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Nr. 505 40.Jahrgang Ausgabe A nr. 252

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Verschärfter Konflikt mit Sachsen und Bayern

Die Reichsregierung fordert: Regierungsrücktritt in Sachsen , Wiederherstellung der Verfassung in Bayern .

Berlin , 27. Oftober.( WTB.) Nachdem die der fächsischen munistenputsch in Hamburg war ein Symptom dafür, was[ lints gerichtet ist, ganz besonders gegen Arbeiter, eingestellt Candesregierung angehörenden fommunistischen Mitglie- nach der Absicht des putschistischen Flügels der Kommunisten find. der in Aufrufen an die fächsische Bevölkerung zu Gewalttätig im ganzen Reich bevorstand. Ungerecht wäre es, von der teifen und zur Auflehnung gegen die Reichsgewalt Reichsregierung zu verlangen, daß sie sich dieser Gefahr gegen­aufgereizt haben, hat der Reichskanzler den fächsischen Mi- über blind stellen sollte. Aber was von ihr zu verlangen nisterpräsidenten Dr. Zeigner aufgefordert, den Rücktritt der war, das war ein geschicktes, fluges, übereilte Schärfe ver­jächsischen Landesregierung herbeizuführen, da die Reichsregierung meidendes Vorgehen, ein Vorgehen, das die Massen der ar die gegenwärtige fächsische Regierung nicht mehr als eine Landes- beitenden Bevölkerung nicht vor den Kopf stieß. Hier liegt regierung im Sinne der Reichsverfaffung anerkennt. der ungeheure Fehler, der begangen worden ist.

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Indem sich die Reichsregierung solcher Elemente bedient, züchtet sie selbst die Gefahr, die sie in Bayern und ander­wärts beschwören will. Wir wiederholen: es ist kein Zweifel daran, daß die bürgerlichen Minister, vor allem Strefe­mann und Geßler, diese Gefahr ernstlich bekämpfen wollen; fie müßten das ja schon deshalb, weil es dabei, fo wie sich die Dinge entwickelt haben, um ihren eigenen Der Reichskanzler hat dabei zum Ausdruck gebracht, daß er Die Koalition unserer Genossen in Sachsen mit den Kopf geht. Aber wir halten den Weg, den sie eingeschlagen die Antwort des fächsischen Ministerpräsidenten im Laufe des Kommunisten war ein sehr bedenkliches Experiment. Aber haben, für verhängnisvoll falsch. Sie verfallen nach der morgigen Tages erwartet und hat von den Maßnahmen unsere Genossen sind durch das Verhalten der bürgerlichen umgekehrten Richtung in genau denselben Fehler, den fie Kenninis gegeben, die die Reichsregierung im Falle einer Ab- Landtagsfraktionen, die gemeinsam mit den Kommunisten die unseren sächsischen Genossen vorwerfen: sie belasten sich mit lehnung ihrer Aufforderung sofort ergreifen wird. Regierung Bud gestürzt hatten, auf diesen Weg ge- einer Bundesgenossenschaft, die eine Gefahr für sie ist. Zu­Berlin, 27. Oftober.( WTB.) Im Berfolg der am 24. Offo- drängt wurden. Ihre Absicht, die Kommunisten für positive gleich aber entfremden sie sich jene Arbeitermaffen, die freudig; ter von der Konferenz der Ministerpräsidenten und Gesandten der Arbeit auf verfassungsmäßigem Boden zu gewinnen, war un- bereit wären, unter jeder Führung für die Republik zu Cänder gefaßten Entschließung hat die Reichsregierung an die bestreitbar. Die überſtürzte Entwicklung unserer 3eit hat fämpfen, wenn diese Führung nur entschloffen und unter bayerische Staatsregierung das Ersudjen gerichtet, die dieses Experiment nicht ausreifen lassen; die Kommunisten flaren Barolen führen wollte. verfaffungsmäßige Befehlsgewalt im bayerischen versuchten, die sozialdemokratischen Arbeiter als Kanonen- Angesichts des ungeheuren Ernstes der Situation habent: Teil der Reichswehr in fürzester Zeit wiederherzustellen. futter für ihre wahnsinnigen Kampfpläne zu gewinnen; es wir uns bemüht, die Dinge fo leidenschaftslos wie möglich zu München , 23. Oktober. ( Eigener Drahtbericht.) Hier verlaufet, famen die Rede des kommunistischen Ministers Böttcher schildern. Es ist kein Ausweg zu sehen, wenn es nicht gelingt, daß die an die bayerische Regierung gerichtete note der Reichs in Leipzig , der Hamburger Putsch, Waffenfunde, Flugblätter die Reichsregierung von ihren falschen Wegen zurückzubringen regierung inhaltlich viel schärfer ist, als aus der amtlichen und Blafate der KPD., die zum bewaffneten Aufstand auf und unter Verzicht auf Drohung und Gewaltanwendung eine forderten. Berständigung mit der Sozialdemokratie Sachsens , der Beröffentlichung hervorgeht. Sie droht bestimmte Maß­nahmen an, falls nicht baldigst verfaffungsmäßige Zustände Rein Zweifel, daß die Reichsregierung das Recht hatte, größten, für die Führung der Regierungsgeschäfte unentbehr­wiederhergestellt werden. Die gereizte Kampfstimmung der der einzuschreiten. Den kommunistischen Regierungsmitgliedern lichen Partei des Landes, herbeizuführen. zeitigen Machthaber gegen Berlin ist dadurch noch gesteigert worden. mußte flargemacht werden, daß sie ihren neugewonnenen Jetzt bringt jeder Tag veränderte Situationen, die Bilder Die Lage ist daher als äußerst ernst zu betrachten. Einfluß nicht dazu mißbrauchen durften, das Reich in Brand wechseln mit rasender Schnelligkeit. Morgen schon kann die zu sehen. Die Sozialdemokratische Partei Sachsens mußte Reichsregierung vor der unentrinnbaren Entscheidung stehen.. darauf aufmerksam gemacht werden, welche Konsequenzen sich mit der Reaktion fämpfen oder schmachvoll vor ihr fa pi Der Reichskonflikt sowohl mit Bayern wie auch mit ergaben, wenn nicht die Ünzweideutigkeit der Absichten ihrer tulieren und alles preisgeben zu müssen. Sie muß in Sachsen hat im Laufe des gestrigen Tages eine außer fommunistischen Bundesgenossen im Sinne des von ihnen be- diesem Kampf verlieren, wenn sie nicht begreift, daß sie ihn ordentliche Berschärfung erfahren. Die Reichsregierung schworenen Eides festzustellen war. nur mit der Sozialdemokratie führen fann, und fämpft auf zwei Fronten: gegen die verfassungswidrige Kahr­Dittatur in Bayern und gegen den kommunistischen Regie­In Sachsen sind kommunistische Flugblätter verbreitet wenn sie nicht diefen Gedanken zum Leitgedanken ihres ganzen rungseinfluß in Sachsen . Wir sehen darin, um das gleich worden, die zum bewaffneten Kampf auffordern. Der fom- politischen Handelns macht. munistische Ministerialdirektor Brandler erklärt, diese porwegzunehmen, schon rein taktisch eine außerordentliche Flugblätter nicht zu fermen. Es sollen außerdem Plakate Das Blutbad von Freiberg . Gefahr. Freiberg i. S., 27. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Hier ist leber den bittern Ernst des Konflikts mit Bayern kann des gleichen Inhalts verbreitet worden sein, die die Inter­fein 3weifel mehr bestehen. Die Reichsregierung ist mit sehr schrift des Vorstandes der KPD . Sachsens und feit gestern Generalftreit. Heute herrscht auf den Straßen starter viel Behutsamkeit an das stachlige Bayernproblem heran- der fommunistischen Landtagsfrattion tra- Berfehr, teils der Streifenden, teils der Landbevölkerung, die am gegangen; sie hat aber eine ständige Verschärfung damit nicht gen. Dies wäre eine sehr schwerwiegende Tatsache, denn wir Sonnabend nach der Stadt gefommen war, um ihre Einkäufe zu er verhindern können. Heute liegen die Dinge so, daß binnen glauben nicht, daß unsere Genossen in Sachfen die Bundes- fedigen. Militärautos fuhren durch die Straßen, eines hielt auf fürzester Frist entweder die Kahr - Diftatur in Bayern oder genossenschaft mit einer Fraktion aufrechterhalten würden, die die gegenwärtige Reichsregierung zusammen sich so gegen Treu und Glauben und gegen die Interessen der Arbeiter vergeht. Sie könnte das ebensowenig tun, wie etwa brechen muß. Mag man der Reichsregierung auch Vorwürfe darüber die Sozialdemokratische Partei im Reich mit der Deutschen machen, daß sie sich gegen Bayern nicht rasch zu energischem Boltspartei foalliert sein tönnte, wenn diese in offiziellen Handeln aufgeschwungen hat, so ist doch die Stellung der Druckschriften zu einem Rechts putsch aufforderte. Sozialdemokratie in diesem Konflikt von vornherein gelafate Nun aber stellt sich das Merkwürdige heraus, daß diese geben: für die Reichsregierung gegen Kahr ! Bricht die Plakate noch nicht zur Kenntnis der fächsischen Regierung ge= Reichsregierung zusammen und tommt in Berlin eine rechts- langt find. Warum hat man sie nicht dem Ministerpräsidenten radifale Staatsstreichregierung ans Ruder, dann sind alle vorgelegt und ihn erfucht, die fommunistischen Minister des Hoffnungen auf wirtschaftliche Besserung durch die neue Wäh- megen zur Rede zu stellen? Wäre das geschehen und hätte fich rung dahin, und die Wendung in der Außenpolitik, die Die Echtheit der Plakate ergeben, dann mußte die sozial Johannes Küchenmeister!( der das Mordauto gegen Rathenau fich jetzt ankündigt, wird wieder rückläufig gemacht. Innen- demokratisch- kommunistische Koalition in Sachsen erledigt sein. lieferte, Reb. b. 23.), deffen vom Bruder weitergeführter Betrieb politisch wird mit der schwersten Unterdrückung aller sozialen Statt dessen hat der Reichskanzler ein Ultimatum der Sammelpunkt aller Hafenkreuzter ist! Und beruhigen Sie mal und politischen Rechte der arbeitenden Massen zu rechnen nach Dresden gerichtet, das den Rücktritt der fächsischen Re- unsere Genoffen, die seit Montag die bekannten Freiberger Führer fein. Was in Ungarn unter Horthy , in Italien unter gierung fordert und für den Fall der Weigerung weitere der Nationalsozialisten, ferner viele Studenten als Reichswehre Mussolini , in Spanien unter Brimo de Rivera Maßnahmen anfündigt, worunter vermutlich die Ein- foldaten herumlaufen sehen! Diese Herren als Schüßer" der geschah und geschieht, wird durch das, was dann in Deutsch - fegung eines Reichstommiffars für Sachsen zu Republif in der Reichswehr des Herrn Geßler!!! Ist das nicht zume land bevorsteht, noch weit übertroffen werden. verstehen sein dürfte. Damit wäre die Reichserefutive gegen Heulen!!!" Gerade weil wir der Reichsregierung im unvermeidlichen Sachsen bis zu einem Grade vollzogen, wo jedes staatliche Kampf gegen die bayerische Konterrevolution alles Glück Eigenleben aufhört. wünschen, müffen wir ihr Verhalten Sachsen gegen= Der Entschluß zu diesem weitgehenden und Erregung Angesichts der neuesten Wendung der Politit gegen über als geradezu verhängnisvoll empfinden. Bollte ftiftenden Schritt ist vorschnell gefaßt worden. Wir zweifeln Sachsen ist es notwendig daran zu erinnern, daß seit Monaten die Reichsregierung gegen Bayern bestehen, so mußte sie alle nicht daran, daß die sozialdemokratischen. Mitglieder der eine systematische Pressekampagne gegen diefen Freis republikanisch gesinnten Kreise der Bevölkerung um sich scha- Reichsregierung ihre Bedenten gegen einen solchen Schritt staat geführt wird, die sich in den letzten Wochen zu einem wahren ren, das heißt, sie mußte vor allem der sozialdemokrati mit der gleichen Entschiedenheit erhoben haben, wie das hier erleumdungsfeldzug gesteigert hat. Die Schauernach schen Arbeiterschaft gegenüber ein Verhältnis her- geschieht. richten über angebliche Gewalttaten, die in einzelnen sächsischen Ortent. stellen, das auf unbedingtem gegenseitigen Bertrauen beruhte. Verschärft wird die Lage durch das Vorgehen der vorgekommen sein sollten, sind so oft wiederholt worden, bis Das aber ist durch die Art des Borgehens gegen Sachsen voil- Reichswehr . Was aus Freiberg berichtet wird, ist schließlich auch die Reichsregierung an sie geglaubt hat. ständig zerschlagen worden. einfach grauenhaft. Es ist die offenbare Folge davon, daß kratische sächsische Blätter haben gegen diesen Unfug aufs schärfste Difenbar aber glaubt die vorwiegend bürgerliche Regie man in die Reichswehr junge Leute neu eingestellt hat, denen Stellung genommen von der sozialistischen Presse ganz abge rung, für die notwendig werdenden Maßnahmen gegen jede Disziplin und polizeiliche Schulung fehlt, und die partei- schen-; trotzdem wurde er weiter verübt, bis jetzt durch das Bayern beim Bürgertum nur dann eine Stütze zu finden, politisch auf ein forsches Draufgängertum gegen alles, was Schreiben des Reichskanzlers an den sächsischen Ministerpräsidenten menn sie zugleich oder vielmehr zuvor mit noch größerer der offene Konflikt herbeigeführt wird. Schärfe auch gegen die Kommunisten vorgeht. Gerade jetzt aber gewinnt ein Telegramm wieder an Aktualität Schlußfurs 64,53 das vor einigen der nachbörslich 57,16 Partei in Zwickau an Reichs4

dem Marktplay, auf dem sich große Massen stauten. Aus noch nicht festgestellten Ursachen angeblich soll ein Schuß gefallen fein­eröffnete die Reichswehr , unter der sich zahlreiche neu Einge leidete befanden, ein Maschinengewehrfeuer, wodurch 14 Personen getötet und 40 verwundet wurden. Zehn Minuters später, als die Samariter ihres Amtes walteten, wurde nochmals ge< schossen, wobei 8 Tote auf dem Plazze blieben.

Zum Verständnis der Freiberger Borgänge mag auch ein uns zugegangener Brief beitragen, der vom 18. d. M. datiert ist und in dem es heißt: ,, Kommen Sie mal hierher nach Freiberg , der Stadt des

Der Schwindel über Sachsen .

Demot

Es måre falfch, zu behaupten, daß zu einem folchen Bor: Dollar in New York 16 Milliarden. Barber genau un ben Reichspräfibenten, ben Reiss

gehen fein wohlvorbereitete Kom­