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Me ein Geheimer Fustizrat zitiert. In de ?»Krttiz-Zeiwng� v«röfsentNcht der Geheime Justiz- rat W u r z e r einen Artikel„Was der Justiz von Dr. Rad- bruch droht�. Genosse Rodbruch, dem selbst der konservative Gegner den„Ruf eines tüchtigen Gelehrten" zuerkennen muß, ist natürlich in den Augen dieses Herrn ein ganz gefährlicher Justizminister. Zum Beweise hat sich der Geheime Iustizrat die Reichetagsrede Radbruchs vom 25. Januar 1921 vorgenommen. Daß er den wirklichen Sinn dieser Rede nicht ul erfassen vermag und ihren Kerninhalt daher den Lesern vor- enthält, mag als selbstverständlich hingenommen werden. Schwerer jedoch wiegt, daß dieser Herr, wo er einmal die Rede zitiert, einfach falsch zitiert, indem er die Zitate für seine Zwecke zurechtbiegt. So behauptet der Geheime Iustizrat: «u, seiner(Radbrnchz) Reichstagsrede vom 25. Januar d. I. tönt uns der alt« sozioldemokratiiche Haß gegen die Gerichte ent- gegen: Die Richter sind weltfremd, formalistisch und hängen am Buchstaben. Ihre vornehmste Aufgabe, den unabweislichen Bedürf- nisten des Lebens gerecht zu werden und sich von den Erfahrungen des Lebens leiten zu lasten, ist ihnen noch immer unbekannt. Was hat Genoste Radbruch wirklich gesagt? Wir zitieren das amtliche Stenogramm(S. 210(5): Ich habe mich gefreut, kürzlich in' einem bedeutenden Urteil des Z. Zivilsenats des Reichsgerichts folgenden Satz zu lesen: Die erste, vornehmst« Aufgabe de, Richters aeht dahin, in seiner Rechtsprechung den unabweislichen Bediirfnisten des Lebens gerecht zu werden und sich in dieser Beziehung von den Erfahrungen de? Lebens leiten zu lasten. Hoffen wir, daß dieser Satz keine Phrase, sondern der Wahlspruch unserer Justiz sein wird. Also der Herr Geheime Iustizrat legt einfach die Worte des Reichsgericht«, die Genoste Rodbruch zustim- mend zitiert hat, diesem in umgekehrter Bedeutung in den Mund. — An anderer Stelle behauptet der Geheime: Dr. Radbruch hat dann auch selbst seine Feindschaftgegen das Richtertum gezeigt, Indem er die Verjüngung unserer Justiz verlangt mit der Begründung:„Unsere Justiz ist am allerwenigsten von dem Geiste berührt worden, der durch die Revolution zu uns gekommen ist, von dem bolschewistischen Geist." Wer dielen Satz llest, dev wird sich sofort sagen, daß ein Sozialdemokrat so unmöglich geredet haben kann. Wm mischen im amtlichen Stenogramm und finden auf Seite 2l!0 folgendes: Unsere Justiz ist am ollerwenigsten von dem Geiste be- rührt worden, der durch die Revolution zu uns gekommen Ist,(Zu- ruf rechts)— ganz richtig: von dem, was Sie bolschewistischen Geist nennen. Genosse RaDbruch hat also keineswegs den Geist der Revo- lution schlechthin mit dem bolschewistischen Geist gleichgesetzt, sondern auf einen ZurufderRechten dieser ironisch be- stätigt, daß i h r. der Rechten, allerdings der neue Geist der Revolution schlechthin mit„bolschewistischem" Geist iden- tisch ist. So zitieren die Herren, die ein Entrüstungsgeschrei er- heben, wenn jemand an ihrer Objektivität zu zweifeln wogt Aber wir wollen am Schluß noch auf eins hinweisen. In seinen Ausführungen kommt auch der Geheime auf die Gewährung des Richteromts an die Frau und bezeichnet dies als ,.d e m a g o g f s ch e s W e r b e m i t t e l". Er beb'aup- tet ein Naturgesetz, das der Frau die Ausichung des Richteramts unmöglich mache. Ist dem Herrn bekannt, daß ein Antrag auf Zulassung der Frau zum Richteramt von samt- lichen weiblichen Abgeordneten der Deutsch - tiationalen Partei mit Unterzeichnet worden ist: weiß er, daß die deutschnationale Preußenfraktion der Zulassung der Frau zum Amt der Schöffen und Geschworenen durch ihren Sprecher Dr. Deerberg erst v o r w e n i g e n M o- naten zugestimmt hat? Sind das nun auch Demo- gogen?
�die Schwermöuftrie hat kein vaterlanö". In der„Voss. Ztg." bespricht Justus Elbau das Ergebnis der demokratischen Parteitagung in Bremen . Dabei fällt manches herbe Wort über den Niedergang der Demokratischen Partei und die Ungeschicklichkeit der Parteileitung. Aber Elbau meint, daß selbst eine b e s s e r«»Parteileitung an ihrer Aufgabe hätte scheitern müssen. In diesem Zusammenhang oer- dienen folgend« Ausführungen besonders hervorgehoben zu werden: Es scheint, als ob jetzt in den wirtschaftlichen Kreisen, die ihren politischen Einfluß durch einen ausgebreiteten und einheit» lich geleiteten Preffeapparat zur Geltung bringen, die Kota- strophentheorie über die Restaurationsidee die Oberhand ge- winne. Da der Staat von heute nicht ihren Wünschen und Auf- fassungen entspricht und da sie einzusehen beginnen, daß das Ge- wefsne nicht wiederkehren werde, richten sie sich darauf ein, die Wirtschaft gegen den Staat zu organisieren. Außenpolitisch bedeutet das«in Spielen mit der Idee der passiven Resistenz und des söge- nannten„Endes mit Schrecken", d. h. der Vernichtung der Reichseinheit und der Zentralbehörden. Für den Fall einer solchen Katastrophe glauben die Lenker der großen Konzerne die Wirtschaft, soweit sie an ihr interessiert sind, imGanghaltenzu können. und sie verfechten auch die Idee, daß dieses wirtschaftliche Knochengerüst später einmal wieder einem staatlichen Körper dienen werde. Die Uebernahme der Eisenbahn in die Regie der Wirtschastsmächte würde einen wichtigen Schritt auf dem Wege bedeuten, den Staat.zur Rot" überflüssig zu machen. Wieweit diese großen Konzeptionen dem bewußten Denken einzelner führender Köpfe entspringen, ist schwer zu sagen. Hier ist schon des öfteren hervorgehoben worden, daß be- sonders einflußreiche schwerindustrielle Kreise mit dem Gedanken einer Besetzung des Ruhrgebiets durch die Franzosen in einer Weise gespielt haben, die mehr als ein bloßes Spielen ist. Das deutsche Bclk wird jedenfalls schärfstens darüber wachen müssen, daß sein Staat nicht durch die Industriekapitäne und ihre eigensüchtige Politik, die nichts als den Profit kennt, in den Abgrund geführt wird. Uns Sozialdemokraten ist oft der Satz des„Kommunistischen Manifests" vorgehalten worden: Der Proletarier hat kein Daterland. Die Elbauschen Ausführungen zeigen, daß nie- mand wenigerein Vaterland hat alsdie Her. ren vom Typ Stinnes.
Zelt karten im Vorortverkehr nicht erhöht werden, dagegen wer- den die vor Wochen eingeführten Notstandstarife für Zeitkarten ab 1. Dezember aufgehoben, so daß Zeitkarten wieder mindestens i 25 M.(40 M. 2. Klasse) kosten. Die Erhöhung aller Gerichts- gebühren um 40 Proz. soll dem Reichstage noch vor Weih- nachten vorgelegt werden. Ein preiswuchergefetz. Das Reichskabinett wird sich in nächster Zeit mit Vorlagen beschäftigen, die jede Preisfestsetzung, die nicht durch die Valuta i und die höheren Spesen als berechtigt anerkannt wird, als Wu- cher unter hohe Strafen fallen läßt. Die Preisfestsetzungen sollen gemeinsam mit den zuständigen Behörden erfolgen. Die Nack wenig verändert. Im heutigen Freiverkehr zwischen den Banken wurde der Dollar mit 251 geandelt. An der Börse trat bei verhält- nismäßig geringen Umsätzen eine leichte B e f e st i g u n g des Kurses ein, die den Kurs um die Mittagszeit a u f 2 6 1 brachte. Polennoten wurden mit 6% gehandelt. In Börsen- kreisen steht man der Meldung, daß die Regierung die D e- oisen für die nächste Reparationsrate bis auf 40 Millionen Mark beschafft hat. recht skeptisch gegenüber.
Kahrs Notbann.
ßinanznot und Gebübrenerhöhung. Die Reichsverfassimg sieht eine Neugestaltung der Ausbildung der Dolksschullehrer vor, wobei den Lehrern der Besuch von Hoch- schulen unter Gewährung von Beihilfen ermöglicht werden sollte. Da» Reich hat aber die Gewährung von Mitteln zu diesem Zwecke infolge seiner Notlage definitiv abgelehnt. Den Ländern ist anheimgestellt worden, die Derufsvorbildung neu zu gestalten, doch dürfen hieraus keine finanziellen Verpflichtungen für da» Reich erwachsen. Natürlich werden auch die Länder sich schwerlich zu neuen Lasten entschließen. Da der Preußische Staatsrat der oorläusigen Grundvermögenssteuer nicht zugestimmt hat, ist die Finanzverwaltung in arge Verlegenheit gekommen. Au» die Luxus-, Vergnügung»- und Grundrealsteuer dürften vom Staatsrate nicht angenommen wer- den, weil auch sie den Gemeinden unentbehrliche Einnahmen nehmen wollen. Vreußen wird lich in feiner Rot osso an das Reich wenden müssen, um die Scheidung der Steuorzuständizkeit herbeizuführen. Auch das Reich hat ein Interesse an der Klärung der Frage, da es den Anträgen des Städtetages auf Behebung der Finanznot der Gemeinden nähertreten muß. Die preußischen Defizite müssen vorläufig ungedeckt bleiben. Die neu« Po st Verteuerung wird voraussichtlich am 1. Januar 1922 In Kraft treten, zumal der Reichstag erst am S. Dezember wieder zusammentritt. Die neuen Tarife sollen in Zukunft olle Vierteljahre geprüft und nötigenfall» erhöht werden. Die Eisenbahnpersonentarife werden am 1. Dezember um 30 Proz. erhöht, ebenso sollen auch die Dororttarife für Berlin und Hamburg erhöht werden, jedoch werden die
München , 15. November. (Eigener vrahtbericht.) DU Mün- chener Blätter bringen heute offiziell« Mitteilungen über den seinerzeit durch einen Kahr'schcn Gehcimerlaß angeregten Not- bann, einer Art Dcrguickung von Technischer Nothilfe, Streit- brecherorganisation und Einwohnerwehr. Morgen wird der bayerische Landtag im Anschluß an die Budgetrede des Finanzmimsters über Lerchenfelds Berlin - reis« verhandeln. Donaukonferenz. München . 15. November.(Eigener Drahlbericht.) In der letzten Novemberwoche tagt in München die Internationale Donau- kommission, deren Mitglieder sich aus allen Userstaaten und den Nichtuferstaaten der Entente zusammensetzen. Der Hauptreferent wird ein französischer Ministerialdirektor sein. Gltwig tzirschfelüs Seurlaubung. Die preußische Justizverwaltung veranstaltet eine Umfrage bei den Strafanstalten, um festzustellen, ob die Beurlaubung kranker Strafgefangenen nach politischen Rücksichten erfolgt ist. Der- anlassung hierzu gab der Fall des Fähnrichs v. H i r s ch f e l d und die Behauptung, kranken Arbeitern sei Strafausschub nie ge- währt worden. Das Ergebnis wird verössentlicht werden. Man wird gut tun, nicht nur die Anstaltsleitungen, sondern auch die Betroffenen und ihre Rechtsbeistände zu befragenl §r!eöenssthluß mit Amerika . Washington . 15. November.(MTB.) Präsident Harding unterzeichnete gestern nachmittag um 4 Uhr da» Dekret, wonach der Friedenszustand zwischen Deutfchland und den vereinigten Staaten in Kraft tritt._ Handelsvertrag mit Süüflarvien. Graz . 14. November.(MTB.) DU„Tagespost " meldet mit Belgrad : Da» ministerielle Komitee für wirtschaftlich« und finan- zielle Fragen beriet heute Über die Dorlage des Handelsver» trage» zwischen Jugoslawien und Deutschland . Der m a t e r i e ll e T« i l des Vertrage» ist angenommen, während der politische dem Ministerium für Innere» zur Einsicht gegeben wurde._ Der Internal, onale Arbeiiskongreß nahm am Montag nach. mittag die Konvention über den wöchentlichen Ruhetag in Handel und Industrie in der Abstimmung mit 7S gegen 28 Stim- men an.
Unser Kartoffelhänöler Staöelmann. von Theodor Thomas . Wir hoben seit 17 Jahren unsere Knollen von dem gleichen Händler bezogen. Ich weiß noch, wie wir zu ihm gekommen sind... Mein« Frau sagte:„Du, da steht ein Honderwerksbursch draußen, sieh doch mal nach, ich fürcht mich so." Als ich an die Tür kam, fand ich Stndelmann, der mich anfleht«, doch meine Kartoffeln bei ihm zu kaufen: „Sie tosten 2.90 Mark der Rentner, ich lasse sie für 2,80 Mark frei Keller und Umtausch der schlechten." Nun, ich bestellte drei Zentner. „Was wollen Sie denn mit den paar Säcken? Sie brauchen doch mindestens acht. Es ist wegen des Geldes? Ach, zahlen Sie, wie es Ihnen patzt. Gewiß, ich brauche jeden Groschen, aber Sie sind mir gut." Schon am Nachmittag kam er damit an. Ich sehe Ihn noch, wie er mit seinem Hund oorgefohren war. Die Erdäpfel behandelte er so zart wie Eier. Jedes Jahr haben wir dann unaufgefordert, ob wir wollten oder nicht, vyn ihm Kartoffeln erhalten. Da« änderte sich 1915. Da war Stadelmann reklamiert, er wurde„kriegewichtig. Er kam nicht mehr ins Haus, aber er lieferte doch Kartoffeln,„well Sie ein guter Kunde waren". 1915 hatte er ein Bündchen für Kriegshilfe. Er gab nur noch von feinem Segen ab. wenn man ihm Brotmarken, Schuhbezugscheine oder eine Gans brachte. 1917 stellte er zum Traneport von Kartoffeln zwei Kriegerfrouen«in. Mit seiner ehemaligen Kundschaft brach er samt- liche menschlichen Beziehungen ab. Er verkehrte bloß noch in Bars, er hatte ein« Log« in der Oper. Am Lebensmittclamt war«r per- sona grata, Kriegsanleihe taufte er trotzdem nicht, aber„sein Haus" zahlte er bar. 1918 nahm er den armen Leuten die Kartoffelmarken ab Und verschob dl« Knollen an Hotel». Da, bracht« soviel Geld, daß er die Eck»„nebenan" mitlaufen konnte. Nach der Revolution ging er unter die gerichtsnotorischen Schieber: jetzt sorgte er vor allen Dingen, daß deutsch « Kartoffeln nach Holland kamen. Dann führte er die gleichen Waggon, wieder nach Deutschland ein. In einem Privat- und Lastauto sowie in Badischen Anilin-Akiien legte er den Segen an. 1920 ging ich doch mal zu ihm. Wir waren ohne jede Kar- löffeln. Er faß wie ein regierender Fürst vor seinem Diplomaten- fchreibtifch und rülpste. Wie ich bescheiden an unsere früheren Be. Ziehungen anknüpfte, ging er fein lächelnd darüber hinweg:„Ja, die Revolution: sorgen Sie, daß der freie Handel kommt." Ich versprach es, aber ich bekam trotzdem nicht ein Pfund. Nun kam der freie Handel, alle» atmete auf, Stadelmann grüßte wieder. „Jetzt können Sie wieder Kartoffeln hab�n, soviel Sie wollen," erklärte er mir,„ja, ja. der freie Handel." Ich bestellte im September sieben Zentner. Ich bekam sie nicht im September, nicht im Ottober, trotzdem er Kartoffeln Im Keller hott«. Vorgestern sagte er mir, am Sontag könnte ich sieben Zent-
ner bekommen zu 115 Mark. Der Schuft—— er hat sie für 65 Mark eingekauft. Ich habe sie abbestellt, weil die Teuerungszulage dafür nicht reicht. Aber ich habe einen Trost: Siadelmann hat die andere Ecke auch noch gekaust. Ihm gehört jetzt die halbe Straßenfront, er ist ge- richtticher Sachverständiger, sitzt in der Handelskammer, hat sein Mädchen in Berlin .... Das ist der Lebenslauf unseres guten. Neben Stadelmcmn. Wenn ich ihn sehe, muh ich an meinen schönen Hunger denken, an die Hebung der Moral und anderes mehr. Und dann sreue Ich mich über jeden Laternenpfahl, weil ich die Hoffnung habe, daß er doch noch einmal für Stadelmann zu gebrauchen ist. Hoffentlich nicht erst, wenn der Zentner Kartoffeln 200 Mark kostet.
Georg Kaiser Nest vor. Der Impresario denkt nicht daran, daß der Künstler alles in allem doch ein geheimnisvoller Mensch ist. Für ihn bedeutet der Künstler die Nummer so und so, mit der Geschäfte zu machen sind. Und der Impresario meinte, daß mit Georg Kaiser allerhand Geschäfte zu machen feien. Also wurde sein Name halb- meterhoch an die Anschlagsäule gehestet, wo der Dichter angepriejen wurde gleich irgendwelchem Preisboxer. Trotzdem hätte Kaiser selbst sich gegen derartigen Reklameunfug wehren können. Er rechnet eigentlich doch zu den Menschen, die ihrem Nebenmenschen nicht Kinn und Magengrube einboxen wollen. Sein Talent ist nicht die abgemessene Schauspielerei. Er Nest sein eigenes Werk mit einer eigentümlichen Monotonie, mit jener Monotonie, in die Dichter fast immer verfallen, wenn ihre Poesie stark in» Moralische hinüberrückt. Der Dichter möchte ein Rhapsode und Prophet sein, er wird aber nur zum Pathetiker. Das Pathos Georg Kaisers ist besonderer Art. Der schlanke Mann mit dem schmalen, dünnbehaarten Schädel verfügt über zwei Tonfärbungen. Liest er ein Drama, so gibt er alle» Beschreibende der Bühnenanmerkung mit einer dumpfen, bis in den Baß hin- untersteigenden Stimme. Und redet er dann mit der Zunge seiner dichterischen Köpfe, dann nimmt er eine beinah stsielndc, ganz hohe und schrille Stimme zur Hilfe. Er akzentuiert mit dieser Stimme nicht priestermäßig, sondern eher wie ein SchuNehrer. Diese schein- bar philalogische und trockene Feststellung wird nicht ohne Zweck ge- macht. Sie zeigt, daß Kaiser pedantisch, breit und mit hängenden Akzenten Nest. Er Nest, indem er sich noch einmal an die Schöpfung»- arbeit seines Dichter» erinnert. Diele Technik, die sich vor dem Publikum enthüllt, entschleiert nun auf rätselvolle und wieder ganz klare Manier einige Grund- züge des Dichters. Sie verrät, daß der Dichter in seinen sozialen Rodomontaden, etwa in den Arbeiterschreien der Tragödie„Gas" oder in den abrechnenden Gesprächen des Schauspiels„Koralle" nur als strauchelnder, unselbständiger Stilist formt. Er braucht einen Reiz, er muß sich in die Stimmung des Propheten hineinstoßen. Sr ist es wirtlich nicht von Natur. Dort aber, wo er phantasiert hat, unbesorgt um die Ziele nach dem Sozialen, etwa in dem Schluß- bilde„Von Morgen bi» Miternacht", geht er sicher und fröhlich in die flüssige Handlung.
C» spürten das die Hörer, dle Im„Marmorsaal" um Georg Kaiser versammelt saßen. Es war vielleicht nur ein Drittel von denen, die der Impresario erwartet hatte. Viele Jugend war ge- kommen. Köpfe, die sich in Nachdenken beugten. Irgend etwas muß doch an diesem Großsprecher des eigenen Ruhme» saszinierend und zündend sein. m- k Tolstoi- Jeier. Eine eindrucksvolle Tolstoi-Feier veranstaltete die „Volkskunst" am Sonntag im Beethoven-Saal. Von mustkalischen Darbietungen und der Rezitation Ludwig H a r t a u» umrahmt, send sie ihren Mittelpunkt in Dr. Max H o ch d o r s» Vortrag. Er schilderte den russischen Dichter und Kämpfer al» den großen Zweif- ler am Leben, der mit Umwelt und Staat in einem steten Kampfe lag. War sein von tiefer Religiosität getragenes Wirken Narretei oder Komödiantentum? Verdient es Mitleid oder Bewunderung? Wer weiß es. Auch Maxim G o r k i. der als junger Dichter mit Tolstoi zusammenkam, konnte das Rätsel nicht lösen, das Tolstoi, fern von Familie und Heimat sterbend, mit sich in das Grab nahm. Heute gedenken wir Tolstois im Sinne einer Wirkens, das seinen Leitstern in unendlicher Menschenliebe findet. kr. Der Vulkan als Ofen. In dem Bestreben, unseerr verarmten Welt, alle möglichen Hilfsmittel nutzbar zu machen, ist man auch auf den Gedanken gekommen, die Kräfte der Vulkane zu oerwerten. So soll der Vulkan Kilauea auf der Insel Hawai al» Wärmequelle benutzt werden. Man will die Wärme des Vulkans dazu oerwenden, um Licht, Heizung und Motorkraft zu erhalten. Freilich scheint man sich über die Art und Weise noch nicht ganz schlüssig zu sein. Gelänge der kühne Plan, so würde der Menschheit damit ein ungeheures Re» servoir von Kräften erschlossen, und einzelne Länder, wie z. B. Japan, würden an diesen gebändigten Kräften viel Freude erleben. DU nächste Blonnt-Eoercst-üxpedikton. durch die die Be- stetgung des hoch st en Berges der Erde erreicht werden soll, wird nach einer Mitteilung von Francis Jounahusband in der Londoner Geographischen Gesellschaft im Mai und Juni des Jahres 1922 stattfinden. Nach den Erkundungen der glücklich beendeten ersten Expedition sind dies die günstigsten Monate für den Aufstieg. Die neue Expedition wird nur auf der Basis der ersten möglich fein, die bedeutende Ergebnisse gezeitigt hat. Wie Jounghusband nach dem ihm zugegangenen offiziellen Bericht mitteilte, haben zwei Mitglieder der Expedition einen Punkt erreicht, der 5000 Fuß von dem 29 140 Fuß hohen Gipiel des Mount Everest entfernt ist: sie stellten dabei fest, daß die Spitze ohne unüberwindlich« Schwierig- ketten erstiegen werden kann.
Paul BaudischS.Passion-', die an, Freitag im Neuen Volks- lheater, Köpenulcr Stiajj««8, zur Uiauhührung gelangt, wird als literarische Eondervorslellpiig nur am Sonnabend und Sonntag wiederhol,. Der Bund der Echulkunft'BnSstrNuugen eröffnet demnächst seine erst« WinterauSstellung in der Kirchner-Oberrealschule in Moabit , Zwingli- I trage 2. I« Lessing Museum spricht Donnerstag, den 17. d. M„ abend» 'Iß Uhr, Paul Älsred Merbach über.Dostojewski'.