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Nr. 530 39.Jahrgang Ausgabe A nr. 261

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Tschechoslowakei und Ungarn . Der ,, Bormärts" mit der Sonntags. beilage ,, Bolt und Zeit", der Unter­haltungsbeilage ,, Seimwelt" und der Beilage ,, Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal.

Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin"

Morgen- Ausgabe

Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands

Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-293

Verlag: Dönhoff 2506-2507

Donnerstag, den 9. November 1922

Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Posticheckouto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3

Zum Geburtstag der Republik.

,, Berschwunden ist die Monarchie, weil die Träger der Monarchie fich persönlich als schwach und unfähig erwiesen, und zwar nicht erst wäh rend des Krieges... Das System ist endgültig verschwunden, darüber darf man sich nicht im unflaren fein."

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Deutsche Tageszeitung", 15. november 1918. ,, Das System ist endgültig verschwunden" dieses Ein geständnis des führenden Agrarierorgans sei heute an die Spize unseres Gedentblattes zum 9. November gestellt. Zwar entrang sich dieses Bekenntnis dem gequälten Herzen der Deutschen Tageszeitung" zu einer Zeit, wo die Kreuzzei­ tung " ihre Umschrift Borwärts mit Gott für König und Baterland!", die sie heute wieder führt, herunternahm und der große Erich Ludendorff unter falschem Namen nach Schweden entfloh: zu einer Zeit, wo selbst die eingefleischtesten Reaktio­näre der siegreichen Revolution ihre Reverenz erwiesen und fich auf den berühmten auswechselbaren- Boden der ge­gebenen Tatsachen" stellten. Doch dadurch verliert dieses Be­fenntnis nichts von seiner historischen Bedeutung und seiner praktischen Wirksamkeit, dafür wird schon die deutsche Ar­beiterklasse sorgen.

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48er Revolution, die vom Bürgertum schmählich im Stich ge lassen worden waren, endlich verwirklicht und die Demokratie in Deutschland zum Siege gefuhrt hat. Nicht minder groß ist das Verdienst der deutschen Ar­beiterklasse um die Erhaltung des deutschen Staatswesens felbst. Hätte sie nicht an Stelle der geflüchten Machthaber das Steuer des Staates ergriffen und alle ihre Kraft aufge­wendet, um aus dem Trümmerhaufen, den die Kriegsver brecher des wilhelminischen Kaiserreiches hinterließen, ein neues Staatswesen zurechtzuzimmern, das Schicksal Deutsch lands nach dem militärischen Zusammenbruch wäre noch weit schlimmer geworden, als es in Wirklichkeit war.

Die deutsche Arbeiterklasse war sich dessen bewußt, daß die demokratische Republik nur einen günstigeren Kampf­boden für sie schuf, daß aber ihre eigentlichen Kampfziele nur verwirklicht werden könnten, wenn die Republik mit jozi a listischem Inhalt erfüllt wurde. Doch die Durchführung dieser Aufgabe stieß auf innere und äußere Schwierigteilen, die schließlich dahin führten, daß nur ein geringer Teil der Erwartungen erfüllt worden ist, die die Arbeiterklasse an die Revolution geknüpft hatte.

beitslosigkeit und des allgemeinen Banterotts. Doch allen diesen Gefahren gegenüber hat das Bürgertum nur die eine Barole: verstärkte Ausbeutung der Arbeiterklasse, Abschaffung des Achtstundentages, Schwächung des politischen Einflusses des Proletariats, Aufrichtung der Diktatur des Kapitals. In unzweideutiger Weise haben die rechtsstehenden Parteien dieses Ziel ihres Wirkens enthüllt, dem auch die demokrati­schen Mittelparteien durch ihre Schwäche und Haltlosigkeit Vorschub leisten. Unter dem Einfluß der bürgerlichen Bar­teien ist die Demokratie zur Staffage geworden, hinter der die einseitige tapitalistische Interessenvertretung ihre Aus­wirkung findet und in steigendem Maße die Richtung der inneren und äußeren Politik bestimmt.

Gerade am Jahrestag der Revolution tut es not, auf diese Zusammenhänge mit aller Schärfe hinzuweisen. Die würdigste und zweckentsprechendste Feier des Revolutionstages kann nur darin bestehen. daß sich die Arbeiterklasse der Größe ihrer Aufgaben bewußt wird, ihre Kräfte sammelt, um der von allen Seiten drohenden Gefahren Herr

zu werden.

Daß die Voraussetzungen für eine solche Sammlung der Heute ist die Lage die, daß das deutsche Proletariat aus Kräfte gegeben sind, haben noch in diesen Tagen die fächfi­Und heute? Heute werden die zahlreichen großen und der Offensive in die Defensive gedrängt ist und unter Auf- fchen Wahlen erwiesen, bei denen der Angriff der Re­fleinen Organe der deutschnationalen und volksparteilichen bietung aller Kräfte gegen die gefchloffene Front des agrariaftion auf die sozialistische Regierung glänzend zurückgeschla­Breffe ihre Schmähreden gegen die Revolution und die Re- fchen und industriellen Kapitals kämpfen muß, das die Hand gen worden ist. Diese Stimmung der Arbeiterklasse sollte der publit in die Welt hinausrufen und mit der Geriffenheit an die Gurgel des Staates gelegt hat und der Arbeiterflasse Reaktion als Warnung dienen. Alle ihre Versuche, die jetzige burchtriebener Geschäftspolitiker alle Qualen und Leiden der auch die letzten Errungenschaften der Revolution zu entreißen Notlage zur Steigerung ihrer politischen Macht auszunußen, Gegenwart auf die Tatsache zurückführen, daß an die Stelle fucht. des wilhelminischen Kaiserreiches die demokratische Republik Die Voraussetzungen für dieses Erstarten der Reaktion, die demokratische Republit zu einem Schattendafein zu ver­getreten ift. das übrigens feine deutsche, sondern eine internationale Er- urteilen, um sie dann im geeigneten Moment zu beseitigen, scheinung ist, find in erster Linie durch die ich were äußere Lage Deutschlands geschaffen worden. Die gegen revolutionären Kräfte in Deutschland hätten nie eine solche Stärke erreicht, sie hätten nie gewagt, von Bayern aus die deutsche Republik zu bedrohen und die Methoden Horthys und Muffolinis als Vorbild zu preisen, wenn die Sieger des Welt­frieges durch ihre fapitalistische Bankerottpolitik und ihre Un­fähigkeit, die Probleme des Krieges zu lösen, nicht den Körper der deutschen Wirtschaft geschwächt, die demokratische Repu blik unterhöhlt und den Boden für einen neuen Aufschwung des Nationalismus in Deutschland geschaffen hätten.

Wir kennen die Weise, wir kennen den Tert. Wir wissen, daß es denen, die die Revolution und die Republik verun­glimpfen, nur darauf ankommt, die verlorenen Machtpofitio­nen wiederzugewinnen und die große Masse des arbeitenden Volkes unter ihre unumschränkte Herrschaft zu zwingen. Wir miffen, daß die Leute, die sich seit Jahr und Tag als Retter des Vaterlandes" präsentieren, nur auf die Denkfaulheit und Kurzsichtigkeit der unaufgeklärten Massen spekulieren, um ihre eigenen Sünden vergeffen zu machen. Wir wissen daß sie es auch heute nicht verschmähen, die Not und das Elend des Boltes fünftlich zu steigern, um durch die Anwendung der wirtschaftlichen Blockade im Innern jene politischen Macht­positionen zu erobern, die sie im offenen Kampfe nicht zu er ringen vermochten.

Auf diesem schwankenden, innerlich zerriffenen Boden hat sich die kapitalistische Ausbeutungs- und Wucherpraris in einer Weise zu entfalten vermocht, die jede aufbauende Ar­Demaegenüber befennen wir uns ftolz zu der Revolution beit der politischen Barteien hemmt. Während das arbeitende vom 9. November, die eine unüberbrückbare Kluft zwischen Volf immer tiefer ins Elend verfinft, sabotieren die besitzen­dem alten Deutschland mit seinem monarchischen Obrigkeits- den Klassen jede durchgreifende Reform und bedrohen selbst Staat und alles beherrschenden Militarismus und dem neuen die Eristenz der Republik , inhem fie fie unter die Dittatur republikanischen Deutschland aufaeriffen hat. Der deutschen des Großfapitals zwingen. Der Hunger schreitet durch das Arbeiterffaffe, die hingebungsvoll in dieser Revolution ge- Land, die wahnsinnige Teuerung zermürbt den Geit und die fämpft, gebührt das Verdienst taß sie die Lerheizungen des Nerven des Volfes, drohend erhebt sich das Gespenst der Ar­

werden an dem geschlossenen Widerstände des Proletariats fcheitern. Deutschland ist nicht Rußland und auch nicht Ita­ lien . Es wird sich weder zu selbstmörderischen kommunistischen lien. Es wird sich weder zu selbstmörderischen kommunistischen Erperimenten, noch zu fascistischen Abenteuern hergeben. Un­auslöschlich lebt vielmehr in der Seele der deutschen Arbeiter­flaffe neben der sozialistischen Erkenntnis der Geist der Revolution, der am 9. November feinen ersten Sieg über den kapitalistischen Obrigkeitsstaat davongetragen hat.

Diefen halben Sieg zu einem ganzen zu ma chen, das sei die Parole, unter der die Arbeiter heute den Jahrestag der Revolution begehen. Im Kampfe um dieses Biel haben die sozialistischen Parteien Deutschlands ihre Reihen vereinigt. Stärker und geschlossener als zuvor stehen sie jetzt der Front ihrer Widersacher gegenüber. Sie werden die Kraft, die in ihnen vereinigt ist, ausnußen, um an dem so ver­heißungsvoll begonnenen Werte des sozialistischen Aufbaues weiterzuarbeiten und die Gefahren abzumebren, die die Eri­stenz des gesamten arbeitenden Boltes bedrohen. Indem sie diefen Kampf führen, fämpfen sie zugleich für die Repu blit, die auf ihren Schultern ruht.

Republik , Arbeiter und Sozialismus gehören zusammen.

Die deutschen Vorschläge überreicht. Am Donnerstag vormittag werben die Parteiführer der neutralen Finanzleute wirfen sie deshalb besonders start, und die Presse vom Reichskanzler empfangen. In der weil diese sogar ein Moratorium für Sachleistungen Das erste Gutachten der Sachverständigen. Sigung der Parteiführer soll auch über die Einberufung fordern, während Deutschland bisher nur die Stundung ber Die neuen von der Reparationsfommission perlangten des Reichstages endgültig Beschluß gefaßt werden. Die Barleistungen verlangt hat Das Maß der Erleichterung, tonkreten Borschläge der Reichsregierung zur Stabili Einberufung erfolgt voraussichtlich für Montag. Am Mittwoch deren Deutschland bedarf, wird hier viel weiter gezogen, als fierung der Mart sind, wie der Sozialdemokratische abend wurde der Auswärtige Ausschuß des Reichsrats es die deutsche Regierung selbst verlangt. Parlamentsdienst meldet, in einer langen Sigung des Reichs über die Verhandlungen mit der Reparationsfommission und tabinetts am Mittwoch nachmittag endgültig verabschiedet die Vorschläge der Regierung unterrichtet. morden und wurden noch am gleichen Abend der Reparations­

Das ist um so erstaunlicher, als die vier Herren in einem Bankte wesentlich optimistischer find, als die Wort­führer der Reichsregierung es bisher zu sein wagten. Und tommission überreicht. Der Vorschlag der Regierung Die Gutachten der ausländischen Finanzsachverständigen dieser Punkt ist die Frage der Handelsbilanz. Genau wie die macht sich die Grundauffassung der Gutachten der ausländischen über die deutsche Währungsfrage, deren erstes gestern ver- Sozialdemokratie in ihren Forderungen zur Währungspolitif, Finanzjachverständigen zu eigen: Notwendigkeit öffentlicht wurde, sind mehr als eine dekorative Staffage der so schätzen auch die Finanzfachverständigen das Defizit der einer Stügung der Mark unter gewiffen Bor Borschläge, die die Reichsregierung der Reparationsfommission deutschen Handels- und Zahlungsbilanz nach Ausschaltung der ausfegungen. Herablegung der Reparationslasten und machte. Sie sind das Urteil neutraler Fachleute, Reparationszahlungen für viel geringer ein, als die amt­Gewährung einer äußeren Anleihe sind diese Voraussetzungen. ob und inwieweit Deutschland überhaupt noch Reparationen lichen Statistiken es erscheinen laffen. Trotzdem sind die For­Die Auffassung der Reichsregierung über das Zustandekommen zahlen kann, ob und unter welchen Umständen es vielleicht derungen der Sachverständigen mit Bezug auf das Mora­einer äußeren Anleihe durch ein zu bildendes Bankkon später einmal dazu imftande sein wird. 3war ist ein Dollar torium schärfer als die der Regierung. Daraus mag die sortium und die Verwendung der aufgebrachten Mittel zu ftand von 9000 und darüber schon Beweis genug, daß Deutsch - Reparationskommission den guten Willen Deutschlands ent­Stabilisierungszwecken wird in allen Einzelheiten angeführt. land jetzt und für die nächste Zeit gegenüber der Entente nehmen, bereits mit der Währungsstügung die Aufrecht­Unter der Borauslegung, daß die Grundauffassung in den zahlungsunfähig ist Jeder Versuch, fich darüber hinwegzu erhaltung derjenigen Leistungen aus dem Friedensvertrage Vorschlägen der Finanzsachverständigen Anerkennung findet, setzen und dem Reiche trop des gewaltigen Währungselends zu verbinden, die dem internationalen wieder­verplichtet sich die Regierung zu durchgreifenden Maßnahmen noch Zahlungspflichten aufzubürden, wäre eine arge Selbst aufbau dienen fönnen. zur Behebung der schwebenden Schuld und zum täuschung, die schliehlich mir dazu führen kann, daß feine Im übrigen bringt das veröffentlichte Gutachten eine Ausgleich des Budgets. Die Mitwirkung der Gläubiger in ferner Zukunft noch weniger erhalten als sie bei ganze Reihe von Anregungen und eine Durcharbeitung des Reichsbant an einem zur Stübung der Mark berufenen verständiger Beurteilung der heutigen Lage, bei rechtzeitiger Problems nach seiner technischen Seite hin, wie sie bisher ge­Finanztonfortium wird in Aussicht gestellt. Die Antwort der soweit man noch von rechtzeitig" reden darf- Würdigung fehlt hat. Da es unmöglich ist, hier auf alle Einzelheiten ein­Regierung foil am Donnerstag veröffentit merden, ebenso der Tatsachen später erreichen fönnten. zugehen, sei nur die Tatsache hervorgehoben, daß auch dieser das zweite Gutachten der Finanzsachverständigen. Diese Auffassung wird durch das erfte der veröffentlichten Borschlag neben wertbeständigem Geld bereits die Schaffung Die Reparationstommission wird sich am Gutachten bestätigt. Keine Stabilisierung der von Goldschawechseln als einem wertbeständigen An­Donnerstag vormittag in einer internen Sizung mit der deut- Mart ohne ein mindestens zweijähriges Moratorium. Tagepapeir vorsieht. Als Sozialdemokraten diese Forderung schen Antwort beschäftigen und beabsichtigt, am Nachmittag Die Stabilisierung der Mark aber liegt im Interesse der stellten, rauschte es im bürgerlichen Blätterwald Finanz­noch eine gemeinsame Sigung mit den Unterhändlern Gläubiger Deutschlands . Diese Wahrheiten sind schon wieder- dilettantismus" war der gelindeste Vorwurf, den man gegen Der Reichsregierung abzuhalten. Am Freitag foll dann die holt ausgesprochen worden, ohne daß sie bei den maßgebenden uns erhob. Hoffentlich ist man gegen die ausländischen Gäste Rückreise nach Paris erfolgen. Politikern der Entente gehört worden wären. Im Mundel ein wenig höflicher.

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