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tote jefct südlich eine Einheit bilden und daß jede bisher selb­ständige Gemeinde, ob groß, ob klein, ob reich, ob arm, Opfer zu bringen und sich als dienendes Glied dem Ganzen anzu- schließen und, so schwer es ihr auch fallen mag, sich unter- zuordnen hat. In der Uebergangszeit sind Reibungen unver- weidlich, das liegt nun einmal in der Natur der Sache. Aber es heißt das Kind mit dem Bade ausschütten, wollte man nun wegen der Unebenheiten und Unstimmigkeiten die früheren Zustünde wieder herbeiführen. Ein Zurück gibt es nicht, sondern nur ein Vorwärts, und auch die Träger derLos- von-Berlin"-Lewegung sollten endlich einsehen, daß der Sieg ihrer Bestrebungen Berlin an den Rand des Abgrunds führen muß. Die eifrigsten Förderer des einheitlichen Groß-Berlin sind von jeher die Sozialdemokraten gewesen. Die Sozialdemo- kratie hat weitausschauenden Blickes die Notwendigkeit des Zusammenschlusses erkannt und den Gedanken der Einheits- gemeinde propagiert zu einer Zeit, wo sie nicht daran denken konnte, maßgebenden Einfluß auf die Verwaltung zu ge­winnen, sie hat den Gedanken in die Tat umgesetzt, sobald sie zur Herrschaft gelangt war, und sie wird auch serner in dieser Richtung wirken. Und nicht genug damit wird sie nichts un- versucht lassen, die Groß-Berliner Gemeindeverwaltung vor- bildlich für ganz Deutschland zu gestalten. Daß das Ziel erreicht wird, unterliegt keinem Zweifel. Es wird um so eher erreicht werden, wie es gelingt, die Hoff- nungen unserer Gegner zu vernichten und die sozialdemo- kratische Fraktion so zu stärken, daß sie die ausschlaggebende Partei im Stadtparlament wird und die beiden anderen Linksparteien zwingt, ihrer Taktik zu folgen. Der Sieg der Sozialdemokratie verbürgt die Zukunft der neuen Einheitsgemeinde. Mögen die Groß-Berliner Wähler sich dessen bewußt werden und am 16. Oktober ihre Stimmen abgeben für die Liste der Sozialdemokratischen Partei, der wirklichen Partei des Wiederaufbaues, der Partei, die Berlin aus dem Sumpf herausreißen wird, in den die jetzt frecher und frecher sich ge- bürdenden Kriegstreiber es hineingerissen haben.

Oeiefwechsel mit öer llSZ)ö. Der Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei richtete am 6. Oktober an das Zentralkomitee der USPD. fol- gendes Schreiben: Werte Genossen! Der Briefwechsel, den wir in den letzten Tagen wegen der Um- bildung der Regierung mit der Demokratischen und der Zentrumspartei geführt haben, ist Ihnen aus der Veröffent- lichung in der Presse(sieheFreiheit" Nr. 467 vom 6. Oktober 1921) bekannt. Sie haben aus ihm die Stellungnahme dieser beiden Par- teien ersehen. Der Vorstand der SPD. hat sich in seiner heutigen Sitzung mit dem Ergebnis dieses Briefwechsels befaßt und muß es seinerseits ablehnen, Ihre Partei, insbesondere wegen Ihrer Haltung zu den politischen Problemen der Vergangenheit, wie das in dem Schreiben des Herrn Koch gewünscht wird, zu examinieren. Für die weitere Stellung unserer Partei zur Umbildung der Rc- gierung wäre es für uns vor allem wertvoll zu wissen, ob die USPD. , die seit Annahme des Londoner Ultimatums die Regierung Wirth in der loyalen Erfüllung des Ultimatums und in der Führung einer republikanisch-demokratischen Politik u n t e r st ü tz t hat, b e r e i t i st, vorbehaltlich der Festsetzung des Regierungs- Programms im einzelnen, in dieses Kabinett Wirth einzutreten. Unsere Partei legt auf den Eintritt der USPD. iy das Kabinett wirth den größten Wert, well dieses damit eine sichere parlamentarische Mehrheit erhielte, was uns vor allem im Hinblick auf die Steuerpolitik der nächsten Zukunft nnd auf die Durchführung der zur Sicherung der Republik notwendigen Maßnahmen dringend geboten erscheint. Mit sozialdemokratischem Gruß! I. Ä.: H e r m a n n M ü l l e r. Darauf erfolgte am 8. Oktober folgende Antwort: Werte Genossen! Ihr Schreiben vom 6. d. M. ist erst heute, also mit zweitägiger Verspätung, in unsere Hände gekommen. Sie verweisen uns darin offiziell auf die bereits am Morgen des 6. Oktober veröffentlichten Antworten des Zentrums und der Demo- kraten.

Die grauen Tage. Von P. Haupt. Oktober Run kommen die Tage, die Tage, die gleichsam Spiegel sind unserer Zeit, Symbole unserer Welt. Die Tage, an denen es jubelt und jauchzt in den Vorgärten und Alleen von farbentollen Blättern, überhaucht vom Goldflitter milder Sonne, geschaukelt in würztg-frischer Lust, bis mit purpurnen Fanalen im Westen die Sonne wieder einen vergangenen Tag be- gräbt während nie, den ganzen Tag über nicht, die Sonnenstrahlen hinabklettern in die tiefen Schächte der Mietkasernenhöfe, in denen feucht und fröstelnd Dämmer hockt, kaum von den oberen Stock- werken hinuntergedrückt am Mittag zu den unteren. Aber dort weicht er nie, lauert heimtückisch, atmet seinen kalten Hauch in halbfinstere Stuben und Küchen, kriecht früh schon empor, von Stockwerk zu Stockwerk. Glücklich die, die ein Stück Westhimmel sehen können, die anderen bleiben in Grau und Feuchte, Tag um Tag. Keines der im Sterben prächtigen Blätter wird hineingewirbclt in die Schlünde der meilenlangen Mictkafernengassen, weht höchstens an ihrem Rande vorbei wie die Autos, die Kutschen, die vollen Bahnen, die gen Abend hinführen zu den Theatern und Cafäs, die verlogener Glanz, und zu Freuden, die Rausch sind. Die Alten, aus den Mietkaserncnvierteln, sie sitzen, kaum Weg und Mühe scheuend, tagsüber auf den groben Bänken an den dürf- tigen Plätzen mit den sparsam beschnittenen Bäumen, mit dem ver- sengten Rasen die Alten aus den Billcn der Vorstädte lehnen in Korbsesseln in voller Sonne gemein ist beiden das Haschen, der Durst nach dem letzten kleinen Sonnenstrahl, nach den letzten bunten Farben und Lichtern. Abends aber, am frühen Abend, schleppen sich die Alten von den öffentlichen Plätzen zurück in ihr kaltes und düsteres Heim. Schleppen sich, und müssen sich vorsehen, daß sie nicht eins der Atitos packt, eine der Kutschen, die die anderen hinbringen zu glän- zendem, vollcrem Abend(wenn auch die Fülle eine künstliche ist). Und immer kürzer und dunkler werden die Tage und immer mehr wird der Vergnügen und Feste für die Wenigen, die es haben. Für die anderen niemand schafft ihnen etwas, wenn nicht ste jctbjt, geeint, �entschlossen,..

Diese Antworten veranlassten Ihr Zentrakorgan, denVor­wärts", in seiner Morgenausgabc vom 6. Oktober zu dem Ge- stöndnis: Niemand wird erwarten, daß diese Briesschreiberei noch zu einem positiven Ergebnis führt. Die Scherzfrage der Demokraten nach der unabhängigen Räterepublik ist zwar neckisch, führt aber vom Verhandlungsgegenstand weit ab. Sie dient ebenso wie die gleichartige Frage beider Parteien nach der Geneigtheit der USP., sich mit der Volkspartei zu koalieren, nur den Zweck, in höflicher Form zu verstehen zu geben, daß wohl die Verbreiterung nach rechts gewünscht werde, aber nicht die nach links. Damit wird auch klar, daß der Beschluß der Demokraten vom 13. September, der eine Koalition auch mit den Unabhängigen in den Bereich der Möglichkeit rückte, eine leere Geste war. In Ihrem Schreiben zu den Antworten des Zentrums und der Demokraten kommen Sie zu demselben Ergebnis. Trotzdem wiederholen Sie die am 1. Oktober an uns gerichtete, in unserer Antwort vom gleichen Tage zurückgestellte Frage, ob unsere Partei bereit sei, in das Kabinett Wirth einzutreten. Nachdem feststeht, daß von den drei gegenwärtigen Koalitions- Parteien zwei eine Erweiterung der Koalition nach rechts wünschen

EMS Million Mahlfaule gab es bei der letzten Skadlverordnetenwahl. Darunter ** huKöerttaufenöe Mbsiter. Die bürgerlichen Parteien spekulieren auch diesmal auf die Lauheil der Arbeiter und werden selbst ihre» letzten Anhänger zur Wahl schleppen. Wollt Ihr den bürgerlichen Sieg verschulden? Nein! Helft mik, am 16. Okkober jeden Wann und jede Frau zur Dahl zu bringen für die Liste öer SPD.

und nicht nach links, hat Ihre wiederholte Frage keinerlei aktuelle und praktische Bedeutung mehr. Wir haben daher keine Veranlassung, eine gemeinsame Sitzung der Partei- leitung und der Reichstagssraktion einzuberufen, damit sie zu der völlig gegenstandslosen Frage Stellung nehmen. Wie wir bisher zu dem Kabinelk Wirth gestanden haben und in Zukunft flehen werden, haben wir in unserer Antwort vom 1. Oktober klar ausgesprochen, fjäll die Regierung ihre Polilit im Rahmen der dort aufgestellten Forderungen, so ist ihr eine pacta- menkarische Mehrheit in derSteuerpolitik der nächsten Zu- kunft" und in derDurchführung der zur Sicherung der Republik nokwendigen Maßnahmen" sicher. Mt sozialistischem Gruß Das Zeniralkomikee der 11 SPD . I. A.: Crifpien. Wir bodauern, daß das Zentralkomitee der USPD . die Bereitschaft der Unabhängigen, in has Kabinett Wirth einzutreten, nicht mit klaren Worten ausgesprochen hat. Da- durch würde es das Spiel jener Politiker, die bewußt eine Schwächung des sc üalistischen und eine Stärkung des kapita- liftifchen Einflusses in der Regierung anstreben, entscheidend durchkreuzt haben. Trotzdem bleibt die Feststellung wertvoll, daß die Unab- hängigen das Kabinett Wirth bisher unterstützt haben und daß sie ihm eine parlamentarische Mehrheit zu sichern bereit sind. Daß sich diese entschiedene Unterstützung in eine ebenso ent- schieden« Opposition verwandest, kann keine Koalitionspartei wünschen, und natürlich wünschen das am allerwenigsten die Sozialdemokraten. Man wird bei jeder geplanten Umbildung der Rcichsregierung die Wirkung nach beiden Seiten hin sorgfältig zu bedenken haben.

Mlnlsterpenfloneu. DieKmizzeifamg" versickert in Ueber- eir.stimmung mit den Kommunisten, daß die deutsche Finanzlage sick nicht bessern lönne, solang« reiche Ministerpeusionäre unerbört hohe Ruhegehälter beziehen. Frage: Seit wann haben die Minister Hergt und Helfferich auf ihre Pension verzichtet?

Cin neues Theater. Oskar Kaufmann , der Schöpfer der wuchtig pathetischen Volksbühne am Bülowplatz , hat das Sezessionshaus am Kurfürsten- dämm zu einem Theaterchcn ausgebaut, das wie eine zierliche Nipp- sache, wie ein graziöses, ulkiges Spielzeug oder eine festlich dekorierte Konditorware wirkt. Die beherrschenden Linien schwingen in sanften Bogen und mit lustigem Zickzack- und Schnörkelkram ist nicht ge» spart. Die kleine Bühne springt mit eleganter Schwingung in den Zuschauerraum vor, aber der ernüchternde Gedanke an ein Vortrags- podium kommt trotzdem nicht auf, vielmehr wird das Gefühl des organischen Zusammenhangs zwischen Szene und Parkett und das einer vollkommenen Intimität durchaus gewahrt. Die Vorräume sind in Grün und Mattgcid gehalten. Im Zu- schauerraum herrscht Rot und Silber vor, und zwar sind hier die Nuancen vom tiefen Weinrot des Parketts über das Rosa der Logen- reihe zum sanft vcrhauchenden rötlichen Weiß des oberen Teils wunderbar fein abgestimmt. Diese koloristischen Harmonien hat Cesar Klein komponiert, von dem auch das Plafondgemälde stammt, das mit seinem schlichten hellfarbigen Linienrhythmus sich der Gesamtwirkung des Raums diskret einordnet. Kann man die Architektur und Molerei des Saales als eine Art futuristisches Rokoko" bezeichnen, so zeigt der plastische Schmuck eine amüsante Mischung aus Japan und Negerstil. Sein Schöpfer ist Walter Reger, der als Mitarbeiter Kaufmanns auch an der bildhauerischen Ausgestaltung des Kroll-Umbaucs beteiligt ist. Der spielzeugartige Charakter des Kurfürstendamm -Theaters beruht vor allem auf diesen plastischen Dekorationen, und man kann im Zweifel sein, ob hier nicht des Guten zuviel getan ist. Die Ueberfülle des neuartigen Schmucks wirkt nicht unruhig, aber gerade die Neuartig- keit reizt das Auge immer wieder zu näherer Betrachtung und man bleibt unbefriedigt, weil die Einzelformen und-sarben in der Ent- fernung nicht immer deutlich zu erkennen sind. Architekturplastik muß, auch wenn es sich um eine lustige Miniaturschöpfung handelt, immer einen gewissen Grad von monumentaler Schlichtheit bewahren. Im übrigen: ein trockener Sprinabrunnen und ein leerer Theaterraum sind Fragmente. Zum Springbrunnen gehört das schäumende Wasser, zum Theater die bunte bewegte Zuschauermcnge, die die Parkettreihen füllt und die Logenöffnungen schließt. Erst dann kommt die richtige Gesamtwirkung zustande, lieber sie kann ich nichts sagen, da ich das Theater am Kurfürstendamm nur vor der Eröffnung gesehen habe.__ I. S.

Die Launen der Explosion. Die Aufräumunzsarbeiten, die jetzt aus der Unglücksstätte von Oppau stattfinden, lassen wieder einmal erkennen, wie unberechenbar der Zufall bei solchen großen Kata- strophen mitspielt. Da ist z. B. ein Schornstein vollkommen vom Erdboden fortgefegt, während ein anderer noch unversehrt steht; da hat sich in einem völlig zerstörten Hause eine einzige Mauer

Die fsZidiftifthe Regierung Thüringens . Infolge fehlerhafter telegraphischer Uebermittlung waren in unserer Meldung vom Sonnabend über das neue thüringische Mini- sterium einige Irrtümer bezüglich de , einzelnen Personen unter- laufen. Wie uns aus Weimar gemeldet wird, fetzt sich das neue rein sozialistische Mw.isterium zusammen aus vier Sozial- demokraten und drei Unabhängigen. Die Namen der Minister lauten: Frölich(SPD .) Wirtschaft, v. Branden st ein(SPD .) Justiz und Tollsbildung, H a r t m a n n(SPD .) Finanz, Herrmann(USP.) Inneres, Bennert(SPD .) Staatsrat für Meiningen , Bieligk(USP.) Staatsrat für Sondershausen , Brill(USP.) Staatsrat für Gotha . Sozialdemokraten und Unabhängige haben ferner gemein- s a m den Antrag gestellt, durch Trennung von Volksbildung und Justiz ein weiteres Ministerium zu schaffen. Wird dieser An- trag, woran nicht zu zweifeln ist, angenommen, so würde das neu zu schaffende Ministerium für Volksbildung den Unabhängigen zufallen, die Greil- Gera für die Besetzung des Ministeriums in Aussicht genommen haben. Die Präsidialgefchäfte übernimmt die Sozialdemokratie, was von Bedeutung ist, weil die Stimmengleichheit im Ministerium die Sttmme des Mi- nisterpräsidenten den Ausschlag gibt und bei der Schaffung des neuen Ministeriums das Kabinett aus vier Sozialdemokraten und vier unabhängigen Ministern bestehen würde. Ministerpräsident dürfte Genosse Frölich, nicht Genosse v. Brandenstein werden. Die bürgerlichen Landtagsabgeordneten haben mit Em- schluh der Demokraten dem neuen Ministerium den schärfst-': Kampf angesagt. Dieser Kampfansage sehen unsere E- nossen mit Roche entgegen._

Mülle-Sensationen. Der Sonnabend-Spätabend ist die geeignetste Zeit für großzügige Schwindelmeldungen. Denn da haben fast alle Bureaus der Behörden usw. geschlossen und werden vor Montag nicht wieder geöffnet. So kann selbst die fetteste Ente, die am Sonnabendabend aus dem Ei schlüpft, sich 36 Stunden lang ihres Lebens erfreuen, ehe ihr der Hals umgedreht wird. So denkt Herr Wulle und meldet in der Sonnabend-Ausgabe seines Spätobendblattes, daß 100 Millionen Mark aus der.Ludendorff-Spende für Kriegsbe- schädigte" fürsozialistischeWahlzwecke oerschleudert worden seien. Und daß ferner die Kriegsbeschädigtenorganisationen zu diesemgrößten Betrug nachrevolutionärer Zeit" schwiegen, weil sie auch sozialistisch verseucht seien. DieLudendorff-Sxende", seit der RevolutionVolksspende" geheißen, ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft und besitzt ein eigenes Kuratorium, das über die Gelder ver- fügt. Die Herren dieses Kuratoriums, die zum großen Teil Herrn Wulle politisch weit näher stehen dürsten als uns, werden sich ja wohl zu den Beschuldigungen desDeutschen Abend- blattes" äußern. Wir stehen diesem Kuratorium gänzlich fern und kennen seine Geschäftsführung nicht. Soviel aber können wir schon jetzt mtt aller Bestimmtheit sagen: die Sozialdemokratische Partei hat auch nicht einen Pfennig, geschweige denn IlW Millionen Mark ans der Lndendorss-Spende zu Agiialionszwecken erhallen. Der derartige Behauptungen aufstellt, ist ein Verleumder.

Der Haupkansschuh des Laadtage» setzte die Voröeratuug i:: 5 Haushalts der landwirtschaftlichen Verwaltung fort. Eine ein- gehende TuSsprache emwickelte sich über die Aufhebung der Zucker- Zwangswirtschaft und die Z u ck e r k n a p p h e i t. ES wurde Protest erhoben gegen eine etlvaige Verteuerung der noch vorhandenen Zuckerbestäude und baldige Ausgabe der Restbestände verlangt. Die Süßigkeitsindustrie müsse unterbunden werden. En Vertreter des Staatskommissars für Volksernäbrung erklärte, daß die alten Bestände nur noch gering feien. Man Hobe bereits im August und September erheblich mehr Zucker ausgeben lassen. Ein Antrag, das Staatskommissariat für VolkSer- nährung im nächsten Jahre aufzuheben, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Am Montag soll die Einzelberatung fort­gesetzt werden. Zur Ermordung Erzbergers. Die Rede, die Genosse Scheide- mann ans�S. September im Reichstag gehalten hat, ist als Flug- schrift im Verlag für Sozialwissenschaft erschienen. Der Preis bettägt 1,20 M.

erhalten usw. Achnliche Beobachtungen hat man auch sonst bei Explosionen und auch während der zahlreichen Katastrophen des Krieges gemacht. Ueber diese Launen des Zufalls bei großen Ex-. plosionen plaudert Harold Lake in einem Londoner Blatt. Theo- retisch müßte man annehmen, daß bei einer so gewaltigen Erschütte- rung alle Dinge in einem bestimmten Umkreis in ähnlicher Weise beschädigt werden. Aber tatsächlich ist gerade das Gegenteil der Fall. Der Krieg ließ uns diese willkürliche Wirkung furchtbarer Katastrophen besonders klar erkennen.Ich erinnere mich eines Tages," schreibt Lake,an dem in der Gegend von Saloniki ein deutscher Flieger eine Bombe in unser Lager warf. Nachdem die Staubwolke sich Herzogen hatte, fand man, daß ein Maultier in kleinste Teilchen zerrissen worden war, während der Mann, der das Tier geführt hatte, ganz unversehrt dasaß und sich den Staub aus den Augen rieb." Aehnliches passierte immer und immer wieder in London während der deutschen Luftangriffe. So wurde z. B. ein Haus in der Nähe von Kings Eroß von einer Bombe fast voll- ständig zertrümmert. Aber im Parterre blieb ein Stück Wand ganz unversehrt, und ebenso war den an diesem Wandstück hängenden Bildern nicht das geringste passiert. Die ganze Schlachtfront in Frankreich und Flandern kann von ähnlichen Erlebnissen erzählen. Ein Pariser Gegenstück zu Frau Hemberger. In den letzten Togen ist in Paris eine Frau Estclle I o b i n verhaftet worden, die vor etwa 1% Jahren mit Hilfe ihres Freundes Charles Burger ihren Gatten, einen Oberkellner im Pariser Grand-Hotel, umgebracht, in Stücke zerschnitten und diese, genau wie im Falle Hemberger und Eroßmann, in den Wäldern und Gewässern der Umgebung pakst- weise beiseite geschafft hatte. Solche Verbrechen, bei denen Leiden- schaft und Geldsucht die Hauptrolle spielen, kommen, wie man sieht, als eine angenehme internationale Nachkriegserscheinung nicht selten vor. Einzig steht dagegen das V e r t e i d i g u n g s s y st e m der Frau Iobin da: Nicht Liebe, nicht Geldgier sollen die Triebfeder da Mordtat gewesen sein, sondern Patriotismus. Ueber ihre Aussagen vor dem Untersuchungsrichter berichtet der Tempo":Mein Mann," sagte sie,war antipatriotisch gesinnt und brachte durch seine Redensarten Burger außer sich. Daher kanten Auseinandersetzungen zwischen ihnen häufig vor. Am 27. März, dem Tag des Dramas, kam Iobin um 10 Uhr nach Hause. Er las gerode noch in seinem Bett, als Burger, der ebenfalls nach Hause kam(er war nämlich auch Mieter beim Ehepaar Jobin. Red.) mit ihm zu plaudern begann. Sie stritten sich, wie immer, über die Frage des Pattiotismus. Die kleine Sonja, meine Tochter, die das hörte, begann zu weinen. Ich ging sie trösten. Als ich zurückkam, sah ich meinen Mann quer über dem Bett liegen. Bürger lag auf ihm. Ich oersuchte sie voneinander zu trennen. Schon war aber Jobbt leblos. Burger hatte ihn erwürgt, sozusagen aus Patriotismus."(Wörtlich:Lsr Patriotismen pour ain&i dir«.*' Redaktton.)