Nr. 46.
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Vorwärts
12. Jahrg.
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collima
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Demaskirt.
Sonnabend, den 23. Februar 1895. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
sich, sein Leben den ganzen Kriegsdienst für und für allem niemals(!) in dem Bewußtsein der eigenen Ehre, Bes seine Zukunft von nebensächlicher Bedeutung ansieht." Das deutung und Würde, sondern in dem Verzicht auf diese Dinge!" Das Mäntelchen der Moral und einer von uns nie be- wäre auch nach des Verfassers Ansicht der Grund, Von dieser Ansicht ausgehend wird es nicht befremden, wenn griffenen idealen Größe, mit welchem sich die Vertheidiger des warum ein Volksheer einem Berufsheere bei sonst gleichen der Verfasser die Uebungen des Manöverfeldes und des ErerzierMilitarismus ftets zu umhüllen lieben, und hinter welchem sie Kräften unterliegen müsse. Man sieht, der Autor muß ein plages als nicht genügende Schule für den Krieg betrachtet, wo sich verstecken, um die Vertreter einer anderen Weltanschauung Geistesverwandter jenes Feldwebels der Fliegenden Blätter " alle die Strapazen und Uebungen nur vorübergehend find", und um so ritterlicher" zu überfallen, dieses Mäntelchen ist sein, der fluchend bemerkte, so lange die Soldaten überhaupt noch daß er wünscht, zwar mit dem Zusage, daß sein Wunsch wenig heruntergerissen und eine ekelhafte verzerrte Fraze bietet sich aus dem Zivil genommen werden, fann's überhaupt keine tadel Wahrscheinlichkeit auf Erfüllung hat, daß man sich entschlösse, dem Beschauer dar, und setzt die Augen derjenigen in Erstaunen, lose Armee geben. Manöver mit scharfer Munition abzuhalten, denn die Mannesdie das Erstaunen in unserer Zeit der Unglaublichkeiten noch zucht im Kampie scheint doch entscheidender zu sein, als die auf nicht verlernt haben. die Spike getriebene Fertigkeit und Vollkommenheit in der Feldübung je fein fönnen.
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brauchbarer
Soldaten
soweit anregt,
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Nur das Schwanken zwischen Furcht und Hoffnung fönne den Voltsfoldaten einiger im Zuge behalten, und was die Nach dem russischen Oberstlieutenant W. M. Klembowsky, Hoffnung anbelangt, muß der Verfasser zugeben, und gesteht es der ein grundgelehrtes Buch über die Moral und die Be auch recht offenherzig ein, daß das Soldatenleben eigentlich blut- Kann der Wunsch, scharfschießende Manöver abzuhalten, rechtigung" der Militärspionage geschrieben hat, und für diesen wenig geben kann, was dem Krieger ein Aequivalent für das befremden, selbst mit der eigenen Einsicht der Unmöglichkeit peredelnden Zweig der militärischen Ethit eine Lanze brach, die Hoffen bieten würde. Ja! Den alten Landsknecht , meinte er, geäußert, wenn die kriegerische Rucht" nach seiner Definition ihm unmittelbar das Oberstpatent des Generalstabes einbrachte, den konnte man mit einer derben Belohnung" födern, worin nichts anderes ist, als die Bereitwilligkeit zu war es nun einem österreichischen Offizier vorbehalten, die Ethik foll aber diese Belohnung heutzutage bestehen, die die sterben"? Ob diese Bereitwilligkeit durch das Rad oder des Militarismus etwas näher zu stizziren, und uns mit einer Hoffnung des er daß ein durch den Stock, oder durch Aufstachelung der Hoffnung, oder und Schieß Wahrheitsliebe, die an 3ynismus grenzt, darzuthun, was hinter Stech Automat wird? Vor- durch Ethit erreicht wird, ist seiner Meinung nach bedeutungsden Floskeln von dem veredelunden, Männer erziehenden Waffen- rückung zu höhern Stellen? Dies ist dem Berufssoldaten los!!!" Auf diese Zucht kommt es ihmaber besonders an. handwerk, von der Schule der Völker, von dem längst zur von heute nothwendig(!) versagt.*) Geld? Vielleicht. Das ein System, das auf Furcht und Zwang gebaut ist, mit Wissenschaft erhobenen" Kriegswesen für herrliche Abfälle für die Zoch nur vielleicht! Marschiren, exerziren, manöveriren wird der Moral und zwar mit dem, was wir gewöhnliche Sterbliche Kultur herauskommen. mancher Volkssoldat für Geld. Ob er sich jedoch wird todt- unter Moral versieben, auf gespanntem Fuße steht, ist selbstschießen lassen für Geld ist fraglich!" Für Auszeichnung, verständlich, und die Ethik und die Moral ist das rothe Tuch Ebre, Ruhm? Auch das bezweifelt unser Gewährsmann, denn, unseres Verfassers; sie will er aus dem Militär, und somit aus meint er, es giebt ja Ordensjäger, ja, aber Ordensjäger, der Welt, denn diese ist doch nur des Militärs wegen da, ganz die den Hals für ein buntes Band wagen, deren giebt es sehr ausgerottet sehen, diesen Flitter, dieses Beiwerk, diese Ausgeburten wenige!" Diese an und für sich gesunde Ansicht will der Verfasser der philosophischen Querföpfe"! aber nur für die Mannschaft bestehen lassen, denn beim Difiziere hält er das rücksichtslose Wagen des Lebens um ein schlichtes Kreuz für selbstverständlich. Er folgert übrigens mit viel Menschenkenntniß, daß dem Soldaten die Aussicht auf Nachruhm fein Aequivalent für seine Hoffnungen bietet, zumal der Plänkler, der jeden Augenblick fallen fann, überhaupt nicht weiß, ob er Ruhm oder Belohnung überleben wird".
Der österreichische Offizier, der es vorzog, die Anonymität für seine eben erschienene ,, Streitschrift", wie er die 56 Seiten starte Broschüre) bezeichnet, zu wahren, hat mit dieser ein Denkmal für alle Beiten geschaffen, ein document humain von der angeblich tulturfördernden Kraft des Militarismus.
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Was Moral sei, darüber haben sich nach C. v. B.-K. die Philosophen schon oft die Köpfe zerbrochen, und die Begriffe der selben seien so undefinirt, daß man daran erkennen fann, wie wenig thatsächlichen Werth die Moral im Leben besize!
Jeder Stand, jede Bunft habe eine andere Moral, und die Moral des Soldaten bilden die Kriegsgesetze. Wollte Gott , es Es ist num klar, daß der Verfasser beim Verfagen aller bliebe dabei, und behüte Gott , daß besonders in einer 3ett, wie Reizmittel für die Hoffnung, als Ansporn des modernen Bolts- die gegenwärtige, der weite Begriff menschlicher Moral als soldaten sein Schwergewicht auf das andere Spornmittel, die zumeist zweck I ose 3ugabe zu den enggezogenen Sagungen Furcht legt, und diese unter dem Titel: Zucht oder Manneszucht der Kriegsgesetze trete. Wozu denn auch Moral und Ethik, die ausgebildet wissen will, und die er in den Vordergrund alles Sein Heere des Prinzen Eugen und der Maria Theresia haben davon zu stellen sich bemüht. Er will den Drill in der antiquirtesten nichts gesehen und nichts gehört", und nur zur Auflösung würde führen, Form und pfeift sozusagen auf alles, was Erziehung, Ethit, über- es wenn diese beiden Dinger mehr ตอน haupt sogenannte" Moral ist, denn sie kann nur Buthat, als nebensächlicher Bedeutung im Heere gelangen würden. Beigabe, Flitter neben dem Zwange und der Furcht sein, die die Kultur und Zivilisation find nicht die Maßstäbe, mit denen man Heere mißt, und menschliches Fühlen und Grundlage der Heereserziehung bilden".
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In flagenden Worten entwickelt der Verfasser ein stilles Sehnen nach den vergangenen Tagen des Berufsheeres. Die Grenadiere Friedrichs des Großen, in zwanzig Echlachten er probt, die sich bei der Parade willig mit dem Kurzgewehr des Unteroffizieres schlagen und stoßen ließen", find ihm ein Jdeal. Versuche man dies nur gegen wärlig mit Leuten, die sechs Wochen bei der Fahne stehen", flagt er, denn je länger der Goldat heute bei der Truppe dient, defio mehr entsteht in ihm das Gefühl des eigenen Werthes, der persönlichen Würde." Dieser moderne Soldat, der absolut nicht die Anforderungen erfüllt, die an ihn gestellt werden, wäre ein Ergebniß des heutigen Voltsheeres, das ihm im allgemeinen der Dorn im Auge ist und an welchem unser ganzes Heerwesen franken soll. Allerdings Menschen, die Anspruch auf Würde und Selbstgefühl zu machen sich erdreisten, sind diesem Urtheile nach überhaupt keine zweckdienlichen Soldaten. Ohne dem Zeitgeist eine übertriebene Bedeutung beizulegen", glaubt der Verfasser, daß man leicht feststellen können wird, daß der Rekrut die vor ihm Die Manneszucht, die er meint, besteht in der unbedingtesten Denken widerstreitet dem Gebrauche des Menschen zum Kriege". liegenden Jahre des Dienstes als eine unwillkommene Unter Unterwerfung, alles Andere ist Hirngespinnst und Träumerei". Also mit einem Worte, der Verfasser meint, zum Kriege ist nur brechung ansieht, während bei den alten Heeren, die ihm das Tas Maß dessen aber, was der Soldat an Einschränkung seines die Bestie zu gebrauchen, darum nieder mit allem Menschlichen Eldorado scheinen, der sich dem Kriegerstande widmende Soldat Willens erträgt, richtet sich nicht nach dem ihm inne in der Juftitution der Heere. Leben und leben lassen ist kein feinen ganzen Ehrgeiz einsette, seine Stellung auszufüllen, theils wohnenden Ehrbegriff, sondern nach den jemaligen Ge- Wahlspruch für ein Heer, die leitenden Gewalten lassen es ja um des Erwerbes willen, den er bei der Truppe fand, theils bräuchen der Zeit und dem Ansehen, welches der Führer leben, und gönnen ihm gerne, was ihm gewährt werden kann. aus Neigung zu dem freien und angenehmen Leben, das ihm sich zu erwerben versteht. Manneszucht zeigt sich vor Klingt nun in solchen Zeiten, besonders in einer Zeit, geboten war. Sein ganzes Streben und Hoffen richtete sich auf den Dienst, denn er gab mit dem Eintritt in das Heer sein ganzes bürgerliches Fortkommen auf und wurde dauernd an die Fahne gefeffelt, während der Volkssoldat der Neuzeit hingegen
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*) C. v. B. R., Friedens- und Kriegsmoral der Heere am Ausgange des 19. Jahrhunderts. Wien 1895. 1 M.
Feuilleton.
[ Nachdruck verboten.] 20
Skizzen aus dem südamerikanischen Hinterlande.
Ein Blatt südamerikanischer Geschichte.
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in welcher, wie jetzt, die Würde des einzelnen Bürgers, die Wich*) An einer andern Etelle hält der Verfasser es für unmög- tigkeit des letzten Börsengaloppins so hoch im Schwange steht, lich, die dem Offizier geläufigen Begriffe von Pflicht und Ehre das hohe Lied des menschlichen Denkens und Fühlens in das in der gewünschten Vollständigkeit auf die breite Masse der Heer, so steht zu befürchten, daß solches eine Abschwächung der Truppe zu übertragen, und wenn dies möglich wäre, frägt er natürlichen triegerischen Anlagen nach sich ziehen würde. I st herzlich naiv: Wo bleiben dann die doch nothwendigen(!!) e 3 Ethik ist es Moral ist es selbstlose Liebe Unterschiede zwischen Offizier und Mann?!" zum Ruhm, was dem Siege folgt? Sind das
Inhalt:
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Bergschlucht von unten auf ein paraguayischer Bursche Er hatte den kleinen Brief geöffnet und las laut den auftauchte, der einen großen zugebundenen Topf trug. Die Wache hielt ihn an. Er komme von Paraguayri herauf vom französischen Doktor, der soeben für den fraufen Herrn Bautista Gill diese Calbe von Herrn Guanes erhalten habe und sie expreß heraufschicke.
Entleere sorgfältig den ganzen Inhalt des Topfes, streiche die Salbe auf ein Stück reinen Zeuges und hinde es 24 Stunden auf die linke Seite der Brust. Dazu esse nichts Saures, und gehe nicht nackten Fußes im feuchten Gras."
Der Revolutionär Gill stand im Lager der Rothen natürlich außer allem Verdacht; nur Nicanor Godoy hatte" Ist ungemein unhöflich dieser Francisco, nicht einmal bislang ein Mißtrauen gegen ihn behalten, ohne es gegen grüßen kann er. ist aber ein Geschäftsmann und will es jemand laut werden zu lassen. Eine dunkle Ahnung stieg mit feinem verderben..." Damit warf er das Papier zu in ihm auf, daß dieser Topf irgend eine geheime Kor- Boden. respondenz bergen könne.
Am anderen Tage, der diesem endgiltigen Beschlusse folgte, hatte Herr Bantista Gill einen heftigen Anfall von " Entschuldigen die Herren, daß ich mich zurückziehe, um Herzbeschwerden, so daß er erklärte, sofort nach Paraguayri Du brauchst nicht weiter zu gehen, Bursche. Hier meine Salbe aufzulegen." reiten zu müssen, um dort bei einem Franzosen, der eine hast Du einen Real und kaufe Dir irgendwo einen Schnaps; Als er in seinem kleinen Zimmer allein war, entfernte fleine Apotheke hielt, eine Arznei zu kaufen, die ihm Erich will die Salbe für Bantista schon besorgen." er sorgfältig die Salbe aus dem Topfe, zündete ein Licht leichterung schaffen sollte. Er ritt, von zwei Soldaten ve Tamit ergriff er den Topf und verschwand nach dem an und schmolz darüber noch den letzten Rest heraus, gleitet, die Kordillere hinab nach dem Flecken, ritt auch zu Dorfe zu, setzte sich aber, als er aus der Sehweite der und entdeckte dann auf dem Boden des Topfes in fleiner dem Heilkünstler und erstand sich seine Arznei; erklärte Wache war, mit ihm hinter einen Strauch und öffnete Schrift die beiden indianischen Worte: iponá cyó( es ist aber gleich, daß die Apotheke von Franzisko Guanes das ihn ohne jede Scheu. Obenauf lag ein kleiner, offener gut, tommt!) eigentliche und richtige Mittel für seine ihn so heftig Brief.
war, verschiedentliche Male bis auf den Grund, ohne etwas entdecken zu können. Er wandte den Topf nach allen Richtungen, um ihn überall zu beschauen; aber er konnte nichts entdecken. Kopfschüttelnd band er ihn wieder zu und machte sich mit ihm weiter auf den Weg, um ihn Gill zu über
plagende Krankheit habe, weshalb er den Franzosen bat, Wird sich hüten darein etwas zu schreiben.." ihm morgen in aller Frühe einen Brief auf die Bahn zu. Dann zog er sein Messer aus dem Gürtel und stieß besorgen an seinen alten Gevatter Bancho Guanes, und dasselbe in den Inhalt des Topfes, der eine graue Salbe dann das Heilmittel, was ihm sein Gevatter sofort senden würde, für ihn in Empfang zu nehmen. Er würde es dann gelegentlich abholen lassen; oder, wenn der Apotheker Ge Legenheit hätte, könnte er es ihm auf die Kordillere hinauf schicken. Er schrieb auch vor den Augen des Franzosen auf einen Briefbogen einen Auftrag an Guanes, ihm so und geben. soviel Unzen einer näher bezeichneten Salbe zu schicken, Habe da eine Arzenei oder Salbe bekommen für Euch, auf der anderen Seite stand aber die genaue Beschreibung Bautista... Ihr müßt meiner Seel' ungemein frank sein, des Kriegsplans der Rothen und alle Einzelheiten über wenn Ihr deswegen nach Asuncion schreiben müßt; taugt die Zusammensetzung der Revolutionstruppen. Darauf eigentlich nicht viel zum Soldaten... tehrte er mit großer Zufriedenheit nach dem Lager zurück.„ Gewiß, Nicanor, ich habe diese Nacht wieder ganz beNach zwei Tagen spazirte Nicanor Godoy an der Dorf- denkliche Anfälle gehabt; aber ich versichere es, daß diese grenze in der Nähe des Abstiegs einher und unterhielt sich Salbe einzig ist dafür... Da schreibt Guanes auch, wie mit der Echildwache, die dort poftirt war, als aus der ich sie anzuwenden habe.. richtig..."
Als er nach einigen Augenblicken augenscheinlich sehr erleichtert zurückkehrte, schaute ihn Nicanor sinnend an und auch Caballero schien etwas auf der Zunge zu liegen; er getraute sich aber nicht recht es zu sagen, da er sich zu ſehr an die Geschichte mit dem rothen Strumpfband erinnerte.
Wenige Tage darauf begann der Marsch auf Asuncion zu. Der Herr Apotheker Guanes machte an dem Tage, an dem er seine Salbe abgeschickt hatte, außergewöhnlich lange Morgentoilette. Er musterte seinen schwarzen Gehrock und seine blanken Lackstiefel sehr lange; rasirte eine halbe Stunde eigenhändig an seinen kurzen Bartstoppeln und schalt seine Dienstboten während dieser Zeit, daß sich in seinem Zylinderhut eine Beule vorfand. Nachdem er sich so sehr sorgfältig angekleidet, machte er Herrn Godin, dem brasilianischen Gesandten, der seit dem Kriege in Paraguay residirte, und den wir oben schon einmal erwähnt haben, einen Besuch.
Was verschafft mir das Vergnügen, mein verehrter