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Kr.?17>39.Iahrgang

Heilage öes vorwärts

5rektag, 1S.MSrz?H22

Kampf um öle weltliche Schule. Eine Niederlage der Schnlreaktionüre in der Stadtverordnetenversammlung.

Schulfrogen erregten in der gestrigen Stadtverordneten- sitzung das stärkste Interesse. Die Beschlüsse über die künstige Zusammensetzung der Schuldeputation für die Verwaltungsbezirke I VI brachten ein Ergebnis nach Wunsch der rechtsstehenden Fraktionen, die sich dank der Unterstützung durch die Demokraten als Mehrheit zu be- haupten vermochten Zu einem heftigen Zusammen stoß der Schulreaktionäre mit den Fraktionen der Linken führte die Verhandlung über die einen Vor- stoß gegen brr. Gedanken der weltlichen Schule bezweckende Anfrage der Deutschnationalen, nach deren Behauptung im Stadtteil W e d d i n g einegewissen- lose" Agitation für die weltliche Schule be- trieben und Estern durchDrohungen" zu Zustimmungs- crklärungengepreßt" worden sein sollten. Dem Oberstadt- fchulrat Genosse P a u l s e n, der dafür verantwortlich ge- macht werden sollte, war es ein leichtes, die Anwürfe zurückzuweisen. Die einzelnen Mißgriffe, die in der Agitation vorgekommen find, tadelte er rückhaltlos. Er zeigte aber, daß von den darüber verbreiteten übertreibenden Märchen in der Untsrsi"ß"ng ni-bts übrig geblie- den ist. Den christlichen Elternbeiräten ist übrigens auf ibren Wunsch selbstverständlich dieselbe Freiheit der Agitation gewährt worden. In der Debatte, die auf Paulsens Antwort folgte, bestätigten die Schulreaktio�äre, daß ihr Haß sich gegen die weltliche Schule überhaupt richtete. Die Niederlage, die Genosse Pausten ihnen bereitet hatte, wurde durch die Redner der drei Fraktionen der Linken vollendet. Genossin R i e d g e r, die kür die sozial- demokratische Fraktion sprach, richtete an die Elterndie f Mahnung, ihren Kampf um die weltliche chute fortzusetzen. Unter den Schulreaktionären fühlte auch der Demokrat Merten sich wohl. Oberstadtschul- rat P a u l s e n konnte zum Schluß die Mitteilung machen, daß unter gewissen Bedingungen das Unterrichts- Ministerium seinen Plänen zustimmen will und er auch auf Zustimmung des Provinzialschulkollegiums rechnen zu dürfen glaubt. Auf der rechten Seite gab es lange Gesichter. Sitzungsbericht. Die Verhanbkunqeii beginnen inst bestigen Auseinondersetzun- qen über die GeschSstsführimg des Vorstandes in der Sitzung vom 2. Mörz. Dem Protest von i Dr. Weinberg Ol. Soz.) gegen die Protlamicrung der Beschlußunfähigkeit der Versammlung setzen Dr. Leidig lD. Vp.) und der damals amtierende Vorsteher- Stellvertreter Schwarz unter Berufung aus die auch von Dr. Werl stets verfolgte Praxis die Behauptung entgegen, daß die Ge- schäftsführung einwandfrei gewesen ist. Drei dringliche Anträge stoßen auf Widerspruch und fallen für Heu'« aus. Der in voriger Sitznng beschlossene Ausschutz zur Kontrolle der Ge- schäftsführung der Meierei Boll« wird gewählt, ob- wohl ein Protest des Magistrats gegen diesen Eingriff in die Per- wallunq vorliegt.. Die Vorlage wegen Umwandlung des städtischen Anschoffungs- amts in eine G. m.. b. H. wird nach den Ausschußvorschlägen ge- nehmigt. Dann wird die Abstimmung über die Vorlage wegen Bildung der Vezirksschuldepuiation für die Bezirke I VI(Alt. Berlin ) vorgenommen. Bei der nament- lichen Abstimmung über einen Antrag des Zentrums war vor 8 Tagen die Beschlußunfähigkeit vom Dorstand konstatiert worden. cheute wird der Ag.trag in einfacher Ab st immun g�d u r ch Auszählung mit 106 gegen 101 Stimmen ange­nommen. Nach Ablehnung eines Antrages der Komm, wird nach einem Antrag v. Cyncrn(D. Bp.) der Hinzutritt der G e i st- lichen zu der Schuldeputation und mit diesem Zusatz die

Zusammensetzung der letzteren nach der Fassung des Ausschusses mit der gleichen Mehrheit wie vorhin beschlossen. Ein Einspruch der Komm, gegen den Ausschluß der Gemeindeschuilehrer von der Zu- wähl als Bürgerdeputierte wird mit derselben Mehrheit abgelehnt. Ueber die vorgeschlagene Abänderung des Berliner Slaluts der Erwerbslosenfürsorge berichtet namens des ständigen Ausschusses Heitmann ISoz.). Der Ausschuß hat die Unterstützungssätze durchweg erhöht. Ostrowski(Stamm.) begründet eine große Anzahl weiterer Ab- änderungsanträge. Pattloch(Soz.): Wir fordern, daß von der üblen Gewohnheit. Ueber st unden zu machen, angesichts der Notlage der Erwerbslosen tun- lichst Ab st and genommen wird. Im übrigen muß sich der Magistrat über die Modalitäten der Arbeitslosenfürsorge bau- ernd mit den Gewerkschaften verständigen. Nach weiterer Aus- spräche wird das Statut in der Form der Ausschußvorschläge angenommen. Gegen die Beratung der einheitlichen Gebühren- o r d n u n g für die Berliner Gemeindesriedhöfe, Urnen- hallen und Krematorien der Stadt Berlin protestiert Koch(Dnat. Vp.). Der Protest führt abermals zu einer Spektakelszene: schließ- lich entscheidet eine aus der Linken und den Demokraten bestehende Mehrheit gegen Koch. Man tritt in die Beratung ein. Gegenüber der Vorlage vom 10. Dezember bot der Ausschuß die erhöhten Ge­bührensätze weiter erhöht, durchschnittlich um 50 100 Proz. Pattloch(Soz.) setzt sich energisch für die Ausschußvorschläge ein. Ein Antrag Dr. Saltzaeber(Z.). auch für die Einäscherung Auswärtiger die doppelten Gebühren wie bei der Beerdigung zu erheben, wird mit 113 gegen 75 Stimmen abgelehnt. Die neue Gebührenordnung gelangt zur Annahme. Nach Erledigung einer Reihe von Vorlagen ohne Debatte, begründet Herzog(Dnat. Vp.) die Anfrage seiner Fraktion� welche die angeblich ungesetzliche Agilakion für die welkllche Schule zum Gegenstand hat. Um diese abscheuliche Propaganda müsse Stadstchulrat Pausten gewußt, er müsse sie sogar eventuell be- günstigt haben. Oberstadtschulrat Paulseit: Die Angelegenheit läßt sich um so ruhiger behandeln, als auch der Wortlaut des Antrages der Freunde der Gemeinschaftsschule sich durch seine durchaus maßvolle Fassung von dem Ton der An- frage sehr zu seinen Gunsten unterscheidet. Mitunlauteren" Mitteln ist aber aus der Gegenseite gearbeitet morden. Wenn einzelneVersehlungen" gemacht worden sind, dann ist das durchaus zu verwerfen. Es wird seinerzeit eine durchaus gerechte Abstimmung stattfinden. Von den freien Schul- gemeinden in Moabit und auf dem Wedding habe ich erst erfahren, als diese mich baten, ihnen die Anschriften der betreffenden Eltern zugänglich zu machen.(Zurufe rechts.) Warum sollte ich das Recht dazu nicht haben? Im Sulkusministerum denki man über die ganze Frage sehr ruhig. Alle Beteiligten sind der Auffaflung, daß es einmal zur B e. gründung einer weltlichen Schule kommen muß. Drei Jahre warten die Freunde der welllichen Schule infolge des Sperrparagraphen der Verfassung schon auf ihr Recht, es ist zu verwundern, daß sie sich noch so ruhig verhalten. (Großer Lärm rechts.) Wenn der Berliner obersten Schulleitung keine größere Aktionsfreiheit zustehen soll, wozu wäre ich dann überhaupt an meiner Stelle? Schenken Sie dcr städtischen Schul- Verwaltung Vertrauen!(Stürmischer Widerspruch rechts, Beifall links.) Galle(Z.): Die Paulsensche Gemeinschaftsschule kann nicht erzieherisch wirken: sie führt zur Standesschulc, und diese lehnen wir nach jeder Richtung ab. Paulsen befindet sich mit seiner Er- ziehung ohne Gott auf dem Irrweg: er hat die Agitation auch direkt unterstützt, denn er hat die weltliche Schul« den Eltern, die zu ihm kamen, in 14 Tagen in Aussicht gestellt. Frau R i e d g e r(Soz.) hält die Ausführungen Talles für verfehll, denn es könne sich in dieser Versammlung doch nicht um Bekehrungsoersuche handeln. Die Anfrage scheine i m letzten Grunde der Empöeung über den

Erfolg der so angefeindeten Agitation ihren Ursprung zu verdanken: b00 Kinder, diese Zahl haben den Herr- schaften Schrecken eingeflößt. Von Drohungen, von unerfüllbaren Ber- sprechungen sei ernsthaft keine Rede gewesen: umso frecher sei aber die Gegenagitation getrieben worden; sogar handgreiflich falsche Statistiken habe man zur Bekämpfung der per- haßten Gemeinschaftsschule aufgeboten. Ebenso sei der Vorwurf gegen Pausten, um diese Agitation gewußt oder sie gar begünstigt zu haben, völlig haltlos. Hoffentlich werde der Kampf um die weltliche Schule in der Elternschaft mit Energie fortgeführt werden.(Beifall b. d. Soz.) Kröpelin (D. Vp.) prophezeit das baldige Scheitern des Gemeinschaftsschulgedankens u. a. aus der vom Kultusminister angeführten Statistik, wonach die Zahl der grund- sätzlich die Erteilung des Religionsunterrichts ablehnenden Lehrer von 663 auf 625 gesunken ist. Merten(Dem.): Mit dem Material dieser 600 vom Wedding lasse sich keine Schulreform be- gründen. Die prole'arische Einheitsschule sei nur ein Hemmnis für den Einhcitsgedanken. Oberstadtschulrat Paulsen: Die beste und glücklichste Lösung des Schulproblems liegt in der Gemeinschaftsschule, die nur an den inneren Menschen appelliert: die Partei wird den Schulkampf gewinnen, die den stärksten Glauben an sich hat. Der Versuch der Gestaltung einer neuen Schule muh gemacht werden, und das Provinziastchulkollegium wird unter gewissen Bedingungen meinen Vorschlägen zustimmen: auch die Lehrerschaft steht hinter mir. Die Diskussion wird geschlossen: die Anfrage ist erledigt. Schluß l�ll Uhr. * Ueber den Haushallplan 1022 wird gegenwärtig täglich im Rat» hause zwischen den Bezirken und zentralen Verwaltungen und der städtischen Finanzverwaltung verhandelt. Man hofft die Arbeiten so zu fördern, daß der gesamte Haushaltsentwurf in zwei bis drei Wochen dem Magistrat und Anfang April der Stadtverordneten» Versammlung vorgelegt werden kann. Abzüge und Werbungskosten. Zur Einkommcnstcucrerklärung für 192t. AlsWcrbuugskcsten" bezeichnet das Reichseintommensteuer- gesetz die zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung des Gesamt- betrages der Einkünftc gemachten Aufwendungen. Es handelt sich hierbei also um Kosten, die notwendig sind, um Erträge aus den Einkommensquellen(Arbeitseinkommen, Kopitalvermögen, Gewerbe» betrieb usw.) überhaupt zu erzielen. Nicht zu den Werbungskosten gehören daher diesteuerfreien Beträge" oderErmäßigungen"(se 120 M. für den Steuerpflichtige� und seine nicht selbständig zu ver- anlagende Ehefrau und 180 M. für jedes zur Haushaltung zählende minderjährige Kind), um die sich der einzubehaltende Betrag von 10 vom Hundert des Arbeitslohnes(also der Steuerabzug) ermäßigt. Die nachstehende Aufzählung der Abzüge ist nicht erschöpfend: sie enthält aber die für Lohnempfänger wichtigsten Arten: Notwendige Ausgaben, die dem Steuerpflichtigen durch Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte erwachsen find; Mehraufwendungen für den Haushalt, die durch eine Erwerbs« tätigkeit der Ehefrau notwendig geworden sind; Werbungskosten sind auch die Kosten, die durch Beschaffung von Arbeitsgeräten und Arbeitsnu.terlal erwachsen sind. Ferner Mehr» aufwendungen für Berufskleidung. Beispielsweise ist bei den Kellnern ein etwaiger Mehraufwand an Kleidung und Wäsche als abzugsfählg .anerkannt worden. Ferner sind, wie auch aus den Steuererklärungen zu ersehen ist, abzuziehen: Beiträge, die der Steuerpflichtige für sich und seine nicht selb» ständig veranlagten Houshaltungsangehärigen zu Kranken-, Unfall-, Haftpflicht-, Angestellten-, Invaliden- und Erwerbswsenversicherungs-, Witwen-, Waisen- und Pensionskassen gezahlt hat, soweit sich der Gegenstand der Versicherung ans die bezeichneten Gefahren beschränkt; Beiträge zu Sterbekassen bis zu einem Iahresbetrage von ins- gesamt 100 M.: Versicherungsprämien, welche für Versicherungen des Steuer» Pflichtigen oder eines seiner nicht selbständig veranlagten Haus- hoUvngsanzehörigen auf den Todes- oder Lebensfall gezahlt werden, soweit sie den Betrag von 1000 M. jährlich nicht übersteigen: Beiträge zu den öffentlich-rechtlichen Berufs- oder Wirtschafts-

Die Macht der Lüge. Roman von Johann Bojer. (Aus dem Norwegischen übersetzt von Reinhard Carriere.) Lopz'rizbt 1322 by Ccorff Müller Verlag, Münoliev. 1. Knut Norf»i) saß in seinem schnellen Schlitten und fuhr von einer Sitzung im Schulamt nach Hanse . Es dämmerte schon. Die Einspche des Miosen war in letzter Zeit nicht mehr sicher gewesen, und darum hatte Norby seiner Frau versprockzen, aus der Chaussee zurückzukommen. Aber der alte Bauer hatte den Tag über manchen Aerger gehabt, und erregt, wie er war, nahm er unten am Felshang plötzlich die Zügel stramm und bog auf den See hinaus.Das Eis hat heute schon andere getragen," dachte er.da wird es mich auch noch aushallen!" Das Pferde spitzte die Ohren und tänzelte ängstlich auf dem unebenen Eise crm Strand, abeis Knut versetzte ihm einen Hieb, daß der Schlitten ordentliche Sprünge machte, bis er auf die glatte, blanke Fläch« hinauskam. Folgt so unvermittelt ein Aerger auf den andern, dann fühlt man es wie einen neuen Stoß auf eine alle Wunde. Zuerst hatte der alte Dauer heute im Schulamt nicht recht be- kommen, weil dieser elende Direktor der Volkshochschule da- gegen gewesen war. Und ausgerechnet in diesen Verdruß kam sein Schwiegersohn mit einer Bitte um einen neuen Vorschuß aufs Erbteil, das empfand der Alte schon wie die reine Er- Pressung. Aber als ihm eine Stunde später der Konkurs des Kaufmanns Wangen zu Ohren kam, da traf ihn der Verlust der paar Tausend, mit denen er dabei beteiligt war. wie ein Unglück, das ihm förmlich die Kehle abschnürte.Ich soll wohl nächstens die halbe Gemeint*: mit durchfüttern." dachte er.die Menschen legen es ja meiner Treu nur daraus an. mir meine letzten Pfennige abzunehmen." Das Pferd war ein schlanker, großer Rappenhengst mit röllich schillernder, welliger Mähne und spielenden Bewe- gungen. Der Bauer selbst stak in einem schweren Bärenpelz, den Kragen hochgeschlagen. Hier draußen auf dem Eise ward es jetzt dunkler und dunkler, und in der weit/n. bleichen Schnee- landschaft rings am Strand erschien auf den Höfen ein Licht nach dem andern. Die Schellen klingelten und die Eisstückchen flogen von den Pferdehusen.Wenn nun deine Frau diese Geschichte erfährt?"

dachte er. Hinter ihrem Rücken hatte er damals die Kaution für den Kaufmann Wangen unterschrieben' Drei, vier Jahre konnte es her sein, und dadurch sollte dieser Wangen bei einem Großhändler in der Hauptstadt mehr Kredit bekommen. Aber damals hatte er schon längst seiner Frau versprochen gehabt. für niemand mehr zu bürgen. Sie hatten dabei schon genug verloren. Und jetzt? Wie zum Teufel hat er dich damals nur beschwatzen können!" dachte der Alte. Aber schließlich hat auch der Stärkste seine schwachen Augenblicke und ist einmal gutmütig und ge- ! fällig. Sie hatten sich in der Stadt getroffen und Wangen hatte im Hotel Carl Johann ein gutes Essen ausgegeben. Und hinterdrein war's abgemacht. Und jetzt? Das war eine ' teure Mahlzeit geworden. Der alte Norby mußte nun be- i schämt zu seiner Frau gehen und eingestehen, daß er sein Wort nicht gehalten, davor graute ihm ordentlich und er fühlte den Zorn gegen Wangen immer stärker in sich aufsteigen, der doch an allem schuld war.Der verdammte Kerl wußte schon, was er mit dem Mittagessen wollte." Und ohne es zu wollen, siel ihm ein ganz Teil schlechter Dinge ein, die er über diesen Mann gehört. in diesem Zorngefühl lag so eine Art Selbst. Verteidigung. Der Schatten der waldigen Uferhänge war schwarz ge- worden, die Sterne funkelten, nur im Westen glühte noch ein feuergelber Streifen im Dunkel und warf seinen Widerschein über die Eisfläche. Er spiegelle sich im Nickelbeschlag von Zaumzeug und Schlitten, und ließ Mann und Pferd große Schatten werfen, die unablässig neben ihnen hercilten. Fast nichts Lebendiges war mehr da draußen auf der öden Fläche ! su sehen. Ein einziger Fischer saß weit draußen an seinem ! Eisloch, wo sich der rötliche Schein in den Schatten der hohen Berge verlor und an der Landzunge bewegte sich als kleiner I Fleck ein Mann, der einen Schlitten hinter sich Herzog. Und der Herlufsen in Rud? Der wird sein« Freude ! haben!" i Norby selber mar ein streitbarer Herr und fuhr scharf los auf seine Gegner, und darum bildete er sich ein. daß eine Menge ! Menschen ständig nur darauf lauerten, wie sie ihm zu Leibe rücken könnten. Hatte er Glück gehabt beim Holzhandel, war sein erster Gedanke in einer Art Wollust stets:Nun sollen die grün und gelb werden vor Neid!" Und hatte er Pech, dann scherte er sich den Teufel um das verlorene Geld. Was ihn ärgerte, war, daß nun die anderen an der Reihe waren zu lachen. Jetzt ist er mitten aus dem Eis. Es geht nun aus dem

Feuerschein hinein in die dunklen Schatten. Der Rappe hört vom Lande her ein Schellengeläut und ohne seine Eile zu mäßigen, hebt er den Kops und wiehert. Wenn das Eis nun nicht hält?" dachte der alte Mann und es durchlief ihn kalt. Sein Vater, der alte Silbtaler, hatte einmal eine schwere Last geschlissener Granitblöcke quer über den Mjöscn fahren wollen. Und wie das Eis unter der Last anfing zu krachen und sich zu biegen, schien es dem Alten denn doch zu dumm, einen der wertvollen Blöcke vom Schlitten wälzen zu sollen, um die Last zu vermindern. Da kniete er sich lieber hin und betete zum Herrgott:Laß mich wohlbehalten nach Hause kommen," so sprach er,dann will ich dem Pfarrer zehn Sack von meiner besten Gerste geben." Ans Land kam er. Aber als er am Ufer stand, sah er zurück übers Eis und kicherte. Den habe ich schön angeführt!" Und der Pfarrer bekam kein einziges Körnchen. Das Schellengeläut klingt so frisch und lustig, aber dem Bauern ist die ganze Zeit, als wolle das Eis nachgeben. Vielleicht brichst du jetzt ein, weil du Sonntag nicht zum Abendmahl gehen willst," überlegte er sich. Denn beim Fortfahren hatte er so halb und halb seiner Frau versprochen, beim Küster vorzusprechen und sich zum heiligen Abendmahl anzumelden. Aber im letzten Augenblick war in ihm der alle Idealist aufgewacht, und er war beim Küster vorbeigefahren.Es ist gegen deine innere Ueber« zeugung," hatte er sich gesagt.Du glaubst ja gar nicht an das Abendmahl, kaum an Christus selber." In des Großbauern Knut Rorbys Brust wohnen zwei ver» schiedene Seelen. Die eine hatte in der Pfarrschule, auf Reisen und aus Büchern ihre Ideale gewonnen. Aber nach des Vaters Tod mußte er den Hof übernehmen und da wurde er nach und nach auch wieder seinem Vater ähnlich. Der lebte sozusagen weiter in den Hosleuten, den Rechnungsbüchern, in den großen Waldungen, in schwebenden Geschäften, namentlich aber in der Stellung der Norbylcute in der Gemeinde. Es war ganz leibst» verständlich, daß Knut weiterhin mehr und mehr wie der Vater werden mußte. Und oft, wenn er so beim Holzhandel saß. konnte es den Eindruck machen, als wäre er der Vater, und unwillkürlich sah er mit dessen Augen, brauchte dieselben Kniffe, hatte dieselbe Geschäftsmoral. Und der zweste Knut Norhn. der machte sich mit Büchern und Freisinn in Politik und Religion zu schaffen, wenn der erste nichts weiter p tun hatte. v,,. ...(Fortsetzung folgt.)

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