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mit dem Zusammenbruch der Pfälzischen Bank drohende Zer- rüttung der gesamten pfälzischen industriellen und gewerb- lichcn Kreditverhältnisie verhindert haben. Die Pfälzische Bank hat in etwa SV Orten Filialen und Depositenkassen, so in Mün- chen, Frankfurt a. M., Bamberg , Augsburg » Nürnberg und Fürth rechts des Rheines. Auf linksrheinischem Gebiet ist sie bis in die kleineren Städte vorgedrungen; sie spielte in Mann- heim, Pirmasens , Neustadt a. d. H., Zweibrücken usw. eine große Rolle. Kam der Pfälzischen Bank keine chilfe, so brach mit ihr Rondel und Gewerbe in ihrem gesamten Ausbreitungs- gebiet zu einem erheblichen Teil zusammen; hatte doch Mün- chen die Geldvorräte aller Filialen an sich gesaugt. Ende 1S2V betrugen die bei der Pfälzischen Bank und ihren Filialen lie- genden fremden Gelder rund 11VV Millionen! Seither war diese Summe wesentlich gestregen. Die Sanierung geht nach einen? einfachen und doch genia­len Plan vorsich. Die Filialen rechts des Rheines übernimmt die Deutsche Bank, die links des Rheines die Rheinische Credit- bank, ein Unternehmen, das zum Konzern der Deutschen Bank gehört und der Pfälzischen Bank geschäftlich nahestand. Die Deutsche Bank steckt also in Wirklichkeit das Gesamtgeschäft der Pfälzischen Bank ein. Damit hat sich unsere größte deutsche Bank mit einem Ruck wieder erheblich weiter ausgedehnt. Mit dieser Ausdehnung sicherte die Deutsche Bank zu- gleich die Deckung der gesamten Verluste der Pfälzischen Bank zu, soweit deren Aktienkapital» ausgewiesenen und geheimen Reserven nicht ausreichen. Es handelt sich um einen offen bleibenden Betrag, der wohl über 2VY Millionen Mark aus­macht. Die R Heinis cheCreditbank erhöht fetzt auf Grund der plötzlichen Ausdehnung ihres Geschäfts ihr Kapital um 120 Millionen Mark. Die Deutsche Bank erhätt von den jungen Aktien vvMillionepMark zumNennwert, zu pari. Dabei wird sie, da die Aktien der Rheinischen Creditbank er-: heblich übet 300 stehen, einen Kursgew inn von über 200 Millionen Mark erzielen. Es wird sich wohl um< einen Betrag handeln» der ausreicht, um die Kosten der über- nommenen Drckungsverpflichtung wieder einzubringen. So, dehnt sich unser größtes Bankinstitut erheblich aus und zahlt. dafür eigentlich'einen Pfennig. Man sieht att diesem praktischen Beispiel, welche Elastizität und welche Widerstandskraft im großen Finanzkapital stecken, wie es verdient und wie es sich auszudehnen versteht. Es wird jetzt ganz allgemein die Deutsche Bank wegen ihrer groß- zügigen Hilfe gelobt. Uns scheint, das Lob müßte mehr ihrer Organisations- und Dispositionsfähigkeit gelten und man sollte etwas genauer hinsehen. Dabei würde bald zu verstehen sein, warum die Deutsche Bank so freundlich geholfen hat. Der Bankkrach selbst, der doch nur ein Symptom ist, sollte aber der Reichsregierung ein letzter Wink sein, den Devisen- Handel schleunigst in geordnete Bahnen zu bringen. Da ge» nügt durchaus nicht dieeidesstattlicheBersicherung über Devisenbesitz in so einfacher Form, wie sie jetzt verschiedentlich debattiert wird. Das Reich muß dos Recht bekommen, die van Banken und Privaten im Inland und im Ausland gehandelten Devisen vorerst jederzeit statistisch klar erkennen zu können. Es bleibt dabei die Frage zu erwägen, ob man dann nicht unter Rückendeckung gegen in- oder pleudo-ausländischen schwarzen Devisenhandel für die Devisen den gleichen Depotzwang wie für die Effekten einführen soll. Sobald die Reichsregieruna erst ein- mal erkennt, welche Mengen von Devisen in Deutschland und hei Deutschen auch auf ausländischen Konten dauernd schwimmen", dann wird sie, durch den Umfang der sich dabei ergebenden Zahlen erstaunt, gar nicht anders können, als daß sie zufaßt. Man komme uns nicht mit der Behaup- hing, daß sich das nicht kontrollieren lasie. Es erscheint ganz ausgeschlossen, daß die chundermillionen-Engagements der Münchener Filiale der Pfälzischen Bank in den Büchern un- sichtbar gewesen sind. Liefen sie doch in ihrer Mehrheit z. B. auch über die Konten Berliner Banken und hier mußten sie auch wieder sichtbar werden.

Wo ekn Wille ist, da ist auch ein Weg. Und wenn der Zusammenbruch der Pfälzischen Bank, der überdies durchaus nicht der einzige zu bleiben braucht, diesen Willen stärkt, weil er eine Gefahr für das gesamte deutsche Wirtschafts- leben signalisiert hat, dann hat auch er etwas genützt.

Der Zoll Schellen. Ztlunchen. 9. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Die Meldung daß der preußische Eeschöststräger in München , Ministerialrat Schellen, einen mehrwöchigen Urlaub angetreten, hat in der bayerischen Presse den Streit um diesen Mann wieder neu aufleben lassen. Die sozialdemokratische und demokratische Presie erneuert ihre Anklagen, daß Schellen durch seine deutschnationalen Zllachen- schasken lediglich Konflikte zwischen Bayern und dem Reich Herbei� führen und den Wiedereintritt der Deutschnationalen in die Regie- rung erreichen wollte. Jetzt geben selbst rechtsstehende Blätter zu, daß Schellen vor einem Bierteljahr den preußischen Ministerprasi- denten Stegerwald veranlaßt hat, im Berfa ssungsstreit zwischen Bayern und dem Reich dem Reichskanzler Dr. WirtH in den Rücken zu fallen. Erfreulicherweise warnt das führende Organ des linken Flügels der bayerischen Bolkspartel, dieAugsburger Postzeitung", dringend davor,preußischen Kastengeist und preußische herrsch- sucht mit dem berechtigten bayerischen Föderalismus zu verwechseln". Die Interessen Bayerns ", schreibt sie,fallen immer noch mehr mit denen des Reiches zusammen wie mit denen des A k t p r e u- ßentums. hier kann allerdings die Person, die Preußen bei uns vertritt, von großer Bedeutung werden". Im übrigen benutzt die bayerische Rechtspresse die Beurlaubung Schellens zu scharfen An- griffen gegen den Genossen S ü d e k u m. Sie behauptet, daß seine Berufung als Staatskommissar für die Groß-Hamburger Frage der Dank der Reichsregierung für feine ihr in München geleisteten Dienste sei. H» Im bayerischen Landtag gab es wieder eine Lärmszene. Die Sozialdemokratische Partei hatte einen Antrag der USP. auf sofortige Entlassung der in Niedcrschönenfeld eingesperrten Land- tagsabgeordneten gegen die Front der bürgerlichen Parteien durch- zubringen versucht. Der Antragsteller führte u. a. aus:als kürzlich die Genfer Kommission in München war, habe sie sich sofort nach dem Abg. Toller erkundigt. Die Dramen Tollers, die im Aus- lande auf di e Bühne kommen, hätten viel mehr zur Achtung des»deutschen Namens beigetragen, als alle Reden der Abgeordneten! der Bayerische » Dolkspartei". Hierauf erhob sich ein großer Sturm der Entrüstung auf der Rechten. Der Präsident schloß mit einer Rüge für den Redner die Sitzung., Natlonalüeutsche Iuüen. DerVerband nationaldeutscher Juden ", der von Dr. Max Naumann geleitet wird, hatte unlängst eine Bersammlung einberufen, zu der auchnichtjüdisch« Deutsche " aus allen Lagern geladen und erschienen waren. Der Vorsitzende wettertegegen alles undeutsche Wesen auch im jüdischen Lager" und forderte eine deutsche Einheitsfront aller national empfindenden Elemente. In der Debatte sprach der deutschnationale Herr v. Oppeln -Broni- k o w s k i. Er sagte, seine Partoi gelte und s e i zum großen Teil antisemitisch, doch befinde sich In ihr eine st arte Minderheit, die den antisemitischen Rummel nicht mitmache. Staatemlnistcr v. Posadowstn- Wehner, die Abgeordneten Ritter und Del- brück seien keine Antisemiten und kämpften energisch gegen den in der Partei herrschenden Unfug. Es fei zu hoffen, daß die Partei sich nicht länger von einer kleinen Gruppe Deutschvölkischcr tyrannisieren lassen werde. Der deutschnationale Redner wandte sich dann scharf gegen Ludendorff . Für die Deutsche Lolkspartei sprach der Abg. K e m p k e s fein Einverständnis mit den Zielen des Verbandes aus, an denen ihm dasbestimmt- Auftreten gegen das Oftjudentum" besonders gut gefällt. Bon den Demokraten sprach Abg. H e l m ck e, von der So- zlaldemokratle unser Genosse Erwin Barth gegen den Antsemitis- mus. Der Chefredakteur desBerliner Lokal-Anzeigers"(der mit

jüdischen Redakteuren stramm deutschnationale Polin? treibt), Herr Dr. O e st r e i ch, schloß sich ihnen an. Die ganze Veranstaltung, die jetzt seit Tagen in der rechts- stehenden Presse ausführlich kommentiert wird, nimmt sich recht seltsam aus. Denn unter vernünftigen Leuten sollte es doch ganz selbstverständlich sein, daß Menschen, die unter Deutschen in beut- scher Sprache und Kultur erzogen sind, eben nichts anderes fein können als Deutsche. Wenn sie zufälligerweise Juden sind, so haben sie allerdings neben den hundert Gründen, die für andere gelten, noch einen hundertsten, keine Antisemiten zu sein. Durch ein Kokettieren mit Parteien, in denen sie nicht geduldet oder wegen ihrer Abstammung über die Achsel angesehen werden, könnten sie sich nur verächtlich machen. Gerade wer von deutscher Kultur eine hohe Darstellung hat, wird in der antisemitischen Rassenhetze etwas ganz Undeutsches er- blicken. Und vom Standpunkt einer klugen deutschen Politik aus gibt es auch nichts Dümmeres als sie. Denn der größte Teil der in der Well verstreut lebenden Juden hat starke innere Beziehungen zum Deutschtum und kann nützlich wirken. Bekämen wir aber in Deutsch- land Zustände, wie sie in Rußland unter dem Zarismus herrschten, so würden sich diese Freunde zu Feinden verwandeln. Das ist, wenn man schon Gesichtspunkte der Jnternationalität und der Mensch- llchkeit nicht unmittelbar gelten lassen will, ein Grund, auch das oft jüdische Problem mit einiger Borsicht zu behandeln. Da die deutschnationale Politik nie etwas anderes gewußt� hat, als di« ganze Welt zum Haß gegen Deutschland zu erziehen, ist sie konsequenterweise auch antisemitisch. Das geistige Wesen der Deutsch - nationalen wird darum auch nicht von Delbrück und Posadowsky repräsentiert, sondern von Mulle. Der kommunistische Spitzelsumpf. Ein Hilferuf an die Sozialdemokratie. Die Zentrale der KPD. richtet an den Parteioorstand die öffent­liche Aufforderung, dahin zu wirken, daß die der Sozialdemokrati- schon Partei angehörigen Beamten alle i n d e r KPD. wirkenden Spitzel öffentlich entlarven sollen. Wir müssen es dem Partei- vorstand überlassen, ob er sich zu dieser Anregung äußern will, möch- ten aber von uns aus dazu folgendes bemerken: Die Aufforderung der KPD. -Zentrale entspringt der Derzweif- lung über die Tatsache, daß die KPD. bis oben hinaus mit Spitzeln durchseucht ist. Wenn aber die Zentrale eine Parallele zieht zwischen dieser Erscheinung und ähnlichen in der Zeit des Sozialistengesetzes, so geht sie vollständig fehl. Damals handelte es sich um Nichtgenlle- men, die von den Behörden dafür bezahlt wurden, daß sie sich in die Organisationen einschlichen, um dort Spionage zu treiben. Ein ähnliches System besteht heute nicht mehr, würden sich Anzeichen von ihm zeigen, so würden wir dafür eintreten, daß e« mit Stumps und Stil ausgerottet wird. Heute aber, bei der KPD. handelt es sich um eine Partei, in der sich moralisch nicht einwandfreie Elemente haufenweise zusammen- gefunden haben, um Leute, die zu jeder Lumperei fähig sind, heute zur Anstiftung gemeiner Derbrechen, morgen zur Anzeige ihrer Kameroden bei den Behörden. Kommen Anzeigen über ge- plante Gesetzwidrigkeiten, so sind die Behörden ver- pflichtet, sie nachzuprüfen. Das muß natürlich mit der allergrößten Vorsicht und mit richtiger Einschätzung des Eharakters der Anzeiger geschehen, aber es darf nicht unterlassen werden, weil sich die Behör- den sonst, wenn es wirklich zu Gewalltätigteiten und Blutvergießen kommt, den schwersten Borwürfen aussetzen würden. Darum wtrd die KPD. für ihre moraNsche Reinigung, die wir nicht für weniger notwendig halten als sie selbst, in erster Linie s e'l- der sorgen müssen. Der Versuch, die Spitzel auszumerzen, wird ver- geblich bleiben, solange die moralische Minderwertigkeit in der KPD . so wie bisher dominiert. Hat die KPD . einmal endgültig Schluß ge- macht mit dem illegalen Schwindel und den Putschverfchwörungcn, hat sie endlich ausgehört,«ine Zufluchtsstätte zweifelhafter Elemente verschiedenster Art zu sein, dann wird sich auch ihre Reinigung vom Spitzelwesen unschwer durchführen lassen, und die Sozialdemokra- tische Partei wird ihr gern dabei helfen. Denn eine so schmutzige Einrichtung, wie die berüchtigte T s ch e k a, die sowjetrussische Geheimpolizei, wollen wir bei uns nicht dulden!

Die Geeistn mit öer Spieluhr. Aon Max Hochdorf . Jede Nacht, wenn ich heimkomme, sitzt die Greisin auf dem tragenden Granit des Gartengitters und läßt die Spieluhr gehen. Jede Nacht werfe ich ihr einiges in den Schoß, und dann fängt sie on, mit leiser Stimme die Melodie der Musik mitzusingen. Sie mag fünfzig Jahr« sein, sie mag auch schon achtzig Jahne zählen. Jedes. mal will ich sie fragen, wie das sei und wie«s um sie stehe. Aber jedesmal'schlägt sie die Augen zur Erde, und es ist noch niemals möglich gewesen, ein Gespräch mit ihr zu führen. Sie hat im Hoch- sommer schon auf ihrem Sockel gelauert; der frostige Ostwind hat sie noch nicht vertrieben. So bleibt sie geheimmsvoll und traurig, und während der fünf Minuten, die der Heimweg noch dauert, füllt sie die Bedanken des Heimkehrenden aus. Sie muß doch eine Häufung haben» sie muß doch leben, obwohl sie halbtot scheint, es muß sich doch einer um sie kümmern, ein anderer als alle Menschen, die wvhloerpackt und fröhlich an ihr vorbeikommen. Manchmal stellte ich mich zu ihr. Ich wartete, sie sollte sprechen. Sie sprach niemals, sie fang nur, sie fang zirpend und eintönig:Das schönste Grab, das ich auf Erden Hab..." Das Leierkastenlied wurde nicht für di« Greisin gedichtet. Sie aber hat es ins Herz genommen, und es scheint, daß sie mit diesem wehmütigen, erschreckend trübseligen Singsang das Einzige verrät, was sie zu beichten hat. Das Grab, das Grab, das irgend- wo liegende, unbekannte mit vermodertem Grün bedeckte Grab ist ihre einzige Erinnerung. Ein Mensch, der jetzt nächtelang auf dem Steine sitzt, müßte krank werden, und wären feine Knochen auch kerngesund. Die Bettlerin mit der Spieluhr übersteht alles. Sie ist so schwach und doch stärker als die frischeste Jugend. Sie Ist ein rätsel« Haftes Wesen. Man staunt sie an wie irgendein vom Schicksal ab- geschieudcrtes Splitterlein. Man beklagt sie und fragt, warum die Obrigkeit sich um die bettelnde Greisin nicht kümmert. Rätsel über Rätsel und keines zu lösen. Ich habe beobachtet, daß auch ander« Leute neugierig waren und an die bettelnd! Sängerin«in freundlich fragendes Wort richteten. Sie hat niemals geantwortet. Sie hat immer nur ihre klapprige Spieluhr gedreht und gesungen. Da sie keine Antwort geben will, ist es nutzlos; weiter in sie zu dringen. Die Greisin ist vielleicht«in sehr irdisches Stücklein Unglück. Sie ist vielleich auch ein sehr irdisches eigensinniges und verstocktes Landstreichergemüt. Sie ist vielleicht aus allen diesen Gründen ein sehr seltsames, über die Erde emporgehobenes Seelchen. Sie ist, we»» sie so bewegungslos hockt, beleuchtet nur von nebligem Later- nenlicht. die Augen niederschlagend und das Gesicht in ein schwarzes Tuch einhüllend, anzusehen wie ein steinernes Denkmal. Wer mit einem Gewissen vor das Bildnis tritt, wird den Zeigefinger auf di« rnanchmal�taumelnden. Nachtwandler, ausstrecken, und ritten:Eure. *»e'-»-»

SchuldI" Wer in Leichtfertigkeit vor das Bildnis tritt, wird die Achseln zucken und ssch brüsten:Gott sei Dank, daß ich..." Vielleicht hat der Gewissenhafte allein recht. Es ist möglich, daß der im Leichtsinn die Gedanken Abschüttelnde nicht minder auf sein Recht pochen darf. Die Greisin auf dem Gariengittrr löst von sich aus und durch ihr« Deutung das Rätsel nicht. Sie dreht mir ihr Spielwerk und singt dazu: Das schönste Grab, das ich auf Erden Hab..."

Der Name der Slawen. Ueber die Bedeutung des Wortes Slawen", der Bezeichnung der großen osteuropäischen Völkerfamili«, die jetzt mit neuen Staatenbildungen auf den Plan tritt, Ist viel ge­stritten worden, wohl ebenso viel wie über die Herkunft des Wortes Germanen ". Alle diese Volks- und Rassennamen verlieren sich im Dunkel der Urgeschichte. Die Russen leiteten den Stammesnamen gern von dem WorteSlawa" ab, wasRuhm" bedeutet. Die Slawen wären also dieBerühmten". Aber diese dem nationalen Chauvinismus entsprungene Deutung ist nie ernst genommen wor» den. Eher schien ein« andere Ableitung Sinn zu haben. All« slawi» schen»ölker bezeichnen bekanntlich die Deutschen als �Nemetz" oder ,Mlemci" oder dgl., je nach dem Dialekt. Das Wort bedeutet stumm". Die Deutschen wurden als Stumme bezeichnet, weil man sich mit ihnen nicht verständigen tonnte. Im Gegensatz dazu würden die Slawen als oie.Fiedenden" zu denken fein,Slovo " bedeutet das Wort". Neuerdings ist eine andere Erklärung aufgetaucht, die das Wort Slawen von einem gotischen StammSlawan" herleiten will. Dies Wort bedeutetSchweigen", es wäre also das gerade Gegenteil von denRedenden". Man hätte also zu denken, daß die alten Goten ihre slawischen Nachbarn, mit denen sie sich schwer unter» halten konnten, ebenso alsSchweiger" aufgefaßt hätten, wie diese ihrerseits aus demselben Grunde in den GermanenStumme" sahen. Ob dieser Erklärungsversuch mehr Wahrscheinlichkeit enthält als die anderen, wagen wir nicht zu entscheiden. Dieselbe Unsicherheit wiederholt sich bei den Namen der einzelnen Slawenvölter, den Tschechen, Polen , Wenden usw. Den Namen der Kroaten beispiels» weife hatten ältere Gelehrte von den Karpathen abgeleitet, was aller- dings unwahrscheinlich klingt. Ein neuerer Forscher, Basmer in Leipzig , denkt an das iraniicye WortHaurvatar". zu deutsch Vieh- Hüter", da sich die östlichen Slawen sicher mit iranischen Stämmen im Kaukasus berührt haben, wäre ein solcher Zusammenhang nicht aus- geschloffen. Es ist indessen zu bemerken, daß die Kroaten ziemlich die am meisten westlich vorgeMwbenen Slawen sind. Das Wort würde also dann aus einer Urzeit stammen, als die Slawen noch fern im Osten vereinigt waren. rn. »Die Reichsfchulkonferenz 1920, ihre Borgeschichte und Barbe- reihrng und ihre Verhandlungen" heißt der Titel eines 1100 Seiten starken Bandes, den soeben endlich! das Reichsministerium des Innern herausgibt.(Verlag von Quelle u. Meyer, Leipzig .) Dieser amtliche Bericht wird in Zukunft ein Nachschlagewerk wich- tigster Art sein, aus dem sich jeder an pädagogischen Fragen Jnter- essierte an der Hand eines oortresfllchen Registers schnell über di« wichtigsten Gesichtspunkte fast aller in. Deutschland irgendwie

führenden Schulleute unterrichten kann. Die Reichsschulkonfcrcnz führte Menscken und Metnungen zusammen. Das bedeutet für die Zukunitsarbeit sehr viel, auch wenn die Kampfftagen des Tages wellliche Schule, sittliche Erziehung, Geschichtsunterricht usw. ab­sichtlich ausgeschieden wurden und damit der aktuelle Lüsungswert der Konferenz fast ganz verloren ging. Es war eine große Heer- lchau des Geistes, an die nur diejenigen ohne Genugtuung zurück- denken müssen, die unter falscher Flagge fochten oder die seitdem scho» da» Lager wechselten. Dies Buch hat also den Wert eines zeitgesajich Jüchen Ouellenwerkes. P. De . Die Entdeckang eiaer Nebelstraße am Himmel. Di« Erkenntnis einer Straße von dunkle» Nebeln, die sich außerhalb der Milch- straße über den ganzen Himmel erstreckt, ist dos Ergebnis von astronomischen Beobachtungen auf der vatikanischen Sternwarte in Rom , über die I. G. Hagen in denNaturwissenschaften" berichtet. Einzelne dunkle Felder am Himmelsgewölbe waren schon früh auf­gezeichnet, aber zunächst wenig beobachtet worden. Je genauer man die Himmelsräume erforschte, desto häufiger wurde dann aus dunkle Felder am Himmel hingewiesen, aber es fehlte noch die Ein- ficht, daß dies« kosmischen Wolken ein zusammenhängendes Ge- bilde sind. Erst als di« Nachtbeleucktung der Stadt Rom infolge der Kriegonöre verschwand, wurde aus der Sternwarte des Vatikans der Zusammenhang der dunklen Nebel diesseits und jenseits der Milchstraße eaügüuig festgestellt. Die neuen Erkenntnisse, die sich auf Grund von zehnjährigen Beobachtungen ergeben, lassen sich da- hin zusammenfassen, daß der ganz« für uns sichtbare Himmel init nichtleuchtendsn Nebelmassen überzogen ist. Innerhalb der Milch- straße sind die Nebelschleier dünner und liegen weiter auseinander, doch wird ganz klarer Himmel nur in der Näh« von dichten Stern- Haufen angetroffen. Die nichtleuchtenden kosmischen Nebel sind um so dichter» je sternärmer die betreffende Himmelsgegend ist. Die tieinen selbstleuchtenden Nebelflecke, die bereits früher festgestellt wurden, finden sich gerade da am häufigsten, wo die dunklen Wolken am dichtesten sind. Noch viel auffallender aber ist die Tat- fache, daß dies« Nebelslecke sich mit Vorliebe an den Rändern der nichtleuchtenden Wolken aufhalten und das Innere dunkler Flächen- räume zu vermeiden scheinen. Aber nicht nur die hellen Nebel- flecke, sondern auch die Sterne zeigen ein besonderes«erhalten den kosmischen Wolken gegenüber. Der Rand einer dichten Nebelwolke ist sehr häufig von Sternen, meistens von solchen der 8.«der 9. Größenklasse, wie von einer Perlenschnur eingefaßt. Aus der Entdeckung dieser Nebclstraße lassen sich nun sehr wichtige Schluß- solgerungen ziehen, vor ollem die, daß die dunklen Nebelmassen der Stoff sind, aus dem sich die Sterne gebildet haben. Das Bild. da» wir uns nach diezen neuesten Beobachtungen vom Weltall zu bilden haben, ist dieses, daß der Weltraum bis zu einer Grenze mit nichtleuchtenden Massen angefüllt ist und daß das Cternensystem der Milchstraße sich innerhalb dieser Massen gebildet hat. also von dunklen Wolken allseitig umhüllt wird. Eine neue Privatdozentia an der UniversitSt. her philo-

wird ein lehr»eilgemätze» Thema behauSela! der deutsches Lsdustrie.|

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