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Kr. 556 ZS. Jahrgang

1. Oeilage öes vorwärts

Irettag. 25. November lH2l

Deckung üer Mehrausgaben. Die Stadtverordneten über Geldkalamität und Tariferhöhungen

In der Stadtverordnetenversammlung spielte gestern dieMehrheit" und ihr Dorsteher wieder keine glückliche Rolle. Dorsteher Dr. C a s p a r i hatte in der vor- !, ergehenden Sitzung unserem Genossen B r o l a t einen Meifellos unberechtigten Ordnungsruf erteilt. Ueber Brolats schriftlich eingereichten Widerspruch konnte nicht de- battiert, sondern nur abgestimmt werden. Der Vorsteher sagte das selber, wollte aber dann Erläuterungen flu dem Gegen­stand geben. Widerspruch und Heiterkeit der Linken schnitten ihm das Wort ab. Die Rechte beschloß darauf, den unberechtig- ten Ordnungsruf zu billigen. Nachher wollte die Rechte ihr geringes Uebergewicht dazu ausnutzen, eine überstürzte Vor- nähme der Wahlen zu den zentralen Verwal- tungsdeputationen durchzusetzen. Der Versuch schei- terte an dem entschiedenen Widerstand der Linken, die noch Besprechungen unter den drei linksstehenden Fraktionen wünschte. Demokraten, Zentrum und Wirtschaftspartei haben sich für diese Wahlen zu einer Gemeinschaft zusammen- geschlossen, um mit einer gemeinsamen Lille besser abzuschnei- den. Demgegenüber halten die drei Fraktionen der Linken ein gemeinsames Borgehen für nötig. Die Wahl wurde verschoben. Die Magistratsvorlage zur Deckung der Mehr­ausgaben, die infolge der notwendigen Gebalts- und Lohnaufbesserungen entstehen, wurde von einem'Redner der Rechten als eine Nichtdeckungsvorlage bezeichnet, weil noch ein sehr reichlicher Betrag ungedeckt bleibt und Ausgleich durch R e i ch s h i l f e erwartet wird. Genosse Dr. L o h m a n n, der Redner für die sozialdemokratische Fraktion, beleuchtete die klägliche Situation, in der die bürgerlicheMebrheit" sich be- findet, weil auch sie die in s ch w i n d e l h a f t e n Wahl» slugblättern den Soziali st en aufs Konto ge- setzten Tarifverteuerungen selbstverständlich nicht aufhalten kann. Die Deckungsvorlage ging an den Ausschuß. Am späten Abend kam es noch zu einer langen Debatte über den Zustand der Charlottenburger Notbaracken. Die drei Fraktionen der Linken, mit denen hier auch die Demo- kraten stimmten, beschlossen, den Magistrat zur B e s e i t i- g u n g der Mißstände aufzufordern. Sitzungsbericht. Die zu heute nachmittagS Uhr pünktlich" einberufene ordenb siche Sitzung beginnt unter dem Vorsitz von Dr. Cafpari erst nach)46 Uhr. Gegen den Dringlichkeitsantrag cheimann(Soz.) wegen foforti- qer Aufhebung de? Verbots der Ausgab« der Brotkarten mit den Inseraten der'Konsum-Genofsenschaft Berlin und Umgegend" er- bebt Müller-Franken(W-rtschastsp.) Widerspruch: der Antrag kann heute nicht verhandelt werden. Brolat(Soz.) hat gegen einen ihm vorgestern von Dr. Caspari erteilten Ordnungsruf Widerspruch erhoben. lBrolot hatte: Deut'chnationaler Schwindel! gerufen.) Nach der Geschäftsordnung hat die Versammlung ohne Aussprache über die Beschwerde zu entscheiden. Dr. Cafpari will eine Erklärung dazu abgeben: diese Absicht scheitert an dem Widerspruch der Linken. Unter dem Vorsitz des Vorsteherstellvertreters Dr. Meyer wird durch Auszählung der O r d n u n g s r u f mit III gegen 33 Stimmen für gerechtfertigt erNart.(Pfuirufe auf der Linken.) Die Satzung für die B o l k s s p e i s u n g wird genehmigt. Eine lange Reihe von Borlagen von minderer Bedeutung gelangt ohne Aussprache zur Annahme: eine Anzahl weiterer Dorlagen geht an Ausschüsse. Ueber die Vornahme einer Probewahl für die Entsendung der Mitglieder in die Deputationen, die nach einem Beschluß von vorgestern heute vorgenommen werden sollte, ergeben sich Meinungsverschiedenheiten. C z e m i n s k i(Soz.) ist für Verschiebung, da es sich um eine Verhältniswahl handle und von sämtlichen Fraktionen für alle Deputationen die Dorschläge ein- gereicht werten müßten. Merten(Dem.) will die Wahl heute vorgenommen wissen, was bei gutem Willen auch gelingen werde. In der Fortsetzung der Erörte.ung, die von X7 Uhr ab bei m e r t-

Rich gedämpfter Beleuchtung stattfindet, stellt Dr. W y l(U. Soz.) fest, daß oie Angelegenheit gar nicht auf der Tagesordnung aufgcfühn ist: die Liste der U. Soz. sei nicht sertig, man sei nicht darauf vorbereitet gewesen. Nach weiterem chin und Her gibt die bürgerlich' Mehrheit schließlich dem Verlangen ter Linken, die Wahl zu vellagen. nach, nachdem Czcminski darauf hingewiesen hat, daß sich Wirtschaftspartei, Zentrum und Demokraten zu einerArbeitsgemeinschaft" und auf eine gemeinsame Liste vereinigt haben und die andere Seite zu diesem Novum Stellung nehmen müsse. Ueber den Wahltcrmin wird I ebenfalls lange gestritten und um 7 Uhr die Sitzung unterbrochen, damit sich die Fraktionen erneut besprechen können. Um 7% Uhr wird verkündet, daß die Deputationswohlen und die Wahlen der unbesoldeten Stadträte am 13. De- z e m b e r stattfindcn sollen, daß auch versucht werden wird, die Wahlen zum Swatrsat am gleichen Tage vorzunehmen. Hierauf wendet sich die Versammlung zur Beratung der Deckv.ngsvorlage für die letzten Gehalts- und Lohnerhöhungen. R ei mann(U. Soz.) kritisiert die Unzulänglichkeit der Dek- kungsvorschläge, bezeichnet das heutige Berliner Verkehrswesen als »Verkehrs unwescn" und beantragt Ausschußbsratung. * Ein Vertreter der K o m m u n i st e n fraktion lehnt die Borlage als den frechen Versuch der schamlosesten Ausplünderung der breiten Massen ab. Müller-Franken(Wirtsch. V.) plädiert angesichts der großen Notlage der Berliner Finanzen für größte Sparsamkeit in der Verwaltung. Im Beamtenpcrsonal sei noch viel überflüssiger Bollast, und der Automobilsport, den die Magistratsräte trieben, sei unerhört. Daß man gar noch die Gehälter der Magistrats- Mitglieder auf die Höhe der Bezüge der höchsten Reichs- und Staats- beamten. auf 83 333. 133 333 M. und noch darüber bringen wolle, sei geradezu unglaublich. Wenn man den Gas- und Elektrizitäts- tarif erhöhe, müsse man auch die Riesenrabatte der Großindustrie endlich beseitigen. Die Herausschraubung der Gewerbesteuer sei höchst ungerecht. Auch Dr. Steiniger(Dnat.) hat sehr große Bedenken gegen die Magistratsvorschläge. L o h m a n n(Doz.): Die heutige Sitzung hat gezeigt, daß die bürgerliche Mehrheit die Macht doch nicht besitzt. wir könnten sie im Feuer dieses ihres Wahnes schmoren und braten lassen.(Heiterkeit.) Aber wir sind uns auch unserer Verantwortung gegenüber den Einwohnern be- w u ß t. Es kommt jetzt nicht auf Reden, sondern auf Handeln an. Die Vorlage, die aus der Not der Zeit geboren ist, wird gründlich im Ausschuß zu prüfen sein. Stadtrat P ö tz s ch: Gegenwärtig wird vom Magistrat mit den Autos sehr sparsam gewirtschaftet. v. Eynern(D. V. P.1: Die Vorlage ist keine Deckung?- vorläge, denn sie läßt 227 Millionen ungedeckt, und da soll das Reich bittweise angegangen werden! Es ist für die Städte vorbei mit der Möglichkeit, an die großen Por- temonnaies heranzukommen. Der heutige Magistrat ist von der Linken auf den Thron erhoben: da kann sie nicht einfach erklären, sie spiele nicht mehr mit. Die Ansicht des Magistrats, die Vorlage ohne Befraaen der Versammlung in Kraft zu setzen, war durchaus verfehlt. Zum Zusammenarbeiten sind wir loyal bereit. Das Steuerzahlen fängt jetzt erst an und wird sehr hart werden. Kunze(deussch-sozial): Die setzige Finanzvolitik ist wahn- witzig. Ich beantrage, die Reichsregierung zu ersuchen, sofort eine K ojn Mission zur Aenderung unserer Geld- und Währunqsverhältnisse einzusetzen.(Gelächter und iro- nischer Beifall links.) Sie haben ja seit meinem ersten Eintritt vor Knüpvel-Kunz« gezittert! lStürmische Heiterkeit.) P r e n z e l(Dem.): Wir können das internationale Wäh- rungsproblem nicht lösen. Ausschubberatung wird beschlossen. Der Antrag Kunze wird gegen zwei Stimmen abgelehnt. Die Vorlage wegen Hergabe des Gemeindedrittels von 13 Mil­lionen_ zu den staatlichen Baukostenüberteuerungs- z u f ch ü s s e n von 33 Millionen, woneben die Stadt noch Bau- stoffe für 23 Millionen llefern will, wird nach kurzer Aussprache angenommen. Die 13 Millionen sollen aus der Wohnungsluxus- steucr gedeckt werden. Hierauf begründet um 0 Uhr N a w r o cki(Komm.) den Antrag,

sofort VA Millionen Mark zur Renovierung der völlig un- benutzbar gewordenen Notbaracke» in Charlottenburg zur Verfügung zu stellen. In längerer Aussprache wird der Fall erörtert und die Be- rechtiqung der Mieter, in den Streik zu treten, auch von Rednern der Rechten anerkannt. Das zur Unterhaltung verpflichtete Be- i zirksamt Charlottsnburg habe für die weniger Bemittelten nichts i übrig: für sie solle Berlin sorgen. Die sofortige Bewilligung der Summe wird für notwendig erklärt. Von einem Redner der Rech- ten wird Charlcttenburg verteidigt. Dr. Löwenstcin(U. Soz.) verlangt, daß die Hälfte der Summe aus den Charlottenburg ge- währten Vorbehaltsmitteln entnommen werden soll. Dr. Meyer (Dem.) erblickt in dieser Forderung eine unberechtigte Kritik der ChorloUenburger Finenzoerw« ltung. Der Antrag Löwenstcin wird zurückgezogen, der Antrag der Kommunisten angenommen, danach soll das Bezirksamt auch veranlaßt werden, die Renovierungs- arbeiten sofort durch die städcischcn Betriebe ausführen zu lassen. Gegen 13 Uhr schließt die öffentliche Sitzung.

Der einträgliche»öauchlaöen�. In einem österreichischen Blatt kann man die Schilderungen einesschneidigen" Journalisten lesen, der(man muß eben alles kennen lernen") über feine Grfechrungen, die er in der Maske eines j fliegenden Zigarettcnhändlers bei einer Fahrt durch Berlin i gesammelt haben will, das Blaue vom Himmel herunter flunkert. Der verkappte Händler hat auf seinem Posten in der Leipziger Straße mit seinem umgeschnalltenBauchladen" innerhalb drei Stunden zweihundert Mark eingenommen, in Treptow vor der Rennbahn in vier Stunden tausend Mark, wovon etutg zwei Drittel verdient waren.Ausdrücklich wird aber betont, daß namentlich Arbeiter und Jugendliche hintereinander kauften: nicht selten war es. daß junge Burschen sechs Stück zu je 53 Pf. erstanden. Und das bei denHungerlöhnen", von denen die Arbeiterpresse spricht!" An dieser rührenden Geschichte muß auch den Einfältigsten auffallen, warum dieserschneidige Journalist" bei so glänzendem Geschäftsgang seinenBauchladen" und seine Geschäftsgeheimnisse nicht für sich behielt. Denn selbst dasschneidigste" Scharfmacher- blatt wird diese Journalisten nicht soviel Honorar oder Gehalt zahlen, als er beim Straßenhandel mit Zigaretten verdient haben will. DieArbeitgeber-Zeitung" interessiert sich für die Geschichte insofern, alsnamentlich Arbeiter und Jugendliche" es wagten, sich Zigaresten zu kaufen, und gar 3 Stück zu je 33 Pf. Zugegeben, daß Jugendliche besser daran tun, das Zigaretten- rauchen zu unterlassen, und gesundheitlich besser fahren, wenn sie sich Nahrungsmittel für das Geld kauften. Wobei wir davon ab- sehen, daß während der Kriegszeit das Rauchen im allgemeinen und das Zigarettenrauchen im besonderen von oben herab besonders kultiviert wurde. Daß aber die Zigarette, die früher- 3 Pf. kostete, heute 33 Pf. kostet, liegt nicht an den Jugendlichen und den Ar- beitern. Auch die Arbeitgeber, obgleich sie ihren Zigarrenbedarf en gros einkaufen, haben sicherlich den Preisunterschied gegen früher schon gemerkt. Früher hatte man als jugendlicher Arbeiter die Wahl, sich ein Pfund Birnen oder Aepfcl, ein viertel Pfund gute Wurst oder fünf Zigaretten um 13 Pf. zu kaufen. Die Auswahl ist heute etwas beschränkt. Man mag diese Zigarettengeschichte betrachten wie man will, kann ganz unerörtcrt lassen, inwieweit sie al» Sti- mulations-, als Hungerbetäubungsmittel in Frage kommt, jedenfalls ist die Zigarette in ihrer besten Sorte und in Menge von sechs Stück auf einmal ein schlechtes Beweis stück gegenHunger- löhne". Sollten die das Iournalistenabenteuer interessierenden Kreise jedoch in Verlegenheit sein, um Beweise fürHungerlöhne" zu er- halten, so wollen wir gern die Prolctarierstättcn zeigen, wo sie finden könnten, was sie gebrauchen. Denn die Rennbahn erscheint nicht als der richtige Platz, von dem aus die soziale Lage der Ar. beiterschaft betrachtet und beurteilt werden kann. Oer leidige Kleingelömangel! Eine Rechtfertigung für die..Hüterin des Groschens". Die freundlichen Fahrkartcnocrkäufcrinnen, die nach den Wahr- nehmungen unseres aufmerksamen Gewährsmannes sich als treu- sorgende Hüterinnen des eingehenden Kleingeldes bewähren sollen, wurden hier vor einiger Zeit in Verbindung mit dem kleingeld- bedürftigen Hochbahnpublikum erwähnt. Auf unser Ersuchen hat sich jetzt die Hochbahnverwaltung zu diesem seit Iahren so aktuellen

Aräulem.

Von Paul Enderling . Auf dem Treppenabsatz hielt er wieder inne. Das dort war Fräuleins Zimmer. Er schlich an die Türe und lauschte. Er lächelte. Er glaubte ihre tiefen, ruhigen Atemzüge zu ver- nehmen. Was für ein bequemes Liebchen hätte er da gehabt, wenn er heute auf dem Turm nicht so dumm gewesen wäre. Er richtete sich wieder auf. Was für ein verrückter Ge- danke war das? Er liebte sie doch und lief doch eigentlich ihretwegen fort, weil er nicht mehr die Stube ansehen mochte, durch die sie gegangen, und nicht die Menschen, die sie aus- genutzt hatten. Wenn ihn einer hier entdeckte! Schnell huschte er die zweite Treppe hinunter. Sein Herz schlug laut, daß er es zu hören meinte. Sem Blut bravste im Kovf. daß es ihn zu sprengen drobte. Die Tür zum Wohnzimmer knarrte und quietschte. Er hatte sie immer schon einölen wollem aber er war nie dazu gekommen. Und min er mußte lachen nun würde nichts mehr dtiravs werden. g0 seist wie möglich schloß er sie wieder hinter sich. Es konnte doch sein, daß jemand die offene Tür sah und miß- treulich wurde. Dabei fiel ihm ein, daß er sein Zimmer oben nicht geschlossen hatte, und er begann unruhig zu werden. Sollte er noch einmal hinausgehen? Unsinn. Das kostete zuviel Zeit_ und wer weiß, ob er dann nochmal hinunter "�Schnell ging er in das Schlafzimmer der Eltern. Die Türe stand halb offen. Das Mondlicht, gedämpft durch die Stores, ließ immerhin die beiden breiten, weißen Betten nebeneinander erkennen. A"f einem Nachstistfi blinkte etwas. Das mußte Vaters Uhr- ständcr fein. Er faßte ihn an und stieß dabei an den Barzellan- leuchter. Es klirrte laut und vernehmlich durch die Stille. Er fubr zusammen. Und wieder lachte er leise über seine Schreckhaftigkeit. Nein, es war wirklich kein Grund zum Eni- fetzen da.

Hermann ging um die Betten herum nach der Ecke. Er kannte hier jeden Gegenstand und hätte auch mit verbundenen Augen den Weg gefunden. Dennoch ging er unsicher und tastete rechts und links mit den Händen. Hier in der Ecke stand Baters Schrank. In der oberen Schublade war Geld das Geld, das Vater von der Bank abgeholt und für die Aussteuer und häusliche Ausgaben bereit- hielt. Die größeren Summen lagen in dem eisernen Schrank im Neufahrwasser Kontor. Ein großes Vermögen war hier nicht zu finden, abe< genug, um einen nicht zu anspruchsvollen Menschen eine Weile' über Wasser zu halten. Nervös suchte er in den Taschen nach den Wachsstreich­hölzern. Hatte er sie oben liegen lassen? Endlich fand er sie. Er probierte eins am. Es brannte nicht. Vielleicht hatte er in der Hast auch zu kräftig angerieben, daß der Kopf abge- brachen war. Das Wachsfädchen fiel auf den Boden. Er erschrak. Wenn man es fände. zum Teufel, das gäbe eine Geschichte! Er kniete nieder und tastet? den Bode?: ab, bis er es auf dem Bettvorleger entdeckte. Beruhigt steckte er es in die Tasche. Em Wagen fuhr draußen über den Platz. Es mußte ein schwer beladener Wagen sein. Vielleicht ein Lastfuhrwerk, das vom Werder kam und zur Markthalle fuhr. Das ganze Haus schien zu zittern. Die Leuchter und der Uhrständer klirrten auf der Marmorplatte. Hermann schien es ein donnernder. ohrenbetäubender Lärm, der alle Schlafenden wecken und schrecken mußte. In knieender Stellung, halb aufgerichtet, verharrte er. bis der Wagen weggerollt war und das Klirren dies ver­dammte Klirren aufhörte. Die Hände auf das Herz gepreßt, wartete er, was nun geschehen werde. Als alles wieder still war, erhob er sich- Schnell ent- zündete er das Licht und öffnete die Schublade mit dem Schlüssel. Es war der Sckilnsiel seines eigenen Kleider- schränke?. Beim Spiel als Scküler hatte er einmal zufällig entdeckt, daß er auch hierzu paßte. In diesen letzten Wochen war es ibm wieder eingefallen... Langsam, mit unnatürlicher Ruhe, olfnete er das Draht- kästchen und entnahm ihm die Scheine. Es war me�r, als er erwartet hatte. Das eine Bündel wollte er liegen lassen. Dann'

riß er es aber doch mit schnellem Ruck an sich und steckte es ein. Es war ja das letztemal. Dann klappte er die Drahtkaffette wieder zu, drückte die Schublade zurück und verschloß sie wieder. Leise ging er hinaus. Als er die Stubentür hinter sich geschlossen hatte, atmete er tief auf. Dann lief er, unbekümmert um das Krachen und Knarren der Stufen, die Treppen empor in fein Zimmer, das von dem frommen, blauen Mondlicht erfüllt war. *** Es war kalt, und Schnee lag in der Luft. Annemarie hatte schon die Wintersachen an und rieb sich die Ohren. Von der See blies ein steifer Nordwest in die Gaffen. Annemarie nahm Abschied von der Stadt, die sie zögernd betreten hatte und nun zögernd verließ. Heute nachmittag mußte sie noch beim Notar sein: mit dem Sechsuhrzug konnte sie dann wähl fort naä) Berlm. Sie ging in Ruhe durch die alten Gassen. Zum ersten Male ging sie gemächlich, ohne das schlechte Gewisien wie eine Kette hinter sich klirren zu hören. Sie hotte keinen Auftrag, und keinem würde es einfallen, sie zu fragen, wo sie wieder so schrecklich lange geblieben sei.-- Ach, was war sie doch für ein armes, abgehetztes Tier gewesen. Herr van Steen Kohlenkaufmann van Steen aus der Raepcrgasie grüßte. Sie blinzelte ihn vergnügt an. Er lächelte geschmeichelt und blieb stehen.Nun, Fräuleinchen, auf dem Bummel?" Ja." sagte sie.und heute gcabs fort." 2llso darum so fidel? Das sollte man aber doch feiern!" Warum nicht?" Sie war doch neugierig, wie weit der dicke Herr gehen würde. Er sah nach der Ubr.Letzt muß ich auf die Börse. Aber in e'.ner Stunde, he? Wie wäre es?" Sie schnitt ein unglückliches Gesiebt.Das ist aber furcht- bar fcbade. Da kann ich nicht mehr." I. Fräuleinchen, versuchen Sie man. Ich lasse den Sekt inzwischen kalistellen. Es ist zwar felm die Frage, ob er ange- sichte von so viel Reizen isickt warm wird." Er lochte dröhnend über seinen altbewährten Win. (Forts, folgt.)