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Nr. 425 38. Jahrgang

Beilage des Vorwärts

Freitag, 9. September 1921

Die Knüppelgarde.

Die Stadtverordneten zum Fall Rudolph- Franzke e Ruffing

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Welch sonderbare Auffassung die Deuts& nationalen von den Rechten Andersdenkender in einer öffentlichen Versammlung Die in der Bresse vor einer Reihe von Wochen erörterte Abtragung einer Schuld auf seinen Antrag überwiesenen Renten haben, lehrt ein Vorfall, über den uns folgendes mitgeteilt wird: Affäre des in der Hauptfürsorgestelle für Kriegsbeschädigte vorschusses von 3500 m. für den gedachten Zweck feststand. Am Mittwoch abend fand in der Brauerei Königstadt angestellt gewefenen Dr. Rudolph- Franzte tam gestern endlich am Schönhauser Tor eine von der Deutsch nationalen Bolts. Stadtrat Siolt wendet sich in eingehender Darlegung gegen partei einberufene öffentliche Wählerversammlung auch in der Stadtverordnetenversammlung zur die Angriffe des Stadtv. Kröpelin . Er erklärt Besprechung. Anfragen der Deutschen Volkspartei und der daß er für die von ihm als Leiter der Stelle erlassenen Berfügungen schienen. Bereits eine Stunde vor Eröffnung wurden, anscheinend zunächst, statt. Unsere Genossen waren in stattlicher Anzahl frühzeitig er­Demokratischen Partei ersuchten den Magistrat um Auskunft, die volle Berantwortung übernimmt, daß ihm das Dezernat zu- von einem Vorstandsmitglied der Deutschnationalen Vollspartei, die dann durch drei Magistratsmitglieder so erschöpfend gegeteilt worden fei, als er frant lag, daß er sich zur Information das die Genoffen unter Hinweis auf den Hausfriedensbruchparagraphen geben wurde, daß von der ganzen Aktion nicht viel übrig blieb. er am Tage seines Dienstantritts bestimmt habe, daß fämtliche Ein- auf die öffentliche Bekanntmachung. Nun wurde die Schupo herbei­Material ins Schöneberger Krankenhaus habe schicken lassen, daß aufgefordert, den Saal zu verlassen. Unsere Genossen verwiesen Bergeblich mühten sich Demokraten, Deutschnationale und gänge ihm vorzulegen feien, bevor sie in den allgemeinen Geschäfts- geholt, die verlangte, daß innerhalb zehn Minuten der Saal von Deutsche Volkspartei , an Hand dieses Falles eine allge gang gehen. Diese Anordnung sieht er als etwas Selbstverständ- unseren Genossen verlaffen sein müßte. meine Mißwirtschaft" bei der Kriegsbeschä fiches an, ebenso seine Anweisung an Dr. Rudolph, die Eingänge mit dem Leiter der Versammlung wurde fchließlich erreicht, daß Durch Verhandlungen digtenfürsorge glaubhaft zu machen. Mit den Kom- zu prüfen und auf die einzelnen Dezernate zu verteilen. Im unsere Genossen im Saal blieben und uns ein Storreferat zugestanden munisten und Unabhängigen wies auch die sozial weiteren verteidigt er seine Amtsführung, die durchaus von dem wurde. Das Versammlungelofal wurde aber abgesperrt. Die Aus­demokratische Frattiondiese Versuche zurück, Bestreben getragen worden fei, die sozialen Mißstände, die auf führungen der ersten Referentin, die indirekt den Mord an Erz­von denen unser Redner sagte, daß sie nur aus dem Bedürf- diesem Gebiete vorlagen, möglichst zu mildern. Lagen solche vor, berger verherrlichte, tourden trotzdem noch mit Rube angehört. nis der Wahlpropaganda zu erklären seien. Der Bor- o tommen sie auf das Konto der alten, der früheren Verwaltung. Erst als der zweite Referent, ein Herr Kaufmann, auf gwifchen­schlag, die Geschäftsführung der Hauptfürsorgestelle für Kriegs­beschädigte durch einen Ausschuß prüfen zu lassen, fand die rufe die Parteigen offen mit Gesindel, Böbel und dergleichen titulierte und provozierend gestikulierte, wurde die Versammlung erregt und Zustimmung aller Fraktionen. artete schließlich zu Prügeleien aus, da der deutsănationale ringen auf die Parteigenossen einschlug. Ein Banklehrling hantierte Selbstschutz" mit Gummifnüppeln und Schlag­mit einem Revolver. Einer der Schläger wurde auf Verlangen unserer Genossen festgestellt. Es handelt sich um einen Albert Heide. durch die Polizei geräumt. mann. Raumerstr. 31. Das Versammlungslokal wurde schließlich

Sihungsbericht.

Die D. Bp. hat beantragt, den Magiftrat zu ersuchen, bei der jeht erfolgenden Neuregelung der Zuschüsse für Privatschulen auch für eine angemeffene Erhöhung der Bezüge der Schuldiener, Heizer und des Reinigungspersonals Summen in die Vorlage einzustellen. Der Antrag, den die äußerste Linke mit Gelächter aufnimmt, wird als dringlich anerkannt und gelangt sofort zu einstimmiger Annahme. Dr. Caspari( D. Vp.) teilt mit, daß seine Fraktion auf die Einbringung eines Dringlichkeitsantrages betr. die planmäßige Störung der Zusammenfünfte und Wohltätigteitsveranstaltungen der Deutschen Boltspartei verzichte, da der Polizeipräsident für Montag eine Besprechung dieser Vorkommnisse mit Vertretern aller Parteien angesagt habe.

Bon einer

tommunistischen Zentrale in der Hauptfürsorgestelle fann feine Rede sein. Zur weiteren Klärung der Dinge wird die gerichtliche Verhandlung der Klage dienen, die der Magistrat auf Anregung des Redners in der Sache gegen die Deutsche Tages­

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Auch die heutige Sigung beschäftigen zunächst Dringlichkeitszeitung" anstrengen wird. anträge. Von der linken Seite wird die Aufhebung der Verordnung liber den Achtuhrhäuserschluß bzw. die alsbaldige Zustimmung der Stolt wegen seiner angefochtenen ersten Berfügung ein Vorwurf Bom Oberbürgermeister Böß wird bestätigt, daß den Stadtrat Bersammlung zu dem Spruch des Schlichtungsausschusses zwecks nicht trifft. Wenn dann angedeutet worden sei, daß die Reichs­Bermeidung eines Streits der städtischen Gas- und Elektrizitäts- regierung auf den Magistrat eingewirkt habe, um ihn zu der von attion vorzugehen versteht, wenn sie durch unbequeme Besucher ihrer Man ersieht daraus, mit welch rücksichtslosen Mitteln die Ne­arbeiter gefordert; beide Anträge stoßen bei der Rechten auf Wider- ihm vorgelegten Neuordnung der Stelle zu veranlassen, so sei dicfe öffentlichen" Versammlungen in die Lage gerät, sich vor einem spruch und tommen daher heute nicht zur Berhandlung. Magistrats. Annahme hinfällig; es handle sich um die eigene Initiative des größeren Streis verantworten zu müssen. Zu diesem uns zugegangenen Bericht wird uns noch von anderer heit einzutreten. Merten( Dem.) behandelt vornehmlich die in sammlungsleitung ein Abkommen getroffen worden war, Die Bersammlung beschließt, in eine Erörterung der Angelegen- Seite ergänzend mitgeteilt, daß mit der deutschnationalen Ber­Der Bresse besprochenen Fälle, in denen Stadtrat Stolt den Kriegs- nach dem den zahlreich anwesenden SPD. - Angehörigen für die Aus­beschädigten ungebührlich entgegengetreten sein soll, um daraus den sprache ein Redner zugestanden wurde. Auch in diesem Bericht Schluß zu ziehen, daß der Leiter der Stelle tein Vertrauen verdient, wird lebhaft Klage über das unerhörte Verhalten des Herrn Kauf­und schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die geplante Re- mann geführt, der sich wie ein echter Renommierheld hinstellte und organisation nicht im Geiste des Herrn Stolt ausfallen werde. Stadtrat Stolt verliest zur Widerlegung die von ihm in diesen im Krieg fertiggeworden und werde auch mit Ihnen fertig werden. Buntten erstatteten amtlichen Berichte. den Gegnern zuschrie: Ich bin mit den Franzosen und Engländern Ganz abfunderlich aber müssen sich diese Vorkommnisse in dem Nachdem Schulze( Dnat.) die Angriffe Mertens noch unter- Röpfchen des Berichterstatters der von WTB. herausgegebenen Hierauf tritt die Versammlung in die Tagesordnung ein und strichen, führt Brückner( Soz.) aus, daß es darüber keinen Streit Berliner Lokalnachrichten spiegeln. Die genannte Korrespondenz wendet sich nach Erledigung einiger Gegenstände von minderer Be- gebe, daß die Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenfürsorge durch- läßt, nachdem sie darüber berichtet hat, daß ,, mehrere hundert Per­deutung der Beantwortung der Anfragen zu, die am 4. Auguft aus in fozialem Sinne wahrgenommen werden muß. Tatsächlich sonen versucht hatten, eine Versammlung der Deutschnationalen von der Deutschen Bolkspartei und von den Demokraten gestellt stehe in Berlin diese Fürsorge auch auf der Höhe der Zeit; nur ganz Bolkspartei im Böhmischen Brauhaus zu stören", sich also ver worden find und die Geschäftsführung der Hauptfürsorgestelle für vereinzelt feien die Beschwerden, und die hervorgetretenen Mängel nehmen: Aehnlich erging es einer zweiten Bersammlung der worden sind und die Geschäftsführung der Hauptfürsorgestelle für Kriegsbeschädigte bzw. die darin angeblich zutage getretenen groben fei man zu beseitigen bemüht. Daß der Magistrat einmal jemand Deutschnationalen in der Brauerei Königstadt in der Schönhauser Mißstände und die Anstellung und Entlassung des juristischen nach nicht genügender Prüfung auf einen immerhin verantwor- Allee. Hier versuchten gegen 8% Uhr abends radikale Elemente, Mißstände und die Anstellung und Entlassung des juristischen tungsvollen Bosten gestellt hat, fönne man ihm nicht zum Borwurf in den Bersammlungsraum einzubringen. Auch hier gelang es der Hilfsarbeiters Dr. Rudolph- Franzke machen. Ihr Urteil behalte sich die Partei bis nach Abschluß der Schuhpolizei, die Ruhestörer zu zerstreuen, wobei vier der Haupt­Ausschußverhandlungen vor. Namens einen Borwurf herzuleiten, hätte gerade die Rechte die ge- fieht man aus dem obigen Bericht. Wenn man sich die radikalen Aus der Führung eines doppelten schreier fiftiert wurden." Den richtigen Hergang und Verlauf er­ringste Beranlassung. Als 1848 Elemente", mit denen das Spießertum graulich gemacht werden soll, genauer ansieht, dann merkt man, daß bei Elemente die ersten vier Buchstaben Elem zu viel sind. Streicht man sie weg, so bleibt eine Ente übrig.

betreffen. Kröpelin ( D. Bp.) begründet die Anfrage seiner Partei. Er beschuldigt den Stadtrat Stolt, seine Amtspflicht ver­nachlässigt zu haben; Dr. Rudolph sei seine rechte Hand gewefen. Tatsächlich habe der Magistrat den Herrn Dr. Rudolph, der diesen Namen zu führen gar nicht berechtigt mar, fristlos entlassen müssen. Nichts liege an der Persönlichkeit des Herrn Franzte, auch nichts an Herrn Stolt; es fomme auf das System an: Bertreter einer Partei, die bloß mit der Faust die Welt re­gieren wollen, gehören in solche Aemter nicht hinein. Da zu gleich eine Magistratsvorlage wegen Neueinrichtung von Stellen in Der Hauptfürsorgestelle der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinter­bliebenenfürsorge zur Erörterung steht, die Ausschußberatung er­fordert, so beantragt der Redner, diesem Ausschuß auch die Befugnis zu übertragen, die bisherige Geschäftsführung der Hauptfürsorgeftelle einer Prüfung zu unterziehen.

Stadtfyndikus Dr. Lange trägt ausführlich den Sachverhalt vor, soweit er die Persönlichkeit des Dr. Rudolph- Franzke betrifft. Der Herr, der in Erlangen rite promoviert hat, ist auf Grund seiner Bewerbung und feiner Zeugnisse am 21. März 1921 angestellt worden. Seine fristlose Entlassung mußte erfolgen, da nach den angestellten Ermittlungen die Führung eines Namens, zu dem er nicht berechtigt war, das Verschweigen der Tatsache, daß er ein Kriegsbeschädigter war, und die Nichtverwendung eines ihm zur

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Die Rächer.

Roman von Hermann Wagner.

Ihr Fall ist noch feineswegs flar oder erledigt," fagte der Untersuchungsrichter zu ihm. Ihr Geständnis, daß Sie das Dokument mit dem Namen der Frau von Marisch unter­schrieben haben, bleibt bestehen. Ob Ihre Unterschrift zu Recht erfolgt ist, das wird erst die Einvernahme der Frau von Ma risch erweisen. Aber da sich niemand als geschädigt erklärt und da Sie, der Sie sich selbst bezichtigt haben, nicht fluchtver­dächtig sind, steht dem nichts im Bege, daß ich Sie aus der Untersuchungshaft entlasse Herr Schriftführer, proto follieren Sie: Da gegen den Beschuldigten ein Fluchtverdacht nicht vorliegt und da die Untersuchung außerdem Momente ergeben hat, die die Tat des Beschuldigten in einem milderen Licht erscheinen lassen, wurde die über ihn verhängte Unter­fuchungshaft wieder aufgehoben."

Die Amtsmiene des Beamten milderte sich ein wenig. Er machte Reisner ein Zeichen. Sie können gehen. Sie sind frei."

,, ie?" fragte Reisner abwesend.

Da spürte er Lucies Hand auf seiner Schulter. ,, Komm," fagte Lucie leise, fomm..."

Er stieg die vielen Treppen wie betrunken hinunter. Das, grelle Tageslicht draußen blendete ihn. Er griff sich an die Augen. Ich verstehe noch nicht, was ist geschehen?"

Sie schob ihren Arm unter den seinen und wintte auch Behrens. Komm," wiederholte sie nur, du wirst alles er­fahren."

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feinen

Prinz Wilhelm von Preußen unter dem Namen Lehmann als Postillon verkleidet ins Ausland floh, habe man daran Anstoß genommen, und die Köpenidiade des Hauptmanns" Schuh­macher Boigt sei doch auch noch unvergessen. Man fache hier um einen Einzelfall doch nur deshalb so viel Aufhebens, weil es sich um den Kommunisten Stolt handle.

zu 28 Uhr von der Deutschnationalen Partei, Ar­Weiterhin erfahren wir noch, daß gestern( Donnerstag) abend beitergruppe Morden, nach dem Hause Greifenhagener Straße 20, eine öffentliche Bersammlung einberufen war. Auf den und viel Geräusch gemacht wurde um eine Omelette". Auch Manasse( US .) findet, daß hier heute viel Zeit vertan dafür verbreiteten Handzetteln waren Gegner ganz beson­ders eingeladen. Die Gegner fanden sich auch fein fittfam sowie wiederholt Merten, Kröpelin und Stadtrat Stolt. unsere Genossen in die Erscheinung traten, schwanden die deutsch­An der weiteren Erörterung beteiligen sich noch Dörr( Komm.), ein in Gestalt von 200 SPD. - Parteigenossen. In dem Maß, wie Darauf wird die Magistratsvorlage in einen Ausschuß verwiesen nationalen Arbeiter" aus dem Saal, bis unfere Genoffen nebft und diesem auch die von der Deutschen Boltspartei beantragte Be- leinigen anderen Gästen allein übrig blieben. Um 48 Uhr jedoch fugnis erteilt. erschien die freundliche Sipo und veranlaßte die Auflösung" der Bersammlung, trozdem sie erst zu 28 Uhr einberufen war. Helden sind diese Deutschnationalen Helden!

Die Vorlage wegen Uebernahme der Bürgschaft für eine Hypothet von einer Million Mark auf die 18 Einfamilienhäuser des Heimstätten- Bauvereins Neu- Heiligensee, e. G. m. b. 5. geht an einen Ausschuß, der Antrag der Kommunisten wegen Unterstützung der Erwerbslosen usw. während der fommenden Wintermonate an den ständigen Ausschuß für Erwerbslosenfürsorge.

Nach 8 Uhr erfolgt der Schluß der öffentlichen Sizung. seffel fallen, stemmte die Ellenbogen gegen die Knie und stüßte so den Kopf. Er sank in ein schlafähnliches Brüten.

Mühsam löste sich aus dem Wirrwarr seiner Gedanken endlich ein einzelner los: der, daß er jetzt frei war, während er doch noch die Nacht im Gefängnis verbracht hatte, daß er daheim in seinem altvertrauten Zimmer faß und nicht in dem beklemmend feindseligen Raum, vor dessen Tür ein unrasier­ter Mann mit weich schleichenden Schritten als Wache gei­sterte, und daß Lucie mit ihm sprach, sich um ihn bemühte, wo sie ihn doch noch vor wenigen Tagen angespien hatte. Was war geschehen?

Und plöglich befiel ihn eine grenzenlose Angst. Es war ihm unerklärlich, woher fie fam, aber sie war da, durchdrang ihn, bemirfte, daß er stöhnend auffuhr, die Augen aufriß, nach einem Feind fuchend, der irgendwo verstedt fein mußte,- irgendwo, denn er spürte dessen Macht.

Er stieß einen leifen Schrei aus, denn er hatte Behrens gesehen. Der saß ihm gegenüber, schon lange Zeit, und be­

trachtete ihn.

Sie find frant," sagte Behrens freundlich. Fühlen Sie es nicht, daß Sie frank find?"

Ich weiß nicht," antwortete Reisner unsicher und fuhr sich über die Stirn hin, aber es ist möglich.. " Sie müssen fort," erklärte Behrens bestimmt, es ist hohe Zeit, daß Sie fortkommen."

tenhaus sei und daß Fremde sich um ihn bemühten. Er streckte Reisner hatte wieder die Empfindung, daß er im Kran­fich in wohliger Mattheit und seufzte. Aber wohin?" fragte er bekümmert. Wohin möchten Sie? Haben Sie einen Wunsch?" Reisner entsann sich Kärntens , der Kühe, der abendlich Er saß ganz apathisch im Auto, und ganz von selbst funkelnden Fenster, des Rauches, der still aus den Essen in fielen ihm die Augen zu. Zuweilen öffnete er sie halb, um die Luft stieg. Er lächelte zaghaft. Ich möchte nach Kärnten , zu Behrens hinüberzusehen, der ihm stumm gegenüber saß. in ein Dorf.. Aber er schloß fie sogleich wieder. Er war nicht mehr fähig,

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für

dem

zu denken. Ich lebe jetzt nur noch von Minute zu Minute. Sie. Sie müssen weiter. Sie müssen in ein Land, in Behrens schüttelte den Kopf. Nein, das ist nichts fagte er zu fich. Und es machte ihn zufrieden, die Hand Lucies man Sie nicht erreicht." Er sah Reisner fragend an. Ich in der seinen zu fühlen. Allzu schlimm fonnte es um ihn also hätte einen Vorschlag. Wollen Sie ihn hören?" nicht stehen. Ach, wenn er doch einmal Gelegenheit hätte, ruhig und traumlos zu schlafen!

Daheim angekommen, geleitete ihn Lucie auf sein 3im mer. Er ließ sich führen wie ein Kind. Er bestaunte alles, als sehe er es zum erstenmal. Dann ließ er sich in den Klub­

Ja," antwortete Reisner traumhaft. Behrens fuchte in feiner Brieftasche und entnahm ihr einige Papiere. Sehen Sie her. Das sind drei Fahrscheine für einen Schnelldampfer, der in drei Tagen von Holland nach Amerika fährt... Wollen Sie fie benüßen?"

Freitag, den 9. September, abends 6 Uhr, pünktlich, im Gewerf­Berein Berliner Buchdruder und Schriftgießer. Rofafioner! schaftshaus( Restaurationsräume) Bersammlung. Jeder hat zu er­scheinen. Gustav Huf. Alb. Massini.

Reisner machte ein ungläubiges Gesicht. Drei Fahr­scheine? Was soll ich mit drei Fahrscheinen? Ich verstehe nicht

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,, Erlauben Sie, was ist da unverständlich? Ein Fahr schein für Sie, einer für Ihre Frau, der dritte für Ihr Kind." Behrens wurde ungeduldig. Die Sache ist doch klar. Ihre Frau ist einverstanden. Es fehlt nur noch, daß Sie sich ent­schließen Nun?"

"

Reisner lächelte schüchtern. Meine Frau... ist ein­verstanden-?" fragte er.

Ja," fagte Behrens trocken. ,, Und Sie-?"

Ich? Sie sind komisch. Was hat die Sache mit mir zu tun?... Ich bleibe hier.

Ich dachte

Was dachten Sie?"

Was ist das? fragte fich Reisner, plöglich erwachend. Spielt man mit mir? Träume ich? Bin ich in einer anderen Welt? Er suchte in dem Gesicht des anderen zu lesen. Es war doch abgemacht," stotterte er, daß Sie, Sie und meine Frau, daß Sie beide...

Behrens stand auf. Unfinn," sagte er leichthin ,,, Unsinn, dummes Zeug... Ihre Frau denkt gar nicht daran. Und ich..." Er sprach drohend. Mie denken Sie sich das über­

Denken Sie nicht mehr daran. Oder denten Sie, daß es ein baupt? Glauben Sie, daß man eine Frau und ein Rind fo einfach-los werden fann?" Er lachte. Hirngespinie! wüster Traum war... Fertig!"

Reisner lehnte sich in den Stuhl zurück und preßte die mal auf ihn eindrang, er fonnte es nicht ordnen. Aber Hände gegen die Stirn. Es war zuviel, was da mit einem meine- Sache. Sache..." sagte er.

Behrens wehrte furz ab. Lassen Sie das. Kümmern Sie sich nicht darum. Es sind Schritte eingeleitet, die bie Affäre niederschlagen werden. Aengstigen Sie sich nicht." dem Reisner einfach ertrant. Er berührte alles mit menigen Er sprach furz, heftig und schnell und fand den Ton, in Morten und hatte es damit auch schon erledigt: Reisners Fäl schung, die feine eigentliche Fälschung war, Reisners Ber mögenslage, die feineswegs fo verzweifelt aussah und die zu ordnen er auf sich nahm, und Reisners Flucht, die allen Wei terungen einen schnellen und starken Riegel vorschob.

( Forts folgt.).