Nr. 182 39.Jahrgang Ausgabe B Nr. 90
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Dienstag, den 18. April 1922
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Genua , 18. April. ( Sonderbericht des Sozialdemokrati-| diese Macht gerade Sowjetrußland ist, mit dem die Enten schen Parlamentsdienstes.) Die Situation ist fritisch! Die BeV. Sch., Genua , 18. April. ( Eigener Drahtbericht.) sich in noch schwebendem Konflikt befindet und dessen Zusam kanntgabe des deutsch - russischen Vertrages hat eine starke Emmenschluß mit Deutschland die größte Sorge Frankreichs ist, pörung bei den Ententemächten hervorgerufen. Noch in den auf Einladung der italienschen Regierung einen Ausflug nach bei. Da die linksstehenden Franzosen von einer UngeschicklichAm Ostersonntag hatten die ausländischen Journaliſten trägt natürlich zu der Erregung der französischen Delegation gestrigen Abendstunden traten die einladenden Mächte zu- Rapallo unternommen. Friedlich saß die internationale Ge- teit sprechen, die sich noch bitter rächen werde, kann man sich fammen, um über die Situation zu beraten. Um 12,30 Uhr sellschaft auf der Veranda des Hotels Bristol und betrachtete ungefähr denten, wie sich die Poincaristischen Kreise äußern: verlautete als Ergebnis: Sämtliche Arbeiten der das in der Bucht von Santa Marguerita zum Schutz der Jlloyalität“ und„ Erpressung" sind noch die gelindesten Aus Konferenz werden ausgesetzt, bis der Sowjetdelegation vor Anker liegende italienische Linienschiff drücke, und es wird sogar hartnäckig das Gerücht verbreitet, 3 wischenfall geklärt ist." " Comte di Cavour". Niemand ahnte, was ganz in der Nähe daß hinter dem deutsch - russischen Friedensschluß auch eine Wir wolfen gegenwärtig nicht untersuchen, ob eine Ron- im Hotel Imperial zur gleichen Zeit sich abspielen sollte. Erst deutsch - russische Militär fonvention stede. Das ist natürferenz der Gleichberechtigten von einem Teil der Konferenz- im Laufe des Nachmittags plagte die Bombe. lich glatter Unsinn. teilnehmer ohne Auftrag gewissermaßen vertagt werden kann. Der Abschluß eines Vertrages, durch den der endliche Deutschland hat keinen Anlaß, unnötige Schärfen herbeizu- Friedenszustand zwischen dem Deutschen Reich und bei Barthou zurückkehrten, gaben sogar das Stichwort von Einzelne Berichterstatter, die vom Presse empfang führen, sondern wird im Gegenteil bemüht sein, zur Beilegung der russischen Sowjetrepublit wieder hergestellt einer Kriegserklärung Deutschlands an die gedes sogenannten Zwischenfalls sein möglichstes zu tun. Keine wird, hat plößlich eine Situation geschaffen, die man zum famte Entente" aus oder von einem neuen Brest - Litowst, durch Macht ist rechtlich in der Lage, die Reichsregierung an dem mindeſten als ernst bezeichnen fann und die sogar, wenn man das Deutschland versuchen wolle, den Alliierten ihr Verhalten Abschluß eines Wirtschaftsvertrages zu hindern. Deutschland zahlreichen Stimmen aus dem alliierten Lager Glauben schenhat in Genua nur von einem Recht Gebrauch gemacht, das fen darf, das nahe Auffliegen der gesamten Konferenz be- gegenüber Sowjetrußland zu diktieren. Sie stellten das Aufihm weder auf Grund des Versailler Vertrages noch sonst eines fürchten lassen müßte. Diese Wendung wirkt ebenso über- fliegen der Konferenz als totficher hin und gaben der Meinung Dokuments verwehrt werden kann. Der Inhalt fämtlicher raschend wie der Vertragsabschluß selbst. Das Gebot der des Obersten Rates in diesem Sinne beschließen würde. DemAusdruck, daß die für Dienstag vormittag einberufene Sigung Communiqués der Entente, die auf den deutsch - russischen Ber- Situation heißt: Kaltes Blut bewahren und die Dinge ohne gegenüber muß allerdings betont werden, daß das von der trag Bezug nehmen, erwedt übrigens auch den Eindruck, daß Schönfärberei, aber auch ohne übertriebenen Pessimismus zu franzöfifchen Delegation am späten Abend herausgegebene man Deutschland diese Rechte nicht streitig machen will. Der betrachten. Diesem Zweck soll der folgende Bericht dienen, der Communiqué bei aller Schärfe der darin enthaltenen Vorfogenannte 3wischenfall" wird aus angeblichen for die Entwicklung in den letzten Stunden schildert. malen Verfehlungen fonstruiert. Diese werden darin würfe gegen Deutschland in seinem Ton und in seinen SchlußDie deutsche Presse war auf heute mittag 12 Uhr in das folgerungen erheblich gemäßigter flingt. gesucht, daß unsere Delegation versäumte, die Entente in Quartier der deutschen Delegation, das Hotel Eden, zusammenGenua von ihrem Borhaben in Kenntnis zu sehen, und sich er- getrommelt worden und erhielt Kenntnis von dem, was sich Nun liegt es auf der Hand, daß die Franzosen , die seit laubte, einen Sondervertrag zu schließen, während das Pro- ereignet hatte. Der Text des Bertrages wurde ihr noch vor- Monaten alles getan haben, um die Konferenz zu fabotieren blem Rußland die Konferenz allgemein beschäftigen soll. enthalten, weil man irrtümlich glaubte, daß am Dienstag und mit diesen Bemühungen bisher wenig Glück hatten, nunSonderbarerweise erhebt dieselbe Entente diese Vorwürfe, die morgen nur wenige Blätter in Deutschland erscheinen würden. mehr den Zeitpunkt für gekommen halten, einen Borstoß zu eine ganze Woche mit den Russen verhandelte, ohne die Als aber drei Stunden später die ausländischen Berichterstatter unternehmen. Sie wollen offenbar die mehr oder minder deutschen Delegierten hinzuzuziehen oder zu im Theatro Carlo Felice versammelt waren, zirkulierte bereits scharfe Misstimmung der Engländer und Itaunterrichten. Auch von den Ententedelegierten sollte man an- der Inhalt des Vertrages von Mund zu Mund, bald fogar liener ausnutzen. In Wirklichkeit ist aber die Handlungs. nehmen, daß sie von dem Interesse Deutschlands an der ruffi fein Tert von Hand zu Hand. Die deutsche Delegation hatte weise der deutschen und der russischen Delegation völkerrechtlich fchen Frage unterrichtet wären. Was Deutschland zum Bor - ohne Einvernehmen mit dem russischen Pressebureau gehan- zweifellos ganz einwandfrei. Das gaben auch die Franzosen wurf gemacht wird, hat die Entente selbst seit Tagen getan, belt. Und während die deutsche Bresse erst am Abend das letzten' Endes zu, wie fich auch aus Inhalt und Ton ihres ohne daß sich Deutschland darüber aufgeregt hätte. Trotzdem Abkommen erhalten sollte, wurde es bereits mittags im Presse- Communiqués ohne weiteres schließen läßt. aber bleibt die Frage bestehen, ob die deutsche Delegation nicht bureau der Sowjetdelegation vervielfältigt und verbreitet. Es ist bezeich nend, daß ein Absatz des offizieöfen Communiqués, der diese dennoch mehr Rücksicht auf die außenpolitische Gefamtiage hätte nehmen tönnen, ohne deutsche Interessen Die Wirkung der Nachricht auf sämtliche Delegations - rechtliche Korrektheit in 3weifel zu ziehen versuchte, vor der Beantwortung erst möglich ist, wenn die Regierung diesen loſe Ueberraschung, in der nur die Franzosen die Gleichgülti- Berhaltens- aber wenn schon der Streit auf dieses Gebiet gezu schädigen. Natürlich ist das eine sehr heifle Frage, deren freise war ganz ungeheuer. Die anfängliche grenzen- Herausgabe noch schnell gestrichen wurde. Auch ist der Hauptvorwurf der Alliierten gegen die Deutschen der des illoyalen Schritt begründet hat. Wie dem aber auch sei, am wenigsten gen martierten, wich langsam einer sehr großen Erregung, ja lenkt werden soll, so fällt dieser Vorwurf in erster Linie auf hätten eigentlich die Ententestaaten ein Recht fich zu empören fogar Entrüstung. Zufriedenheit und Zustimmung ist bisher die Alliierten selbst zurück. Diese sind es gewesen, die über Dinge, an denen sie die Hauptschuld mit tragen. auf alliierter Seite, natürlich außer bei den internationalen Welche Lösung die Situation erfahren wird, ist unbe und bei der Richtung Nitti zu finden. Die italienischen Re- tung Deutschlands verhandelten, und zwar über Dinge, Kommunisten, eigentlich nur bei den italienischen Sozialisten seit Freitag mit den Russen allein und unter Ausschalftimmt. Eine allgemeine Auflösung der Konferenz erwartet man vorläufig feinesfalls. In Kreisen der deutschen Dele- gierungsfreise sind verstimmt, vielleicht nur, weil sie in dem die Deutschlands Interessen wesentlich berührten, namentlich gation vermag man faum zu glauben, daß die Ententestaaten Bertragsabschluß eine Gefährdung der Konferenz erblicken. die Anwendung des Artikels 116 des Versailler Vertradie Verantwortung für einen endgültigen Abbruch der Be- Doch auch bei den Engländern ist man wenig erbaut, zu- tionsleistungen gesichert werden sollte. Man mag diesen Arges, durch den Rußland ein Anteil an den deutschen Repararatungen übernehmen. Die allgemeinen Aeußerungen der mal ihre eigenen Verhandlungen mit den Russen nicht beson- titel als eine Fiftion betrachten. Tatsächlich enthält er aber maßgebenden französischen und englischen Delegationsmit. ders gut stehen. Der Gegensatz zwischen ihren Auseinanderglieder über den Vertrag rechtfertigen diese Auffassung. Sicher- sehungen mit Tschitscherin und der vollendeten Tatsache des doch die Möglichkeit, Deutschland zu zwingen, Naturalleistunlich wird der heutige Tag schon eine Entscheidung bringen. deutsch - russischen Lebereinkommens ist gewiß nicht geeignet, sie gen, wie z. B. Lokomotiven, landwirtschaftliche Maschinen Die deutsche Delegation wird noch heute neue Fühlung besonders freundlich zu stimmen. Es bleibt nur die Frage, usw. a Conto der Reparationen, d. h. ohne Bezahlung, an nehmen. Was uns not tut, ist weitgehende Zurückhaltung der ob sie nicht wenigstens unter der Hand von der Abficht Deutsch Rußland zu liefern. Die Alliierten sind es also, die Geist und Deffentlichkeit, insbesondere der Heimat. Der sogenannte lands und Rußlands , ein Separatabkommen zu schließen, vor- 3weck der Genua - Konferenz zum erstenmal durchbrochen 3wischenfall" fann nur in seinem Geburtsort beigelegt mer her unterrichtet waren. Deutscherseits wird mit haben, als sie zu der Methode des Obersten Rates zurückkehrden. Das sollte man in Deutschland trotz aller parteipolitischen aller Bestimmtheit erflärt, daß die mas Deutschlands , mit Rußland jene Verhandlungen zum Abschluß ten. Ihre Erregung ist begreiflich, aber das formelle Recht Gegensätze nicht vergessen. gebendsten englischen Stellen von der TatDer französische Justizminister Barthou äußerte sich fache des nahen Abschlusses unterrichtet wor- zu bringen, die schon seit längerer Zeit schweben, steht ebenso über den deutsch - russischen Vertrag u. a.: Auf jeden Fall schafft schluffes ihnen überraschend gekommen sein kann. Jedenfalls Deutschlands erblicken, so mögen sie nicht ganz im Unrecht sein. die des AbGegenzug das Aber sie haben diesen Gegenzug selbst provoziert, und sie gruppierung der Interessen. Durch die Art und wird heute überall behauptet, auch von einer neutralen BerVorbereitung des Vertrages ist auch ein neues Tei fönlichkeit, die Deutschland durchaus günstig gesinnt ist und sind, wie mir wiederholt versichert wird, vor den Folgen einer lungsprinzip geschaffen worden. Das Abkommen ist enge Beziehungen zu der englischen Delegation unterhält, daß Handlung gewarnt worden, die dem System des Obersten ein politisches Manöver mit dem 3wed, die allgemeine Unord- loyd George ganz besonders empört gewesen sei. Auch Rates glich. Im übrigen steht aber das moralische Recht benung(!) zu stärken. Die Völker Europas sehen wieder einmal hat sein Pressechef Sir George Creek bei dem Empfang der fonders vom Standpunkt der internationalen Arbeiterklasse bei dieser Gelegenheit, was von der Loyalität der Deutschen englischen Preffe außerordentlich scharfe Worte gebraucht, wie ebenso zweifelsfrei auf deutscher Seite. Es ist letzten Endes zu halten ist. Frankreich wird auf keinen Fall seine Kalt- fchlechten Glaubens"," Schlag gegen die Konferenz" usw. richtig, daß durch den Vertragsabschluß ein starker Druck auf blütigkeit verlieren und seine bisherige Haltung nicht ändern. Die englische Bresse wird jedenfalls in den nächsten Tagen Sowjetrußland ausgeübt wird. Das Beispiel Deutschlands die Ententemächte bei ihren eigenen Verhandlungen mit Es wird von den Russen die grundsätzliche Anerkennung zeigen, ob die Empörung echt ist und den Absichten der eng- zeigt der Welt, wie man mit einem ruinierten Staate, wie der Schulden und der Wiedergutmachung der be- lischen Regierung entspricht. Am aufgeregtesten sind naturgemäß die Franzosen. schlagnahmten Güter verlangen, ohne die es weder eine öffentman mit einem zusammengebrochenen Volke verkehrt, wenn liche noch eine private Moral gibt. Ohne diese Bedin. Und es ist Pflicht der Objektivität, zu verzeichnen, daß die man Frieden und Wiederaufbau wirklich will. gungen wird mit den Russen nicht verhandelt wer- links stehenden Franzosen, mit denen ich Gelegenheit hatte, den. Wenn schließlich die Konferenz von Genua dazu dienen die Situation zu besprechen, das Vorgehen Deutschlands auf Aus dem amtlichen Tert des zwischen der deutschen Regierung foll, daß die Nationen sich gegenseitig vor den Schäden der das schärfste tadeln. Man wirft der deutschen Delegation vor, und der Regierung der russischen sozialistischen Föderativen Sowjetanderen schützen müssen, dann fann man schon von vornherein die Gelegenheit dieser allgemeinen Konferenz, die dazu be- republik am 16. April 1922 zu Rapallo abgeschlossenen Vertrages versichern, daß eine solche Haltung ein ernstes Hindernis sein stimmt war, gemeinsame Vereinbarungen und Beschlüsse, geht hervor, daß Artikel 1 Absah 2 und Artikel 4( und nicht, wie wird für die Wiederherstellung der Aera der Eintracht und zustandezubringen, dazu benutzt zu haben, um ein Separat- es in der Morgenausgabe hieß, Artikel 1 bis 4) erst mit der Ratifides Friedens. abfommen mit einer anderen Macht zu schließen. Und daß tation in Wirksamkeit treten.
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