Nr. 8.
Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertelfährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage ,, Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30mt. proQuartal. Unter Kreuz band : Deutschland u. DesterreichUngarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3Mt. pr.Monat. Eingetr. in der Post- Beitungs- Preisliste für 1895 unter Nr. 7128.
Vorwärts
12. Jahrg.
Snfertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzetle oder deren Raum 40 Bfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: ., Sozialdemokrat Berlin !
Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Arbeiter, Parteigenossen!
Bei der Wichtigkeit, welche die
Umsturzdebatte im Reichstage
Donnerstag, den 10. Januar 1895.
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
der nicht
rath sein soll. Schon gleich zu Anfang der Amtsperiode des| Ernährung in einer Anstalt längere Beit zu Herrn Scharfenberg haben sich nun Dinge zugetragen und theil werden zu lassen", worauf K. in die Heimfind infolge eines Preßprozesses gerichtlich erwiesen worden, die stätte" eingewiesen wurde und am 17. Auguft in Nieders von dem Vertheidiger des Preßsünders als solche dargestellt Schönhausen eintraf. wurden, die von jedem preußischen Beamten haarsträubend Um diese Zeit war die Revisionstommission genannt werden würden. Da waren Kaffengelder in recht erheblichen in Berlin und auch in Nieder Schönhausen. für die Parteigenossen wie für die gesammte Arbeiterschaft Beträgen( oft bis zu 50 000 M.) in Privatbehausungen herum Sie protokollirte auch die Erklärung hat, lassen wir dieselbe in stenographischem Wortlaut als Diederich bezahlt worden. Herr Scharfenberg und Herr Diederich wüßten, was der Verlegte in Nieder- Schöngeschleppt, die Lieferanten aber mit Wechseln des Schahmeisters e im ftättenärzte, wonach diese gar Broschüre zur Massenverbreitung hatten sich als Lohn für ihre aufopfernde Thätigkeit im Ehren- hausen solle. R. wurde dann auch am 28. Auguft( also amte gegenseitig wider die flaren Bestimmungen des Gesetzes nach 10 Tagen) in die Heimath entlassen. nach Art und Preis der Zukunftsstaatsdebatte" fogenannte Repräsentationsgelder in Höhe von 8000 und 1500 m. eigenmächtig angewiesen. An Protokollen war herumgemodelt Herstellen. worden und was dergleichen niedliche Verwaltungspraktiken mehr sind.
Dieselbe wird im Laufe der nächsten Woche, je nach Umfang der Debatten, in ein oder zwei Heften zur Ausgabe gelangen.
Wir ersuchen unsere Genossen um ungefäumte Aufgabe der Bestellungen, um die Höhe der Auflage bestimmen und die geehrten Besteller rechtzeitig in Besitz der Schrift sehen zu können.
Mit Parteigruß
"
Buchhandlung des Vorwärts", SW., Beuthstraße 2.
Berufsgenossenschaftliches.
Von allen diesen Mißständen wurde das Reichs- Versicherungs. amt unterrichtet, ohne energisch einzuschreiten. Zwar revidirte man und stellte z. B. fest, daß Buchungen mehrere Monate rückständig waren, aber man war beruhigt, als der Vorstand später berichtete, daß nunmehr die Mängel behoben und alles in befter Ordnung sei.
Diese Vorgänge spielten bereits im Jahre 1889, nichts desto weniger führte Herr Scharfenberg seitdem das Szepter weiter, wurde auch merkwürdigerweise oder auch nicht mert würdigerweise stets wiedergewählt. Herr Scharfenberg ist auch Hauseigenthümer; die Bureaus der Berufsgenossenschaft waren in seinem Hause eingemiethet. In dem erwähnten Prozeß wurde festgestellt, daß der Vorsitzende Scharfenberg dem Eigenthümer Scharfenberg zu damaliger Zeit 5000 M. Entschädigung zahlte, was nach Meinung des Vertheidigers eine zu hohe war. Um viel größere Summen handelte es sich bei der Uebernahme der Herrn Scharfenberg gehörigen Villa in Nieder- Schön bausen seitens der Fuhrwerts- Berufsgenossenschaft. In der Wie die Krankenkassen, so stehen auch die Berufs- Genossen- Nummer 34 der Zeitschrift„ Der Fuhrhalter" behauptet ein Herr schaften unter der Selbstverwaltung der betheiligten Kreise, nur Beck, der Vorsitzende der Sektion Berlin , daß diese Villa mit dem Unterschiede, daß hier die Unternehmer allein die Ver- seinerzeit der Genossenschaft gegen den Willen der Mitglieder waltung führen, während bei der Führung der Krankenkassen -| aufgehalft worden sei. Das Grundstück wurde umgewandelt zu einer Geschäfte die Arbeiter mitbetheiligt sind. In zahlreichen Kranken- Heimstätte" für Genesende. Daß eine solche Verwaltung nicht tassen dominirt der Einfluß der Arbeiter, indem es ihnen zum Segen der Versicherten ausfallen fann, ist klar und das gelang, den Vorstand mit Personen ihres Vertrauens zu oben genannte Blatt hat im Laufe der Zeit mehrfach Gelegenheit besetzen. Den Krankenkassen ist die höhere Verwaltungs- genommen, derartige Beispiele zu zitiren. Wir müssen uns bebehörde, den Berufsgenossenschaften das Reichs Ber- schränken, einen Fall hier wiederzugeben, den wir in Nr. 45 des ficherungsamt als aufsichtführende Behörde überstellt. Lassen Fuhrhalter" vom vorigen Jahrgang finden: die Verwaltungen sich irgend welche Verstöße gegen die gesetzlichen Vorschriften zu schulden kommen, so hat die Auffichtsbehörde das Recht und die Pflicht, einzugreifen. Häufig genug geschah es denn auch schon, daß die von Arbeitern verwalteten Krankenkassen, nicht selten wegen recht geringfügiger Versehen, in kommissarische Verwaltung genommen wurden. Solche Gelegenheiten läßt die bürgerliche Presse dann gewiß nicht vorübergehen, ohne die zu Raffenbeamten aufgestiegenen Arbeiter ob ihrer Unkenntniß in Buchführung u. s. w. zu verhöhnen oder aber auf die Lotterwirthschaft" der„ Genossen" mit überlegenem Lächeln hinzuweisen.
Was nun geschah, mögen die Kollegen aus einem Schreiben des Gen.- Vorstandes( gez. Wünn) ersehen, das ich hier wort getreu wiedergebe:
Da die Verwaltung der Heimstätte( d. h. der prakt. Arzt Dr. Bartikowski) den Verletzten seiner Zeit eigenmächtig ohne Genehmigung des Vorstandes d. i. des Herrn Ahnhudt - entlassen hat, so mußte K. nochmals nach hier fommen, um sich dem Entschädigungsausschuß vorzustellen, damit sich dieser von dem Zustande des p. K. überzeugen tönnte.(!) Die Roften der zweiten Reise(!) hat selbstverständlich(!!) die Heimstätte zu fragen.
Der Ausschuß hat nun beschlossen, in dieser Angelegenheit nichts weiter zu veranlassen, und nach 1 Jahr eine erneute Untersuchung zu veranlassen."
Wenn also Herr Scharfenberg in dieser Weise weiter wursteln durfte, so schwieg auf der anderen Seite aber auch die Opposition nicht. Einige oppositionsluftige Mitglieder der Genossenschaft besaßen in jüngster Beit sogar die Dreiftigkeit, allerlei anheimelnde Thatsachen der Genossenschaftsversammlung vom Jahre 1894 im Fachorgan Der Fuhrhalter" den weiteren Berufskreisen zu unterbreiten, die unserer Meinung nach mehr als geeignet waren, die aufsichtführende Behörde zu einer gründlichen Untersuchung zu veranlassen. Wenn amtliche Organe der Genossenschaft im berufsgenossenschaftlichen Theile des" Fuhrhalter" behaupten, der Geschäftsführer habe 574 M. Genossenschaftsgelder versehentlich in seine eigene Tasche gesteckt, der Vorsitzende und der Geschäftsführer treiben mit einander Spekulationsgeschäfte und ersterer mache letterem widers rechtliche Zuwendungen, der Vorsitzende und sein Stellvertreter pumpen beide einen Lieferanten der Genossenschaft mit je 15 000 m. an, wenn das dreiblätterige Kleeblatt als zum theil ,, moralisch todt", zum theil als gemeinfährliche Spekulanten" von einem Sektionsvorsitzenden gebrandmarkt werden dürfen, dann sollte man meinen, sei für das Reichs- Versicherungsamt die 3eit gekommen, wo es einschreiten mußte, um zu untersuchen, inwieweit diese Anschuldigungen auf Wahrheit beruhen. Statt sofort die kommissarische Verwaltung zu übernehmen und eine gründliche Prüfung unter Vernehmung der kundigen Angestellten an Ort und Stelle vorzunehmen, erläßt es einen Schreibebrief an die Mitglieder des Genossenschaftsvorstandes, sie möchten Herrn Scharfenberg den Rücktritt nahe legen" und als der Zeitungskampf auch nach erfolgter allerdings blos scheinbarer Entfernung des Ordnungsmannes weiter tobt, da ſetzte diese BeWelche Mißwirthschaft aber oftmals in den Berufsgenossenhörde die amtlichen Genossenschaftsorgane, diese ordnungsschaften, wo die Unternehmer allein, ohne die Kontrolle der gläubigen Seelen mit einem Schweige- Ütas in ein schier unArbeitnehmer, hantiren, besteht, davon mögen die Zustände in endliches Erstaunen. der Fuhrwerks- Berufsgenossenschaft als Beispiel dienen. Die Ver- Jest entschied der sogenannte Revisions. An den Vorstand und die Sektionsvorstände der Fuhrwerks. waltung dieser Berufsgenossenschaft unterstand bis zum arzt der Georgenkirchstraße, ohne je den Ver- Berufsgenossenschaft gelangte nämlich das folgende Schreiben des 1. Oktober v. J. einem Herrn Scharfenberg, der außerdem le ten gefeben zu haben, daß es nöthig sei, dem Reichs- Versicherungsamtes, das im„ Fuhrhalter" vom 29. Dezember Kriegervereins- Vorsitzender, ein guter Patriot und auch Kirchen- R. ,, als heilsam wirkendes Mittel eine fräftige vorigen Jahres abgedruckt ist:
Feuilleton.
Am Exil.
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" Der Fall Kiesler. Kiesler, 34 Jahre alt, wurde September 1891 von einem Pferde gegen den linken Unterschenkel geschlagen, woraus sich eine chronische Entzündung des Schienbeinfnochens entwickelte. Er behandelte sich ein halbes Jahr selbst, dann war er neun Monate im Krankenhaus und es wurden ihm Knochenstücke vom Schienbein abgemeißelt. März bis Mai 1893 war er wieder im Krankenhaus und wurde aber mals operirt.
W
1894 verschlimmerte sich sein Zustand und K. kam in die Behandlung des Dr. Bleudorn zu Plathe i. Pommern . Auf die Anfrage: ob eine medico mechanische Behandlung angebracht erscheine, erwiderte dieser, daß eine solche zwecklos sei, weil alles, was nach Lage der Sache geschehen konnte, geschehen sei und noch geschehe.
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Er
liche Geister zu sein, die ihr Jdeal einer Chimäre nicht sein Wissen, sein Talent gerühmt. Mehr als einer opfern wollten. Die Schreckensfinder der Partei schenten fürchtete, daß der Ankömmling vielleicht ein gar zu großes sich nicht zu sagen: Die Freiheitalte Leier! Gleichheit-Stück des gemeinsamen Kuchens an sich bringen könnte. ( Nachdruck verboten.] überwundener Standpunkt! Das Recht ein Wort, So begann man damit, ihm auf den Zahn zu fühlen. nichts weiter! Grundsätze Unsinn! Das augenblickliche Da er einfache Manieren und ein bescheidenes Wesen Interesse, das war die einzige Verhaltungsregel, welche im hatte, da er sich hütete, Uebergriffe auf das Gebiet Roman von Georges Renard. Autorisirte Uebersetzung intimen Kreise, zuweilen auch auf der Tribüne von jedem anderer zu machen, da er niemals eine Bigarrette oder von Marie unert. Politiker, der sich etwas darauf zu gute that, modern zu einen jener kleinen Dienste verweigerte, die Kameraden sich Man war überein gekommen, sich an jedem Sonnabend| sein, gepriesen wurde. Der Unparteiische" griff die im unter einander leisten, so galt er als guter Junge. Abend mit Verdier im Café Madrid zu treffen. Das Besize der Macht befindlichen Männer heftig an, aber wurde aufgenommen, wie wenn er zu Hause war. Man Pflaster von Paris war von Erilirten übersät. Alle Berufs- mit einer schlecht verhehlten Vorliebe für die Art, wie sie genirte sich nicht mehr vor ihm. arten waren da vertreten. So wurde unter Freunden ihre Rolle erfaßten. Cayrolaz fühlte sich hier bald wie im Das Publikum hat hier keinen Eintritt", fagte ein eine kleine Gesellschaft zur gegenseitigen Unterstützung ge- Hause. Zettel, der von zwölf bis drei Uhr nachmittags an der gründet. Kaum hatte er festen Fuß dort gefaßt, als er sich als Thür hing. Und wohl dem ehrenwerthen Publikum, daß Cayrolaz war der erste, der sich heraushalf. Schmieg- guter Kamerad bemühte, auch dlené eine Stellung zu verses abwesend war! Mehr als einmal wäre es überrascht, sam und einnehmend in seinem Wesen, gegen Rippen schaffen. Aber René zauderte. Er hatte nur geringes Ver- entrüftet und erschreckt gewesen, die Kehrseite der Zeitung stöße wenig empfindlich, ein ebenso unerschöpflicher, wie trauen zu dem Direktor, er fürchtete, sich seiner Freiheit zu zu erblicken. Der große Valentin plauderte z. B. mit dem nicht aus der Fassung zu bringender Aufschneider, besaß er begeben, wenn er seinem Geifte einen solchen Herrn gab. kleinen Darcy; beide waren hervorragende Persönlichkeiten. ein bewunderungswürdiges Talent, sich überall Aufnahme Seine Mutter wiederum hatte eine instinktive Furcht Sie zeichneten abwechselnd die Leitartikel. Der Direktor, zu verschaffen und im Nothfalle sich mit Liſt einzuschmuggeln. vor dem Journalismus. Sie sah dort Gefahren jeder der Patron", wie er genannt wurde, wollte keinen Chefs Der König der Leisetreter, sagte Verdier von ihm. Nach Art, ein aufregendes Leben, endlose Sitzungen in den redakteur haben. Er handelte nach dem Grundsaße: Theile, Verlauf von acht Tagen hatte er bei zwei oder drei Zei Cafés, heftige Polemiken, Wortwechsel in den Zeitungen, um zu herrschen. Man konnte hören, wie der eine zum tungen Manuskripte untergebracht, nach vierzehn Tagen war die mit Rugelwechsel oder Degenstichen endeten. Indessen anderen sagte: er bereits Mitredakteur des„ Unparteiischen". Der Un- rieb René sich seit Anfang August, seit drei langen Wochen Er hat gut eingeschlagen, Dein gestriger Artikel über parteiische" war eine Abendzeitung, die sich unabhängig in Unthätigkeit und vor allem in Sorge vor den kommen die Nothwendigkeit der Rückkehr zu festen Grundsätzen! republikanisch" nannte. den Tagen auf. Er hatte keine Mittel mehr, um wählerisch Bei meinem Wort! Sie machen fich doch immer famos Die Sprache der Politik war soeben um das zwei zu sein. So ließ er sich also an die Redaktion des Un- auf dem Papier, diese heiligen Prinzipien! deutige Wort„ Opportunismus" reicher geworden. Die parteiischen" fesseln, wo er mit der täglichen Uebersicht der Ein anderer, der die Kunstkritik besorgte, rief: Minister und ihre Freunde wiederholten jedem, der es Presse betraut wurde. hören wollte, daß man sich an opportune Maßnahmen Die Redakteure frühstückten täglich in einem kleinen Ramazzi hat geblecht. Endlich doch mal einer, der die halten müsse. Unglücklicherweise traf es sich stets so, Café Restaurant der Rue Montmartre, das neben den Sache begreift. Es ist ja ein wahres Bergnügen, sein Lob daß keine wahrhaft große wirthschaftliche Reform es Redaktionsbureaus lag, damit sie imnier im Bereich ihrer auszuposaunen. Wissen Sie, warum wir den Feldzug gegen die war. Da galt es denn zu warten, die Anstrengungen für Arbeit waren. Ein Zimmer war ihnen refervirt worden. das Wohl der Nation und die eigenen Angelegenheiten zu René wurde in dieser geschlossenen Gesellschaft mit Panamagesellschaft unternommen haben? warf ein anderer mäßigen. Die Echlauen rühmten sich, positive, wissenschaft- einer eifersüchtigen Neugierde empfangen. Cayrolaz hatte ein. Es scheint, daß es mit ihr zu Ende geht.
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Und die beiden Auguren lachten.