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Nr. 441 40.Jahrgang

Ausgabe A nr. 220

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Der Borwärts" mit der Sonntags. beilage Bolt und geit". der Unter­haltungsbeilage..Heimwelt" und ber Beilage..Siedlung und Kleingarten" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal.

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Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Verlag: SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292–293 Verlag: Dönboff 2506-2507

Knax am

Freitag, den 21. September 1923

Devisenmarkt.

Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3

Postscheckkonto: Berlin 375 36- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositenkaffe Lindenstraße 3

Aushöhlung der Löhne.

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Im vorigen Herbst veröffentlichte Manchester Guardian Wesentliche Markbesserung in New York . Commercial" einen Aufsatz von John Hilton , Direktor daß ein erheblicher Teil der Devisengeschäfte fich auf dem des Statistischen Bureaus im englischen Arbeitsministerium. Rüden der Reichsbank vollzog. Obwohl diese schon Der Artikel, dessen wesentliche Zahlen auch der Vorwärts" Bon vorgestern zu gestern ist an der New Yorker Börse vor längerer Zeit den Banken gedroht hatte, sie würde rüd mitgeteilt hat, gab das Resultat einer Untersuchung des eng­der Wert der Mart nahezu auf das Doppelte fichtslos vorgehen, wenn diese ihren Kunden Kredite lischen Arbeitsministeriums bekannt, die sich auf die Real­gestiegen, während gleichzeifig, wie bereits berichtet, zur Devisenfpetulation erteilen, ergibt sich jetzt ein- loh ne der Arbeiter in verschiedenen Ländern bezog. auch im Berliner Freiverkehr der Dollarfurs einen scharfen wandfrei, daß ein wesentlicher Teil der angemeldeten Kauf- Die Untersuchung hatte u. a. ergeben, das im April/ Mai 1922 Rüdgang durchmachte. Nach der geftrigen Schlußnotierung aufträge ohne Deckung erfolgt ist. der New Yorfer Börje stellte sich dort, umgerechnet auf Bisher ist leider nichts darüber bekanntgeworden, daß die Deutschland verwenden mußte, um für den darauf ge­die notwendige Arbeitseit, die ein Arbeiter in Berliner Parität, ein Dollar auf 111,1 millionen Reichsbank ihre Drohung wahrgemacht hätte. Es ließ sich wonnenen Lohn eine bestimmte Anzahl von Lebensmitteln Mart nach dem Geld- und auf 108,7 millionen Mark nach wahrscheinlich auch schwer beweisen, in welchen Fällen Kre faufen zu können, wesentlich größer war, als die Anzahl dem Brieffurs. dite ausdrücklich zur Devisenspekulation gegeben worden sind. der Arbeitsstunden, die dafür ein englischer, französischer, Tatsache ist, daß bis in die letzten Tage hinein die Banken belgischer oder amerikanischer Arbeiter verwenden mußte. allerdings gegen recht hohe Zinsfäße und gegen Hinterlegung Um 4 Pfund Brot, 7 Pfund Weizenmehl, 1 Pfund frische von Effekten gewaltige Kredite vergeben haben, ohne die Butter, 1 Liter frische Milch und ein halbes Dutzend Eier Verwendung dieser Kredite zu tontrollieren. So faufen zu fönnen, mußte im April/ Mai 1922 ein hat man Effekten verpfändet, um Devisen in großen Mengen Maurer in England 3 Stunden, in Frankreich 5% Stunden, zu kaufen. Das widerspricht aber den mit gutem Recht auf- in Belgien 6 Stunden, in den Vereinigten Staaten 1 Stunde gestellten Forderungen der Reichsbant, daß Kredite zur De- und in Deutschland 74 Stunden arbeiten. Ein vifenfpekulation nicht gegeben werden dürfen. Wenn einmal monteur mußte nach diesem Vergleich für dieselbe Quan­diese Unterscheidung erst gemacht wurde, mußte man von den tität von Lebensmitteln in England. 314 Stunden, in Frank­Banken auch verlangen, daß sie sich nach Möglichkeit darüber reich 61, in Belgien 634, in den Vereinigten Staaten 2 und vergewifferten, was nun mit ihren Krediten geschieht. Bisher in Deutschland 714 Stunden arbeiten. Ein Schriftfeßer war aber ihr Interesse größtenteils auf feiten derer, die auf mußte für diese Quantität von Lebensmitteln in England 3, den Niedergang der Mark hinarbeiteten. in Frankreich 5, in Belgien 6, in den Bereinigten Staaten 114 und in Deutschland 734 Stunden Arbeit aufwenden.

Arbeit für den Devisenkommissar. Die gestrige Devisenbörse brachte eine Sensation. Seit Monaten hatte die Reichsbant, um den Niedergang der Mark aufzuhalten, zu den amtlich notierten Kursen nur geringe Prozente der verlangten Devisen den Räufern zugeteilt. Han del und Verkehr, vor allem aber die Spekulation hatten mit diefer ständigen Beschränkung ihrer Nachfrage gerechnet und wie üblich, weit über ihren Bedarf hinaus Aufträge erteilt, um möglichst viel von den zum amtlichen Kurs billig bezahlten Devisen zu erhalten und sie womöglich schon nach wenigen Stunden im freien Verkehr teurer verkaufen zu fönnen. Da ließ gestern die Reichsbant plötzlich erklären, daß alle Rauf aufträge zu den amtlichen Kursen erledigt werden sollen. Die Ueberraschung war nicht schlecht. Der Dollar hielt sich auf dem vorgestrigen Kurs und wurde bei der amtlichen Notie rung fo verfauft. Gleich darauf zeigte sich aber, daß die Käufer gar nicht das Geld hatten, um die verlangten Devisen abnehmen zu fönnen. Es war als schon notwendig. daß sie nun schleunigst einen Teil ihrer Det sen oder anderen Berte verfauften, um ihre abgeschlossenen Devisenkauf cufträge decken zu können. Infolgedessen ging der Doller fehr rasch von 182 auf 140 Millionen herunter, um in den Abendstunden mit 145 Millionen gehandelt zu werden. Die Börse hatte einen empfindlichen Knar erlitten und es ist zu erwarten, daß dieser noch an der heutigen Effektenbörse nach wirken wird, da das Provinzpublifum von diesen Borgängen ja erit in den späten Nachmittagsstunden erfahren konnte.

Die Lehre ist heilsam und den Spekulanten zu gönnen. Die gestrigen Vorgänge zeigen aber, was auch ein Teil der bürgerlichen Wirtschaftspolitiker vorausgesagt haben, nämlich,

Heute hat man die Möglichkeit, diejenigen Beute zu fassen, die gestern ohne ausreichende Deckung Kauf- Nun tehrt in Deutschland immer häufiger die Behaup aufträge erteilt haben. Man braucht nur an Hand der tung wieder, die Löhne der deutschen Arbeiter hätten gegen­Unterlagen, die dem Devisenkommissar zur Verfügung stehen, wärtig die Friedenslöhne erreicht, ja fogar über nachzuprüfen, welche Auftraggeber ihre gestern erworbenen schritten. Wir haben nun eine Untersuchung darüber an­Devisen zum Teil zum ermäßigten Kurse wieder abgegeben gestellt, ob und wieweit die Lebenshaltung des deutschen haben. Wir erwarten, daß der Devisentommissar hier Arbeiters feit April/ Mai 1922 sich gebessert hat, und zwar einmal gründlich Umschau hält und ohne Rücksicht auf die derart gebessert, daß er heute weniger arbeiten müsse als Person der Käufer diejenigen Leute faßt, die auch in dieser seine Kollegen in den vorgenannten Ländern um eine be= Reit der Not und Notverordnungen noch mit der Mart ihr stimmte Quantität von Lebensmitteln kaufen zu können. Die Sptei treiben im Vertrauen darauf, daß sie ja doch nicht er Aenderungen in der Kaufkraft des Lohnes, die seit April/ Mai wischt werden. Es ist gewiß ehrenwert, wenn man die 1922 in den angeführten Ländern eingetreten sind, haben die Balutahyänen in den Schiebercafés aufspürt, aber es dürfte sich noch viel mehr für das Reich herausholen laffen, wenn man einmal die Wölfe im Schafspelz, nämlich die gesetzlich zugelassenen Devisenfäufer, bei unlauteren Manipulationen ertappt und vielleicht auch deren Banktresors und Wohnungen besichtigt.

auftraft des Lohnes, von den Bereinigten Staaten, wo sie nicht unwesentlich gestärkt wurde, nur geringfügig beeinflußt. Man kann sagen, daß die Kauftraft des Lohnes der Arbeiter in England, Frankreich und Belgien während der legten 17 Monate so geringen Schwankungen ausgesetzt gewesen ist, daß man ohne weiteres auch heute dieselbe Ar­beitszeit, die notwendig war, um die oben angeführte Quan­tität von Lebensmitteln faufen zu fönnen, noch in Rechnung Zur Steuer der Wahrheit. Der Schutz der Republik . stellen tann. Es wird sich also nur darum handeln, festzu­stellen, wie weit der Lohn des deutschen Arbeiters in Der Bundesvorstand des ADGB. veröffentlicht folgende Aufhebung einer deutschvölkischen Jugendgruppe. feinem realen Werte seitdem gesunken oder gestiegen ist. Erklärung: Bon der Berliner politischen Polizei wurde am Mittwochabend Die Feststellungen, die sich aus dieser Untersuchung er­,, Aus durchsichtigen Gründen wird, wie wir aus verschie eine Bersammlung der Jugendgruppe Prinz gaben, sind einfach niederschmetternd. Wir wußten denen Teilen des Reichs erfahren, von deutschnationalen Blät. Louis Ferdinand wegen dringenden Verdachtes des Ber - ja und haben immer wieder den Nachweis geführt, daß durch tern die Meldung verbreitet, die Bewertschaften hätten stoßes gegen das republikanische Schutzgesetz und gegen die Verord- die rapide Geldentwertung und durch die Lohnpolitik der an die Reichsregierung ein Ultimatum gerichtet, daß sie nung über das Berbot militärischer Verbände ausgehoben. Unternehmer die Löhne der deutschen Arbeiter sich ständig entweder in drei Tagen den passiven Widerstand auf- 70 Personen wurden zum Polizeipräsidium gebracht und zugleich entwertet haben. Aber das Maß der Entwertung, die seit geben oder zurücktreten müsse. die Durchsuchung ihrer Wohnungen angeordnet. Nach eingehender April/ Mai 1922 eintrat, und erst bei genauen Bergleichen Der ADGB . erklärt kategorisch, daß diese Meldung in Bernehmung sind die meisten Festgenommenen inzwischen wieder ganz erkennbar wird, ist doch auch für uns überraschend. feiner Weise den Tatsachen entspricht und nur entlassen worden. Die Ermittlungen bauern fort, Wir haben als Stichtag den Dienstag( 18. Sep­zu dem Zweck von arbeiterfeindlicher Seite verbreitet wird, das Die Jugendgruppe Prinz Louis Ferdinand gehörte früher der tember) gewählt, und zwar deswegen, weil der Dienstag in Odium für etwaige von der Reichsregierung geplante Maß deutschnationalen Bismard Jugend an, wurden aber vor der Mitte zwischen zwei Lohntagen liegt, also nahmen, die angesichts der erst von ihr in ihrem vollen Um furzem wegen ihrer rechtsradikalen Bestrebungen ausgeschlossen. Den ungefähren Durchschnitt der während der Berbrauchs= fang aufgedeckten untragbaren Finanzgebarung der Ihre Mitglieder traten bei wiederholten Zusammenstößen mit poli- mo che eintretenden Geldentwertung anzeigt. Wir haben Regierung Cuno und des von unveranwortlichen Stellen tischen Gegnern besonders aggreffio auf. Sie waren hierbei mit andererseits bei der Feststellung der Preise nicht etwa die der Wirtschaft abfichtlich und gewiffenlos noch jetzt Schußwaffen, darunter auch mit abgabepflichtigen Militär- Preise für erste Qualität, sondern für eine mindere betriebenen Ruins der Mark unumgänglich erscheinen tönnte, waffen, versehen. Durchschnittsqualität genommen. Bezüglich des auf die Gewerkschaften abzuwälzen. Die in den Gewerkschaf- Ueber das Treiben der Gruppe berichteten wir erst vor einigen Brotes haben wir m artenfreies Brot in Rechnung ge­ten organisierten Arbeiter sind in den ganzen Mo­stellt, weil es sich auch bei den Bergleichen des englischen Ar­naten, die seit der Ruhrbefegung verstrichen sind, die eigent beitsamtes um Weizenbrot handelt. Ein Pfund frische lichen Träger des paffiven Widerstandes ge­Butter ist mit 48 millionen in Rechnung gestellt, ein Liter wesen und haben alles getan, was in ihren Kräften stand, im ergriffen und verhaftet. Milch mit 4 200 000, ein halbes Dußend Eier mit 11 Mil­Intereffe der Nation und der Arbeiterklasse der deutschen Re­lionen, 7 Pfund Weizenmehl mit 28 Millionen und 4 Pfund gierung die Möglichkeiten zu geben, das Reparationsproblem auf der Grundlage der Gleichberechtigung mit den Besagungs- Mannheim , 20. September. ( Mtb.) Die französischen von rund 111 Millionen ergibt. mächten einer friedlichen Lösung zuzuführen. Sie sind in den Truppen, die heute morgen das Mannheimer Schloß besetzt vergangenen Monaten die entscheidenden Borkämpfer einer haben, sind heute abend gegen 6 Uhr bis auf eine Wache von 30 bis rechtzeitigen Gesundung der deutschen Fi 40 Mann nach Ludwigshafen abgezogen. Die Wache ist auf nanzen gewefen im vollen Bewußtsein der Gefahr, die die alle Eingänge und Ausgänge des Schloffes verteilt. Die auf den Verschleppungstaktik der Regierung Cuno für die politische Straßen aufgestellten Maschinengewehre sind abgebaut worden. Die Einheit und die wirtschaftliche Freiheit des Reichs fowie für im Schloß wohnenden Zivilpersonen mußten ihre Personalausweise die Stellung jeder deutschen Regierung bei der Wiedereröff- von den Franzosen nachstempeln lassen und können nun gegen Bor­nung von Berhandlungen über die Lösung des Ruhrkonflikts zeigung der Ausweise das Schloß betreten und verlassen. heraufbeschwören mußte. Sie haben mit großem Nachdruck den Staat in seinem Kampf gegen die selbst mörderische Düffeldorf, 20. September. ( WIB.) Das Revisionsgericht hat Steuerfabotage der Privatwirtschaft unterstützt und die von dem am 8. September zum Tode verurteilten Studenten find mit gleicher Entschiedenheit jebem Separatismus in Raabe eingelegte Revision verworfen. Bayern und am Rhein entgegengetreten.

Wochen. Sie provozierte damals an der Kieler Brüde in Moabit einen Busammenstoß mit proletarischen Wandervögeln, bei dem es zu einer Schlägerei fam. Ein Arbeiter wurde erschossen, der Täter

Die Besetzung des Mannheimer Schlosses. Weizenbrot mit 20 Millionen, was eine Gesamtsumme

Bestätigtes Todesurteil.

Der ADGB. wendet sich daher mit größter Schärfe gegen Die Falschmeldung der neuen Berliner Zeitung " über Gin­ben jetzt unternommenen Versuch, den Gewerkschafen und stellung des paffiven Widerstandes wird, wie amtlich mitgeteilt wird, den von ihr vertretenen Arbeitern die Verantwortung für die den Oberreichsanwalt beschäftigen.

Folgen der Politik der Regierung Cuno und des unverant- Die fächsische Regierung hat nach einer amtlichen Mitteilung wortlichen Vorgehens gewiffer Gruppen der Industrie und beim Landtag bie balbige Einberufung des Landtages, Finanz aufzubürden,"

Der Lohn eines Schriftfegers, der am Freitag, den 14. September zur Auszahlung fam, betrug für einen verhei­rateten Arbeiter, der über 24 Jahre alt ist und volle Beschäfti­gung hatte, 110 millionen! Der Lohn der Metall­arbeiter in der 1. Klasse. die Sozialzulagen für eine Frau und ein Kind eingerechnet, betrug in der Woche vom 10. zum 16. September 96 Millionen. Am 17. September wurde weiter eine Vorauszahlung von 90 Millionen auf den am tommenden Freitag zur Auszahlung kommenden Lohn ge­leistet. Wir haben also diese beiden Bahlen zusammengezogen und als Lohn für acht Arbeitstage in Rechnung gestellt. Bei den Maurern betrug der Lohn in der abgelaufenen Woche insgesamt 123 600 000, wovon ein Teil am Freitag, der Rest am Montag, den 17. September, zur Auszahlung gelangte. Demnach mußte also am Dienstag, den 18. September in Berlin ein Monteur( statt 714 Stunden im April/ Mai 1922) nicht weniger als 38,3 Stunden arbeiten, um die oben angeführte Quantität von Lebensmitteln an diesem