Nr. 280 39. Jahrgang
>
Schwalben.
In der Großstadt leben fast alle Vogelarten des freien Landes. Wer kennt nicht die Spaßen, die die Straßen und Parts schon Gunst des Weibchens zu erringen, werden harte Sträuße ausge. in früher Morgenstunde mit ihrem Lärm erfüllen. Und die Spaßzen fechten. Oft in nächster Nähe der Menschen schlagen fich fleine fühlen sich heimisch und sicher im Verkehrsleben der Weltstadt. Sie Finkenhähne, bis einer von ihnen aus vielen Wunder blutend schwer hüpfen und fliegen mit großer Gewandtheit unbefümmert um getroffen im Grase niedersinkt. Straßenbahn und Auto auf den Straßen umher, suchen sich ihre Nahrung aus der Goffe und nehmen mit dem geringsten verlieb. Taufende glauben, daß es außer den Spaßen und den sorglich gehüteten Stubenvögeln faum nennenswerte Bögel mehr in Berlin gäbe. Und doch irren sie: es leben in Berlin die verschiedensten Vogelarten und Gattungen und sie alle haben es verstanden, sich den besonderen Lebensbedingungen, die die Stadt ihnen bot, anzuMöve, Wildente, Schwäne.
passen.
Wer im verflossenen Winter an die Spree nahe der Schloß brüde kam, tonnt, oft zeuge eines anziehenden Schauspiels werden. In eleganten Kurven flogen dort Duhende von Lachmöven uner müdlich eine Runde nach der anderen. Mitten im Fluge erhaschten sie die ihnen von den Zuschauern zugeworfenen Bissen, man hatte geradezu das Gefühl, daß diese Tiere in der Luft schwammen, so ficher packten sie die Bissen, die kreuz und quer durcheinanderflogen. Sie sind vollendete Luftakrobaten, bei denen man niemals das Gefühl hat, daß ihre Kunst sie jemals in irgendwelche Gefahr bringen fönnte. Zahlreiche Wildenten bevölkern die Wasserläufe Berlins . Ursprünglich waren sie auf die Gewässer des Tiergartens beschränkt, wo sie in den schilfumſtandenen Inseln gute Gelegenheit zum Risten fanden. Von dort aus haben sie sich dann über ganz Berlin verbreitet. Es lohnt sich, ihrem Treiben zuzuschauen, zu sehen, wie sie munter und behende schwimmen und sich im Tauchen übertreffen, wem fie im Wasser nach Nahrung suchen. Die Bildente, die im freien Wasser ein äußerst scheuer Vogel ist, hat sich so an das Treiben der Großstadt gewöhnt, daß sich ihr Verhalten nur wenig von dem der zahmen Landente unterscheidet. Bor kurzem hat der Berliner Polizeipräsident wieder darauf hinweisen müssen, daß die Schwäne, die die Havel bevölkern, besonderen Schutz genießen und daß alle, die ihnen nachstellen, strenge Bestrafung zu erwarten haben. Diese Havelschwäne, die sich mit Grazie im Wasser fortbewegen, aber stets bereit sind, zugeworfenes Brot mit Anstand zu verschlingen, find bis zum heutigen Tage wild geblieben. Wenn der Herbst kommt, dann treibt es sie hinaus in die Ferne und sie ziehen es vor, die Winterzeit im Südosten Europas zu verbringen. Es gibt nicht viele Menschen in Berlin , die die Schwäne im Fluge beobachtet haben, wie sie stolz und sicher in ruhigem Fluge ihrer Luftweg dahinziehen. Es ist ein so nachhaltiger Eindruck, daß man ihn so leicht nicht wieder vergessen wird.
-
-
*
Freitag, den 16. Juni 1922
scheiden sie von vornherein vom Mittagstisch der großen Masse aus. Die grüne Gurke fällt im Preise recht langsam, so zahlt man heute für das Stück noch 20-25 m. Erdbeeren gibt es ,, sone und solche". Der Preis schwankt hier zwischen 20 und 25 m., während Kirschen durchschnittlich 12 m. fordern. Das Qbstgeschäft tann getrost als flott bezeichnet werden. Beim Fischmarkt herrscht ziemliche Stille. Kein Wunder ist es, denn der Aal in Eis soll 60 M. das Bfund kosten( der lebende fordert gar 70 M.). Schellfisch kann man für 13 und 18 m. haben.
Die Hausfrauen stehen entsetzt vor dieser Preiskatastrophe. Sie, die den Kampf mit der harten Wirklichkeit aufs äußerste führen müssen, sie, die verzweifelt den Ausgleich suchen zwischen den Preisen und dem Wirtschaftsgeld, sind am schlimmsten dran.
In pfeilgeschwindem Fluge durcheilt die Schwalbe die Luft. Die Schnelligkeit ihres Fluges gab Veranlassung, in ihr das Symbol breitet ist, so ist ihre Zahl doch recht gering, denn es fehlt ihr in des Posiverkehrs zu sehen. Wenn sie auch über ganz Berlin verBerlin an den zum Nestbau geeigneten Materialien. Die meisten Großstadthäuser eignen sich insbesondere für die Mehlschwalbe Die Vorgänge in Potsdam , bei denen zwei Abeiter er. schlecht zum Restbau. Die Rauchschwalbe dagegen niftet vielfach schossen worden sind, beschäftigten gestern die 12. Straffammer in den großen Bahnhofshallen, ohne sich im mindesten von dem des Landgerichts I . Wegen Beleidigung des Polizeipräsidenten von Schwalben niedrig fliegen, so sagt der Volksmund, es gibt schlechtes Lärm der Menschen und Maschinen stören zu lassen. Wenn die Botsdam, v. 3ißewiß, und des Polizeiwachtmeisters Wolf Wetter. Aber das Miedrigfliegen. hat seinen Grund darin, daß sich waren die Redakteure der„ Roten Fahne“ Richard Janus und Fliegen und müden, die typische Schwalbennahrung, unter dem Hans Pfeifer angeklagt. Hans Pfeifer angeklagt. Einfluß des zu erwartenden Regens in der Nähe des Bodens auf- Am 28. August war in Potsdam eine Tannenberg halten und so die Schwalbe bei ihrer Nahrungssuche zwingen, am Feier" Don dem Deutsch nationalen Jugendbund Boden dahinzufliegen. Im Spätsommer verlassen uns die Schwai- angekündigt. Die Feier fand auf polizeiliche Anordnung ben, um in großen Scharen vereinigt die Wanderung nach dem nicht unter freiem Himmel, sondern in der Luftzeughalle statt. Als Süden anzutreten. Im Frühling stellen sie sich dann wieder mit egendemonstration und gleichzeitig als Protest= großer Pünktlichkeit ein. Ein Verwandter der Schwalbe ist der demonstration gegen die Ermordung Erzbergers Segler, der nur von Mai bis Ende Juli in Berlin bleibt. Er ist war von den vereinigten sozialistischen Parteien Berlins und Botsein äußerst brutaler Vogel, der aus den ihm geeignet erscheinenden dams und den Kommunisten ein Demonstrationszug in Potsdam anMiststätten rücksichtslos andere Vögel, auch Spatzen und selbst Stare gefeßzt worden. Nach Unterhandlung der Arbeiterführer mit dem verdrängt. Polizeipräsidenten v. 3igewig wurde abgemacht, daß die Arbeiter zurückgefunden haben. Sie verlieren nach und nach Gestalt und schloffenen Räumen abhalten und zu einer bestimmten Zeit in In den Stadtbahnbögen nisten Tauben, die sich in die Freiheit auch keine Versammlung unter freiem Himmel, sondern nur in geFärbung der Haustauben und nehmen die der wilden Arten, weist Gruppen sich nach dem Bahnhof zurückbegeben durften. Diese Deder Felsentaube an. Auf dem Schloßplah aber tummeln sich Tau- monstrationszüge vollzogen sich im allgemeinen ruhig und geordnet; ben in so großer Bahl, daß man unwillkürlich an ihre berühmten nur an einer Stelle fam es zu einem Konflift mit Berwandten auf dem Markusplay in Benedig gemahnt wird. Gehr wei Soldaten der Reichswehr , die, wie behauptet wird, oft fann man beobachten, wie Habicht oder Wanderfalte sich auf die fo bedrängt wurden, daß sie ihr Heil in der Flucht suchten. Der Haustauben stürzt. Der Turmfalle ist wesentlich friedfertiger, er eine Soldat lief in das Haus des Ober- Rechnungshofes, gefolgt von ernährt sich von Insekten und Mäufen, lebt während einiger Mo- einer Anzahl der Demonstranten. Um dem Soldaten zu Hilfe zu nate in Berlin und hodt meist auf Kirchturmspitzen. tommen, stürzte der Polizeiwachtmeister Wolf auch auf das Haus zu und in dieses hinein, während andere Bersonen gleichfalls in sich öffnenden Tür von dem Wolf drei oder vier Schüsse abgegeben, das Haus drängten. Im Anschluß hieran wurden aus der wieder durch welche zwei Arbeiter getroffen und getötet wurden. diese Borgänge brachte die„ Rote Fahne" auf Grund zahlreicher schriftlicher und mündlicher Berichte von Teilnehmern drei Artikel, in denen ausgeführt wurde, daß hier ein glatter Mord vorliege, auch waren damit Angriffe gegen die Potsdamer Polizei und den Potsdamer Polizeipräsidenten verbunden. Oberwachtmeister Wolf behauptete, daß er die Schüsse in der größten Not Eine Krähe war mit mir aus der Stadt gezogen," singt Schuabgegeben habe. Er hat dann 6-7 Wochen lang im Lazarett zubert in einem schwermütigen Liede und zeigt damit an, daß Krähen bringen müssen. Mehrere Zeugen befundeten, daß sie gesehen sich in der Stadt heimisch fühlen. Auf hohen Gesimsen, Kirchturmhaben, wie Wolf geschlagen und mißhandelt worden sei. Demgegen. Spigen thronen die Krähen mit Borliebe, unbeweglich sieht man fie Die Preise am gesamten Lebensmittelmarkt sind zurzeit im über bestritten andere von den Angeklagten ins Feld geführte dort fizen, als ob fie organisch mit der Architektur verbunden raschen Steigen begriffen. Die Berlaufstäden find gui gefüllt, aber Entlastungszeugen, daß Wolf mißhandelt worden sei und irgendeine nären. Mit schwerem Fügelschlag, der scheinbar etwas Schleppen- die Käufer fehlen, und fo findet eine Lebensmittelanhäufung, beson gegenüberstehenden Aussagen waren nicht zu vereinigen. Die Beranlassung für ihn zum Schießen vorgelegen habe. Diese fich des an sich hat, fliegen sie nach Beute, die sie stets in sicherer Höhe ders im Fleischhandel, statt. Die unzweifelhaft stärkste Preisbil- gegen den Oberwachtmeister Wolf von der Staatsanwaltrerzehren. Man findet die Krähen, von denen die Dohlen ständige dung innerhalb der letzten Wochen konnte man in dieser Woche wahr- fchaft cingeleitete Untersuchung hat mit der Einstellung des Gäste sind, während die Nebelkrähe nur durch Nahrungsmangel nehmen. Rindfleisch kostete in der Woche vom 21. bis 27. Mai etwa erfahrens geendet, da als erwiesen angesehen wurde, daß car im Winter in die Stadt getrieben wird, oft in ganzen Kolonien bei- 35-44 M., Schweinefleisch) 37-44 M., Hammelfleisch 28-42..olf sich in dringender Notwehr befunden habe. Staatsanwalt= einander wohnen und ihr Geträchze ist eindringlich genug, um selbst Kalbfleisch 30-45 m. Das Rindfleisch ist aber bereits heute um schaftsrat Grau hielt die erhobenen Beleidigungen für sehr schwer im Lärm der Stadt bemerkt zu werden. In den Parkanlagen Berlins befinden sich ferner von der ganzen Bogelschar auch Amjet, eima 15 bis 20 m. pro Pfund gestiegen, das Schweinefleisch um und beantragte gegen den Angeklagten Pfeifer Freisprechung, weil sie das Wild vor seiner gefährlichen Nähe warnt und die in um etwa 22 M. erhöht. Beim Kalbfleisch liegen die Preise ähnlich Janus dagegen 3 Monate Gefängnis, da der WahrheitsFink und Star. Die Amsel, die der Waidmann geradezu haßt, 8 bis 25 M., Hammelfleisch kostet heute 50-55 M., also das Pfund da dieser den Nachweis erbracht hatte, daß er für den ihm zur Last fallenden Artikel nicht verantwortlich sei, gegen den Angeklagten Wald und Feld ein äußerst scheuer Bogel ist, hat sich wie die Wild- fo. Hier stieg das Pfund um 15-18 m. Inländischer fetter Spec beweis nicht gelungen sei. ente vom Tiergarten aus über Berlin verbreitet. Sie steht in dem ist mit 75-80 M. zu bezahlen. Will man den Aussagen von Händ- dagegen aus, daß das ganze tragische Ereignis auf die jugendRechtsanwalt Dr. Oskar Cohn führte üblen Rufe, die Nefter anderer Vögel zu zerstören, sie erfreut aber lern Glauben schenken, so haben sie bei diesen schwankenden Preis- liche Unbesonnenheit des Zeugen Wolf zurückzudurch ihren entzückenden Gefang und es gibt genug Bogelfreunde, bildungen noch Verluste zu verzeichnen. Der Gemüsemartt führen sei, der in dem Hause des Oberrechnungshofes durchaus die für sie eintreten und für mildernde Umstände plädieren. Ein ist fräftig angefüllt und die Preise ebenso fräftig eingestellt. Kirschen sicher gewesen sei und gar teine Veranlassung gehabt von den Spazen oft ungern gesehener Gast ist der Star. Der Spaß und Erdbeeren, Tomaten und Bananen, Schoten und andere schöne habe, plöglich blindlings loszuschießen. Für die liebt es, in die im Winter leerstehenden Starfästen einzuziehen, und menn die rechtmäßigen Bewohner zur Frühlingszeit von ihrer langen, Sachen mehr stehen zum Verkauf. Spargel ist schon mit 2, aber formellen Beleidigungen sei eine Gefängnisstrafe sicher nicht am Reise heimkehren, gibt es harte kämpfe, bei denen Blut fließt, be- auch mit 16 m. das Pfund zu haben. Feine rote Tomaten stehen verurteilte Janus zu der gesetzlich höchst zulässigen Geldstrafe Blaze. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten Pfeifer frei und vor der Starmaz von seinem rechtmäßigen Eigentum Befig er mit 40 M. ausgezeichnet. Neue Kartoffeln haben jetzt eine fräftigere von 1500 Mark und sprach den Beleidigten die Publikationsgreifen tann. Auch die Vogelwelt hat ihre Tragödien. Um die Zufuhr erfahren, die Preise allerdings( 7,50-8,50 m. das Pfund)| befugnis zu.
72]
Krähen und Singvögel.
-
Der Ruf durchs Fenster.
Roman von Paul Fran f. Sensationelle Bendung im Verlauf der Dinge. Berhaftung des Studenten Dmochowski, des vermutlichen Mörders der Erika Diest.
Außer diesen Vögeln, die in der Hauptsache in Berlin zu finden find, gibt es noch viele andere beschwingte Bewohner Berlins , die vereinzelt anzutreffen sind, vom Hänfling bis zur Goldammer und selbst die Nachtigall singt in manchen Barks ihr füßes Lied. So ist in der Großstadt mehr fliegendes Leben" als mancher, der in ihr aufwuchs, sich träumen läßt.
Preiskatastrophe.
-
-
Ueber
lichem Gewahrsam. Die heutige Nacht verbrachte er in einer| nen Augen, die sie von Zeit zu Zeit nur öffnete, um einen Einzelzelle. Als man das Elternpaar von der Wendung, die teilnahmslosen Blick durch das Coupéfenster hinaus auf die die Dinge unvermutet genommen hatten, in Kenntnis fette, vorüberfegende schneebedeckte Landschaft zu werfen. Unweit waren sie fassungslos. Besonders Herr Diest wollte es nicht von ihr saßen der Arzt und der junge Schriftsteller, der, überglauben, daß man Dmochowski in Haft gesetzt hatte. Aber ich nächtig, blasser als sonst, hinter seinen Brillengläsern hervor habe doch selber mit ihm gesprochen!" rief er ein um das sah. Er hielt ein Zeitungsblatt in der Hand, faltete es ausandere Mal aus. Das ist doch unmöglich, daß ein Mensch, einander, ging die Spalten der Reihe nach durch, ohne daß er und wäre er auch der abgefeimteste Schurfe, so eine Komödie jedoch gefunden hätte, was er suchte. zu spielen vermag! Dmochowski ein Mörder! Heute früh noch hätte ich es geglaubt. Aber jetzt nachdem ich ihm von Das Berhör mit Thaddäus Dmochowski dauerte mehrere Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden habe, nachdem ich Stunden. Kommissär Ljubatschow gestaltete es sehr eindring- Beuge feines Schmerzes und seiner Berzweiflung gewesen lich. Die Auskünfte, die er von dem Studenten erhielt, waren bin... Dieser Dmochowski der Mörder meines armen vorerst ungenau. Später verwickelte sich dieser in heftige Kindes...!" Auch die schwergeprüfte Mutter war lange Widersprüche, trug im Verlauf ein immer aufgeregteres Be- Zeit nicht zu beruhigen. Auf jeden Fall darf man annehmen, nehmen zur Schau, verweigerte schließlich, da er sich mehr- daß der heutige Tag die Aufklärung dieser Mordaffäre bringen mals festgerannt hatte, jede weitere Auskunft, so daß Kom- wird. missär Ljubatschom, ein ebenso befannter wie gewiegter Kriminalist, die sofortige Verhaftung des Studenten Dmochowski
Der Fall Reuß.
aneindergeteilte, armselige Häufer nahe an die Bahn her Draußen begann eine Stadt, deren legte, in Gruppen antraten, die sich, zu größeren Blocks vereinigt, allmählid) verdichteten, aus deren niedriger Gemeinschaft flachbedachte hohe 3instafernen sprangen, in deren Hintergrund rauchende Fabrikschlote standen.
nahe in rührender Abwechslung gehüstelt und Bonbons ge Eine beleibte Dame, die während der ganzen Fahrt beigeffen hatte, öffnete die Tür und sprach das Wort„ Riga " mit fragender Betonung aus. Ohne ihr eine Antwort zu Garbislander ihr Abteil, da im Zug mittlerweile alles sich ergeben, verließen Hedwig Reuß, ihr nachdrängend Jordan und hoben, die Mäntel angelegt und das Gepäck bereitgestellt hatte. Draußen waren die ersten Straßenzüge zu sehen, in denen die Wagen der elektrischen Tram zwischen Fuhrwerk jeder Art ihre Bahn rollten.
als des Mordes an Erika Diest dringend verdächtig verfügte. Hier ist es der Behörde trotz fieberhafter Anstrengungen Dmochowski wurde unauffällig im gefchloffenen Automobil ins nicht gelungen, auch die leiseste Spur zu finden. Der AnPolizeigefangenenhaus gebracht. Dort wurde er um elf Uhr schlag, dem der berühmte Schauspieler zum Opfer gefallen, nachts noch einem kurzen Verhör durch den Präfekten Herrn ist noch nicht entdeckt. Man weiß zur Stunde noch gar nicht, Tudolin unterzogen. Wie man uns mitteilt, vermochte dieses welcher Art dieses Verbrechen gewesen ist. Drei Tage sind in Verhör jedoch nicht die Angelegenheit in ein flareres Stadium zwischen verstrichen. Man darf natürlich die Hoffnung nicht zu rücken. Die Verdachtsgründe, die gegen Dmochowski aufgeben, daß es den Bemühungen unserer ausgezeichneten Der Zug verlangsamte sein Tempo, der Bahnhof begann sprechen, sind schwerwiegend, beinahe erdrückend, jedoch hat Kriminalisten dennoch gelingen werde, binnen kurzem Licht mit endlosen Reihen hintereinandergekoppelter Waggons, die dieser bisher an seinem hartnäckigen Leugnen festgehalten. Er auch in diese Finsternis zu bringen. Nachzutragen wäre noch, auf den Gleisen standen, zwischen denen eilfertig schmuzig trägt ein überaus eraftiertes Wesen zur Schau, gerät, nachdem daß der Agent, der sich in die Portierloge des Deutschen uniformierte Arbeiter liefen. Stimmengewirr rauschte plöker in helle Raserei verfallen, unvermittelt in Zustände voll- Theaters gesetzt, bis in die späten Nachmittagsstunden vergeblich um den Zug. tommener Erschöpfung, in denen er teilnahmslos verharrt und lich auf jene geheimnisvolle Briefschreiberin gewartet hat, die jede Antwort verweigert, um plöglich wieder in heftige Aus- fich der Aussage des Rotterdamer Großkaufmanns zufolge brüche der Wut und der Verzweiflung zu stürzen, während dort ihre Antwort abholen wollte. der es ebenso unmöglich ist, aus ihm einen vernünftigen Sah herauszubekommen. Es ist die übereinstimmende Ansicht der die Untersuchung führenden Herren, daß Dmochowski eine überaus geschickte Romödie spielt. Er produziert sich vorläufig In den Coupés des Schnellzuges Königsberg - Riga noch als wilder Mann, doch hofft der Präfeft, wie er unserem herrschte bereits die zuversichtliche Stimmung baldiger An Mitarbeiter mitteilte, mit Bestimmtheit darauf, daß der Wider- funft, Regiomfeit und erhöhte Lebenstätigkeit, die siegreich stand des Studenten binnen furzem gebrochen sein dürfte. nach einer Nacht mit allen Beinlichkeiten überheister, über Wie Herr Tudolin versichert, wird Dmochowski aller Voraus- füllter Waggons sich erhoben, in denen es nach Weinresten ficht nach im Laufe des morgigen Tages ein umfassendes Ge- und Kohlenstaub roch. Frau Hedwig, die einen dichten ständnis ablegen. Er verbleibt natürlich vorläufig in polizei- Schleier vorgenommen hatte, ruhte in einer Ecke mit geschlosse
12.
Man war in der Halle des Bahnhofs von Riga angelangt, und ein fräftiger Ruck, der die in den Gängen der Wagen hintereinander wartenden Ungeduldigen rücksichtslos gegeneinander warf, zeigte die eigentliche Ankunft an. Die Erledi gung der Gepädstüde nahm nicht allzu viel Zeit in Anspruch, der Autoomnibus des Hotels ,, Europe " stand vor dem Bahn hofsportal, auf den Koffer eines Dresdener Herrn wartend, der noch nicht zur Stelle war, so daß die Abfahrt dadurch verzögert wurde, da es immerhin eine ganze Weile dauerte, bis das vermißte Gepäck aufgefunden und auf dem Dach des Wagens verstaut war, so daß dieser endlich mit den ungeduldig gewordenen Insassen die Fahrt beginnen konnte.
( Fortsetzung folgt.)