€1« SozkalÜemskrat über NieüersthSnenfelö. Das Schreckens-Ncgimeat des Staatsanwalts Kraus. Die bürgerliche Presse in Bayern wie im übrigen Reich suchte anläßlich der wiederholten Mitteilungen des„Vor- wärts" über skandalöse Vorgänge in der bayerischen Feswng Niederschönenfeld es so hinzustellen, als seien die Proteste ausschließlich von bösartigen und unzuverlässigen Kommuni st en ausgegangen. Wie wir schon demgegen- über kurz mitteilten, wurden die Angaben über Nieder- schönenfeld von einem Mitglied der SPD� in vollem Umfang bestätigt. Obwohl unserem Gewährsmann die Drohung der Festungsleitung bekannt war, jeden, der nach seiner Ent- lassung Ungünstiges über die Festung aussage, in Schutz- h a f t M nehmen, erteilte er uns eine Reihe von Jnformatio- nen, die wir nachstehend zur Kenntnis bringen: Nach der Anficht unseres Gewährsmannes find die ge- genwärtigen unhaltbaren Zustände auf der Festung ledig- lich auf die Rigorosität und den Käsern enhofton des neuen Anstaltsvorstehers Staatsanwalt K r a u ß und die durch ihn herbeigeführt? Militarisierung der Strafanstalt zurückzu- fiihren. Während der frühere Anstaltsleiter, Amtsrichter Voll- mann, es oerstanden hatte, den politischen Gefangenen die Ehren- hast innerhalb der bestehenden Verordnungen nach Möglichkeit zu erleichtern, erklärte der neue Herr bei seinem Erscheinen:„I ch bin in die Festung gekommen, um Ruhe und Ord- nung zu schaffen: wenn es nötig Ist, auch mit Gewoll!" Von seinen Anordnungen zur Schikanierung der Gefangenen seien nur die folgenden 4 Punkt« erwähnt: 1. Die übliche B e- s u ch s z e i t wurde ganz gründlich verringert. Die Anwesenheit eines Aufstchtsbeamten, die nur bei Renitenten in Uebung war. wurde ständig durchgeführt. Der Besuch der Braut eines Gefangenen wurde völlig verboten: Ehefrauen müssen sich Beaufstchtigung durch die Wärter gefallen lassen. Noch Weggang der Besuche werden die Häftlinge bis aufs Hemd untersucht. Z. Es wurde ein« Polizeistund« eingeführt, jetzt wird um 10 Uhr das Licht in allen Räumen gelöscht, so daß Leute wie Toller, die für ihre schriftstellerischen Arbeiten meist die Ruhe der späten Abendstunden benutzten, jetzt in ihrer Tätigkeit wesent- llch gehemmt sind. 3. Im Gegensatz zur Feftungsordnung wurde eine strenge Briefzensur und Kouttskation aller mißliebigen Schriften durchgeführt. 4. Das Recht auf sechs Stunden Aufenthalt im Freien wurde auf zwei Stunden eingeschränkt. Einzelhaft, Hofentzug, hartes Lager, Kostschmälerung usw. wurden eingeführt. Die Behauptung einer„schamverletzenden Nacktkultur� durch die Gefangenen ist eine böswillige Erfindung. Trotz der Ablehnung eines parlamentarischen Unter- fuchungsausschusses durch die bürgerlichen Vertreter im bayerischen Landtag ist die bayerische Regierung jederzeit in der Lage, sich die notwendigen Informationen durch Entsen- dung eines Mannes nach Nicderfchönenfeld zu beschaffen, der seinen Beruf nicht lediglich als den eines Peinigers und Rächers ansieht._
Die amerikanische Zrieöenserklärung. New Zork. 28. Juli. (Funkspruch des MTB.) Nach einer Mit- tcikung des Chefs des Justizhepartements in Washington werden die Vorschläge über die Veröffentlichung der Friedensprotla- m a t i o n dem Präsidenten Harding voraussichtlich In d« nächsten Woche unterbreitet werten.
tzunger, peft und Cholera. Helsingfors . 27. Zull.(EP.) Die Völker Rußland, sind in Bewegung wie in den Tagen der Völkerwanderung. 35 Alil- lionen Menschen find von der Hungerkatastrophe betroffen worden, und viele von ihnen ziehen nach anderen Gouvernement ». Die hungernden Dauern belagern vrenburg. Ufa und Schadolnask. Tel- sabinsk ist gänzlich geplündert. 3n woronesch , Ezarycin und Sra»- neikut ist die Pest ausgebrochen. Washington , 28. Jull. Staatssekretär H n g h e» hat eine Not« an die S o w j-e t r e g i e r u n g gesandt, in der die Polltit der Der- einigten Staaten der Sowjetregierung gegenüber dargelegt wird. Es wird darin gesagt, daß, wenn alle amerikanischen Bürger, die noch In Rußland gefangen sind, wieder freigelassen werden, die Bereinigten Staaten eine Hilfsaktion für die von der Hun- gersnot betroffene Bevölkerung übernehmen würden. Die Note ver- vollständigt das Telegramm, das von Hoover an Maxim Gorti ge- schickt wurde. Der Kongreß von Lille . Lille , 28. Juli. (EP.) In der Nachmittagssitzung des Kongresses der EGT. haben mehrere Redner aller Richtungen gesprochen. Ton- lade, Minderheiller, verlangt die Trennung der EGT. von der Amsterdamer Internationale und Verwerfung des Internationalen Arbeiterbureaus des Völkerbundes. G i a d i c i e l l i sagt, daß man die Zweite Internattonale nicht verlassen dürfe in Anbetracht der internationalen Verpflichtungen, die die EGT. auf sich genommen hat. Der Kongreß nimmt einen Antrag an, der die Solidarität»- gefühle des EGT. für die streitenden Arbeiter Elfaß-Lothringens ausspricht. E a s s e r a t gibt bekannt, daß die Kommission, die gestern ernannt wurde, auf die Suche nach den Verantwortlichen für die gestrigen Ereignisse verzichtet hat in Anbetracht der Totsache, daß die bürgerliche Polizei eine Untersuchung in derselben Sache eingeleitet hat. Herr E a d o c t, Minderheitler, Mitglied der Kom- Mission, ist mit dem Verzicht nicht einverstanden. Der Kongreß küm- mert sich nicht darum, was die Polizei tut und besorgt seine Geschäfte selbst. Auf Antrag Iouhaux' wird der Beschluß auf Donners- tag vertagt und die Sitzung aufgehoben. Wie„Huinanltö" meldet, sind für den Bericht de sMgemeinen Arbeiterverbandes(EGT.) 2653, dagegen 1353 Stimmen abgegeben.
Kemal kapituliert! London , 28. 2ull.(EP.) Nach dem„Daily Expreß " hat die türkische Regierung um die Vermittlung der Alliierten ersucht, um dem griechisch-türkischen Kriege ein Ende zu macheu. Ein WTV.-Telegramm au» Angara vom 27. veröffentlicht da- gegen einen türkischen Heeresbericht, nach dem die Schlacht bei Eski Schehir zugunsten der Türken auslief, havas behauptet, die Griechen zögen sich auf den Abschnitt Seid Ghazl zurück. Polizei gegen Reichswehr . Zu unserer Meldung im heuttgen Morgenblatt wird uns von unterrichteter Seit« aus Stettin mitge- teilt, daß von einer Vorbereitung des Angriffs auf die dortigen Polizsibeamten durch Reichswehroffiziere nicht gesprochen werden könne. Selbst wenn es sich aber um einen spontanen Angriff der Truppe handelt, würde dies für die verantwortlichen Stellen der Reichswehr keine Entlastung bedeuten.
GroßSerün vom ikhemann vergiftet! Die Defttstognahme einer Leiche im Krematorium. Auf Grund schwerst Beschuldigungen, die gegen den Maschinen- Heizer Paul Martzak aus der Danziger Stt. 13 erhoben werden, wurde die Leiche seiner verstorbenen Ehesrau Ida kurz vor ihrer Einäscherung von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Martzak selbst wurde festgenommen, nach seinem Verhör aber wieder auf freien Fuß gesetzt, da für die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen keine genügenden Unterlagen vorhanden sind, die seine Inhaftierung rechtferttgen könnten. Martzak wird von Hausbewohnern und anderen Leuten drin- gend verdächtigt, seine Frau durch Darreichung vergifteter Milch ge- tötet zu haben und mit der Einäscherung der Leiche nur bezwecken zu wollen, daß die Spuren seines Verbrechens vernichtet würden. Frau Martzack war vor 14 Tagen nach dem Genuß von Fisch erkrankt und seitdem bettlägerig. Ihr Mann hatte ihr immer Milch an ihr Loger gebrocht, die, wie die Frau zu Rachbarsleutey gesagt haben soll, einen eigenartigen Geschmack und auch einen Satz gehabt haben sollte. Bor wenigen Tagen verstarb die Frau. Ein Arzt schrieb auf den Torenschein„Herzschwäche, vielleicht durch Genuß von schlechtem Fleisch". Der gegen den Ehemann gehegte Verdacht, daß er an dem Tode seiner Ehesrau, mit der er kein glückliches Eheleben geführt hatte, schuldig sei, wurde bei den Leuten noch be- sonders dadurch verstärkt, daß der Mann die Leiche nach dem Kre- mntorium bringen ließ, um sie dort einäschern zu lassen. Hierzu gehört jedoch ein« letztwillige Verfügung der Verstorbenen, und es wurde stark bezweifelt, daß diese vorhanden sei. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei haben nun ergeben, daß diecsr Schein tatsächlich gefälscht worden ist. Marzak hatte selbst die Urkunde ausgestellt und von einer ihm bekannten Frau mit dem Namen seiner verstorbenen Ehefrau unterschreiben lassen. Dies
Aufruf des Verbandes für Volksgesundheil. Der Verband für Volksgesundheit, jene Organisation von Lebcnsreformcrn mif pazifistischer, sozialistischer Grundlage, welche innerhalb der Arbeiterbewegung arbeitet, fordert alle leöeMesmr. MMmm. WeliM. IM- M AMsleme. MWm der Yameü-Lmüg von Groß-Verlln ans. am Sonntagvormittag in Berlin zu bleibeu uud sich restlos au der Friedenskundgebung Nie wieder Krieg zu bekelligea. Sammelplatz: Sonulag. 31. Zoll, vorm. S Uhr püukkl. Mstriner platz(Ostbahnhof ), Nähe des Schief. Lahnhof». Verband„volkegefundheii", Orksverem Groß-Berlin.
m*■MuiuiTuiiiMiT—— wiiiiiiiwBa— a— m——■an gibt der Beschuldigte auch zu und führt als Veranlassung dazu an, daß seine Frau stets den Wunsch gehabt, eingeäschert zu werden, ihr plötzlicher Tod sie aber gehindert hätte, selbst diesen letzten Wunsch zu unterschreiben. Die Kriminalpolizei beschlagnahmte daraufhin die Leiche im Krematorium und ließ sie nach dem Schauhause bringen. Die Leichenöffnung ergab jedoch keine bestimmten Anzeichen für eine Vergiftung. Zur genauen Feststellung werden Teile de» Magen- Inhaltes besonders daraufhin untersucht.
Siebzehn Landwirte vor Gericht. Die Arelskornstelle von Zauch-Belzig hat keine Unterlagen. Wegen Richtablieferung und Beiseiteschaffung von Getreide waren 17 Landwirte des Kreise» Zauch-Belzig vor dem Schöffen» gericht Belzig angeklagt. Es standen den Angeklagten sehr hohe Strafen in Aussicht, die in die Tausende gingen. Die Landwirte ent- schuldigten sich mit Mävsefroh, Wildschaden und Mißernte. Die zum Termin geladenen amtlichen Schätzer erklärten, daß sie keine ge- nügenden Unterlagen zu dem Ertrag der damaligen Ernte hätten. Auch die Beamten der Kreiskornstelle konnten eine Feststellung über die Ernte nicht mehr atzgeben, da der Prozeß zu lange hingeschleppt war. Sämtliche Angeklagten mußten freigesprochen werten, weil dem Gericht keine Unterlagen von der zuständigen Kreiskornstelle gegeben werten tonnten. Diejenigen Bauern, die wegen Nicht- ablieferung von Milch und Butter angeklagt waren, mußten gleich- falls freigesprochen werten, da die Zwangsbewirtschaftung für Milch und Butter inzwischen aufgehoben ist. Der letzte Freispruch des Schöffengerichts dürfte sich kaum auf- recht erhalten lassen, falls die Verfehlungen in eine Zeit gefallen find, in der noch der Zwang zur Ablieferung bestand. Der Fall bedarf also wohl noch der Aufklärung.
Belohnte Beschimpsungen. Recht merkwürdige Anschauungen scheint, dem Bericht einer be- kannten Berliner Mittogszeitung zufolge der Hausbesitzerinnen- Verein von Groß-Berlin(Vorsitzende: Frau Anna Schefsner, Berlin- Friedenau ) von staatsbürgerlichen Pflichten in schwerer Zeit zu haben. Die verwitwete Frau Oberstleutnant Äiebergall-Reim, Charlottenburg , Schliiterstroße 24, war nämlich am 2. Juni von dem Schöffengericht Berlin-Mitte zu 600 M. Geldstrafe vevurteilt worden, weil sie vor einer Spruchkammer' des Mieteinigungs- amtes X der Stadt Berlin das Mieteinigungsamt eine„Rechts- beugeanstall" genannt und den Wohlfahrtsminister Stegcrwald wegen seiner Höchstmietenverordnung als„Oberbonzen", Bürger- Mörder und mit noch einigen anderen noch scbärferen Ausdrücken belegt hatte. Der Hausbesitzerinnen-Verein von Groß-Berlin hat in- folgedessen der Frau Riebegall nicht nur„seine Anerkennung für ihre dem Hausbesitzcrstande gellende Aufopferung und ihr mutiges, von ihr als Frau gezeitigtes Berhalten" ausgesprochen, sondern die Frau Riebergall auch zu seinem Ehrenmitglied« ernannt. Die Angelegenheit wird erneut vor der Sttafkammer verhandell werden, da Frau Riebergall Berufung eingelegt hat.
Leere Räume im Krankenhaus. Man schreibt uns: Das Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde in der Exerzierstraße hat infolge der immer ungünstiger gewordenen Finanzlage der Ge- meinde weiter abgebaut werten müssen. Verschiedene Pavillons Iind frei geworden, und dos Entbindungsheim ist seit dem 1. Mai ». I. geschlossen. Aussicht, daß die Finanzlage der Jüdischen Ge- meinde sich bessert, ist nicht vorhanden; das Gegenteil ist vielmehr der Fall. Muß schon der Betrieb erheblich eingeschränkt werten, so dürfte wenigstens dafür Sorge getragen werten müssen, daß in einer Zeit der ungeheuren Raumnot die freige» wordenen Räume anderweitig verwendet werden. Für Bureauzwecke ließen sie sich sehr gut Herrichten. Es könnte sogar Rücksicht darauf genommen werten, daß dafür an anderer Stelle zum Teil Räume für einige kleine Wohnungen freigemacht werten. Das hätte das Gute, das die Jüdische Gemeinde ihre Finanzen aus- besserte und dadurch das Krankenhaus der Bevölkerung erhalten bliebe, und daß weller die freien Räume nützliche Verwendung fänden.
Wie man hört, find solche Env?>.zOT(>zn von dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde auch angestellt worden. Magistrats- und Stgdt- verordnete hoben einem Abkommen zugestimmt, wonach der Stadt das an der Exerzierstraße belegene Schwesternhcim gegen Miete zur Verfügung gestellt werden sollte. Dieses Abkommen ist vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde nicht inne- gehalten worden, angeblich aus technischen und finanziellen Gründen. In weiten Kreisen der Bevölkerung wird diese Nachricht mit Be- fremden aufgenommen werten, zumal bekannt ist, daß in diesem Schwesternheim von einigen leitenden Schwestern starke Naumver- schwendung getrieben wird. Mit der schlechten Finanzlage der Ge- meinde ist diese Verschwendung nicht zu vereinbaren: auch nicht da- mit, daß die Gemeinde van der Stadt jährlich einen besonderen Zu- schuß von 609 999 M. erhäll. Das Verhalten der Jüdischen Gemeinde dürfte dem Rufe der Gemeinde nicht zuträglich sein. Bisher wurde sie gerade in den Arbeiterkreisen des Nordens ob ihrer vorbildlichen Krankenpflege dankbar genanill.
Ten Landrat von Zauch-Belzig geht�s an. Es wird nun wirklich bald Zeit, daß der Landrat von Jauch- Belzig sich um Dinge kümmert, die, wenn sie so weiter laufen, ge» eignet nsid, uns außenpolitische Unannehmlichkeiten zu bringen. Im Kulturtheater in Potsdam , hinter dem Brauhausberg, wird nämlich sell eingier Zeit Kleists„Hermannsschlacht " gespielt, und nach den uns gewordenen Berichten benutzt ein alldeutscher Pöbel bisher jede Vorstellung zu nationalistischen Kundgebungen unerhörtester Art. Wir selber haben darüber berichtet. Run geht auch der„Freiheit" von einer Tellnehmerin folgender Bericht zu: „In den Pausen der Aufführung spielle eine Musikkapelle Deutschland , Deutschland über alles". Meine Freundin und ich blieben sitzen, während sich das nationalistische Publikum von den Sitzen erhob. Sofort zeigte sich der Bildungsgrad dieses bürger- lichen Publikums: es läßt sich schrifllich nicht wiedergeben, was uns wegen unseres Sitzenbleibens für Beschimpfungen zu- teil wurden. Plötzlich wurde die Aufmerksamkeit von uns ab- gelenkt, man hatte ein lohnenderes Objekt gefunden. In unserer Nähe war ein Japaner ebenfalls sitzen geblieben, und nun zeigten sich die deutschen Helden in ihrer ganzen herrlichen Tapfer- teit. Man griff den sich völlig ruhig verhaltenden Mann tat- l i ch an und schlug ihn auf den Kops. Der Tumull wurde allgemein, als sich ein jüdischer Herr des Japaners annahm." Das Naturtheater In Potsdam , das hinter dem Brauhausberg liegt, gehört pclittsch zum Kreis Zauch-Belzig und der Landrat dieses Kreises in Belzig hätte längst Anlaß Nehmen sollen, die Bor- stellungen derart überwachen zu lassen, daß der alldeutsche Janhagel überhaupt nicht dazu kommt, seine sadistischen Gelüste austoben zu lassen. Sollte aber Belzig zu weit von Potsdam entfernt oder der Landrat zu schwach sein, so würde sich das Ministerium des Innern freundlichst um diesen ekelhaften Betrieb bemühen müssen.
Dnrchstich am Halleschen Tor. Die Bauarbeiten an der städtischen Untergrundbahn Nord-Süd sind am Halleschen Tore um ein wesentliches vorwärts geschritten. Vom Belle-Alliance-Platz kommend, unterfährt am Halleschen Tore die neue Untergrundbahn das westliche der beiden Torgebäude. Zur Durchführung war es also erforderlich, die Fundamente dieses Bau- werkes, welches ohne Beschädigung erhalten geblieben ist, durch neue zu ersetzen, die nicht in den Tunnelquerschnttt hineinragen. Unter die tragenden Mauern des Baues wurden also nach und nach schwere, und 1 Meter hohe I-Träger eingebracht, die jetzt den Tesigest rost für das ganze Gebäude bilden. Die Schachtarbeiten haben ve- gönnen und soeben wvrte der„Durchstich" vorgenommen. Bon bei» den Seiten ist die Ausschachtung des Bodens so weit oorgelchritjpn« daß nun das westliche Torgebäude seiner alten Fundamente völlig beraubt, nur noch auf den zu beiden Seiten des späteren Unter- grundbahntunnels befindlichen Tragemauern ruht. Die sorgfältige Ausführung der ganzen Unterfangung hat es bewerkstelligt, daß diese schwierigen Arbetten ohne jeden Schaden für dos Gebäude durchge- führt werden konnten. Zur Durchführung der übrigen Bauarbeiten ist bisher das Gebäude durch einen neben den Fundamenten liegen- den Bautunnel umgangen worden, so daß zmischen den beiden Tor- gebäuden«in Teil des westlichen Bürgersteiges und des Fahr- dammes durch Bauzäune in Anspruch genommen wertem mußte. Diese den Verkehr behindernden Zäune werten demnächst wieder abgebrochen werden können._ Die Sinderwagen-vlebin, über deren Auftreten wir wiederhqjt berichteten, setzt ihr schändliche» Treiben Immer noch ungestört fort. Gestern erschwindelte sie wieder einen kaffeebraun gestrichenen Wagen von einem Kinde in der Mufeumsstraße, ebenfalls unter der Vor- spiegclung, der Kleinen im Wagen eine Puppe�kausen zu wollen. Vor dieser Gaunerin kann nicht genügend gewarnt werden. Sie ist etwa 28 Jahre alt, hat ein hageres Gesicht, geht ohne Hut und trägt eine schwarze Bluse,«inen grauen Rock, schwarze Strümpfe und schwarze Halbschuhe. 3n der Badeanstalt ertrunken ist gestern der 27 Jahre alte Lichtbildvorführer Paul Hierse aus der Rostocker Straße 11. Als er in dem Wellenbad Plötzensee am Nordufer 17 badete, ging er plötz« lich unter. Obwohl er gleich geborgen wurde, war er schon tot. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Mohnungseinbrecher machten wieder an verschiedenen Stetten reiche Beute. So stahlen sie bei dem Kaufmann Mosius in der Sophienstrahe 15 Silbersachen usw. im Werte von 259 909 M„ au« der Wohnung des Dr. Friedrichs in der Herwarthstraße 4 Teppiche für über 20 000 M. Die Ausgabe von Platzkarten wird setzt so geregelt, daß für jeden Platz in jedem Zug« nur ein einziger Vordruck existiert. DU Ausgabe von zwei Platzkarten für den gleichen Platz ist somit au»- geschlossen. Eine Doppelbesetzung kann also überhaupt nicht mehr vorkommen. Im übrigen ist der Versuch als solcher noch nicht gb- geschlossen Allerdings müssen die Reisenden bei der Lösung der Platzkarten auch darauf achten, ob die gelösten und' verabfolgten Karten auch mit dem Zuge und dem Reisetage, den sie selbst ver- langt haben, übereinstimmen.— Die bisherigen Erfahrungen er- mutigen nicht zu einer allgemeinen Einführung. Cine Trieb, vagen Verbindung nach dem Scharmützessee tritt ab 81. I u l i auf der Strecke Fürftanwalde— Scharmützessee in Kraft, fo daß der Zug, der aus Berlin kommt, sofort Anschluß nach dem Scharmützelsee erhält. Der 6. kret»(H a l I e s ch« S Tor), veranstaltet-ry Sonntag. St. flul«, im Südwesten, w der fr. Bockbranerei, Aidlcinür. 2—8. wie w trüberen Jahren ein von den Genossen mit ihren Familien gern beiuchte» Sommerfest. Die Feftleitung bat alles versucht, um den Genossen mtt Ibren Familien einen angenehmen Sonntag zu bieten. EintrittSp-ei« t,50 Mark. Kinder in Begleitung Erwachsener bis 14 Jahren frei. Einlaß 2'/, Ansang 3fl, Uhr._ Das Wetter für morgen. Noch sehr warm nnd schwill, vielfach heiter, aber veränderlich mit wiederholten Gewitterregen und mätzigen vorherrschend südöstlichen Winden.
Groß- berliner partewachrichten heute, Donnerstag, den 28. Jull: Zungsozialist««, Kruvv« Seandau. Abend« 7>/z Uhr im Jugendheim, Ulkt EchUtzeichau», Susanimenfunst Jun�sozialisten Tempelhos■ Martendorf. Die«ercmsteltuug am heutig«»ag»