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Nr. 299.

Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel­jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags: Nummer mit illustr. Sonntags- Beilage ,, Neue Welt" 10 Bfg. Post- Abonnement: 8,30mt. pro Duartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Defterreich Ungarn 2 Mr., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1894 unter Nr. 6919.

Vorwärts

11. Jahrg.

Insertions Gebühr beträgt für ble fünfgespaltene Petitzeile oder beren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn und Festtagen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet.

Zernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse:

Sozialdemokrat Berlin ,

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Sonntag, den 23. Dezember 1894. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Arbeiter! Parteigenossen! Trinkt kein boykottirtes Bier!

Die neue deutsche Berufszählung. zählung von 1882 wissenschaftlich verwerthbare und praktisch züglich bewährt hat, ist nicht recht einzusehen.

abgefehen fann natürlich nicht verkannt werden, daß die Berufs. neuere Verfahren mittels Zählfarten bei den Volkszählungen vor

N

momit?

Seit langen Jahren haben Männer der Wissenschaft, hat die brauchbare Resultate in Fülle geliefert hat. Wenden wir uns nun zur Fragestellung im einzelnen, fo Breffe faft aller Parteien, und auch hier allen anderen voran Seit 1882 war das Interesse des großjunkerlichen Deutschen besteht zunächst gegen 1882 ein großer Fortschritt darin, daß die sozialdemokratische Presse und Reichstagsfraktion, die Vor- Reiches an einer Berufsstatistik wieder erloschen, trotzdem ihre diesmal die ganze Bevölkerung namentlich erfaßt wird. 1882 follten nahme einer neuen Berufsstatistik für das Deutsche Reich ge- Nothwendigkeit wohl von niemand bestritten wurde. Jetzt nur die für Lohn arbeitenden oder dienenden Kinder unter vier fordert. Aber 13 Jahre mußten erst ins Land gehen, ehe die endlich hat man sich zur Vornahme einer Berufszählung in Ver- zehn Jahren namentlich angegeben werden, alle anderen nur der Reichsregierung sich hierzu wieder entschließen tonnte, trotzdem bindung mit einer Gewerbe- und landwirthschaftlichen Betriebs- Bahl nach, woraus eine erhebliche Unvollständigkeit resultiren fie z. B. zur Durchführung ihrer großen" sozialreformatorischen statistit entschlossen. Schon ist dem Reichstag eine entsprechende mußte. Eins wollen wir hier gleich erwähnen. Die Berufs Geseze und Gesetzchen auf völlig veraltete Daten an- Gefeßvorlage( in dem gleichen Wortlaut wie 1882) zugegangen, angabe der Kinder unter vierzehn Jahren die sich unter gewiesen ist. Und es ist ja auch in der That kein schon haben die vorberathenden Konferenzen über die Erhebungs- Nebenbeschäftigung finden wird, ist viel zu ungenau. Wunder, wenn das Reich wenig Neigung hat, fich formulare stattgefunden, aber noch immer ist nichts in die Man weiß ja, was es mit der nebensächlichen Beschäftigung dieser schwierigen Aufgabe zu unterziehen, hat es doch mit Deffentlichkeit gedrungen, in die Deffentlichkeit, die, wie z. B. der Kinder in Proletarierfamilien und in der Hausindustrie auf feinen bisherigen Berufsaufnahmen durchaus teine günstigen die Benutzung der 1882 er Zählung zeigt, das denkbar größeste sich hat. Zeitungen und Weißbrotaustragen bei nachtschlafender Erfahrungen gemacht. Die für das Jahr 1871 im neugeeinten Interesse daran hat, daß nicht schon die Fragen in Zeit vor der Schule, Kinderwarten, Hausirhandel, Boten­herrlichen Deutschen Reich" vorgenommene großartige Berufs- tendenziöser Weise abgefaßt find, ganz abgesehen davon, daß gänge 2c. nach der Schule, das sind die Freuden der Jugend zählung fiel so glänzend ins Wasser, daß ihre Resultate gar- das Publikum, welchem der Staat mit der Ausfüllung dieser zahlreicher Arbeiterkinder. Diese Kinderfreuden wird man durch nicht publizirt worden sind. Die Zahlen, welche Engel z. B. für detaillirten Fragen so große Arbeit auferlegt, doch wohl auch die weiten Rubrifen Hauptberuf, Nebenberuf niemals genau er­Breußen veröffentlicht hat, zeigen nur die völlige Werthlosigkeit ein Recht hat, auf die Gegenstände der Fragestellung bestimmend fassen. Dazu sind Individual 3ählfarten nöthig mit genauen dieser ersten deutschen Berufsstatistik. Bei der nächsten Bolts- einzuwirken. Im Parlamente wird sich ja den Abgeordneten, vor Fragen: ist eine Nebenbeschäftigung? zählung von 1875 wurde eine Berufserhebung zwar geplant, auch nehmlich denen unserer Partei, bei der Berathung des vorerwähnten von wann bis wann täglich? für welchen Lohn? erfragt, aber nicht ausgezählt, sodaß auch aus der zweiten Gesezentwurfes Gelegenheit bieten, auch an den Formularen Antworten auf diese Fragen tönnten ganz andere soziale Einblicke deutschen Berufsstatistik nichts wurde. Für 1880 plante man Kritik zu üben beziehungsweise sie zu bessern. Vorläufig ist aber gewähren! ' wieder eine Berufszählung; da die Herren sich in dem Reichstag nur die Forderung etlicher Millionen, nicht aber Während die Fragen nach Geschlecht, Zivilstand und der vorberathenden Konferenz über das auszuzählende das Erhebungsformular zugegangen. Der uns so günstige Wind Religionsbekenntniß die gleichen find wie im Jahre 1882, Material nicht einigen fonnten, beschlossen sie vorerst mal frisch hat uns dasselbe jedoch auf den Schreibtisch geweht, so daß wir wieder wird diesmal nicht mehr nach dem Alter, sondern nach Geburts weg zu zählen. Als die lugen Leute dann nach der Zählung in der amtlichen Information dem Reichs- Anzeiger" den Rang tag und Geburtsjahr gefragt. Der Hauptnachdruck liegt natür. wieber zufammentamen, um sich nun schlüssig zu werden, mußten ablaufen können. Als Zählungstermin ist der Vergleichbarkeit lich auf den Fragen nach dem Beruf. Hier wird ebenfalls wieder fie fich sagen: ja nun ist nichts mehr mit dem verpfuschten mit der letzten Berufsaufnahme halber der 13./14. Juni gewählt. geschieden nach Haupt- und Nebenberuf, und jedesmal nach Material zu machen. So fiel auch die dritte deutsche Berufs- 1882 war der 4. bis 5. Juni gewählt, 1895 ist ganz mit Berufszweig, hauptsächliche oder alleinige Erwerbsquelle, statistik ins Waffer. Die Wissenschaft fonnte noch so klar die Recht des Pfingstfestes halber der Termin um acht Lage ver- und Berufsstellung, ob selbständig oder welche andere Nothwendigkeit einer guten Berufsstatistik erweisen, was schoben worden. Wenn nun auch, wie gesagt, um eine Stellung, spezialisirt. Es ist also der Beruf diesmal aus. fcherte sich das Reich darum? Vergleichung zu ermöglichen die Wahl dieses Termines geboten schließlich von der Erwerbsquelle abhängig gemacht, während Plöglich wurde die Sache ganz anders. Anfang der Acht war, so ist doch andererseits zu berücksichtigen, daß im Juni die 1882 offen gelassen war, ob er von der Hauptthätigkeit oder vom ziger begann in der inneren deutschen Politik die agrarische Vertheilung der Bevölkerung auf die einzelnen Berufe durchaus Haupteinkommen abhängen sollte, was beides durchaus nicht Hochschutzöllnerei des Fürsten Bismard. Die Kornzölle sollten nicht eine normale, eine typische ist, daß z. B. die Landwirth- immer identisch ist. Auch diese straffere Fassung ist gewiß zu bedeutend erhöht werden. Zu diesem Behufe sollte nachgewiesen schaft, das Baugewerbe viel mehr Personen beschäftigen, andere begrüßen. werden, daß die Mehrzahl der Einwohner des Deutschen Reiches Gewerbe umgekehrt wieder weniger, als der Jahresdurchschnitt Dann folgt eine Frage um den Hanfirhandel und die Haus­Landwirthe, also an hohen Getreidezöllen interessirt seien. Hierzu beträgt. Dieser Fehler einer gewissen Einseitigkeit wird ja jeder industrie( in eigener Wohnung für ein fremdes Geschäft"). Auch brauchte man eine Berufsstatistik. Die Rücksicht auf die ins Auge Bählung in etwas anhaften müssen; um so günstiger trifft hierdurch werden wie 1882 die Angaben lange nicht alle Haus. gefaßte Arbeiterversicherung spielte hierbei eine weit geringere es sich, daß die neue Berufszählung" 1895 erhoben industriellen umfassen, ganz abgesehen, daß über ihre Lage auch Rolle. Auf diese Weise kam im Jahre des Heils 1882 die erste wird, also in demselben Jahre, wo nach dem fünf- fein Sterbenswörtchen erfragt werden soll. Was nüßt es, die Zahlen deutsche Berufsstatistik zu stande. Der tendenziöse Charakter jährigen Turnus wieder eine Volkszählung im Dezember der Hausindustriellen nach Berufen zu wissen, wenn man nicht dieser Zählung tritt schon in der Fragestellung zu tage. So wird fällig ist. Wird hierbei wiederum der Beruf erfragt, so ist die zum mindesten etwas über ihre Lohnverhältnisse und ihre Ar. bei der Frage Hauptberuf in Klammern beigefügt: hier ist Möglichkeit einer Ausmerzung der Einseitigkeiten durch Ver- beitszeit erfährt. Die nächsten Fragen beschäftigen sich damit, Zandwirthschaft zu nennen, wenn dieselbe die Haupt- gleichung beider nur durch 6 Monate getrennten Zählungen so ob Gehilfen, Lehrlinge, thätige Mitinhaber oder gewerbetreibende befchäftigung ist" 2c. Die Ausarbeitung wurde so ausnehmend be- günstig wie möglich gegeben. Familienangehörige mit thätig sind, und ob irgend welche schleunigt, daß mit Hilfe der Zahlen des ersten Bandes im Mai 1885 Die Zählung soll wie 1882 geschehen durch Haushaltungs- mechanische Arbeitskraft benutzt wird. Diejenigen, welche diese die Kornzölle auf das Doppelte ja Dreifache hinaufgetrieben liften, also der Vater füllt für die ganze Familie eine Liste aus, Fragen mit Ja beantworten, erhalten einen besonderen werden konnten. Dagegen erschien der letzte Band, welcher die worauf er auch die bei ihm wohnenden oder arbeitenden Per Gewerbebogen zur Ausfüllung. Frage 15 bis 17 Landwirthe nach der Größe ihrer Befizungen klassifizirte und fonen aufführt. Hiermit ist schon von vornherein eine ins Detail schäftigt sich mit der Arbeitslosigkeit. Für männliche und wonach nur etwa ein Achtel aller als Landwirthe gezählten über gehende Kombination der einzelnen Antworten untereinander weibliche Arbeiter, Dienstboten, Gesellen," und sonstige Arbeit­2 Hektar Land besaß, so daß es nun auch zahlenmäßig zu er- und die hieraus resultirende genauere Kenntniß ausgeschlossen. nehmer, auch für Hausindustrielle und Heimarbeiter mit Aus­weisen war, wie die hohen Zölle nur einem verschwindend Kleinen Weshalb man bei der Berufserhebung an der veralteten schluß der dauernd erwerbsunfähigen" wird gefragt 1. ob Theil der Bevölkerung die unerfättlichen Taschen füllte. Hiervon Methode der Aufnahme durch Listen festhielt, trotzdem sich das gegenwärtig in Arbeit( in Stellung), ja oder nein"; 2. feit wie

Feuilleton.

Im Exil.

( Nachdruck verboten.] 35

Roman von Georges Renard. Autorisirte Uebersehung von Marie Kunert . René schwieg träumerisch und ein wenig melancholisch zugleich und fragte sich, ob er von nun an wieder für sich allein leben müsse, nachdem er unter dem Gefühl der Ein­samkeit so sehr und so lange gelitten.

be

Er sagte sich, daß alles dies schon bei seinem Vater ein leben und sich dort einen Platz zu schaffen, aber auch seinen Vermächtniß ferner Vorfahren ivar; er empfand so Stein zu dem ungeheuren Gebäude, von dem es nur ein das starke Gefühl des Bandes, welches das Leben mit Theil ist, herbeizutragen. Ich will also, gelobte er sich, dem Tode, die lebenden Generationen mit den Dahin- meinen Theil an Freuden und Erfolgen, aber ebenso gefchiedenen verknüpft. Er sah in seiner Person das letzte auch an Arbeit und Kämpfen für das gemeinsame Wohl Glied einer ungeheuren Rette, die sich in der Nacht der haben!

Beiten verlor, das vorläufige Ende einer Jahrtausende Dies war seine Andacht, sein Gebet. Es schien ihm, langen Arbeit. Gewiß, die Idee der menschlichen Solidarität als ob es wie eine Stimme von jenseits des Grabes zu ihm war für seinen Geist nicht neu, aber niemals hatte er sie dränge, und als seine Mutter sich erhob, glänzte in seinen mit einer solchen Klarheit, einer solchen Kraft erfaßt. Er Augen jene ruhige Klarheit, welche männliche Entschlüffe begriff, daß in jedem Menschen ein Stück der vergangenen erzeugen.

Nun, Dein Hunger nach Paris ist noch nicht geftillt, wie der zukünftigen Menschheit enthalten ist, daß er daher Frau Meffant brachte ihn wieder auf die Erde zurück. rief Lucien, der sein Schweigen mißverstand. Deine Mutter durch alles, was er der Vergangenheit verdankt, der Bus Sie hatte eine Menge von Plänen. Zunächst war es nöthig, und Du, Jhr werdet es wohl nicht abwarten können, Eure funft verpflichtet ist, daß er sich nicht vereinzeln, daß René sich nach der letzten Mode neu einkleidete und alten Bekannten wiederzusehen. Vergeßt nicht, daß Ihr nicht auf sich selbst beschränken kann, ohne seinen Vorfahren rasiren und frisiren ließ. Mit dem langen Barte fand sie hier wie zu Hause seid und gehen und kommen tönnt, wie und seinen Nachkommen gegenüber sich für bankrott zu er ihn gar zu fremdländisch aussehend. Dann handelte es fich Ihr wollt. klären, ohne sich gegen das Gestern der Undankbarkeit und darum, alte Beziehungen zu erneuern und neue anzuknüpfen. Sie wollten ihren ersten Besuch dem Grabe des Vaters gegen das Morgen des Diebstahls schuldig zu machen. Auch war es unerläßlich, eine Wohnung zu suchen. Bes widmen und der Strauß, den René getauft hatte, wurde Von der Höhe des Hügels, wo die Stadt der Todten züglich einer neuen Stellung drängte augenblicklich nichts. wie eine fromme Opferspende dorthin getragen. In re- aufgebaut ist, schweifte Rene's Blick zerstreut über die Stadt Zum Glück besaß René einige Ersparnisse, sowie die nigen Minuten waren sie auf dem Friedhof des Père- der Lebenden, deren Dächer in dem bläulichen Nebel auf Summe, die ihm der Preis der Akademie eingetragen hatte. Lachaise angelangt. tauchten und er dachte weiter: diejenigen, welche Er konnte sich den Lurus gestatten, zwei oder drei Monate Das Antlitz des jungen Mannes verzog sich schmerzlich, hier ruhen, haben für die, welche welche fich dort zu warten. als er an der Mauer vorüberging, vor der so viele seiner unten regen, gearbeitet. Sie sind es, die Paris so groß, so Unterdessen kamen Mutter und Sohn überein, eine Gefährten erschossen worden waren, und ohne ein Wort schön, so berühmt gemacht haben. Sie und wir sind Mit- Fahrt durch die Stadt zu machen, und ein Fiaker trug zu sprechen, warf er ein Bund rother Anemonen auf arbeiter an demselben Werke. Schande über uns, wenn wir sie bald nach dem Herzen von Paris . Auf dem Boulevard dieses blutgetränkte Stück Erde . Die übrigen legte er auf die Frucht ihrer angestrengten Arbeit verderben lassen, wenn Montmartre angekommen, stieg Frau Messant aus. Sie dem Stein nieder, der die Begräbnißstätte seiner Familie wir dem gemeinsamen Erbtheil, das sie uns hinterlassen konnte dem Verlangen nicht widerstehen, sich unter die bezeichnete. Während seine Mutter auf den Knieen weinte haben, nichts hinzufügen. Er erinnerte fich jener Menge auf dem Asphalt zu mischen, an den Auslagen der und betete, begann er nachzudenken. Er dachte zunächst Thierchen, deren unendlich kleine, aber auch unendlich zahl- Geschäfte vorüber zu spazieren. Sie ging mit elastischem an den, der dort zu seinen Füßen schlief und dessen Blut, reiche Kadaver gewisse Berge entstehen ließen, und er schloß Schritt, mischte sich mit der Beweglichkeit einer Pariserin deffen Züge, dessen Stimme, dessen Neigungen, feine Betrachtungen mit dem Gedanken, daß es zweifellos unter die Gruppen, lachte, wenn sie gestoßen wurde, targte tausend Eigenheiten noch dunkel in ihm weiterlebten. die Bestimmung des Individuums sei, im Sonnenschein zu nicht mit freudigen Ausrufen und vergaß ganz, sich müde