Nr. 67 39. Jahrgang Ausgabe A nr. 34
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Donnerstag, den 9. Februar 1922
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An der gestrigen Urabffimmung über Abbruch oder| liner Arbeiterbewegung, die vor dem Streit gewarnt und nach Führer der Streitenden noch in Haft waren. Fortdauer des Streits in den städtischen Werken nahmen seinem Ausbruch zur fofortigen Wiederaufnahme der Arbeit Der preußische Minister des Innern, Genoffe Severing, 37 375 Personen teil. Davon entschieden sich 30 463 aufforderten, nicht einmal eine Möglichkeit haben, für jene hat die in Frage kommenden Behörden angewiesen, die Ber für die Fortführung des Streits und 6351 einzutreten, die nicht mehr in die Betriebe zurückkehren. Sie hafteten freizulaffen. für Aufnahme der Arbeit. Ungültig waren 561 Stim- haben das wahnwijzige Unternehmen mit ihrer Leider tommen auch Meldungen, nach denen einzelne men. Trotz diefes für den Streif günstigen Resultats Eristenz bezahlen müssen und fein Kommunist wird Eisenbahnpräsidenten Bekanntmachungen über Maßrege beschloß die Obleute- konferenz mit großer Mehrheit, sie vor der Not schüßen. lungen veröffentlichen, die nicht geeignet sind, beruhigend fofort die Arbeit wieder aufzunehmen. Dieser traurige Ausgang des größten Streits, den das auf die Arbeiterschaft zu wirken. Soweit uns befannt wurde, Sie berüdfichtigte dabei offenbar die vielfagende Tat- sozialistische Berlin über sich ergehen lassen mußte, follte allen hat der Reichskanzler den Unterhändlern der Reichsgewerfsache, daß sich fast zwanzigtausend der in den Streit Arbeitern zu denken Anlaß geben. Der Streit ist das schaft am Dienstagabend die Zusicherung gegeben, daß von getretenen Arbeiter an der Abstimmung gar nicht legte gemertschaftliche Mittel, er ist die den Mitgliedern des Hauptvorstandes der Reichsgewerkschaft mehr beteiligten. fchärfste Waffe der Arbeiterschaft. Diese nur der Eisenbahnobersekretär Menne und der LokomotivDas vorstehende Abstimmungsresultat ist einigermaßen Waffe wird sich immer dann gegen die Arbeiterschaft selbst führer Scharffchwerdt vom Dienst suspendiert werden. überraschend. Man sollte annehmen, daß die Arbeiter der wenden, wenn sie von Leuten geführt wird, die nicht das In einer am gestrigen Nachmittag stattgefundenen Bestädtischen Betriebe endlich ihr Unrecht eingesehen und sich für Interesse der Allgemeinheit, nicht das der Arbeiterschaft, fon- sprechung zwischen der Reichsregierung und den Unterhändlern die Wiederaufnahme der Arbeit entschieden hätten. Wenn dern das irgendeiner tleinen Clique im Auge der Reichsgewerkschaft wurden die weiteren Absichten der fie das nicht getan haben, so sind sicherlich die Obleute haben, der die Arbeiterschaft nichts, ihre phantastischen Pläne Reichsregierung in bezug auf die Durchführung eines DisziIm übrigen dürfte auch der wenigstens ein großer Teil derselben nicht schuldlos aber alles sind. Diesen blutigen Dilettanten die Waffe zu ent- plinarverfahrens geflärt. daran. Wir mußten schon bei Beginn des Streits feststellen, reißen, ist heute mehr denn je die Pflicht jedes Arbeiters, der Reichstanzler in seiner heutigen Reichstagsrede auf die den Sozialismus willi gerichtliche Berfolgung Don Sabotage= daß die Streifenden zu einem großen Teil nicht ge aften und die Suspendierung vom Dienst somie nügend unterrichtet waren über das, was der die zu erteilenden Verwarnungen an einzelne Be Schiedsspruch des Reichsarbeitsministeriums Dom 3. Februar fagt. Die zahllosen Anfragen, die aus den städtischen Be amte eingehen. trieben an uns ergingen, haben das unzweideutig bewiesen. Auch gestern ergingen nach Ablauf der Versammlungen, Nachdem Lagodzinski und Bolenste in fehr fachlicher nach denen die Urabstimmung stattfand, Anfragen an uns Beise die Situation gekennzeichnet, zur Aufnahme der Arbeit geüber den Stand der Dinge. Aus der Städtischen Spartaise raten und auch aus der Mitte der Bersammlung verschiedene Redner tommt die Meldung, daß eine richtige Bericht über die Streiflage gesprochen hatten, erhielt Genosse Graßmann erstattung überhaupt nicht stattgefunden rom ADGB . das Wort. In eindrucksvoller Rede wies er alle bis. hat und nur infolge der von uns gegebenen Aufklärung eine her in dieser Bewegung gegen die Spitzenorganisationen der GemertMehrheit für den Streit abbruch zustande fam. Wir erlauben fchaften erhobenen Vorwürfe als gänzlich unbegründet uns weiter die Frage, ob die kommunistischen Berichterstatter entschieden zurück und legte den Anwesenden ans Herz, fich darüber den Belegschaften, die infolge des Eisenbahnverkehrsstreits zum lar zu werden, ob es ratfam fel, den Streik noch weiter zu führen. Teil noch nicht im Besize der Morgenblätter waren, auch mit. Es handelte sich hier nicht um den Kampf gegen einen hartgefottenen Rapitalisten, sondern um einen Streif, unter dessen Auswirkungen teilung gemacht haben von dem Ende des Eisenbahnerstreiks. aerade die arme Bevölkerung am schwersten zu leiden hat. Wir bezweifeln das. Benn, mie ich gehört habe, verlangt werden sollte, daß fie ihre bis herigen Rechte aufgeben müßten.' o werde ich mich nach Mönlichkeit bemühen, daß diefe Drohungen nicht zur Geltung fommen. Folgen Sie meiner dringenden Pitte, die Arbeit wieder aufzunehmen.
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Die Versammlung der Obleute.
In der geftrigen Versammlung der Obleute aus den Gemeinde. betrieben wurde das Ergebnis der Urabstimmung in den Betrieben bekanntgegeben.
Hamburg , 8. Februar. ( Eig. Drahtbericht.) Die Nachricht, monach in Altona eine größere Anzahl Eisenbahner im Aus. ftande verharren, weil noch Streifführer verhaftet seien, ist völlig unrichtig. Nach Erkundigungen bei der Streifleitung des Be zirtes Altona der Reichsgewerkschaft und beim Deutschen Eisen. bahnerverband ist festzustellen: Beide Körperschaften haben am Mittwoch nachmittag in Bersammlungen beschlossen, heute abend 10 Uhr die Arbeit wieder aufzunehmen. Streifführer befinden sich weder in Altona noch in Hamburg in Haft. Die inhaftiert gewesenen Führer der Reichsgewerkschaft sind bereits am Sonnabend Dormittag fämtlich aus der Haft entlassen worden. Gegenteilige Nachrichten beruhen auf Erfindungen. Die genannten Körperschaften haben keine derartigen Telegramme nach Berlin gesandt. Die ersten Fernzüge.
Dieser Streit, der die deutsche Arbeiterschaft ein Stück dem Paradies" näher führen sollte, hat ihr einen schweren Schlag verfekt. Nicht nur, daß ihre Stellung gegen über dem Bürgertum gewaltig erschütter wurde, Den überwiegenden Teil des Abends nahm die Aussprache für Arbeiter waren es, die diesen Streit am schwersten gefühlt sich in Anspruch, die sich zuweilen fehr erregt gestaltete. Es stellte Der Fernverte hr konnte im Laufe des gestrigen Tages nur haben. Während sich die Krokodile und Wasserspinnen im fich dabei herous, daß trok strenger Kontrolle vile Berfonen im in sehr beschränktem Umfange wieder aufgenommen werden, zumal Zoologischen Garten der väterlichen Fürsorge der Streit- Saal waren, die gar nicht zu den Obleuten gehörten. Die Aus die Barole der Berliner Ortsgruppe des DEB. den Wiederbeginn leitung erfreuten, mußten die Proletarier des Berliner Ostens Sprache führte zu der Annahme eines Antrages, unverzüglich eine der Arbeit erst auf heute feftfeßt. Es wird bereits für heute mit Abordnuna zum Magistrat mit der Weisung zu entfenden, und Nordens ohne einen Schlud Wasser und von ihm die Zusicherung zu erlangen, dok alle Streifenden einer fahrplanmäßigen Abwidelung der Zugfolge gerechnet, ohne Licht die lekten Tage verbringen. Wenn ihnen im mieder eingestellt werden und Maßregelungen nicht statt menn auch vorauszusehen ist, daß noch nicht alles fofort wie gewöhn Laufe der letzten Streifftunden diese lebensnotwendigen Dinge finden sollen. Unter diesen Bedingungen fei man bereit, die Arbeit lich klappen wird. wieder zugeführt wurden, so verdanken die Berliner Ar- wieder aufzunehmen. beiter das nicht der Streifleitung, sondern der Technischen Nothilfe.
Am gestrigen Tage waren abgefahren: Bom Potsdamer Bahnhof ein Bersonenzug nach Hannover über Magdeburg um 2,05 nachmittags und ein Personenzug nach Magdeburg um 8,15 abends.
Bom Anhalter Bahnhof je ein Personenzug nach Halle und Elsterwerda und am späten Abend noch ein D- 3ug nach Dresden . Bom Bahnhof Friedrichstraße am Nachmittag ein D- 3ug nach Köln und je ein Personenzug nach Frankfurt a. d. D.- Sonnenfeld und nach Kreuz.
Eingetroffen waren:
Am Potsdamer Bahnhof ein Personenzug aus wagdeburg. Elsterwerda und es wurden noch am späten Abend zwei D- 3üge Am Anhalter Bahnhof zwei Personenzüge aus halle und aus München und Frankfurt a. M. erwartet.
Der Beschluß wurde sofort ausgeführt und die Bertreter der sozialistischen Bresse schlossen sich der Abordnung an. Der Ober Wer hat nicht in diesen Tagen des Kampfes irregeführter bürgermeister bemerkte, daß er nach Möglichkeit bereit fei, so zu Arbeiter gegen ihre Klassengenossen den Jammer des alten handeln, wie die Deputation es wünsche, aber ohne den Magiftrat und eventuell die Stadtverordnetenversammlung nicht bestimmen Stütterchens gehört, das frierend, ohne eine Suppe, ohne tönne. Das Borgeben der Etreifenden babe die Stadt schwer geein wenig Licht in seinem Zimmer hocte! Wer hat nicht den schädigt und eine erbitterte Stimmung erzeugt. Der Medizinalrat Fluch der Arbeiterfran vernommen, die stundenlang vor dem habe erft heute wieder über die unter Einwirkung des Streifs in Bäckerladen stand und dann ohne Brot zu ihren hungrigen den Krantenhäusern entstandenen Pustände Klage geführt. Wenn, Kindern heimkehren mußte! Der Fluch jener, die einen Ange- mie von den Vertretern der Streitenden behauptet werde, einzelne hörigen ins Grab legen müssen, weil er bei Benützung der Revierleiter die Unterzeichnung eines Reverses von den Streifen. wenigen und unglaublich belasteten Verkehrsmittel den Tod auf alle früheren echte zu verzichten hätten, so fönne er hierzu den verlangt haben, nach dem fie bei Wiederaufnahme der Arbeit fand, der Fluch des Gaiten, der seine Frau im Wochenbett erklären, daß der Magistrat einen Auftrag dazu nicht er verlor, weil ihr wegen des völligen Fehlens von Gas und teilt habe. Baffer feine Hilfe gebracht werden tonn'e, trifft alle jene, Wenn auch die Hoffnung auf einen normalen Fernverkehr für Ueber das Resultat der Berhandlungen, das wir im vorstehendie sich mitschuldig gemacht haben an dem Verbrechen an den Artikel mitteilen, wurde der Bersammlung von Lagodzin fti, alle Bahnhöfe gilt, so wurde indessen am gestrigen Abend auf dem der Biermillionenbevölkerung. der inzwischen mit dem Rollenen Leon noch eine Besprechung mit Bahnhof Friedrichstraße für den heutigen Vormittag vor. Nun soll dem graufigen Spiel ein Ende gemacht werden. den Ministern Röster und Severing fowie dem Bolizeipräfi- läufig nur mit der Abfahrt folgender 3üge be stimmt gerechnet: Die Obleufe, die, ohne eine Urabstimmung vorzunehmen, den denten tichter hatte, Bericht erstattet. Mit after Entschiedenheit Berfonenzug 7,30 nach Büften, D- 3ug 7,48 nach Köln , D- 3ug 7,52 Streit proflamierten, haben unter dem Druck der Verhältnisse erklärte der Redner. daß die Arbeit so schnell wie möglich aufge- nach Rattowig, D- 3ug 9,01 nach Insterburg und D- 3ug 12,25 nach nommen werden müsse, um die Streifenden por Röln. Es wurde allerdings auch dort angenommen, daß noch weitere gegen den ausdrücklichen Willen ihrer Auftraggeber den Begrößeren, fehr schweren Schädigungen zu be- 3üge in Bewegung gesetzt würden. Ob der internationale Expreßfehl zum Streit abbruch geben müssen. Nachmittags wahren. Was in Vorbereitung gegen die Streitenden sei, könne Bug Warschau- Posen- Berlin- Köln- Paris, der den Bahnhof erfchien die S reifleitung mit den Spizenorganisationen der nicht überwurden werden. städtischen Arbeiterschaft beim Oberbürgermeister, um zu er- Leon ergänzte diese Ausführungen und trat gleichfalls für die Friedrichstraße um 2 Uhr 03 nachmittags verläßt, verkehren würde, war jedoch noch ungewiß. reichen, daß sämtliche Entlassenen wieder eingestellt werden, Wiederaufnahme der Arbeit ein. fofern sie sich heute zur Wiederaufnahme der Arbeit melden. Dies wurde nunmehr auch von den Anwesenden mit allen gegen Der Oberbürgermeister erflärte, der Magistrat müsse dabei einzelne Stimmen beschlossen. Damit endete nach fast neunstündiger verharren, daß alle diejenigen entlassen feien, Tagung die Versammlung. die am Dienstag nachmittag 2 Uhr die Ar. beit nicht aufgenommen haben. Wiedereingestellt fönnten nur solche Kräfte werden, deren Arbeitsstellen in- Die Mitglieder der Reichsgewerkschaft Deutscher Eisen zwischen nicht beset oder für die ein Bedarf noch vor- bahnbeamten und Anwärter haben fast so gefchloffen, wie sie handen sei. Der Magistrat würde im übrigen vorbehaltlich in den Streit traten, die Arbeit wieder aufgenomder Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung solchen men. Aus allen Gädten des Reiches tommen erfreulicherArbeitern, die die zur Wiedereinstellung tommen, feine weise Nachrichten, die melden, daß eine wesentliche Den Berständigungsweg", der nach dem Sozialdemo Rechte fürzen, die sie aus ihrem vor der Entlaffung Besserung im Eisenbahnperfehr eingetreten ist. Schon fratischen Parlamentsdienst das Ziel der Besprechungen war, hat liegenden Arbeitsverhältnis erworben haben. heute vormittag wird man auf Grund der zahlreichen Dienst- die Regierung gegen ihren ursprünglichen Willen und gegen den Die städtischen Arbeiter haben also, wie nicht anders vor- meldungen, die bei den Eisenbahndirektionen einlaufen, in Willen der schwer betroffenen Bevölkerung beschritten, und sie hat auszusehen war, einen leichtfertig und gewissenlos ange der Lage sein, den größten Teil der Züge fahrplan auch das Siel erreicht, tas sich unter einigen Modifikationen die gettelten Streit verloren. Biele werden auf der Strede mäßig abgeben zu laffen. Die Vorbereitungen zur Wieder- Streifenben geftect hatten. Der Wille derer triumphiert, die bleiben. Dieses Ergebnis ist für die gesamte Arbeiterschaft aufnahme der Arbeit sind allgemein im Laufe des gestrigen rüdlichtslos und unbefümmert um Staat und Reich aus geringen ebenso unerfreulich wie für die davon Betroffenen. Das Tages erfolgt. Schwierigkeiten bei der Wiederaufnahme der Anlässen heraus die schwerste Schädigung unserer Wirtschaft und den Schlimmste dabei ist, daß die maßgebenden Führer der Ber- Arbeit haben sich nur vereinzelt und zwar da ergeben, wo letzten Reft von Staatsautorifiät unter den Trümmern dieses Streits
Das Ende des Bahnstreiks.
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Jm Dexierspiegel der Presse.
Von der langen Reihe der Meinungen über den Ausgang des Eisenbahnerstreifs, wie sie in der Presse je nach Parteistellung vertreten werden, möchten wir der Kürze wegen nur die beiden Endpunkte hervorheben, während wir die Ergänzung der fehlenden Mittelstücke der Phantasie des Lesers überlassen Die, Kreuzzeitung" faßt sich dahin zusammen:
wollen.