Nr. 282.
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Vorwärts
11. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Dienstag, den 4. Dezember 1894.
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier!
Die französische Expedition nach Madagaskar .
Paris , den 30. November 1894. Letzten Sonnabend, den 24. November, hat die Rammer mit einer Mehrheit von 390 gegen 112 Stimmen beschlossen, Frankreich in eine neue Tonkin- Expedition zu stürzen zur Erhaltung des nationalen Erbtheils" la conservation du patrimoine national zur Ehrenrettung der französi schen Trikolore, die nicht zurückweichen kann vor den Prahlhansereien der Malgassen( Malegassen)", zum Schuß der Handelsinteressen unseres Vaterlandes", und zur Eröffnung eines Absatzgebietes ersten Ranges für unsere industrielle Thätigkeit".
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ausreichten, und die Unglücksraben frächzten, daß 30 000| Genug, sie weigerten sich, die 600 000 Frants jähr Mann und 200 Millionen nöthig wären. licher Zinsen zu zahlen, die sie durch Einfuhrzoll Andere, noch pessimistischer, erblickten das Gespenst hätten aufbringen müssen. Bei dieser Ankündigung fielen eines europäischen Krieges und riefen mit Kassandraſtimme: die Obligationen der Diskontobant plöglich um 43 pCt. sie entblößten Frankreich von seinen besten Truppen, und sie wären bald auf Null gesunken. Aber die Panamiften, feinen tapfersten Soldaten in dem Moment, wo der Tod die Herren Lesseps und Konsorten geholfen hatten, kleinen uns unseren besten Verbündeten geraubt hat; sie belasteten Leuten 12 Milliarden aus der Tasche zu locken, konnten den das Budget mit einer neuen Bürde und würfen gleich für barbarischen Malgassen doch nicht erlauben, den frans den Anfang dieser Expedition, deren Ende niemand voraus- zösischen Finanzherrn einen Verluft von 10 Millionen sehen könne, 65 Millionen stracks hin zu einer Zeit, wo Frants zu bereiten und sollte Frankreich auch Tausende man aus Ersparnißgründen gezwungen sei, die Soldaten seiner Söhne und Hunderte von Millionen darüber vervor Ablauf der dreijährigen Dienstzeit zu entlassen und die lieren. Kadres der Armee zu schwächen.
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Aber nicht in Frankreich allein findet man solche panamistische Patrioten. Die russische Diplomatie, die sie sehr gut kennt, rieth, um das kapitalistische Europa für den von ihr geplanten Krieg gegen die Türkei vorzubereiten, dem Sultan, er solle die Zinsen der ottomanischen Schuld nicht mehr bezahlen. Nichts konnte ihr willkommener sein. schon den Tag darauf die angenehme Botschaft verkündete, er bezahle jetzt den letzten Koupon. Ein Sturm von Ver wünschungen folgte. Gladstone war der Tenor dieses Chors von Patrioten, die das heilige Rußland aufmunterten, die bulgarischen Gräuel dadurch zu rächen, daß man die Türken, die sich weigerten, die Zinsen ihrer Schulden zu zahlen, aus Europa hinausjage.
Aber die wahren Patrioten verstopften sich die Ohren gegen diese unheilkündenden Worte, und, der Stimme ihres Die panamistische Majorität bedurfte all' dieser hoch- Gewissens folgend", bewilligten sie, was das Ministerium wichtigen und hochpatriotischen Erwägungen, um den ihnen befohlen. Während die Abstimmung vor sich Muth dieser Entschließung zu gewinnen. Denn Abgeordnete, ging, rief ein Abgeordneter, Mons. Bepmale:" Die Erdie„ blind sind für die wahren Interessen Frankreichs ", pedition wird nur den Spekulanten Vortheil bringen!" Der arme Sultan war so in Geldnöthen, daß er hatten einer nach dem anderen die Rednerbühne bestiegen, Und in der That: hinter der Ehre unserer Trikolore und die Gefahren einer solchen Expedition, die ungeheuren und den heiligen Interessen des Vaterlandes verbargen sich Opfer an Menschen und Geld, die sie dem Lande auferlegen wie immer die schmutzigen und schimpflichen Geschäfte der würde, eindringlich geschildert. Finanzherren und Kapitalisten. Die Panama - Majorität ist Die Einen beschrieben die wegelosen, mit peſthauchenden so bescheiden, daß sie die wahren Beweggründe ihrer HandSümpfen bedeckten Küsten und Niederungen der Jusel, lung geheim hält. Sie überläßt es der Zeit, ihre vielen durch welche die Truppen zu marschiren haben, um Tugenden zu enthüllen. Eins dieser geheimen Motive ist die Hauptstadt Tananariva zu erreichen, die von den aber bereits an das Licht der Sonne gekommen. Die Expedition von Madagaskar steht nicht vereinzelt Eingeborenen mit einer weiten, künstlichen Wüstenei Nach dem Kriege von 1883-85 hatten die Hovas an in Frankreich da. Als vor 12 Jahren der Bey von Tunis umgeben worden ist. Die Menschen und die Last Frankreich eine Kriegsentschädigung von 10 Mill. Frantses versäumt hatte, die Zinsen der 30 ihm geliehenen thiere würden zu Tausenden infolge der Fieber und zu bezahlen; die Diskontobant erbot sich, dieselbe dem Hof Millionen zu bezahlen, fielen die tunesischen Obligationen Entbehrungen dahin sterben. Ein Patriot löste die Schwie- von Emyrna zu 6 pCt. vorzustrecken; und dieser griff mit von 500 auf 85 Frts. Nachdem die französisch- egyptische cigkeit der Verproviantirung, indem er den Vorschlag machte, Freuden zu. Die Diskontobank war so großmüthig, daß sie Bank, deren Präsident Charles Ferry war, sie zu diesem einem jeden Soldaten einen Schubkarren zu geben, auf dem noch weitere 5 Millionen lieh, die sie in ihrer Rasse behielt, Preis aufgekauft hatte, erklärte Jules Ferry , damals er seinen Mundvorrath, seine Waffen und seine Munition um die Zinsen der 10 Millionen zu bezahlen. So lange Präsident des Ministerraths, an Tunis den Krieg, unter fahren könne. die 5 Millionen dauerten, war jedermann zufrieden: die dem Vorwand, daß die Krumirs, von denen niemand je Andere fanden es unverantwortlich, daß die Regierung Hovas zahlten die Zinsen, ohne es zu merken und die etwas gehört hatte, den algerischen Kolonisten Bieh entdiese gefagrliche Expedition unternehmen wolle, blos wegen Diskontobank bezog die Zinsen ohne die geringste Mühe. führten. Man setzte sich in Besiz von Tunis und, um den einer französischen Kolonie von 150 Seelen und eines mal- Allein, als die 5 Millionen aufgespeist waren, änderte sich Sieg ihrer Waffen zu beweisen, übernahm die französische gassischen Handels von nur 5 Millionen Franks das Jahr, die Sache. Republik die Schulden des Bey und zahlt gewissenhaft der noch obendrein fast ausschließlich in den Händen der Die Hovas sind so große Barbaren, daß sie die Schön- jährlich die Zinsen zur großen Befriedigung der französischEngländer ist. heiten des kapitalistischen Systems nicht zu begreifen ver- egyptischen Bank. Die Diskontobant hofft, daß die mögen und das Leihen auf Zinsen ebenso verwerfen, wie Republik des Casimir Perier ihren noblen Traditionen treu weiland der Jehovah der Juden und die katholische Kirche . bleiben werde. Gallus.
Wieder andere erklärten, daß die 15 000 Mann und die 65 Millionen Franks, welche das Ministerium verlangte, nicht
Feuilleton.
Am Exil.
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wenn man
vom Durst verzehrt, nur einen einzigen Tropfen die unwiederbringlich entflohenen Jahre, in denen ein Waffer hat, um ihn zu löschen. Dennoch erneuerte er diesen fleißiger und intelligenter junger Mann seine Zukunft beAusflug auf französisches Gebiet nicht. Als seine Mutter gründet. Sechs verlorene Jahre! Und er war noch nicht ( Nachbruck verboten.] davon hörte, wurde sie von einer solchen Angst erfaßt, daß am Ende dieser Prüfungszeit! er ihr versprechen mußte, sich niemals wieder einer ähn- Ein Brief seines Freundes Lucien, der ihm mittheilte, Roman von Georges Renard. Autorisirte Uebersehung lichen Gefahr auszusetzen. daß er sich verheirathen werde, erhöhte seine trübe StimEr fuhr also fort, in seiner Muschel zu leben, wie mung noch. War es Neid? Vielleicht, von Marie Kunert . er in Stunden trüber Stimmung zu sagen pflegte. Der darunter den berechtigten Wunsch, glücklich zu sein, verSein Gesicht hellte sich auf wie das eines Liebenden, Winter war die Zeit, in der er am meisten von düsteren steht, der in jedem Menschen das Glück Anderer erweckt. der sich seines Glückes freut. Mit unsäglichem Vergnügen Gedanken heimgesucht wurde. Au gewissen Tagen, wenn Es war nicht Neid, wenn man darunter den Haß und das erkannte er in Brocken der Unterhaltung, die er im Vor- die Sonne in die unbewegliche Tiefe eines nebligen Meeres Bestreben zu schaden versteht, welches dieselbe Veranlassung übergehen erhaschte, den kurzen, lebhaften Akzent, das versenkt für immer erloschen schien, war es auch, als ob jeder in einer niedrigen Seele erweckt. Pariser Französisch. Er hörte französische Zeitungen aus- Hoffnungsschimmer aus seiner von Trauer erfüllten Seele ent- Von ganzem Herzen schickte René seinem Better rufen und bildete sich ein, er wäre auf dem Boulevard. schwunden wäre. Es foftete ihn dann große Anstrengung, seine heißesten Glückwünsche. Allein, wann würde auch Er fab die blau- weiß- rothe Fahne im Winde flattern, und den Druck, der auf ihm lastete, abzuschütteln. Die Arbeit, an ihn die Reihe kommen, glücklich zu sein, sich einen obwohl ihre drei Farben- das veraltete Symbol eines das Opium der Abendländer, wurde dann auch sein Heil eigenen Herd zu gründen, seinen Antheil an Glück flüchtigen Bundes zwischen dem Königthum und dem Volke mittel. Er warf sich Hals über Kopf in die Lektüre. Er und Liebe zu genießen? Er hätte sich ja verheirathen können, von Paris in seinen Augen feinen Sinn mehr hatten, erweiterte seine literarische und philosophische Bildung. Er leider ja. Fräulein Rosa Kranz hatte ihm ihren guten genügte es ihm, daß dieses Stück Zeug sein Vaterland vor übte sich in schriftstellerischer Thätigkeit. Bald versuchte er Willen nur zu deutlich zu erkennen gegeben, so daß er sich stellte, und er betrachtete es mit zärtlichen Blicken. An seine Gedanken in kurze, knappe Säße zusammenzufassen, hartnäckige Mühe geben mußte, nichts davon zu merken. den Mauern las er öffentliche Bekanntmachungen, die am bald brachte er seine Träume oder seine Leiden in Verse. Er wäre einmal sogar beinahe wider Willen verheirathet Kopfe die Worte trugen: Französische Republik , und er ver- Um nicht der Apathie anheim zu fallen, die häufig durch worden. Man hatte ihn zweimal mit ihr auf offener gaß für einige Minuten, daß Frankreich eine Republik war, das Bewußtsein zweckloser Arbeit hervorgerufen wird, setzte Straße plaudern sehen, was in einer kleinen Stadt als welche die Republikaner verbannte. Gewiß, die Schweiz er sich ein Ziel, freilich nur ein Vorübergehendes, wie er etwas sehr ernst zu nehmendes ist. Wie konnte man darnach war nicht fern; am Horizont gewahrte er die Wellenlinien ja überhaupt sein ganzes Leben in der Schweiz nur als etwas noch an der bevorstehenden Hochzeit zweifeln? Das Gerücht der Hügel des Waadlandes. Gleichviel, tausend Einzel- Vorübergehendes auffaßte. Er nahm sich vor, die philosophische davon lief in der ganzen Stadt um und Fräulein Rosa heiten bewiesen ihm, daß er sich in einer anders gearteten Doftorwürde an der Universität zu Bern zu erwerben, und ließ es laufen, ja sie that noch dazu, was sie konnte, so Welt befand, in der er sich wohl und heimisch fühlte. es gelang ihm auch ohne Mühe. daß René fich genöthigt sah, ihm kurz und
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Die Stunde der Rückkehr tam schnell heran. Durch Doch machte ihn dies weder stolzer noch glücklicher. fast brutal entgegen zu treten. Die ironischen Glückwünsche, das Gitter eines Gartens brach er eine Rose ab, die ihm Indessen verschaffte es ihm in Vevay eine größere Be- die man ihm übermittelte, wies er trocken zurück, und von schöner erschien, als alle Rosen, die am anderen Ufer des deutung. Sein Gehalt wurde erhöht und die Anzahl seiner da an mied er die herausfordernde Reife des armen Sees blühten. Er war der letzte, der den Dampfer bestieg. Stunden herabgesetzt. Aber er empfand deshalb nichts Mädchens wie die Best. Noch einen feuchten Blick warf er auf alles, was ihn umgab, destoweniger im Herzen etwas wie einen geheimen Stich, Er merkte sich diese Lektion und war fortan noch zurüc selbst auf den Gendarmen, der ihm schön erschien unter als er durch die Zeitung erfuhr, daß dieser und jener seiner haltender als zuvor. Hin und wieder begegneten ihm wohl seinem großen Helm und in dem Glanze seiner weißen früheren Kameraden soeben einen glänzenden Erfolg als junge und hübsche Mädchen, die seinen unbestimmten Hofen. Vertheidiger im Justizpalast davongetragen hatte, daß ein Wünschen für Augenblicke Gestalt gaben, aber er bewunderte Dann, während die Häuser, die Thürme, die großen anderer, ein eifriger Monarchist, für einen wichtigen sie nur aus der Ferne. Er lebte zurückgezogen, so daß er Rastanienbäume von Evian in der Entfernung immer Posten in Aussicht genommen war. Unwillkürlich wurde den meisten Familien der Gegend fremd blieb. Seine tleiner wurden, verglich er sich mit einem Mann, der, er dadurch gezwungen, auf sich zu blicken, auf Mutter, die wie alle Mütter, die ihren einzigen Sohn nie