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Donnerstag, den 24. März 1921. &us einem Ausruf der Zentrale der KPD. : Es gibt»in Mittel, da» steigende Elend abzuwehren: da» ist der einheitliche Kampf aller Proletarier gegen diese raube- rischen und verbrecherischen neuen Gewaltmaßnahmen. Erhebt euch überall, der Kampf ist schwer, aber der Sieg ist unser! Bewaffnung. Bildung von Orlowehren aus den Kreisen der organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten... Sonnabend, den 2g. März 1921. Die Pflicht einer Arbeiterpartei in diesem Augenblick ist es, die Arbeiter zum Kampf aufzurufen. Au» einem Aufruf vom 27. März: Die Dassen in die Hand der organisierten Arbeiter, Arbeiter- wehren au« organisierten Arbeitern. Angestellten und Vcamtcn, dem Icind den Daumen aus» Auge, das Knie auf die Brüsk! Mittwoch, den 30. März 1921. Kommentar zur WTB.-Meldung von der Explosion im Hause de» kommunistischen Parteibureaus: Die geheimnisvollen Bombenwerfer und Dynamitattentäter be- ginnen sich zu entlarven. Nach ihren Provokateurtaten gegen öffentliche Gebäude stürzen st« sich jetzt auf das wahre Objekt ihrer Rache, auf die Komniunisten. Am'gleichen Tage: Ein Postm ist gefallen. Die Leuna -Arbeiter mußten tapilu- lieren laufend« ooa anderen Arbeitern müssen an ihre Sielle in den Kampf treten. Da» ist das Gebot der Stunde. Das allein... zwingt den Gegner aufs Knie. Donnerstag, den 31. März 1921. ' Au» einem Kommentar zu? Breslauer Explosion: Der Schwindel der bürgerlichen Blätter, die die Explosion in den Räumen unser» Breslau » Partelzeltung auf dort lose auf- bewahrte» Dynamit zurückführen wollten, ist entlarvt. Die Domben. die in Breslau geworfen worden stnd, sind von den Provo- kakeuren der Orgeschbanden geschleudert worden, von denselben Leuten, die die Dynamitattentate der letzten Tag« begangen haben. Man erinnere sich, daß durch die von uns wtedergegebene Enthüllung der»Freiheit" in den letzten Tagen klar geworden ist, daß die Explosion des Aborts im Brcslauer Kommunisten» bureau nicht vonOrgeschbanden", sondern von den Kommunisten selbst hervorgerufen wurde, um die Arbeiter aufzupeitschen, ja, daß man sogar das Leben der Stenotypistin dabei opfern wollte! Die Zitate können beliebig fortgesetzt werden, wenn es den kommunistischen Gewaltmenschen besonders danach ge- lüften sollte. Ruft man sich diese Ereignisse in die Erinnerung zurück, so wird die dreiste AbleugnuNgstattik der Kommunistischen Zentral« um so verabscheuungswürdiger. Es wird nicht lang» dauern� dann werden dieselben ver- brecherischen Element«, die jetzt die verfolgte Unschuld spielen, wieder an das Mitgefühl der sozialistischen Arbeiter appellieren und auch die Geschehnisse der letzten Tage wieder in die Ver» senkung verschwinden lassen wollen. Das darf ihnen nicht noch einmal glücken! Wir richten deshalb an alle unsere Parlergsnosscn in den Betrieben die dringende Mahnung, sich niemals von kommunistischer WehleidigkeU einsangen zu lassen. Es sei daran erinnert, daß vor wenigen Tagen noch eine Anzahl angeblich au» allen Arbeiterparteien zusammengesetzter Deputationen sich in Berlin alsproviso- tische Leitung" einer neuen einheitlichen Aktion gegen die sozialistischen Parteien auftat. Heute teilt nun in derFrei» Heck" die unabhängige Abgeordnet« Luise Z i« tz mit, dag der Gedanke, dieseprovisorische Leitung" zu spielen, in ihrer Gegenwart den Delegationen von dem kommunisti- chen Abgeordneten Remmele suggeriert worden ei. Sie bestätigt damit» was wir sofort dazu aussprachen, ) diese Aktion nichts weiter als eins kommunistische Komödie darstelle. Daß dies« Komödie einen tragi» komischen Abschluß fand, ist nicht das Verdienst der Kom- munisten, sondern der Veröffentlichung desVorwärts" über die kommunistischen Verbrecherpläne. Wir wollen diese Tat» fachen nicht wieder au» dem Gedächtni», auch nur vorüber- gehend, verschwinden lassen.

Die winterfliege. Von E. Rath- Schönholz. Es war gewiß nicht ihr Verdienst, daß sie den Sommer und ihr» Mltschwestern überlebt hatte. Außerdem hatt« sie zu solchen Reflexionen gar kein« Lust. Sie saß vielmehr gelangweilt auf dem Herdsims und wartete auf da, Abendbrot. Denn eben hatte es sechs Uhr geschlagen, und dann pflegte der Hausvater von der Arbeit zu kommen. Kritisch beobachtete die Winterflieg« dt« Borbereitungen zum Abendbrot. Di» kleine»»grämt« Frau schob fünf Teller auf den Tisch und rührt« ab und zu in einem dampfenden Brei, während ihre drei Buben gequält und hungrig um sie herumstrichen wie ver- wahrloste Katzen. Der Dunst stieg von dem Brei geradeoweg» der Flieg« in den Rüssel. Sie rümpfte ihn schnippisch: Brotsuppe ohne Zuckerl Sie stellte mit Verachtung fest, daß seit zehn Wochen weder auf dem Tisch noch in dem Küchcnschrank, in den st« sich vor zwei Nächten hatt« hineinschmuggeln lasten, ein Krümchen Zucker aufzutreiben war. Und doch hatte st» erst gestern noch auf dem Tisch gelbe, grüne, rosa und weiße Papierfetzen mit schwarzen Schnörkeln gesehen, von denen der Zweitälteste Bub mühsam das WortZuckerkarte" her- unterbuchstabieri hatte! War das eine Wirtschaft! Die Tür krachte auf. Müde und schwer stapft« der Mann herein und ließ sich auf den Schemel fallen. Di« Buben sprangen. Zogen Stiefel au». Holten Pantoffel. Hängten die Mütze fori. Pflanzten sich um den Tisch. Dampfende Suppe quoll aus dem Kochtopf In die Schüssel, aus der Schüssel in die fünf Teller. Löffel klirrten. Lippen schmatzten. Hungriges Schweigen räkelte sich. Inspizierend schob die Wintersliege ihre Fozrttaugen an den Rand des Simses uick> wartet« geduldig. Die Frau sah den Mann erwartungsvoll an.Schnieckt Dir die Suppe?" Er wiegte bedächtig das Haupt:Ja q a. Nur ein wenig Zucker hättest..." Sie ward lebhaft:Wo denkst Du hin? Zucker! Auf Karten gibt e» nicht» Un!« d«r Hand zehn Mark da, Pfund" Ober vielleichr»in wenig Grießsuppe mit Milch. Du weißt, ich mag es gern" Di» Winterflieg» schwang sich erwartungsvoll auf den Küchen- rahmen, von dem Zauber de» Wörtchens Milch magnetisch ange- zogen. Die Frau nickte:Weiß, daß Du sie gern magst. Wer ich kann nicht anstehen wie die alten Jungsern und Dienstmädchen sonst reicht die Zeit nicht zu mein» Stickerei. Und kondensierte Milch? Unerschwinglich." D» Fliege setzt« einen Pulsschlag der Atem au»: der Mann schrumpft« förmlich zusammen und macht« rund« Augen:Bor acht Tagen kostete die Büchse sieben Mark!"

Der Vollständigkeit halber sei hier noch eine Erklärung in derRoten Fahne" registriert, in der der gebrandmarkte Hugo E b e r l e i n. der übrigens den traurigen Mut hat, jetzt noch in einer Versammlung der Kommunisten als Redner aufzutreten, versichert, daß er sich einem öffentlichen Gerichtsverfahren nicht entziehen rverde. Man wird abwarten müssen, ob er wirklich noch zu finden ist, wenn es tatsächlich zu einem öffentlichen Gerichtsverfahren kommt, oder ob er bis dahin es nicht vorgezogen hat, seinem Freunde Brandler zu folgen. Es lohnt sich eigentlich nicht, auf einen witzlosen Scherz derRoten Fahne" einzugehen, den sie sich in ihrer heutigen Morgenausgab« leistet. Sie veröffent- licht ein Telephongesprach, das zwischsn dem Chefredakteur des Vorwärts", Genossen Stampfer, und dem Genossen Heilmann geführt fein soll. Lediglich in der Loraussetzung, daß neunzig Prozent der kommunistischen Leser des Blattes selbst dieses Gespräch für echt halten könnten, sei hier ausdrücklich betont, daß es völlig erfunden und nicht einmal geistreich erfunden ist. die �denunziation"' öesVorwärts*. Im Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags über die Märzunruben wurde heute aus den Staatsakten Bericht er- stattet über die Dynamitsprengungen usw. Dabei stellte sich zur all- gemeinen Ueberrafchung heraus, daß bei einer Strafsache, welche dle Sprengung der Produktivgcnossenschaft betrifft, bei der der Schorn- stein in die Lust gesprengt wurde, sich schon seit dem 1 6. A u g u st die Erklärungen von L e m ck und B o w i tz k i aus dem Zetkin-Matcrial befinden. Dies« Aussagen stnd schon am IS. August vom Staatskommissar für die öffentliche Ordnung übersandt worden, weil ein Teil ihres Inhalts auf die Sprengung der Produktiv- genossenschaft Bezug hat. Hieraus ergibt sich ganz klar, daß diese Akten schon seit Monaten von den Gerichten bearbeitet wer» den, also von einerDenunziation" durch die DeröffenUichung des Vorwärts" nicht die Rede sein kann. Der Ausschuß beschloß ferner, den Staatskommissar Weis- mann nochmals als Zeugen zu vernehmen, und zwar über die Z« t k i n- A k t e n, die Art ihrer Auffindung und üb» die Glaub» Würdigkeit ihres Inhalts. Da» Material wird bis zur nächsten Sitzung dem Ausschuß zugänglich gemacht werden. Lanöbunöagitation auf Staatskosten. Aus Merseburg wird uns geschrieben: Im Regierungsbezirk Merseburg herrscht der deutschnationale Regierungspräsident v. Gersdorff. Sein Präsidium gleicht einem Stab deutschnationaler Agita- toren. Was von den Leuten des Herrn v. Gersdorff.möglich gemacht wird, zeigt folgendes: Anfang Oktober d. I. ging fast allen Lehrern des Regierungsbezirks von der vor» gesetzten Dienststelle folgendes Zirkular zu: Landbund, Provinz Sachsen . Halle a. d. S., Frankestr. 8. H a l l e a. d. S.. den ü. Oktober 1921. Fernsprecher 6752. Landbeamten-Tagung für den Regierunosbezirk Merseburg am Dienstag, den 18. Oktober 1921, vormittags 11 Uhr, zu Halle a. d. S.,.Stadtschützenhaus", Frankestr. 1. Tagesordnung: 1. Begrüßung der Versammlung durch Herrn Landrat«. D. Frh. o. W i l in o w s t i. Borsttzendcr ve» Londbunde». ?. Rektor Hermann- Friedrühedorf. M. d. S.:Der gegen- wkrtijze Stand der Landbeamtenbesoldungsfragen im Parlament" (Neferat). 3. Hauptlehrsr U t h a r d t- Bergwitz:Die Forderung der Laudbeamten, insbesondere der Landlehrer und ihre Berechtigung. Diskussion usw. Landbund, Wohlfahrteabtcilung Landbund Sachsen M o r s e r i tz, Landbotschast» Dr. B u r ch a r d t. Zu dieser deutschnationalen Parteiveranstaltimg wurde, wie gesagt, auf dem Dienstwege eingeladen. Die Ver- wendung von Dienstmarken und die Bemerkung, daß

Die Frau lächelte klein:Die amerikanischen Milchkühe liefern sie nur zu sechzehn Mark." Der Mann schob schweigend den Teller fort, auf dessen Rand sich gemächlich die Winterfliege setzte Sie tauchte vorsichtig den Rüssel in die Suppenreste und schüttelte entsetzt die Flügel. Mißmutig wischte sie den Rüssel ab. Der Jüngste rief laut:Mutta Mutta die Flicje mäicht sich" Der Mann brummte:Jag da» Vieh fort!" Die Frau sah ihn vorwurfsvoll an:Gustav! Die Brotsliege I"Ach so." Er nickte und vertiefte sich in die Margarmestulle. Der erste Bissen blieb ihm im Halse stecken. Nanu? Du hast wohl die Schmierseife erwischt??!" Schmierseife?" Ei« war gekränkt.Das ist Margarine! 27 Mark da» Pfund!" Dem Mann entfiel das angebissene Margarinebrot.Sieben und drei Du meinst wohl Butter?" Sie lachte leise auf:Butter? Nicht unter fünfzig" Dem Manne blieb der Mund offen stehen. Die Winterfliege sauste oerwirrt hinein. Ward wütend ausgespien. Der Mann schrie: Auch da» noch!" Als die Fliege die Flügel hob zu schnellst» Flucht, krachte eine ungefüge Faust und lieh nur einen dunklen Fleck und zwei dünne Flügel. Borwurfsovll sagte die Frau:Die Brotfliegel" Der Mann lachte ingrimmig:Die hat besser gelebt al» wir" und wischte sich zornig den Mund.

Der Wahn d» weißen Nahrung. Al« während de» Kriege» das weiße Brot von unfern Tischen verschwand und an seine Stelle dunkles trat, da hoben die Aerzte mit Recht hervor, daß dieses Schwarzbrot" sehr viel mehr Nährwert besitze als das w e i ß e Brot. Aber bekehrt haben wir uns deswegen doch nicht, und nachdem die schlimmhcn Zeiten der Not vorbei waren, trat auch gleich wieder das Weißbrot hervor, das nun einmal für fein» und besser gilt. Daß aber diese Vorliebe für weiß« Nahrung eine der größten Sinnlosigkeiten ist, die die Mode auf dem Gewissen hat, das hebt der englische Nahrungsmittclforicher Charles P. Sisley in einem Aufsatz hervor, in dem er denWahn der weißen Nahrung" bekämpft. Tie unnatürliche Weiß« unseres Brotes, auf die wir so stolz sind, nimmt der Nahrung ihren Gcichmack und fast alle ihr« Nährkraft. Die Aerzte erklären das Weißbrot für so manche Krank- heit verantwortlich: die Zahnärzte betonen, daß das Schwarzbrot unfern Zähnen viel dienlicher ist. Aber das Publikum will von diesem Fetisch nicht ablassen und bringt sich um wichtige Kraftquellen. nur weil das Weißbrrtso hübsch aussieht". Dieselbe Manie für das Weiße hat den Nährwert uns»e« Zucker» schwer geschädigt. Der alte braun« Zucker, d» unfern Urgroßeltern so gut schmeckte, ist heute au» unserm Gesichtskreis ver» schwunden. und so mancher mag glauben, daß da» Weiß dl» Na» turfarbe des Zucker» sei. Das ist st« aber keineswegs, sondern

von den Kreisschulräten für diesen Tag Urlaub erteilt werde, sollten offensichtlich den Lehrern andeuten, wie un- angenehm ein Fernbleiben anhöherer Stelle" ausfallen würde. Außerdem sind Briefe, die auf Kosten der verdammten Republik in ihren Ämtsstuben geschrieben und auf ihre Kosten befördert werden, für den Landbund eine nette Ersparnis. Verantwortlich für diese Schreibstubenarbeit zugunsten des Landbundes ist der Oberregierungsrat Hake, der das kaum zu unternehmen wagen würde wenn Herr v. Gersdorff nicht einverstanden wäre. Die Tagung war nach solcher Vor- bereitung natürlich stark besucht, und groß war die Freude der Hake und Wilmowski über den gelungenen Streich. Die Referate waren Musterstücke deutschnationaler Demagogie. Ein Lehrer, der in der Diskussion es wagte, seinen hohen Vor- gesetzten Hake zu sragen, wie es möglich s«i, daß zu einer der- artigen Veranstaltung auf dem Dienstwege eingeladen werde, wurde angeschnarrt und auf den Dienstweg ver- wiesen. Im Regierungsbezirk Merseburg sind also die seligen Zeiten des wilhelminischen Regiments dank der Tätigkeit des Herrn v. Gersdorff und seiner Gehilsen für die Lehrer wieder- hergestellt: sie müssen strammstehen und konfervativ-deutsch - nationale Gesinnung wird ihnen auf dem Dienstwege vorge- schrieben. De» Beamtenkartell hat Beschwerde einge- legt, aber derDienstweg" der Herren v. Eersdorsf-Hake be- sorgt rasch und sicher wohl die Einladungen des Landbundes, auf Beschwerden reagiert er nicht! Darum möchten wir von dieser Stelle aus an den neuen Volksbildungsminister Dr. B o e l i tz die Frage richten, wie er über die deutschnationale Methode denkt, nach welcher im Kreis Merseburg von Kreisschulräten und Ober- regierungsräten der Amtsschimmel geritten wird. Allerdings nicht nur in Merseburg . Im Magdeburger Bezirk sitzt noch immer als Leiter des Schulwesens ein Dr. D i t t m a r. gegen den die Untersuchung über se.n Verhalten im Kapp-Putsch gar nicht vom Fleck kommen will. Dr. Voelitz wird's allein nicht schaffen können. Er sollte sich mit seinem Kollegen Severing in Verbindung setzen: denn mancherlei Dinge, die im Bezirk des Herrn v. Gersdorff vorgehen, spielen in beiden Ressorts, die Kreisfchulrüte wären bestimmt vorsichtiger, wenn sie an Oberregierungsrat Hake und Herrn v. Gersdorff nicht so verständnisvolle, manch- mal auch mehr oder minder aktive Unterstützung fänden. Rückkehr zum Kahr -Kurs. München , 29. November. (Eigener Drahtbcricht.) Nachdem schon seit einigen Tagen in der Presse Gerücht« aufgetaucht waren, die bayerische Deutschnationale Bolkspartei, genannt Mittclpartei, bcab- sichtige, wieder in die Regierungekoalition einzutreten, bringt die Baycrische-Bolkspartei-Kcrrcspcndenz als Sprachrohr der Haupt» trägerin der bayerischen RegierungskLaliiton heute Mitteilungen, denen zufolge tatsächlich ein Wiedereintritt der bayerischen R e ch t» b o l s ch e w i st e n in die Regierung bevorsteht. Man bcab- stchtigt sogar, ihnen des Justizministerium wieder auezu- liefern. Demgegenüber möge im letzten Augenblick, bevor Graf Ler- chenfeld diesen folgenschweren Entscheid trifft, festgestellt werden, daß die Koalierung der bisherigen Regierung mit den Leuten um Kohr und P ö h n e r die bayerische Sozialdemokratie zum schärf- st e n Kampf gegen das unter neuem Namen wieder auflebende alte System auf den Plan rufen würde. Graf Lerchenfeld möge sich überlegen, ob er dem Machtbedürfnis ein» frrsstaatftindllch-n Bcvöl- terungsschicht, die Bayern seit Aueübung ihrer Macht zum Hcrt der Reaktion, des politischen Morde» und der Vorbereitung zum Bürger» krieg gemacht hat, die pclitische Zurückhaltung und Reserve der de- mokratischen Arbeiterschaft zum Opfer bringen will. Em deutschnationaler Justizminister al» Schirmherr von Nieder- s ch ö n e n f e l d, als Protektor der bayerischenDolksgerichte" und al» Antreiber der bayerischen politischen Polizei würde im Augenblick da» wieder zerstören, was sich in Form eine» bescheidenen Ansatzes von Vertrauen zwischen Arbeiterschaft und Regierung seit Lerchcnfeld» Amtsantritt gebildet hat. Di« Bayerische-Volkspartei-Korrcspondenz schreibt, man habe von vornherein mit einem nur vorübergehenden Ausscheiden der Deutschnationalen Partei gerechnet, was sa auch in der Nicht-

dieses fleckenlose Aussehen, da» der Hausfrau so gut ge- fällt, wird nur durch eine Raffinerie hervorgebracht, die dem Zucker viel von seinen für den Menschen nützlichen Eigenschaften nimmt. Ebensowenig wie man heutzutage anderen Zucker taust als schneeweißen und ganz trockenen, fordert man auch weißen Reis. Ab» der Reis mit seiner natürlichen braunen Färbung besitzt allein die hohen Nährwerte, die zum Aufbau des menschlichen Körpers »forderlich sind. Unser weißer Reis hat verschiedene Prozesse durchgemacht, die ihn um eines leeren Vorurteile willen wichtiger Substanzen berauben. Der Reis ist fast die einzige Nahrung des Osten», aber der richtige Reis mit seiner nahrhaften braunen Hülle. Die Indiek oder Chinesen würden von dem Reis, den sie bei uns kaufen könnten, nicht das Leben fristen. So sind also drei wichtige Gegenstände unserer täglichen Nahrung ihrer besten Kräfte beraubt durch lächerliche äußer« Gründe, durch Vorliebe für eine bestimmte Farbe und für ein hübsche» Aussehen. Der Bogenschütze am Lieheusee. In d» Anlage des Liehen- sees in Charlottenburg ist dieser Tage«in monumentale» Bronze- werk von Hugo L e d e r e r, dem Berliner Meister, das schon vor Jahren erworben wurde, aufgestellt worden, ein überlebensgroßer Bogenschütze. Die Figur steht an der Ecke von Kaiserdamm und Witzlebenplatz, für den. der von Berlin her den Kaiserdamm her- unterkommt, bietet sie ihre ein« Hauptansicht, gerahmt von den Pappeln am Seeufer im Hintergrund. Ledere? bat die Anregung zu seinem Wert von einem Bogentanz Nowikoffs vom russischen Ballett bekommen, der vor 8 Jahren in Berlin war. Sein Bogen- schütze, ein Mann von herkulischer Bildung, ist im Laufen begriffen und wendet dabei den Kopf zurück, um rückwärts den Pfeil zu ent- senden. Kraftvoll« Bewegung, großzügige Form zeichnen das Werk aus. Ein Naturschutzpark Sylt . Auf der Insel Sylt gibt es hohe landschaftliche Werte, die in neuester Zeit immer mehr gefährdet werden. Es seien nur das Morsumkliff, die eben gleichfalls einzig- artige 5zühncngrSbcroruvpe auf der Morsum » Heide und die schön- sten Stellen der Halbinsel Hörnum genannt. Es wäre daher sehr zu wünschen, daß die ganze Insel außerhalb der alten Orte und der schon jetzt bestehenden Seebäder dem Spekulationsgeiste und der drohenden Verschandclunq entzogen würden. Wie In derZeitschrift für Vogelschuh" mitgeteilt wird, besteht um so mehr Hoffnung auf Verwirklichung dieser Pläne, ol- diese Dünen und Heidegebietc sehr gering« wirtschaftliche Werte darstellen.

DerBund kür Bogelkchnd« veraniigltet Mlttionkj. den 30., im KÜnsllcrhauS eine» Lieder- und LortragSadenz out der Vogclwelt. Eine Stiftung kür die deutkche Zabnkieilkimde von dem Ztock- bolmer Univrrsitnleproscssor Sillinr zur NnterklStzung und stdOcruug r» wisscnlchastlichx, lZakmlieilkunde gemocht worden. Sti'tungen im Be roo? von je lOCOO Mark lind an eine ganze Reihe von deuischen Unloeriiläle» gegeben worden. Der Wiener Schan'plelerlkretk wurde durch Einigung zw'schcn dem?irellorenverdgnd und de» Bübnenorgaiiijationen über die Lohnsrag« »ach langwierigen Verhandlungen beendet.