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de? baperisthe Lauernbunü gegen rechts. München . 13. Dezember.(Eigener Drahtberlcht.) Die Genera!» Versammlung des Bayerischen Bauernbundes hat den bayerischen Reaktionären große Enttäuschung bereitet. Sie l e h n t c n nämlich so ziemlich alle Forderungen der bayerischen Reaktionäre ab, wie z. B die Schaffung eines eigenen bayerischen Staats- Präsidenten und die Errichtung einer bayerischen Gesandt- s ch a f t in Stuttgart und Karlsruhe . Die Debatte ergab, daß sämt­liche Redner des Bayerischen Bauernbundes der Anschauung waren, daß die bayerische Mittelpartei(Deutschnationale Volks- parte!) durch unverantwortliche Katastrophenpolitit die bayerische und die deutsche Politik schwer gefährdet habe und daß eine K o a l i e r u n g mit den Deutschnationalen von feiten des Bayerischen Bauernbundes auf die größten Schmie- rig ketten stoßen werde. ßehrpreiserhöhung und Sieölungspolitik. Aus Siedlerkreisen wird uns geschrieben: In der heutigen Mcrgennummer des.Vorwärts� lese ich unterReichsbahn und Eisenbahnländer", auf wie eigentümliche Weise das Defizit der Eisen- bahn zustande kommt und errechnet wird. Man schätzt aber trotzdem anscheinend die breite Oeffentlichkeit so uninteressiert ein, daß man sich schon wieder mit weiteren Erhöhungen der Fahrpreise befaßt, die erst am 1. Dezember um 30 Proz. hochgeschraubt worden sind. Mit dem l. Februar vielfach verlautet es sogar: bereits am 1. Ja- nuar soll eine abermalige Erhöhung der Fahrkartenpreise um S0 bis 75 Proz. in Aussicht genommen sein; dieTägl. Rundschau" spricht in ihrer Mvntag-Abendausgabe sogar von einer chinauf- schraubung des Fahrpreises auf das Zwanzigfache der Friedens- preise. Den Bergnüzungsreisenden, den Fahrgast aus dem Auslande mit hoher Valuta, den chandlungsreisenden, der die erhöhten Fahr- kostenpreise einfach auf seine Ware aufschlagen kann, mag da wenig berühren. Nicht aber den Siedler. Er, der sich aus persönlicher Neigung oder veranlaßt durch die Agitation, die für den Siedlungs- gedanken mobil gemacht wurde, aufs Land hinauslocken ließ, sieht sich allgemach Beförderungstarifen gegenüber, die ihm die Existenz erbarmungslos ruinieren. Denn auch seine Monats- oder Wochen- karte wird von der allgemeinen Verteuerung der Fahrkarte jedesmal prompt in Mitleidenschaft gezogen. Wohnt er nur 50 Kilometer von seiner Arbeitsstätte entfernt(etwa Fürstenwalde, Müncheberg , Ebcrswalde, Wriezen ), so muß er für die Monatstarte in der vierten Wagenklasse jetzt rund 135 M. zahlen. Tritt die neue Erhöhung in Kraft, dann wächst der Fohrpreis auf 200 bis 225 M. an. Bei einer Entfernung von 100 Kilometern(Frankfurt a. d. O., die Ortschaften am Plauener See usw., wo sich gleichfalls vielfach Leute angesiedelt haben) zahlt er das Doppelte. Seine billige und bequeme Stadt- wohnung hat er seinerzeit, aufgegeben, teils aus Liebe zur Natur, teils um mitzuhelfen, die Wohnungsnot zu mildern. Zurück in die Stadt, wo er selbstverständlich keine Wohnung findet, kann er nicht mehr. Jetzt präsentiert ihm der Staat die Rechnung. Hier muß unbedingt eingegriffen werden, damit die«isenbahnfiskalischen Bäume nicht vollends in den chimmel wachsen. Der Angestellte, der Arbeiter, der kleine Beamte, die das chaupt- kontingent zum Siedlertum stellen, können die geplanten Fahrpreise ganz unmöglich bezahlen. Mit jener Fahrkarte, die zum halben Preise die Fahrt zur Arbeit am Montag und die Fahrt von der Arbeit am Sonnabend gestattet, ist den Siedlern nicht gedient. Sie, die auf eine lohntragende Erwerbsmöglichkeit angewiesen sind, haben die Stätte ihrer Siedlungsarbeit mit Absicht so gelegt, daß sie an jedem Abend sich für einige Stunden ihrer Familie und ihrem kleinen Anwesen widmen können. Diese Absicht soll und darf man ihnen nicht zerstören, denn man zerstört dadurch den ganzen Sied- lungsgedanten überhaupt. Aufgabe der beschließenden Körperschaf- ten ist es daher, hier schleunigst und gründlichst die drohende Gefahr abzuwenden, die sich zu einer furchtbaren Katastrophe für zahlreiche Famllien auszuwachsen anschickt. Unsere Forderung ist: Gebt uns, die wir aus der Großstadt aufs Land hinausgezogen sind, Fahrkarten, die bei erschwinglichen Preisen zum täg- lichen Gebrauch berechtigen. Der Kampf im öerliner tzoch- unü Setonbaugewerbe. Bekanntsich haben die Berliner Bauarbeiter sowie alle an dem Tarifvertrag beteiligten Arbeitnehmerorganisationen den Schieds- lpruch des Bezirkslohnamtes abgelehnt. Es kam auf einzelnen Bauten zur Arbeitseinstellung. Die Folge war, daß der Verband der Baugeschäfte von Groß-Berlin die Aufhebung der Einzelstreiks forderte, andernfalls er zu Abwehrmaßnahmen greifen würde. Der Aussperrungsplan war bereits vorbereitet und war an dessen Der- wirklichung kaum noch zu zweifeln. Am Montag wurde von der Unternehmerorganisation das schärfste Geschütz in Stellung gebracht, um die Berliner Bauarbeiter zu erdrosseln. Die noch in Arbeit stehenden Mitglieder der baugewerblichen Arbeitnehmerverbände wurden mit einem Abkehrschein beglückt, der die Aussperrung aus- spricht. Die Bauarbeiter Groß-Berlins werden sich damit abfinden. Sie haben schon so manche Feuerprobe bestanden und sind im Kampfe um die Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen groß ge- worden. Ihre Schuld ist es jedenfalls nicht, wenn das Wirtschafts- leben durch den Kampf mit dem Berliner Baugewerbe erneut er- schüttert wird. Sie kämpfen nicht nur um des Kampfes willen, son- dern um den Stundenlohn, der in anderen Orten bereits gezahlt wird, und den auch die Berliner Bauarbeiter benötigen, um leben zu können.___ GroßSerüu Weihnachten naht... Wer das wenig freundsiche Treppenhaus im zweiten chof des Vorwärtsgebäudes emporstieg, die schwere, geheimnisvolle Tür im dritten Stockwerk öffnete, wurde beim Eintritt in das renovierte Ju- gendheim angenehm enttäuscht. Die Farben waren zur rechten Zeit trocken geworden. Der neugierige Beschauer wirft einen fragenden Blick auf das expressionistisch anmutende Stuhlchaos am Eingang und wendet sich einem der in der Mitte stehenden Tische zu. Künstlerischer Wandschmuck bietet sich dem Auge dar. Es war kein schlechter Gedanke, die Reproduktionen von Strich, und Kohlezeichnungen in den Mittelpunkt des Dargebotenen zu rücken. Als eine ernsthafte Frage gewissertnaßen: Wasschmückt" die vier Wände deiner Be- hausung? chinweg mit dem schreiend-bunten Kitsch. Zur Rechten liegt auf langen Tischen systematisch geordnet gute Literatur zu Betrachtung und Kauf.- Förderer der Jugendarbeit finden die einschlägigen Schriften über die Arbeiterjugendbewegung und ihre Gegner zusammengestellt. Die kleine Broschüre von Julian Borchardt Wie sollen wir unsere Kinder ohne Prügel erziehen?" sollte auch vielen Arbeitercltern auf den Weihnachtstisch gelegt werden. An einem Everdings scheint es zu fehlen, an kleinen, auf die Psyche der junaen Menschen zugeschnittenen Ausklärungsschriften. Im übrigen weist die ausgestellte Literatur die notwendige Zweiteilung zwischen Mterhaltenden und belehrenden Büchern auf. Da» Bilderbuch für

Die öerliner Kommunalpolitik der SPD . Konferenz über die Grundsätze und Richtlinien.

Die erste nach den Stadt- und Bezirksverordnctenwahlen ver- anstaltete Konferenz der zur SPD. gehörenden Stadt- und Bezirks- verordneten imd Magistrats- und Bezirksamtsmitglieder hörte ein Referat des Genossen Hugo Heimann überUnsere S t e l- lung in der Berliner Kommunalpolitik". Die beste Richtschnur für unser Handeln sehe ich, führte Heimann aus, in dem gesunden sozialdemokratischen Denken und Emp- finden der Genossen, die berufen sind, in unserer Verwaltung sozialdemokratische Grundsätze zur Geltung und zum Durchbruch zu bringen. Das macht sedoch nicht überflüssig, für unsere kommunale Tätigkeit uns bestimmte Richtlinien zu ziehen, wenn solche auch nicht für olle Fälle passend festgelegt werden können. Für unsere Partei sind in der Stadtgemeinde und in mehreren Verwaltungsbezirken die Verhältnisse schwierige als vorher geworden, wcll die Wahlen ein unbefriedigendes Ergebnis gebracht haben. Die unselige Parteispoltung, die Vergiftung des öffentlichen Lebens durch die von den Unabhängigen und den Kom- munisten eingeführte Kampfesweise hat der Arbeiterklasse schwer ge- schadet. W i r haben bei der Wahl besser äbgkschnittcn, aber Schaden hat erlitten die Gesamtheit der Linksparteien und damit die Sache des Sozialismus. Doch auch unter diesen geänderten Verhältnissen muß leiiender Grundsatz für uns bleiben, daß wir an jeder Stelle und mit aller Kraft mit- arbeiten, um die Interessen der Minderbemittel- ten zu wahren und zu fördern. Wir dürfen nicht beiseite stehen und den Bürgerlichen nach ihren in der Wahlagitation ge- machten Versprechungen sagen, daß s i e zeigen sollen, was sie können. Es gibt freilich Situationen, in denen wir die Herrschaften darüber belehren müssen, wie begrenzt ihre Macht ist. Aber wenn wir Ob- struktion bei jeder Gelegenheit machten, so könnte das die Bevölke- rung schädigen. Bei manchen Fragen, wie es z. B. die der Er- Haltung und Mehrung kommunaler Betriebe ist, handelt es sich darum, wichtige sozialistische Interessen mit allen Mitteln. zu verteidigen. Redner beleuchtete dann die komplizierte Situation, daß in der Stadtverordnetenversammlung und im Magistrat und in manchen Bezirksversammlungen ganz verschiedene Mehrheiten bestehen. Dar- ans folgt die Notwendigkeit, Bundesgenossen zu suchen. Aufs allerlebhafteste würde ich, sagte Genosse Heimann, es begrüßen, wenn wir mit den uns am nächsten stehenden Unabhängigen zu einer Ar- beitsgemeinschaft kämen. Es kann gar nicht zweifelhaft fein, daß in allen Leb snsf ragen.de s Sozialismus wir gegen die Bürgerlichen in einheiilicher Front mit den Unabhängigen und selbst mit den Kommunisten zusammen- stehen müssen. Aber in vielen Einzelfragen haben auch die Unab- hängigen sich bisher durchaus unzuverlässig erwiesen(Zurufe: Sehr richtig!), weil sie gegenüber den radikal klingenden Phrasen der Kommunisten ins Hintertreffen zu kommen fürchteten. W i r haben den Mut zurUnpopularität" gehabt, und es kann uns jetzt mit Genugtuung erfüllen, daß die Arbeiterklasse immer mehr, wie sich bei allen Wahlen der letzten Zeit gezeigt hat, uns als die besten Vertreter ihrer Interessen erkennt. Das muß uns darin bestärken, zwar jederzeit zur Verbindung mit den Unab- hängigen bereit zu sein, aber nur auf der Grundlage, daß

die Verantwortung von beiden Teilen getrogen wird, innerhalb und außerhalb. Auch Bundesgenossenschast mit den Kommunisten kann vorkommen, wie z. B. jetzt, wo bei den be- vorstehenden Wahlen zu den zentralen Deputationen die drei Links- Parteien eine Listenverbindung eingehen, um gegenüber den Bürger» lichen besser abzuschneiden. Hesiigste wirtschaftliche kämpfe werden wir sehr bald mit den B 2 r g e r l i ch e n auszufechten Habs». Die Demokraten sind nach ganz kurzem Aufschwung wieder auf das Niveau des alten Kommunalliberalismus hinabgesunken. Ihr erster und ausrichtigster Wunsch ist, die Kommunal» betriebe wieder dem Privatkapital zu erschließen. Hierin werden sie Unterstützung finden bei der Wirtschaft- lichen Vereinigung und bei der Deutschen Volks- partei. Dagegen sollen bei den D e u t s ch n a t i o n a l e n in die- er wichtigen Frage zwei einander entgegengesetzte Strömungen be- testen. Für uns ist nötig, daß wir eine feste, nicht hin und her chwankende Haltung einnehmen. Das Verhältnis der Stadtverordneten zum Magistrat und der Bezirksverordneten zu den Bezirksämtern wünschen wir zu gedeihlichem Zusammen» wirken so, daß unsere im Magistrat und in den Bezirksämtern sitzen- den Genossen an den Beratungen unserer Fraktionen teilnehmen. Wo Differenzen nicht zu beseitigen sind, müssen beide Teile in vollix Loyalität die Verantwortung sllr ihr abweichendes Tun tragen. Die Erfüllung unserer materiellen Forderungen wird jetzt durch die finanzielle Notlage Berlins sehr erschwert. Die große Mehrheit der deutschen Kommunen ist sogar in noch viel schlimmerer Not. Wie stände es um uns, wenn nur ein winziger Teil der für den Krieg vergeudeten ungeheuren Mittel rechtzeitig für Kultur- aufgaben verwendet worden wäre! Genosse Heimann schloß: Die Arbeit in den Gemeinden ist er- heblich schwieriger als in den Parlamenten der Länder und des Reiches. Es handelt sich um eine äußerst verwickelte Verwaltungs- tätigkeit, die Tag für Tag neue Probleme aus der Not der Zeit entstehen läßt. Auch wird die kommend« neu« Städte- ordnung. so nötig sie ist, durch neue Umwälzungen zunächst sehr störend auf die Verwaltung wirken. Dcch oll diese Schwierigkeiten dürfen uns nicht niederdrücken, sondern müssen unseren Arbeitsmut nur noch steigern.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion erwähnte Genosse Lüdemann, daß in Wilmersdorf die SPD . schon bei den Wahlen eine Listenverbrüd«- rung mit den Unabhängigen eingegangen ist und daß dort unsere Fraktion die Unabhängigen als Hospitanten aufnimmt. Er ver- mutet, daß bei dem Notschrei der Städte ein Wunsch der Dürgerüchen, s i ch von kommunalen Steuern zu drücken, mitspricht. Für unsere in« der Verwaltung Berlins und der 20 Bezirke tätigen Genossen empfiehlt er Schaffung eines kommunalpolilifchen Sekre- tariats. Der Vorsitzende, Genosse Franz Krüger , bedauerte, daß die Kostenhöhe das unmöglich macht. Gegen Lüdemann erklärte Genosse H e i m o n n, daß ohne Hilfe vom Reich die Gemeinden nicht weiter können. Dieser Konferenz sollen andere folgen. In ihnen sollen wichtige Einzelfragen erörtert werden, z. B. das Siedlungswesen, die Schul- reform, die Kommunalisterungsfrage.

den Abz-Echützen, Märchen und Bonsels Kinderroman von der Biene I Maja für das nach Beschäftigung mit dem Unglaubwürdigen suchende Kind, Sven Hedins Reisen für den an Abenteuern sich begeisternden Zehn- mid Zwölfjährigen, die Bände der Klassiker sür den fprtge- schrittenen Schüler, gute Romane für Jung und Alt reihen sich an- einander. Leichte Einführungsschriften in sozialistiseh« Gedanken- gange, Broschüren, die dem strebenden Arbeiter in langen Jahren lieb und wert geworden sind, ergänzen das dargebotene Schrifttum. Wiederum auf einem Mitteltisch harren Tisch- und Brett- spiele des Käufers. Im Hintergrund, beim Eintritt nicht sichtbar. hat die Abteilung für Wanderausrü st ungsgegen stände ihr Lager aufgeschlagen. Do findet die Jugend alles, was sie braucht: der Bursche Hemd, Hose, Rucksack oder Brotbeutel, das Mädel Turnhose und Wanderkleid. Der Dermögend« vermag sich außerdem eine ganze Aluminiumwirtschaft sür die Wanderung zu» sammenzustellen. Unter günstigeren äußeren Umständen soll die Ausstellung am nächsten Sonntag wiederholt werden. Wer sie veran- staltet hat, wer der Arbeiterschaft in teurer Zeit Gelegenheit geboten hat, ihre Wcihnachtseinkäuse verhältnismäßig billig zu erledigen? Es Ist ein Wert der Berliner Arbeiterjugend.

?m Kampf gegen öen Lefesthunü. Die erste Veranstaltung der Neuköllner Jugendpflege- wache war ein Vortrag des Landaerlchtsdirektors H e l l w« g (Potsdam ) über denEinfluß der Schundliteratur auf, die Kriminalität der Jugendlichen". Hellwig betonte, daß es in dieser Sache nicht auf die Absicht, sondern auf die Wirkung! ankommt. Die häufigen Zeitunosnachrichten über die Verursachung der Gesetzesverletzungen Jugendlicher durch Schundlektüre feien, wie er festgestellt hat, oft unzutreffend. Daraus folge aber nicht, daß nicht doch noch recht oft ein solcher Einfluß bestanden hat. Die Wirkung des Leseschundes hängt ob von der Anlage des Kindes und von der Beschaffenheit der Umwelt, aber auch von der Erziehung. Besonders groß sei die Gefährdung der abnormen, psychopathischen Kinder. Gewiß sei die Schundliteratur keine Verbreckiensursache ersten Ranoes. sondern nur eine Hilfsursoche. Ihre Wirkung fei in neuerer Zeit von manchem überschätzt worden, ober man dürfe sie doch auch nicht unterschätzen. Bei dem Kampf gegen die Schundliteratur seien neben den bemmenden Maßnahmen die auf- bauenden die Hauptsache. Ohne Gesetzesoorschriften werde man nicht auskommen. In der Diskussion empsahl Stadtrat Schneider(Neukölln ) ein aktives Vorgehen Man hat in Neukölln den Schulkindern durch Eintausch guter Bücher eine unolaubliche Menge Leseschund abgerungen. Auch auf die Buch, und Ponlerhändler bot man er- folgreich eingewirkt. Kreisjugendpfleaer Blume bestätigte aus seinen Erfabrungen, daß es eine wichtige Aufgabe ist, auch die Händler kür den Kampf aeoen den Leseschund tu gewinnen. In ähnlichem Sinne äußerten sich mehrere andere Redner. Jugend- xfleger Timm wies auf die Mitarbeit der Jugendbewegung hin. Eine Entschließung forderte das in Aussicht gestellte Gesetz zur Bekämpfung der Schundliteratur. Die mit der Iuaendpflegewoche verbundene Ausstellung ist tätlich von 10 10 Ubr gegen 50 Vf. Eintrittsgeld geöffnet. Zu den Vorträgen werden Gäste gegen 2 M. Eintrittsgeld zugelassen.

Emmi öaumana. Ein fünftes Opfer de» Massenmörders Großmann. Bekanntlich tonnten bisher dem Mädchenmördcr Großmann nicht weniger als vier Mädchenmorde nachgewiesen werden. Nun- mehr haben die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergeben, daß Großmann auch ein Mädchen namens Emmi Baumann, dessen Personalien bisher nicht festgestellt werden konnten, auf dem Ge- wisse« hat.

Seinerzelt wurde bei einer Durchsuchung der Wohnung Groß- manns in der Langcstraße ein Buch gefunden, aus dessen Deckel der Name Emmi Baumann stand. Es stieg sofort der Verdacht gegen ihn auf, daß auch dieses Mädchen dem Der- orecher zum Opfer gefallen ist. um so mehr, als olle Nachforschungen nach deren Derbleib ergebnislos blieben. Qstvst' mann wollte die näheren Personalien der Emmi Baumann nicht kennen. Der Kriminalpolizei ist es jetzt nach vielen Mühen ge- lungen, die Persönlichkeit dieses Mädchens festzustellen. Es handelt sich um eine 1902 in Kirchdorf in Mecklenburg geborene Emmi Baumann, die schon seit Jahren ihre Eltern verlassen und sich in Berlin umhergetrieben hotte. So wurde sie im Dezember 1920 gelegentlich einer Hotelkontrolle in einem Gasthause in der Koppenstr. 100 festgenommen. Bei der Aufnahme der Per onalien leistete sie ihre Namensunterschrift und diese wurde mit dem Nomenszuge auf dem bei Großmann gefundenen Buche verglichen. Dabei stellte sich heraus, daß diese Beiden genau über- einstimmen und die damals festgenommene Baumann mit der bei Großmann wohnhaft gewesenen identisch ist. Es konnte weiter fest. gestellt werden, daß die Emmi Baumann, weil sie krank war, von der Polizei in das Virchow-Krantenhaus eingeliefert worden war. Dort wurde sie dann am 17. Januar d. I. entlassen. Im Februar oder März erhielten die Angehörigen der Baumann einen von Männerhand geschriebenen Brief, der aber die Unterschrift ihrer Tochter enthielt. In diesem teilte die Tochter mit, daß sie sich von nun ab Emmi Neumann nennen werde. In einem zweiten Brief an ihren Bruder bat sie um eine Unterstützung. Es besteht der dringende Verdacht, daß Groß man» diese Briefe geschickt hat, um das Verschwinden des Mädchens zu verschleiern. Zur Aufklärung der Angelegenheit werden alle Personen, die diese Emmi Baumann kannten, gebeten, sich bei Kriminalkammissor Dr. Niemann zu melden. Das Bcld der Baumann liegt im Polizei- Präsidium Berlin , Zimmer 34. aus. Uebrigens hat sich Großmann. der im Polizeigewahrsam zunächst völlig zusammengebrochen war, so daß seine Haftfähigkeit bezweifelt wurde, im Untersuchungsge- fängnis wieder körperlich vollständig erholt. Schwerer Skraßenbahnunfall in der SkaNher Straße. In der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr stießen an der Ecke der Wiener und Skalitzer Straße ein Gaskohlenzug und ein Straßenbahnzug zusammen. Der Änhöngerwagen de« Straßenbahnzuges ist beschädigt. Der Straßenbohnschaffner und ein Fahrgast wurden schwer, sechs weitere Fahrgäste leicht ver- letzt. Schon wieder auf der Flucht erschossen. Beamte der Schutz- polizei überraschten bei einer Streife in der LaubenkolonieVer- einigte Grönländer" den 24 Jahre alten Möbelpolierer Karl Martel beim Einbruch. Martel ergriff die Flucht und blieb auch auf An- rufe nicht stehen. In der Fruchtstraße schoß nun einer der Beamten hinter den Fliehenden her und traf ihn so schwer, daß er besin- nungslos zusammenbrach und gleich darauf verstarb. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Auf der Straße überfallen und niedergestochen wurde in Neu- kölln der Former Richter aus der Rosenftr. 20. Der Mann wurde. als er sich in der Rocht auf dem Nachhausewege befand, an der Ecke der Bergstraße und des Hohenzollernplatzes von unbekannten Männern angerempelt, die dann ihre Messer zogen und auf den Ahnungslosen einstachen. Mit schweren Stichverletzungen in den Kopf und in das Gesicht schleppte sich der Ueberfallene noch bi« zu seiner Wohnung, brach dort aber zusammen und wurde auf Der- anlass.'ng eines Arztes nach dem Krankenhaus Buckow gebracht. Die TätevPnd unerkannt entkommen. «und der Atkieillrn(KonfessionSIoienl. Dienstag, den IS.. adendS 8 Uhr, Versammlung bei Kirchner, Berlin -Lantwitz, Kaiser-Wilhelm-Str. SS.

Wetter für morgen. Verll» und Umgegend. Zunehmende Bewölkung bei zuncchft strengem, Ipäter nachlassendem Frost und jrische« südliche» Winde». Zieme erhebliche» Niederschläge.