen deden, die den Städten auferlegt werden, die Fabriten Höhe der deutschen Einfuhrzölle( in Papiermark) zu entrichten. sollen zugunsten der befreiten" Städte ausgebeutet werden. Die Um diese Beträge werden die Waren verteuert, und es liegt Ausführungen tragen den Stempel des Phantastischen zu sehr auf auf der Hand, daß alle jenseits der Zollgrenze gelegenen Werke der Stirn, als daß es sich verlohnt, darauf einzugehen. infolgedessen erhebliche Verluste in ihrem Absatz erleiden Abg. Blum( Schweiz ) im Populaire": Die schlimmste Gefahr werden. ber Einschüchterungspolitik sei, daß man oft Gefangener Die weiterverarbeitende Industrie ist heute feiner Bebrohungen werde; die schlimmste Gefahr, der bei weitem nicht mehr so günstig gestellt, wie es noch vor 3wangspolitik fei, daß man sich verpflichte, dabei zu beharren. Eine einem Jahre der Fall war; sie fann nicht mehr so gewinnbrin 3wangsmaßnahme ziehe die andere nach sich, die Gewalt rufe nachgend-taltulieren, sondern muß auf die Preisbemessungen der Gewalt, und so höre man wieder das Getlirr der Waffen. Es fei Konturrenz Bedacht nehmen. Daraus ergibt sich, daß die menschlich nicht möglich, daß man bis zum Ende diefer Tollheit gehe. Beziehungen der Großeisenindustrie des befehten Gebietes Was immer auch die Komödie des Scheins und der Schrei einer mit der weiterverarbeitenden Industrie im unbesetzten Teil übererregten Bresse sein möge, der Bille Frankreichs sei aus Gründen des Wettbewerbs erhebliche Störungen erleiden nicht zweifelhaft, es wolle den Frieden, wie die ganze Welt ihn wolle. Das sei nicht bloß der Schrei einer einzelnen Bartei, das fei der Wille der gesamten Nation, und die, die ihn verkennen würden, würden bald deffen Stärke fühlen.

Eine Meldung des Intransigeant", die Vereinigten Staaten hätten Deutschlands Borschläge durch einen neutralen Vermittler erhalten, wird von anderer Seite bisher nicht bestätigt. Das Blatt glaubte zu wissen, der Inhalt der Borschläge sei der Plán einer internationalen Anleihe und die Ueber. nahme der Ententeschulden an Amerifa durch Deutschland .

Paris , 18. April. ( WTB.) Wie die Havas - Agentur aus Washington meldet, soll Harding beim Abschiedsbefuch Bivia. nis erklärt haben, er schäze sich glücklich über den Meinungs­custausch zwischen den beiden Republiken, und versichert haben, daß Frankreich in der Reparationsfrage. von der feine Biederaufrichtung chhänge, auf die energische Mitwirtung der Bereinigten Staaten rechnen fönne.

England verhandlungsbereit.

London , 18. April. ( EE.) Der Observer", der die An­fichten Lloyd Georges wiedergibt, erklärt heute: Die englische Regierung versichert, daß ihr bis jetzt noch teine genauen mit teilungen über neue deutsche Vorschläge gemacht wurden. Sobald aber diese übermittelt werden und die Regierung darin geeignete Grundlagen finden würde, auf denen die neuen Verhandlun­gen basieren könnten, würde sie eventuell für eine Aufhebung der Zwangsmaßnahmen eintreten.

Dämmernde Erkenntnis?

Nachdem die französische Boulevardpresse wochenlang nach einer Besetzung des Ruhrreviers geschrien hat, macht sich jetzt eine gewisse Ernüchterung bemerkbar. Man ist endlich bei der Hauptfrage angelangt: was hat die Besetzung des

müssen. Aber auch die übrigen Industrien des Niederrheins, wie die Schuhindustrie, die Margarinefabrikation, die Textil- und die 3igarrenindustrie werden vom deutschen Inlandsmarttabgeschnitten oder müssen eine Umstellung im Absatz vornehmen, die zunächst ruinös wirken muß.

Die gefährlichen Sanktionen. Condon, 18. April. ( WIB.) Daily News" berichtet, das Reparationsgefeh mit seiner 50prozentigen Einfuhrabgabe Aehnlich steht es bei den Beziehungen der Berfe in um­füge dem englischen Handel einen so ernsten Schaden gefehrter Richtung. Für die Einfuhr deutscher waren ins zu, daß die Forderung der englischen Handelswelt nach Auf- besetzte Gebiet soll der Zoll 25 Proz. der in Gold er hebung des Gesetzes oder einer Abänderung seiner Durchführung hobenen deutschen Einfuhrzölle betragen. Wenn jeden Tag wachse. auch diese Zollfestsegung noch Aenderungen erfahren kann, fo steht doch fest, daß von ihr die Kleineifen- und Maschinen­industrie im besetzten Gebiet schwer getroffen, wenn nicht gänzlich fonkurrenzunfähig gemacht wird. Die Industrie­gegenden von Düsseldorf , Neuß und M.- Gladbach werden die Hauptlast zu tragen haben.

Dies ist der gegenwärtige Stand der Verhandlungen. Stegerwalds Regierungsbildung. Die Germania " sucht in der Sonntagsnummer erneut ab­Im Laufe des heutigen Bormittags setzte Stegerwald zuleugnen, daß das Zentrum gegenüber der Sozialdemokratte feine Bemühungen fort, ein Kabinett zustande zu bringen. eine Bindung eingegangen fei. Dieser Tatbestand steht aber Er will in seinem Kabinett die bisherigen Minister Am so unleugbar fest, daß jedes Ministerium Stegerwald, das im Behnhoff( 3.) für Justiz und Fischbed( Dem.) für Widerspruch zu diesen Bedingungen vor den Landtag träte, Handel beibehalten. Diese beiden haben ihm auch zugesagt. von vornherein als ein Ministerium des Wort Für die anderen Refforts bemüht sich Stegerwald Babruchs erscheinen würde. Die Konsequenzen ergeben sich amte zu gewinnen. Es ist dabei die beachtenswerte Erschei- von selbst. mung zu verzeichnen, daß Stegerwald von solchen Be=

ten Absagen erhalten hat, die man nach ihrem bisherigen Verhalten als zuverlässige Republikaner und De mokraten ansehen darf, während andere zugesagt haben, bei denen anzunehmen ist, daß sie einen gegen die Sozial­demokratie gerichteten Rurs ohne Bedauern mit­machen würden.

Schon zeigen sich die Anfänge der Schwierigkeiten, die als Folge dieser wahnwißigen Maßnahmen eintreten müssen. 2r­beiterentlassungen und Verkürzungen der Arbeitszeit werden bereits aus einer ganzen Reihe von Industrieorten gemeldet. Unterrichtete Kreise rechnen aber nicht nur mit einem riesenhaften Anwachsen der Arbeitslosig

Die Stellung der Parteiorganisationen. teit besonders im belegten, aber auch im unbesetzten Ge Aus Rottbus melbet uns ein eigener Drahtbericht: Die biet- fondern auch mit einem erheblichen Aufschnellen der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokratischen Partei des Kreises Preise für alle Bedarfsgegenstände jenseits der Zollgrenze Rottbus, bestehend aus den Ortsvorsigenden und Kreis. Die Wirtschaftslage im befehten Gebiet wird sich den Verhält tagsabgeordneten des ganzen Kreises, beschäftigte sich am niffen in den westlichen Ländern anpassen, so daß sich die gestrigen Sonntag mit der Regierungsbildung in Preußen, und Lebensbedingungen der Bevölkerung und vor allem der Ar­Was die Besetzung der einzelnen Refforts anbelangt, fo nahm nach einem Referat des Genossen Rausch eine Entschließung beiterklasse wesentlich verschlechtern werden. Die Wirkungen hat Stegerwald wegen des Landwirtschaftsmini an, in der es heißt: Die Arbeitsgemeinschaft bedauert leb. dieser wirtschaftlichen Abschnürung lassen sich also dahin zu­steriums mit dem Ministerialdirektor Warmbold ver- haft die Haltung der preußischen Landtagsfrat. fammenfassen, daß die Industrie in ihrem Lebensnerv, näm­handelt. Warmbold, ein früherer. Profeffor, hat bisher den tion bei den Verhandlungen über die Regierungsbildung in lich der Konkurrenzfähigkeit, tödlich getroffen und die Ar­Braunschen Kurs durchaus unterstügt, er ist insbesondere der Preußen, die die Gefahr dringend gemacht hat, daß die Partei durch beiterklasse zur Arbeitslosigkeit und verteuertem Lebensunter­Bater des von den Agrariern so leidenschaftlich bekämpften gänzliches Ausscheiden aus der Regierung jeden diretten halt verurteilt wird. Aber darüber hinaus wird ferner das Gesetzes über die Selbstbewirtschaftung der Domänen. Bet Einfluß in dem Verwaltungsstaat Preußen verliert. Die Arbeits- besetzte Gebiet wirtschaftlich vom Mutterlande dieser Sachlage muß es auffallen, daß der Staatssekretär gemeinschaft erwartet, daß die Schwere des Verlustes aller preu- pöllig losgelöst und gewaltsam an die Wirtschaft der Ramm von Stegerwald übergangen wurde. Ueber Bischen Machtpositionen der Fraktion noch rechtzeitig zum Bewußt- Westmächte angegliedert. Es fann feinem Zweifel unter Warmbolds Stellung, ob er annimmt oder ablehnt, steht noch sein tommt und billigt ausdrücklich die Bemühungen des Genoffen liegen, daß die politische Trennung als legtes Ziel ts fest. Ebert, das Hinausgedrängtwerden der Partei aus der preu- dabei ins Auge gefaßt ist. Diese pessimistische Auffassung der Entwicklung der Dinge Für das Kultusministerium suchte Stegerwald Bifchen Regierung zu vermeiden." den Staatssekretär Beder zu gewinnen. Dieser soll erklärt Dagegen haben die Vertrauensleute des Sozialdemokratischen wird allerdings nicht überall geteilt. Man stützt sich vor allen haben, daß er in tein gegen die Sozialdemo- Bereins Breslau am Sonntag nach einem Referat des Land- Dingen darauf, daß sich eine Reihe von ehemals feindlichen fratie gerichtetes ministerium eintreten tagsabgeordneten Wilhelm Winzer folgende Entschließung zur Ländern den sogenannten Santtionen" nicht oder noch nicht werde. Ebenso soll der frühere Minister Dr e w s. dem Steger preußischen Regierungsfrage gefaßt: Die im Gewerkschaftshaus angeschlossen haben. Das spielt aber gar teine ausschlag­wald das Ministerium des Innern angeboten hat, erflärt perfammelten Funktionäre des Sozialdemokratischen Bereins Bres gebende Rolle. Es fommt wirklich nicht darauf an, was haben, daß er nur in ein Ministerium gehe, das die Unter- lau billigen es, daß die Sozialdemokratische Landtagsfraktion Italien oder Amerika machen, sondern ob es den Franzosen , ftügung der Sozialdemokratie finde. Wegen des Innern ver- ein 3 usammengehen mit der Deutschen Volkspartei in der Belgiern und Engländern gelingt, die Zollschranken mitten handelt Stegerwald gegenwärtig mit dem Oberbürgermeister preußischen Regierung in jeder Form abgelehnt hat und durch das Industriegebiet zu ziehen. Daran rann leider nicht Luther aus Essen, der sich zurzeit in Berlin aufhält. Das fprechen die Erwartung aus, daß die Fraktion an dieser Stellung mehr gezweifelt werden, und da dieses die lebhaftesten Be­Finanzministerium ist dem Grafen Roedern, über dessen nahme festhält, die gegenwärtig aus innen- und außenpolitischen ziehungen zu dem besetzten Gebiet unterhält, es außerdem Stellung noch nichts Endgültiges fich fagen läßt, angeboten Gründen mit besonderer Schärfe einmütig von der Partei vertreten selbst aber da zerriffen wird, wo starte innere Verbindungen worden. werden muß. seine Industrie zu einer Einheit zusammengeschweißt haben,