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Nr. 27.

Erscheint täglich außer Montags. Breis pränumerando: Viertel­jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30Mt. proQuartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Desterreich­Ungarn 2. Mt., für das übrige Ausland 3Mt. pr.Monat. Eingetr. in der Post Bettungs- Preisliste für 1895 unter Mr. 7128.

Vorwärts

12. Jahrg.

Insertions Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins: und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Numiner müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochen: tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn­und Festtagen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet.

Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin "

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Abonnements- Einladung.

Freitag, den 1. Februar 1895.

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Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Dann folgt eine Erzählung aus dem Leben: übrig. Mit füßsaurer Miene haben die Finanzminister " Zu Tode gehetzt", von Franz Held. Diese Er- Preußens, Bayerns u. s. w. bis zu den Reichslanden herab, Zu Beginn eines neuen Monats richten wir an alle zählung beruht durchweg auf gerichtlichen Akten, den guten Stand der Finanzen konstatirt, wobei sie aber, Freunde und Parteigenossen die dringliche Bitte, für die die von uns dem Verfasser zur Verfügung gestellt worden wie auf Verabredung, betont haben, daß die günstigen Steuererträgniffe blos auf ausnahmsweise Verhältnisse, Erweiterung unseres Abonnentenkreises sind, und sie zeigt, wie heute der, welcher von seinem Rechte auf Bufälle u. dergl. zurückzuführen seien. Diese eigens mit aller Energie thätig zu sein. Gegen die Partei, nicht weicht, in Form Rechtens" zu Grunde ge- artige Uebereinstimmung hat blos blos den den Zweck, den Gegnern der Tabaksteuer- Vorlage ihre schärfste Waffe deren Zentralorgan der Vorwärts" ist, haben die verrichtet werden kann. Nach Schluß von: Zu Tode gehezt! beabsichtigen wir zu rauben. Aber diesen allgemeinen Redensarten fehlt jede einigten Parteien der Reaktion, denen der Boden unter den Füßen wankt, jetzt alle ihre Kräfte auf den früher angekündigten Roman, die Berliner März Beweiskraft, so oft es auch gesagt wurde, daß die guten geboten; durch ein neues Knebelgesetz soll die zahlereignisse des Jahres 1843 behandelnd, zu veröffent Staatseinnahmen in den einzelstaatlichen Budgets auf zu fällige Ursachen zurückzuführen sind, so wenig erfolgreich reichste Partei in Deutschland , mundtodt gemacht, und für lichen. unsere Feinde und des Volkes Feinde die Ruhe des Judem wir so bestrebt sind, unsere Leser zufrieden zu waren die Versuche, diese Behauptungen zu erweisen. Dies das gerade Gegen­Kirchhofes hergestellt werden, damit sie ungestört stellen, dürfen wir uns auch der Hoffnung hingeben, daß ist auch unmöglich, ist doch theil das Wahrscheinliche. Sind zur Zeit der ihre gemeinschädliche und gemeingefährliche Arbeit dieser Aufruf an die Freunde und Genossen seinen Zweck starken ökonomischen Depressionen die Staatseinkünfte verrichten können. Die Rämpfe, in denen wir stehen, nicht verfehlen wird. über alle Erwartung gut und reichlich so müssen sie in sind von entscheidender Bedeutung; und die Verhand normalen und ökonomisch günstigen Jahren desto reichlicher Lungen des Reichstages über die sogenannte Um­den Staatskassen zufließen. sturz vorlage, die jetzt in der Kommission sich ab­spielen, bald aber im Plenum stattfinden werden, find von ganz besonderer Wichtigkeit.

zu machen!

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Unter diesen

Mit dem 1. Februar eröffnen wir ein neues Abonne­ment auf den ,, Vorwärts

mit der illustrirten Sonntags- Beilage

Berlin , Januar 1895.

Redaktion und Expedition des Vorwärts".

Das neue Tabakstener- Gesetz.

Hier liegt also nicht der Grund für die Nothwendigkeit der Tabaksteuer- Vorlage. Er liegt auf einem ganz anderen Gebiete. Nach den großen Heeresvermehrungen Schon durch seine Benennung unterscheidet sich der eben will man nun dem Wunsche des Kaisers entsprechen Umständen ist es doppelt nothwendig, daß die Partei- dem Reichstage zugegangene Gesezentwurf von seinem Vor- und an stelle unserer mächtigen Vertheidigungsflotte eine genossen sich in dem Zentralorgan der Partei über alle Vorgänger, der im verflossenen Jahre Parlament, Presse und Angriffsflotte bauen, um mit den Flotten Englands, Frank: fommnisse aufs genaueste unterrichten, und daß sie dafür öffentliche Meinung so start beschäftigt hatte. Im vorigen reichs und Rußlands zu konkurriren. Dazu ist aber massenhaft forgen, daß der Vorwärts" immer weiter ver- Jahre hieß das Werk der Steuerkünstler Tabat Fabritat Geld nothwendig; für diese Zwecke fehlt es, für diese soll breitet wird. Je größer die Verbreitung des Zentral- it enter, heute heißt es Tabatsteuer. Dieser Unterschied es herbeigeschafft werden und dazu bedarf man ncuer organs, desto größer sein Einfluß und seine Wirksamkeit, ist aber im wesentlichen ein äußerlicher, in der Gesammt- Stenerquellen. Damit neue umproduktive Ausgaben ges und desto größer die Macht der Partei. wirkung und insbesondere in den Folgen, den der neue Gesetz macht werden, müßten zehntausende produktivthätiger durch die Tabaksteuer Vorlage außer Die Redaktion des Borwärts" wird bemüht sein, ihre entwurf für die Konsumenten und die in der Tabakindustrie Personen haben wird, unter Erwerb gesetzt werden. Diese Zweckbestimmung ist für uns Pflicht zu thun, und das Zentralorgan der Partei würdig beschäftigte Arbeiterbevölkerung scheidet er sich leider fast garnicht von dem alten ein weiterer Grund, die Tabaksteuer- Vorlage aufs energischste Gesetzentwurf. Ihm gegenüber sind wir somit als zu bekämpfen. Bertreter der großen Masse der Konsumenten, wie vor Wenn Herr Miquel und seine bezahlten wie frei allem als Verfechter der Interessen der Arbeiter, denen willigen Nachbeter und Bewunderer sagen, neue Reichss auch aus der neuen Vorlage das fürchterliche Gespenst einnahmen seien unbedingt erforderlich, und wir nehmen dauernder Arbeitslosigkeit entgegentritt, zur entschiedensten diese dort, wo sie keine unbedingten Lebenbedürfnisse wo Volkes belasten, Opposition verpflichtet. Bevor wir auf den neuen Gesch des fie lediglich ein Luxuss entwurf eingehen, müssen drei Vorfragen erledigt werden: bedürfniß des Volkes treffen, so ist dies Spiegels 1. Ist die Finanzlage des Reiches eine so troftlose, fechlerei. Der Tabakkonsum ist heute kein Lugus mehr. Er daß ein Gesetz angenommen werden muß, das große Theile ist für Hunderttausende zum unbedingten Lebensbedürfniß des arbeitenden Volkes noch weiterer Berelendung unter geworden, was ja selbst von den Verwaltungen unserer Ge­wirft? fängnisse anerkannt wird, die den Sträflingen vielfach das 2. Ist die Stener auf Tabak wirklich eine Zugussteuer, Tabakrauchen gestatten. Ein Genuß, der so allgemein ist, wie wie Herr Miquel unlängst betont hat? der des Tabaks, tann unmöglich als Luxus bezeichnet werden, Und endlich 3. Giebt es keine passenderen Steuerobjekte? denn Luxus ist doch nur ein Aufwand, der über das ge= Was die Finanzlage des Reichse anlangt, so läßt sich mit gewöhnliche Bedürfniß hinausgeht. Ganze Röcke und ungeflickte derselben die Nothwendigkeit der Tabaksteuer- Vorlage nicht Schuhe zu tragen, ist heute in Deutschland viel eher als Nach Beendigung des Romans:" Im Exil", bringen begründen. Die Begründung sucht man deshalb im Stande Luxus zu bezeichnen, als der Konsum von Tabak. Vor der Finanzen der einzelnen Bundesstaaten. Obwohl die Jahrhunderten war der Tabakkonsum ein Luxus, heute ist wir zunächst ,, Ein Blatt füdamerikanischer Geschichte", allgemeine Geschäftslage und somit die Einkommen wie er es nicht mehr. Wie falsch. die Anwendung des Begriffes eine lebensfrische Stizze aus Südamerika , deren Ver- Konsumverhältnisse der Bevölkerung im verflossenen Lugus steuer auf die Tabatsteuer ist, geht daraus hervor, fasser aus dem Born seiner eigenen Erlebnisse und und im laufenden Jahre höchst ungünstige find, was man sonst als Luxussteuer zu bezeichnen pflegt. nennen blos die Besteuerung von Schaums Erfahrungen schöpft und ein wahrheitsgetreues Bild lassen die Etcuererträgnisse nach den Wünschen der Wir einzelstaatlichen der Zustände in jenen Landstrichen giebt. Finanzminister nichts zu wünschen weinen, Austern, Spitzen und Seidenstoffen, die Diensts

Die Neue Welt".

Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, so­wie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen ent­

gegen zum monatlichen Preise von

1 Mark 10 Pfennige frei ins Haus. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonne­ments zum Preise von

2,20 M. für die Monate Februar u. März entgegen.( Eingetragen in die Post- Zeitungsliste für 1895 unter Nummer 7128.)

Feuilleton.

Skizzen aus dem

Uniform der paraguayischen Kavallerie, mit abgegriffenem tadelhaftem, neumodischem Schuhzeug erscheinen müssen, hat schmußigem Käppi und einem schweren rostigen Echlepps er Euch doch dafür Eure bequemen Unterhosen gelassen der säbel. Der erstere war der ehrenwerthe Herr Senator Hize wegen, und ich für meine Person finde das sehr ver­[ Nachdruck verboten.] Flecha, der zweite der Befehlshaber der gesammten, aus nünftig. Was sollten auch die Fremden sagen, wenn sie 1 etwa 50 Mann bestehenden paraguayischen Reiterei, der uns so umherlaufen sähen, wie wir aus unserer Mutter Oberst Juan Meza. Herr Meza hatte sich seinen Titel in Leibe gekommen." " Ja," fiel Herr Flecha noch gereizter ein, das ist es, Soldat eingetreten war; Herrn Flecha hatte das souveräne weil er die Fremden nachäffen will, darum muß es sein. paraguayische Volk seit einem Jahre auf den Senatoren Hat immer sein gauzes Lebtag hindurch die da unten," und cr beschrieb mit seinen Stiefeln einen weiten Kreis, mit dem fessel erhoben. er Buenos Aires und Europa bezeichnen wollte, vorgezogen und mehr von ihnen gehalten als von seinen Landsleuten. Wenn ich mich bedenke, daß ich ihm vor einem Jahre meine Stimme gegeben, tönnte ich mir selber geradeweg ins Gesicht spuden..

südamerikanischen Hinterlande." dem Kriege des Lopez verdient, in den er als gemeiner Ein Blatt

südamerikanischer Geschichte. Gegenüber der städtischen Markthalle von Asuncion , gerade im Herzen der Stadt gelegen, befand sich im Jahre 1871 die Apotheke des Herrn Francisco Guanes, der zu dieser Beit neben seinem Geschäft als Apotheker, von dem er übrigens blutwenig verstand, das nicht uneinträgliche Amt eines Abgeordneten der paraguayischen Nation be

kleidete.

Wie geht's, Gevatter?" fragte der Apotheker über seinen Ladentisch hinüber, Ihr seid, wie es mir scheint, heute recht übler Laune."

,, Will's meinen," brummte schnaufend der Herr Senator entgegen, indem er sich mit einem Arme den Schweiß aus dem gerötheten Gesicht wischte, der Teufel soll das ganze Senatorenspiel holen

" Habt's auch nur gethan, weil Ihr glaubtet, er würde Euch zum Minister machen... konntet aber weder schreiben Es war in den heißen Novembertagen desselben Jahres, Ich glaube, es ist ein ganz und gar reinliches Ge- noch lesen, mein bester Gevatter; lernt's darum, dann werdet als er eben einem brasilianischen Lieutenant der Besazungsschäft; Ihr verdient netto den Monat Eure dreihundert Ihr es," sagte der Apotheker grinsend. armee, die Paraguay noch einige Jahre lang dem " Ja, auf sein Schreibwesen bildet er sich verdammt großen Kriege offupirt hiclt, eine Unze Bittersalz für den Pesas damit; ungerechnet die kleinen Trinkgelder.. " Caracho.. und Ihr rechnet nichts, daß ich meine viel ein, unser Herr Präsident, und sieht drumi uns, dic wir billigen Preis eines Pfundes englisch Gold verkaufte, als ein Herr brauner Gesichtsfärbung, in den mittleren Jahren Füße täglich ein paar Stunden in enge Stiefel zwängen es nicht verstehen, über die Achsel an; ich glaube aber, im stehend, nur bekleidet mit einem paar schneeweißer Unter- muß, und habe solch Zeug nie früher getragen.. Seht sie Kriege haben wir es verstanden, die Feder zu führen, wenn hosen, einem Hemde und einem Zylinderhute durch die immer Euch an, Gevatter," und er hob das unglückliche paar es auch die aus dem Gänsekiel geschnittene nicht gewesen geöffnete Thür in die Apotheke trat und sich ächzend auf Stiefel in die Höhe, ich, der ich mein ganz Lebtag auf ift.... meinen natürlichen Sohlen umhergelaufen bin, muß auf Wo habt Ihr denn den Säbel geführt, geschätzter den nächsten Stuhl fallen ließ. Der gute Herr war barfuß, meine alten Tage mich noch in eine solche Tortur stecken.. Freund?" fragte ihn der Oberst Meza, ich habe ein trug aber ein paar nagelneuer und höchst eleganter Lack­stiefel in seiner Hand. Ihm folgte ein gelbbrauner, großer, Der Teufel hole dieſe miserable Erfindung der Fremden, schlechtes Gedächtniß..." " Wo... wo..." schrie entrüstet der Senator, indem starter Mann in einer lüderlichen mehrfach zerrissenen und der Teufel hole den, der sie uns aufdrängen will.." Ereifert Euch nicht, Flecha," fiel lachend der Oberst er zornroth aufsprang und seine Stiefel in eine Ecke warf, ich... ich, der ich ein, der sich an den Ladentisch gelehnt hatte, unsere das ist eine Beleidigung, Oberst. Exzellenz, der Herr Präsident Cirilo Rivarola , hat es so bei den Lomas Valentinas eine ganze Kompagnie dieser angeordnet, daß alle Beamten und Respektspersonen in un- brasilianischen Affen aufhielt."

* In früheren Jahrgängen des Vorwärts" erschienen schon einige diefer Glizzen, und erregten durch die Treue und Lebens­wahrheit der Schilderung Aufsehen in weiten Kreisen.

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