Nr.19938.Jahrgang
Ausgabe A nr. 101
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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands
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Freitag, den 29. April 1921
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Simons fast ohne Hoffnung!
„ Indes Rom Erwägungen anstellte, ging Sagunt zu- die Kluft, die ihn heute pon den Deutschnationalen trennt, grunde." Während der Reichstag berät, geht vielleicht mehr in einer fontinentalpolitischen Schwärmerei für die deutsch verloren als Sagunt, und der einzige Troft bleibt dabei, daß französische Berständigung durch einen internationalen Kapiauch eine Debatte, die der Höhe der geschichtlichen Situation talstonzern Loucheur Stinnes. Dieses Bekenntnis des näher gefommen wäre, an dem Gang der Dinge, nichts zu deutschpoltsparteilichen Führers zum Internationalismus sei ändern vermocht hätte. Aus der gestrigen Rede des Mi- festgehalten, wenn auch der unsere anders ist als der seine. nisters Dr. Simons sprach tiefer Pessimismus, wenn sie Nach Stresemann und Simons sprach für die Demokraten auch hinter der Sintflut der Zerstörung den Regenbogen der der ehemalige deutsche Botschafter in Washington, Graf Versöhnung zukunftsfern aufleuchten ließ. Der hohe Bernstorff, dessen auf Kenntnis der amerikanischen Beridealistische Schwung seiner Schlußausführungen flang hältnisse beruhenden Ausführungen mehr Aufmerksamkeit vermanchem wie ein Schwanengesang- aber, auch wenn es schon dienten, als das ermüdete Haus ihnen entgegenbrachte. Nachdadurch nicht schlimmer würde, was fann besser werden, wenn dem noch Spahn für das Zentrum, Ledebour für die UnabSimons geht und ein anderer fommt? hängigen gesprochen hatten, murde die Aussprache über die internationale Lage ohne Abstimmung beschlossen.
Deutschlands inneres Unglüd in dieser Zeit ist, daß ihm die Kraft zu ganzen Entschlüffen verlorengegangen ist. Die Reichsregierung fann gleichwohl nach dem ganzen Es gehört Mut dazu, sich nach einem verlorengegangenen Gang der Debatte als vom Reichstag bevollmächtigt gelten, Krieg den Forderungen unversöhnlicher Feinde zu unter die von ihr eingeleitete Aktion zur Bermeidung neuer mili werfen, es gehört mut dazu, ihnen passiven Widerstand ent- tärischer Maßnahmen gegen Deutschland fortzusehen. Steht gegenzusetzen, es gehört Führermut und Führerfraft fie nach außen unter hartem 3wang, so hat sie nach innen dazu, dem Volke zu sagen, welchen von beiden Wegen es volle Entschließungsfreiheit und trägt sie damit auch die ganze gehen soll, und die Grenze sicher zu ziehen, an der das Ent- Last der Verantwortung. Mögen die unabsehbaren Opfer, zu gegenfommen aufhört und der Widerstand beginnt. Daß denen sich das deutsche Bolt durch sie verpflichtet hat, schließlich diese Grenze so oft verschoben wurde, hat nicht dazu beige: doch nicht vergeblich geboten sein! tragen, unsere an sich schon unendlich schwere Lage zu er leichtern.
Auch das Angebot der deutschen Regierung an Harding zeigt feine legte Grenze des Entgegenkommens. Es spricht die Bereitwilligkeit aus, die erstatteten Borschläge auch noch zu ändern, wenn sie in ihrer gegenwärtigen Form nicht als geeignete Grundlage neuer Verhandlungen befunden werden sollten. Damit wird jede tommende Regierung nicht nur auf die gemachten Zugeständnisse, sondern noch auf mehr festgelegt. Und da sind deutschnationale Blätter leichtfertig genug, ihren Lefern vorzuerzählen, die Sozialdemokratie dränge fich danach, diese Erbschaft zu übernehmen!
fügung über Gold bis zum 1. Oftober 1921 in dem gleichen Umfange verboten und ebenso ftrafbar bleibt, wie fie gemäߧ 24 Nr. 8 des Ausführungsgesetzes zum Friedensvertrag vom 31. August 1919 gegenwärtig verboten und strafbar ist.
Abg. Burlage( 3.): Der Gefehentwurf ist die Einlösung des Bersprechens der Reichsregierung an die Reparationstommiffion, die Bestimmungen des Friedensvertrages, nach dem Deutschland bis um 1. Mai d. 3. nur mit Zustimmung der Reparationstommiffion über das Gold der Reichsbant verfügen kann, bis zum 1. Oktober dieses Jahres zu verlängern. Der Gefeßentwurf wird in allen drei Lesungen ohne Aussprache angenommen.
Die Aussprache über die auswärtige Politik. Abg. Stresemann( D.Bp.): Die Vorwürfe verfassungsrechtlicher der Note sind nur zum fleinsten Teil berechtigt. Wesentlich ist, daß Art gegen die Regierung wegen ihres Verhaltens bei der Absendung die von den Parteien berufene Regierung die Geschäfte so führt, wie es dem Willen der Regierungsparteien entspricht. Die Regierung hat ein Spiel mit hohem Einsaß gewagt. Man darf ihr aber nicht den Borwurf machen, daß fie überhaupt die Initiative ergriffen hat. Die Rede des Abg. Müller zwingt zu dem Schlußz: Deutschland hat nicht nur eine schwache Regierung, sondern auch ein schwaches Parlament.( Sehr richtig! rechts. Wider spruch links.) Die Sozialdemokraten sind ja selbst gegen den Vormurf des Imperialismus seitens der äußersten Linten nicht gefeit. Wie man an den angeblichen Demonftrationen von Auf die Tagesordnung der gestrigen Reichstagsfißung republikanischer Seite aus, die selbst das Recht auf Demonstrationen murde ein Gesezentwurf der Regierungsparteien, betreffend lebhaft vertritt, so starte Kritif üben konnte, verstehe ich nicht. Die die Berfügung über Gold, gefeßt, der bestimmt, daß die Ber- Beteiligung an der Beifegung hat durchaus teinen monarchistischen
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Ungünstiges Urteil Lloyd Georges.
werden.
Deutsche Gewerkschafter in London. London, 28. April .( WTB.) Daily Chronicle" zufolge sind vier deutsche Gewerkschaftsführer, Graßmann, hue, Dißmann und Silberschmidt, in London eingetroffen, um mit hervorragenden Politikern und Arbeiterführern über die Reparationsfrage und den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete zu beraten.
London, 28. April .( EE.) Im Unterhause gab clond] Bon den tatsächlichen Mitteilungen, die der Minister In Amerika wurde laut dagegen protestiert, daß die Kote in machte, find jene über unser Verhältnis zu Bolen die be George folgende Erklärung ab: Ich bedauere unendlich, sagen zu müssen, daß die deuf- Deutschland früher als dort veröffentlicht worden sei. Die Ursache merkenswertesten. Leider fonnte er in diesem Punkt feine schen Vorschläge liegt in einer Berzögerung der Uebermittelung, die nicht vorausvolle Beruhigung schaffen, da er die Frage zu besprechen unterin feiner Weise befriedigend ließ, wie sich Polen verhalten würde, wenn find. Ich habe gewünscht, fagen zu können, daß fie die Cage gezusehen war. Das Wolffbureau meldet darüber: die militärische Ganttionspolitit der En ändert haben. Sie werden jedoch im Augenblid mit anderen Vor- hiesigen amerikanischen Geschäftsträgers, das in chiffrierter Sprache En- ändert Das an die amerikanische Regierung gerichtete Telegramm des tente in Kraft träte. Wäre Sicherheit dafür gegeben, schlägen zugleich von den gesamten Sachverständigen der Alliierten hiesigen amerikanischen Geschäftsträgers, das in chiffrierter Sprache das deutsche Memorandum enthielt und in Washington Beitungsdaß vom Often her nichts zu befürchten ist, dann könnte erst genau geprüft. So würde ich sehr bedauern, eine feste Erklärung das deutsche Memorandum enthielt und in Washington Zeitungsmeldungen zufolge in der Nacht vom Montag zum Dienstag einmit voller Aussicht auf Erfolg einer Bewegung begegnet aussprechen zu müssen. Já fürchte jedoch sehr, daß Einstimmeldungen zufolge in der Nacht vom Montag zum Dienstag einwerden, die jeden ruhig Denfenden mit Sorge erfüllen muß. migteit darüber herrsche nwird, daß die von der deutschen Re- getroffen ist, ist beim Berliner Haupttelegraphenamt Montag morgen 9 Uhr an London abgesetzt gewejen. Das Telegramm war beim Stünde der Bölkerbund nicht bloß auf dem Papier, so ergäbe gierung gemachten Borschläge als unbefriedigend erklärt Berliner Haupttelegraphenamt in der Nacht vom Sonntag zum fich für ihn hier eine schöne Aufgabe! Montag aufgeliefert worden. Seine Uebermittelung, die mittels Auf Anfrage erklärte der Ministerpräsident dann weiter, daß Hughesapparates mehrere Stunden beansprucht, verzögerte sich Die Sozialdemokratische Partei, die grundfäßlich auf dem Boden der Landesverteidigung steht, aber vor einer Belegung Deutschlands das Unterhaus Ge- während der Nacht auch wegen Störung englischer Leitungen. awedlojes Blutvergießen verwirft und die Gefahr eines legenheit haben wird, fich dazu auszusprechen. Dann fügte er noch hinzu: Ich glaube zu wiffen, daß man in der Richtung Absolchen durch zwischenstaatliche Einrichtungen zu beseitigen ver- madhungen getroffen hat, daß die Erörterung hierüber in der Sigung fucht, bekämpft die Bewegung im Osten mit guten Gründen. des Unterhauses am fommenden Donnerstag stattfinden Aber es fann nicht ihr allein überlassen bleiben, die glimmen werde. 3ch bemerke noch, daß die den Funken zu löschen, auch die Gegenseite jenseits der deut Entscheidung des Obersten Rates noch vor Montag oder Dienstag fchen Grenzen trägt ein hohes Maß der Verantwortung. getroffen werden wird. Darauf fragte Lord Robert Cecil: Sollen Wer ein Bolt in die Verzweiflung hineinhezt und dadurch wir diese Erklärungen jo verstehen. daß das Land zu einer Affion Teile von ihm zu Torheiten verleitet, tann nicht nachher seine gezwungen sein wird, bevor die Debatte stattgefunden hat? Hände in Unschuld waschen. Clond George antwortete: Wenn der Abgeordnete damit Einem Bertreter der Dena" teilte Erzberger folgendes mit: Es gibt heute einen Staat inmitten Europas, der keine jagen will, daß die Vertreter der englischen Regierung feine wei- Die mehrfach aufgestellte Behauptung, ich stände mit den bedauervölferrechtlich gesicherten Grenzen besitzt, sondern dem die teren Berpflichtungen eingehen fönnen, als die Regierung für not- lichen Indiskretionen über die Vermittlungsaktion des Batitans in Pflicht auferlegt wird, jede beliebig weit nach seinem Herzen wendig erachtet, jo tönne er den Standpunkt nicht ein- der Reparationsfrage in irgendeinem Zusammenhang, ist freie Ergreifende fremdmilitärische Besetzung widerstandslos zu dul- nehmen. Es wäre durchaus nuglos, sich unter folchen Um- findung oder böswillige Berleumdung. Ich stehe allen Veröffentden. Das ist ein Unitum in der Weltgeschichte, und die ftänden zu einer Konferenz zu begeben. Deshalb habe er endgültig lichung hierüber vollkommen fern. In den Tagen, als diese Brejkejenigen, die es geschaffen haben, werden nicht behaupten am Montag erklärt, welches der Standpunkt der englischen Regie- meldungen erschienen, weilte ich gar nicht in Deutschland. Ich errung in dieser Frage jei, nämlich wenn die Vorschläge Deutschlands hielt davon erst Kenntnis nach meiner Rückkehr am 15. April. Es fönnen, fie hätten damit die Ruhe Europas gefichert. Dies festzustellen, ist nach außen hin notwendig. Im nicht befriedigend wären, es nicht an mir liegen würde zu er- ift ferner meine feste Ueberzeugung, daß von der Kurie teinerlei flären, ის man Deutschland einen neuen Aufschub Indiskretion begangen ist, daß diese vielmehr in Berlin gesucht Innern aber gilt die Pflicht der Vernunft, jede Art von bewilligen soll. Wenn die deutschen Vorschläge nicht genügen werden muß." vorbereitender Tätigkeit zu bekämpfen, die der Entente Ge- follten, wäre man zu einer gemeinsamen Aktion verlegenheit geben fönnte, Deutschland neuer Pflichtwidrigkeit zu pflichtet. Jedoch nur infoweit, als diese Attion die Kohlenzeihen, und die auf solche Weise erst recht Maßnahmen her gebiete Westfalens betreffe. beiführen fönnte, die mit unzureichenden Mitteln zu verhüten eben der 3wed jener Bemühungen sein soll. Höher verstandene Pflicht zum Ganzen verbietet jedes Eingen auf nationalistische Kopflojigteiten. New York, 28. April .( WTB.- Funkdienst.) Um die Ansichten Bevor der Minister sprach, hatte Herr Stresemann der führenden Männer der öffentlichen Meinung zu erkunden, veranstaltete die ,, World" eine Umfrage. Die ihr zugegangenen Aeußemit der Gewandtheit, die ihm eigen ist, die Rolle seiner Partei rungen schwanken zwischen der Auffassung, daß die deutschen Vorals Regierungspartei verteidigt. Er hatte gegen die Deutschnationalen den Geist Bismards heraufbeschworen, der ein schläge zurückzuweisen feien, und der Meinung, daß sie wohl verdienten, bei den Verhandlungen in Erwägung gezogen zu werden. Meister nicht bloß im Drauflosgehen, sondern auch in fiugem Maßhalten gewesen sei, und deffen Stunde von Rifolsburg- Condon, 28. April .( EP.) Daily Chronicle" meldet aus So fpricht sich Bernard Baruch, der wirtschaftliche Sachverständige in der er gegen den Widerstand des Militärs die Versöhnung New Yort: Staatssekretär Hughes hat der deutschen Regierung der amerikanischen Friedensdelegation, dahin aus, daß die deutschen mit dem geschlagenen Desterreich vorbereitete Herr Strese mitgeteilt, daß der Sinn ihrer neuen Vorschläge zu unflar jei, um Vorschläge die wirtschaftlichen Teile des Versailler Vertrages beimann als seine größte feierte. Wir erinnern uns, während in ihrer heutigen Form von der Regierung der Vereinigten feite schieben würden und daß fie der Aufrichtigkeit entbehrten. Im des Kriegs den Bismard von Nikolsburg, den Bismard, der Staaten den alliierten Mächten mitgeteilt zu werden. Die Regierung Gegensatz dazu erklärt der frühere amerffanische Botschafter in Berlin, gegen die militärischen Halbgötter" tämpfte und siegte, oft der Bereinigten Staaten wünscht vorher jeden möglichen 3 weifel Gerard, die Borschläge sollten Unterhandlungen zugrundegelegt gegen Herrn Strejemann zitiert zu haben, leiber ohne jeben über den Totalbetrag der Reparationen beseitigt zu sehen, deren An- werden. Man beachte: Barud ift attin- Gerard a. D.! Gerard a D Erfolg. Der Führer der Deutschen Boltspartei zeigte meiter gebot dann eventuell in Rechnung gebracht merden soll.
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Condon, 28. April .( Reuter.) Die franzöfifche Regierung hat ihren Botschafter in Washington aufgefordert, das Staatsdepartement davon in Kenntnis zu sehen, daß fie die letzten deutschen Vorschläge weder billigen noch in ihnen die Grundlage für ein mögliches Uebereinkommen erbliden fönne.
Der belgische Minister des Aeußeren Jafpar hat dem Reuterichen Bureau mitgeteilt, daß Belgien den deutschen Vorschlag nicht einmal der Erörterung wert halte.
Die Resolution Knox.