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Nr. 155 39. Jahrgang

Beilage des Vorwärts

Firmierungs- Nepp der Gernegroße.

Hochtönende Titel und Geschäftsbezeichnungen.

Sonnabend, 1. April 1922

Berlin ohne Kofs!

Die zurzeit herrschende falte Witterung hat bei der Bevölkerung Groß- Berlins die Nachfrage nach Kots außerordentlich gesteigert. Die Berliner Rofslager find, wie von unterrichteter Scite mitgeteilt wird, völlig ausverkauft, und Hunderie von Zentralheizungsanlagen müssen stilliegen. Die Be­

Es dürfte noch erinnerlich sein, daß vor einiger Zeit ein Mörder Solidität gewährleistet wird. Das Handelsregister des Amts- völkerung Groß- Berlins hat sich in den vergangenen Jahren an vicie feine weiblichen Opfer in einem fleinen, im Dsien gelegenen, übel gerichts Berlin - Mite umicht sämtliche in Berlin eingetragenen Einschränkungen gewöhnt, und sie würde auch jetzt die kalten Stuben duftenden Lokal letzten Ranges fennenzulernen pflegte, das den Firmen; es dürfte in einer größeren Bibliothet ohne weiteres ein- williger in Kauf nehmen, wenn nicht bekannt wäre, daß sowohl in bombastischen Namen Weltspeisehaus" trug, obmohl nur für ein gefehen werden lönnen( erentuell in der Bibliothek der Handels- Bestfalen als auch in Schlesien viele hunderttausend paar Pfennige ein suppenähnliches Gebräu an die teilweise Obdach- fammer, Berlin NW. 7, Dorotheenſtr. 8. geöffnet 9-3, Sonnabends Tonnen Koks auf den Halden liegen. Es ist eine durchaus 9-1). Ebenda fann man sich über den Wert von industriellen usw. notwendige Aufgabe der Berkehrsbehörden, beschleunigt dafür Sorge lofen abgegeben wurde. Diese pompöse Bezeichnung mag man mit Aktiengesellschaften in Ealings Jahrbuch, über den von Gesellschaften zu tragen, daß die Kofszufuhr nach Berlin in vollem Umfange milletdigem oder auch halb traurigem Lächeln lesen, aber es weiß mit beschränkter Haftung im Handbuch der Gm. b. S. genau wieder aufgenommen wird. Aber leider treffen täglich an Stelle dabei doch jeder, was er davon zu halten hat. Das weiß er ferner unterrichten, da in diesen Büchern alle Angaben über Kapitalshöhe, der notwendigen 200 Rofswagen nur 5 oder 6 Wagen ein. cuch, wenn ein fleines, unscheinbares Kramlädden fich gespreizt Borstand usw. enthalten sind. Zuweilen kommen auch Fälle vor, Kaufhaus"," Bazar", Bentrale" oder dergleichen nennt, oder wenn wo einfach von Handelskontor Martha"," Warenzentrale Cubeta" in einer der genanntesten Straßen Berlins ein Internationaler die Rede ist, ohne daß man wußte, cb es sich um eine Einzelperson, Film- Verleih" diesen umfassenden Geschäftsbetrieb im Hausflur mit G. m. b. S. oder offene Handelsgesellschaft handelt. Die gewiß gut rote: Tinte auf weißem Papier anzeigt; wenn die ,,.. Berfe" in unterrichteten Mitteilungen der Handelskammer zu Berlin ", denen mie diese lehte Notiz rerdanken, bemerfen, daß solchen Firmen mit derselben Straße ,, Hof, parterre rechts" sich befinden, während man Phantasie" namen im Drang der Geschäfte zuweilen Gelder zur Ber­unter diesem Stichwort sich ausgedehnte Fabrikanlagen vorzustellen fügung gestellt wurden, ohne daß überhaupt namentliche Briefunter­pflegt. Schriften vorlagen.

Die Fabrik" im Hinterzimmer.

Die Großmannssucht um jeden Preis, der Dünfel. bas mit Ce walt Erraffenwollen unserer Zeit, das weit über das für den redlich strebenden Geschäftsmann Zulässige hinausgeht, zeigt sich deutlich in diesen Typen. Der Handlungsgehilfe, der Verkäufer im Feinkost­faden nennen sich lieber Kaufmann; das flingt und sieht nach mehr aus. Gefährlich wird der Fall aber, wenn der schön bedruckte Brief­bogen ins Haus flattert und du in qutem Glauben an die Reellitäf tein Geld riskierst. Was dann? Sieht da nicht: Chemische Fabrit von N.. u. Co.? Bankkonto da und da? Antwort erbeten an Ab­teilung 16a? Ach, lieber Freund, die Chemische Fabrit" ist in einem leinen, dunklen Hinterzimmer, allwo aus einigen Flaschen und Ge­binden ohne alle alchimistischen Hilfsmittel mit Hilfe von viel Aqua destillata( Feld-, Wald, Wiesen- und Brunnenwaffer) einigen Färbe mitten, schönbemalten Etiketten usw. hantiert wird. Der Bulak ,, u. Co." ist dem Einzelfaufmann gefehlich nicht verboten, sieht nach stillen Teilhabern aus und erhöht somit das Zutrauen, ist aber viel fach reiner Schwindel. Dies gilt erst recht von angeblichen Ab­teilungen" bes Riefenhauses. Was die Bankverbindungen" an= geht, so gelang es im Falle eines Batentbureaus vor einiger Zeit zu ermitteln, daß die eine genannte Großbant von einem angeblichen Ronto bei ihr nichts mußte. die andere rflärte, der Mann habe vor Sabren ein unbedeutendes Ronto bei ihr unterhalten. Auch in diesem Falle wiesen die Geschäftsbogen hochtönende Bezeichnungen auf. Es stellte sich indessen heraus, daß der Geschäftsinhaber Patentschriften nicht verfolgte und erfärte, wenn das Batentamt das nachoesuchte Batent zurückweile, wisse man ja, ob die Jbee alt oder neu sei! Die Anmeldegebühren und viele hundert Mark Honorar wären aber dann eventuell nutzlos geopfert worden.

Die Titelsucht.

Sehr stilvoll ist auch die Titulatur Diretor". Direktor und Dirigent haben denselben Evrachſtamm; fie feiten" etwas. In fehr vielen Fällen aber ist der feibstverliehene Titel reiner Bluff. Der Dichter böhnt: Ein Titel muß fie( die Menne) erst vertraulich machen! Beliebt ist auch die Bezeichnung Banthaus" feitens vieler aweifelhafter und oft vorbestrafter Eriftenzen So oft die Zeitungen auch auf erwielene Schwindler oder des Schwindels verdächtige un­befannte Unternehmungen hinweisen, die mit Erdölanteisen, Shares usw. duf den Dummenfang gehen, es nüßt nichts. Reppfirmen bifihen und gedeihen, obwohl gelegentlich feftneftellt wurde, daß sie feilmeise nicht einmal zur Börie zunelaffen find. Rideamus fpöteft: Ich war ein bißchen in Geld metreten und bote einige tausend one'en". Die dann bei Herrn Nepp in die Hände tommen, in die sie nicht hingehören.

Wie schützt man sich?

Die schütt man sich nun am besten por Uebervorteilung? Bei Angeboten von unbekannten Bant" firmen erfundige man sich recht­zeitig bei einem als reell betannten Banthous oder der Depofiten­falie( im Bottsmund vielfach Filiale" genannt) einer Großbant,

As Grundsay halte man sich daher in allen zweifelhaften Fällen an die alten Säße: Trau, schau, wem?" und" Augen auf, Beutel zu!" Die täglichen Gerichtsberichte müßten ohneties zur Borsicht mahnen.

Vom Nord- Südbahnbau.

Die Fertigstellung der Umformerwerke.

Der Bau der Nord- Süd- Untergrundbahn schreitet rüstig vor­wärts. Das erste Bauwerk, das in Berlin nach der neueren Beton­bauweise aus Gußbeton hergestellt morden ist, das Unterwerf der Nord- Südbahn am Halleschen Tore, ist jetzt im Rohbau nahezu vollendet.

Bekanntlich werden für den Bau der Nord- Südbahn und für ihren späteren Betrieb zwei Umformerwerte erforderlich, in benen der hochgespannte Kraftstrom umgeformt wird einerseits auf die für den Bahnbetrieb erforderliche Stromschienenspannung, an­dererseits für die für Beleuchtung, Heizung usw. erforderliche Span­nung. Das kleinere dieser beiden Umformerwerke ist auf dem Weddingplatz in der Nähe der Unterführung der Bahn unter die Ringbahngleise im Bau. Das größere liegt auf der Ostseite des Belle- Alliance- Plazzes. Das unterirdische Bauwerk, das drei Ge­schoffe erhält, hat eine Höhe von der Kellersohle bis zur Decke gemessen von rund 12 Metern. Die Kellerräume sind zur Aufnahme Don Rabeltanälen usw. vorgesehen. Darüber liegt die ge­räumige Maschinenhalle, in der die großen Kastaden umformer auf riesigen, bis tief in die Erde hinabreichenden Fundamenten ihren Blok erhalten sollen. Das dritte Geschoß läuft als Galerie um diese Maschinenhalle und ist zur Aufnahme der Schaltanlagen, der Widerstände bestimmt. Trotz der außerordentlichen Ausdehnung der Maschinenhalle ist diese doch nicht ohne Tageslicht. Drei große Oberlichter sorgen für die Be­leuchtung. Sie werden späterhin in den gärtnerischen An lagen des Belle- Alliance- Blazes liegen und durch Strauchwerk ver­borgen sein. Fundamente, Seitenwände, Decke und die Zwischen decken für diese unterirdische Maschinenhalle sind soweit fertiggestellt, dak schon in den nächsten Tagen mit dem Aufstellen der Ma schinen und der Schaltanlagen begonnen werden kann, die durch eine Aussparung in der Decke durch Kräne herabgelassen werden. Der Berfuch, mit Gurbeton zu bauen, hat vollen Erfolg gehabt, und man dorf annehmen, daß diese Bauart sich nunmehr bald einbürgert und häufiger, besonders bei großen Bauten zur Anwendung femmt.

Die Wiederkehr der Deckungsvorlagen. Aus dem Rathaus wird gemeldet, daß der Stadtver oder man wende fich direkt an den Zentralverband des Deulichen ordnetenveriammluna bereits neue Vorlagen zur Deckung Bank- und Bankiergewerbes, Berlin NM. 7, Doro heenſtr. 4. um der von der Versammlung bewilligten Lohn- und Gehaltser böhungen fich vor Schaden zu bewahren. Bei forstigen ge'chäftlichen Ange­boten, die einem Bedenken aufsteinen laffen, fehe man im Handels- zugegangen find. Abgelehnt wurden in der letzten Etadiverordneten rea'ffer nach, ob die betreffende Firma auch han elsgerichtlich ein- fibung, wie gemeldet, die Erhöhungen des Gaspreises und des getragen ist, weil dadurch wenigstens eine gewiffe Garantie für Stranenbabupreises.

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Die Macht der Lüge.

Roman von Johann Bojer.

Wenn menigtens noch Norby felber hierher gekommen wäre und für sich gebeten hätte! Obwohl es auch dafür jetzt au( pät it!"

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Eine Weile( der Pfarrer mit zusammengepreẞtem Munde da: Hören Sie mal, Wangen , haben Sie niemals hier in dieser Welt jemandem etwas zuleide getan?" Die Frage machte Wangen stugen, und er zwang fich wie­der zu einem Lachen. Nach einer Weile antwortete er: Ich meiß mur, daß ich hier unschuldig bin. Und Norby hat mich jekt fo longe gequält, daß er jegt in das Buchthaus tommen foll, bas er mir zubachte. Und wenn er so reich ist, dann soll er aino gehörig zahlen. Ich will nicht nur ein paar Pfennige als Schadenersag." So tief tann das Leid nicht gehen, wenn er fich dafür bezahlen fäßt," dachte der Pfarrer, er ist doch schuldig."

Luftgeschäfte mit Militärgewehren.

In dem seit vier Tagen verhandelten Prozeß gegen den Er ha prinzen von Hohenlohe- Langenburg, den Geh. Hof­ rat ahne, den Oberleutnant a. D. Telz und mehrere andere. Angeklagte, in welchem es sich um Luftgeschäfte mit riesigen Mengen nicht vorhandener Militärgewehre handelte, wurde, nun­mehr das Urteil verkündet. Die Verhandlung erg u. a., daß verichiedene Spigel der Entente in dieser Sache tätig ge wesen waren. Die Angeklagten wurden sämtlich von der Anklage des Verbrechens gegen das Eniwaffnungsgeich aus rechtlichen und tatsächlichen Gründen auf Koste nder Staatstaffe freigesprochen.

Hokuspokus.

Die Sterndeuter vom Wedding .

In das Reich des schwärzesten Aberglaubens und zugleich des blühenden Blödfinns leuchtete eine Berhandlung hinein, die gestern längere Zeit das Schöffengericht Berlin- Mitte beschäftigte. Ange­flagt wegen Betruges war der berühmteste Horoskop steller Deutschlands ", der Artist Ernst Erlenbach und sein Geschäftsführer" Adolf Lehmann . Seit längerer Zeit ist in allen Volksschichten der Hang zur Wahrsagerei und sonstigem mystischen Unsinn festzustellen. Viel Unheil ist dadurch schon an­gerichtet worden. Die Ursache vieler unerklärlicher Selbstmorde ist wahrscheinlich auf diesen Mystizismus zurückzuführen. In allen ällen handelt es sich um eine ebenso dreifte, wie gemeingefährliche Spekulation auf die Dummheit der Zeitgenossen.

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Bor einiger Zeit wurde Berlin , besonders aber der Norden, mit Betteln überschwemmt ungefähr des Inhalts: Dein Glück ist in den Sternen, deine Handschrift ist die Seele. Lüfte den Schleier, der über deiner Zukunft liegt, es ist dein Glück. Atademisch gebildeter Graphologe, Horoskop­steller und Kartendeuter Erlenbach. Diskretion Ehrenfache." Die Folge dieser Massenspekulation auf die Dummheit war ein un­gebeurer Andrang von Männern und Frauen. Als der Unfug immer größeren Umfang annahm, schritt schließlich die Polizei eint. Der moderne Sybillerich war in einem muffigen und wohl absicht­lich dunkel gehaltenen Kellerloch in der Invalidenstraße unter­gebracht. Dort saß der berühmte Graphologe", ein blaffer Jüng­piepfiger Stimme allerlei Unfinn zuflüsterte. Für alle Fälle" waren ling mit einer riesigen Lockenmähne, der mit weibisch- gezierter, in dem Zimmer, dessen Wände mit allerlei astronomischen Bildern geschmückt waren, zwei bisfige unde angebunden, die jeden neuen Kunden grimmig anfnurrten. Während das Zimmer des Herrn Wahrsagers durch einen stinkenden Betroleumofen mühsam erwärmt wurde. mukte die Kundschaft in einer falten Küche auf altmodischen Plüschieffeln, aus denen das Werg heraushing, figen. Momente. Der akademisch gebildete" Wahrsager sagte fonsequent Die Berhandlung selbst hatte mehrfach zwerchfellerschütternde fiait bas Horoskop", ber herostop", sodak ihn der Borsitzende. schließlich fragte, ob Herostopus vielleicht mit Hofuspokus identisch fei. Eine Frau, die wissen wollte, ob ihr Kinderiegen befchieden sei, wurde vom Borsitzenden befragt, ob denn die Brophezeiung des Angeklagten auch eingetroffen sei. Bon Rechtsanwalt Dr. Fren wurde darauf aufmertjam gemacht, daß laut Eröffnungsbeschluß also nicht wissen könne, ob der profeinde Angeklagte nicht doch noch diese Tat des Angeklagten erst im Januar verübt worden fei, man recht behalte. Eine andere Zeugin erklärte, daß sie dem Ange­flagten das Geld auch so gegeben hätte, weil er beim Wahrsagen so geschwigt habe..- Der Amtsanwalt beantragte die Berurteilung der beiden Angeklagten, während Rechtsanwalt Dr. Fren geltend machte, daß sie eigentlich noch eine Belohnung verdient hätten, da

helfe Gott des Recht, das in solche Hände gekommen ist. Kann| in sich wachsen, in der er alles das glaubte. Und dabei stand man denn roh und böse werden, weil man recht hat? Nein. Er muß der Schuldige sein."

Er feufzte und nahm mißmutig Abschied. Wangen be­gleitete ihn hinaus und sagte auf der Treppe: Außerdem ist das hier viel mehr, als nur eine Frage zwischen Norby und mir. Bu allererit handelt es sich um die Arbeiter, die brotios geworden find. Es ist eine soziale Frage."

Ja, ja," sagte der Pfarrer, setzte sich in seinem Schlitten zurecht und nahm die Zügel. Und bei fich dachte er: Natür­lich. Und wenn einer heutzutage nur Zahnschmerzen hat, dann will er daraus eine fosiale race machen. Die Leute sind zu feige, noch allein etwas zu ertragen."

mehr länger so alleine, wie Norby glaubt." " Ja," fuhr Wangen fort. Ich stehe Gott sei Dant nicht

Dann braucht er einem ja gar nicht so leid zu tun," dachte der Pfarrer. Aber laut sagte er: Ja, ich hörte, Sie haben einen neuen Arbeiterverein gegründet und halten da in letzter Zeit ab und zu Vorträge?"

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" Ja," antwortete Wangen . Man mükte ja blind sein, menn man nicht einsehen wollte, daß hinter Norbn eine Reihe Großbauern steckt und daß die Geschichte zunächst einmal darauf abzielt, dem Achtstundenarbeitstag hier in der Ge­Der Pfarrer lächelte, sagte Lebewohl und knallte mit der " Das war ein sehr perunglückter Krantenbesuch," dachte er und feufate. Die Menschen werden erit weich, wenn's ans Sterben geht. Aber auch dann noch wollen sie sich dadurch einen Borteil verschaffen."

Aber laut fagte er: Gott helfe uns Menschen, denen es so schmer wirb, einander zu vergeben! Und dabei wollen wir boch, daß der liebe Gott immer bereit sein soll, uns zu vermeinde den Garaus zu machen." geben." Wolfen Sie denn die Gerichte abschaffen, die uns zu Peitsche dem Pferdchen zu. unferem Recht verhelfen, Herr Pfarrer?" Derartige Gerichte sind schlechte Werkzeuge, um das Recht an den Tag zu bringen, fieber Wangen . Sie können vielleicht die Frud faffen, aber nie die Wurzel. Paffen Sie auf, wenn die Beugen auftreten. Die lügen, ohne es zu wissen. Sm Zimmer blieb Wangen am Fenster stehen und fah Sie wirbeln Staub auf, und nach dem Staub urteilen die Richter. Das ist menschlich. Gott schüße uns vor dem Urteil und feinen Folgen."

er da und folgte dem Pfarrerschlitten mit den Augen. Und ganz allmählich wurde der alte Pfarrer wie er da den Weg. entlang fuhrein theologischer Anmalt des Kapitals- er wie so viele andere Pfarrer auf Erden.

Hast du schon einmal gehört, daß eine Sache so übel war, daß sich nicht irgendein Pfarrer fand, der sich, feinen Gott und feine Kirche dafür zur Verteidigung anbot? Denk nur an den Krieg. Und an die Höllenstrafen! Ja, ja, es ist schon so!"

Henrik Wangen hatte in diesen Tagen nichts zu tun, darum beschäftigte er sich dauernd mit der Geschichte mit Norby, und darum wuchs diese in seiner Einbildung immer mehr. Zugleich mußte er ständig Zeuge von immer neuen traurigen Folgen feines Banterotts fein. Schon wenn er dem elten Schneider begegnete, der ihm seine Sparpfennige qnver= traut hatte, machte er unwillkürlich einen Ummeg. Denn ihm war, als starre der Schneider ihn mit wahnsinnigen Augen an.

Henrit Wangen hatte sich feit früher Jugend leicht und gern für Probleme und Ideen begeistert. Aber diese Ideen waren immer davon ausgegangen, was andere tun sollten und wie anderen geholfen merden könne. Und als endlich eine übermächtige Verantwortung das Messer an seine eigene Rehle fezte, verzweifelte er darüber, alleine zu stehen; die Pflicht zu fühnen und zu büßen erschien ihm übermenschlich schwer, und unwillkürlich versuchte er auch jetzt, das Ganze zu einer öffentlichen Angelegenheit zu machen.

Darum hatte er zuerst halb unbewußt gewünscht und ge­hofft, diese Geschichte mit der Fälschung könne der Ausdruck einer Verschwörung gegen seine Unternehmungen sein. Aber jetzt war er fest davon überzeugt, und jedesmal, wenn er wieder jemanden verdächtigen konnte, unter einer Decke mit den Broßbauern zu stecken, wurde er feiner Sache noch sicherer. Wenn er es sich recht überlegte, hatte er schon längst mer­fen fönnen, daß etwas im Berfe mar mit seinen Geschäfts­verbindungen auch nach außerhalb. Kapitalisten blieben Kapi­talisten, ob sie sich nun Bauern nannten oder Großhändler. Alle hatten sie Angst vor seinem Achtstundentag. Und sie wollten ihn zum Banterott treiben, nicht nur um fagen zu. Rache wollten sie haben. Ins Zuchthaus sollte er. Sie wollten ihn so tief hinabstoßen, daß er von nun an unschädlich war. Jezt verstand er das. Wie so viele war er ein Opfer der dämonischen Roheit geworden, die von Reichtum und Kapital erzeugt wird. ( Fortsetzung folgt.)

dem Pfarrer nach. Er konnte sich nicht sofort flar werden, denn der alte Pfarrer hatte ihm trok allem einen guten Ein­hrud gemacht. Aber gerade das wollte er ungern wahrhaben. Die ganfe Beit faz Bangen da und glaubte, der Pfarrer Denn das fonnte seine Berechnung von der menschlichen Bos­fei von Norby gefonbt und wolle ihn mit schönen Worten ver- heit stören, der Wangen täglich nene Werte zuführte und die leden. Darum wurde er jetzt ungeduldig und wollte zum ihn zugleich in seinem berechtigten Zorn bestärkte. Shluk fommen Et stand mit einer heftigen Bewegung auf Es ist doch sonderbar," dachte er etwas gezwungen, bag und ging einmal burchs Rimmer:" Das einzige, was ich be- die Pfarrer sich immer der Reichen wegen bemühen!"-In fönnen:" So geht's mit diesem furzen Arbeitstag." Nein, filrchte, fagte er nachdrücklich denn das sollte Norby zu diefen Gedanken flüchtete er sich halb unbewußt, um von dem hören befommen ist, daß er zu leicht wegkommt. Wenn guten Eindrud fortzukommen. Und mit Gottes Wort und ich mir's recht überlege, dürfte er überhaupt nicht mehr aus feierlichen Gebärden versuchen sie die armen Bente dazu au dem Ruchthaus heraus." bewegen auf ihr gutes Recht zu verzichten. Ja, ja, fo find sie!" Der Pfarrer empfand das wie einen Schlag auf den Kopf Und wie er fo nach und nach eine ganze Reihe ähnlicher unb erhob sich schnell. Wenn er recht hat," dachte er, dann Betrachtungen vom Stapel ließ, fühlte er auch die Erregung

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