Das Ruhr-Panama . / Die Geschichte wiederholt sich. Ebenso wie das deutsche / Volt beim Abschluß des Weltkrieges mit Entseisen gewahr wurde, daß es vier Jahre lang belogen und betrogen wurde, beginnt es jetzt, nach acht Monaten des Ruhrkrieges, einzu- sehen, daß die heroische Kulisse, die von den Nationalisten auf- gerichtet wurde, sur viele„echtdeutsche" Patrioten nur dazu diente, sich auf Kosten des hungernden, leidenden Volkes zu bereichern. Je mehr Einzelheiten über die Verschleuderung der R u h r k r e d i t e bekannt werden, desto offenkundiger wird es, daß wir es hier mit einer Panama -Affäre von un- aeheuerlichem Ausmaße zu tun haben. In der„Vossischen Zeitung" wird auch an leitender Stelle darüber geschrieben: „Der Zusammenbruch des Regimes Cuno zieht seine Kreise. Was die Herren Becker und Hermes aus begreiflichen Gründen geheim zu halten wünschten, wird jetzt asfenbar. Di« Ruhraktion hat nicht nur notwendige Ausgaben mit sich gebracht, die Monate hindurch das Reich zu tragen einfach nicht in der Latze war. sondern sie hat obendrein auch noch unnötige Summen gekostet, an denen auch ein wohlgeordnetes Finanzwesen schließlich zusammengebrochen wäre. Zwar ist es nicht verwunderlich, daß bei einem Unternehmen, das nach vorsichtiger Schätzung täglich 10 bis 12 Millionen Goldmark verschlingt— die volksparteiliche Abgeordnete Frau Oheimb sprach kürzlich sogar von 40 Gold- Millionen—, manch« stattliche Summe in Taschen fließt, für die sie nicht bestimmt ist. Aber die unverantwortliche und untragbar« Belastung des Reiches entstand nicht durch ein paar Fälle illegaler Korruption, die hier und da vorgekommen sein mögen, sondern sie rührt her von dem ganz„legalen" Zustand, der sich in den letzten Monaten im Ruhr- und Rheinland herausgebildet hatte. Bon den Reichsgeldern lebten nicht nur diejenigen, die wirklich infolge der Besetzungsmaßnahmen und des passiven Widerstandes arbeitslos geworden waren, sondern ganz« Berufskatcgorien, die nichts mit dem passiven Widerstand zu tun hatten, ließen sich bereitwillig von der Ruhrhilf«„erfassen". Mit den Kaufleuten fing es an, dann kamen Kinobesitzer und Gastwirte, und endlich sollen sogar die Hausangestellten sehr begüterter Familien ihre Unter- stützung aus der Ruhrhilse des Reiches bezogen haben." Mit Recht weist das Blatt darauf hin. daß die Berliner Zentrale, das Kabinett Cuno, die Verantwortung für dieses System der Korruption trifft. Jetzt wird natürlich ver- sucht, die Regierung und das Unternehmertum zu entlasten und alle Schuld auf die Arbeiter abzuwälzen. Wie steht es aber in Wahrheit mit diesen Dingen? „Di« Arbeiter, die die Hauptträger des passiven Wider- standes waren, haben aus den Mitteln des Reiches ihren Lebens- unterhalt bekommen. Vielfach ist die Kost, die man ihnen geben konnte, recht schmal gewesen, manchmal mag sie reichlicher gewesen fem, als zum notdürftigen Leben erforderlich war, Reichtümer wer- den sie aber während der achtmonatigen Besetzungszeit kaum haben ansammeln können. Wie steht es aber mit den großen Unternehmern des besetzten Gebiets? Gewiß, auch sie haben während der Besetzung zum Teil persönlich Schwerstes erleiden müssen: ihre Betriebe standen still, und damit entfielen die normalen Einnahmen und Ueberschüsse. Die Gelder, die das Reich deni Rhein - und Ruhrgebiet zur Verfügung gestellt hat, wurden zwar den Unternehmern durch die Kohlenfmanzicrungsgescllschaft, die Stahlfinanzierungsgesell- schast und einige kleinere Unterstützungskassen als Kredit« gegeben. Die Kredite waren— es ist das eine der trübsten Seiten aus dem Kapitel Hermes-Havenstein— mehrere Monate hindurch nicht wert- beständig, so daß das Reich schon dadurch außerordentliche Verlust« erlitt. Etwa seit dem Mai sind dann die Kredite allgemein auf wert- beständige Grundlage umgestellt worden, so daß nominell die Ruhr- und Rheinindustrie dem Reich in sehr großem Umfange verschuldet ist. Aber diese Schuld wird anscheinend von beiden Seiten nicht mehr recht ernst genommen." Diese Tatsachen wirken um so niederschmetternder, als allgemein bekannt ist, daß zahlreiche Unternehmer im Ruhr- gebiet gewaltige Warenvorräte aufgespeichert und ihr« Be- triebe aus den Mitteln der Rudrhilfe instandgesetzt und aus- gebaut haben. Die Forderung ist deshalb berechtigt, daß diese
Der Herr General trug ein Geöicht vor. Von R. A. S i« v s r s. In einem Bericht über eine Versammlung des„Deutschen Jugendbundes" zu Pankow war jüngst in der„Deutschen Zeitung"(Drahtanschrift„Bismarckblatt"— nebbich) der folgende Satz zu lesen:„Herr General Felgcnhauer trug persönlich ein selbst- verfaßtes Gedicht vor." Haste Wort«? Der Herr General ließen sich herbei, anstatt eines Kommißgaules jenen miesen Pegasus zu besteigen, der vordem allerhand Zivilisten, auch Juden und Judengenossen(ich erinnere nur an Heinrich Heine und Ernst Toller ) zu ähnlichem Zweck gedient hatte. Dieses Faktum ist— wenn man davon absieht, daß ehedem der damalige öberstc Kriegsherr einen„Sang an Aegir" angefertigt hat und auch Ex- zellenz Lindström während der Mordsaison quasi dichtete— ein Markstein unserer kulturellen Entwicklung. „Herr General F. trug persönlich ein selbstverfaßtes Gedicht vor." Zugegeben, daß das Wagnis, derartige Verse öffentlich zu verlautbaren, den ganzen Mut eines altgedientcn Soldaten erfordert — bedeutet nicht die Tatsache, daß Herr General ein Gedicht selbst verfaßt, eine Kapitulation der rohen Kraft vor dem Geiste? Oder beantwortet dieser nachträglich« Berufswechsel des Herrn Generals die Frage: Was wäre aus dem Weltkrieg geworden, wenn die Ge. neräle gedichtet und die Dichter Schlachten geschlagen hätten?— Auf jeden Fall brauchten dann die Dichter heute nicht zu verhungern, denn eine verlorene Schlacht soll, dem Vernehmen nach, ein« ganz gut dotierte Ruhestandsoersorgung eingebracht haben. Und nun gar erst eine gewonnen«! So viel Fragen, so wenig Antworten. Sicher erscheint nur dies zu sein: So lang« die General« Stahlbademeister waren, konnte man ihnen entwischen, indem man sich krumm schoß oder Heereslieferant wurde, jetzt erst wird ihre Tätigkeit gemein- gefährlich. Da jedoch Herr General Felgenhauer kaum gesonnen sein dürfte, in die Reihen derjenigen zu treten, denen das Los Maximilian Berns in baldiger Aussicht steht, wird er nichts dagegen haben, daß man auf ihn Schillers Wort anwendet: „Es soll der Sänger mit dem König gehen!" Der König ist in Holland . Bitte, Herr General, gehen Sie! Gottlos, vaterlanüslos, sittenlos! In Professor Hans Hofmanns„ Kirche ngeschichte für Höhere Lehranstalten", die mir ein glücklicher Zufall � dieser Tage in die Hände spielte� steht auf Seite 4 folgendes zu lesen: „ Christ enverfolgungcn: Die— uvr bemerkten die »tut Religio» jetzt immer mehr. Sie sahen, ali erschreckend
Kredite voll zurückgezahlt werden. Ohne Rücksicht muß in diesen großen Sumpf hineingeleuchtet und gegen die Schuldigen vorgegangen werden.
�bgewirtschastet! Aus Budapest wird uns geschrieben: Die Regierung des Grafen Stephan Bechlen hat in Ungarn ab- gewirtschaftet. Der reaktionäre Kurs, den sich das Land nach der Proletarierdiktatur hat gefallen lassen müssen, hat sich von selbst heißgelaufen. Die Dinge liegen heute so. daß BetMen mit seiner Politik Schluß machen muß, wenn er die Macht in der Hand behal- ten will. Sein« wütendsten Gegner sind seine früheren Freunde, die sogenannten„Rassenschützler", die man wohl mit den deutschen Hakenkreuzlern oergleichen kann. Sie haben Bethlen in den Sattel gehoben und waren bis vor kurzem seine treuesten Stützen. Heute finden sie, daß sein„christlicher Kurs" zu waschlappig ist. Sie wollen ihn deshalb durch ihren Führer Julius Gömbös ersetzen. Diese Absicht sollte in Abwesenheit Bethlens, der sich zurzeit in Genf auf- hält, ausgeführt werden. Die Regierung machte aber einen Gegen- zug und vertagte auf Grund einer Order Horthys die National- Versammlung.* Bethlen weilt zurzeit in Genf , um ein« Anleihe für Ungarn zu ermöglichen. Die alten Sünden der Reaktion rächen sich nun, denn Bethlen kann die Anleihe nur erhalten, wenn er den Ruf Ungarns im Ausland repariert. Das ist angesichts der Taten der Regierung keine leichte Aufgabe. Bethlen muß vor allen Dingen, um das Ber - trauen der internationalen Finanz zu gewinnen, nachweisen, daß die Verhältnisse in Ungarn sich tatsächlich konsolidiert haben und sich der Wiederaufbau auf demokratischem Wege vollzieht. Die Sozialdemokratische Partei beobachtet die Dinge sehr aufmerksam. Die Pause, di« in den Beratungen der Legislative durch die Vertagung eingetreten ist, wird sie zu intensiver agitato- rischer Tätigkeit im Interesse der voraussichtlich im Dezember statt- findenden hauptstädtischen Rcpräsentantenwahlen ausnutzen. Die Wogen gehen heute schon sehr hoch. Unter anderem läuft auch das Mandat der Vertretung Budapests ab, die drei Jahre hindurch eine feste Säule dieses Kurses Uethlen war. Diese Vertretung wurde nur dadurch möglich, weil sich die Sozialdemokratie an den letzten Wahlen nicht beteiligte. Durch diesen Fehler wurde die demokratische Mehr- heit, die an und für sich in der Hauptstadt sicher ist, zur Minderheit. Di« dreijährige Mißwirtschaft hat der Budapestcr Bevölkerung die Augen geöffnet. Sie hat den Kurs gründlich sattbekommen. Die Sozialdemokratie wird sich diesmal an den Wahlen beteiligen und im Verein mit den liberalen Parteien Budapest von dem Joch der „Rasseschützler" befreien, das keinen Fortschritt und kein« natürliche Entwicklung zuläßt.
Zurückhaltung in Lonüon. London , 20. September. (WTB.) Maßgebende Blätter wie „Times" und„Daily Telegraph " üben bei der Beurteilung des Ergebnisses der gestrigen Pariser Erörterungen große Zurückhal- tung und betonen, daß bei der bekannten Stellungnahme der beiden Regierungen in der Reparationsfrage wahrscheinlich noch eine Strecke zurückgelegt haben müsse, um die Standpunkte«in- ander zu nähern. Der diplomatische Berichterstatter des„Daily Telegraph " schreibt, die bisherigen Erfahrungen hätten gelehrt, wie groß die Zahl der„Meinungsverschiedenheiten über die Methoden" im Verlaufe von vier Verhandlungsjahren sein könne. Man täte daher gut, für de» Augenblick keine übertriebenen Hoff- nungen selbst auf ein so befriedigendes Kommunique wie das gestern in Paris veröffentlicht« zu bauen.
Die Währungsreform. Günstige Beurteilung in England. London , 20. September. (MTB.) Der diplomatische Bericht- erstatter des„Daily Telegraph " schreibt, der Eindruck der britischen Sachverständigen von den Währungsreformen der Regierung Strese- mann sei im allgemeinen sehr günstig, vorausgesetzt, daß sie die notwendige Alraft Hab«, den Plan trotz gegnerischer Ein- griffe zur Durchführung zu bringen.
dieser„verderblich« Aberglaube" überhandnahm. Sollten sie ihr herrliches, großes Weltreich von diesen„gottlosen, Vaterlands- losen, sittenlosen" Christen zugrunde richten lassen? Gottlos, vaterlandslos, sittenlos!— das waren die Vor- würfe, die man gegen die Christen vorbrachte. Wahrlich für die Römer Gründe genug zur Verfolgung der Christen. 1. G o t t l a s. Die heidnischen Götter wurden von den Christen verworfen. Auf der anderen Seite aber sahen die Römer bei den Christen nirgends Götterbilder. Opfer, Tempel— also hatten die Christen, so meinte man, wohl überhaupt keinen Gott. Ein unsichtbarer Gott, der in geistiger Weise verehrt wurde, das war ihnen unbegreiflich.... Des- halb erschienen ihnen die Christen als Gottlose, als Atheisten. Hinweg mit den Atheisten! so tönet der gewöhn» liche Ruf der Volkswut in den Zeiten der Verfolgung. Alle Un- glücksfälle wurden deshalb als Strafen der Götter angesehen für die Mißachtung der heidnischen Götter seitens der Christen. Der Anspruch des Christentums, daß es allein im Besitz der gewisfen Wahrheit sei, galt als Frevel gegen die römische Staatsrcligion. 2. Vaterlandslos. Wurde des Kaisers Geburtstag gefeiert, so blieben die Häuser der Christen in der illuminierten Stadt dunkel, die Türen waren nicht bekränzt. Dem Kaiser Weihrauch zu streuen, das Bildnis des Kaisers anzubeten, das verweigerten die Christen. So galten sie als Majestätsverbrecher, als Vaterlandsfeinde. Die Christen verweigerten Kriegsdienste und nahmen kein Slaatsamt an, weil sie als Beamte und Sol- baten heidnische Opfer und Gottesdienst mit hätten verrichten müssen. 3. Sittenlos. Wegen der Beteiligung der Frauen an den Versammlungen, wegen des Bruderkusses, warf man den Christen Unsittlichkeit vor____ Zu diesen Beweggründen reli- giöser, politischer und sittlicher Art kamen noch persönliche Gründe hinzu, die zu Verfolgungen der Christen führten. Geschäfts- leute sahen sich durch das Vordringen des Christentums in ihrem Erwerbe geschädigt, heidnische Priester verloren ihre Macht und ihre Einkünfte, Handwerker wollten einen Konkurrenten, Schriftsteller«inen literarischen Gegner unschädlich machen." Wir wollen nur hoffen, daß, so lange die republikanischen Re- gierungen den Kindern ihrer Gegner für schweres Geld konfesiio- nellen Religionsunterricht erteilen lassen, solche Lehrbücher in Ge- brauch bleiben, die den Schülern zeigen, wie mit denselben Ver- dächtigungen, mit denen die ehrenwerten„Christen" von heute gegen die Sozialisten arbeiten, damals als die Christen noch Christen waren, gegen s i e gearbeitet wprd«. K. Seh.
Telefunken-Konzerte. Einstmals wurde die Welt von der Sowjetregierung mit der Telegrammadresse„An Alle!" überrascht. Die unvergleichliche Ringsumwirkung de? drahtlosen Telegraphie trat durch diese zu einem glücklichen Schlagwort zugespitzte Empfänger- bczeichnung besonders deutlich zu Tage. Seitdem find auf dem Gebiet der drahtlosen Uebermi'ung außerordentliche Fortschritte gemacht worden. Von einer ecoz n Stelle aus kann man heute weit freundlichere und willkommene; Dinge»an alle" senden als
Entspannung im Lörracher Gebiet. Lörrach , 20. September. (TU.) Nach den jetzt vorliegenden Nachrichten aus dem badischen Oberland« kann festgestellt werde«, daß seit gestern ein« Entspannung der Lage eingetreten ist. Das Wirtschaftsleben wurde wieder aufgenommen. Der Eisenbahnverkehr und der Po st betrieb wickeln sich wieder in normaler Weise ab. Man rechnet damit, daß die Arbeit in den nächsten Tagen wieder aufgenommen werden wird. Der Innenminister Rommels gab die Zusicherung, daß die Sipo zurückgezogen wird, wenn die Arbeiter am Donnerstag morgen an ihre Arbeitsstätten zurückkehren. In Rheinfeldsn mußte die Gold- und Silbcrscheideanstalt infolge der Strom- abschnürung und der daraus entstehenden technischen Schwierig- leiten ihren Betrieb für die Zeit von acht Wochen stillegen. Der Innenminister erließ für einzelne Amtsbezirke Badens, darunter Mannheim , Karlsruhe . Frciburz und Konstanz eine Verordnung, die Versammlungen unter freiem Himmel, Ansammlungen und Demonstrationen verbietet. • Freiburg . 20. Scpkember.(WTB) Eine gestern abend im Eewerkschaskshaus abgehaltene Sitzung der Betriebsräte und kartelldelegier ten hat mit 196 gegen 1S6 Stimmen beschlossen, den General sl reit abzubrechen und die Ar- beit wieder aufzunehmen._ Deamtenvermehrung in öer Neichsbank. Der R e i ch s r a t hielt am Dienstag eine öffentliche Vollsitzung ob. Angenommen wurde zunächst ein« Vorlage über den Besoldungs- und Ruhegehaltshaushalt der Reichsbcamten mit Ausnahme der Mitglieder des Reichsbankdirektoriums. Es handelt sich hier Haupt- sächlich um die Schaffung von 1237 neuen Stellen. Die Rcichsbank hielt diese Vermehrung für notwendig, weil die Arbeit infolge der Währungsvcrhältnissc dauernd steigt und mit den vor- handenxn Kräften nicht mehr bewältigt werden kann. Außerdem stimmt« der Reichsrat einer Verordnung des Reichssinanzministers zu, die den Ländern und Gemeinden zur Pflicht macht, für den 1. Oktober lediglich die Vorauszahlung eines Monats- geholtes an die Beamten vorzubereiten. Widerspruch gegen die Verordnung erhob lediglich der bayerische Vertreter. Schließlich wurde noch der Entwurf einer Anordnung für das Verfahren vor dem Mieteinigungsamt und der Beschwerdestelle genehmigt. Danach wird in Zukunft eine größer« Annäherung dieses Verfahrens an das der ordentlichen Gerichte Platz greifen. Der Vorsitzende soll das Erscheinen der Parteien in stärkerem Maße als bisher erzwingen können und das Recht haben, gegen säumige Zeugen vorzugehen. Die Sitzungsdisziplin wird mit derselben Schärfe gehandhabt w«rden, wie vor den Gerichten, die Beschwerdestellen sollen durch Vorent- scheidungen der Mieteinigungsämter entlastet werden.
Dänische Freiheit. Mit den Klagen und Anklagen der Rechten üb«r die Bchand- lung der deutschen Minderheit in Dänemark vergleiche man folgende Meldung des Bureaus Mirbach: Apenrade . 18. September. (Mtb.) Am vergangenen Sonntag feienen die deutschen Rordschleswigcr auf der Höhe des Kniosberges südlich von Hadersleben ein großes Volksfest. Die Zahl der Teilnehmer, allein aus Nordschleswig, belief sich auf über 3000. Zu Beginn des Festes hielt der deutsche Folksthingabgeordnete Pastor Schmidt-Wodder einen schlichten Feldgottesdienst ab, an dem sich die volkstümlichen Spiele der Jugend anschlössen. Gegen Schluß des Festes hielt Professor S ch ce l- Tübingen,«in geborener Schles- wiger, am Fuße des gewaltigen Bismarckturmes eine An- spräche, worauf die Mcnge entblößten Hauptes das Deutsch- l a n d l i« d anstimmte. Also der Bismarckhirm steht weiter, ein Reichsdeutscher, also Ausländer, kann ungehindert im nationalen Sinne sprechen und das Deutschlandlied kann gesungen werden, was im nichtabgetretenen franko-belgisch, zum Teil auch im englisch besetzten Gebiet verboten ist. Und wie erst in den an andere Staaten abgetretenen Gebieten! Wir erlauben uns auch, zu bezweifeln, daß die dänische Minder- heit unter der königlich preußischen Dreiklassenherrschaft solche Frei- heit gehabt hat, die wir nur selbstverständlich finden. Lloyd George wird, wie„Petit Parisien" aus London meldet, im Lau'e der nächsten Woche ein Buch herausgeben, das den Titel trägt-„Ist das der Friede?" In diesem Werk gibt der frühere eng- kische Premierminister einen Ueberblick über die gesamte europäische Lage. Man behauptet, daß er sensationelle Enthüllungen übet die Verhandlungen in der Reparationsfrage machen wird.
langweilige, eintönige Morsczeichen. Das Zeitalter der drahtlosen Kunstdarbictung für jeden, der die geeignete Lauschanordnung besitzt, ist angebrochen. Es ist bekannt, daß in anderen Ländern allabend- lich Musitaufführungen durch den Zlether stattfindet. Bei uns sind diese Dinge noch in der Entwicklung. Die Telefunken-Tcsellschaft veranstaltct zu Versuchszwecken von jetzt ab an jedem Mittwoch von 8 bis 9 Uhr abends ein Konzert in ihrem Geschäftshaus am Halleschen Ufer 12, das durch die auf dem Gebäude stehende Antenne mit der W«lle 300 bis 400 Meter weitergegeben wird. Die Töne dürften innerhalb der Grenzen Deutschlands wohl überall zu hören sein-, und an vielen Stellen auch ins Ausland dringen. Es wäre der Ge- sellfchaft Telefunken sehr erwünscht, wenn sie von möglichst vielen der für sie unsichtbaren Zuhörer schriftliche Nachricht über die Stärke und Gute der drahtlosen Ausstrahlungen erhielte. Ton und Zille im proletarischen Rußland . Die Sowjetpress« beschäftigt sich neuerdings lebhaft damit, daß im Proletariat und be- sonders in dessen jugendlichem Teil ein„neuer Ton" Platz greifen müsse. Trotzki hat eine Broschüre verfaßt, die diesen Fragen ge- widmet ist. Die„Jswestija" schreiben, daß zurzeit kaum eine' andere Frage die Aufmerksamkeit der heranwachsenden Generation so fesselt wie eben die der gesellschaftlichen Formung des zur Macht gelangten Proletariats. Angefangen von der Pflog« des Umgangs- tones— Bekämpfung des vielfach üblichen groben Schimpfens, des übermäßigen und überflüssigen Rauchens, des Trinkens und des „kleinbürgerlichen Flirtcns"— bis zu den Fragen der Ehe. Begrab- visgebröuchen und dergleichen wird olles unter dem Gesichtspunkt der„neuen proletarischen Ethik" gestellt. Zahlreiche Brief« prolc- tarischer Leser an die Zeitungen beweisen das Interesse an dieser Frage. Ausgrabungshausse in Zerusalem. Für diesen Herbst sind in Jerusalem nicht weniger als fünf Ausgrabungen geplant. alle auf dem Gebiet de? ehemaligen D a v i d st a d t, die von den miteinander in Wettbewerb tretenden Ausgrabern regelrecht auf- aeteilt wird. An diesem„Wettlauf" beteiligen sich Engländer, Franzosen und Italiener , dann die Jüdisch« archäo. logische Gesellschaft und der französische Kapitän W e i l l, der von Rothschild Geldmittel erhalten hat. Es ist freilich fraglich, ob dieses Neben- und Durcheinander der verschiedenen Ge- sellschaften sehr zweckdienlich fein wird.
Tie Kunstsäle A.<S. kHermann Notbe und Sernhard Hchde) im Hotel?>dlon richten neben der bereits beflehenden Abteilung von Werken der alten Kunst auch eine solche für moderne K u n st ein und eröffnen diese Ansang Oktober mit einer umfangreichen Ausstellung deS Malerpoetcn Ludwig Bartning- Berlin Der Berliner Ilthmann-Chor(Mitgl. d. A.-S.-B.) veranstaltet am Sonntag, den 23. nachm.>/,4 Ubr, in der P h i l h a r m o n i e. Bernburaer Strasic, sein diesjähriges Heibslkonzeit. Zur Ausführung geianaen Cböre von Lachncr, Drapcrt. Becker, Thuille . Schubert usw. Die Mitwirkung haben Herr H. G. Rahrbach(Orgel) und Herr O. Müller tHarfe) übernommen. Ter Sixtinische Balikaniiche CTbor wird unter seinem Leiter Monsignore C a s i m i r i gegen Ende Oktober in Berlin gastiere». Der Nrologen-Kongreh, der vom 26.— SS. Sept. statistnde» sollte, ist wegen ber ungünstigen wirtschastlicheu Verhältnisse verschöbe» worden