Nr. 413 39. Jahrgang
Ausgabe B Nr. 200
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Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295
und 2506-2507
Freitag, den 1. September 1922
Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Berlag, Haupregpedition u. Inseraten. Abteilung: Dönhoff 2506-2507
Nach der Entscheidung.
Die englische Presse begrüßt die Entscheidung der Bot- mungen innerhalb der Reparationskommission nicht beteiligt| nalisten und erläuterte die Entscheidungen der Reparationsschafterkonferenz mit warmen Worten. Das ist zu verstehen, hat, so hat er sich doch während der Sigungen, an denen er fommission. da es sich für England vor allem darum handelte, einen Zerfall seit langer Zeit zum erstenmal wieder Anteil nahm, des öfteren Er wies zunächst darauf hin, daß Bradbury, der ursprüngder Entente zu verhindern, ohne Deutschland mit Verpflich das Wort ergriffen, und es ist vielleicht nicht zuviel gesagt, lich für die Gewährung eines bedingungslosen Moratoriums für tungen zu belasten, die ebenso fatastrophal wirken mußten wie wenn man ihm einen lebendigen Anteil an dem Zustande das Jahr 1922 und für ein von Garantien begleitetes Moratorium die Reparationszahlungen. Für Deutschland liegen die Dinge tommen des Kompromisses zuschreibt. Auch das ist ein für die Jahre 1923 und 1924 eintrat, noch den ersten Teil dieses etwas anders. Gewiß, auch wir begrüßen es dansbar, wenn Faftor, der zugunsten einer friedlichen Gesamtregelung spricht, Antrages aufrechterhalten habe. Dieser wurde mit drei gegen wir der Barzahlungen für die nächsten Monate zunächst ein- und, man braucht die Hoffnung nicht aufzugeben, daß des Friedensvertrages die Stimmenthaltung des italienischen Deleeine Stimme abgelehnt, insofern, als nach dem Wortlaut mal enthoben sind, aber auf uns lastet die doppelte während der Sechsmonatsfrist die Aenderung der Lage ein gierten einer Ablehnung entspricht. Sorge für die Schatscheine, die wir an Stelle der Gold- tritt, die das Arrangement der Reparationskommission zur leistungen zu begeben instand gesezt sind, eine befriedigende Voraussetzung hat. Deckung zu finden und darüber hinaus unser Budget ins Gleichgewicht zu bringen, das durch die Ereignisse der letzten Zeit in eine noch tiefere Unordnung gebracht worden ist.
Ein wesentlicher Teil der Ententenote beschäftigt sich mit der Reform des deutschen Staatshaushalts. Es ist wertvoll, daß die Reparationsfommission anerkennt, daß Deutschland nicht imstande ist, aus eigener Kraft die Gefundung durchzuführen. Wenn die Kommission es schriftlich beglaubigt, daß die Voraussetzung für eine Sanierung eine Ermäßigung unserer äußeren Lasten, eine Währungsreform und die Ausgabe äußerer und innerer Anleihen ist, so wiederholt sie damit zwar nur Ansichten, die von amtlicher englischer Seite sowie feitens des Morganschen Finanzkomitees bereits vorliegen, aber der Wert dieser Wiederholung liegt darin, daß damit nun auch die Ententeals solche einstimmig Deutsch lands Notlage anerkennt. Einem Schuldner, dem man bestätigt, daß er kreditunfähig ist, kann man Böswilligkeit nicht
Sitzung des Reichskabinetts.
Nach dieser Abstimmung machte der Bertreter Belgiens , das besonders an den deutschen Zahlungen interessiert ist, den Vorschlag, die Modalitäten festzustellen, nach denen Deutschland zu zahlen hat. Danach soll Deutschland der Reparationstommiffion Shaybonds mit Goldmacht und sechsmonatiger Laufzeit überweisen, die von wesentlichen Garantien zu stühen
Beschlußfaffung nach Rückkehr der Pariser Vertreter. Das Reichskabinett traf heute vormittag 10% Uhr zu einer wären. Diese Bonds wären Belgien zu übergeben, das auf diese kurzen Besprechung zusammen. Der Reichskanzler gab einen Be- Weise einen Teil seiner Prioritätsforderungen befriedigen könne. richt über die letzten aus Paris eingegangenen Informationen und Auf Anregung des Borfihenden Dubois erklärte der belgische Delebrachte seine persönliche Meinung über die Entscheidung der Repa- gierte ausdrücklich, daß es sich um effetfive Zahlungen handle und rationsfommiffion zum Ausdrud. In dem anschließenden Mei- daß Belgien von diesen Bonds Gebrauch machen werde. Belgien nungsaustausch ergab sich Uebereinstimmung dahin, daß vor einer werde diese Bonds, die entweder durch ein Golddepot oder durch endgültigen Beschlußfaffung die Rückkehr der deutschen Regierungs- irgendeine andere, zwischen Belgien und Deutschland getroffene Abvertreter aus Paris abgewartet werden soll. machung garantiert würden, tatsächlich diskontieren tönnen. Würde Deutschland die geforderten Garantien verweigern, so würde die Reparationstommiffion auf Grund des Friedensvertrages berechtigt fein, den alliierten Mächten eine abfichtliche Richterfüllung Deutsch lands bekanntzugeben, und diefe würden dann die entsprechenden 3wangsmaßnahmen befchließen.
Erklärung des Reichskanzlers.
Somit hat die Reparationsfommission erstens das Moratoriums. dessen Ausführung Belgien Geld erhaltenn würde. Außerdem hat fich die Reparationsfommission die Borschläge der deutschen Regierung betreffs Kohlen- und Holzlieferungen
3m Reichstage frat heute der Ueberwachungsausschuß vorwerfen, wenn er mit seinen Zahlungen in Verzug bleibt. zur Besprechung über die Durchführung des Gefehes zum Schue verlangen abgelehnt und zweitens den Antrag angenommen, durch der in die Wenn man diesem Schuldner trotzdem laufende Schuldverschreibungen abfordert, so kann das nur unter der Vor- flärte der Reichskanzler Dr. Wirth, daß die Beschlüsse der Reparationskommission inzwischen durch die Presse bekannt geworden aussetzung geschehen, daß sich seine Lage in der Zeit bis zum feien, daß er es aber für verfrüht hatte, darüber schon jetzt amfliche Ablauf der Schuld wesentlich ändert. Unter diesen Um- mitteilungen zu machen. Die Herren, die in Paris mit der Reständen erwächst der Entente eine gewiffe verpflichparationskommiffion verhandelt hätten, fämen morgen früh nach tung, an der Befestigung unserer finanziellen Verhältnisse Berlin zurüd, und es wäre notwendig fie erst zu hören. Sie könnten wirksam mitzuarbeiten, wie sie es in ihrer Note ja auch an über den Geist und den Sinn der Entscheidungen der Reparationsdiesen Voraussetzungen, fann sich die deutsche Regierung mit tommiffion zuverlässige Auskünfte geben. Alsdann werde der Reichs fanzler fobald als möglich die Parteiführer in die Reichskanzlei dem Arrangement mit Belgien einverstanden erflären. bitten, um mit ihnen die innenpolifische Lage zu besprechen. Ob das morgen abend schon geschehen könne, sei im Augenblid noch nicht ficher.
Der Eindruck in England.
( verbunden mit industriellen und kommerziellen Strafen im Falle der Nichtausführung) zu eigen gemacht und die deutsche Regierung benachrichtigt, daß fie, falls die Naturallieferungen nicht ſtrift ge leistet würden, sich das Recht vorbehalten werde, die Anwendung dieser Borschläge aufzuerlegen. Die Annahme des von Dubois redigierten belgischen Borschlags erfolgte darauf einstimmig. Die Abmachung, die somit nach langen und mühsamen BerEs wäre Leichtsinn, diesen Teil der Pariser Entscheidung handlungen im Schoße der Kommission erreicht worden ist, ist un auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Ausgabe der verso mehr zu begrüßen, als sie, wie Dubois mit Befriedilangten Schatzscheine gibt Belgien das Recht, nach einem gung feststellte, dem von den Urhebern des belgischen BorVerlauf von sechs Monaten Deutschland einen Gesamtwechsel fchlages fundgegebenen Wunsche entspricht, die sich besonders um von 270 Millionen Goldmark zu überreichen. Belgien hat die Beseitigung der bisherigen Schwierigkeiten bemüht hatten, um aber auch das Recht, die monatlich zu verausgabenden SchatzParis, 1. September. ( WTB.) Die Agence Havas ver- den alliierten Mächten zu ermöglichen, in naher Zukunft und in scheine als Zahlungsmittel im internationalen Verkehr weiter öffentlicht folgenden Kommentar zu den gestrigen Beschlüssen aller Ruhe die allgemeine Regelung des Problems der Reparationen zuleiten. Es tönnte also auch sein, daß uns Teile des Wechsels der Reparationsfommission: Die Entscheidung der Kommission wird Auffassung muß die erreichte Lösung, durch die das Moratorium und der interalliierten Schulden vorzunehmen. Nach französischer nach dem Fristablauf nicht von Belgien , sondern von einem in französischen politischen Streisen im allgemeinen günstig abgelehnt und die wichtige Frage der Pfänder und Garantien anderen Gläubiger vorgelegt werden. Das sind Fragen, die beurteilt. Die Auffassung geht dahin, daß sie, wenn nicht in ihrer zurückgestellt wird, eine allgemeine Erleichterung hervor sowohl von der deutschen Regierung als auch von den Garanten der Schatzscheine überprüft und die mit der belgischen Gesamtheit, so doch in den wesentlichsten Punkten der vom Minister- rufen. Dubois fagte, er hoffe, daß die französische Regierung und ranten der Schatzscheine überprüft und die mit der belgischen präsidenten Poincaré ständig vertretenen These entspreche. Durch die öffentliche Meinung sich zu dem heute abend erreichten Ergebnis Regierung besprochen werden müssen. Weiter wird es nicht die Ablehnung des Antrags des britischen Delegierten und den beglückwünschen würden. leicht sein, für die Schuld geeignete Garantien als Unterlagen darauf gefaßten Beschluß, die Entscheidung über das von Deutsch zu finden. land ausgesprochene Moratoriumsersuchen aufzuschieben, habe die Die Zumutungen, die die Reparationsfommission an die Rommiffion in zwei aufeinanderfolgenden Abstimmungen ent- Condon, 1. September. ( TB.) Das in der Reparations. deutsche Regierung und das deutsche Volk stellt, sind also sprechend den ständigen Erklärungen Poincarés anerkannt, daß es fommiffion erzielte Rompromiß wird von der Breffe als ein or a feineswegs leicht. Trotzdem wäre es töricht, den Ausweg, unmöglich ist, dem Verlangen der deutschen Regierung zuzustimmen. torium unter einem anderen namen bezeichnet. Die den man in Paris gefunden hat, von der Hand zu weisen. Deutschland werde verpflichtet sein, die vorgesehenen Tatsache, daß die Entscheidung einstimmig erfolgte, wird mit be Die belgische Regierung hat sich als der Vernunft 3ahlungen binnen einer sehr kurzen Frist zu sonderer Genugtuung hervorgehoben." Daily Chronicle" nicht unzugänglich erwiesen. Es ist ein Zeichen von Verleisten. Wenn es sich dieser Pflicht entziehen follie, werde die schreibt, die Delegierten hätten ihren Beg aus einem Dilemma her trauen, wenn sie sich bereit erklärt, mit uns gesondert Ab- Kommiffion genötigt sein, eine absichtliche Nichterfüllung zu fon- aus gefunden, das einen Augenblid lang den völligen Bruch der machungen zu treffen, ohne vorerst von der Rückendeckung, statieren, die den Alliierten das Recht geben würde, isoliert oder in Entente und den Zusammenbruch Deutschlands zu bewirken drohte. die die Entente als Gesamtheit bietet, Gebrauch zu machen. ihrer Gesamtheit zu 3wangsmaßnahmen zu schreiten. Somit Frankreich verliere nichts und brauche nichts anzubieten. Warum Dieses Vertrauen ist wert, von uns erwidert zu werden. fchienen bei einer ersten Brüfung die Rechte Frankreichs und feine sollte es da nicht annehmen? Deutschland gewinne den Aufschub, Gerade der Mangel an internationalem Vertrauen ist es ja, vollständige Attionsfreiheit in der Zukunft völlig ge den Großbritannien für notwendig hielt. Er werde allerdings nicht der heute auf der ganzen Welt lastet. Es wäre ein sehr wahrt zu sein. Indessen werden einige Vorbehalte bezüglich ver- Moratorium genannt, sei jedoch tatsächlich ein Moratorium. Er großer Fortschritt, wenn nun zum erstenmal sich zwei Verschiedener Punfte der von der Reparationskommission angenom forge freilich nur für die Zeit bis zum Ende des Jahres, dann fragsgegner aus der Zeit. der Versailler Verhandlungen zu menen Entschließung gemacht, die infolge ihres Mangels an Deut. fönne die Rrise von neuen entstehen. Aber bis zum November einer Uebereinkunft zusammenfänden, die das gegenseitige lichkeit eine genaue Prüfung erforderten. fönnten andere Heilmittel gefunden werden.„ Daily Bertrauen zur Grundlage hätte. Der Wortlaut des" Beschlusses ist umgehend dem Ministerpräfi- Telegraph" schreibt: Es werde mit aufrichtiger Erleichterung Bertrauen in die Absichten des Bertragsgegners und in denten Poincaré mitgeteilt worden. Dieser wird ihn in England empfunden werden, daß, wenn auch nur vorläufig, die die Zukunft ist es auch, daß die Entente bei der angedeuteten morgen dem unter dem Vorsitz des Präsidenten Miller and ein- Rontrolle der deutschen Bergwerte und Wälder fallen gelaffen Regelung der deutschen Finanzen auswärtige Hilfe for berufenen Ministerrat unterbreiten. Poincaré hat es formell werde. Es bleibe abzuwarten, welches die Haltung der deutschen dert. Nun unterliegt es zwar feinem Zweifel, daß auch die abgelehnt, seine Ansicht tundzugeben, bevor er sich mit seinen Mi- Regierung gegenüber der geftrigen Entscheidung sein werde. Gegenseite heute den starten Willen hat, zu einer niſterkollegen besprochen und sich mit ihnen über die Richtlinien ge- Times" schreibt: Die große und willkommene Nachricht, die alle internationalen Finanzregelung zu gelangen, einigt hat, die angesichts der getroffenen Entscheidung der Kommis- wahren Freunde der Entente und bes europäischen Friedens mit es darf aber doch nicht verkannt werden, daß diesem Willen fion zu befolgen find. Ueber diesen Punkt wird also erst morgen tiefer und wirklicher Erleichterung hören werden, sei, daß die Refehr erhebliche Widerstände entgegenstehen. Immerhin hat Klarheit zu erlangen sein. parationstommiffion eine einstimmige Entscheidung erzielt habe. bie Reparationsfommission nunmehr die Iniative in Selbst die Anhänger eines bedingungslosen Moratoriums würden dieser Frage ergriffen. Das ist ein Plus den bisherigen theoerkennen, daß die Bereinbarung Deutschland jede Erleichterung gerethischen Lösungsversuchen gegenüber, das ist ein Plus, das währe, die für das laufende Jahr nötig sei. Das Uebereinkommen löse die Reparationsfrage nicht und behaupte es auch nicht. Es gebe jedoch allen in Betracht kommenden eine Atempause, in der das Problem als Ganzes erwogen werden könne.
Dubois über das kompromis.
auch in den Bereinigten Staaten bei der Beur- Paris, 1. September. ( Agence Havas.) Der Präsident der teilung der Lage ins Gewicht fallen muß. Wenn sich der Reparationsfommission Dubois empfing nach Schluß der gestrigen amerikanische Bertreter auch an den entscheidenden Abstim- Sigung der Reparationsfommiffion die französischen Jour
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