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Was ich mir dafür kaufe!"

Zentralmarkthalle am 6. 10. Erbsen

Preise und Löhne.

36

40-45

30-35

5.3

6

4

( in Millionen Mark)

Rindfleisch Kalbfleisch

Lebende Aale

99

11

Weizengrieß Wirsingkohl 75-100 Rotkohl.

70-110 Mohrrüben

90-115 Zwiebeln

150-180 Grüne Bohnen

100

Hechte. Karpfen Schleie. Bleie

40-45 40 40-45

35-40

90

35

$ 13

12

Aale in Eis... Grüne Heringe Schellfisch Margarine

Hechte in Eis

6.5-7 19

Wochenlöhne in Berlin ( in Millionen Mark) Treibriemeindustrie vom

30. 9.- 6. 10. Schuhindustrie v. 1.- 6. 10.

1564

Chauffee bis Kupfergraben geführt werden, die halbstündlich an der Heerstraße und halbstündlich am Sophie- Charlotte- Plaz endet. Der Zeitpunkt der Einführung dieser Aenderungen wird noch bes fanntgegeben.

Falsche 100- Pfund- Note.

Der Berausgaber falscher Hundertpfundnoten, der, wie wir bes richteten, schon in anderen Städten aufgetreten ist, hat auch in Berlin eine erfolgreiche Gastrolle gegeben. Der Betrüger, ein mittelgroßer Mann mit furzgeschorenem Haar, der elegant çetleidet ist und auch zeitweise ein Monofel trägt, erschien am 4. d. M. anf dem Pferdemarft in Weißensee und verlangte von einem Pferdehändler ein paar wirklich gute Pferde, der ihm auch ein Ges spann anbieten fonnte. Man war fich bald über den Kaufpreis, anmähernd 100 englische Pfund, einig und der Käufer gab ( für Arb. über 21 Jahre) 1546 dem Händler eine englische Hundertpfundnote in Zahlung. Der 1518 Bferdehändler war vorsichtig genug, den Schein zur Prüfung einer Banffiliale vorzulegen. Diese hielt sie für echt und erkannte sie später 1238 erit als gefälscht. Unterbessen war der Käufer mit den Pferden auf und davon gegangen. Gestern faufte derselbe Schwindler in einem Geschäft in der Friedrichstadt ebenfalls einen to st bare n Ring und gab dafür eine Hundertpfundnote in Zahlung. Diese Roten find so gut gefälscht, daß sie nur schwer als Fäl­hat auf die Wiederbeschaffung des Gespanns, dessen Auftauchen irgendwo auffallen muß, eine Belohnung von 10 milliar. den Mart ausgesetzt. 3weddienliche Angaben nimmt Kriminal fommissar Geinemeŋer in Berliner Polizeipräsidium entgegen..

Was gibst Du jetzt einem Bettler? Versuche es nicht, ihm Lebensmittelpreise in der Vollreis einen Tausendmarkschein anzubieten. Er fönnte Dich fragen, ob bei Dir vielleicht einiges nicht ganz stimmt. Ein Marfenbrot hat in der vergangenen Woche 18 Millionen Mart gekostet. Achtzehntausend Tausendmarkscheine hätte er sich da erbetteln müssen, um ein einziges Schweinefleisch. Brot kaufen zu können. Eine einzige, ganz dünne Scheibe Brot, die Speck. er davon abgeschnitten hätte, wäre allein fünfhundert Tausendmart­scheine wert gewesen. In der neu beginnenden Woche steigt der Breis des Martenbrotes auf 34 Millionen Mark. Da fostet eine ganz dünne Scheibe Brot schon eine runde Million. Mache Dir das flar, ehe Du einem Bettler etwas gibst. Was aber wirst Du fagen, wenn Du hörst, daß man einem alten Mann noch sehr viel meniger cnzubieten wagt? Er ist fein Bettler, sondern ein Beamter a. D., ein ehemaliger Lokomotivführer, der nach dreißigjähriger Dienstzeit auf Unfall pensioniert wurde. Vor dem Kriege wurden alle Heilungs­foften( Arzt, Arzneien, Bäder usw.) vom Staat bezahlt. Im Jahre 1915 wurde dafür eine jährliche Pauschalsumme eingesetzt, 420 Mart. Schon im Jahre 1922 fonnte man für diesen Betrag kaum noch etwas später Abendstunde fällten die Geschworenen das Urteil. Hoert Mennenswertes taufen. Damals wurde ein Gesuch um Erhöhung der murde wegen versuchten Totschlages und versuchten schweren Raubes Bausthalsumme abschlägig beschieden. Und so erhält der Lokomotiv - unter Zubilligung mildernder Umstände zu vier Jahren Geschungen zu erkennen sind. Der geschädigte Pferdehändler führer a. D. von der Eisenbahnhauptkaffe Berlin noch jetzt für jedes fängnis verurteiít. Krüger dagegen erhielt 5 Jahre Zucht Quartal 105 Mart gewissenhaft übersandt. Die Kosten der Zuhaus unter Verjagung mildernder Umstände. Beiden Angeklagten stellung durch das Postschecamt samt allen Buchungen und sonstigen wurden 9 Monate Untersuchungshaft angerechr.et. dazu erforderlichen Bureauarbeiten betragen sicherlich ein Vielfaches dieser 105 Mart. Was mag die zuständige Berwaltungsstelle sid) dabei denken, wenn sie dem alten Mann einen derartig niedrigen Betrag überweist? Oder macht man sich dort über solche Dinge feine Gebanten?

Der Raubmordversuch mit Morphium.

Schmalz. Talg

Brunnenbauer v. 29. 9. bis 99-130 5. 10. 180-140 Kistenbranche v. 20. 9. Bis 103 5. 10.

Die Straßenbahn will sich bessern.

Berkehrsänderungen ab Montag.

Durch den zweitägigen Teilstreit der Hochbahn ist bei der an geblich reorganisierten Kleinen Berliner" eine vollständige Hilfe losigkeit gegenüber den Berliner Berkehrsbedürfnissen offenbar ge­worden. Immerhin scheint auch die Direktion jetzt einzusehen, daß es so nicht weitergehen kann und sie fündigt die folgenden Ber­besserungen" an:

27

1 Pfund Zucker 51%, Millionen. Der Reichsverband deutscher Kolonialwaren und Lebensmittel händler sowie der Landesverband Berlin- Brandenburg des Reichs­verbandes des deutschen Nahrungsmittelgroßhandels teilen mit, daß nach Festseßung des Großhandelspreises für guder durch den Serrn Oberpräsidenten für die Zeit vom 8. Oftober der Verd braucherpreis 51, Millionen das Pfund für Melis zuder beträgt. Auf bessere Sorten als Melise dürfen entsprechen den von der Zuderwirtschaftsstelle festgefeßten Sortenzuschlägen besondere Zuschläge erhoben werden.

Personenstandsaufnahme.

Die Hauptsteuerverwaltung teilt mit: Die alljährlich vorzuneh mende Bersonenstandsaufnahme erfolgt für das Gebiet der Stadt­gemeinde Berlin nach dem Stande vom 10. Ofteber d. I. Hierzu erhalten sämtliche Hausbesitzer oder deren Vertreter die erforderlichen Personenstandsaufnahme- und Wohnungslisten vorher zugestellt. Die Abholung der ausgefüllten Listen erfolgt vom 12. Oftober d. J. ab. Die Ausfertigung der Steuerbücher erfolgt nach den eigenen Angaben der Steuerpflichtigen in diefen Wohnungslisten. Es liegt daher im Inter­effe der Steuerpflichtigen, die zur Aushändigung kommenden Wohnungslisten genau und lejerlich auszufüllen. Die vorschriftsmäßige Ausfüllung der Bersonen­standsaufnahme und Wohnungslisten muß noch der Reichsabgaben­ordnung erfolgen und fann durch gefeßliche Strafen erzwungen wer­den. Zugleich wird darauf hingewiesen, daß Verkäufe von God und Silbersachen, von Musikinstrumenten aus Edelholz, Teppichen, Automobilen usw. aus privater Hand der Luxussteuer von 15 Broz. unterliegen. Die Steuer ist abzuführen an die Kasse eines der 14 Finanzämter, welche in Groß- Berlin mit der Bearbeitung der Umfahsteuer befaßt find. Bei diesen Aemtern, insbesondere bri

4 und 5 Jahre Zuchthaus für die Täfer. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts II begann gestern früh bei starfem Andrang des Publikums die Verhandlung wegen ver- Am Montag, den 8. Oftober d. J., werden die folgenden Aende suchten Mordes und schweren Raubes gegen den Lederarbeiter und rungen und Vervesserungen im Straßenbahnverfehr durchgeführt: Artisten Withelm oerl und den Maler Artur Krüger, tie, wie Auf der Linie 28 werden die Bogen unmittelbar bis Legefort mir berichteten, versucht hatten, die Ehefrau Franziska Fiedler und Heiligensee , je halbstündlich, durchgeführt. Der Anschlußbetrieb in deren Wohnung zu ermorden und ihrer Schmucksachen zu be- mit Einmannwagen zwischen Tegel und Legelert bzw. Heiligensee rauben. Der Angeklagte Hoert ist ein noch junger Mann, An- wird dadurch aufgehoben. Die Linie 54 mird von Spandau , fang der zwanziger Jahre. Er war erst zu Beginn des Martt, je halbstündlich bis Hafenfelde bzw. Stadtpark und stündlich vorigen Jahres nach Berlin gekommen und hatte hier Krüger fennen bis Johannesstift durchgeführt. Die Strede durch die Möllendorf gelernt. Es fiel ihm auf, daß Krüger, der arbeitslos war, und Herzbergstraße bis zur Irrenanstalt Herzberge mird wieder in immer auf großem Fuße lebte und daß dessen Ehefrau stets Betrieb, gefeht, und zwar durch Weiterführung de Linie 76 vom hochelegant gefleidet ging. Als er ihm eines Tages sagte, das könne Ringbahnhof Frankfurter Allee mit einem 30- Minuten- Berkehr bis doch nicht auf reelle Weise zugehen, antwortete Krüger: Ich hätte Herzberge. Die andere Hälfte der Linie, ebenfalls mit einem 30 schon längst etwas aus Dir machen fönnen, wenn ich Dir nur trauen Minuten- Betrieb, wird durch die Borhagener Straße bis zum Bittoria tönnte." Hoerl, der übrigens wegen Diebstahls schon vorbestraft ist, plaß in Lichtenberg geführt. Der Einmannwagen zwischen Königs will mun Krüger versichert haben, daß er ihm polles Bertrauen berger Straße und Bittoriaplay fällt fort. Im Westen wird die schenken tönne. Strüger wußte, daß er, der Angeflagte, ein Linie 76 mit einem 30- Minuten- Berfehr durch die Hubertusallee Rezept für Morphium belah, und schlug ihm vor, darauf bis Rosened und mit einem 30- Minuten- Betrieb durch die Königsallee ein Quantum Morphium zu beschaffen. Er sagte mir," fuhr der bis Hundefee geführt. Die Linie 91 verfehrt vom Görlitzer Angeklagte fort, Du bist jung und fannst leicht Damenbekannt. Bahnhof anstatt durch die Oranien, Koch, Anhalt, Königgräßer schaften machen; dann wollen wir die betreffende Frau mit Straße über Laufizer, Waldemar, Adalbert-, Köpenider, Neue und Morphium Letäuben und berauben." Hoerl schilderte dann das Alte Jakob, Seydelstraße, Spittelmarkt und Leipziger Straße , vom Berbrechen, wie wir es im heutigen Morgenblatt berichteten. Er Potsdamer Plaz weiter wie bisher und von Wilmersdorf je halb felbft habe gar nicht gewußt, wie es dazu gekommen sei. Frau stündlich nach Halensee und über Schmargendorf bis Rosened. Der Fiedler habe geschrien, und da habe er ihr das Maul zugehalten, Betrieb der Linie 76/91( Einmannwagen) Wilhelmsaue- Halen aber nur um sie zu beruhigen und zu verhindern, daß Leute hinzu- fee- hundekehle- Rosened- Schmargendorf- Wilhelmsaue und ums dem Finanzamt für Umfassteuer, Berlin - Innenstadt, Jüdenstr. 58/60, fämen und ein Standal entstehe, denn sie ist doch eine verheiratete aefehrt wird mit Einführung des durchgehenden Betriebes auf den sind ausführliche Merkblätter hierüber zu erhalten. Frau. Die Angeklagten Soerl und Krüger belasteten fich Linien 76 und 91 eingestellt. Die Strede vom Schlesischen Bahnhof dann gegenseitig bei ihrer weiteren Vernehmung und einer fuchte bis Stralau, Kirche, wird durch Einrichtung eines Anschlußbetriebes Spalte 6a für Konfeffionêlose. dem anderen die Schuld an der Bluttat zuzuschieben, sich selbst aber an die Linie 13 mit Einmannwagen zwischen Schlesischem Bahn­Die von den Hausbefizern oder Verwaltern jetzt zur Ausfüllung rach Möglichkeit zu entlasten. Der Angeklagte Krüger erzählte, daß hof und Stralau, Kirche, in Betrieb genommen. Der Einmann­Hoerl ihn bestürmt habe, mit ihm auszugeben, um Damenbekannt wegen verfehrt in Abstanden von 30 Minuten. Auf der Linie 64 beringegebenen Wohnungslisten enthalten als Spalte 6a die schaften zu mochen. Er sei schließlich darauf eingegangen. 3m werden die Wagen, imter Aufhebung des Einmannwagenbetriebes, Aufforderung an den Wohnungsinhaber, anzugeben, falls er aus Café Telschow habe eine Dame gesessen, die sich im mittleren zwischen Sophie Charlotte Plak und Bahnhof Heerstraße halbstündlich der Kirche ausgetreten ist, in welchem Jahr und bei After befand. Hoerl sagte: Das ist die Richtige!" Strüger hatte bis Bahnhof Heerstraße durchgeführt. Die Linie LH, Bahnhof welchem Amtsgericht das geschehen ist, und eine Fuß­feinen Mumm", sondern wollte sich lieber jüngerer: Damen nähern. Steglit- Hindenburgdamm- Bahnhof Lichterfelde - Dft, wird zum Er- note bezeichnet als den Zwed diefer Spalte ausdrücklich, daß mit Soerl habe jedoch gleich gefragt, ob man Play nehmen könne. Die sak für die frühere Linie 153 über Siemensbrücke und Albrechtstraße ihrer Ausfüllung unrigtige Kirchensteuerveranla> Zeugin Frau Franzista Fietter befundet, daß fie niemals bis Bahnhof Stegliz, weitergeführt und ebenso in umgekehrter Rich- gungen und Beschwerden vermieden werden sollen. irgendwelche Beziehungen zu hoerl gehabt habe. Als sie im Café tung in 2fbftänden von 20 Minuten, unter gleichzeitiger Einrichtung Deshalb liegt es im eigenen Intereffe eines jeden aus den großen erzählte, daß fie Fabriträume brauchte, habe hoerl in gebrochenem eines 20- Minuten- Berkehrs auch auf der Linie M. Religionsgemeinschaften Ausgeschiedenen, diese und die vorhergehende Deutsch gesagt: ab' ich Fabriträume." Die Besuche der beiden Spalte 6: Religionsbekenntnis" recht genau auszufüllen. Es muß Berbrecher hätten sich auf das Mietgeschäft bezogen. Als sie danr. fich dann zeigen, ob die unrichtigen Kirchensteuerveranlagungen auch am fraglichen Morgen aus dem Korridor in das Zimmer gekommen, weiterhin erfolgen. habe sie Hoerl angesprochen. Als sie sich zu ihm umdrehte, erhielt fie von Krüger einen wuchtigen Schlag über den Hinter­topf. Gie fci sofort zusammengebrochen. Hoerl habe sie an der Kehle gepackt und ihr den Mund zugehalten, um ihre Hilfe rufe zu erftiden. Sie habe ihn dann noch rufen gehört: Schlag doch fest, zu! Sie ist noch nicht tot." Ob Hoerl den Dolch gezogen, vermag die Zeugir heute nicht mehr zu sagen. In

Annke Harding.

Bon Hans Fr. Blund.

Neben diesen Betriebsverbeijerungen, die am Montag eingeführt werden, ist beabsichtigt, in aller Kürze Ergänzungen und Aende ringen an folgenden Linien vorzunehmen: Die 44 soll vom Kaiser­plag bis zum Bahnhof Steglig verlängert werden, die 57 von der Bappelallee bis Pantom, Breite Straße, die 64 soll am Zoo enden, die 54, die von Spandau fommt: soll statt wie bisher durch den Tiergarten vom Knie über den 300, Wittenberg - und Nollendorf plak durch die Potsdamer und Leipziger Straße bis zum Spittelmarft geführt werden, anstatt der 54 und der 64 foll eine neue Linie mit der Nr. 75 auf dem Weg Heer, Bismarchstraße, Charlottenburger wieder da und nidie ihr zu: Wenn ich und Störtebeter gegen die Hamburger halten, kann schon nichts geschehen." Und dann lachte er ihr zu: Du sollst jezt bald Kommandant werden, Annte, ich hol' dir' n neues Schiff."

Der Sturm fuhr auf, das Mädchen schrat zusammen. Ach. Störtebeker war längst gefangen und tot. Ob Godefe Michels wohl in Not war, daß er zu ihr tam? Hatte er sie nicht gerufen? Ja, das hatte er, ganz deutlich hatte sie ihn gesehen. Bielleicht lag sein Schiff im Watt und die Hamburger warteten davor. Wenn sie doch ausfahren und ihm helfen könnte.

Mutter Boos schnob in ihrem Stuhl leise vor Rührung. Sie hatte einen guten Verdienst an Godete Michels gehabt, hatte immer forgfältig seine Beute zu verwahren gewußt und war sehr unzu­frieden, daß die Hamburger Herren gar so streng mit den Frei beutern umsprangen.

Mit dem Auto über alle Berge.

Ein gemerbsmäßiger Auto und Motorraddieb, dessen Streiche ungewöhnlich raffiniert waren, ist von der Kriminalpolizei in der Person eines 23 Jahre alten aus Krefeld stammenden Kraft­wagenmechaniters Wilhelm Teppler unschädlich gemacht worden. Teppler, der sehr gewandt auftrat, stets elegant gefieidet ging und erzählen, wie Henn Peters am Nachmittag gekommen sei und ihr Grüße bestellt habe. Godete Michels habe zwar Schaden gehabt von den Hamburger Kraffeln, aber fein Schiff sei entkommen, liege vor der Ems und warte.

Wir müffen ihm helfen, sonst holen ihn die Hamburger , Mutter Boos!" Die horchte mit seltsamem Grauen und hatt's doch glauben mögen, so bestimmt sprach das Mädchen. Dann fiel ihr plötzlich ein, daß sie den ganzen Radymittag mit Annfe Harding zusammen. gefeffen hatte, daß es der Wahnsinn sein mußte, der aus der andern sprach. Mit einem hellen Schrei lief Mutter Boos aus dem Raum.

Annte Harding grübelte noch eine Weile, fah die Elbmündung, schaute auf die halbzerstörten Schiffe ihres Liebsten und wußte haib träumend, daß sie im Fieber war. Aber die Stunde der Entschei dung peitschte ihr Blut, ein finnlojes Treiben beherrschte sie und verwirrte ihre Angst zu wahnsinnigen Gedanken. Sie machie sich an der Truhe zu schaffen, begann ihren Schmud anzulegen, holte einen feiften Beutel mit Hamburger Münzen aus einer Ecke und fleidete sich wie zu einem großen Fest. So trat fie auf die Straße

An dem Tage, als Godete Michels seinen Kampf mit den Ham Lurgern austrug, war. Annke Harding auf Helgoland geblieben und hatte eine Beute flämischer Gewänder in Obhut, ar sonst nicht ihre Art, vom Schiff fortzubleiben, aber Störtebeker war geschlagen, man hatte von neuen Rüftungen der Hamburger gehört, und als der Hauptmann feinen Steuerleuten verboten hatte, Weibsbilder an Bord zu nehmen, da hatten sie gemurrt, bis er selbst um der Manns­zucht willen Annte Harding nach Helgoland hatte bringen lassen. Der Sturm brandete schwer um den Fels, packte und rüttelte daran, als könnte er den harten Stein mit seinen Fänsten sprengen Wenn ich dent, wie er selbst noch hier war und sagte: Salt und in die Flut niederschleudern. Die Wogen kamen in schweren, mir Annte gut, Mutter Boos!"" Das alte Weib gab ein paar Rehl­langen Schlägen gegen die Insel, sprangen noch einmal auf mit laute von sich. Und wie er dann auf den Tisch schlug und schrie, gifchtigen Armen und fielen donnernd vorüber auf den Strand. den Hamburgern wollte er's schon eintränken, daß die daran er- hinaus. Annte Harding saß am Fenster bei Mutter Boos und starrte sticken sollten. Weil fie's dem armen Störtebeter angetan hatten! in die Nacht hinaus. Früh am Tage war ein schlimmes Gerücht ge- und wie er dann auf ein gut Gelingen becherte, daß ich nur immer fommen. Ein Fischerboot hatte die Nachricht gebracht, daß ein Ham- die vollen Kannen zu schleppen hatte." burger ein paar feindliche Schiffe genommen hätte, auch das von Godete Michels. Da hatte das Mädchen eine Weile gemeint, als wenn sie sterben sollte. Aber nach einer Beile hatte sie sich gefaßt, mar stiller geworden, unheimlich still und hatte gemeint, über Godete Michels wagte fein Hamburger zu fommen. Wär wohl ein anderer, den sie gefangen hatten.

Jetzt war es Abend geworden. Annte Harding faß noch wie vordem, rührte nichts an und blickte nur sehnsüchtig über die dunkle Weile. Wenn sie die Fischergasse hinunterschaute, sah sie unten das Meer, das wie unruhiger Dampf durch die Nacht schimmerte. Mit unter blinkte ein Gischtkopf in eirgendeinem Widerschein fern auf, fam mit großen, weißen Augen langsam näher und tanzte plötzlich hoch auf, wenn die Bogentämme in die Hafenfeuer gerieten.

Ein wildes Gewirr von Gedanken ging Annte Harding durch Den Kopf. Mitunter war ihr, als hämmerte der Sturm an ihren Schläfen, als täme ein großer roter Schein quer über das Wasser wie von einem brennenden Schiff. Aber wenn sie auffah, war es ein Traum gewesen. Dann wieder schritt plößlich Godefe Michels durch die Straßen, sah streng zu ihr auf, als wartete er und fragte: Wo bist u? Warum bist du nicht mitgekommen?" Sie wollte antworten, da fab fie, wie sein Hals blutrot war. Annte Harding fuhr treischend auf. Der Sput war verschwunden. Oder er war

Mutter Boos," schrie der Godete, das Bier, das wollen mir gelten lassen bei den Hamburgern!"

Der Nord strich jaulend und brausend um die Häuser, fuhr weiter und sprang heulend vom roten steilen Stein zurüd, der aus dem Dunkel aufragte. Als er Annte Harding so feiertägig und ernst daherschreiten sah, schwieg er, daß dem Mädchen wor, als machte er Platz für Godefe Michels Braut. Und sie lauschte und horchte Die Alte fuhr erfahredt zusammen. Annte Harding hatte sich durch die Nacht und alles ringsum, der Wind und die fern donnernde umgebreht und sah sie mit meit aufgerissenen Augen an. Mutter See schienen ihr von dem andern zu erzählen, sie zu grüßen und sie Boos frampfte das Herz zusammen, so leid tat es ihr um das zu rufen. Mädchen, aber dann wurde sie ängstlich unter dem Blid, er dünfte ,, Wo liegt mein Schiff?" fragte fie. ihr unheimlich, so starr, so gräßlich, als hätte der Böse seine Hand Bor der Ems im Spiel. Bie komm ich

Das Mädchen sprach leise: Ich soll zu ihm fommen, fagt er, Mutter Boos, er hat mich gerufen!" Die Alte scrie schrill auf vor Schreck, drückte sich hinter den Tisch, als fönnte der ihr helfen und murmelte Unverständliches vor sich hin.

Annie Harding lachte leise. haft nicht gehört? Heut nach mittag? Henn Peters fam von den Schiffen und sagte, Godete Michels hält in der Ems, ich soll rüberkommen!"

Aber das ist ja nicht wahr gewesen. Die Schiffer, die später famen-" Ich will zu ihm, er ist in Not!"

Mutter Boos freischte, begann plöglich an ihren eigenen Sinnen zweifeln, als das Mädchen so ruhig und bestimmt sprach, hörte zu und begriff nicht, was sie davon halten sollte.

zu

Unnte Harding aber fing an mit wunderlicher Einbildung zu

"

dor der Ems!" jagte der Sturm. dahin?" fragte das Mädchen in halb erstictem

Jubeln. Nimm dir Bolt und mach's wie Godefe Michels." Das Mädchen fuhr vermirri zufammen und fah ängstlich über das Meer. Draußen auf der Recbe lagen ein paar dunkle Schiffs­leiber. Ihr war, als trüge der Sturm das Janken der Rahen, das Knarren und Raffeln non Wanten und Ankerspill wie einen Lockruf herüber. Eine Weile horchte sie noch, dann sprang eine unerffär. liche sieghafte Freude in ihr auf. Haftig eilte sie die Straße hin unter in die Schente am Hafen.

Ein Johlen und Gröhlen erhob sich, als sie eintrat, dann, als die Leute ihre wunderlichen Züge sahen ,, wurde es langfam stiller. Einige Betrunkene schrien etwas, wurden von andern zur Ruhe gebracht und tortelten neugierig näher. Es war buntes Schiffsvolt aus aller Herren Länder, verwegene Burschen, die auf Helgoland