Wirtschaft
Hamburgs Notglüd.
Das Jahr 1923 war für die deutsche Wirtschaft ein Kriegs. sehr mit tatastrophalen Auswirkungen. Am beutlichsten wird das erkennbar, wenn fie am Einzelbeispiel unterfucht werden. In der Deutschen Bergwertszeitung" veröffentlicht Prof. Dr. Hennig in diesem Sinne einen beachtlichen Beleg. Er untersucht den Ber fehr des Hamburger Hafens, er ergab für 1923 einen Reford, der sogar die Zahlen von vor dem Kriege übertrumpfte. Prof. Hennig fchreibt etwa:
Geld- und Schwindelgeld zauberei. Unfer Genosse Professor Dr. Conrad Schmidt hat im Berlage Diez ein Büchlein herausgegeben, das Silvio Gesells Er tösungsbotschaft eingehend behandelt. Es ist sehr lefenswert. In der Einleitung schreibt Schmidt:
über Wesen und Rolle des Geldes in der modernen warenprodu zierenden Boltswirtschaft andeutend nachzuholen, um von hier aus die sich hinter der Barole seines fog. Schwund- und Freigelbes ver. als Ausgangspunkt das Rest von Konfufionen t'arzulegen bergen.
Ein Weg, der allerdings erhöhte Anforderungen an die Aufmerksamkeit des Lesers stellt, aber den Vorzug hat, daß er nicht nur Gesellschen Doktrinen führt, sondern auch Gelegenheit zur Entwick zu einem rein negativen Resultat, zur Einsicht in die Haltlosigkeit der lung einiger positiver Ausblide auf das Wesen und die Bedeutung des Geldes bietet.
Wir empfehlen unseren Genossen, das Büchelchen zu lesen, es lohnt sich.
fozialistischen Utopismus, der abseits von der großen Heerstraße der Neben dem bereits im Kommunistischen Manifest fritisierten Arbeiterbewegung, abseils von den aus der Lage der Arbeiterschaft felbst herauswachsenden gewerkschaftlichen und politifchen Kämpfen, der Menschheit Erlösung bringen will, geht ein anderer, im Grunde bürgerlich gesinnter, aber darum nicht minder phantastischer Utopismus einher. Ein Iltopismus, der unter voller Aufrechterhaltung der privaten Wirtschaft und ihrer Konkurrenz durch irgendeine an dem bisherigen Wirtschafts. Einziehung der alten Billionennoten. Wie wir erfahren, wer fyftem vorgenommene Korrektur alle Schäden derseben aus der Welt den in den nächsten Tagen neue Reichsbanknoten zu 10, 20 und 50 Billionen Mart in den Berkehr geworfen. Die jetzt fur. Der Franzose Proudhon , mit dessen hochtrabend geschwolfierenden Noten von 5, 10 und 100 Billionen sollen durch diese neuen lenem Buche die Philosophie des Elends" der junge Marr im Noten ersetzt werden. Ihr Aufruf wird unmittelbar nach der AusJahre 1845 in feinem glänzenden Pamphlet„ Das Elend der Philo gabe der neuen Scheine erfolgen. fophie" abrechnete, ist ein typischer Bertreter dieser Richtung, der hier und da auch heute noch Bewunderer findet. Solche, die feine Phantasien einfach übernehmen, wie solche, die feine Grundidee, die 1oziole Frage durch eine Geldreform zu lösen, noch übertrumpfen möchten. Bon diefem Sch'age ist der Schweizer Sil pio Gefell Manche Zeichen scheinen dafür zu sprechen daß die rührige Agitation, die er und seine Gläubigen seit Jahren entfalten, auch in einigen Streifen der Partei bereits Berwirrung anaeftiftet hat. So lohnt es sich wohl, diese allerneueste Heilslehre fritisch ein wenia näher anzusehen.
Man darf es als nahezu sicher ansehen, daß die Borgänge an Rhein und Ruhr ausgesprochen fördernd auf Hamburgs Berkehr eingewirkt haben. Das zeitweise nahezu völlige Erschaffen zu fönnen mähnt. liegen der Rheinschiffahrt tat natürlich dem Rheinmündungshafen Rotterdam schweren Abbruch. Ein großer Teil des Severkehrs, der sonst Rotterdam als Umschlagsplatz zu benuten pflegte, zog sich nach den Konkurrenzhäfen Hamburg und Antwerpen hinüber, wobei ersteres für das unbesetzte, letzteres für das befeßte Deutschland der Haupthafen wurde.
Immerhin ist es bezeichnend für die ungesunde und von Grund aus verworrene Lage, daß von 1922 zu 1923 in Hamburg wie in Antwerpen gleichzeitig ein Aufschwung des Bertehrs um je 10 bis 20 Pro3. erfolgte. In Rotterdam bagegen ein Rüdgang um nahezu 8 Brez. Hollands Geeverkehr hat also zu den Kosten der Ruhrattion beitragen müssen.
In folgenden genauen Zahlennachweisen spiegelt sich die genannte absonderliche Wirkung der französisch - belgischen Ruhrerpet4tion wider. Es betragen die Verkehrszahlen in: Zahl der Seelchiffe
1922
Bu- bz. 1923 bnab.
1922
8462 8069
--O
Netto- Neg.- Tons
1923
15 400 923 893 12 338 016 11 400 865 15 093 717
But bzw. Abnahme +2395 789 +-2000058
936 101
Antwerpen .. 8323 9351+1028 13 093 659 Während im Jahre 1922 Hamburg und Antwerpen ungefähr gleich starten Berkehr hatten- in der Zahl der Schiffe hatte Han burg ein deutliches llebergewicht. stand 1923 Antwerpen merf. lich
Gefells Hauptarbeiten erschienen zu einem starten Bande vereinigt, mit einer Widmung an Proudhon, unter dem ver. heißungsvollen Titel„ Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Frei land und Freigeld".( 1922 bereits in fünfter Auflage.) Er hat das Buch, vor ein paar Monaten erst, durch eine an die deutschen Gewertschaften gerichtete wirtschaftspolitische Denkschrift ergänzt, die geradezu groteste Anflagen wider die in den 70er Jahren in Deutsch land durchgeführte und bis zum Kriege aufrechterhaltene Goldmährung erhebt und mit Schlagworten der Doppelwährungsagita tien, die man längst für erlebigt hielt, arbeitet.
Bon irgendeinem Bersuche, sich über das Wesen des Geldes und tifh Rechnung die seiner die Rolle, die es in der heutigen Boltswirtschaft spielt, fyftema.
Auch in Frankreich Eisenbahndefizit. Auf eine Anfrage des französischen Abgeordneten Delefalle über den Güterverkehr und den Fehlbetrag der französischen Eisenbahnen in den Jahren 1921, 1922 und 1923 erteilte der Minister der öffentlichen Arbeiten eine Antwort, aus der sich mit dem Vorbehalt, daß es sich für 1923 um vorläufige Sahlen hand It, und daß die Angaben einige umbes deutende Linien nicht berücksichtigen folgendes entnehmen läßt: Güterverkehr Tonnen
Jahr 1921 1922 1923
0
0
•
9
.
-
wwww
Febibetrag Millionen
191 611 908 220 708 420 249 211 058
2088
1114
1288
Kampf um die Herabjehung der Börsenumfahsteuer. Der Bentralverband des Deutschen Bant- und Banfiergewerbes, der Börfen. vorstand Abteilung Wertpapierbörse, der Verein für die Intereffen der Fondsbörse zu Berlin , die Vereinigung von Berliner Banken und Banfiers( Stempelvereinigung), die Interessengemeinschaft der Berliner Brivatbankfirmen, die Mollerkammer, die Mallergemein beschlossen, am Sonnabend, den 8. März d. I., mittags fchaft fowie die Gemeinschaft der Berliner Börfenvertreter haben 12 11hr, im Saal ber Singakademie zu Berlin gemeinsam eine umfassteuer zu veranstalten, welche lediglich im Hinblick auf Die besonderen Berhältnisse der Inflations. wirtschaft im Berordnungswege eingeführt wor den sind, heute jedoch der Berechtigung entbehren und sowohl gung der Wirtschaft aufs schwerste beeinträchtigen, bas Funktionieren des Börsenorganismus als auch die Kapitalverfor
in der Lonnage, so doch um rund 30 Broz. in der Schiffs heißungen an einem so gewonnenen Maßstabe zu prüfen, ist bei Sunbgebung für den Abbau derjenigen Erhöhungen der Börsenzahl. Die sehr bedeutende Ueberflügelung Rotterdams durch beide ist um so auffälliger, als von 1919 bis 1921 Hamburg hinter Rotter Dom stets, zum Teil sogar sehr bedeutend, zurücktrat.
ihm nicht die. Rede. Kann schon darum nicht die Rede sein, da eine folche kritische Besinnung den Phantasmagorien, denen er nachhängt, Don vornherein ben Boden unter den Füken wengezogen, ja ihr Entstehen selbst unmöglich gemacht haben würde. Wir wollen verfuchen, das wenn auch in einer noch fo fummarifchen Betrachtung
Am eindrucksvollsten aber wirft die Tatsache, daß der Hafen verkehr in Hamburg 1923 felbft den der verkehrsreichsten Jahre Der Borfriegszeit, 1912 und 1913, übertroffen hat, wenn auch noch nicht in der Zahl der Schiffe. so doch in der bedeutungs volleren Gesamttonnage. Daraus ergibt sich, daß die Durchschnittsgröße der in Hamburg ein- und ausgehenden Seefahrzeuge 1923 größer als 1913 war. Tatsächlich betrug fie 1913 nur 942 NettoRegistertonnen, 1923 dagegen 1248 Netto- Registertonnen. Dicfe Taifache hängt freilich zusammen mit dem für uns weniger erfreu lichen Umstand, daß noch immer die ausländischen Flaggen mit einem viel größeren Bruchteil als die deutsche am hamburger Tonnageverfehr beteiligt find. Nachstehende Tabellen geben die Berkehrszahlen der drei großen Weizen- Auszugmehl fesiländischen Nordseehäfen für die beiden leßten Friedens- und die fünf Nachkriegsjahre vergleichend an:
Hamburrg Rotterdam Antwerpen
15 073
Zahl der verkehrenden Seeschiffe. 1912 1913 1919 1920 1921 15 774 2838 4868 8401 11 443 4328 5951 8009 7.056 4820 7698 8076 Netto- Registertons.
•.•
••
.
11 317
.••
7043
15 60-18,00 100,00-12,00
13.00-150,00
Preisnotierungen für Nahrungsmittel. ( Durchschnittseinkaufspreise des Lebensmittel- Einzelhandels je Zentner frei Haus Berl n) Preise in Goldmark. Gerstengraupen, lose 15.75-16,80| Malzkaffee, gepackt... 23,00 25,00 Gerstengrütze, lose... 15,75-16,80 Röstgetreide. lose Gerstengrütze, lose Haferflocken, lose.... 15,00-15,80 Kakao fettarm Hafergrütze, lose..... 15,50-16,25 Kakao, leicht entölt Ro genmehl 0/1 13,00-14,00 Tee Souchon 342,00-350,00 Weizengrieß 18,00-18,80 Tee, indischer 425,00-13,00 Hartgrie 22,90-25,50 Inlandszucker basis met 38,5 40,50 14.75-16,00 Inlandszucker Raffinade 41,00-43 00 17,00-21,00 Zucker Würfel. ...... 46,00- 48 00 19,25-23,00 Kunsthonig 40, 45,00 15,00 17,00 Zuckersirup hell in Eim. 49,00 20,25-24,00 Speisesirup dunk. in Elm. 33,00 35,00 30-31,00 Marmelade Einir. Erdb. 108,00-130,00 26,00-33,00 Marmelade Vierfrucht 33,00-55,00 36,50 40,00 Pflaumenmus in Eimern 46,00 50,00 4 15-45 00 Steinsalz, lose 3,7 4, 16,0 18,00 Siedesalz, Jose
7 Weizenmehl
Speiseerbsen, Viktoria Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, Perl
Langbohnen, handverles.
Linsen, kleine Linsen, mittel. Linsen, große Kartoffe meht
44
3.20
1022
10 838 8462 8823
1923 12 340 $ 069 9351
4.80
Makkaroni
Makkaronimehl
Schnittnude.n, lose..
40,00-45,00 Bratenschmalz in Tierces 36,00 33,0 Bratenschmalz in Kübeln 21,00-25.00 Purelard in Tierces
68,00
70,00
67,00
Bruchreis
15,517,5) Purelard in Kisten
68,00 69,00
17,00-19,50 Speisetalg in Packung
Ransoon Reis
Tafelreis, glasiert, Patna 2,00-31,00 Speisetale in Kübeln Tafelreis, java
48,00 52,00 47,00-49,00
31,00-36,0 Margarine, Handelsm. I 56, 0 115,00-125,00 desel II... 48,00-52,00 43,00-48,00 Margarine, Spezialm.i. 76,00 52,00-55,00 desgl.!!.
Hamburg 1912: 13 568 000. 1913: 14 195 496, 1919: 1870 000. 1920: 4 485 833, 1921: 9 532 801, 1922: 3 005 134, 1923: 15 400 923. Rotterdam 1912: 13 473 605, 1913: 13 915 543, 1919: 3 511 301, 1920: 7 609 777, 1921: 10 874 629, 1922: 12 338 016, 1923: 11 401 855. Antwerpen 1912: 11 697 358, 1913: 12 022 101, 1919: 4 458 290, Rosinen in Kisten, Candia 75,00 85,00 Molkereinutter....... 216,60-222,00
1920. 9 230 087, 1921: 11 033 125, 1922: 13 093 659, 1923: 15 093 717. Es wäre natürlich ein Irrtum, wollte man auf Grund der Zahlen annehmen, daß Hollands Hafen und damit Holland durch die Ruhrbefehung mehr gestraft worden sei als Deutschland Das festzustellen ist nur bei Abwägung der beiderseitigen Gesamt schädigung zu beurteilen möglich. Wir wissen, daß bei dieser Nach prüfung Deutschland der Staat ist, der am bittersten zu leiden hat. Aber die Zahlen des Hamburger Berkehrs zeigen, wie viel gestaltig die Auswirkungen der Ruhrbesetzung sind.
Rin äpfel, amerik. Getr Plaumen 90/100 Pflaumen, entsteint
.. 60,00- 65,00
85,00-95,00 Landbutter 60,00 90,00 Auslandbutter 145,00-160,00 Corned beef 12/6 lbs p. K. Mandeln, bittere Bari 130,00-150 00 Speck, galzen, fett... Zimmt( Cassia) 110,00-120.00 Quadratkäse Kümmel, holländischer. 145,00-150.0 Quarkkäse Schwarzer Pfeffer singap. 98,00-106,00 Tilsiter Käse, vollfett 1300-141,00 Tilsiter Käse. ha'bfett Rohkaffee Brasil 17,00-200,00 Ausl. ungezuck.Condensmilch 48/16
Weißer Pfeffer
Röstkaffee Brasil
Rohkaffee Zentralamerika240,00-300.00 Röstkafice Zentralam. 225 00-270,00 Inländische desgl. 48/12
315,00-400,00 Ini. gez. Condensm. 48/14 Heutige Umrechnungszahl 1000 Milliarden
18.00-19.0 216,00-222,10 35,00- 36.50 60,00- 64,00
Freie Einfuhr für Felle, Erze usw. Nach einer in der nächsten Rummer des Reichsanzeigers" zur Beröffentlichung gelangenden Berordnung wird mit Wirkung vom 7. März die Einfuhr ver schiebener Waren ohne besondere Bewilligung gestattet; insbesondere find zur Einfuhr freigegeben: Korthola, Korfabfälle, Sort und Korfmehl, zugeschnittene Kalbfelle, Rind- und Roßhäute, Lamm, Schafs, Ziegen, Kaninchen- und Hafenfelle, sowie Eisen- und Manganerze und Erdwachs.
Fachliteratur. Der Industrieverlag Spaeth u. Linde hat eine erste Einführung in die Verordnung der Guidbilangen von Dr. Rosendorff herausgegeben. In Stilles Rechts bibliothet ist von Dr. Goldbaum eine zusammenfassende Dar ftellung über Kartellrecht und Kartellgericht erschienen. Die Frantfurter Sozietätsbruderei veröffentlicht eine eingehende Darstellung der Steuern von 1924 auf Grund der 3weiten Steuernotverordnung.
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