Nr. 566 38. Jahrgang
Groß- Berlin
Gegen das Hamsterunwesen.
Beilage des Vorwärts
Donnerstag, 1. Dezember 1921
Großeinfuhr von Gefrierfleisch.
Ein Mittel zur Fleischverbilligung.
Die Leute, die es sich leiften fönnen, sind in dieser Zeit der Mit der zunehmenden Teuerung wird der Fleischgenuß mehr eingenähte gefrorene Hammel, dann Rinderviertel und schließlich überhandnehmenden Teuerung, um dem eigenen Bauch ja nichts und mehr, besonders in den Großstädten, zu einem Lugus für die die Innereien, die wie Rostbarkeiten vernäht und in Kisten verpackt entgehen zu lassen, wieder tüchtig damit beschäftigt, fich ganze breite Masse der Bevölkerung. Der Fleischkonsum ist in Deutschland sind. Ueberall peinliche Ordnung und mustergültige Sauberkeit. In Hamsterlager aller möglichen Gebrauchsgegenstände und auch seit der Vorkriegszeit um über die Hälfte gesunken. Die unglückliche der Speisekammer der besten Hausfrau kann es nicht ordentlicher Lebensmittel aufzuftapein. Gegen dieses Gebaren, das für die wirtschaftliche Lage findet in dieser Tatsache ihren Ausdruck und zugehen. Ein Schwein wird an den ausgestreckten und hartgefrore große Masse der schaffenden Bevölkerung große Gefahren im Ge- alles muß, um einer weiteren Entkräftung des Boltes vorzubeugen, wenn es aus Gips gegossen wäre. Dann geht es nen Hinterbeinen hochgehoben und fallen gelassen. Es poltert, als folge hat, wendet sich jetzt die Preis prüfungsstelle Berlin : daran gesetzt werden, hier wieder normale Berhältnisse eintreten zu Seit einiger Zeit macht sich in der Bevölkerung deutlich das Bestreben bemerkbar, um jeden Preis und weit über den er lassen. Die halbe Fleischration muß und darf nur eine vorüber. forderlichen Bedarf hinaus Gegenstände jeder Art ein- gehende Erscheinung sein, denn in ihr kommt am allerschärfsten zum zukaufen und zu hamstern. Es werden etwa Streichhölzer Ausdruck, daß die Lebenshaltung der arbeitenden Maffen schmerzlich fiftenweise aufgekauft und in feuchten Räumen aufbewahrt, wodurch tief gedrückt ist. Die Vieh- und Fleischeinfuhr war vor dem Kriege fie bald vollständig unbrauchbar werden. Ebenso werden auch durch gesetzliche und gesundheitspolizeiliche Vorschriften start unter andere unnötigerweise gehamsterte Gegenstände bunden. Die Bestimmungen waren getroffen durch den überstarken eingetauft und unbrauchbar, so daß sie nicht nur dem einzelnen Einfluß agrarischer Produzenten, die jede Konkurrenz von Deutsch feinen Nugen gebracht, sondern der übrigen Bevölkerung entzogen land fern und die Viehpreise möglichst hochhalten wollten, und sie worden sind. Die übermäßige Beanspruchung des Marktes führt wurden begründet mit der bekannten Seuchengefahr. In Rücksicht ohne weiteres zu einer Steigerung der Preise und schädigt die Teile der Bevölkerung, die aus volts- auf das ausgehungerte deutsche Volk wurden die Bestimmungen nach wirtschaftlich begründeten Erwägungen oder aus Mangel an Mitteln Beendigung des Krieges vom Reichsrat abgemildert. Nunmehr sich in ihren Anschaffungen auf das notwendigste aber waren Bestrebungen im Gange, die gewährten Milderungen beschränken müssen. Lähmung des heimischen Arbeits- wieder aufzuheben, ein Beginnen, das allerdings zunächst eingestellt marttes muß eine Folge der weiteren Teuerung aller Gegenstände worden ist. des täglichen Bedarfs sein, insbesondere auch der Lebensmittel; dazu find aber auch schwere Beunruhigungen der erwerbstätigen Be völkerung zu erwarten wie diese ja auch in der lezten Zeit bereits wiederholt zu bemerken gewesen find. Die Preisprüfungsstelle hält es daher für ihre Pflicht, die Bevölkerung zur Abwendung aller diefer schädigenden Wirkungen dringend zu warnen und zu erfuchen, sich bei Einfäufen nur auf das wirklich erforderliche Maß zu beschränken und alle Angst- und Hamsterkäufe zu unterlassen.
Der Mord in der Meter Straße. Belastendes Material gegen die Frau des Ermordeten. Die Kriminalpolizei nahmi gestern nachmittag nach Abschluß des Berhörs mit dem unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft verhafteten Raufmann Albert Tiete eine Besichtigung der Hafenzahlschen Wohnung vor, in der das Verbrechen verübt worden ist.
Da der Einfuhr von Bieb große Hinderniffe im Wege stehen, hat sich ein Fachausschuß für Fleischversorgung" die Masseneinfuhr von Gefrierfleisch aus Nord- und Südamerika und Australien zur Aufgabe gestellt. Die getroffenen technischen Einrichtungen beziehen sich in der Hauptsache auf Rühl- und Ge frierhäuser, die in Hamburg , dem deutschen Zielhafen der großen America- und Auftraliendampfer, angelegt find. Der Reichstagsausschuß für Tolkswirtschaft mar fürzlich gelaben, diese Einrichtungen zu besichtigen:
Bei den gefrorenen Schweinen.
In einem riesigen Lagerschuppen der Hamburg - Amerita- Linie ist ein neuer Typ von Kühlanlage nach der Erfindung eines Hamburger Ingenieurs erbaut. Der Bau erfolgte nach dem Grundsatz: Höchste Wirtschaftlichkeit. Die üblichen Holzwände und mie auch in denen zu Schiffe. Holzbaiten, Bretter und Stahlplatten die Afayeisolierungen find weggefallen in den Kühlhallen zu Lande, find sauber in Beton eingekleidet und dort, wo früher Fuder Asche die Wärmeeinwirkung abdämmten, sind jezt Tausende Luftschotten, in denen die falte Luft ihren Kreislauf vollführt.
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an Bord des Gefrierdampfers Steigerwald". Er gehört der Hamburg - Amerita- Linie, hat neben dem rund 550 Tonnen Gefrierfleisch verfrachtet werden können. anderem Laderaum fünfzehnhundert Kubikmeter Gefrierraum, in unten im Schiff steht ein Dugend kräftiger Männer. Sie werfen die Broden in die Zugneze und ab und zu auch einen" zu uns rauf. Immer zwanzig von den Borstentieren treten die Reise ins Kühlhaus gemeinsam an. Auf einem zweiten Schiff einem modernen Norweger werden ebenfalls gefrorene Borstentiere ausgeladen. Die Studienreise fand ihren offiziellen Abschluß in einem Probeessen, an dem auch eine ganze Anzahl Fachleute teilgebratenen Zustand aufgetragen wurden, und zwar je eine Sorte nahmen und bei dem die verschiedensten Fleischarten im rohen und Frisch- und Gefrierfleisch. Ueber jedes Gericht wurde abgestimmt, das heißt geraten, welches von beiden nun eigentlich Frisch fleisch sei. Die Reael war, daß die meisten Abstimmenden das Ge frierfleisch als Frischfleisch bezeichneten und daß vornehmlich die Sachverständigen einen überaus unzuverlässigen Geschmad haben, denn im Aussehen des gefochten Fleisches war( was auch den Bers, liner Hausfrauen nicht unbekannt ist) kein Unterschied, wie er im Geschmad ja auch nur eingebildet ist.
Vorbedingungen für die Einfuhr.
Güte der technischen Einrichtungen ab. Neben den Einrichtungen Der Konsum von Gefrierfleisch hängt in erster Linie von der auf den Transportschiffen und den Kühlanlagen im Hafen werden 3üge mit eigener Rühleinrichtung und Einzelkühl wagen benötigt. In den Zentren der dichtbevölkerten Städte, wie fachgemäße Rühlbehandlung bis zum Verkäufer erfolgen. Berlin z. B., werden Kühlhallen benötigt und schließlich muß die Schließlich aber müssen auch feste Vereinbarungen getroffen werden Daß dazu große Geldmittel erforderlich sind, liegt auf der Hand. mit den liefernden Firmen im Ausland, damit ein günstiger Preisbann zu verzeichnen sein, wenn der Preis dafür um ein Viertel stand erreicht wird. Denn der Absatz an Gefrierfleisch wird nur niedriger steht wie der für frisches Fleisch.
Die Landwirtschaft kann den heimischen Bedarf nicht becken; sie soll und kann ihre Produktion steigern und trotzdem erscheint es bom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus dringend geboten, lieber fomprimiertes Getreide, in Form von Fleisch, als Unmengen von Getreide einzuführen. Den breiten Massen muß die Möglichkeit ge schaffen werden, mehr Fleisch zu konsumieren, was heute nur durch die Einfuhr aus den Ländern möglich ist, die eine Ueberproduktion an Fleisch aufzuweisen vermögen.
Das Ehepaar Hafenzahl war aus Lettland zunächst nach Neuföln gezogen und von dort nach der Meger Str. 14, wo sie ein Lebensmittelgeschäft und einen Privatmittagstis betrieben. Trotz Einwendungen des Hauswirts wurde ihnen die Wohnung und der Laden als Flüchtlinge überlassen. Das Geschäft ging ziemlich gut, der Ehemann war außerdem noch als Reisender Wir öffnen den Vorhang und treten ein in die tühle Halle. Da tätig. Tiefe, der bei ihnen wohnte, besorgte die Einkäufe. Schon liegen die Schweine zu vielen Laufenden forgfältig auf feit längerer Zeit war den Leuten im Hause und in der Nachbar- geschichtet und sorgfältig mit Wiegenummern versehen. Sie sind fchaft bekannt, daß das Verhältnis zwischen den Eheleuten ein sehr sauber ausgeschlachtet und alle tragen sie ein schönes weißes Hemd. gespanntes war. Wie ermittelt wurde, war eine gütliche Trennung Bon einer Abteilung geht es in die andere. Hier mittlere beabsichtigt. Tiefe hatte in Einvernehmen mit der Frau auch schon Schweine, dort solche schweren Gewichts, dann wieder forgfältig viele Ware fortgeschafft. Dazu hatte er einen Handwagen benutzt, Den er sich bei einem Kohlenhändler in der Nähe geborgt hatte. Bon chaftlichen Verbänden ist der Milchpreis für den Monat diefem entlieb er sich auch am Montagabend den Wagen und bes Dezember 1921 auf 4 M. frei Berlin festgesetzt worden. Mithin nugte ihn zum Transport der Leiche. Sehr wichtige Be- ergibt sich eine Erhöhung des Einfuhrpreises gegenüber Studenten werden freigesprochen, Arbeiter verurteilt. fundungen machten mehrere am Tatort ermittelte Zeugen. So er dem bisherigen von rund 82 Bf. je Liter, während die Spannen für Bor der 4. Straffammer des Landgerichts I wurde gegen ben flärt ein 10jähriger Knabe, daß er in der sechsten Abendstunde be- Berwaltungskosten und Unkosten der hygienischen Kontrolle dieund sich ein Tuch vor den Kopf hielt. Hasenzahl habe ihn gemäßige Behandlung um ein Geringes, die Verdienstspannen den Arbeiter Wilhelm Hauffe verhandelt, die beschuldigt waren, obachtet habe, wie Hafenzahl auf den Hausflur gelaufen fam felben, 8 Pf. je Liter, bleiben, mußten die Spannen für die molterei- agerhalter Karl Großmann , den Schloffer Bruno Stein, dessen Bater, den Klempnermeister und Hausverwalter August Stein, und beten, die Polizei zu holen, da Tiefe auf ihn geschossen habe. werden. Sie erfordern zusammen 1,33 M., so daß sich ein Verkaufs im März und April 1921 nach Ablauf der im§ 1 des Entwaff für den Milchhandel um ein Beträchtliches erhöht Dieser Aufforderung sei er aber nicht nachgekommen, weil er gefehen habe, daß Frau Hafenzahl in der Tür stand. Aufgefundene preis der Milch von 5,41 M. ergeben würde. Es wird im Monat nungsgesetzes vom 7. August 1920 gefeßten Frist zur Ablieferung Briefe, die an die Mutter und an Bekannte der Frau Hafenzahls für die Kinder und schwangeren Frauen benötigte ben nämlich in den Kellerräumen der von Großmann ver Dezember mit 240 000 Liter ausgabefähiger Milch gerechnet. Die Militärmaffen unbefugt in Gewahrsam gehabt zu haben. Es wur gerichtet sind, belasten Frau Hasenzahl und deren Untermieter Tiefe. Einer enthält eine Darstellung der Vorgänge, die von Milch wird im Monat Dezember zum Preise von 4 m. je Biter walteten Filiale der Berliner Konsumgenossenschaft in der Schilderung des Tiefe ganz wesentlich abweicht. Alle Schreiben erfordert täglich rund 100 000 m. und nötigt zu einer Erliche Mengen von Waffen aller Art vorgefunden. an die Bezugsberechtigten ausgegeben werden. Die Berbilligung der Beuffelstraße bei einer polizeilichen Durchsuchung nicht unerhebwurden beschlagnahmt und die Untersuchung gegen die Verhafteten fortgeführt.
Neue Erhöhung des Milchpreises.
Das Milchamt meldet eine neue Erhöhung des Milchpreises und äußert sich über die Gründe in der folgenden amtlichen Ertlärung: Auf Grund des Abkommens mit den landwirt- l
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Und als die Uhr vom Rathaus schlug, nüchtern, flar, fachlich, ohne musikalisches Rankenwert und ohne den Patina glanz alter, ehrwürdiger Choräle, war es für Annemarie den noch ein Klang, der das Herz schneller schlagen ließ, daß ihr die Arbeit aus den Händen glitt: Jezt fam Lothar heim! Sie öffnete das Fenster und sah hinaus. Die Kinder ver liefen sich nach Hause. Die Elektrischen tamen vollgestopft und verschwanden. Wenige Minuten lang war die Straße von Menschen überschwemmt; dann verlief die Flut in die vielen Kanäle der inneren Stadt. Die Straße war wieder leer, nüchtern, wie der Strand bei Ebbe.
Annemarie zog ein Taschentuch und winkte hinaus. Da um die Ede bog ihr Mann. Sie sah, daß er dem Briefträger begegnete und etwas abnahm. Und nun flingelte es, und er
fam.
Ich bringe was mit. Rate."
Aber Annemarie ließ sich nicht darauf ein: Sie unter fuchte seine Tasche. Es war ein Brief mit dem Poststempel Danzig . Thea schreibt!"
Und noch im Stehen las Annemarie Theas Brief, der in dem fraufen Durcheinander der Buchstaben so gut Theas Seele widerspiegelte:
Jetzt ist unser Umzug beendet, und ich fann wieder fchreiben. Wir wohnen in dem fleinen Haus an der Prome nade, nicht weit vom Hauptbahnhof. Wir hörten, wenigstens zu Anfang, alle Züge ankommen und abfahren und friegen oft eine Portion Rauch ins Zimmer. Aber es ist ein fleiner Garten dabei, und Bater mußte ja eine andere Umgebung haben, jezt, wo er das Geschäft abgegeben hat und nicht an die Bergangenhet erinnert werden darf.
Seit seinem Schlaganfall bei Hermanns Lob hat sich Bater nicht wieder erholt. Er geht nur an Krücken und fallt mehr, als er spricht. Gott sei Dant hat ihn das Gedächtnis für vieles verlaffen. Er glaubt Hermann noch immer lebend und sieht ihn nur als fleinen Jungen vor sich. Ruf mir doch Hermannchen", bittet er bann. Ich will ihm doch was
höhung des Breites für die übrige, zum freien
Bertauf gelangende Bollmilch. Die Emulfionsmilch In der Berhandlung gab Großmann zu, diese Waffen auf wird wiederum in Höhe von zirka 70 000 Liter täglich im Dezember Ersuchen von Mitgliedern der Konsumgenossenschaft vorübergehend hergestellt werden. Ihre Herstellung toftet 6,61 M. Da die wichtigen untergestellt zu haben, ohne daß er sich dabei etwas Böses dabei Gründe, die bisher für die Bildung eines einheitlichen Abgabepreises gedacht habe. Es wurde dann auf Grund von Mitteilungen, ausschlaggebend waren, sich nicht geändert haben, so muß diefer die der Polizei zugegangen waren, die ganze Rostoder Straße nach Milchpreis für die zum freien Berkauf gelangende Frischmilch und Waffen durchsucht. In dem von Stein sen verwalteten Hause für die Emulfionsmilch auf 6,20 m. je Liter festgelegt werden.| Rostocker Str. 2 fand man in einem Steller, zu dem Stein sen. ten
schenken", und er sucht in allen Taschen herum. Ach, Annemarie, wie schlimm ist es doch, schenken mollen und nicht fönnen.
Neulich abends, als er die Rosen im Garten beschnitt, die kümmerlichen drei Rosenstöcke, die jetzt sein ganzer Stolz find, scheint ihm plötzlich sein Gedächtnis für einen Augen blid wiedergekehrt zu sein. Er ließ die Schere fallen und sagte zu Mutter, die neben ihm stand:„ Ich weiß jetzt, was sich an uns rächt: Wir haben nicht genug geliebt, Minna. Wir haben unseren Kindern nicht genug Liebe gegeben." Mutter ist ganz blaß geworden vor Schreck; denn sie fürchtete einen Ausbruch. Aber er ist gleich wieder in seinen alten Zu stand zurückverfallen, hat wieder nach der Schere gegriffen und hat gesagt:„ Ich muß mich beeilen. Wenn Hermann fommt, muß ich fertig sein".
Mutter ist das Wort Vaters von der Liebe durch und durch gegangen. Sie hat mich in die Arme genommen und mir alles mögliche abgebeten, wie sehr ich mich auch gesträubt habe. Und sie hat zum ersten Male feit langer Zeit wieder geweint. Ich schrieb es Dir ja schon: Mutter hat bis heute feine Träne vergossen. Sie hatte soviel in ihrem Leben über Kleinigkeiten geweint, daß nun, wo es um Großes ging, feine Träne mehr übrig war.
Manchmal gehe ich heimlich zum Fischmarkt vor unser altes Haus. Ein Tuchfrige hat es mit Beschlag belegt und alle Etagen voll Rattuns und Schirting gestopft. Es ist ein gräßlicher Gedante. Aber es ist wohl gut so. In dem alten Hause weht keine rechte Luft für Menschen: Die Luft war wohl verbraucht in den vielen, vielen Jahren, wo es geftanden hat.
Aber schön ist es immer noch da. Die Dampfer fahren und tuten und heulen, und die Marttweiber find immer noch so grob, und die Fische immer noch so blant- filbern" fagteft Du immer. Und die Bowtes spuden immer noch ins Waffer.
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lehten Weihnachten feinen Kaffee und Zucker geschickt. Sie ist in ihrem Menschheitsglauben ein bißchen erschüttert. Man friegt bei ihr also nicht mehr den scheußlichen Kaffee. Pudel, mich schüttelt's, wenn ich daran denke.
Pfui
Nun weiß ich nichts Neues mehr und grüße Dich in alter Liebe und bitte, Deinem Mann einen freundschaftlichen Gruß zu bestellen. Und er soll einmal mit Dir herkommen, dann wollen wir hier gründlich bummeln und fidel sein und lachen. Ach, Annemarie, ich bin schon so lange nicht fidel gewesen. Ich füsse Dich, Kleines, Deine Thea.
P. S. Henning hat sich nach Thorn versehen lassen. An seinem Abfahrtstage bekam ich einen Blumenstrauß ohne Namen. Findest Du das nicht doch eigentlich nett von ihm?" Annemarie ging ins Zimmer und gab Lothar den Brief. ,, Darf ich?"
,, Ja, Liebster."
Annemarie ftand am offenen Fenster, während er las. Als er fertig war, trat er zu ihr. Sie wandte sich halb um und legte den Finger auf den Mund. Leise, leise! Hörst du nicht?"
Was hörst du?"
Ich höre die Glocken," sagte sie leise. Die Gloden der alten Stadt am Meer. Hörst du sie nicht auch?"
Er nickte lächelnd. Was läuten sie nur," Ich kann die Melodie nicht verstehen," sagte Annemarie und horchte noch immer in die Weite. Jekt höre ich dunkle Attorde wie eine Totentlage -oh, Liebster!"
Beide dachten an das zerbrochene Leben Hermanns, und beide griffen nach ihren Händen. Mitten in ihrem ersten Liebesglück war die dunkle Kunde von seinem Untergang zu ihnen gekommen: zuerst in der grellen Beleuchtung der Senfationsnotiz eines Allerweltsblattes, dann in einem verzweifelten Brief Theas.
,, Und nun?" fragte Lothar nach einer Weile. Denn er hatte wohl bemerkt, wie Annemaries Augen ihren trüben Schimmer verloren hatten und wieder hell und froh waren. Was hört du mun?"
Herman liegt nicht weit von Onfel Otto. Das Grab von Onkel Otto habe ich geschmückt, wie Du es angegeben. Es ist eine kleine Blumeninsel. Ach ja, das muß ich Dir noch ers zählen: Tante Tinchen schwört darauf, daß Onkel Dich hatte sieghaft über all ben wirren Klängen. Sie ist so einfach und ,, Eine lichte, fonnige Melodie ringt sich los und schwebt beiraten wollen. Und sie wundert sich mörderlich, daß Du boch so rührend... Lothar, ich glaube: sie ist wie ein Kindernicht an die Schöne Witwenpension gedacht hast Im lied übrigen ist sie sehr traurig. Denn ihr Stettiner Amoroso hat! Lothar nahm fie fest in seine Arme und füßte fie.