der Filmindustrie der Tin- und Ausfuhr freigibt. Wie soll Italien aber nach Deutschland ausführen, wenn man für einen Lire vier oder gar fünf Mark bekommt? Viel großartiger ist der Prozeß der Lähmung der italieni - schen Industrie durch die deutsche Konkurrenz in der Metall- und chemischen Industrie, aber gerade wegen seiner Großartigkeit ist er weniger zu übersehen und bis jetzt noch nicht statistisch zu erfassen. Einiges darüber läßt sich aus der Statistik des gesamten Außenhandels mit dem Deutschen Reich erschließen. Als am 1. Januar 1S2V die Grenzen geöffnet wurden, belief sich im ersten Monat die Ein- fuhr aus Deutschland auf einen Wert von 26 Millionen Lire , dem eine italienische Aussuhr nach Deutschland für 25 Millio- nen gegenüberstand. Dann stieg aber die deutsche Einfuhr von Monat zu Monat und betrug im Dezember schon 133 Millionen. Im ganzen Jahre hatte Italien aus Deutsch - land für 821 Millionen eingeführt und nur für 36l> Millionen ausgeführt. Im laufenden Jahre dürfte sich die deutsche Aus- fuhr schätzungsweise auf eine Milliarde und 300 Millionen erhöhen, die nicht zur Hälfte durch die italienische Ausfuhr nach Deutschland gedeckt werden dürfte. Gewiß schließt die deutsche Einfuhr auch Rohprodukte ein, so namentlich Eisen und Kohlen, aber der größte Teil sind fertige gewerbliche Er- Zeugnisse. Dabei belief sich nach offiziellen Angaben die Z a h l der Arbeitslosen in Italien am 1. September auf 438 747, mit einem Zuwachs von 25 000 gegenüber dem 1. August. Fast der vierte Teil der Arbeitslosen entfällt auf die hochindustrielle Lombardei . Von landwirtschaftlicher Ar- beitslosigkejt ist in dieser Jahreszeit kaum die Rede. Diese ungeheuer ernste Lage, die sich automatisch ver- schärfen muß, ist eine unmittelbare Folge jenes Moments menschlichen Unverstandes, das sich die Entente in Versailles gesetzt hat. Man hat dort die im Kriege unterlegenen Länder in ihrer wirtschaftlichen Existenzmöglichkeit zu treffen gesucht, was bei Deutschösterreich so gut gelungen ist, daß man ihm sein wirtschaftliches Rückgrat brach. Da man dem Deutschen Reiche nicht alle Rohstoffe nehmen, seine lndustrielle Organi- sation nicht.zerstören konnte, ist es, trotz Versailles eine industrielle Macht geblieben, ist aber durch seine ausgeblutete Finanz und die daraus folgende Entwertung seiner Valuta, trotz aller Abwehrmaßnahmen der Entente, der konturrenz- fähigste Staat auf dem Weltmarkte. Die Ententemächte erster Klasse, England, Frankreich und Belgien , können sich gegen die deutsche Konkurrenz im eigenen Lande schützen, denn sie können ihren Bedarf an Industriewaren selbst herstellen. Italien kann das nicht, denn bei der Austeilung der Rohstoffe baden die Verbündeten feine Existenz übersehen. Es ist aufs Ausland angewiesen. Aber die Entente, die den italienischen Markt auch nicht verachtet. schließt sich selbst durch ihre hohe Valuta von ihm von Tag zu Tag mehr aus und wird von Deutschland verdrängt. Gegen diesen Borgang, dessen Wurzeln, wie gesagt, bis nach Versailles zurückreichen, sucht man nun in Italien allerle, . Quacksalbereien anzuwenden. Die ganze Industrie schreit nach Schutzzöllen, die Schwerindustrie nach Fabrikationsprämien, wobei sie vergißt, daß die heutige Steuerlast bereits die Leistungsfähigkeit des Landes übersteigt, während die Prämien doch aus dem Säckel kommen müssen, den der Steuerzahler füllt. Am energischsten betreibt die Metallindustrie, die über weitverbreitete Blätter, wie den römischen„Messaggero", verfügt, die Kampagne gegen die.deutsche Invasion". Wenn sie schon durch die Ungunst der natürlichen Verhällnisse nicht mit der deutschen konkurrieren kann, so will sie wenigstens Kanonen undPanzerbauen, für die es keine deutsche Konkurrenz gibt. Darum braucht sie einen trüben internatio- nalen Himmel. Daher die blöden Andeutungen von deutschem Gelds, das den italienischen Kommunisten zufließen soll und solche Erfindungen mehr. Anstatt sich zu sagen: unsere Wirtschaftskrise ist eine Frucht der unnatürlichen wirtschaftlichen und finanziellen
Lage, die man in Versailles ausgeMgelt hat. und kann nur aufhören, wenn auch in Mitteleuropa normale Verhältnisse eintreten, sucht man in Italien glauben zu machen, daß Italien das Opfer deutscher Intrige sei, und schreit nach Schutz durch die Regierung. Daneben dämmert die Erkenntnis auf. daß Italien Opfer seiner eigenen Bundesgenossen ist. Aus alledem entsteht ein Gefühl der Zurücksetzung und Erbitterung, aus dem die Schwerindustrie die Stimmung für neue Rüstun- gen herausdestillieren möchte. Sie denkt wohl wie die Homöo- pathen, daß man Gleiches mit Gleichem kurieren müsse: die von Kanonen gekommene Not durch Kanonen! Aber die italienische Krise, die ihre Wurzeln in den dreijährigen Irr- tümern der Ententediplomatie hat, wird nicht so leicht zu kurieren sein. Vor allem wird die.lokale Behandlung" nicht hinreichen._ Mmifterium LerchenfeM München, 20. September. (Eigener vrahtbericht de»„Lor- warts'.) Die bayerische Ministerkris» ist eben in ein neues, voraus- sichtlich letztes Stadium eingetreten. Die.Bayerische Staatszeitung " beschreibt den kommenden Mann so deutlich, daß ein Zweifel an der Person kaum mehr möglich ist. Wie wir soeben erfahren, wird Graf Lerchenseld von der Bayerischen Dolkspartei den Koa- littonsparteien vorgeschlagen werden. Die endgültige Entscheidung fällt jedoch morgen. Lerchenfeld entstammt einer alten bayerischen Adelsfamili«, hat wähnend des Kriege» in Polen sich als Berwaltungs- beamter bewährt und steht gegenwärtig im Reichsdienst. Sein Pater war der bekannte bayerisch« Gesandte in Berlin . Ob die Deutsch- n a t i o n al e V o l k s p a r t e i sich an der neuen Koalition beteiligen wird, ist zur Stunde noch nicht bekannt. Da» Verhalten ihrer Presse spricht nicht dafür. Die deutschnationale.Augsburger Abend- zeitung" gefällt stch darin, ihren Zorn über den Verlauf der Dinge in wüsten Beschimpfungen an linksstehenden Politikern auszulassen. Sie wirst in ihrer heutigen Abendnummer dem Staatskommissar Weißmann unter Berufung auf den»Bayerischen Courler" vor, er Hab« aus Gründen persönlicher Verwandtschaft die illegal« Freilassung des Kommunistenführers Toller betrieben. Wie sehr aber dieses bayerische Bearntenblatk In den Dienst alt- preußischer Sozialistenhetz« getreten ist, beweist die Be- schimpfung des Genossen Hermann Müller:»Diesem Hermann Müller schwoll der rote Kamm vor Stolz, als er den Schmachsrieden von Versailles persönlich unterzeichnen durste." Im übrigen ruft die veusschnationale Volkspartei als letztes Mittel zu Neuwahlen auf. Die Kundgebung des Landesaus- schusses lautet:• .Die Befragung des Volke» ist unerläßlich, denn über die Frage Staat oder Provinz,.Föderalismus oder Unitarismu» darf allein das Volk entscheiden." So demokratisch gebärden sich plötzlich dl« Erzfeind« der Demokratie! Schließlich tröstet man stch in der Rechtspress« mit der Hoffnung, daß Kahr jedenfalls als Staatspräsident wieder« kehren werde und macht unterdessen die Straße durch eine Unzahl von Flugblättern mobil, in denen die sozialistischen Führer in den Schmutz gezogen werden und eine wüste antisemitische Hetze betrieben wird. Hoffentlich wird der neue Mann das Staatssteuer bald fest in die Hand nehmen und die Ueberreste des alten System» Kahr über Bord werfen. Ein reinigendes Gewitter? München , 20. September. (Eigener Drahtbericht des„vor- wärts".) Die Beratungen der Bayerischen Volkspartei über die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten hatten heute abend nach heftigen Kämpfen ein reinigendes Gewitter ausgelöst. Der Lbge- ordnete Dr. Z a h n b r e ch e r, der Führer der Opposition gegen die Politik des Parteivorfltzenden Held und unentwegter Anhänger Kohrs, wurde soeben wegen groben Dertrauensbruche» aus der Partei ausgeschlossen. Zahnbrecher hatte heute morgen in der offiziell parteilosen, in Wirklichkeit aber deutschnationalen„Münchener Zeitung" scharfe Angriffe gegen die Parteileitung gerichtet, im Gegnssatz zu seiner Partei Neuwahlen verlangt und die Rückberufung Kahrs gefordert. Di« Verhandlungen mit Berlin
tk Entstehung öer Gartenstaöte. Der Name Gartenstadt gehört zu jenen Worten, die schon durch ihren Klang einen Zauber auf»n» ausüoen; das unserer Zeit eigen- tümliche Lehnen noch der Natur und nach besseren Wohnverhält- nisten drückt sich in ihm aus. Die Anfänge der deutschen Gartenstadtbewegung stehen im engsten Zusammenhang mit der englischen. Zwar hat bereits im Jahre l89ö der Deutsche Tyeodor Frilsch in seiner Schrift:»Die Stadt der Zukunft" die Ziel» der deutschen Gartenstadtbewegung größtenteils gezeichnet. Es wird darin der planmäßige Ausbau von Städten nach einem System gelehrt, das mit den gefundheit- lichen und schönheitlichen Interessen auch allerlei praktische und tech- nistbe Vorteile verbindet. Die eigentliche Stadt ist in Zonen ge- gliedert, deren jede einzeln« bestimmten wirtschaftlichen Aufgaben dient: vor allem aber sind über das Ganze Gärten und Parks reich- lich oerteilt, so daß den gesundheitlichen Ansprüchen voll Genüge geleistet wird. Aber erst das zwei Jahre später erschienen« Buch des Engländers Howard:„Gsrten Citiea of To-morrow*(Gartenstädte in Sicht) gab den Anstoß für die praktisch« Gartenstadtbewe- gung, wobei die Entwicklung der englischen Wohnkultur der Garten- stodt einen günstigeren Boden bereitet halle als in Deutschland . Der Verfasser legte überzeugend bar, daß vernünftige Wohnverhältnisse für die weniger bemittelten Klasten nur auf zwei Grundlagen ge- schaffen werden könnten: einer gesunden Bodenreform und einer planmäßigen, allen Verkehrs» und Betriebsverhältnissen Rechnung tragenden Anlage. Das Problem der Gartenstadt ist also gleichzeitig «in« bodenreformerisch« und«in« städtebaulich« Frag». Howard» Buch wirkt» in England so stark, daß sich bald eine Gesellschaft bildete, di« besten Gedanken in di« Tat umzusetzen be- gann. Es entstand di» Gartenstadt L« t ch w o r t b die heut« be» reits eine ansehnliche Ausdehnung gewonnen hat. Weiter« Garten- städte, so vor ollem di« Gartenstadt H a m p st e a d bei London , sind in raschem Aufblühen begriffen. Die anmutigen Anlagen verfehl- ten nicht, auf den in England Reisenden ihren bestrickenden Reiz ' auszuüben. Besonders überraschten die innige Verbindung zwischen Natur und Menschenwerk und die gute Architektur der Häuser. Dies« war allerdings nur möglich infolge der jahrzehntelangen Tradition in gutem Hausbau, durch den sich England von anderen Ländern unterscheidet. Schon vor Gründung der Gartenstädte waren reizende Arbeitersiedlungen in Port Sunlight und Bournoill» entstanden, welche durch ihr Bekanntwerden in Deusschland auch unseren Kleinhausbau auf» glücklichste beeinflußt haben. Den Gedanken der Gartenstadt in Deutschland zu ver- breiten, Hot stch vor allem die im Jahre 1902 gegründete Deutsche <>artenstadtgei«llschaft zur Aufgabe gemacht, die durch literarische Propaganda in der eindringlichsten Weise für ihn eintritt. Die De- sellschast verfolgt« ursprünglich das Ziel, der Uebervölkerung der bestehenden Städte durch Gründung in sich abgeschlossener Siedlun- gen auf wohlfeilem Gelände, da» zur Verhinderung jeder Boden. spekulativ, dauernd im Obereigentum der Gemeinschaft erhalten wird, entgegenzuwirken. Sie bezweckte also eine Dezentralisation der in den Großstädten mit übermäßiger Grundrente, mtt Pro- duttton«, und Tran-portschwierigketten belasteten Industrie, sowie ihn gleichmäßig» Bertellung auf da» platte Land, daneben aber
di« Sicherung eines großen Teils de« zu erschließenden Gelände» für dm Garten- und Ackerbau. Dieser Gedanke leidet jedoch an manchm Schwächen. Ganz neu Orte zu gründen und in die Höhe zu bringen, stößt auf sehr große Schwierigkeiten. Es hat stch wohl au» diesen Gründen auch die Deussche Garten- stadtgesellschast im Lauf« der Zeit zu der Ansicht durchgerungen, daß in Deutschland der Gartmstadtgedanke nur in der besonderen Form der von einem bestehenden Gemeinwesen politisch und wirt- schaftlich abhängigen Gartenvorstadt zu verwirtlichen sei. In dieser Gestalt ist denn auch die zeitlich früheste Gartenstadt R ü p- vurr bei Karlsruhe zur Ausführung gelangt. Ein zweites Bei- spiel ist di« von einer lokalen Genossenschaft unter ttefeingreifender Mitwirkung der Stadt Straßburg i. E. geschaffene Gartenvorstadt S t o ck f« l d. Auch die Gartenvorstädte Nürnberg und H« l l e r a u(bei Dresden ) gehören zum wirtschaftlichen Bann- kreis der benachbarten Großstädte. Mit dieser Einschränkung kann die prakttsche Betätigung der Gartenstadtbewegung in Deutschland begrüßt werden, als ein weiterer vornehmlich in ethischer und ästhetischer Beziehung nicht hoch gmug zu bewertender Bundesgenosse im Kampf gegen die Mietkasern» und für die weiträumig« Ansiedlung des künftigen Zuwachses der Grobstadtbevölkerung. (»n, dem fsede» erschienenen Buch«..«tddtebovkinlft-»on Stadtdanrat und»elaeoidneten Sinl.-Ing. Hermann Shlgötz.— Wissenschost und Bildung, Band 1W, gebunden 13 M. Verlag von Quell«». Meyer in Letpitgä
Scheffler» Gewährsmann. Karl Scheffler rück» in der»Boss . Ztg." jetzt mit seinem Gewährsmann für feine Angriffe auf die Leitung der Berliner Museumsneubautm heraus. Er schreibt: »Gelegenheit zu sehm und zu prüfen hat mir der am besten zu solcher Führung Befähigte gegeben. Der, dessen Urteile ich an- geblich kritiklos wiedergegeben habe und der im voraus als»be- wüßter Berleumder" bezeichnet wird, ist-- der Vertreter des Bauherrn, der Borsttzende der Mufeumsbautommisston, Exzellenz Wilhelm v. B o d e Wir hatten schon früher angedeutet, daß der frühere General- direktor der Berliner Museen, Herr Bode, dahinter stecke. Unsere Mutmaßung wird also bestätigt. Es ist gewiß das gute Recht Bode». Krtttk zu üben und angebliche Mißstände aufzudecken. Es ist nur merkwürdig, daß er es nicht rechtzeitig tat und seinen amt- lichen Einfluß nicht besser auenutzte. Solche Zurückhaltung ist man sonst bei ihm keineswegs gewohnt. Früher wußte er alle Ein- slüsse spielen zu lassen, um seine Absichten durchzudrücken.(Es sei nur an di« Flora-Asfäre erinnert.) Nunmehr wird Herr Bode wohl deutlicher werden unb unter eigener Flagge segeln müssen. Scheffler wiederholt im übrigen seine Forderung nach einer unabhängigen Kommission und ergeht sich in deplazierten Witzen über den Betriebsrat, der es wagt, Rechenschaft von ihm zu fordern. Für die Demokratt« einer gotischen Bauhütte würde er sich wahr- scheinlich begeistern. Er, der selber vom Arbeiter aufgestiegen ist, sollte am wenigsten solche aristokrattschen Allüren annehmen. Erste»niernattonale Tagung für Sexualreform. Die letzte Sitzung der Tagung, von weit über tausend Teilnehmern besucht, galt der Sexualpädagogik. Die Regierungen von Chile und von Uruguay hatten offizielle Vertreter entsandt. Frau Senator Kirchhofs. Bremen erörtert« die Mich« und pädagogischen
sollten seiner Ansicht nach den parlamentarischen Kommissionen entzogen und mit allen Bollmachten einzig und allein Herrn o. Kahr übertragen werden. In seinem Borgehen stützte sich Zahnbrecher auf ein Telegramm der Chiemgauer Bauern, welche von ihm da» rücksichtslose Festhalten an Kahr verlangten und die Drohung aus- stießen, jeden, der eine gegenteilige Ansicht vertrete, als Berräter am bayerischen Volt zu behandeln. Dieser Appell an die Straße und die fortgesetzten Dertrauensbrüche, die sich Zahnbrecher zugunsten deutschnationaler Kreise hat zuschulden kommen lassen, führten zu seinem Ausschluß. Damit ist hoffentlich der letzte Sperrbalken ge- fallen, der Bayern aus der Aera Kahr-Poehner von einer neuen Zukunft trennt. • Lerlln. 20. September. (WTB.) Der Staatskommissar für öffentliche Ordnung teilt mit: Auf die Anfrage des»Bayerischen Courier", ob Ich mit dem unabhängigen Führer Toller verwand sei und für seine Freilassung ein besonderes Interesse gezeigt habe, erkläre ich. daß ich mit Toller in keiner Weis« verwandt oder verschwägert bin. Ich kenne Toller überhaupt nicht. Ich hatte lediglich«ine Anregung mehrerer Personen, Toller zum Besuch seiner schwer kranken Mutter vorübergehend zu beurlauben, der Polizeidirektion München zum Befinden weiter- gegeben._ Gesterreichs Arbeiter für Sie Republik . Men, 20. September. (WTB.) Di« Wiener sozialdemo« kratische Vertrauensmännerversammlung, die über die polittsche und wirtschaftliche Lage beriet, hat nach einer ausführlichen Rede Dr. Otto Bauer » einstimmig eine Resolution angenommen, worin der Verband der sozialdemokratischen Abge- ordneten und die Gewerkschaftskommisfion angesichts des Der- sagen» der bürgerlichen Finanzpolitik aufgefordert werden, selbst die Richtlinien eines umfassenden Finanz- planes zu entwerfen und zu oerlangen, daß der Finanzplan im Einvernehmen mit den Vertretern der Arbeiterschaft festgesetzt werde. Di« Resolution billigte alle Bemühungen, den von Horthy- Ungarn bedrohten Frieden zu erhalten und neues Blutvergießen zu verhüten. Sollte aber das weiße Ungarn die Republik an- greifen, um eine monarchistische Reaktton auch in Deusschösterreich zum Siege zu führen, dann werde die Arbeiterschaft zu den Waffen greifen, um die Republik gegen alle äußeren und inneren Feind« zu verteidigen. Aerfchärfker Rechtskurs Im Reich»ernShrm>g»mivlfierium? Staatssekrelär Huber vom ReichSernäbrungSministerium tritt zurück. Wie dazu mitgeteilt wurde, befindet sich unter den An- Wärtern auf seine Nachfolge Ministerialdirektor Hei nrici, ein al» sehr geschickt bekannter Reaktionär, der in hohem Maße für die Preisbildung und Freigabepoliiik dieses Ministeriums gewirkt ha:. Nachdem bereits ein stark rechlS gerichteter Mann, Dr. Hermes. vom Zentrum als F a ch m i n i st« r in diesem Amt gehalten wurde. wäre eS zum mindesten Sache de» politischen Takle», vor der Reu- besetzung de? StaatSiekretärposten» mit den politischen Par- t« i e n Fühlung zu nehmen, um zu verhindern, daß die von den republikanischen Parteien bewilligten leitenden Posten nicht ganz und gar im Sinne der republikanisch uninteresfierten oder der Re- publik feindlichen Kreise besetzt werden. Zur Verhaftung des Leutnants Wilhelm Heinz meldet TN.: Der unter dem Verdacht der Mitwisserschaft an der Ermordung des Reichstagsabgeordneten Erzberger verhaftete Leutnant a. D. Wil- Helm Heinz leugnet ganz entschieden, mit der Tat etwas zu schaffen zu haben oder auch nur ein« Ahnung von dem bestehenden Plan der Ermordnung gehabt zu haben. Der nach der Ermordung Erzbergers verhaftete Killinger weilte am Sonntag vor acht Tagen in Frankfurt a. M. bei Heinz zum Besuch. »Deutsch - Oesterreichischer Ausverkauf". In diesem Artikel unseres Wiener Korrespondenten war von einem Konsortium die Rede, daS sich um Aufkauf der WöllerSdorischen Werke bemüht. Die darin als Mitglied diese? Konsortiums genannte Firma Schlesinger- Trier u. Co. legt Wert darauf, festzustellen, daß sie weder diesem Konsortium angehört, noch irgendwelche derartigen Geschäfte in Deutschösterreich für sich allein oder in Verbindung mtt anderen Firmen betrieben hat oder betreibt.
Voraussetzungen für eine Kindererziehung zu sexueller Wahrhaftig- keit, Unbefangenheit und Verantwortlichkeit. Nicht nur um Auf- klärung und Warnung vor Geschlechtskrankheiten dürfe es sich handeln, sondern die gesamte Erziehung müsse auf Charakterbll- dung, natürliche Unbefangenheit und Selbstzucht hinzielen. Der Schulgemeinde Wickersdorf wurde in ihrer einzigartigen Bedeutung gedacht. Dr. Kornfeld sprach über das Wesen und Werden der kindlichen Sexualität, insbesondere über die Pubertät. Zwischen der gedankenlosen Leugnung kindlicher Sexualerlebnisse und der Ueberspannung in der Deutung de» kindlichen Verhalten» als nur sexuell, wie die» die Psychoanalyse tut, hielt- Redner einen Mittel- weg inne. Dr. Saal er stellte in einem gedankenreichen Dortrag drei Forderungen auf: Reform der Gesamterziehung im Hinblick auf Willensbildung, Wahrboitigkeit und moralische Autonomie, ferner Reform in bezug aus sexuelle Aufklärung, die bei den Er- ziehern beginnen müsse, ferner Ausbau der gemeinsamen Erziehung der beiden Geschlechter. Die Tagung nahm eine Sympathiekund- gebung zugunsten Dr. Wyneken» und seines Erziehungswerkes an und forderte öffentliches Verfahren in seinem Prozeß. Döring- Leipzig erörterte an Hand vieler geradezu entsetzlicher Fälle die Un- brauchbarkeit kindlicher Zeugenaussagen bei Sittlichkeitsdelikten. Frau U Hirn an n ging auf die Erfahrungen der Jugendämter ein. Durch eine Schlußansprache Magnus Hirschfelds wurde di« arbeits- reiche Tagung beendet. Der nächste Kongreß wird in Rom statt- finden._
Da» SnitiPielbanS wird am SS. mit der vrauffähnmz von Schmidt- bann» Komödie»Die Schauspieler" eröffnet. Die Galerie Ferdinand Möller (Potsdamer Str . 13« e) bat Ihre Herbstausstellung mit einer größeren Kollekiion Gemälde von Adolf Bllger, München , eröffnet. Wciterbin werden graphische Arbeiten und Gemälde von Wolfgang vorn, München , darunter Illustrationen zu Thomas Mann.Der Tod in Venedig", gezeigt. Vorlesungen über SozlallSmn» an der Berliner vnidersität. Eine ganze Rech« der für das Wintersemester 1921122 angekündigten Vorträge behandelt die Geschichte und Theorie der sozialistischen Bewegung. So wird z. B. Pros. E o m b a r t über„Theorie und Geschichte der proletarischen Bewegung, Prof. B r e h s i o über �Individualismus und Sozialismus". Prof. Delbrück über„Weltgeichicht« unter dem Gesichtspunkt des Klassenkampfes" lesen. Auch einige der zu Professoren ernannten Genossen haben für ihr« Vorlesungen sozialistische Themata gewählt. Pros. L e n l ck ball Vorträge über die„Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung von 1848 bii 1918", sowie über„DaS Leben und die Lehre von Karl Marx ", Dr Gustav Mäher über die„Gelchichte der deutschen Sozialdemokratie". Prof. Tun o w WM einen Kursus(jeden Mittwochvormittag 2 Stunden! über di«..Marxich« materialistisch« GeschichtSaussassung— Darstellung und Kritik" ebballen. Außerdem wird er an jedem Montagmoroen unentgeltlich über die„Entwicklungsgeschichte der Familie und der Famllteninstiwtion-n" sprechen. Die»Freie Bühne, Theater deS werkiSttgen Balte» G.m.b.H. ". eröffnete imHamburgerGewerkschaftSbau« ihre Vorstellunaen «ailermann» Echaulpiel.Deserteure", dessen pazistttische Tendenz Veisall fand. Eine Tanziger Tenische Woche veranffaltet der Deutsch« Heimat- °und Tanzig. im Verein mit der Deutlchkundllchen Geielllchast vom 4. bis 9. Oktober Sr hofft, baß in Tanzig» Techni'chcr Hochschule die Deutschen au» dem Reich sich mit denen au» dem alten Wellpreußen die Bruderhand reichen zur Stärkung im Ausharren, gast all- Gebiete der Deutschkunde sollen den Teilnehmern an heimischen, Danziger und altpreußischen Bei- Stadtgrab«» Fracht werden. Nähere» durch die«ejchästsstelle in Danzig ,