Einzelbild herunterladen
 

Monarchistische Maskerade. Tie Ehreuritter derValley Brandenburg". Der wegen Kapitalvsrschiebung vorbestrafte zweite Sohn Wilhelms, der sich noch immerKönigliche Hoheit" nennen läßt und sonst als Eitel Friedrich be- kannt ist. amtiert auch jetzt noch in der schönen Stellung als Herrenmeister der Ballen Brandenburg" im Johanniter- o r d e n. der aus dem Mittelalter in die Zeit der Republik überkommen ist. Als solcher stellt er alljährlich eine Anzahl Urkunden aus, die in schönstem Diplomdruck etwa so aussehen: lFohannuer-Kreuz) Wilhelm p| Eitel Kcieöclch Chrlstian&ntl von Gottes Gnaden Prinz von Preußen, Herrenmeister der Valley Brandenburg des ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem , tun kund und fügen hiermit zu wissen, daß Wir

nach Prüfung seines Gesuches durch das Ordenskapitel als Ehrenritter dieses Ordens angenommen haben, weshalb Wir, als Hcrrxnmeister der Valley Brandenburg, demselben darüber das gegenwärtige Patent unter Unserer Hoch st eigenhändigen Unterschrift ausfertigen und solches mit Unserem Ordens» Insiegel versehen lassen. So geschehen den In diesem Jahre hat Prinz Eitel Friedrich nicht weniger als 233Edelleute" als Ehrenritter eingeführt. Die Feier ging in den üblichen Maskenkostümen vor sich. Wer sind nun die neuen Ehrenritter unter Führung des ehemals kaiserlichen und königlichen Prinzen? Man wird sich nicht wundern, daß ehemalige Offiziere und junkerliche Ritterguts- b e s i tz e r den Hauptteil stellen. Man tut aber gut, sich in der deutschen Republik auch über manches andere nicht mehr zu wundern. Man findet nämlich in der Liste schon als Är. 3 einen Polizeimajor und Kommandeur der Schutzpolizei in Gum binnen als Ehrenriter des Monarchisten- ordens. Als Rr. 8 und 9 erscheinen zwei Herren von der Reichswehr , der eine Rittmeister in Allenstein , der andere Major in Königsberg . Hat man sich durch die lange Liste der Grafen , Freiherren und gewöhnlichenvons" durchgearbeitet, so zählt man, daß nicht weniger als 36 Angehörige der Reichswehr und der Marineauf ihr Ansuchen" zu Ehrenrittern gemacht worden sind. Zwei dieser Herren sitzen sogar im Reichswehr mini st erium! Ferner sind unter den Monarchistenrittern e l f Herren von der republi- kanischen Polizei; vier von ihnen sitzen in Bayern . Rebenher prangen in der Liste der Ehrenritter auch neun Herren aus dem gegenrevolutionären Ungarn , die in diese Umgebung ausgezeichnet passen. Es ist ein republikanisches Bildchen, das wohl nur in Deutschland möglich ist: Ein Sohn des abgedankten Kaisers und Königs schart Offiziere der republikanischen Reichswehr und der ebenso republikanischen Polizei als seine Ehrenritter um sich. Und all die Herren aus altem Adel finden das ganz in der Ordnung. Das Bolk aber hat leider versäumt, nach der Revolution mit der Möglichkeit solchen Maskenspiels endgültig aufzuräumen._ Hans Schreiber:»Oer Alaanzsumpf". da« in fünf Auflagen er» schienen ist, wurde von der SlaaiSanwaltsckait beschlagnahmt. weil der Inhalt ein Vergeben gegen§ S, siiffer 2 de« Gesetze« zum Schutze der Republik enthalten soll. Gegen die Beschlag» nahm« hat R.-A. Bahn Beschwerde erhoben.

Die psychotechnischen Methoden werden nun zum erstenmal zur Prüsung einer größeren Anzahl von Mustkanwärtern für eine Orchesterschule verwendet. Als musikalische Vorprüfung ergab sich 'las Benennen von Tönen sowie das Nachsingen genannter Töne bei bekanntem Ausgangston, das Erfinden einer Melodie auf selbst- gewählten Takt. Unterscheidung von Dur und Moll, Ergänzung von zwei Tönen mit einem dritten zu Dur- und Moll-Dreiklängen, Auf- lösung von Dissonanzen u. a. m. Die rhythmische Fähigkeit wird durch Mit- und Nachklopfen gleicher Zählzeitcn geprüft. Di« Unter­scheidungsfähigkeit in bezug auf Tonhöhen und Akkordklänge wurde festgestellt. Die Reattionsweise wurde durch einen Versuch beob- achtet, bei dem ein fallender Stab rechtzeittg aufgehalten werden mußte. Da auch die Ausführung verschiedener gleichzeitiger V«- wegungssormen für den Musiker notwendig ist, mußt« der Prüsling nach dem Takt eines Metronoms gleichzeitig mit der linken Hand eine Gerade und mit der rechten einen Kreis beschreiben, unter lautem Zählen von 1 bis 20, während die Nachbarn laut andere Zahlen zählten. Weitere Versuche mit einfachen Apparaten ließen Rück- schlüsse auf die Gelenkigkeit der Hände und Finger zu. Die durch diese Prüfung gewonnenen Ergebnisse führten in ihrer Auswertung zu Rangreihen, in denen gleiche Bewerber an annähernd gleicher Stelle meist nur um wenige Prozente auseinanderstanden. Verlobung mit Dienstmarken. Die Intendantur der Staat»- oper verschickt mittels Rohrpost und als Dienstsache folgende Mit- teilung:Kommersänger Richard Tauber , der Sohn des bekannten Chemnitzer Intendanten und derzeitiger Gast der Berliner Staats» oper, hat sich gestern mit einer Dame der Chemnitzer Gesellschaft verlobt. Die Feier fand hier in Berlin statt." Herzlichen Glückwunsch und so! Aber dann: was geht uns das an, wie kommt die Staatsoper dazu, in der Verbreitung von Fa- miliennachrichten den Zeitungen auf Kosten der Steuerzahler Kon- kurrenz zu machen? Und schließlich: wo, gab's zu essen? Darum lud man, falls es doch eine öffentliche Angelegenheit sei soll, die Presse nicht«in, die darüber mit einem hübschen Stimmungsbild quittiert hätte wenigstens soweit sie aus Gefelllchaftsfähig- keit hält? Spielplanänderung. In der Arohen VoltSoPer wird Sonntag üalt .Rigoletto".Der Troubad our� mit Rod. Burg vom Dresdener ?»aalstbeater als Lnna gegeben. Die Erstaussührung des.Rigoletto ' :ft auf Dien «tag vertagt. »Tie Fabrt nach Cr»«*', das neue Drama Tchmidtbonn». wttb sorausiilbtlub Ende April im Neuen VolkStheater in Szene gedcu. Die Regie führt Paul Bildt. der auch die Hauptrolle ipielt. Berliner Gaftlpiel eine« Rnbrtheater«. Am Sonntag, den 29. April, vorm. 11 Uhr, gastieren im Staatlichen Schawpieldaii« die ver» einigten Schauspiele Herne-Recklinghaule» mit Leo Deismantel« .Totentanz 1S2f, da« bereits von IS dentfchen Bühne» gespielt wurde. Bortrige. Otto Sotow wiederHoll seinen Lichtbildervortrag.Die EiSrielenhöble im Tennengebirge' Mittwoch, 8 Ubi, in der Technischen Hoch'chule. Hörsaal 301. In der»esellschast sür Höblen. sorschung spricht Mittwoch, S Uhr. in her Geologischen Landesanilalt. Jnool-dcvltr. 4«, Dr. v. SS i ch b g r f f über.Beiträge zur Höhlen» zünde Thüringens". (Bälte miQfommen. iphrang eines ruttiichen Komponisten. Der deutsche Botschafter m Mcslaii, Brockdorfi-Rantzau, überreicht« dem russischen Komvonitten Vkc>unow, der zum Ehrenmitglied der Akademie der Berliner Villen- schaster erwählt ist. die Urkunde w dessen Bohnnn»

Sürger-Nieöerlage im Reichstag. Kein Interesse für eigene Anträge. Die Sonnabevd-Sitzung des Reichstages dauerte nur 10 Minuten, dann wurde sie wegen Beschlußunfähigkeit des Hauses vertagt. So kurz die Sitzung war, so groß ist die Bloßstellung der bürgerlichen Fraktionen. Auf der Tagesordnung stand die zweit« Beratung des von der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft eingebrachten Antrags auf Einführung eines Paragraphen zum Schutze von Ver- sammlungen in das Strafgesetzbuch. Der Paragraph soll nach den Beschlüssen des Rechtsausschusses lauten: Wer nicht verbotene Versammlungen, Aufzüge oder Kund» gedungen mit Gewalt oder durch Bedrohung mit einem Ver» brechen verhindert oder sprengt oder in unmittelbarem usammenhange mit solchen Versammlungen, Aufzügen oder undgebungen Gewalttätigkeiten begeht, wird mit Gefängnis, neben dem auf Geldstrafe bis zu einer Million Mark erkannt wer» den kann, bestraft. Der Versuch ist strafbar. Diese Forderung war für die bürgerlichen Parteien eine große A k.t i o n. Sie verlangten die Aufnahme eines entsprechenden Para» graphen sofort nach der Ermordung Rathsnaus in das Gesetz zum Schutze der Republik. Als die Sozialdemokratie, die die schweren Gefahren eines solchen Paragraphen angesichts der noch immer be» stehenden Klassenjustiz erkannte, dagegen Einspruch erhob, brachten sie nach der Verabschiedung des Schutzgesetzes einen neuen Antrag ein. Immer wieder drängten sie auf baldige Verabschiedung dieses angeblich so notwendigen Paragraphen. Als aber heute der Antrag auf der Tagesordnung stand, zeigte sich, daß die große Mehrheit der bürgerlichen Reichstagsmttglieder keinerlei Interesse für diesen An- trag hatte. Der Kommunist Eichhorn beantragte vor Eintritt in die Beratung, über den Antrag Dr. Stresemann, Marx, Dr. Petersen, Leicht und Genossen zur Tagesordnung überzu» gehen. Die Tatsache, daß so viele bürgerlich« Abgeordnete abge» reist fei«n, beweise, daß die Bürgerlichen selbst diesen Paragraphen für überflüssig hielten. Der Dolksparteiler Leutheußer wider- sprach dem. Der Antrag sei von größter Wichtigkeit und dränge sehr. Ein Blick auf die gähnenden Lücken in den Reihen der Bürger- lichen war aber die beste Widerlegung.. Als Eichhorn die Beschluß- fähigkeit bezweifelte, setzte Bizepräsident Dittmann die Abstimmung kurze Zell aus, um den Abgeordneten die Teilnahme an der Ab- sttmmung zu ermöglichen, die vielleicht aus entfernten Teilen des Hauses noch herbeieilen mußten. Es ergab sich aber, daß überhaupt nur 127 Abgeordnete im Reichstagsgebäude anwesend waren, davon der größere T«Il Sozialisten und Kommunisten. Da zur Beschluß- fähigkeit 230 Abgeordnete notwendig sind, und nicht zu erwarten war, daß im Laufe des Tages diese Zahl zu erreichen sei, setzte Ditt- mann die nächste Sitzung aus Montag, nachmittags 2 Uhr. fest. Tagesordnung: NeuregtlungderLehrerbildung,Bler» p e u e r. Di« Bürgerlichen waren über diesen blamablen Ausgang ihres Unternehmens in vollkommener Verwirrung. Noch lange nach dem Schluß der Sitzung standen sie gruppenweise im Saale und machten sich gegenseitig Vorwürfe oder erörterten mit betrübten Mienen den Eindruck, den dieses Versagen ihrer Mannen im Lande machen muß. Man darf heute noch einmal an dos erinnern, was dieKreuz- Zeitung " am 24. März d. 3. schrieb: Werden wir es noch erleben, daß sich die bürgerlichen Por- teien au» der Abhängigkeit der Sozialdemotratte befreien und au» eigener Kraft das Hau» beschlußfähig machen? Mit einer bürgerlichen Mehrheit, die wohl Diäten und Freifahrkarten be» zieht, aber im Hause nie vorhanden ist. kann dem Volte nicht ge- dient sein. Der heuttge Borfall lehrt, daß die Erziehungsarbeit derK r e uz- Zeitung" einstweilen vergeblich ist. Er beweist aber ferner, daß die bürgerlichen Parteien eine Verschärfung der Strafbesttmmungen zum Schutze von Bersammlungen selbst nicht für dringend notwendig halten. DieKreuzzeitung " gibt zum Ueberfluß b«m Antrag der Ar- beitsgemeinschaft den moralischen Todesstoß, indem sie bemerkt: Die neue Gesetzesbestimmung soll Versammlungen der Recht»- Parteien vor Vergewaltigung durch rote Sprengkolonnen und Landfriedensbrecher schützen". Also nur die Rechtsparteien g«gen links, nicht auch die Linksparteien gegen rechts, was in manchen Reichsteilen bekannllich viel notwendiger wäre.

Ein weißer Rabe. Graf Westarp gege« die Unvernunft der Landwirtschaft. Graf Westarp sprach am Sonnabend in Hannover vor sei» nem deutschnationalen Heerbann. Er wies darauf hin, daß Deutsch- land auf die Dauer nicht in der Lag« sein werde, vom Ausland Lebensmittel zu beziehen. Deshalb fei«in Ausgleich zwischen Stadt und Land notwendig. Das ist gewiß richtig, und noch richtiger ist«s, wenn er fortfährt, die Landwirtschaft dürfe nicht durch Unvernunft den Konsument«n gegenüber ein« Politik der Verärgerung betreiben. Ob dies« Mahnung aber auch in den Kreisen der Landwirtschaft auf fruchtbaren Boden sal» len wird? Die bisherig« Polttik der Herren Agrarier spricht nicht dasün

Vernehmung öer völkischen Rbgeorüneten. Am 26. April wird bekanntlich der Staotsgerichtshof über die Beschwerde der Deutschvölkischen Freiheitspartei gegen das von Preußen und einigen anderen Ländern erlassene Berbot ihrer Partei verhandeln. Zur Vorbereitung dieser Verhandlung haben in den letzten Tagen seitens der zuständigen Behörden weitere eingehend« Ermittlungen stattgefunden, die sich mit den gegen die Deutschvölkischen erhobenen Vorwürfe beschäftigten. Sowohl Oberreichsanwall Ebermayer wie der Untersuchungsrichter beim Staatsgerichtzhcf weilten zur Leitung der notwendigen Er» Hebungen in der letzten Woche wiederHoll in Berlin . Auch die drei völkischen R-ichstagsabgeordneten v. Gr ä f e- G o l de b e e, Henning und W u l l e wurde» eingehend vernommen. Es wurde ihnen da, gesamte gegen ihre Partei gesammelte Anvagematerial vorgelegt und dann Punkt für Punkt ihre Darlegungen hierzu zu Protokoll genommen.

Soziale Fürsorge unü Gelüentwertung. Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde gestern der Haushall de» Reichsarbeitsmimsteriums verabschiedet. Die Unter st ützungssätz« sollen aus Grund der Reichsverorlmung für Crwcrbslosenunterstützung verdoppelt werden. Die Unterstützung darf nur dann unterbleiben, wenn das Gesamtein» kommen der Familienmitglieder den durchschnittlichen Tariflohn er» heblich überschreitet. Angenommen wurde ferner ein Antrag, der d-e bestehenden Unterstützungssätze der Erwerbslosenfür- sorg« unverzüglich den Teuerungsverhältnissen anpassen will. Der Fonds für außerordentliche auf Antrag zu gewährende Beihilfen jur Unterstützung gemeinnütziger Anstalten und solcher öfsentlichen Anstalten wird auf 2V Milliarden erhöht. Zur Gewährung von Darlehen und Baugeld an gemeinnützige Wohnungsbau» Unternehmungen, Gemeinde- und Privatbauunternehmen wird eine Milliarde Mark bereitgestellt. Außerdem wurde beschlossen, an die Länder zur Hebung der Wohnungsbautätigkeit Darlehen bis zur Höhe von 200 Milliarden herzugeben.

Saperische Sitten. Don Herrn Stefan Großmann erhalten wir folgende Zuschriu. Wegen einer Glosse über die ausländischen Geldquellen der nationalsozialistischen Bewegung wurde ich von Herrn Adolf Hitler verklagt, und zwar in München . Die Verhandlung sollte Montag, den 16. April, vor dem Münchener Schöffengericht stattfinden. Im letzten Augenblick haben wir zur Stellung wichtiger Beweisanträge die Verhandlung vertagen lassen Am 14 April traf ich zur Ord» nung des Materials in München ein. An diesem Tage erschien in dem Hitler-Moniteur, imVölkischen Beobachter" an der Spitze des Blattes ein Aufsatz, der mit Riesenlettern überschrieben war:.,D i e jüdische Kanaille".Stefan Großmanns Ver» höhnung des deutschen Volkes' In diesem Aufsatz wurde ich beschuldigt, für eine amerikanische Zeitung Stimmungs- berichte aus dem Ruhrgsbiet geschrieben zu hoben, die deutschfeind- sich sein sollen. In Wahrheit l)abe ich niemals für irgendeine amerikanische Zeitung auch nur eine Zeil« geschrieben. Der Aufsatz desVölkischen Beobachters" über den Halunken" Stefan Groß- mann schloß mit folgenden Worten: Dieser freche Jude gehört nicht etwa vor einen Richter gezogen und zur Geldstraf« verdonnert, sondern wegen Förderung franzö- stscher Interessen und Verhöhnung des um sein Dasein ringenden deutschen Volkes zum Tode durch den Strang ver- urteilt. Auch dann sogar, wenn man sich sagen muß, daß selbst «in Strick noch zu schade für ihn ist." Offenbar wurde der Aufsatz am 14. April zu dem Zwecke ge» schrieben, um auf die Laienrichter, die am 16. April urteilen sollten, entsprechenden Druck auszuüben und gleichzeitig eine Atmosphäre im Gerichtssaal herzustellen, die eine persönliche Bedrohung größter Art darstellt. Ich wende mich heute«m den bayerischen Justiz- minister, um ihn zu fragen, in welcher Weise er gegenüber dieser Aufforderung zum Totschlag Sicherbeiten für meine Person bei der zu erwartenden Berhandlung schaffen will. Einer Verhandlung, der ich mich nicht entziehen werde, auch wenn diese Bedrohungen noch gewalttätigeren Charakter annehmen würben."

Die üeutsth-polnischen verhanülungen. In den nächsten Tagen werden nach der Osterpause die deutsch - polnischen Verhandlungen in Dresden wieder ausgenommen werden, nachdem einige kleinere Derhandlungspunkte auch in der Zwischen. zeit den Gegenstand deutsch -polnischer Besprechungen gebildet haben. Im Bordergrund stehen neben anderem die Verhandlungen über , SlaatsangehSrlgkeit und Option, worüber fest längerer Zeit ununterbrochen verhandelt wird. Die deutsche und die polnische Austassung haben schon von Anfang an in scharfem Gegensatz zueinander gestanden, und das Bestreben der Unterhändler, die Gegensätze zu überbrücken, ist durch die Er» regung erschwert worden, die die bekannte Rede des Minister» Präsidenten Sikorsti hervorgerufen hat. Die an sich schon so schwierigen Probleme, so schließt die offiziös« Wolss-Meldung, wür- den eine weitere Belastung schwerlich ertragen.

völterbunö unü Saargebiet. Ranlts RücktrittSdrohung. Gens. 21. April.<Eca.) Die Diskussion der Saarfrag« hat heute begonnen. Man vermutet jedoch, daß tie eigentlichen großen pol tischen Fragen, die durch den Einspruch des schwedischen Delegierten gegen die Notverordnung der Regi-rungskommissson aufgeworfen worden sind, erst am Montag zur Sprache kommen werden, wenn B r a n t i n g in Genf eingetroffen ist. In dieser Frage hat der Vorsitzende der Regierungskommission, Rault, zu verstehen gegeben, daß er seine Abdankung einreichen würde für den Fall, daß sich im Völterbundrat eine Mehrheit finde, die die Regierungskommission in der Frage der Notverordnung des- avouiere. Rault ist der Ansicht, daß eine derartige Stellungnahm« des Dölkerbundrates ihn in seiner Autorität schädigen würde. Durch den Rücktritt Raults würde die ganze Frage der Präsidentschaft in der Regierungskommission aufgeworfen werden. Die Bersailler Bestimmungen sehen nicht ausdrücklich vor, daß der Präsident der Regierungskommission ein Franzose sein muß. Di« Ernennung eines Franzosen zum Präsidenten ist vielmehr aus eine spätere interne Abmachung des Völkerbundrates zurückzuführer.. Es ist sicher, daß gewisse neutral« Kreise im Fall von Raulls Rücktritt versuchen würden, den französilchen Re» gierungspräsidenten durch«inen neutralen zu ersetzen. In Völkerbundtreisen wird für diesen Fall der Norweger C o l b a n genannt, der in den letzten Jahren im Sekretariat des Völkerbundes die Saarfragt behandelt hat._

Eurzons Reüe eine Warnung. Pari». 21. April. sWTV.) Die Rede Lord C u r z o n S wird von dem sozialistischen.Popnlaire" al« eine an Poincarö und Theuni« gerichtete diskret« Warnung aufgefaßt. Obwohl Eng « land in der Ruhrfrage Zurückhaltung wahre, gedenke e« bei der schließlich«« Lösung eine um so g ew i ch ti g e r e Rolle ru spielen, als die internationalen Kreditoperationen, zu denen nxin wohl oder übel seine Zuflucht werde nehmen müssen, ohne England und die Sereinrgten Staaten, die beiden einzigen Mächte, die solide Finanzen besäßen, zu nichts führen könnten.

Deutschlanüüebatte im Kolketing. Kopenhagen . 21. April. lWTB.) Im Folketing legte der deutsch . bürgerlich« Abgcordnede Pastor Echrnidt-Wodder dar, daß J'eder Versuch einer International isierung der zweiten Zone unter Nichtachtung der deutschen Souveränität und der Kampf an der Grenze, der unter der ParoleSchleswig muß heim nach Dänemark " geführt werde, und ferner die weitverbreitete Speku- lation auf den nah» bevorstehenden völligen Zusammenbruch Deutschlands zusammenwirkten, um eine Stimmung zu schaffen, auf der Pläne wie die eine» Kanal st aates hätten entspringen können. Deutschland fühl« stch fast an allen Grenzen bedroht, teil» weis« durch direkte staatliche Uebergriffe, wie Frankreichs und Polens . An der deutsch -dänischen Grenze sei es nur zu P l ä» n e n gekommen. Das alles habe naturgemäß auf die an und für stch erwünschte gesetzliche Regelung der rechtlichen Verhältnisse der dänischen Minderheiten südlich der Grenze hemmend gewirkt. Der Redner sprach sich dann sehrjcharf gegen das dänische Bestreben aus, die Grenze zu einer schwer übersteigbaren Mauer zu machen und zeigte an einigen Beispielen, wie man selbst in Pietätsfällen in das tägliche Leben störend und hart eingreife und wie die Nord» schleswiger, die im Lande geboren und aufgewachsen seien und die keine andere Heimat hätten als Rordschleswia, in Gefahr schwebten. dies« zu verlieren, weil der dänische Staat ihnen die Aufenthalts- erlaubnis verweigern könne und teilweise auch verweigere. Er richtete schließlich die Frage an das H a u», ob es ein« derartige Grenzpolitik billige. Der Präsident rügte, daß der Redner, soweit er ihn ver» standen habe, von Uebergriffen anderer Staaten gegen Deutsch » land gesprochen hätte.(?) Das fei unzulä sig. Ein solcher Tat» bestand Nege nacy seiner Ueberzeugung nicht vor. Auch sei e» unzulässig, Dänemark ähnliche Absichten zu unterstellen. Im weiteren Lauf der Debatte ergriffen auch Minister das Wort und nahmen zur Rede des Abg. Schmidt Stellung, ohne jedoch auf den Kern seiner Ausführungen einzugehen. « Soweit der Wolff-Bericht. Uns wird von dänischen Sozial» demokmten erklärt, daß auch die jetzig« Regierung, zu der unsere Genossen it» Opposition stehen, jede Gemeinschaft mit dänischen Chauvinisten ablehne. Wa» Schmidt-Wodder vom Aufenthavsrecht sagte, bezieht sich natürlich auf Rordschleswiger, die deutsche Staats- bürg« sind.