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Nr. 10 39. Jahrgang Ausgabe Nr. 5

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Freitag, den 6. Januar 1922

Lloyd Georges Plan.

Die erste Vollsitzung.

13ahren in Kraft treten, während Frankreich von Deutschland Sach. lieferungen in einem Werte von mehr als 1250 Millionen Goldmart Cannes, 6. Januar. ( WIB.) Die erfte Bollsikung der Konferenz wird heute 11 Uhr vormittags im Cercle Nautique für 1922 und 1500 Millionen für 1923 und 1924 verlangen tönnte. Das Finanzablommen vom 13. August würde zu unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Briand abgehalten wer­den. Sie wird sich mit der Prüfung der Probleme des wirt- Frantreis Gunft en geändert, besonders in der Abschäßung fchaftlichen und finanziellen Aufbaues Europas ber Saargruben, deren Wert erst später durch die Reparations. befaffen. Jede der Delegationen wird ihre Auffaffung darlegen. fommiffion in Rechnung gestellt würde.

Die Frage der Reparationen wird heute nicht zur Sprache tommen, da die vorbereitenden Arbeiten der Sachverständigen noch nicht weit genug gefördert sind. Es ist wahrscheinlich, daß die Bollfihung der Konferenz den franzöfifchen, englifchen, italienischen und belgischen Ministern offiziell das Mandat erteilen wird, die Untersuchung der technischen Fragen fortzusehen, die bisher nur offiziös geführt werde. Man glaubt allgemein, daß diese Unter­fuchung im Laufe des Sonnabends beendet sein wird.

Um die europäische Wirtschaftskonferenz. Cannes , 6. Januar. ( Havas.) Briand beriet gestern vor mittag mit Jaspar und Theunis, den Delegierten Belgiens , in der Frage der Reparationen und stattete Hayashi und dem Baron shij, den Delegierten Japans , einen Besuch ab. Er unterhielt sich nachmittags längere Zeit mit Lloyd George .

Die beiden Ministerpräsidenten verständigten sich über die, Be bingungen, unter welchen sich der Oberste Rat heute mit der Ein­berufung der Wirtschaftskonferenz beschäftigen wird. Sie haben ein Programm aufgestellt, bas Fragen politischen Inhalts streng ausschließt. Die Arbeit der Konferenz foll ausschließlich wirtschaft­lich und finanziell fein. Sie wird befonders Mittel und Wege fuchen müssen, die Bechfelturfe zu verbessern, eine Bieber aufnahme des Warenaustaufes in die Wege zu leiten, also mit einem Wort, dem Welthandel größere Tätigkeit und Regelmäßigkeit zu sichern. Es ist wahrscheinlich, daß Deutschland und Rußland zu dieser Ronferenz geladen werden.

Der abgeänderte Wiedergutmachungsplan. Die Grundlage der gestrigen unverbindlichen Borbesprechungen zwischen den Delegierten war der Borschlag Blond Georges. Da Deutschland nach britischer Ansicht nicht in der Lage ist, die Be­träge am 15. Januar und 15. Februar voll zu begleichen, so würde von ihm im Laufe des Jahres 1922 nur eine Gesamtsumme von 500 Millionen, zahlbar in monatlichen Raten von 125 Millionen von jetzt ab bis 15. April, verlangt werden. Die Hälfte dieses Betrages würde an Belgien fallen, das ein Borrecht auf 2 Milliarben Gold. mart hat. England würde seinerseits auf nahezu den ganzen Be­trag pon 500 Millionen Goldmark verzichten, welche ihm zustehen und würde nur 60 bis 80 Millionen erhalten. Italien , welches 180 Millionen erhalten follte, würde ebenfalls ein bedeutendes Opfer bringen müssen. Der englische Ministerpräsident hat deffen besondere Lage anerkannt.

Das Abkommen Loucheur Rathenau würbe son England angenommen und sofort für die erste Berlobe pan bret

Unsere Erfüllungspolitik.

Rommunisten qn.

Die Garantien.

tien zur Ordnung der deutschen Finanzen; denn das fei Das britische Projekt umfaßt gleichzeitig ein Syftem von Garan­die Grundbedingung für jede Regelung der Reparations age Tas Garanticsystem schließe insbesondere ein: eine Kontrolle der Reichs­bant, die Erhöhung der Post-, Telegraphen- und Eisenbahntarife, die Besteuerung der deutschen Kohle, damit sie zum Weltmarktpreis ver­fauft werde, die Einschränkung des Papiergeldumlaufs, die Zurüd­fchaffung aller Devisen, die sich Deutschland durch seine Ausfuhr be­schafft, nach Deutschland und ihre Verwendung für die Reparationen.

Vorwärts- Verlag 6.m.b.H. , SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag, Expedition und Inferaten. Abteilung Morisplas 11753-54

Cannes.

In Cannes haben die entscheidenden Berhandlungen über das Reparationsproblem und die Wiederaufrichtung der euro­ päischen Wirtschaft begonnen. Dr. Rathenau hat mittler­weile seine Rückreise nach Berlin angetreten, er wird also weder an den offiziellen Berhandlungen teilnehmen, noch fich in Cannes , wie von einigen Blättern gemeldet wurde, zur Verfügung halten". Seine Miffion, Aufklärungen über den Stand der deutschen Wirtschaft zu geben, ist vorläufig beendet. In Cannes werden die Verbündeten unter fich bleiben, um aus den Besprechungen von London und Baris die ihnen richtig erscheinenden Folgerungen zu ziehen.

OP

Es wäre falsch, aus dem taftischen Berhalten Dr. Rathe­Schlüsse zu ziehen. Es handelt sich augenscheinlich nicht. um naus auf den Verlauf der Konferenz von Cannes irgendwelche mehr als um eine Geste der Zurückhaltung, die unter den gegebenen Umständen durchaus am Blaze ist. Es läßt sich daran nichts ändern, daß wir auch noch in Cannes mehr Objekt als Subjekt der Verhandlungen sein werden. Erst wenn das Reparationsproblem eine Lösung gefunden haben wird, die uns nicht mehr in die Gefahr bringt, trotz besten Willens immer wieder als ein nichtzahlender Schuldner erscheinen zu müssen, wird eine Aenderung dieses weder für uns noch für die anderen Böller nühlichen Verhältnisses ganz pon felber eintreten.

Eine Belastungsprobe für die Entente. Condon, 6. Januar. ( WTB.) In einem Kritische Lage für die Entente" überschriebenen Leitartitel fagt Daily Chronicle", die Entente werde einem neuen Mißerfolg taum ftand halten fönnen. Aus der gegenwärtigen Konferenz muß etwas Befferes hervorgehen, wenn sie nicht in sehr ernstem Sinne die legte ihrer Art werden solle. Die Ereignisse in Washington hätten ben Engländern die Kluft vor Augen geführt, die zwischen dem fran öfifchen Militarismus und den Idealen der englisch sprechenden Welt bestände. Großbritannien trete für ein friedliches Europa , für Versöhnung, für Abrüftung und für wirtschaftlichen Wiederaufbau unter Teilnahme aller Rationen ein. Die entgegen gefeßte Bolitif, 60 Millionen Deutsche in chronischer Armut und Stlaverei zu erhalten, Reparationsgelder für Bettrüsten auszugebe und eine russische Bevölkerung von 100 Millionen Menschen Willen Deutschlands zurückzuführen fei. Ein Teil der Pariser bontottieren, feit mit der englischen Bolitik völlig unvereinbar. Eng. land tonne die Sicherheit der franzöfifchen Grenze nicht garantieren, wenn Frankreich seine aggressive Politit in ganz Europa und im nahen Often fortfehe. England werde teine finanziellen Opfer brin­gen, wenn Frankreich den Betrag für die Vermehrung seines Heeres von schwarzen Truppen und feiner U- Boot- Flotte verwende.

Condon, 6. Januar. ( WTB.) Die bisherigen Berichte der eng­lischen Bresse aus Cannes lauten feineswegs fehr zuversichtlich. Der Sonderberichterstatter des Daily Chronicle schreibt, Briand habe jeine alte Forderung nach einer militärischen Allianz wieder­holt. Die Stellung Englands sei die traditionelle: Reinerlei Er­flufivbündnis, dafür aber vollste Garantie gegen einen Angriff, es gehe wie in London um ein Erflufivbündnis oder um einen Drei­länderperrtrag, der beherrscht würde von dem Gedanten europäischer Einigkeit auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet.

fierung haben wir den größten Kampf mit den Rechts- und Links parteien geführt.

Die Konferenz von Cannes hat sich mit der Lage zu be­schäftigen, die daraus entstanden ist, daß Deutschland erklären mußte, es sei zu einer Erfüllung feiner Verpflichtungen aus dem Londoner Finanzdiftat im Januar und Februar nur teilweise imstande. Die Londoner Besprechungen haben ge­geigt, daß auf der anderen Seite von vornherein wenigstens nicht die Absicht bestand, wegen dieser Erklärung die schärfften Seiten aufzuziehen. 3war besteht drüben feines­wegs die Ueberzeugung, daß Deutschland alles getan habe, was in feinen Kräften steht, um den übernommenen Ver­pflichtungen nachzukommen, aber noch weniger ist man davon überzeugt, daß das Finanzdiktat ohne weiteres erfüllbar und daß die entstandene Zahlungsftodung nur auf den schlechten Bresse hat diese These zu verfechten versucht, er ist damit aber nicht durchgedrungen. Die bei weitem überwiegende Mei­nung scheint zu sein, daß die gegenwärtige deutsche Regierung zwar den besten Willen habe, das finanzielle Verhältnis Deutschlands zu den Ententestaaten dauernd in Ordnung zu halten, daß sie aber dabei auf Schwierigkeiten von zweierlei Art stoke, nämlich auf solche, die in der Konstruktion des Lon­ doner Finanzplans felber liegen, und auf andere, die in den inneren Verhältnissen Deutschlands ihren Grund haben.

Aus dieser Auffaffung entstand dann logischerweise der Blan, auf der einen Seite gewiffe Modifikationen der Lon­boner Rahlungsbedingungen eintreten zu lassen, auf der an deren Seite aber auch Garantien dafür zu schaffen, daß die abgeänderten Bedingungen wirklich eingehalten werden. Das bedeutet für Deutschland eine gewisse Erleichterung der Zahlungspflichten bei gleichzeitiger Erschwerung der wirt. schaftspolitischen Kontrolle.

Nach übereinstimmenden Meldungen foll Deutschland im Laufe dieses Jahres nur 500 millionen Goldmart- und Eine Rede des Reichstagspräsidenten Löbe. Die Rechte hat ihre Bolitit nur deshalb so fortgefeßt, weil war bis Mitte April bar bezahlen müssen. Das Haupt­In einer öffentlichen Bersammlung in Steglitz sprach im über Ein Rabinett Helfferich könnte sich feine brei Wochen halten. Ich das Wiesbadener Abkommen in straft gefekt wird fie genau wußte, daß bie anderen Parteien alles bewilligen werden. gewicht foll auf Sachleistungen gelegt werden, indem füllten Saal Reichstagspräsident Genoffe 2öbe zu dem Thema: habe mal zu Hergt gesagt: Wenn die Deutschnationale und ähnliche Abkommen auch mit anderen Ländern geschlossen Innere und äußere Politit", wobei er fich besonders eingehend mit Bartet ans Ruber fommen würbe, dann würden werden. Insgesamt würde für das laufende Jahr mit einer der Frage der Erfüllung der übernommenen Berpflichtungen be- fie im tleinen Rämmerlein figen und sagen: Was Barleistung von 500 Millionen und mit Sachleistungen im schäftigte. Seine überaus fachlichen Ausführungen machten zeitweilig fange id nur an!"( Stürmiche Seiterfeit.) Der Bersuch, in Betrage von etwa 134 Milliarden zu rechnen sein. Das ergibt auf die Bersammlung einen überwältigenden Eindrud, Deutschland die Monarchie einzuführen, hieße Bürgerkrieg im Innern, 214 Milliarden gegen 3,2-3,5 Milliarden, die nach dem Lon­dem sich selbst Gegner, wie sie zugaben, nicht entziehen fonnten. Die internationale Berwidtungen und den Unwillen der Erfüllung. boner Finanzplan zu zahlen gewefen wären, wobei eine feste Disfusion bewegte sich in fachlicher Form. Neben der Wirtschafts- und nun zu den Kommunisten. Mit welcher Richtung soll man Abgrenzung an Bar- und Sachleistungen nicht bestand. Eine fich auseinandersetzen. Adolf Hoffmann ? Levi? Lauffenberg? partei traten Deutſchſoziale, Volksbund"" Rettet die Ehre" und man hat früher immer nach Rußland gezeigt. Gewiß haben die weitere Erleichterung soll darin bestehen, daß uns die Sach Ruffen die marristischen Ideen beobachtet, aber fie haben einen leistungen( Rohle usw.) zu einem angemesseneren Breife an­Im Augenblid wird die Politik jetzt von der internationalen anorganischen Weg beschritten. Man fann wohl in 24 Stunden gerechnet werden sollen, als das bisher der Fall war. Ferner Lage beherrscht. Solange unfere internationalen Beziehungen nicht ganze Monarchien stürzen, aber nicht die wirtschaftlichen Verhältnisse. scheint es, daß in London auch eine Begrenzung der Be­geordnet und vor allen Dingen die internationalen Berpflichtungen nicht geregelt find, fann und wird es feine Bleiben wir auf dem Wege, den wir bisher gegangen sind. fagungskosten vorgesehen worden ist.. Es tann tein 3weifel daran bestehen, daß die Ersetzung Gefundung unserer Wirtschaft geben. Die Finanzen z. B. find nicht Er ist allerdings weit, aber sicher. Das Tempo der Entwid. nur bei uns, sondern auch bei den Siegern in Unordnung geraten. Tung nach der Revolution ist mir auch zu langsam, von Barleistungen durch Sachleistungen die Zahlungsmög­Die Hauptursache des Elends ist und bleibt der aber mer trägt ble Schuld? Die zerriffene Arlichteiten verbessert. Bei Barzahlungen muß Deutschland Krieg, der alle internationalen Beziehungen zerriffen hat. Des. beiterbewegung. Gelingt es wieder eine ge- deutsches Geld oder deutsche Waren ins Ausland schicken und halb war es immer unser Ziel, auf internationalem Gebiet für eine fchloffene Bhalang herzustellen, dann werben bie für fie fremde Devisen eintauschen, die es dann dem schnelle Aufrichtung der Wirtschaft zu sorgen. Nun macht man uns Erfolge ganz andere fein. Sorgen wir dafür, daß die Gläubiger auf den Tisch legt. Der Kurs der fremden Devisen immer den Borwurf, daß wir den Frieden geschlossen. Dazu müssen Arbeinterschaft auf gefunde Bahnen gelenkt wird, und der Sieg bes wir fagen, daß braußen im Felde und im Lande alle, Sozialismus ift uns gewiß.( Stürmischer Beifall.) ohne Unterschieb der Partei nach Frieben riefen. Nur so ist es zu verstehen, daß wir den Bertrag unterzeichneten. Redner geht dann auf die Politif bes Rabinetts Wirth ein und sagt: Wir müssen den guten Willen zeigen, alles zu tun, mas in un'erer Macht steht, die Reparationen zu erfüllen. Es wird bie Zeit kommen, und ich fage, fie ift vielleicht nicht mehr fern, wo auch unfere Feinde einsehen, daß man uns mit Forderungen nicht erftiden barf. 132 miliarden zu leisten ist ja auch ein Unding. Der

Die Börse und Cannes .

Heute trat am Berliner Devisenmartte eine rüdlau fige Bewegung der Kurse ein. Der Dollar wurde anfangs mit 194, später mit 188 bis 190 gehandelt. Auch an der Effettenbörse zeigte fich größte Zurüdhaltung im Hin blick auf die in den nächsten Tagen zu erwartenden Entschei dungen in Cannes . Die Spekulation nahm das auf den Markt tommende Material nur zu wesentlich niedrigeren

Umjáhwung der öffentlichen Meinung in den Siegerstaaten fängt schon an zu wirken. Es wird eben eine andere Basis der Er. füllungen gefunden werden müssen. Um diese Bolitit der Stabili- Kursen auf.

wird dadurch in die Höhe getrieben, die deutsche Mart aber wird entwertet, und je größer die Spannung wird, desto schwerer wird es, fie zu überwinden, bis schließlich die völlige Unmöglichkeit und damit die Zahlungsunfähigkeit eintritt. Bird aber nicht in fremdem Geld, sondern direkt in eigenen Maren bezahlt, dann wird die deutsche Mart nicht mehr in dem Maße wie bisher im Austausch für fremde Devisen ins Ausland getrieben; im Innern freilich sekt sich die Geldauf­blähung fort, da der Staat diese Waren, für die er nichts be­fommt, einstweilen auch nur mit Papiermart bezahlen kann.

Eine andere Frage ist freilich, wie die Abnahme und Aufnahme der von Deutschland ausgesandten Warenmassen erfolgen fann mit der Wirkung, daß sie den ausländischen