sie die Gewissen derer wadirittelt, die hinter der Fahne des[ thode der Taschendiebe, die in der Kirche Feuer schreien, um reaktionären Separatismus blind auf den Abgrund losrennen. dann im Gedränge ihrem Gewerbe nachzugehen. Läßt die Reichsregierung diese Linie ihrer Politik flar in Erscheinung treten, vermag sie den Eindruck zu erwecken, daß sie zwar mit Ueberlegung und Geduld vorgeht, aber auch entschlossen ist, den Drud nötigenfalls soweit zu verstärken, daß der schließliche Erfolg gesichert wird, dann wird sie auch das Mißtrauen derer besiegen, die heute schon glauben, ihr er fagen feststellen zu fönnen. Die Reichsregierung darf hier nicht versagen, sie hat die staatliche Ordnung im Sinne der Berfaffung aufrechtzuerhalten und darf ihre Auflösung nicht dulden.
Was auf dem Spiel steht, zeigt der Rechts putschoon Küstrin . Er ist zum Anlaß dafür geworden, das Recht der Presse zur Berichterstattung über Unruhen auf die Wiedergabe amtlicher Meldungen zu beschränken. Dadurch soll verhindert werden, daß die Putschisten durch Verbreitung erlogener Nachrichten zum Losschlagen an allen Eden und Enden ermuntern oder daß auf Grund unbeglaubigter Gerüchte eine Aufregung entsteht, die sich in fopflojen Aktionen Luft macht. Man wird sich aber wohl überall flar darüber sein, daß der artige 3enfurmaßnahmen eine zweischneidige Waffe sind, und daß es notwendig sein wird, die Verordnung elastischer zu gestalten, wenn ihr Zweck erreicht werben soll.
Die Sozialdemokratie wird, unbeirrt von solchem Lärm, innerhalb der Koalition mit stärkstem Nachdruck die Forde rungen vertreten, deren Erfüllung notwendig ist, um die Reichseinheit und die Republik aufrechtzuerhalten und eine Basis des wirtschaftlichen Lebens wiederherzustellen, auf der eine erträgliche Existenz der arbeitenden Massen möglich ist. Gie wird nach bestem Gewissen das Rechte tun und getrost abwarten, was weiter daraus wird.
Der Küstriner Rechtsputsch.
Amtlich wird gemeldet:
Heute Reichstag.
die Verantwortung für die Sicherstellung der Ernährung nicht weiter tragen, wenn nicht bald ein entsprechender Schritt getan würde, der für die Bergung der Ernte von besonderer Bedeutung sei.
Wertbeständige Steuern.
Dor
Beratungen des Reichswirtschaftsrates. Der Finanzpolitische Ausschuß bes läufigen Reichswirtschaftsrates begann die Beratung des ihm vom Reichsminister der Finanzen zur Stellungnahme übersandben Entwurfs eines Gesezes über wertbestänbige Steuern und die Vereinfachung des Besteuerungverfahrens.
In der Begründung des Entwurfs heißt es u. a.: In Küfirin tam es bei einem Entsagversuch, den die Aufständischen zur Befreiung der im Zeughofe eingefchloffenen Auf- benden Schuld mit erschreckender Deutlichkeit zum Ausdruck fommt, Die Finanzlage des Reichs, die in dem Anschwellen der schwerührer unternahmen, zu furzem Feuergefecht. Die Aufstän- zwingt dazu, alle Steuern auf Ergiebigkeit und zweckentsprechende dijchen haben verluste an Toten und Verwundeten. Gestaltung nachzuprüfen und sie möglichst wertbeständig zu Bei der Reichswehr sind bisher keine Verluste gemeldet. Am Abend machen. Bei einer Reihe von Steuern ist das unlängst im gewissen waren die Aufrührer im Jeughofe von der Außenwelt völlig abge- Umfang und als Notregeiung für das laufende Jahr geschehen, so be: schloffen. Die Entwaffnung ist eingeleitet. Die Säuberung der Um- der Einkommen- und Körperschaftssteuer durch die Multiplikation gegend von Küftein im Gange. Der Einsatz der auf Hüftrin in mögenssteuer, die Erbschaftssteuer und die Stapitalverfehrssteuer ter Borauszahlungen. Der vorliegende Entwurf versucht, die Vermarsch gefehten Berstärkungen ist nur zum geringen Teil not, wertbeständig zu machen, soweit dies unter den gegebenen Berwendig geworden. Die Umgebung von Berlin wird hältnissen möglich ist. Hierdurch, durch Erhöhung der Umsatzsteuer durch Reichswehr und Polizei scharf überwacht. und durch Einführung einer auf Gold gefteliten Börsensteuer In Rüstrin ist die Staatsgewalt mit Energie eingesollen dem Reich wesentliche neue Mittel zugeführt werden. Damit schritten, und man darf hoffen, daß ihr Vorgehen nicht nur verbunden find Borschriften, die der Beneinfachung des Steuerörtlich eine durchschlagende Wirkung erzielen, sondern auch verfahrens und damit der Ersparnis an Beamtenarbeit und Madarüber hinaus zur Abschreckung dienen wird. Das Der Reichstag tritt am Dienstag bestimmt zusammen. terialfoften dienen. Reich muß zeigen, daß es diejenigen nach Gebühr zu be- Mitteilungen, die von einer zwei bis dreitägigen Verzögeriums u. a. aus: Hierzu führte der Bertreter des Finanzministehandeln versteht, die ihm in schwerster Zeit in den Rücken rung des Zusammentritts wissen wollen, find falsch! fallen und damit selber die abgrundtiefe Heuchelei der„ vater- Der Reichskanzler hat die Parteiführer zit Dienstag fei mit ihr die Borbereitung einer endgültigen Lösung des don Die Vorlage fei nach zwei Gesichtspunkten zu beurteilen, einmal ländischen" Bhrafeologie enthüllen, mit der sie ihr Borgehen vormittag 10 Uhr zu einer Besprechung über die Regierungs- allen als allmählich unhaltbar empfundenen Steue zu bemänteln pflegen. Jeder Mensch muß heute Ueberlegung erklärung zu sich gebeten. systems beabsichtigt, und zum anderen fäme es darauf an, die genug besigen, um zu erkennen, daß innere Selbstzerfleischung jezige Birrnis zu lösen, die in dem Mißverständnis von Papierdie äußere wie die wirtschaftliche Lage des Boltes vollkommen Währungsreform und Parteien. mart und Goldrechnung zueinander läge. Deshalb ist der Artikel VI hoffnungslos machen muß. Wenn diese Erkenntnis in Küstrin Steueraufwertung und Steuergeldstrafen besonders wichtig. Eine nicht vorhanden war, so trägt schuld daran die maßlose sterium der Währungsentwurf der Regierung in zahlreiche, bei Buchprüfungen ermittelte Steuerhinterziehungen, er maßlosesterium Am Dienstagnachmittag wurde im Reichsfinanzmini- große Menge von rückständigen Steuern laute noch auf Papier, Hehe von rechts. ei Diese Hetze von rechts hat sich nun das große Ziel gesetzt, Diese Hetze von rechts hat sich nun das große Ziel gesetzt, einer Sigung mit den Parteiführern besprochen. U. a. wurden brächten auch nur wenige Millionen Papiermart. Wenngleich die Parteien, die sich zum Schutz des Staates zusammen auch die Vorschläge der Demokratischen Partei erörtert. Diese schon im Verwaltungswege eine Kleinbetragsverordnung" ergangen gefunden haben, durch Intrigen auseinanderzutreiben. Die zielen darauf hin, die Finanzierung des Etatsbedarfes des fei, nach der die Einziehung solcher Steuern gemisfermaßen vom Briefporto und ihrem Verhältnis zu diefem abhängig sei, so arSozialdemokratie steht diesem Treiben mit fühler Reserve Reiches bis zur Budgetausgleichung durch die Umstellung beite der 2pparat leer, weil auch sonst die Einziehung von ten gegenüber. Sie hat sich in der furchtbarsten Stunde des aller Steuern auf die Goldbasis durch den Ausbau der Gold- vielen Steuerbeträgen nicht lohne. Reiches nach leberwindung schwerer Bedenken und nach des Zinsendienstes vermittels effeftiver Gold- und Devisen Reumart oder in Devisen oder in Goldanleihe erfolgen. In den anleihe zu sichern. Die Goldanleihe soll durch Sicherstellung Die Zahlung der Steuern fönnte in Bapiermark oder in jahrelangem Werben der bürgerlichen Mittelparteien dazu übe entschlossen, sich zur Verfügung zu stellen und an einer un gesteuern auf ein festes Fundament gestellt und für einen beiden ersten Fällen müsse aber auf alle Fälle Umrednung über heuren Verantwortung ihr Teil mitzutragen Sie begrenzten Zeitraum als Zahlungsmittel verwendet werden. den Dollar geschehen; gegen die Zahlung in Goldanleihe spräche, hat diesen Entschluß loyal durchgeführt, und die Barteien der Diese Vorschläge decken sich also mit denen, die die Sozial- daß damit bie fundierte Schuld gewissermaßen in schwebende Mitte haben ein Bündnis mit ihr geschlossen, nach dem sie ihren lich dem Kabinett Cuno gemacht hatte. Damals wären sie maßen eine besondere Steuergoldmart. demokratische Partei bereits vor zwei Monaten leider vergeb- Schuld verwandelt werde. Nach ter Borlage entstehe gewisser. Standpunkt in allen außen- und innenpolitischen Fragen- In der Aussprache wurden namentlich Bedenten erhoben gegen ohne weiteres von durchschlagender Bedeutung gewesen. Heute die Einbringung von Leilplänen in der Borlage. Bernhard be der ihnen ja auch sonst nicht unbekannt war noch einmal zur Kenntnis genommen hatten. Wollten die bürgerlichen hat sich die Lage gründlich geändert. Das Währungselend ist grüßt besonders den Uebergang zum Prinzip der absoluten Parteien der Mitte jetzt plötzlich ihre Gesinnung und Haltung ins Maßlose gestiegen. Der Devisenmartt erlebte am Mon- Bertbeständigkeit der Steuern. Das Mitglied Marg tritt ändern, so würden sie sich in eine Rolle begeben, um die sie tag eine neue Hauffe. Die industrielle Krise, die auf für die Wertbeständigkeit der Steuern und ihre Berechnung in das Engste mit dem Währungselend zusammenhängt, nimmt Gold ein Das Mitglied Cohen( Max) regt die Frage an, ob Es ist die offenkundige Absicht der Treiber von rechts, die unter der Papierflut zu ersticken, so daß schnell und unverzüg- problem ber Steuerbelastung eingehend zu erörtern und gegebenen Es ist die offenfundige Absicht der Treiber von rechts, die ftündlich größeren Umfang an. Die ganze Wirtschaft droht nicht schon jetzt die Zeit dazu da sei, das VereinfachungsParteien der Mitte in eine solche Erniedrigung hineinzu fich Hilfe gebracht werden muß. Man hat heute tatsächlich fells auf eine Quellen steuer( Produktionsmittelsteuer) in manövrieren, um dann die Herrschaft an sich zu reißen. Die nicht mehr die Zeit, diefen oder jenen Blan auf seine beffere Geld zu kommen. innen- und außenpolitischen Folgen eines solchen trodenen wirksamkeit hin zu prüfen. Die Regierung und die Barteien beitsausschüsse, einer für die Vermögens- und Erbschafts Zur weiteren Behandlung der Borlage wurden drel ArButsches wären derart, daß man allerdings annehmen haben nur die Möglichkeit, sich für das Mittel zu entscheiden, steuer, ein zweiter für die Umsatzsteuer und ein dritter für die sollte, jeber mit Verantwortungsgefühl begabte Mensch müßte das in fürzester Zeit Besserung und Hilfe verspricht. Rapital, Berkehrs- und Börsensteuer eingefeßt. vor ihnen zurückschrecken. darf nicht mehr verhandelt, sondern es muß ge handelt werAngesichts der traurigen Berhältnisse in unserem Geldwesen den, wenn die Ratastrophe noch vermieden werden soll.
wahrlich niemand beneiden tönnte.
Zeitungsverbote.
Regiert noch Vernunft, so muß das Treiben der rechtsradikalen Krisenmacher und der mit ihnen fooperierenden Gruppen und Grüppchen eine Wirkung haben, die das Gegenteil der gewollten ist. Noch gestern nacht wurden wieder Der Oberpräsident von Hannover hat das„ Göttinger Die Währungsbank vor dem Reichsrat. Alarmgerüchte über den Ausbruch einer ReTageblatt" auf die Dauer von vier Tagen berboten( 29. Sep. gierungsfrise in Umlauf gebracht, deren 3wed nur Der Reichsrat nahm am Montag mit einigen Ab- tember bis 3. Oftober), weil das Blatt eine Rede des Hauptmanns sein kann, die Nervosität aufs höchste zu steigern und alles anderungen den von der Regierung vorgelegten Gefebentwurf Die tommunistische Süddeutsche Arbeiterzeitung" Heise unter der Ueberschrift, Bayerns Bereitschaft" abgedruckt hat. durcheinanderzubringen. Es muß sich zeigen, ob man in einer Währungsbant an. Der Vertreter des Reichsernährungs- wird wegen Aufforderung zum gewaltsamen Umsturz vom MilitärDeutschland die politische Gewalt erobern fann nach der Me- ministeriums gab die Erklärung ab, das Ministerium tönne befehlshaber für Württemberg berboten.
„ Russische Meisterbriefe".
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vor: Wohnt hier Bieland? Wohnt hier Herber? Wohnt hier Goethe?"„ Ja, ja, ja," antwortete er und er befahl dem Postillon mich in das Gasthaus zum„ Elefanten" zu bringen. Ich Bon Ernst Wilh. Neumann. sandte sofort einen Boten zu Wieland und ließ fragen, ob er zu Eine Brieffammlung russischer Schriftsteller in deutscher Ueber- Hause sei.„ Nein, er ist im Schloß."- Ift Herder zu Hause?" setzung, das find die Russischen Meisterbriefe". Karl Nein, er ist im Schloß."- Ist Goethe zu Hause?" Nein, er Rözel hat sie zusammengestellt und der Mufarion- Berlag in ist im Schloß."" Im Schloß, im Schloß," wiederholte ich, den München hat sie herausgegeben. Es ist ein dicker Band von Diener nachahmend, nahm meinen Stock und ging in den Bart." 420 Seiten und in mehr als 150 Briefen sprechen zu uns längst Ber- Karamfin, Vater der russischen Geschichte( 12 Bände) und storbene über Ereignisse und Erlebtes, über Politik und Gefängnis- Schöpfer der modernen russischen Novelle, gelingt es, zuerst bei leben, Berbannung, Hofleben, Leibeigenschaft und Aufruhr. Nicht Her der Eingang zu finden. Er berichtet darüber: Briefe von allen und jedem, sondern nur, was wichtig zur Erschließung der russischen Boltsseele schien, fand Aufnahme. Ein Stück Kulturgeschichte, denn die meisten Briefe greifen über das Bersönliche weit hinaus. Da die Briefe die Zeit von 1790 bis 1910 umspannen, durchläuft man ein Jahrhundert ruffischen Geisteslebens; ste zerstören manche Borstellung, aber sie verfestigen das Bild: der russische Schriftsteller lebt mit feinem Bolte.
wollten.
Herder ist nicht von hohem Buchs, mittelstart und hat recht duntle Hautfarbe. Seine Stirn und seine Augen zeugen von einem außergewöhnlichen Berstand( ich fürchte aber, Thr, meine Freunde, möchtet mich noch für einen jener physiologischen Zauberer halten). Sein Ausdruck ist ernst und anziehend; nichts Gezwungenes liegt in seiner Miene, nichts, was den Wunsch verriete, irgendwelchen Eindruck zu machen. Er spricht leise und deutlich. Er gibt allen feinen Worten Nachdruck, aber nicht mehr, als nötig ist. Wenn man sich mit Herder unterhält, kann man in ihm wohl den bescheidenen Liebling der Mufen vermuten, der große Gelehrte aber und der tiefsinnige Metaphyfiter bleibt äußerst funstvoll in ihm verborgen. Angenehm, meine lieben Freunde, ist es, endlich den Menschen von Angesicht zu sehen, der uns vordem nur bekannt und teuer war durch seine Werke, den wir uns so häufig vorstellten oder vorzustellen uns bemühten. mir scheint, jest werde ich mit noch größerem Vergnügen die Werte Herders lesen, indem ich mich an den Ausdruck und die Stimme des
Autors erinnere."
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Freude dieser fast sechzigjährige Mann spricht, und wie fich seine Ge sichtszüge dabei beleben. Seine Seele ward noch feineswegs alt und seine Kräfte find noch längst nicht erschöpft."
Goethe fah Karamsin nur aus dem Fenster hinausbliden". Ich blieb stehen und blickte ihn an: ein bedeutendes, griechisches Geficht! Heute( am 21. Juli 1789) ging ich zu ihm hin, man sagte mir aber, er fei früh nach Jena gefahren."
Für uns find Karamjins Briefe die wichtigsten, die der Band enthält. Damit fei feineswegs gesagt, daß es sich nicht verlohnt, die anderen zu lesen. Im Gegenteil. Wer sich mit der russischen Kulturgeschichte, feinen großen Schriftstellern und Dichtern beschäftigt, wird diefe Briefe als wertvolles Behelfsftüd gern benutzen.
Die Aufgaben des Städtebaues.
Wenn wir vom Großstadtelend sprechen, denten wir immer in erster Linie an die Wohnungsverhältnisse dieser Städte. Es ist kaum zu bestreiten, daß alle jene Männer, welche diese Städte in solcher Gestalt erbauten oder erbauen ließen, einen großen Teil Schuld an sucht mit Eifer nach neuen besseren Arten des Städtebaues. dem jezigen Elend tragen! Diese Einsicht bricht sich Bahn und man Technischen Hochschule zu Hannover , Prof. Betterlein in feiner Sehr lehrreich sind die Ausführungen, die der neue Neftor der Rettoraterede über die Aufgaben des Städtebaues gemacht hat. Mit Recht weist er darauf hin, daß es sich hier um nationale Aufgaben handelt. Arbeit, Erholung und Ruhe, das sind die erforderlichen Bedingnisse: Gesunde, zweckmäßige Arbeitsstätten und gefunde, ein wirkliches Familienleben ermöglichende Wohnungen zur Erholung nach der Arbeit, womöglich durch Beschäftigung in freier ruhe. In den letzten Jahrzehnten, seit sich Deutschland aus dem Natur und zur Pflege einer ungestörten, fräftesammelnden NachtAgrarstaat zum Industriestaat entwidefte, mußten die mit Zeichen der Liebe erbauten Einfamilienhäuser den unpersönlichen, mit glänzender Außenseite, düsteren Brandmauern und häßlichen Reklameschildern, die Fenster auf enge schmußige Höfe mündend, die Wohnungen selbst, mit Menschen überfüllt, Brutstätten eines fittlich und törperlich ungefunden Geschlechtes, so stehen die Mietshäuser der Gegenwart da, nicht den Bedürfnissen der arbeitenden Menschheit der hinter ihnen stehenden Geldgeber, Bodenspekulanten und Hypoangepaßt, sondern der Gewinnsucht ihrer Erbauer, d. h. thefengläubiger. Seit eine falsche Boltswirtschaft das Eigentums. recht der Boltsgemeinschaft am Boben aufgehoben, diefen als„ freies" Eigentum erflärt und so zum Begriff der Ware herabgewürdigt hat, ist die Bahn geöffnet für ein den Baugrund ins Ungemessene verteuerndes Hypothekenrecht und für eine fast schrankenlose Be. wucherung der Bevölkerung. Ständige Berteuerung des Bodens, immer engeres Zusammenwohnen der Menschen ist die Folge. Es ist deshalb unbedingte Pflicht der Gesetzgeber, den Bodenwucher unmöglich zu machen, die Wohnungsfrage durch Gründung ländlicher Heimstätten mit Stall und Garten der Lösung Sportpläge müssen der Jugend geschaffen werden, um ihren Körper zuzuführen. Die Industrie gehört aus der Stadt heraus. Spiel- uns zur vollen Mannestraft entfalten zu fönnen. Nur ein heranreifendes
Kenner der russischen Geschichte werden sich nicht wundern, daß ein großer Teil der Briefe aus dem Gefängnis oder aus der Verbannung stammt. Das war schließlich das einzige Mittel, um die Freiheitsfucher tot zu friegen. So wenigstens dachten es fich die Herrscher Rußlands . Aber trotz der Unterbindung des freien Schaffens durch Haft und Folter haftet den Briefen doch etwas Großes und Erhabenes an, und wenn nicht anders die Folterknechte des großen russischen Reiches einen Namen in der Geschichte finden sollten, so durch die, die sie in den Annalen nicht verzeichnet wissen Rögel beginnt seine Auswahl mit Raramfin( 1766-1826) Weniger schnell gelingt es, Wieland zu sehen. Karamsin verund schließt sie mit Tolstoi( 1828-1910). Dazwischen liegen-um fucht es einmal, zweimal bei Wieland vorzubringen, wird aber abnur einige zu nennen Schutowsti, Buschtin, Gogol , gewiesen. Endlich, beim dritten Bersuch gelingt es. Stellt Euch", Sermentoff, Herzen, Turgenjeff, Dostojewsti und schreibt er An meine Lieben", einen ziemlich hochgewachsenen, falten Mietsfasernen weichen. Ein stillloser, häßlicher Bau Tschechoff. Namen, die auch bei uns Ruf haben. Prüft man schlanken Mann vor, blond, fast fahlköpfig und mit Augen, die ein sie nach Herkommen und Stand, so findet man, daß sie den ver- mal grau waren, aber vom vielen Lesen gerötet sind das ist schiedensten Berufen und Klaffen angehörten und den verschiedensten Wieland." Wieland ist ärgerlich, zu so imgewohnter Zeit gestört zu und räumlich auseinandergelegenisten Gegenden des großen russischen werden. Er will von dem Besucher nichts wissen, aber dieser läßt Reiches entstammten. So ergibt sich eine Widerspiegelung der haupt- fich nicht abweisen. Schließlich willigt der Gewaltige in eine Unter sächlichsten Kulturschicksale des russischen Volkes. redung ein. Gespräch über Kunst und Dichtung. Klopstock ist der Für den deutschen Leser von großem Interesse sind die Briefe bedeutendste Dichter der Zeit, so Karamfin, so Wieland. Dann PhiloRaramfins. Soviel mir wiffen, erfolgt deren Uebersehung ins fophie. Reiner von den Systematitern", sagt Wieland, versteht so Deutsche zum erstenmal. Sie geben nichts, was wir nicht schon aus seine Leser zu verführen wie Bonnet; und vor allem solche Leser, anderen Beröffentlichungen wissen, dennoch sind sie von größter Be- die eine lebhafte Einbildungskraft haben. Er schreibt flar und andeutung. Karamsin fuhr nach Deutschland , um Wieland zu sehen". genehm und zwingt uns, ihn und feine Philosophie zu lieben." Bon Er fommt nach Weimar und gibt An die Seinen" vom 20. Juli Rant spricht Wieland mit Ehrfurcht, doch scheint er sich nicht gerade 1789 folgende interessante Eindrücke wieder: den Kopf über seine Metaphysik zu zerbrechen. Um 6 Uhr trennten Weimar ist hübsch gelegen. Die umliegenden Dörfer, die Felder fie sich. Hier umarmten wir uns. Er schien etwas gerührt zu sein; und Wälder geben einen angenehmen Gesamteinbrud. Die Stadt und das rührte mich selber. Auf der Borireppe drückten wir ein ist sehr flein, und außer dem herzoglichen Schloß findet man fein ander zum legtenmal die Hand und trennten uns einziges großes Gebäude. Bei dem Stadttor fragte man mich aus, immer. Niemals, niemals werde ich Wieland vergessen. Hättet Ihr vielleicht für und danach legte ich meinerseits dem Sergeanten folgende Fragen gesehen, meine Freunde, mit welcher Aufrichtigkeit, mit welcher