Einzelbild herunterladen
 

!Te. 553» 3S.Iahrganz

SeilÄM öes VorWärts

§re!tag, 2H. Juli 1921

Der verschVunöene Klassenkampf Bon Heinrich Ströbel . Die Wünschbarkeit der baldigen Schaffung eines neuen Parteiprogramms wurde dieser Tage"in einer Partei- Versammlung von einem Geuoffsn mit den Worten begründet, dag die Sozialdemokratische Partei ein den veränderten Ver- hältnissen und Bedürfnissen entsprechendes neues Programm haben müsse, um die noch immer weit verbreitete irrige Bor- stellung zu zerstören, als ob der Sozialismus nur Sache der Arbeiterklasse und nicht auch Sache des ganzen Volkes fei. Das sollte besagen: da der Sozialismus in Deutschland infolge der Revolution und der durch sie er- rungenen Demokratie aus dem Vorkdegsstadium der Vor­bereitung in das Stadium der Verwirklichung eingetreten ist, zu dieser Verwirklichung aber die Gewinnung und die tausend- faltig aufbauende Mitarbeit der Volksmehrheit gehört, so ge­brauchen wir ein neues Programm, das die Ideen, die Ziele, die Notwendigkeit und die materiellen und kulturellen Vor- züge der sozialistischen Gesellschaftsumformung in knappster Form so klar, so überzeugend und so werbckräftig ausspricht, bah es dem Sozialismus weit über die Schichten des Prole- tariates hinaus überzeugte und begeisterte Anhänger ge- Winnen hilft.» Das Grundempfinden dieses Genossen war wohl überall die treibende Kraft des Wunsches, so rasch als möglich den Geist des Sozialismus in eine neue, zeitgemäße Programms- tische Form gegossen zu sehen. Und aus diesem Grundemp- finden heraus scheint die Programmkommifsion auch an ihre Arbeit gegangen zu sein. Nur leider ist man dem an ,sich richtigen Ziele, die sozialistische Klassenbewegung zu einer weiwmsassenden Volksbewegung auszuweiten, auf f a l- schen Wegen nachgegangen. Man hat geglaubt, den sozialistischen Gedanken und Zielen dadurch stärkere Anziehungskraft und größere Volks- tümlichkeit zu verleiben, daß man sie ihrer bisherigen Schärfe und Schroffheit entkleidete, sie unbestimmter, milder und ver- söhnlicher ausdrückte. So hat man die Idee des prole- tarischen Klassenkampfes, dje doch die geistige Achse des Sozialismus marxistischer Prägung bildete, aus dem Programm bis auf kümmerliche Rudimente verschwinden lassen. So hat man das Wort Sozialisierung mit auf- fallender Aengstlichkeit zu vermeiden gesucht: in der ein- leitenden prinzipiellen Erklärung findet es sich so wenig, wie In dem AbschnittWirtschaftspolitische Forderungen" überall ist nur vonsozialistischer Gemeinwirtschaft" die Rede. Ueberall begegnen wir an Stelle der alten und klaren Formeln und Begriffe neuen Formulierungen, die aber leider nicht das Suchen nach größerer Schärfe und Präzision des Ge- dankens und Ausdruckes verraten, sondern nur das Bestreben, unbequemen Festlegungen auszuweichen und in bürgerlieben Kreisen möglichst wenig Anstoß zu erregen Diese ganz un- verkennbare Tendenz zur Abschleifung aller sozialistischen Scharfen, zur Anpassung an die bürgerliche Ideologie cnt- -springt sicherlich der guten Absicht, dem Sozialismus dadurch zu nützen, Vorurteile gegen ihn zu überwinden, ihn salon- und regierungsfähig zu machen. Aber diese woblMeinende Absicht ändert nichts an der Tatsache, daß eine solche A b- dämpfung des Sozialismus, eine solche Verflüch- tigung seines innersten Geistes die Werbekraft und das Ex- pansionsvermögen des Sozialismus nur zu schwächen, statt zu stärken geeignet ist. Daß das Erfurter Programm einer Modernisierung be- dürftig war, wird kein Mensch bestreiten, zu allerletzt K a u t s k y, sein Verfasser. Der Kapitalismus hat in den seither verflossenen 30 Jahren in den Kartellen, Trusts, in seinen riefenhaften Syndikats- und Monopolbildungen Wirt- �chaftsgebilde erstehen lassen, von denen 1891 erst Ansätze vor- banden waren; er hat in dem Finanzkapitalismus und Im- oeriolismus Erscheinungsformen angenommen und Tendenzen offenbart, deren Analysierring und Einordnung in den sozio-,

listischen Vorstellungskreis höchst wünschenswert geworden war. Die Stellungnahme zu dieser modern st en Phase des Weltkapitalismus war ebenso geboten, wie die Auseinandersetzung mit dem Agrarproblem, dem Valuta- Problem und all den verhängnisvollen Wirtschaftsfolgen des Weltkrieges. Aber die Dirrchdringung dieser Probleme und ihre Erfassung durch ein neues sozialistisches Programm war zumal in dieser Zeit eines chaotischen Gärens in der ganzen Welt eine Arbeit, die nicht von vielbeschäftigten Persönlichkeiten einer einzigen Parteirichtung so nebenher ge- leistet werden konnte, sondern eine Aufgabe, zu deren de- sriedigender Lösung nur die sähigsten Köpfe des ganzen deut- schen Sozialismus nach allergründlickller individueller und kollektiver Arbeit gelangen konnten. Namentlich war es ein Unding, daß mau nicht einmal Karl Kautsky selbst zur Aus- arbeitung des. Programms heranzuziehen für notwendig ge- halten hatte. Daß ein Programmentwurf, den man nun so. mit einem Arbeitsaufwand, dex in gar keinem Verhältnis zur Größe der Aufgabe stand, und mit ganz unzulänglichen Mitteln, schlecht und recht zustande gebracht hat, den billigsten Ansprüchen in keiner Weise entsprechen konnte, wyr vorauszusehen. Schon Genosse Stampfer Hot auf seine elementarsten Mängel hingewiesen: statt eines Werkes aus einem Gusse, das gleich dem Erfurter Programm in strenger logischer Gliederung die Auffassungen und Forderungen des Sozialismus entwickelte und mit zwingender Folgerichtigkeit aus den Prinzipien des Sozialismus und seinen Fernzielen die praktischen Tagesfor- derungen ableitete, haben wir ein brüchiges Stückwerk er- holten, das weder einen klaren Gesamtplan noch eine ver- nünftige architektonische Gliederung aufweist, sondern system- los und unorgänisch widerspruchsvolle Einzelheiten zusammen- klittert. Die Leitidee des proletarischen Klassenkampfes ist aus dem Programm verschwunden: die Idee, daß der Kapitalismus durch die Trennung der Massen von dem Eigentum an Pro- duktionsmitteln im modernen Proletariat jene soziale Macht schaffe, die bei Strafe der Selbstvernichtung nun die Expropriateure zu expropriieren, die Produktionsmittel in den Besitz der Volksgesamtheit zu bringen gezwungen sei. Leider hatte sich dieser Gedanke im Kopfe vieler westeuropäischer, in- sonderheit auch deutscher Sozialisten in die Vorstellung einer automatischen, mechanischen G e f ch i ch t s e n t w i ck- lu n g verwandelt, weil man vergessen hatte, daß sich die ökonomische Entwicklung nie und nirgends ohne Zutun der Menschheit, ohne entscheidende Mitwirkung der menschlichen Willenskräfte vollzieht. Und inwie- weit man auch der marxistischen Terminologie eine Mitschuld an dieser Mißdeutung der ökonomischen Geschichtsauffassung geben mag Marx und Engels selbst haben niemals ver- kannt, welch gewaltige Bedeutung der politischen Willens- energie der proletarischen Massen bei der gesellschaftlichen Fortentwicklung zukommt. Die Umsetzung der in der Proleta- risierung der Massen sich äußernden kapitalistischen Entwick- lungstendenzen in revolutionäre proletarische Massen- stimmung, in sozialistische Willensenergicn der Arbeiterklasse, das war für den Marxismus ja gerade die Voraussetzung und das Wesen des proletarischen Klassenkampfes! Und wenn etwas den Sieg des Sozialismus zu verbürgen vermag, so ist es die Ueberzeugung von der Realität und der Notwendigkeit dieses proletarischen Klassenkampfes. Nur weil das Wesen des Kapitalismus die Ausbeutung der jfraletari- schen Massen bedingt und weil dem Proletariat kein Ausweg aus seinem kulturlosen Dasein bleibt, als die sozialistische Um- gestaltung der Produktion nur deshalb ist der Vormarsch des Sozialismus unaufhaltsam. Die sittliche Empörung einzelner über die Ungerechtigkeit des Kapitalismus und das Mitleid der human Gesinnten mit dem Los der proletarischen Schichten besäße niemals gesellschgftsumbildende Kraft, wenn das sozialistische Ethos nicht die ungeheure Wucht der durch die Not revolutionierten Proletarierarmeen zum Bundesgenossen gewönne. Der Sozialismus als geistige,

sittliche Macht kann nur siegen, weil und soweit er sich auf den Klassenkampf des Proletariates zu stützen vermag. Und nichts wäre verhängnisvoller, als wenn diese historisch-politische Erkenntnis, die wichtigste, die uns der wissenschaftliche Sozialismus der Marx und Engels ge- bracht, nicht auch in dem neuen Programm der deutschen Sozialdemokratie als leitender Gedanke zum Ausdruck käme. Gerade die Betonung und Klarstellung des proletarischen Klassenkampfes als des wirksamsten Hebels des Sozialismus würde dem pseudomarxistischen Fatalismus ein Ende machen, der fast alles von derEntwicklung" und so gut wie nichts von der Einsicht und der Willenskraft erwartet. Und nur die Hervorhebung des 5ilassenkampfcharakters der sozialistischen Bewegung kann die Arbeiterklasse vor Illusionen, vor leicht- fertigem Optimismus und sträflicher Apathie bewahren, in die sie das einseitige Vertrauen in dienaturnotwendige" Ent- Wicklung des Kapitalismus zum Sozialismus hin und dos ebenso unbegründete Vertrauen in das Wohlwollen und Ent- gegenkommen der bürgerlichen Klassen sonst allzuleicht ein- lullen könnte! Die klare Herausarbeiwng und Definierung der Idee des Proletarischen Klassenkampfes ist also das wichtigste Stück jedes sozialdemokratischen Programms. Nur wenn die Arbeiter- klasse mit dieser Idee erfüllt, von dem Bewußtsein ihrer histo- rischen Mission durchdrungen ist, wird ihr die Kraft ihrer Be- freiung von den Fesseln des Kapitalismus innewohnen.. Die Werbekraft des Sozialismus unter den dem Proletariats klassenverwandten Schichten, den Angestellten, Tech- nikern, Ingenieuren, Beamten, Lehrern, Intellektuellen usw., wird dadurch auch nicht im ge- ringsten leiden, viel eher gewinnen! Denn je klarer, ein- leuchtender die sozialistische Auffassung diesen dem Sozialis- mus namentlich heute durchaus zugänglichen Schichten ent- gegentritt, je systematischer und schonungsloser die sozialistische Kritik an allen Nebeln und Widersinnigkeiten des Kapitalis- mus ist, desto größere Anziehungskraft wird sie ausüben. Mit Halbheiten, Vertuschungen und Verschweigungen verwirrt und entnervt man nur die Arbeiterklasse selbst, ohne die geistigen und seelischen Bedürfnisse gerade jener intelligentesten und regsten Schichten des sogenannten Stehkragenproletariats zu befriedigen, deren Gewinnung für den Sozialismus so wün- schenswert und notwendig ist. Darum: der proletarische Klassenkampf ist eine historische Tatsache, die es nicht schamhaft zu leugnen, sondern energisch hervorzuheben und vernünftig darzustellen gilt. Wir haben zu zeigen, daß der pro- letarische Klassenkampf nicht das geringste zu tun hat mit der Demagogie der schwieligen Faust oder irgendwelchem geistigen und politischen Knotentum, daß er das innigste Zusammen- gehen und die gegenseitige seelische Befruchtung von Kopf- und Handarbeitern nicht nur nicht ausschließt, sondern im Gegenteil dringlichst erfordert. Zeichnen wir so von der 5)öhe der sozialistischen Geschichtsauffassung aus ein scharfes und ebrlhches Bild der gesellschaftlichen Zustände und der sozialen Kämpfe, die das Zeitalter des Uebergangs zun, Sozialismus erfüllen werden, so dienen wir der Sache der sozialdemokrati- schen Partei und den Interessen des Volkes weit besser, als da- durch, daß wir herbe Wahrheiten verschweigen und an die Stelle sozialistischer Anschauungen und Begriffe ein ver- schwommenes Mischmasch halb sozialistischer, halb bürgerlicher Mcmungen setzen. Die Arbeit der Programmkommission war gut gemeint. aber sie schlug falsche Wege ein und geriet gänzlich in die Irre. Ihr Entwurf ist in Anlage und Ausführung gleich mißraten. Gelänge nicht das Wunder, ihn in den leider nur noch zur Verfügung stehenden wenigen Wochen gänzlich umzuschmelzen, so wäre die Vertagung der entscheidenden Be- schlösse um mindestens ein Jahr dringend anzu- raten!'An wichtigstem, aktuellsten Veratungsstoff würde es dem Görlitzer Parteitag darum ja nicht fehlen. Würde doch schon eine ernsthafte Erörterung der Steuerprobleme an die Zeit und das Niveau des Parteitags die höchsten Ansprüche stellen!*

il]

Die Racher.

Roman von Hermann Wagner.' Sie war aschfahl im Gesicht.Sie Sie... verheiraten sich wohl sehr gut?" stammelte sie. Ja, recht gut," erklärte er eilig,mit einer reichen Frau... und auch meine neue Fabrik legt sich glänzend an,... und, wie gesagt, wann immer Sie meiner bedürfen sollten..." Sie raffte mit verzweifelter Hast ihre Kleider.Nein," flüsterte sie zitternd, und ihr Mund blieb vor Aufregung ein wenig offen,nein, ich will Sie nicht länger stören!" Sie eille zur Tür und wandte sich noch einmal um.Leben Sie glücklich," sagte sie mit einem halb erloschenen Blick,ja, leben Sie glücklich!" Er war erstaunt und im Innersten irgendwo tief getroffen, blickte ihr nach, fand aber die Tür schon leer. Prokop!" rief er laut und voll Mißmut. Prokop erschien und war stumm. Meine Wäsche, meinen Anzug! Eilen Siel Schnell!" Und er begab sich in sein Schlafzimmer und riß sich die Kleider vom Leib, um sich für die Trauung umzuzjehen. Sein Automobil es war ein Luxusauto, denn er ver- fügte jetzt selbst über zwei Wagen brachte ihn nach der Pension im Westen, in der Lucie ihn erwartete. Sie trug ein schickes, Helles Kleid, das für keine Festlich- keit gemacht war, und einen duftigen Hut, wie ihn eine junge Dame gern aufsetzt, wenn sie Dinge vorhat, von denen sie an- nimmt, daß sie leicht und amüsant werden. Da bist du ja," sagte sie einfach und begriff nicht, daß er Eile hatte,nun, so fahren wir!" Die geschraubt würdige Miene des Standesbeamten er- schien ihr sehr komisch, und es kostete sie Mühe, nicht zu lachen. Dafür lächelte sie. Mit diesem Lächeln glitt sie über die weni- gen Förmlichkeiten, die zu erfüllen waren, wie über etwas Nichtssagendes und Langweiliges' hinweg. Bevor sie auf die Straße hinaustraten, küßte sie ihren Mann und sagte bloß:Nun also!" Draußen beratschlagten sie, was zu tun wäre. Fahren wir heim" fragte er.

Sie schüttelte den Kopf.Erst essen wir zu Mittag, ganz ungezwungen. irgendwo... Und dann zeigst .mir deine Fabrik!" Sie wählten aufs Geradewohl ein Restaurant Unter den Linden. Der Wagen flitzte durch die Straße, tutend und manche Pfütze durchfahrend, so daß das Wasser zischend auf- spritzte, denn es hatte kurz zuvor geregnet. Wie lustig," sagte Lucie und blinzelte nach der Sonne hinauf, die wieder warm und freundlich lachte. Sie fand es auch sehr amüsant, am Hochzeitstag im Re- staurant zu speisen, wo andere ebenso langweilige wie üppige Gastmähler gaben. Es schmeckte ihr ausgezeichnet, und als sie in der süßen Speise herumstocherte, erfaßte sie eine tolle Lustigkeit, die sich mit einem lauten Lachen befreite, so haß mehrere Gäste, die verdrossen oder sachlich bei ihrem Diner saßen, sich indigniert nach ihr umsahen. Noch nie war ich so ausgelassen wie heute," sagte sie, und stieß ihn an,aber du, du scheinst elegisch!" Er dachte im gleichen Augenblick an den Brief, den er am Morgen erhalten hatte, und auch der Gedanke an Gutzeit war ihm gekommen, wie dieser verspielte Mann am Haken in seiner Kammer hing. und so straffte er sich, lächelte gequält und antwortete:Verzeih, ich war abwesend!" Abwesend? Heute?" Ja, gerade heute," antwortete er und bestellte Sekt, um es aul diese Weise zu versuchen, heiter zu werden. Sie ahnte, was ihn bedrückte, und nahm zärtlich seine Hand, um ihn zuversichtlich zu machen. Ihre Heiterkeit war leis und mild geworden und ging all- mählich auch auf ihn über. Mit einer.Handbewegung strich er alles Quälende von sich ab. Er stieß mit ihr an, leerte das Glas bis auf. den Grund, um es sogleich von neuem zu füllen und auszutrinken. Das schien ihm frische Lebenslust einzublafen, und er war mit einem Mal wie umgewandelt. Er sprach schnell auf sie ein, sich an seinen eigenen Worten erhitzend, und erzählte ihr von den Fortsll'ritten, die die Fabrikation und der Umsatz in seinem neuen Betrieb machte. Schon merkte man den Erfolg. Die Reklame arbeitete ' mit allem nötigen Tam-Tam. Em neuer Betriebsleiter war

eingestellt worden, der durchaus dem entsprach, was Rcisns'- sich von ihm versprochen hatte. Auch er selbst hatte sich schnell in die neue Materie eingearbeitet, die er jetzt schon fast völlig beherrschte.* In das Unternehmen war ein neuer Zug gekommen. Die Morore, die man bisher hergestellt hatte, waren gut gewesen, man hatte es aber nicht verstanden, sie bekanntzu- machen, auf jene weithin tönende Art, die die Zeit von heute nun einmal verlangt. Dem war abgeholfen worden. Die Reklame, die er machte, war geschickt, eindrucksvoll und war vor allem ins jene Massenhafte gesteigert, das allein den Erfolg verbürgt. Ein ganzes Heer von Agenten war bemüht, sie zu unter- stützen, so daß die Fabrik schon heute vosl beschäftigt war und man viele neue Arbeiter hatte einstellen können. Ich will die Fabrik sehen," sagte Lucie interessiert,du mußt mich hinfahren, sogleich!" Seine Leidenschaftlichkeit, die viel Gezwungenes gehabt hatte, ging jene Wärme über,, die ihrer Sache sicher ist. Ihr Interesse machte ihn sehr glücklich. Er berichtete ihr von dem großen Vermögen, welches der Betrieb der Fabrik und die Reklome verschlangen, das sie jedoch beide schließlich wieder hergeben mußten, mit hohen Zinsen, die der Gewinn waren. Bist du so reich?" fragte sie betroffen. Er errötete, weil er jetzt gezwungen war, ihr seine Ver- Hältnisse zahlenmäßig klaM 'lcgsn. Er wußte, daß ibr, die selbst ein großxs Vermögen besaß, Geld nicht imponierte. Um so stolzer machte es ihn jetzt, daß er ihr zeigen konnte, auf wie festen Füßen er stand. Noch nie war zwischen ihnen vom Geld die Rede gewesen. Sie brachen aus, um nach der Fabrik hinauszufahren. Der Wagen durchquerte die Straßen, bahnte sich bald einen Weg durch wimmelnde Menschenmassen und ratternde Fuhrwerke aller Art, bog wieder in enge Nebengassen ein, in denen vornehme Häuser still träumten, ließ prunkvolle Paläste ebenso gleichgültig hinter sich wie die kahlen, hohen Miets- kasernen der Arbeiterviertel, sah in den Laubenkolonien lustige Fähnchen flachem und hielt schließlich, seinen Lauf mit ver- blassendem und dann jäh sterbendem Geräusch und ohne er- müdet zu sein einstellend, vor einem großen Fabrikgebäude, in dessen blinden Fenstern sich die Sonne spieaelte. (Forts, folgt.)