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Apeifellos ist also in der Reichswehr ein schlimmes Hebel vorhanden. Will man es vertuschen, so erreicht man damit nur, daß übertriebenen Gerüchten freier Raum ge- lassen und, vielleicht in gefährlichsten Augei.blicken, einer Panikstimmung Vorschub geleistet wird. Daß dieses Hebel von verschiedenen Seiten her mit Entschiedenheit bekämpst wird, daß seine Eindämmung bis zu einem gewissen Grade auch schon gelungen ist, wissen wir. Wie aber die Dinge heute stehen, kann Versteckspielen nur von Uebel sein. Wenn Fehler begangen worden sind, und sie sind begangen worden, gebe man sie freimütig zu und sorge für ihre Beseitigung in aller Oesfenllichkeit! Dann wird das Vertrauen wiederkehren. So­lange es aber so etwas wie eine Geheimgeschichte der Reichs- wehr gibt, die sich wie ein spannender Detektivroman liest, wird sich die Unruhe vermehren, die eines Tages gefährliche Folgen haben kann., Bei der Aktivität der faschistischen Verbünde kann jeden Tag die Stunde kommen, in der die Reichswehr in größerem Umfang und unter schwierigeren Umständen als in Küstrin beweisen muß, daß sie zuverlässig ist. Der Staat und das Volk aber haben ein Recht, eine solche Beschaffenheit der Reichswehr zu verlangen, daß Zweifel an ihre Zuverlässigkeit überhaupt gar nicht aufkommen können. Das ist ein Ziel, von dem sie noch weit entfernt sind, aber es ist keine Zeit mehr zu verlieren, um es zu erreichen. Braucht dann die Macht der Republik eine Verstärkung, so wird sie zu finden sein auch ohne Werwolf, Stahlhelm und ihres- gleichen....___ Entspannung in Sachsen . DieB. Z. am Mittags glaubt zu wisien, daß der Rück- tritt des Militärbefehlshabers für Sachsen , Generalleutnant Müller, bevorstehe. Die Meldung entspricht nicht den Tatsachen. Hingegen hat gestern zwischen dem Militärbefehls- haber und dem sächsischen Ministerpräsidenten Dr. Z e ig n e r «ine Unterredung stattgefunden, die wesentlich zu einer Entspannung der Lage beitragen dürfte.- genommen, der die Weiterexistenz des Reiches zu zermalmen drohe. In diesem Sinne solle die bayerische Kundgebung als ein Alarm- s chuß betrachtet werden: D a s R« i ch i st i n G- s a h r. öaöen und öas Reich. Gegen de« Preiswucher der Kartelle. Sarlsruhe, 18. Oktober.<TU.) In einer Zentrums»«!- s a mm l u ng verbreitete sich gestern abend der badische Finanz- minister Köhler über die augenblickliche Lage. Er betonte erneut das Festhalten Badens am Reiche. Zu wünschen sei dringend, daß für Baden der Belagerungszu st and aufgehoben werde, da die Zivilbehört« recht wohl imstande sei, die Ordnung aufrecht- zuerhalten resp. wiederherzustellen: die Vorgänge in Oberbaden im September und die jüngsten Borkommnisi« in Mannheim hätten das deutlich erwiesen. In seinen weiteren Ausführungen forderte Finanz- minister Köhler ein sofortiges scharfes Eingreifen der Reichsregie- rung gegen die Preispolitik der Syndikate und Kartelle, da die gegenwärtigen Zustände nicht mehr länger zu ertragen seien. Die Wohnabgabe habe sich überlebt, und die Wvh- nungspolitik sei alsbald auf«ine andere Grundloge zu stellen. Was die Sanierung der Reichsfinangen anbelange, so sollen die Aller- reichsten im Lande zu einer kräftigen Sonderabgabe herange- zogen werden. Oos Reich ist in Gefahr!" Wie es in Bayern verstanden wird... München , IS. Oktober.(TU.) Zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Bayern und Sachsen schreibt dieM ün chen- Augsburger Abendzeitung"', es werde natürlich nicht aus- bleiben, daß diese Kundgebung der bayerischen Regierung wieder als ein Fanfarenstoß zum Vormarsch auf dem Wege einer Separation betrachtet wird. Der Standpunkt, von dem aus der Abbruch der diplomatischen Beziehungen Bayerns zu Sachsen diktiert werde, sei aber einzig und allein das Reichsinteresse, wie«s in Bayern verstanden werde. Das Unheil, das durch die marxistische Der- seuchung des öffentlichen Lebens erfolgt fei, habe«inen Umfang an- Die Rusweifungspeitsche. Und das �sranken-Zuckerbrot. Aus Hessen wird uns geschrieben: Die Hoffnung, daß nach Aufhebung des passiven Widerstandes die Ausweisungspraxis aufhören würde und die ollmähliche Rück- leitung der Ausgewiesenen in ihre Heimat in nahe Zukunft gerückt sei, ist als nichtig zu betrachten. Die Ausweisungen werden sogar munter fortgesetzt. Am Montag wurden aus Mainz 18BürgermitihrenFamilienausgewi«sen, darunter der Beigeordnete der Stadt Mainz , H i e m e n z, fünf Lehrer, einig« Arbeiter und Arbeitersetretär Genosse G r ö tz n e r, der letzte Verwalter des Mainzer Gewerkschaftssekvetariots. Das Mainzer Arbeiter- und Gewertschastssetretanat sind nun fast vollständig»er- waist, bei der starken Inanspruchnahme der beiden Institute ein schwerer Schaden für die werktätig« Bevölkerung. Obwohl man sich hier über das endgültige Schicksal und die Möglichkeit der Rückkehr der Ausgewiesenen wenigstens in maßgebenden Kreisen nicht dem mindesten Optimismus hingab, hat die Wiederaufnahme der Ausweisungspraxis doch stark überrascht. Es handelt sich bei den zuletzt Ausgewiesenen um zum größten Teil völlig unpolitische Personen. Die mit der Ausweisung verbundene Möbelbeschlagnahme verschärft die Maßnahme, obwohl darüber noch nicht endgültig entschieden ist und die leise Möglichkeit besteht, die Möbel und Wertgegenstände der Ausge- wiesenen frei zu bekommen. Di« leise Möglichkeit, sagen wir. Denn es kann durchaus der Fall«intreten, daß die eine Stelle die Freigabe anordnet im selben Moment, in dem die andere Stell« die endgültige Beschlagnahme verfügt. Wir haben ein Nebeneinander- und Aneinandervorbeiregieren bei den einzelnen Besatzung?- stellen, das schon zu den schönsten Einzelfällen geführt hat. Bei- spielsweise sollt« unser Genosse Thomas, Gewerkschajtssekretär für den Mainzer Wirtschaftsbezirk, ausgewiesen werden. Die mit der Uebergabe des Ausweisungsbefehls betrauten Beamten kamen in die Wohnung des Genossen Thomas ohne jede Ahnung von der Tat- fach«, daß Genosse Thomas seit vier Wochen als Geisel im Gefängnis saß. Dem Genossen Thomas selbst wurde in den letzten Tagen im Gefängnis fein« Entlastung täglich in Ausficht gestellt und verstchert, daß die Ausweisung zurückgenommen sei. Eines Sonntags Morgens wurde er unoermittelt, ohne jede vorherige Ankündigung, aus dem Gefängnis geholt und ausgewiesen, ohne die Möglichkeit, seine in Mainz wohnend« Familie benachrichtigen zu können, ohne sich mit anderer Kleidung und Wäsche versehen zu können als der, die er gerade auf dem Leib hatte. Bon der AuH- Weisung der Familienmitgtieder verlautet« zunächst nichts, aber mit der Ausstellung eines Pastes wurde die Frau des Genosten Thomas, die ihren Mann besuchen wollt«, dauernd hingehalten. Jetzt endlich, nach drei Wochen, ist auch die Frau ausgewiesen. So wer- den die Leute wochenlang in der fürchterlichsten Ungewißheit gehalten nicht nur über ihr«genes Schicksal, sondern auch über das Schicksat ihrer Angehörigen und ihres Hausstandes So haben die Mainzer Banken beschlosten, ihre Angestellten in französischen Franken zu entlohnen. Dieser Borgong wird nicht ohne Folgen für ander« Betrieb« bleiben. Sein« Gefährlichkeit ist damit angezeigt. Die weitere Tatsache, daß auch die Regie, nur Franken in Zahlung nimmt, daß sie weiter ihr« Arbeiter in französtscher Währung entlohnt, weist darauf hin, daß wir zu einem Nebeneinander zweier Währungen kommen werden, wie wir e« im Saorgebiet zeitweise gehabt haben. Daß bei dem der- zeitigen Stand der deutschen Währung der Frank auch hier siegen wird, scheint klar. » Paris , 19. Oktober. (WTB.) Hoves meldet aus Düsseldorf , seit gestern hätten sich bei der französisch-belgischen Eisenbahnregie Tausende von Eisenbahnern zur Ausnahm« der Arbeit. ge- meldet: so z. B. in Essen 10090, in Mainz 6800, in Ludwigs Hasen 2000, in Trier 15 000 und in Düren 15 500. Havas schließt daraus. daß man nunmehr den passiven Wider st and der Eisenbahner al» gebrochen ansehe. Kohlenfteuern unö Rhemlanökommifsion. Koblenz , 19. Oktober/(WTB.) lieber die Erhebung der Kohle nsteuer in Goldmark hat die I n t« r a l l i e r t e Rheinlandkommission unter Teilnahme des Vertreters der italienischen Regierung ein« Spczialordmmanz erlassen, welche damit begründet wird, daß durch den Verfall und die Schwankun- gen der Mark den Alliierten Verlust« entstehen und daß der Kohlen- preis in Geldmark festgesetzt ist. Artikel 1 der Sonderordcmnanz, welche die Nummer 216 trägt, bestimmt, daß die Steuererklärungen, welche die Steuerpflichtigen entsprechend den Spezialordonnanzen Nr. 180 und 194 abgeben müssen, für die seit dem 17. September getätigten Kohlenvertäufe den Preis für die Kohlen, den Koks und die Braunkohle in Goldmark erhalten müssen. Nach dem Artikel 2 rrerden die offiziellen Steuereinschätzungen in Gold- mart ausgefilhrt. Artikel 4 bestimmt, daß vom 11. Oktober ab die Kohlensteuer vollständig in Devisen«ingezahlt wer- den muß. Die neu« Ordonnanz ist am 11. Ottober in Kraft ge- treten. Die neue preußische Grundsteuer. Der Ständige Ausschuß des Preußischen Landtags behandelte am Donnerstag die dringliche Regierungsvorlage über die Er- höhung der Abgab« vom Grundvermögen. Von der Regierung wurden zu der Vorlage mehrere Erklärungen abgegeben: Staatssekretär Dr. Weber vom Finanzministerium legte zunächst die Notwendigkeit einer sofort vorzunehmenden preußischen Finanzreform dar, von der die Grundsteuer in der neu vor- geschlagenen Form den wichtigsten Bestandteil bilde. Baden, Hessen und andere deutsche Länder seien in der richtigen Erkenntnis, daß die Grundsteuer die Houptbasis der Staatseinnahmen bleiben müsse, schon Preußen auf diesem Weg« vorangegangen. Er oerwies zur Frage der T r o g b a r k« i t der Steuer auf die großen Ersparnisse, die die candivirlschait durch die Rückzahlung eines großen Teils der alten Goldhypotheken in Papiermark gemacht habe und die sie durch den Zinsfortfall dauernd weiter erziele. Etwaig« Härten der Stsurr sollen im Einzelfall gemildert werden. Der Staatssekretär erklärte ferner, daß an der Einschränkung der Staatsousgaben mit den stärksten Mitteln gearbeitet werde. Ministerpräsident Braun führte u. a. aus: Wir brauchen sofort ein« neue groß« Einnahmequelle, um den Staatsbetrieb überhaupt aufrecht halten zu können. Die Notwendigkeit der Beschaffung dieser neuen Mittel wird auch von den Gegnern dieser Steuervorlaqe anerkannt, die aber leider uns bisher keine andere Deckrmgsmöglich- keit haben vorschlagen können. Der Ministerpräsident wies daraus hin, daß die G r u n d p r e i s e sich im letzten Jahr nach Freigabe der Wirtschast mehr und mehr an den Friedenspreis ange- nähert haben. Als Exempel von der Auswirkung der neuen Steuervorlage, die weit hinter den Befürchtungen ihrer Gegner zurückbleibe, führt« er an, daß ein Grundstück von 100 Morgen, das, als grobes Durchschmttsbcispiel genommen, pro Morgen 10 Zentner, insgesamt also 1000 Zentner Roggen ernten solle, nach der neuen Borlag« 3.60Goldmarkpr''2MorgenStaatssteuerzu zahlen hätte. Selbst wenn die Gemeinden die ihnen in dem Gesetz eröffnete Möglichkeit bis zum allerletzten ausnützen würden und 1 200 Proz. Zuschlag auf die Staatsschuld erhöben, so würden das nur 540 M. in Gold sein. Das wären nur 6 7 Proz. vom Rohertrag. Er habe das Vertrauen zur Tatkraft und Intelligenz unserer preußi- i schen Landwirte, daß sie auch diese Steuerlast herauswirtschastca würden. Der Dtinisterpräsident erkannte an, daß Düngemittel und manche andere Betriebsmittel über den Friedenspreis gestiegen seien und wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß. wenn man vor anderthalb Jahren seine Borschläge. Getreide aus der Umlage gegen Gutscheine auf Düngemittel abzuliesern. angenommen hätte, die Land Wirtschaft rechtzeitig ein werlbesländig« Zahlungsmittel erhalten hätte. Mit aller Entschiedenheit erklärte der Ministerpräsident, daß. wenn es" nicht dringend nötig wäre, man nicht zur Vorlage dieser neuen Steuer gegriffen hätte, daß es aber kein anderes Mittel zur Zlufrechterhalwng des Staatsorganismus gäbe und das jedes .Kabinett in Preußen, sei es zusammengesetzt wie es wolle, > gezwungen wäre, mit der gleichen Vorlage dieselbe Steuerguelle zu erschließen._ Englischer kohlen kredil für Deutschland ?Evening Standard' zufolge sollen nach Deutschland sehr große Kohlentredite in Höhe von mehreren Millionen Psund Sterling gegeben worden sein, um ihm zu ermöglichen, über die Wintermonate hinwegzukommen. Dies« Kredit« seien von einem starten Konsortium von Londoner Banken zum Teil zwecks Verminderung der Arbeitslosigkeit in Eng- land gegeben worden. Das Grotwunder. Von M i r o l. .wir haben in letzten Iahren vieles als Tatsachen kennen- ecernt, an dessen Möglichkeit wir früher nicht geglaubt hätten. So ». B., daß das Gemüse in den Gärten, das Getreide auf den Feldern, die Kartoffeln in der Erde nach dem Dollarstande wachs«. Die Tatsache schien wissenschaftlich unmöglich zu sein, bis ein deutsch - nationaler Gelehrter sie so sicher und treffend begründet hatte, daß man sich wundern muß, wieso man nicht schon längst auf dies« Erklärung verfiel. Alle dies« Pflanzen wachsen in freier Lust, in der Luft weht ein freier Wind, dieser Wind kommt aus fremden Ländern(ohne Zoll zu bezahlen), hochvalutarischen, streicht über das Getreide, drückt es, wenn der Dollar schlecht steht, nieder oder kitzelt es bei einer Dollarhausse hoch, damit es besser wächst. Selbst- verständlich ist dieser Vorgang lediglich ein« Folge der vermal«- deiten Freiheit beim Wind und in der Luft, so daß nicht die armen Bauern, sondern in Wirklichkeit die Sozis und ihr Anhang an den Getreidepveisen schuld sind. Die Detreidepreis« wiederum sind die Ursache der täglich stei- genden Brotpreise. Aber hier tritt eine Erscheinung in Kraft, die selbst dieser namhaft« Gelehrte nicht erklären konnte, und die man durchaus als ein Wunder bezeichnen muß. Die Materialien zur Herstellung des Brote«: Getreide, Kohle usw. sind von dem Bäcker zu einem bestimmten Preise einnekaust worden; der Lohn der Gesellen wird wöchentlich reguliert trotz allem oerändert sich der Vrotpreis, wie ti« letzte Woche z. B. gelehrt hat, täglich. Dasselbe Brot tostet heute den einen und morgen einen höheren Preis. Man hat als Erklärung für dieses Wunder ein Sympathiegefühl des Brotes zu dem Bäcker angenommen. Es ahnt, daß die Dollarsteigerung all« Rohprodukt« beim nächsten Einkauf verteuern wird, und hält seinen Preis so hoch, daß der Bäcker immer die gleiche Meng« vom Roh- Produkten einkaufen kann. Das natürlich sehr anständig vom Brot gedacht, und es wäre widersinnig, etwas dagegen«inzuwenden, wenn es nicht die Dollartück« gegeben hätte. King Dollar hat so recht Königslaunen. Mitten im schönsten Steigen hält er plötzlich an und geht zurück. Meist nicht für lang«, aber doch für genügend Zeit, um das arme, ehrliche Brot in«in« äußerst peinliche Lag« zu bringen. Denn das Getreide, ja sogar die Kphlen sind so gemein und folgen der rückwärtigen Bewegung des Dollars. Bei den Kohlen ist die Sache allerdings nicht so ganz klar. Die Kohlen haben nämlich eine merkwürdige, ebenfalls wissen- schaftlich unerklärt« Eigenschaft, sich zu verflüchtigen. An den Tagen der Dollarhauss« liegen ganze Berge von Kohlen bei den Händlern. Man kann mehr davon haben als man Geld hat. So- bakd der Dollar fällt, verflüchtigt sich die Kohle. Man kann hundert Händler abklappern. Nicht ein Brikett ist da. Da kann man die Laune der armen Menschen verstehen, denen solche Kohlen- berge über Nacht verschwinden! Dieser Perlust! Und das Publikum ist so rücksichtslos, daß es sich wundert, wenn es von einem Kohlen- mann ordentlich angefahren wird. Was ist es auch so blöde, ausge- rechnet dann nach Kohlen zu fragen, wenn sie in Papiermark billiger werden! Doch theoretisch, auf dem Papier, werden auch die Kohlen billiger. Was soll nun da» Brot machen? Auch billiger werden? Das kann kein vernünftiger Mensch verlangen. Denn wenn das Publikum merkt, daß das Brot wirklich billiger werden kann, so wird e» die Läden an solchen Togen stürmen. Der Bäcker wird sein ganzes gutes Brot los und kann dann zusehen, wem«r die Brot« an den nächsten Tagen verkaufen soll. Und so geschieht an diesen Tagen das zweit« Brotwunder: während der Dollar und die Rohprodukte fallen, bleibt da» Brot unbeirrt teuer. Für die wissenschaflliche Erklärung und Begründung dieses Rätsels soll«in hoher Preis ausgesetzt sein. Märchenfilme. Don Karolu». Es hat«in« Zeit gegeben, wo die Märchenfilm« beinahe das Kurzweiligste waren, was auf der Leinwand zappelnd sich bewegt«. Das mag jetzt zehn, zwölf, fünfzehn Jahre her fein, und der Märchenfilm ist undsrdessm gründlich vergessen und vernachlälsigt vergessen vom Publikum und von der Filmindustrie. Stetig kam Neues, Sensationelles. Niedagewesenes Riesenfilmwerke, mehr­aktige, mehrteilige Filme. Di« Zeit war gründlich vorüber, wo sich die Leute allein an den zappelnden, lustigen Bildchen auf der Leinwand satt und froh sahen. Da brachte man es aus begreif. lichen Gründen nicht mehr fertig, die alten kurzwelligen Märchen- film« aufmarschieren zu lassen. Aber zu modernen Märchenfilmen schwang man sich auch nicht auf! Doch der Gerechtigk-it die Ehre! Wohl machte man mancherlei Versuche zu Dersuchen. Die herrlichen deutschen Volksmärchen sollten lebendig gemacht werden, die armen, verkommenen Märchen, die mehr und mehr in Vergessenheit gerieten. Wer kennt sie über- Haupt noch in der Großstadt? Trotzdem wollte man Märchenfilme bringen und brachte hie und da einen steifen, für Kindersinn un< verständlichen Spiel- und Märchenfilm. Er schlug natürlich nicht ein, und das Ende vom Liebe war«in« heilig« Scheu vor Märchenfilmen, Der Film von heut« nun. oermag e r die Märchen zu neuem Leben zu erwecken? Lohnt es sich? Bringt es Gewinn? Es lohnt sich zweifellos. Natürlich ist es ganz und gar nicht mit-dem Märchenfilm« von einst getan. Nicht mit Gestalten in phantastischen Gewändern, die beim Scheine der Jupiterlampen aufgenommen sind und die den peinlichen Eindruck hervorrufen, als seien sie Karneoalteilnehmerl Da schwindet jede Illusion. Das Kind muß hinzudenken können. Es darf nur schattenhafte Hand- lung sehen, Halbunwirklichteit, So etwa muß der Film wirken, wie man Märchen Kindern erzählt: einfach, unaufdringlich. Dann wird der Film Freud « bringen. Dos ist etwas anderes. Besseres, Helligeves als Nervenkitzel, Belustigung. Belehrung. Zwei Arten Märchenfilm« halte ich außer dem Märchcnspiel- film nach wie vor noch für besonders wirksam. Zunächst den Zeichenfilm, den lustigen Scyelm. der Jung und Alt höchst ergötzt. Wie könnt« gerade er Märchen erzählen! So kraus, so liebevoll, so lustig, so verschmitzt! Wie könnte hier die Phantasie schalten und walten! Und würde schließlich noch«in Märchen. erzähler oder eine Märchenerzählerin die Geschichte vom bösen Wolf erzählen wie würde da der Film wirken und Freud« bereiten! Di« andere Art ist der P u p p« n sp i« l e r fi lm. Die Auf- nähme ein«? Puppenthcatervorstellung mit lebensgroßen Puppen. Die Fäden schwarz auf schwarzem Hintergrunde würden oer- schwinden. Nur die gespaßiger, Puppen müßten zu sehen sein mit ihren lustigen Bewegungen. Wenn aber Texte, dann am besten in Reimen, in deutlicher Handschrift, damit die meisten Kinder es zu lesen vermögen._ Eine neue Erdbebeulhevrie. Für die Erklärung so ungeheurer Katastrophen, wie des letzten japanischen Erdbebens, bringt der fran- zösische Geologe Belot in der Pariser Akademie der Wissenschaften eine neu« Erklärung vor. Er behauptet nämlich, daß diese Erdbeben durch das plötzliche Eindringen gewaltiger Wassermengen in die seuer- flüssigen Schichten unterhalb der Erdkruste hervorgerufen werden, nicht durch Zusammenziehung der Erdkruste , die man mit einem Ab- kühlungsprozeß in Zusammenhang bringt. Belot ist der Zlnsicht, daß die Bewegungen eines vulkanischen Meeresbodens in großen Tiefen wie beim Stillen Ozean, in dem eine Küstenlinie, wie die Japans oder der Westküste Amerikas , wie ein steiler Abgrund abfällt, Risse oerursachten. Dies« Riss« gestatten dem Meere, in große Höhlungen unter der Erdkruste , die mit Dampf gefüllt sind und in denen die>. Temperatur zwischen 500 und 700 Grad Fahrenheit schwankt, einzu­dringen. Wenn der Riß auf dem Meeresboden stattfindet, erfolgt der erste Erdstoß. Das Meer strömt dann in die gigantischen Höhlungen hinein und verursacht das eigentliche schwere Erdbeben, wie es jetzt Tokio und Yokohama zerstört«. Zu derselben Zeit»er- ursacht das Einströmen der riesigen Wassennassen in diese Höhlung einen plötzlichen Fall des Meeresspiegels, der sofort durch eine hohe Flutwoge kompensiert wird. Dies« Flutwog« kann sich mehrmals wiederholen, bis das Gleichgewicht hergestellt ist, und ihre Wirkung kann auf große Entfernungen über die ganze Oberfläche des Ozeans bemerkt werden._ Dr.<poh». Wiener fvricht auf Einladung der vollsdüline am Sonnabend, abends 7>/, Nhr im Kunstgewerbemuseum über ,D er Künstler und sein Werk'. Karlen am Saaleingang. Freitag, den 13. Ott. hält Bruno H. B ü r g e I in der Musilhochschule, Hardenbcrzstr. einen Licht- büdervortrag über da» ThemaIm Unendlichen'. Die Grosse Bolksoper hat da» alleinige ErstaussührungSrecht der drei Hindcmithschen Einakter: lliusch-Nuichi, Sancta Susanna . Mörder, Hoss- nung der Frauen erworben. Sie werden im Frühjahr 1924 in Szene gehen. Der Luftdlenft«oprnhageu.Hamburg, der seit dem 17. April täg­lich verlehrte, bat dieser Tage eine erfolgreiche Saison zum Abschlug ge» bracht. Kein einziger Unglücksfall ist eingetreten. Die» ist eine» der besten Resultate aller europäiichen Linien. Die zurückgelegte Entfernung betrug 90 000 Kilometer, die Zahl der Passagiere 414.