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Nr.141.Jahrgang Ausgabe A nr. 1

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Bom 30. Dezbr. 1925 bis 5. Janume 1924 1 Billion oder 1 Goldmart vot aus zahlbar. Unter Kreuzband vont 30. Desbr. 1923 bis 5. Januar 1924 für Deutschland , Danzig , Saar- 11. Memels gebiet, Defterreich, Litauen , ngent burg 1,35 Goldmart, für das fibrige Ausland 1,60 Goldmart. Kreuzband jenbungen nur gegen wertbeständige Zahlung. Postbezugspreis freibleibend.

Der ,, Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und geit" u. Giedlung und Kleingarten", fowie der Inter haltungsbeilage Heimwelt" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal.

Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin

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Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands

Redaktion und Verlag: SM 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Revaltion: Dinhoff 292-295 Verlag: Donboff 2506-2507

Dienstag, den 1. Januar 1924

Vorwärts- Verlag G.m.b.H., SW 68, Lindenstr. 3 Postschecktonto: Berlin 375 36- Banttonto: Direktion ber Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasje Lindenstraße

Wahljahr 1924.

Wähler und Wählerinnen! Sozialdemokraten!

Entscheidungsschwer naht das Jahr! Benige Monate, vielleicht| Metallarbeiterverband, 60 Proz. der Textilarbeiter und gar 75 Broz. nur einige Wochen, und in den Reichstagswahlen werdet der Schuharbeiterverband als Kurzarbeiter. Bon den 15 Millionen Ihr über die Politit der Zukunft zu bestimmen haben. erwerbstätiger Arbeiter und Angestellten mußte etwa ein Drittel Früher noch werden in mehreren Einzelstaaten die Wahlen über Unterstüßung in Anspruch nehmen. Zugleich reduzierte die Geld. den sozialdemokratischen Einfluß auf Berwaltung und Politik der entwertung Löhne und Unterstügung auf Säße, nicht hinreichend, Länder entscheiden. Zurüddrängung der Sozialdemokratie, Aus- um mit dem Wochenlohn ein Pfund Margarine zu kaufen. schaltung ihres Einflusses ist die Parole der Realtion. In Thü Es ist diese schwere frise und nicht die eine oder die andere ringen haben sich alle bürgerlichen Barteien 3utaffifche Maßnahme, die die politischen Ereignisse der letzten Zeit fammengeschlossen, um die Wiederkehr einer sozialistischen erklärt. Sie Regierung zu hindern. In Sachfen verfolgen fie dasselbe Ziel, in beiden Ländern unterstügt durch die Spaltungsarbeit und Rata­strophenpolitik der Kommunisten. Bon den Reichstagswahlen aber erhofft die Reaktion die Krönung ihres Werfes.

Um Großes geht der Kampf!

Im alten Syfte.n stand eine starre Regierungsgewalt dem ohn­mächtigen Parlament gegenüber. In der Republik bestimmt der Reichstag , bestimmen die Landtage die Zusammenlegung der Re­gierungen. Die Wahlen entschelden unmittelbar die polisit, das Volt regiert sich selbst, von seiner Einsicht, von seinem politischen Bewußt­fein hängt sein Schidjal ab.

Furchtbar hart und grausam laften die Zeiten auf Euch, Arbeiter, Unrestellte und Beamte! Je schwerer aber der ökonomische Druck,

Sesto wichtiger wird Euer politischer Widerstand!

Der Krieg und die Friedensschlüsse, die den Krieg mit anderen Mitteln fortgeführt haben, haben mit riesiger Zerstörung von Pro­duktionskräften, mit der Vernichtung der Konsumfähigkeit Mittel­und Osteuropas, mit ungeheuren Vermögensübertragungen und der Zerrüttung der Weltwirtschaft geendet. Das stets durch Krisen ge­störte Bleichgewicht der tapitalistischen Produktion ist in schmere, langdauernde Unordnung geraten. In bisher unerhörtem Maße wurde

die Produktion brachgelegt

und Arbeitskräfte freigefeßt, zur felben Zeit, da die Wiedergut machung der Kriegsverwüstungen die höchste Anspannung der Pro­

duktion erfordert hätte.

Für Deutschland bedeutete die Offupation der Ruhr die Zer­schneidung feines Wirtschaftsgebietes, die Abtrennung von dem wich­tigsten Rohstoff- und Industriegebiet, die Stillegung seines wichtigsten und ertragreichsten Eisenbahnnehes. Eine furchtbare krije mußte die Folge der franzöfifchen Annegionspolifit fein. Solange der passive Biderstand dauerte, trug das Reich die Kosten. Biel zu lange feßte die bürgerliche Regierung Cuno trotz der Warnungen der Sozial­demokratie den Widerstand fort. Sie verschüttete die anfangs vor­

erschütterte die ökonomische Widerstandskraft der Arbeiterklasse und schwächte damit ihren politischen Einfluß. Denn der parla­mentarische Einfluß ist nur die Widerspiegelung der realen sozialen Machtverhältnisse der Klaffen außerhalb des Barlaments. Die Krife aber bedeutet eine momentane Machtverschiebung zuungunsten der Arbeiterschaft.

ben. Dazu kommt, daß durch die geplante Steigerung der Doh­nungsmieten auf Friedenshöhe eine außerordentliche Belastung berd breiten Massen droht, die neben der Arbeiterschaft auch ben Mittelstand auf das härteste treffen wird.

Inerbittliche Oppofition. der Sozialdemokratie muß erst rech das Bestreben der kapitalistischen Schichten hervorrufen, die Beit der Krise zur Zerstörung der sozialpolitischen Errungenschaften der Arbeiterschaft auszubeuten und die Berlängerung der Arbeit rücksichtslos durchzusehen, während Millionen feine Arbeit finben fönnen,

Mit der fozialpolitijchen Reaktion geht die politische Hand in Hand.

Der Ausnahmezustand, der als Abwehrmaßnahme gen Rahr- Bayern ins Leben trat, ist ausschließlich als Waffe gegen bi Arbeiterklasse angewandt worden. Mit feiner Dauer steigert sich die Gefahr der Militärdiktatur, wachsen an Zahl und Bedeutung die Mit großer Bucht gingen jetzt die großfapitalistischen und groß Eingriffe der Generale in die Zivilverwaltung, wird die verfassungs agrarischen Kreise zum Angriff. über. Eben noch hatte alles die mäßige Freiheit und Gelbstbestimmung des deutschen Bolkes felb Opferfähigkeit und die Hingabe der Arbeiter, Angestellten und Bemäßige Freiheit und Selbstbestimmung des deutschen Boltes felbl zur Ausnahme. Der Beseitigung des Ausnahmezustandes widers amten gepriesen, die die Stüben des Abwehrkampfes gewesen, an ftreben die bürgerlichen Barteien und die Reichsregierung. br deren Reichstreue alle Lockungen abgeprallt waren. Jetzt follten Weigerung bedeutet eine ernste Berschärfung der politisch- parlamen fie die Opfer jener Cuno- Bolik werden, deren Hauptträger Deutsch barischen Situation, deren Ergebnis die Auflösung des Rei nationale und Deutsche Bolkspartei gewesen waren. Schwerindustrie tags, die Befragung der Wähler sein wird. und Agrariertum gingen jetzt aufs Ganze:

Abbau der Löhne, Berlängerung der Arbeitszeit, Beseitigung der Demobilmachungsvorschriften, äußerste Einschränkung jeder Sozialpolitit, Beseitigung der sozialdemokratichen Minifter, gewaltsame Niederhaltung der Arbeitermassen, Preisgabe von Rhein und Ruhr, Beseitigung des Parlaments und Dittatur das waren die Parolen!

Die Deutsche Boltspartei, unterstügt von den Deutschnationalen und einem Teil des Zentrums, war das politische Werkzeug des tapitalistisch agrarischen Borstoßes. Er erschütterte zuerst und sprengte schließlich die Roalitionsregierung Stresemann. Nicht an der Bolkspartei, sondern nur an den maßlofen Forderungen der Deutfájnationalen hat es gelegen, daß diese Feinde der Republik und der Demokratie, die Befürworter der Gewaltdiktatur, die Organija­toren der illegalen Berbände und des Bürgerkrieges, die intellettu­ellen Mitschuldigen der tonterrevoulfionären Morde, nicht Teilhaber der Regierungsmacht im Reiche und in Preußen wurden!

Aber auch ohne parteimäßig abgestempelte Deutschnationale stellt die sozialistenreine, bürgerliche Regierung Marg eine Bedrohung für die arbeitenden Maffen

Auf den

Wahlkampf

gilt es deshalb unsere Organisationen, die, Arbelt der Partei ein zustellen! Früher als sonst müffen diesmal die Vorbereitungen be ginnen. Geldentwertung und Krise haben die Zahl der Befer unferer Barteipreffe, zum Teil die Mitglieder unserer Organisationen pers mindert. Durch intensivere Arbeit, durch emfigere mündliche al tation, besonders auch in den ländlichen Streifen, muß diefer Rad beil wettgemacht werden. Jene Kleinarbeit, die eben in Desterre und in England den Sieg gebracht hat, muß auch von uns me größtem Eifer gepflegt werden. Zugleich müssen für die Presse neue Leser, für die Organisation neue Mitglieder gewonnen werden. Mit Genugtuung fönnen wir darauf verweisen, daß die letzten Wochen mit ihren stabileren Geldverhältnissen in vielen Teilen des Reiches unsere Organisation an Einnahmen un Mitgliederzahl, unsere Bresse an Abonnenten gestärkt haben.

handene Möglichkeit, zu außenpolitischen Verhandlungen zu gelangen. bar; denn sie ist eine Regierung, die nur allzu start in die Ab- tische Dittatur errichten. Sie wollen die Laften des lleben

Sie unterließ jede energische Finanzpolitif.

Auf Euch, Arbeiter, Angestellte und Beamte, wurden durch die ver­derbliche Inflation die Kosten abgewälzt, auf Euch, die Ihr im be­fetten Gebiet die Hauptträger des Widerstandes gewesen seid! Der Verlust einer halben Milliarde Reichsbankgold, das An­wachfen der schwebenden Schuld auf 192 Trillionen Papier­mart, die Maffenverelendung infolge der Währungszerrüffung, das ist die Bilanz der bürgerlichen, von den Deutschnationalen unterstützten Regierung Cuno!

Die Politik des passiven Widerstandes mußte liquidiert werden. Die bürgerlichen Mittelparteien allein erklärten sich dazu außerstande, sie forderten die Mitwirkung der Sozialdemokratie. Um dem poli­tischen und wirtschaftlichen Elend Einhalt zu tun, um eine energijche Finanzpolitik durchzufezen, entschloß sich die Sozialdemokratie, die mitverantwortung zu übernehmen. Der passive Widerstand wurde beendet, eine Währungs- und Finanzreform in Angriff genommen. Aber der Starrfinn des franzöfifchen Ministerpräsidenten verhinderte jede Verhandlung über die Wiederherstellung des Wirtschaftslebens im befehlen Gebiet. Er steiger'e das wirtschaftliche Chaos und die politische Erregung. Mit furchtbarer Wucht brach die Krise über die arbeitenden Massen herein. Zwei Millionen Arbeiter wurden im besetzten Gebiet arbeitslos, gegen millionen im unbesetzten, zu denen die gleiche Zahl von Kurzarbeitern fam. 58 Prozent feiner Mitglieder zählte der

hängigkeit von den großlapitalistischen Interessen geraten ist.

Diefe Hoffnung muß zufchanden werden!

Die Gegner werden diesmal ihre ganze Finanz- und schaftskraft einsetzen. Sie gehen aufs Ganze. Gle fordernobie Alleinherrschaft zuriid, die sie vor dem Kriege ausgeütt haben. Sie wollen aufs neue thre wirtschaftliche und poli ganges, bie Laften des Ausgleichs mit der Entente auf die breiten Maffen abwälzen. Niedrige Löhne, lange Arbeitszett, Herrenmedit Die Sozialdemokratie hat Don jeher die Inflation in der Fabrit, auf dem Gutshof, im Staate is ihr Programm. Gie bekämpft, fie ist mit äußerster Energie für eine energische erhoffen feine Berwirklichung, wenn in den Wahlen die Arbeiterk Finanzpolitit eingetreten. Biel zu spät haben die bürgerlichen Bar fchaft, zermürbt durch das Elend des Krieges und der Nachkriegs teien, die jahrelang einen Blod der Steuerverweigerer gebildet haben, zeit, entmuligt durch die Krise sich politisch zurückdrängen fäßt, men diefe Notwendigkeiten erkannt. Erst als die fortschreitende Zerbie Sozialdemokratie geschwächt wird. rüttung auch die fapitalistischen Privatwirtschaf ten bedrohte, haben sie eingelenft. Jeht wendet sich die ganze Energie der bürgerlichen Regierung in erster Linie gegen die breiten nicht auf Hungerföhne und Ueberarbeit basierter Export wird be Maffen. Rücksichtslos vollzieht sie die Entlassung der An­gestellten und den Abbau der Beamten ohne irgendeine Garantie gegen reaktionäre Willkür. Sie werden zur Zeit der schwersten Strise auf die Straße gesetzt. Die Löhne und Gehälter der Staatsarbelter und Beamten werden zum Tell unter das Eristeriz. minimum gedrückt, die sozialen Unterstügungen auf einen Bettel reduziert. Die neuen Steuerordnungen bringen eine Herauffezung aller bisherigen Berbrauchsabgaben auf Friedenshöhe in Gold die Erhöhung der Umfassteuer auf Broz. In einer Zeit, wo infolge der Praxis der Berbände und der Erschwerung der auswärtigen Konkurrenz die deutschen Preise über Weltmarktshöhe sind, müssen die Konjumenten für alle Waren, die sie faufen, 10 bis 15 Broz. des Preises als Steuer zahlen. Dagegen sind Landabgabe und Be­friebssteuer zwei Monate vor ihrem Ablauf bereits beseitigt, find die Säge der Erbschaftssteuer ermäßigt worden, während die Ein­fommen- und Bermögenssteuer in ihren Erträgen schon wegen der Unsicherheit der Bewertung diese Ausfälle nicht kompensieren wer­

Krife überwinden, sondern Erweiterung des inneren Marites burch Steigerung der Kauffraft der breiten Tassen unb Derbesserte Technik und Organisation, wozu der Acht st un bentag 3mingt!

nicht zurüld in wirtschaftliche und politische Untertanenfchaft, sondern vorwärts zu freier Selbstregierung in der demolin fischen Republik , vorwärts zur Sicherung und Erweiterung des Mitbestimmungsrechts in den Betrieben und den Kontors,

Für reaktionäre Diftatur und somit Reaktion oder für die Repue blif, für den Aufstieg der arbeitenden Klassen, fo fit bei den Wahlen die Entscheidung gestellt. Deshalb, Barteigenossen und Genoffinmen, an die Arbeit mit ganzer Straft und sozialistischer Zuversichtlichkeit! Gorgt dafür, daß nach dem österreichischen und englischen der deutsche Wahltag zu einem Ehrentag der internttionalen Arbeiterbewegung werte!

Der Vorstand der Bereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands .