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Hc.lS> 40. Jahrgang

Seilage des Vorwärts

Zreitag. 12. Januar 1023

Staöwerorönetenvorsteherwahl. Wiederwahl Dr. Casparis. Beschlutzunfähigkeit.

Von der ersten Sladtverordnetcnsitzung im neuen Jahre kann man sagen:£as Jahr fängtgut" an!" 2Iuf eine vom Oberbürger­meister Löß vor der Tagesordnung abgegebene Erklärung zu dem Einmarsch der Franzosen in Essen antworteten die Kommunisten mit einem Skandal, den der Stadtoerordnetenvorstcher Fabian durch sein zweifellos ungehöriges Verhalten noch ver- fchlimmerte. Einen Gegensatz zu diesen üblen Austritten bildete die freundliche Kundgebung, die unserem 7Sjährigen Genossen Z u b e i l bereitet wurde. Von der Tagesordnung, die nicht weniger als 75 Punkte umfaßte, konnte nicht mal der erste, die Bureauwahl, ganz erledigt werden. Die Wahl des Vorstehers brachte das Ergebnis, dos die bürgerliche Presse im voraus frohlockend ange- kündigt hatte: Genosse Dr. Weyl, Kandidat der sozialdemokratischen Fraktion, der weitaus größten in der Versammlung, unterlag dem von allen bürgerlichen Fraktionen unterstützten Dr. C a s p a r i. Hiernach erklärte Genosse H e i m a n n, daß die sozialdemokratische Fraktion sich nunmehr, wie im Vorjahr, überhaupt nicht an der Zusammensetzung des Bureaus beteiligen werde, und die Kam- munisten schloffen sich uns an. Die Bürgerlichen mußten dann allein die weitere Bureauwahl erledigen, sie brachten aber nur noch die Wiederwahl des ersten Vorsteherstellvertreters Fabian zustande. Schon bei der Wahl des zweiten Stellvertreters waren sie nicht mehr vollzählig beisammen, so daß wegen Veschlußunfähigkeit die Sitzung abgebrochen werden mußte. Unter dem Vorsitz des bisherigen Vorsteher-Stellverireters Fabian begann gestern um 5 Vi Uhr die konstituierende Sitzung mit folgender, von den Bürgerlichen stehend angehörten Ansprache des Oberbürgermeisters Döst anläßlich der Ruhrbesetzung: Die Bürgerschaft und die städtischen Körperschaften stehen heute ganz unter dem Eindruck der neuen Gewalttat, durch welche wiederum in deutsches Gebiet eingedrungen und die Stadt Essen besetzt worden ist. Entrüstung, Schmerz und Sorge erfüllen uns alle. An den Toren der ösfentlichen Gebäude in Frankreich stehen die Worte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!" als Wahl- sprach der Revolution von 1789 und der Republik , undMensch- lichkeit" ist ein Wort, das der Franzose fast gewohnheitsmäßig im Munde führt. Richtig: Worte, nichts als Worte! Neues Elend, neue Not soll in unser Volk hineingetragen werden, in unser Volk, das nur Frieden, Arbeit»nd Brot will. Fluch denen, die den O"._ V____ JT- f_f____________ �tL.;f. t / V.'Trif, tv'ri\ r\y>

nicht gönnen!(Zuruf WW daran schuld sind!) Wir reichen den Brüdern die Hand und rufen ibnen zu:s)altet aus! Bleibt uns treu! Wir sind Euch treu!" (Lebhafter Beifall, Gegenrufe bei den Kommunisten.) Indem Herr Fabian hieraus dem Kommunisten Dr. Rosen- berg das Wort erteilt, bittet er zugleich di.i Versammlung, die zu er- wartende Erkläruna mit Stille aufzunehmen und dadurch auszu« drücken, daß die Mehrheit dieser Erklärung kein Gewicht beilegt. (Großer Lärm bei den Kommunisten; Rufe:Runter von der Tri- bünc! Ihr Schurken da vorn«! Schurken seid Ihr!) Dr. R o s e n b e r g(Komm.) erklärt, daß die Kommuniston die französische Gewalttat auf das schärfste verurteilen, daß aber auch der deutschen Bourgeoisie der schärfste Kampf angesagt werden müsse und daß die Regierung Enno durch eine Arbeiterregierung er- setzt werden müsse. Dörr(Komm.) legte gegen das Vorgehen des Vorsteher-Stcllvertrciers Fabian unter großer Unruhe der Ver- sommlung Brütest ein. Der Stadtverordnete Schumacher (Komm.) versucht, dem Vorsteher die Glocke fortzunehmen. Genosse Hei mann erklärt da- Verfahren Fabians für abso- lut ungehörig, bittet aber die Kommunisten, angesichts der Wichtig­keit der Tagesordnung ihren Widerstand aufzugeben. Schumacher nimmt von dieser Erklärung Kenntnis, fragt aber, ob die anderen Fraktionen sich einen solchen Diktator wie Fabian gefallen lassen wollen. Fabian: Ich bin mir bei meinen Worten wohl bewußt, daß>

! mein Verfahren nicht den Gepflogenheiten entspricht. Es gibt aber s Situationen, wo man sich tatsächlich nicht genau an jeden Punkt der s Geslbäftsordnungsvorschriften halten kann, namentlich nachdem schon ! im Aeltestenausschuß durch das Verhalten der Kommunisten die ; Abgabe einer Erklärung im Namen der Gesamtheit unmöglich ge- macht worden ist. Dörr bezeichnet diese Angabe als nicht der ' Wahrheit entsprechend. Was Herr Fabian sich geleistet, sei eine Unverschämtheit gewesen, wie sie nur in dieser Versammlung sich ein Lorsteher leisten könne. Hieraus soll, zur Wahl öes Vorstehers geschritten werden. H e i m a n n(Soz.) bringt nach einem eingehenden und er- schöpfenden Rückblick auf die Vorgänge bei den früheren Vorsteher- wählen seit der Neuwahl der Versammlung als Kandidaten namens der jetzt erheblich mehr als ein Drittel der Versammlung zählenden sozialdemokratischen Fraktion Dr. Weyl in Vorschlag. Nicht nur sei die Fraktion die weitaus stärkste des Hauses; es sei auch Dr. Weyl den bürgerlichen Fraktionen rechtzeitig präsentiert worden und er sei eins der bekanntesten und tätigsten'Mitglieder. Die bürgerlichen Fraktionen seien bei der Führung der Geschäfte unbedingt auch auf die Unterstützung der Linken angewiesen. Wenn auch die Sozial- demokraten nicht jedes Wort unterschreiben würden, was der Oberbürgermeister vorhin gesprochen, so sei man doch darin durchaus einig, daß Deutschland jetzt Zeiten entgegengehe, so schwer und gefahrdrohend, wie nie bis- her; wäre es in solcher Situation wirklich rötlich, den Anspruch einer so starken Fraktion wiederum abzuweisen? Selbstverständlich würde in diesem Falle die Fraktion sich an der Bureauwahl nicht weiter beteiligen. Von Ennern(D. Vp.) entgegnet, daß der kr eilt des Rechts der stärksten Frakttvn erhobene Anspruch kein diktatorischer ist, daß auch keine unbedingte Tradition in diesem Punkte bestehe, daß es sich im wesentlichen doch um ein Vertrauensamt handle und daß man den Bürgerlichen jetzt wie früher nicht genügend entoegengekommen fei, sondern bloß die Nomierung mitgeteilt habe. Ob Dr. Weyls Tätigkeit geeignet gewesen, ihm das Vertrauen auch anderer Fvak- tionen zu verschaffen, dürie bezweifelt werden. Namens der sämt­lichen nichtsozialistischen Fraktion empfiehlt er die Wiederwahl des bewährten Vorstehers Dr. Ca s pari. Bei der Zettelwahl werden 216 Stimmzettel abgegeben. Ein Zettel ist unbeschrieben, von den 215 gültigen lauten 114 aus Dr. Caspari, 101 aus Dr. Wey l. Dr. Caspari ist wledergeroähtt, nimmt die Wahl dankend an und richtet an alle Teile des Hauses die Bitte, zur Förderung der Geschäfte einig zusommenzusiehen. Das Berliner Gemeinwesen werde bedrängt von Sorgen, und die Dinge, die sich jetzt im Rheiylande ereigneten, würden auch auf Berlin und seine Bevölkerung Ihre Rückwirkung äußern. Dann beglückwünschte der Dorsteher den 7Sjährigen Genossen Zubeil namens der Versammlung. Er habe seit 1890 der Stadt- Vertretung angehört und sich stets als einer der eifrigsten und fleißigsten Mi.giieder, daneben auch als einer der Streitbarsten bewährt. Auf diese Ansprach«, die die Versammlung mit leb- haftem Beifall begleitete, erwiderte Genosse Zubeil mit herz- lichem Dank für die freundlichen Worte des Vorstehers. Vor 53 Jahren sei er in die Versammlung eingetreten; auch ein städti- sches Gemeinwesen lasse sich ohne Kämpfe nicht durchführen noch ausbauen, und eine Kampsnatur sei er gewesen und werde er auch wohl bleiben. Auch an die Versammlung selbst richtete er dann Worte des Dankes. Genosse Hei mann erklärte nunmehr in aller Form, daß nach dem Ausgang der Vorlteherwahl die sozial- demokratisch« Fraktion von der Beteiligung an der weiteren Bureau- wähl absehe. Dörr gab für die Kommunisten die gleiche Erklärung ab, protestierte nochmals speziell gegen die Wiederwahl Fabians und kündigte an, daß die Kommunisten dem Präsidium nicht bloß m i t äußerstem Mißtrauen begegnen, sondern ihm auch d i e äußersten Schwierigkeiten bereiten werden. Fa- b i a n(Dnatl.) bezog sich zur Erklärung für sein Verfahren auf

sein« Eigenschaft als geborener Duisburger . Duisburg habe schon Jahr und Tag die französische Vergewaltigung Über sich ergehen lassen müssen. Dem Vorschlag des Herrn v. Eynern, die drei Stell- Vertreter in einem Wahlgang zu wählen, widersprechen die Kommunisten. Es muß in drei Wahlgängen gewählt werden. Fabian wird mit 194 von 196 gültigen Stimmen wiederge- wählt: 1 Stimme erhält Dove(Dem.), 1 Richard Kunz e, 8 Zettel sind weiß. Bei der Wahl des zweiten Stellvertreters(zur Wiederwahl vor- geschlagen Dr. Meyer) werden nur III Zettel abgegeben, während die absolute Mehrheit 113 beträgt. Die Wahl ist ungüllig, da Be- schlußunsähigkeit eingetreten ist und die Sitzung muß abgebrochen werden, was der Vorsteher Dr. Caspari mit großem Bedauern bekannt gibt. Schluß Ä8 Uhr.

DieSrnsou". ES gibt so mancberlei Sorgen für mancherlei Leute, von denen unsereiner keine Ahnung hat. Weder von diesen Sorgen, noch von diesen Leuten. Jetzl zum Beispiel sind wir mitten drin in der Bockbiersaison, und niemand, der auch nur einen Schimmer von den Zeichen der Zeit har, wird leugnen wollen, daß alles dieses eine sehr, wichtige Angelegenheit ist. Auf allen Straßen sieht man die Wagen der Brauereien mit den laubumkränzten Plakaten, auf denen ein Ziegenbock voller Behagen Bier trinkt. Jeder, der etwas auf sich hält und Anspruch auf den Ehrentitel moderner Mensch machl, muß jetzt natürlich Bockbier trinken, den Becher für 399 M. Es gibt Bockbierfeste mit Musik und Klimbim und bunten Kappen aus Papier, das Stück für 50 M.. die man sich über den Kopf streist und die nachher ein lieber Nachbar mit dem Streichholz in Brand steckt, so daß die Haare in Flammen ausgehn. Mit einem Wort, man ist ebenharmlos lusiig". Nach alter guter deutscher Sitte wird bei diesen lliuerhollungen auch gesungen:Versaufin wir unser Oma ihr klein Häuschen, ihr klein Häuschen..." und andere innige und sinnige Licdchcu, wodurch die Lust am Gesang und am echten, rechten BolkSlicd wertvoll und ivescntlich gesördcrt wird. Die Bockbiersoisou und die Bockbier­feste haben alio auch unbestreitbar eine erzieherische Wirkung! Und mit den Bockbicrsesteii paart sich lieblich die Saison der Bälle der vornehmen Welt in feinen Salons, Eintrittskarte 2999 und 3999 M., die Flasche Wein 5999 M., ein Abendessen 5999 M. Wer aber ivtssc» will, wie der neueste und modernste Schnitt des Fracks aussieht, ob die Ballkleider lange oder kurze Schleppen haben, Dinge, die gerade in der heutigen Zeit jedem.besseren" Menschen zu wissen nottun, der muß diese Bälle besuchen. Wie lange noch und man feiert gebührend Fastnacht mit Pfannkuchen, das Stück 129 M. und Maskenbälle, und dann endlich kommt als würdiges Schlußstück der Wintersaison eine Retse nach dem Süden, d. h. falls uns dann noch Kohlen bleiben sollten, um die Lokomotiven zu heizen. Von der Not des Landes lesen jene erschüttert, voll Galle bis an den Hals geladen, in den Zeitungen, auf daß ihnen daS gute Bier in fröhlicher Gesellschaft umso bester schmeckt.

Die Wut gege» die BBZ. Der Kampf des privaten Kohlenhandels gegen die gemeinnützige Berliner B rennst osszentrale, die durch ihren Wettbewerb den Händlerprofit zu schmälern droht, ist imVor- wärts" mehrfach beleuchtet worden. Ei! Händlerorganisatiyn hatte vor einigen Tagen die Vertreter der Presse(mit Ausschluß desBor- wärts") zu eine? Besprechung um sich versammelt, um gegen die BBZ. und ihren ersten Geschäftsführer Kulisch heftige Angriffe zu richten. Aus sie antwortete gestern Herr Kulisch in einer von ihm veranstalteten Besprechung mit Pressevertretern, zu der er auch Vertreter von Händlerorganisationen eingeladen hatte. Zu dem Vorwurf, daß nach dem Kriege ein bisher von der Stadt bewirtschafteter Äohlenplatz samt Inventar einem Verwandten des Herrn Kulisch unter vorteilhafien Bedingungen überlassen wor- den sei, erklärte er, dieser Platz sei vorher einem Händlcrverband vergeblich angeboten und dann nicht durch Kulisch, sondern�durch den zweiten Geschäftsführer nach Entscheidung des Aufsichtsrats zu dem durch einen Sachverständigen abgeschätzten Jnoentarpreis jenem Be­werber gegeben worden. In der Debatte zeigt« sich Herr Kulisch

(Nachdruck verboten. Der Malik-Vcrlag, Berlin .)

Drei Soldaten.

8s' Von John dos Passos . Nein, aber das war es ja nicht, an was er denken wollte. Er war so voll von sich selbst. Auf jeden Fall mutzte er sich selbst vergessen. Immer, seit seinem ersten Studienjahr schien es ihm, als ob er nichts getan habe, als an sich selbst denken, über sich selbst sprechen. Endlich, auf dem tiefsten Grunde der Demütigung, der Sklaverei, war die größte Möglichkeit des Vergessens und des Aufbaues eines neuen Lebens, aus realen Dingen dies- mal, aus Arbeit und Kameradschaft und Verachtung: Ver- achtung, Zynismus, das brauchte er. Eine phantastische Welt war es, in die er plötzlich gefallen war. Sein Leven vorher schien ein Traum aus einem Roman, ein Gemälde, des er in irgendeinem Schaufenster gesehen hatte. Es war so ganz anders: war es wirklich in derselben Welt? Es schien ihm, als sei er gestorben, ohne es zu wissen und neugeboren, in einer neuen, fürchterlichen Hölle. Als Kind l)«tte er in einem alten Hause gewohnt, das unter Eichen und Kastanien stand, neben einer Landstraße, wo kleine Karren und Ochsenwagen nur selten vorbeikamen und Spuren im Sande hinterließen. So viele Träume hatte er gehabt unter dem Myrtenbusch am Ende des überwnchse- uen Gartens; die langen Nachmittage in Virginia , wie waren sie schön. Dort konnte er an die Welt denken, in der er leben werde, wenn er einmal erwachsen wäre. Er hatte so viele Leben für sich geplant; er wollte General werden wie Cäsar, die Welt erobern und in einer großen Marmorhalle ermordet sterben. Er wollte ein wandernder Sänger werden und alle Länder singend durchwandern und viele endlose, verworrene Abenteuer durchmachen: er sah sich als großen Musiker spielend an einem Klavier sitzen, wie Chopin auf dem Bilde, während wunderschöne Frauen wer- nend saßen und Männer mit langem, lockigem 5)aar die Ge­sichter in ihren Händen verbargen. Nur Sklaverei hatte er nicht vorausgesehen. Dazu hatte seine Rasse zu viele Jahr- hunderte hindtirch geherrscht. Und doch war die Welt nur zu- sammengcsetzt aus Variationen von Sklavereien. John Andrews lag auf dem Rücken in seinem Lager, wahrend alles um ihn herum schlief und schnarchte in den

dunklen Baracken. Ein dunkler Schrecken hielt ihn gepackt. In einer einzigen Woche war das große Gebäude seiner romantischen Welt voller Farben und Harmonien, das stärker und dauerhafter gewesen war als die Schul- und Universitäts - zeit und als das Hin- und Hergestoßensein im Kampf üm die Existenz' in New Bork, wie Staub in sich zusammengefallen. Wie dumm." dachte er.Dies ist doch die Welt, wie sie der Mehrzahl der Menschen erscheint. Dies ist nur der untere Teil der Pyramide." Er dachte an seine Freunde, an Fuselli und Chrisfield und den komischen kleinen Kerl, Eisenstein. Die schienen sich zu Hause zu fühlen in diesem Armeeleben. Die schienen durchaus nicht erschreckt zu sein über den Verlust ihrer Frei- heit. Denn sie hatten ja auch nie im Glänze jener anderen Welt gelebt. Doch wenn er auch wollte, er konnte keine Ver- achtung gegen sie fühlen. Er dachte an sie, wie sie unter dem Kommando des Mannes sangen; Heil, heil, wir sind die Solldaten, Wir werden uns den Kaiser holen, Wir werden uns dön Kaiser holen, Wir werden uns den Kaiser holen!" Er dachte an sich selbst und an Chrisfield, wie sie die abgebrannten Zigaretten aufsammelten und an das endlose Tramp, Tramp der Füße auf dem Exerzierplatz. Wo war die Verbindung? War das alles Irrsinn? Sie kamen aus so ver- schiedenen Welten, all diese Männer, die um ihn herum schliefen, um in dieser Sache vereimgt zu werden. Was dachten sie darüber, alle diese Schläfer? Hatten nicht auch sie Träume gehabt, als sie Knaben waren? Oder.hatte die Generation vor ihnen sie nur für dies vorbereitet? Er dachte an sich selbst, wie er unter dem Myrtenbusch lag während des heißen, drösenden Nachmittags und die blassen Blumen im trockenen Grase beobachtete, und fühlte, in seine warmen Decken eingehüllt, wieder, wie die Glieder sich in dem Wunsche strafften, frei und ohne Zwang durch eine neue, freie, kühne Luft zu stürzen. Plötzlich überdeckte Dunkelheit sein Bewußtsein. Mit einem Ruck wachte er auf. Das Horn tönte draußen. Aufstehen!" schrie der Sergeant.

Die Sterne standen klar am Himmel, als Fuselli aus den Baracken stolperte, die Augen noch stechend vor Schlaf. Wie

kleine, glänzende Flocken zitterten die Sterne in dem Dunkel des Himmeis. Weiß jemand, wo das elektrisch« Licht angedreht njird?" fragte der Sergeant gutgelaunt. Das Licht über der Tiix der Baracken summte auf und ließ einen kleinen, rundlichen, luftigen Mann mit kleinem, gelbem Schnurrbart und einer Zigarette, die ihm zum Munde heraushing, sehen. Um ihn herum gruppiert saßen Leute aus der Kompagnie, in Mänteln und Mützen. Alles in Ordnung. Aufmarschieren, Leute!" Man sah Fuselli einigermaßen neugierig an, da er gerade die Nacht vorher in diese Kompagnie versetzt worden war. Achtung!" schrie der Sergeant, dann zog er die Augen- brauen zusammen und starrte lange auf das Stück Passier, das er in der Hand hielt, während die Leute ihn neugierig beobachteten.Antwortet, wenn Euer Name ausgerufen wird...- Ansbach !" Hier!" Gleichzeitig konnte man draußen in den anderen Baracken bei anderen Kompagnien dasselbe hören. Irgendwo vom Ende der Straße her kamen Hochrufe. Nun, Leute, ich kann Euch jetzt erzählen," sagte der Sergeant mit einem Ausdruck besonderer Allwissenheit, nach- dem er den letzten Namen aufgerufen hatte,wir gebe» hinüber." Alles schrie begeistert. Haltets Maul! Die Hunnen sollen uns wohl hörnfe was?" Die Kompagnie lachte, auf dem runden Gesicht des Sergeanten lagerte sich ein breites Grinsen ab. Da scheint Ihr ja einen ganz anständigen Bonzen zu haben," flüsterte Fuselli seinem Nebenmann zu. Da kannst du dich drauf verlassen. Der ist'ne feine Marke," sagte der andere in einem Tone tiefer Ehrfurcht. 'ne gute Kompagnie, kann ich dir sagen." Plötzlich erschien der Leutnant in dem Lichtkreis vor den Baracken. Es war ein Junge mit rosigem Gesicht. Sein etwas zu großer Rock war sehr neu und stand ihm steif von den Beinen ab. Alles in Ordnuna, Sergeant? Alles in Ordnung?" fragte er verschiedene Male. Zu Befehl!" antwortete der Sergeant. Sehr gut. Werde Ihnen in einer Minute den Marsch- befehl mitteilen."(Fortsetzung folgt.)