gischen„Vermittlungsaktionen" England ebenso zu narren, wie bei der soeben gescheiterten Beantwortung des Frage- bogcns? Englands Trumpf scheint diesmal in der uneinge- schränkten Zustimmung der italienischen Regierung zu liegen. Falls Poincarä mit seiner Stellungnahme zu dem englischen Entwurf eine Antwort auf das deutsche Angebot allzu lange auf sich warten läßt, dann wird eben eine gemeinsame eng- lisch-italienische Antwort erfolgen, und es ist dann sehr fraglich, ob die Belgier auch in dieser neuen zugespitzten Phase glänzender Isolierung den Franzosen Gefolgschaft leisten werden. Eine kurze Meldung der offiziösen belgischen Telegraphen- agentur bereitet übrigens bei aller Vorsicht der Stilisierung schon auf eine solche Vermittlertätigkeit des Brüsseler Kabinetts zwischen London und Paris vor. Sie lautet: Belgisch « Regierungstreise erklären, wenn man auch den Wortlaut der Rede Baldwins abwarten müsse, so könne man doch schon sagen, daß die von Baldwln ausgesprochenen Ge- danken eine Entspannung bedeuten und die Annahm« gestatten, daß die diplomatischen Besprechungen unter den Alliierten, weit davon entfernt aufzuhören, mit erhöhter In- t e n s i t ä t fortgesetzt werden. Indessen sind die Kommentare des offiziösen Pariser „Temps" zur Baldwin-Rede dermaßen schroff ableh» n e n d, daß man selbst bei der größten„Intensität" solcher diplomatischen Besprechungen nur geringe Hoffnung auf ihren Erfolg hegen kann. Die Schlußwendungen des„Temps- Artikels, den wir im Auszug der Agentur„Est Europe" nach- stehend wiedergeben, klingen beinahe so, als wollte die franzö- fische Regierung Deutschland vor der englischen Aktion war- n e n I Diese Töne sind nicht neu, aber in der gegenwärtigen Situation sind sie mehr als naiv. Ueber die traditionellen Beweggründe der englischen Politik sind wir auch ohne die freundlichen Belehrungen des„Temps" durchaus im Bilde. Aber wir find es mindestens ebenso sehr in bezug auf die Mo- tive und auf die Ziele der f r a n z ö si s ch e n Politik. Und da England heutzutage die einzige Macht auf der Welt ist, die imstande ist, die größenwahnsinnigen Imperialisten im Zaume zu halten, die mindestens bis zu den nächsten Wahlen Frankreichs Politik leiten werden, so wollen wir getrost die Gefahren in Kauf nehmen, die uns von England drohen könnten, wenn wir uns einmal erholt hätten. Diese Gefahren liegen jedenfalls noch in recht weiter Ferne. Die Zertrümmerung Deutschlands dagegen, das allgemeine Chaos, steht uns als Folge der französischen Politik un- mittelbar bevor. Die Mahnung des„Temps" klingt ungefähr so, wie wenn man einem Todkranken vor der rettenden Ope- ration mit den Worten warnen wollte:„Laß dich ja nicht mit diesem Chirurgen ein, denn wenn du aus der Narkose er- wachst, ist das ein scheußliches Gefühl!" Die ,?taf6oiipoIitiC' öes Temps! Paris , 13. Juli. (EE.) Der„Temps" schreibt zu der gestrigen Erklärung Stanley Baldwins , daß sie in Frankreich große Eni- täuschung hervorgerufen habe. Europa habe von England eine Lösung der augenblicklichen Lage erwartet. Statt dessen habe Eng- kmd nur den deutschen passiven Wider st and ermutigt. Durch die in der gestrigen Erklärung an der Ruhrpolitik Frankreichs geübte Kritik würden nur die deutschen Leidenschaften neu aufgestachelt werden. Wichtiger sei jedoch, daß Deutschland wieder Waren in großen Mengen ausführe, weil nur dadurch feine Gesundung ermöglicht werden könne. Im Jahre 1921 sei«» aber Stanley Baldwin ge- wesen, der im englischen Parlament den Antrag eingebracht habe, durch Gesetzesbeschluß alle Waren aus Ursprungsländern mit ent- werteter Valuta mit besonders hohen Zöllen zu belegen. Was Baldwin sonst noch von der Frage der Reparationen, der inter» alliierten Schulden und der Sicherheiten gesagt habe, sei nicht mehr als eine Kapitelüberschrift gewesen. Wenn Baldwin glaube, das Problem der interalliierten Schulden in dem Sinne lösbar zu machen, wie dies Bonar Law auf der Pariser Ianuarkonserenz vorgeschlagen habe, so müsse man ihn daran er-
/Zlpörücken. Von Ernst Grau. Er trug in der Krawatte ein goldfunkelndes Hakenkreuz. Er trug in der Tasche sechs Partei- und Vereins-Mitgliedsbücher, die alle ein Hakenkreuz schmückte. Er fehlte in keiner jener Bersamm- lungen, wo sich die anderen Hakenkreuze zusammenfanden. Er war an jedem Abend derjenige, der am lautesten brüllte:„Nieder mit Frankreich ! Herunter mit der Iudenregierung!" Und edler Man- nesstolz wob eine Gloriole um seinen speckigen Schädel, während er begeistert schrie:„Wenn w i r erst vor Paris stehen, wenn w i r erst aus London einen Trümmerhaufen gemacht haben, dann wer- den w i r diese Iudenrepublik, diesen... Weiter kam er meist nicht. Der ganze Saal brüllte Beifall und trampelt«, daß einem vor so viel Mut und Begeisterung Angst und Bange werden konnte. Und wenn sich dann so ein armseliger Kriegsbeschädigter aufs Podium wagte, seinen Armstumpf in die Höhe reckt« und etwas von „Nie wieder Krieg" sprach, dann regnete es Bierseidel und andere Ausdrucksmittel völkischer Debattierkunst, die jede andere Meinung im Keime erstickten. In vorderster Reihe aber stand er und spie Gift und Galle über diesen vaterlandslosen Gesellen, der nicht wußte, was er der glorreichen Vergangenheit seines Voltes schuldig war. Eines Nachts, er hatte wenige Stunden vorher gerade wieder so einen„ehrlosen" Burschen heruntergekanzelt, hatte er einen merk- würdigen Traum. „Krieg!" hallte es durch die Straßen. „Krieg!" heulten die Extrablätter. „Krieg!" schrien die Menschen einander zu. Krieg?, dachte er. Lächerlich! Wer regiert uns denn? Wer sollte denn bei uns einer so großen, befreienden Tat fähig sein! Lächerlich! Er zog die weiße West« über den kugelrunden Bauch straffer und steuerte auf den roten Maueranschlag zu, den eine erregte Menschenmenge umlagerte. Richtig! Da stand es in Riesenlettern! „Deutschland m o b i l t s t e r t l" Ein Hurra dem wackeren Präsidenten! Doch dann las er weiter. Und fein Atem stockte. Ja, was war denn das? Wie hieß es da in der Mobilmachungsorder? Die Mannschaften würden diesmal nicht nach Jahrgängen eingezogen? Ganz entgeistert stand er und las:„Bon der bisher üblich gewesenen Rekrutierungsmethode wird Abstand genommen. Um niemand In seinen vaterländischen Gefühlen zu kränken oder sonstwie zurück- zusetzen wird bestimmt, daß sich zuerst sämtliche Mitglieder und Anhänger der deutschvölkischen, deutschnationalen und national- sozialistischen Parteien und Bereinigungen bei den Bezirkskomman- dos zu melden haben, Diese Maßregel wird ergriffen, um allen
innern, daß dieser Borschlag damals von allen Alliierten a b g e- lehnt sei Die Sicherheit Europas könne nur durch die endgültige Lösung des Reparationsproblems garantiert werden. Spreche man aber jetzt bereits von der EntMilitarisierung gewisser Ge- bietsteile und der Verminderung der Rüstungen, so mache man damit dieses Problem erst recht nicht spruchreif. Die gestri- gen Erklärungen Baldwins hätten in der Hauptsache den Zweck gehabt,-die ganze Welt gegen die französische Re- gierung aufzubringen. Wenn aber erst Deutschland wirk- schaftlich emporgekommen sei. so werde sich Engtand wieder gegen Deutschland wenden, wie es dies seit den Zeiten Kaiser Wilhelms immer getan habe. Englands Absicht sei niemals eine andere ge- wesen, als Europa in zwei Lagern getrennt zu halten. Einer solchen Auslösungspolitik müsse die französische Aufbau- politik(!) gegenübergestellt werden, durch die die Wirtschaft- l i ch e Ruhe(!) wieder hergestellt werden könne. Rtthr-Echo in Wien . Wien , 13. Juli. (WTB.) Im Nationalrat wurde das Handels- abkommen mit Frankreich erledigt. Dr. Ellenbogen(Soz.) unterzog hierbei die französische Ruhrpolttit einer scharfen Kritik.
Ein Hilferuf nach Srüffel. Duisburg , 13. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Die Sozialdemokratische Partei Duisburgs Hai an die sozialistische Sammerfraktion in Brüssel folgendes Telegramm gerichtet: Die Rot der arbeitenden Bevölkerung im hiesigen Bezirk ist aufs äußerste gestiegen. Verzweiflungsausbrüche fchimmster Art sind zu erwarten, wenn unerhörte Bedrückungen, die schlimmer sind wie im Kriege, andauern. Wir richten die dringende Bitte an Euch und alle Sozialisten, allen Einfluß aufzubieten, damit unerträgliche Leiden der schuldlosen Bevölkerung beendet werden, helft, bevor es zu spät ist! Brüssel . 13. Juli. (Belgische Telegraphen-Agentur.) In Duisburg find die belgischen Truppen durch französische erseht worden. Die organisierte Qtia!. Essen, 13. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Die Ortsvorslände der freien, christlichen und Hirsch-Donckerschen Gewerkschaften in Duisburg haben an den Kommandierenden General der belgischen Besahungstruppen folgendes Schreiben gerichtet: »Da die Vertreter der organisierten Arbeitnehmerschaft auf die Eingabe vom 3. Juli immer noch nicht im Besitze einer Antwort sind, erlauben wir uns erneut an Sie mit der Bitte heranzutreten, die durch die von Ihnen erlassenen Verordnungen hervorgerufenen unbeschreiblichen Leiden der arbeitenden Bevölkerung abzustellen. Durch die Beschränkung des Verkehrs haben Tausende von Arbeitern und Angestellten bei der großen Hitze große Weg- st recken zu laufen. Ohnmachtsanfälle, Hitzschläge usw. kommen häufig vor. Ebenfalls entsteht diesen Personen ein ungeheurer Lohnverlust. Ferner wirkt das befohlene Schließen der Fenster während der Sperrzeit bei der gegenwärtigen Temperatur geradezu verheerend. Sehr viele Kinder, alle Leute und die Arbeit- nehmerschasl im allgemeinen werden krank, weil ihnen die frische Lustznsuhr völlig abgeschnitten ist. wo Personen au» Verzweiflung dennoch wagten, die Fenster zu öffnen, sehten sie sich der Gefahr aus, erschossen zu werden. Die Zlachtschichtier sind gezwungen, die Fenster zu schlichen, am T a g e ist eine Oefsnung der Fensler wegen der großen Hitze unmöglich. So sind die schwer arbeitenden Leute von jeder frischen Lustzusuhr abgeschnitten. Wir richten ferner an Sie, Herr General, die Bitte, sofort zu veranlassen, daß von den Soldaten auf den h a s e n b r ü ck e n die Vorschriften eingehalten werden. Es ist unmenschlich, wenn junge Soldaten alte ergraute Personen Lappalien wegen mit Kolben- stößea bearbeiten. Eine der fürchterlichsten Erscheinungen ist das Schicksal der werdenden Müller.
denen, die sich seit Iahren in Wort und Schrift mit ganzem Herzen danach gesehnt haben, ihr unterdrücktes Vaterland mit dem Schwerte in der Hand zu befreien, Gelegenheit zu geben, ihren Herzens- wünsch auch in die Tat umzusetzen.. Himmelherrgottl Das hieß ja mit andern Worten: Schützengraben statt Kriegs- gesellschaft, Unterstand statt Klubsessel, Handgranate statt Sekt- flasche, also alle? unangenehme Dinge, die man früher den andern so begeistert empfohlen hatte, während man selbst--. Er las das Plakat nicht zu Ende. Still schlich er sich davon. In einer menschenleeren Seitenstraße riß er die Hakenkreuznadel aus der Krawatte und warf sie weit von sich. Zu Hause verbrannte er m fieberhafter Eile die hakenkreuzgeschmückten Mitgliedsbücher, kaufte sich eine schwarzrotgoldene Fahne und hängte sie zum Fenster hinaus. In Schweiß gebadet, laut stöhnend erwachte er und war Heils- froh, daß alles nur ein Traum gewesen. Natürlich! In Wirklichkeit war das ja auch ganz ander«. D a- für würde man schon sorgen. Aber immerhin! Er beschloß, sich zukünftig ein wenig zurück- zuhalten. Vorsicht war noch immer der bessere Teil der Tapferkeit gewesen, und man kann nicht wissen--.
Masern - Serum. Im Preußischen Landesgesundheitsamt hat eine Besprechung von Fachleuten über das Degkwitzsche Masernserum stattgefunden. Alle Anwesenden warOi darin einer Meinung, daß das Maser-Rekonvalefzenten» Serum einen hohen Wert für die Borbeugung der Masern, besonders bei den durch diese Krankheit so sehr gefährdeten Klein- k i n d e r n unter 4 Jahren besitzt, und daß es sich empfehlen würde, Zentralstellen einzurichten, in denen dieses Serum gcfam- melt würde und von denen es außer durch Aerzte auch durch Kinder- kliniken, Säuglings- und Kleinkindcrheime bezogen werden könnte. Bon der Einrichtung einer staatlichen Zentralstelle glaubten alle Anwesenden abraten zu müssen, doch wurde es als zweckmäßig bezeichnet, daß bei den Gesundheitsämtern und Wohlfahrtsämtern größerer Städte derartige Zentralstellen eingerichtet würden, denen am Ort oder in der Nachbarschaft vorbandene Krankenhäuser das Serum liefern könnten und von denen aus der benachbarte Bezirk versorgt werden könnte. England als Beschützer des Opiumbaues. Im Juni ging die fünft« Tagung der Internationalen Opiumkommission in Genf zu End«, und die amtlichen Mitteilungen erwecken den Schein, als ob eine Verständigung über die Einschränkung der Opiumerzcugung erreicht worden wäre. Dies ist aber nicht zu- treffend: es ergab sich eine hoffnungslose Spaltung innerhalb der Kommission. Der amerikanische Delegierte vertrat den einzig richtigen Standpunkt: die Einschränkung des Oviumhandels und-schmuggels kann nur erreicht werden, wenn gleichzeitig der Anbau von Opium auf die medizinischen Bedürfnisse eingeschränkt wird. Die Stellungnahme des amerikanischen Dele-
viele Frauen, die ihrer schweren Stunde entgegensehen, fühlen mst Schrecken, daß sie sterben müssen, weil die Geburtshilfe nachts nicht erreicht werden kann. Viele Frauen haben ohne Geburlshilfe entbunden und liegen jetzt schwer krank darnieder. Weiter geben wir zu bedenken, daß bei der ungeheuer großen Wohnungsnok, mit hervorgerufen durch die B e. sa h u n g, oft S bis 10 Personen in einem kleinen Dachzimmer ohne Licht und Luft von abends S Uhr bis morgens 5 Uhr in fürchterlicher Hitze verbringen müssen. Es entspricht nicht den Grundsätzen des Rechts, daß jemand bestrafi wird, bevor der Beweis der Schuld erbracht worden ist. Millionen der arbeitenden Menschen erleiden unschuldig fürchterliche Qualen, die in der Geschichte noch nicht zu verzeichnen sind. Diese Behandlung erzeugt eine Atmosphäre in der Bevölkerung, die verhängnisvoll wirken muß. Herr General! Als Verlreker der Arbeilnehmerschafi halten wir uns für verpflichtet, Sie auf diese Zustände aufmerksam zu machen, ehe es zu spät ist, und der haß der Völker jede Verständigung unmöglich macht."
Der vorwanü üer Strafexpeöition. Elberfeld , 13. Juli. (WTB.) Die Besetzung B a r m e n s galt in erster Linie dem Rathaus. Als Grund für die Besetzung wurde angegeben, daß vor einigen Tagen französische Soldaten und Zoll- beamte, die versehentlich die Grenze des besetzten Gebietes bei Hermsdorf überschritten hätten, von Schupo mißhandelt und nach Elberfeld gefangen abgeführt worden seien. Diese Behauptung entspricht nicht den Tatsachen. In Wirklichkeit spielte sich der Bor - gang folgendermaßen ab: Es hat ein Geplänkel zwischen französischen Soldaten, Zollbeamten und Schmugglern an der Grenze statt- gefunden, wobei die Schmuggler einige in ihre Hände gefallene Soldaten mißhandelt haben sollen. In einem Laustauto zu Hilfe geeilt« Schupobeamte aus Elberfeld befreiten die französischen Soldaten und Zollbeamten aus der Hand der Schmuggler und brachten sie nach Elberfeld in Schutzhaft. Dieser Vorfall wird von dem die Besetzungstruppen befehligenden Oberst jetzt so dar- gestellt, als ob die Schupobeamten die französischen Soldaten und Zollbeamten mißhandelt hätten. Bei der ganzen Aktion handelt es sich zweifellos vor allem um ein Borgehen gegen die Reichsbank und das zum Ssil in Elberfeld befindliche Personal des Regierungspräsidiums Düffel- dorf, dessen Zimmer erbrochen und beraubt wurden. Im übrigen liegt es auf der 5)and, daß auch dieser neueste fran- zösische Gewaltakt bezweckt, durch Vorstöße in weiteres deutsches Gebiet die Bevölkerung zu beunruhigen und ihren Widerstand zu brechen. Münster . 13. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Besetzungslage. Bei dem Einfall in Barmen wurden verhaftet: Reichsbcmkdirettor Grostus, Polizeihauptmann Machtersheimer und Polizsioberleutnant Johann, außerdem wurden von den Franzosen der Regierung-- Präsident Grützner und Regierungsassessor Trappe gesucht, jedoch nicht angetroffen.. Der Sanktionszweck erreicht. Paris , 13. Juli. (WTB.) Nach einer Havasmcldung aus Düsseldorf sind gestern vormittag aus Vohwinkel 60 Milliarden Mark„beschlagnahmt" worden, die angeblich von Privatpersonen in Berlin an eine Adresse in Köln geschickt worden sind. Die Summe sei konfisziert worden, weil sie nicht deklariert gewesen sei. In Bochum wurde am 10. Juli die Reichsbant besetzt, ferner der Bochumer Verein , wo Arbeiter und Angestellte das Werk ver- ließen. Der Belagerungszustand ist wieder aufgehoben. In B o t r o p p ist die Straßensperre aufgehoben. In Osterfeld haben die Franzosen bei der Stadttasse 7 Millionen Mark und im Rat- haus zahlreiches Inventar beschlagnahmt, angeblich zur Er- fassung der der Stadt auferlegten Kontributton von IM Millionen Mark anläßlich der Sprengung der Ruhrbriicke. Die„Essener Arbeiterzeitung"(Soz.) und das kommunistische„Ruhr- Echo" sind vom 11. bis 14. Juli wegen eines Artikels über Ber- längerung der Berkehrssperr« verboten. Aus der Aachener Stadtkasse— im altbesetzten Gebiet— holten sich die Belgier 3 Milliarden Papiermark.
gierten war durch die ungeheuren Verwüstungen, welche der Opium. genuß in den Bereinigten Staaten angerichtet hat, be- gründet. Ueber zwei Millionen Menschen sind dort dem Opiumgenuh ergeben, wovon SO Proz. Jugendliche unter 20 Iahren sind. Der Opiumverbrauch der Bereinigten Staa- ten auf dn Kopfüber Bevölkerung ist enorm groß, das Opium wird von Japan über Westindien eingeschmuggelt, und zwar in Form von Morfinpräparaten. Das Morfin wrrd aus Opium her» gestellt und ist viel gefährlicher als Opium. Es wird in englischen und japanischen Fabriken hergestellt. Englands Delegierter bebarrte auf de? Berechtigung Indiens zum Opium bau, welches Land seit der Abschaffung der Opium- produktton in China das Opium für die ganze Welt liefert. 1200 Tonnen im Jahr werden dort erzeugt, wovon 741 Tonnen aus- geführt werden. Für medizinische Zwecke wären einige zehn Tonnen reichlich genug. Die mit Opium bebaute Bodenfläche in Indien betrug 1920 163123 Acres: 20 000 Acres mehr als 1913/14, und die indische Regierung gewährt den Opiumproduzenten zinsfreie B o r sch ü s s e. Die englische Regierung hat sich zwar der Haager Opiumkonvention von 1911 angeschlossen, sabotiert aber die Durchführung der dort getroffenen Beschlüsse. Gelegentlich der Iunitagung der Jnternattonalen Opiumkommission hat man eine Resolution angenommen, wonach in den asiatischen Besitzungen der europäischen Mächt« der Verkauf von Rauch, und Kauopium zum strikten Regierungsmonopol gemacht werden sollte. Zu diesem skandalösen Beschluß bemerkt ein Schweizer Blatt sehr zutreffend, man solle sich vergleichsweise einen Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels vorstellen bei dem beschlossen würde, daß der Staat das Monopol ausüben soll, Bor- delle zu betreiben. Skattstisches vom amerikanischen Film. Die neueste Staiiftik der amerikanischen Filmindustrie gibt an, daß dt« Vereinigten Staaten gegenwärtig 14 0M Kinos besitzen, die 8 Millionen Plätze umfassen. Mehr als 10 Millionen besuchen alltäglich die Vorführungen. Die Statistik fügt hinzu, daß die Einnahmen stoß dieser Rieftnziffern geringer sind als in den Iahren 1918 bis 1920. weil die Kosten der Filmtheater in viel höherem Maße gestiegen sind, als die Preise heraufgesetzt werden tonnten. Eine Neuheit, durch die man die Filmaufführungen ab- wechslungsrcicher zu gestalten sucht, ist«ine Verbindung von Theater und Film. Es werden nämlich jetzt einige Filme hergestellt, bei denen die Filmaufführung plötzlich unterbrochen wird und dann«ine Theaterszene folgt, die von den Filmschauspielern wirklich dargestellt wird. Dieser Versuch hat einen außerordentlichen Erfolg gehabt. Die Tiere beim Vulkanausbruch. Der jüngste Ausbruch des Aetna und die ihn begleitenden Erdstöße haben bei der dortigen Tierwelt bemerkenswerte Erscheinungen ausgelöst. Wie fizilianifche Blätter zu erzählen wissen, scheinen die Hunde die heranziehende Katastrophe am ersten vorhergeahnt zu haben; denn schon zwei Tage vor dem Ausbruch zeigten sie, während sie ununterbrochen bellten, alle Anzeichen der Erregung und der Unruhe. Was die Katzen anbetrifft, so begannen sie im Augenblick der ersten, dem Ausbruch vorangehenden Erderschiitterung kläglich zu miauen und warfen sich ihrem Herrn, ja selbst dem Erstenbesten, dem pe begegneten, vor