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Nr. 11741. Jahrgang

2. Beilage des Vorwärts

Aufgeregte Szenen im Hitler- Prozeß.

Für und wider Kahr . Die beleidigten Ludendorff - Anhänger.

( 86.) München , 8. März.

General v. Epp jagt weiter folgendes aus: Etwa 150 Studen­ten, bie, politisch ganz verschieden eingestellt waren, tamen zu mir, und ich wollte ihnen nicht etwa eine Rede pro Kahr haften, sondern verhindern, daß weitere Dummheiten gemacht würden. Ich habe ben Studenten wohl einige Aussagen von Offizieren vorgelejen, aber feine Protokolle. Die Behauptung, ich hätte die Studenten veranlaßt, fich hinter Kahr zu stellen, ist unrichtig. Einer der Studenten hielt, meil er meine Worte gründlich mißverstanden hatte, fofort eine Icharfe Rede gegen Herrn v. Rahr. Es war dies der Sohn des Herrn Justizgrats RohL

Justizrat Kohl: Herr General Epp haf in dieser Versammlung Partei genommen, da er Roßbach Muilosigkeit und Hitler Worfbruch vorgeworfen hat. Im übrigen bin i stoly, daß mein Sohn als Bertreter der Deutschen Burschenfchaft erklärt hat, die Burschen­schaftler ftellten sich nicht hinter Herrn v. Kahr .

R.-A. G53: Ift Ihnen, Herr General, die geheime Dent. fchrift des Generals Loffow zugegangen? 8euge: Jawohl.

Ludendorff läßt sich kommentieren.

Hierauf wurde auf eigenen Bunsch Generalleutnant a. D. Hildebrand vernommen, der über Ludendorffs Ein. ftellung Befundungen macht. Der Zeuge erklärte, daß er ein Jugendfreund des Generals Ludendorff fei und mit ihm nicht nur während der Militärzeit, sondern auch jebt Fühlung gehalten habe. Am 9. November hörte ich das Gerücht, daß Ludendorff gefallen fei, fand es aber glüdlicheweise nicht bestätigt und traf meinen alten Freund in der Feldherrenhalle. uden borff war feelisch volltommen erschüttert, daß man auf nationale Männer gefchoffen hatte. Er hat fest an Kahrs Bort geglaubt und General Ludendorff hat mir versichert, Kahr sei niemals gezwungen worden, sondern jederzeit freier Herr feiner Entschließungen ge­mejen.

So verffand er es einfach nicht, daß Kahr umgefallen sei und daß er als Statthalter der Monarchie den Namen seiner Majestät

des Königs in eine Komödie hineingezogen hat. In der Tatsache, daß Kahr und Lessow ihm über die Lösung ihrer Bindungen teine Mitteilungen haben autommen lassen, daß sie feine Boben festgehalten und jeden Verkehr unterbunden haben, erblickte mein alter Freund einen glatten Berrat. Ludendorff hat fich an der Bewegung überhaupt nur beteiligt, weil er als Bafis ein Zusammengehen mit ber bayerischne Regierung, mit der Reichswehr und mit der Landespolizei für gegeben erachtete. Unb er ist dieser Bewegung trop des Fehl dylages treu geblieben, denn er fagte mir wörtlich:" Wenn ich Hiller verlaffen wollte, wäre ich ein gemeiner Schurte. Am Morgen des 9. November, als Luden Dorff erkannte, daß durch die Umstellung Kahrs und Loffows die Be wegung an fich erschlagen war, ist er es auch gewesen, der von einem Rudzug auf Rosenheim abhielt, wo Ber­ftärtungen zusammengezogen werden sollten. Er wollte beweisen, baß er ber völkischen Sache treu bleibe und riet deshalb den fried. lichen Zug in die Stadt, der mit Lug und Trug endete. Ich, ber ich jeder völfischen Bewegung fernstehe, bin mein ganzes Leben lang mit Ludendorff zusammengegangen und ich tenne ihn daher genau. Diefer Mann ist nur beseelt von dem Streben nach nationalem Bieberaufbau. Ich muß mich dagegen wenden, daß man Luben borff unterschieben will, er habe von einer blauweißen Gefahr gesprochen.

Ich weiß ganz genau, wie groß feine Berehrung für das Haus Wittelsbach , wie groß feine Liebe zum bayerischen Bolt und dem schönen bayerischen Lande ist.

Diefe Liebe hat ihn ja auch bewogen, fich hier in München anzu­fiebeln. Weiter möchte ich zur Frage bes Rulturtampfes, bie ja jetzt fo viel Staub aufwirbelt, noch folgendes fagen: Ludendorff liegt es vollkommen fern, etwa den Ratholizismus zu befehden. Er hat es vielmehr immer mit Friedrich dem Großen gehalten und ist der Anficht, daß jeder nach feiner Jaffon feelig werden soll. General Ludendorff ist ein fo tief religiöser Mann, wie ich noch nicht viele getroffen habe, und das Wort vom Gottvertrauen ist bei ihm feine Rebensart. Er schäßt die Segnungen der beiden christlichen Kon­feffionen gleich hoch und es ist deshalb ein Unfinn zu glauben, daß Ludendorff etwa den Katholizismus als solchen befämpfen wolle.

Justizrat v. 3ezimiz: Das eitle Gerebe in der Breffe über diese Frage ist ja nur Unfina Biffen Sie auch etwas über den sogenannten Ehrgeiz Ludendorffs, Don bem jetzt wieder gesprochen wird?

8euge: Auch hier fann ich nur versichern,

daß Ludendorff nicht ehrgeizig ist.

Seine Tochter hat mir erzählt, daß ihm im Kriege der erbliche Abelangeboten worden ist, und daß er ihn ausgeschlagen hat mit den Worten: Ich will den ehrlichen Namen meines Baters weitertragen. Ludendorff empfindet nichts als heiße Liebe zu seinem Baterland

Juftigrat Rohl: Ich möchte hier eine Aufklärung über Die weißblaue Gefahr geben, ein Wort, das Erz. Ludendorff untergeschoben werden foll. In Wirklichkeit liegen die Dinge fo: Ein Zeuge, nämlich der Leutnant Bod von der Infanterieschule, ist über die Unterhaltung zwischen den Kriegsschülern und Egz. Luden­borff von der Staatsanwaltschaft vernommen worden. Leutnant Bod hat bei ber Bernehmung erKärt, daß man über die weißblaue Gefahr gefprodyen habe. In Wirklichkeit und der Zeuge wird das hier vor Geridyt befunden wollte er fagen, baß man von der ultramontanen Gefahr gesprochen habe, denn in der Kriegs­fchule war man allgemein der Auffaffung, daß für Deutschland die ultramontane Gefahr größer fel

Neue Zusammenstöße.

Bu heftigen Zusammenstößen tam es bann wleber bei ber Ber. nehmung des folgenden Zeugen, des Oberstleutnants v. Berchem. Als der Borfizerbe ben 8eugen pereibigen wollte, melbet fich R.-A. Roder und erklärt: Wenn hier von Hochverrat so viel ge­fprochen wird, so trifft dieser Vorwurf auf den Herrn Berchem in ganz besonderem Maße zu. Ich muß deswegen gegen die Bereidi­gung des Zeugen profeffieren.

Borf: Diesen Ausfall gegen den Zeugen muß ich energisch rigen. Beuge in bodyfter Erregung: Es hieße geradezu die Ge. schäfte ber Angetlagten beforgen, wenn ich hier nicht vereibigt werden sollte.( Erregung und Ausrufe im Publikum.) R.-A. Dr. Luetgebrune: Ich möchte vermittelnd den Antrag ftellen, den Herrn Beugen erst nach seiner Aussage zu ver eidigen.

Zeuge v. Berdem: Man hat mir verschiedene Borwürfe gemacht, zu denen ich erfläre, daß ich bei der Ansprache in meinem Bataillon am 3. März 1924 ausbrüdlich erflärt habe, Beutnant Braun habe den Leutnant Cabella nicht erfchoffen. Ich weise darauf hin, daß Prof. Adolf Schmidt dem Beutnant Cadella bis 15 Minuten vor seinem Tode zur Seite ge­standen ist, und daß Cadella nichts davon gesagt hat, daß Braun ihn getötet habe. Ich habe ferner auch nicht den Ausdruck gebraucht,

meine Leute sollten jeden Zivilisten, der erflärt, Braun habe einen Kameraden getötet, aufs Maul schlagen. Ich habe vielmehr nach der unverantwortlichen Hezze des Hauptmanns Röhm gegen die Reichswehr meinen Leuten gesagt, fie sollen jeden feststellen, der falsche Vorwürfe gegen die Kameraden oder die Reichswehr erhebt und foldyen Edyvägern energisch über den Mund fahren. Juftizrat Schramm: Was diesen Angriff gegen den Haupt­mann Röhm betrifft, so werden wir uns an anderer Stelle wiedersehen.

Zeuge v. Berchem( sich stramm aufrichtend): Dazu bin ich jederzeit bereit.

Bors: Herr Justizrat Schramm, diese Bemertung Ihrerseits ist vollkommen unzulässig.

Oberstleutnant D. Berchem : Ich will hier auch den Leutnant Braun öffentlich in Schug nehmen. Er ist ein Offizier, der nicht so etwas tut oder sagt, was ihm von der Verteidigung vorgeworfen wird.

Justizrat Schramm:

Jhr Pathos, Herr 3enge, wird nun bald in ein klagelied ausarien.

bis mir restlos bewiesen wird, daß ich im Unrecht gewesen bin. Zeuge v. Berchem: Ich trete für meine Untergebenen ein,

Justizrat v. 8ezschwig: Ich muß dem Zeugen vorhalten, daß er General Ludendorff gegenüber sich einiger Herr Oberstleutnant v. Berchem einen Lagebericht herausgegeben, maßen merkwürdig benommen hat. Am 14. November hat in dem es heißt: General Ludendorff hat om 9. November erklärt, daß er sich mit Bolitik nicht mehr beschäftigen werde. Bei der Be­erdigung feines Dieners in München hat er aber erklärt, daß er bis zum Tode die völkische Sache vertreten werde."

Jch bemerke auch, daß Ludendorff bei seiner Bernehmung vor dem Ersten Herrn Staatsanwalt am 9. November nur erklärt hat, er werde bis zur Beendigung des Verfahrens fich nicht an einer politischen Bewegung beteiligen, die auf den Umstoß des Staates hinzielt.

Herr Oberstleutnant v. Berchem erhebt affo indireft gegen General Ludendorff den Vorwurf des Ehrenwortbruches. 3h habe an Herrn v. Berchem in diefem Sinne am 20. November geschrieben, und dieser antwortete mir, daß er einen Bericht auf Grund amtlicher Renntnis herausgegeben habe. Diese amtliche Mit teilungen an Herrn Oberstleutnant Berchem foll dahin gelautet haben, Era. Ludendorff habe dem Erften Herrn Staatsanwalt erflärt, für ihn( Ludendorff ) sei das deut dhe Bolf und die völkische Bewegung erledigt Ich erhebe gegen Herrn Oberffleutnant v. Berchem den Torwurf, doß er feinen Cagebericht mindestens fahrlässig abgefaßt hat. Zeuge: Es hat mir fern gelegen, Era. Ludendorff einen Ehrenwortbruch vorzuwerfen. Das wird von der Verteidigung aus meinem Bericht willkürlich herausgelesen.( Sehr erregt).

Wir von der Reichswehr haben es endlich fatt, uns von der Bevölkerung befpuden und beschimpfen u laffen für das, was wir für unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit erkannt und getan haben.

( Laute Protestrufe im Bublifum.)

R- A. Rober: Haben Sie, Herr Zeuge, Beiträge für den Lofiowichen Geheim bericht geliefert?

Zeuge v. Berchem: Es find von mir Aufzeichnungen dazu verwandt worden. Das Material hat Lossom mit hauptmann Rüdel zusammengestellt.

R.-A. Gademann: Ift dem Zeugen befannt, baß Major Sirn gestern ausdrücklich befundet hat, daß Oberleutnant Braun vor dem Auszug aus der Kaserne die Aeußerung getan hat: Wenn wir auf die Leute treffen, dann schieße ich bie Hunde nieder."

Oberstleutnant v. Berchem: Das weiß ich und ich mißbillige diese Aeußerung, aber sie steht body in feinem Zusammenhang bas mit, daß Braun behauptet haben foll: Ich bin Soldat, dafür werde ich bezahlt."

Auf weiteres Befragen der Berteidigung erklärt der Zeuge, baß er die sogenannte blauweiße Schrift nie gelesen und auch nicht das Geringste dazu beigetragen habe.

Justizrat Schramm: Burden Sie Ihr Urteil über Ober. leutnant Braun auch aufrechterhalten, wenn Sie erführen, daß Oberleutnant Braun die Behauptung zuerst glatt abge. leugnet hat und erst auf Borhalt erklärt hat, er tonne sich nicht mehr genau erinnern. Der Zeuge behält sich eine Erklärung darüber vor.

mein deutsches Gefühl beleidigt..

Die gereizte Stimmung, die während der ganzen Bernehmung des Oberfileutnant v. Berchem auf beiden Seiten herrschte, entlub sich dann plöklich in einem 3 wifchenfall General Ludendorff erhob sich und stellte feft, daß der Befehl zur Wegnahme des Som­mandos von General Coffom unterzeichnet jei. Der Befehl habe ge­lautet: Wehrfreistommando wird heute frühzeitig genommen." Oberstleutnant v. Berchem: Das fann fein, aber die Aus führungsbestimmungen tamen meines Wiffens von General v, Danner. Im übrigen fann ich mich nach pier Monaten doch nicht jcber Rleinigkeit erinnern, das würden Exzellenz auch nicht fönnen.( Unruhe im Zuhörerraum und Rufe wie unerhört". General Ludendorff : Für mich handelt es sich hier um eine Feststellung.

R.-A. Holl( fehr erregt): 3ch wollte an den Zeugen noch einige Fragen stellen, aber ich stelle fie jetzt nicht mehr, da diese Bemerkung des Zeugen zu Erz. Ludendorff mein deutsches Gefühl beleidigt hat.( Lebhafte Bravorufe, Sehr richtig. fo wars gut im Zuhörerraum.)

Borf: Ich habe von einer Beleidigung nichts gehört. Oberfileutnant v. Berchem: Ich habe lediglich gesagt, auch Erzellenz würden sich nach vier Monaten nicht mehr an jede Kleinigkeit erinnern.

Borf.: Diese Bemertung war vielleicht ungehörig ( Bottogott! Red.), aber sie ist doch keine Beleidigung. Ich habe teine Beranlaffung, den Zeugen zurechtzuweisen. R. A. Holl: Diese Bemerfung beleidigt jebenfalls mein deutsches Empfinden.( Erneuter Beifall im Zuhörerraum.)

Mit dem Rücken eine tiefe Verbeugung". Als nächster Zeuge wurde der Leutnant a. D. Heder ver­nommen, der bei seinem Eintritt in den Gaal mit dem Rüden zum Richtertisch eine fiefe Berbeugung vor General Ludendorff macht und sich erst dann zum Gerichtshof wendet. Leutnant Heder war Vertragsangefiellter im Wehrfreistommando. Er hat sich nadh feiner eigenen Aus'age am Abend des 8. November dem Rampfbund" mit Begeisterung zur Berfügung geftellt. Er war es, zu dem Oberstleutnant Kriebel in der Nadyt gefagt hat:

Sie find unfere lehte Hoffnung. Sie müffen Coffow zu einer Besprechung mit Ludendorff bringen. Alle anderen Boten find nicht wiedergefehrt."

Oberleutnant Heder fuhr dann mit dem Auto zur Kaserne von 1 19 und richtete dort seinen Auftrag an General v. Lossow aus.

Sonntag, 9. März 1924

Lossom, so befundete der Zeuge, erwiderte: Da das Wort ge­brochen ist, ist auch feine Berständigung mehr möglich". Er hat es dann abgelehnt, Erz. Ludendorff eine Mitteilung zukommen zu lassen. Ich durfte dann die Kaserne nicht mehr ver. laffen, da mir sonst die Schuhhaft angedroht wurde.

Borf: General Loffow foll gefagt haben: Das könnte Ihnen so paffen, wenn ich Ihnen meine Pläne aufgededt hätte. 3euge: Jawohl.

R.-A. Dr. Luetgebrune: Was sollte denn die Aeußerung Lossoms bedeuten: Das Wort ist gebrochen?"

Beuge: Hitler joll fein Wort gebrochen haben. Das bezog sich auf die Besprechungen im Frühjahr.

RA. Dr. Luetgebrune: Hat Lossom nicht auch gefagt, mit Rebellen wird nicht verhandelt,

Zeuge: Das Wort Rebellen ist gefallen, aber ich weiß nicht, in welchem Zusammenhang.

R.-A. Luetgebrune: War Kahr bei dieser Besprechung zugegen?

3euge:

Jawohl.

R.-A. Holl: 3ft dem Zeugen bekannt, daß Oberst v. Seißer In jener Nacht seiner Frau freudestrahlend mitgeteilt hat, daß die neue Regierung gebildet und er zum Reichspolizeiminister ernannt worden sei?

Zeuge: Mir ist berichtet worden, daß Hauptmann Schweigle dieses Gespräch mit angehört hat.

Ein Entlastungszeuge für Kahr .

Zu einem erneuten Zwischenfall tommt es dann, als der nächste Zeuge, Major v. 3m hoff von der Landespolizei München , auf­gerufen wird. Der Dorfihende sprach dem Zeugen bereits die Eides­formel vor, als mitten drin R.-A. Roder gegen die Bereidigung protestierte. Der Borsitzende blidte unwillig auf und meinte, man tönne thn doch unmöglich mitten in der Vereidigung unterbrechen. Darauf R.-A. Roder: Ich muß unbedingt gegen die Bereidi gung protestieren, wenn der Eid schon geleistet ist, dann ist es zu spät. Wenn hier von Hoch verrat überhaupt die Rede ist, dann tommt der Zeuge als Mittäter in Frage. Es ist feit dem 24. Oftober mit solcher Gröblichkeit von der anderen Seite Hoch­verrat unternommen worden, daß das, was wir getan haben eine verschwindende Kleinigkeit dagegen ist.( Seiterfeit im Zuhörerraum.) Wenn von unserem Hochperrat gesprochen wird, dann muß der Hochperrat der anderen Seite noch viel lauter in die Deffentlichkeit gerufen werden. Dieser Zeuge war bei allen diefen Dingen genau so beteiligt wie die anderen.

Erster Staatsanwalt Stenglein: Ich habe teinen Anlaß, anzunehmen, daß der Zeuge an dem hier zur Anklage stehenden Hoch­verrat irgendwie beteiligt war und bitte um seine Bereidi.

gung.

Rach furzer Beratung beschloß das Boltsgericht Major Im hoff zu vereidigen. Der Beuge geht dann auf zwei Ereig niffe ein, die nach feiner Angabe für die Haltung der Landespolizei wichtig waren, und zwar zunächst auf die Offiziersbesprechung beim Chef der Landespolizei am 8. Ottober. Wenn Ludendorff in seiner Aussage betent habe, Oberst Banzer habe damals gesagt, wer nicht auf die Nationalsozialisten schießen will, der foll seinen Abschied nehmen, fo fei dies Wort aus dem Zusammenhang geriffen. Den Anlaß zu der Offiziersbesprechung, so erklärte der Zeuge, boten die Gerüchte in der Bevölkerung, daß die Landespolizei niemals auf die Nationalsozialisten schießen werde. Es hatte den Anschein, als ab diefe Gerüchte mit voller Abficht verbreitet worden seien. Deme gegenüber stellte Oberst Bauer feft:

Für die Polizei gibt es nur Gehorsam und Pflicht. Gegen alle Umfiurzversuche wird rüdsichtslos eingeschritten, ob sie von rechis oder von links fommen. öligenfalls muß auch von der Schuß­waffe Gebrauch gemacht werden. Jeder Offizier muß fich prüfen, ob er einer folchen Belastung gewachsen ist. Wer das von sich nicht glaubt, der soll es offen und ehrlich bekennen. Unehrlich wäre es aber, wenn er es erst in dem Augenblid erkenne, in dem es hart auf hart geht.

bände belehrt und den Gerüchten entgegengetreten wurde. Es schade Banzer hat dann angeordnet, daß in diesem Sinn auch die Ber­gar nichts, daß auch den Nationalsozialisten, deren vaterländischen Bielen wir fympathisch gegenüberstehen, die Stellung der Landes­Dann war polizel befanntgemacht wird. am Bormittag des

8. November

eine Chefbefprechung bei Oberff v. Seißer, in ber biefer feststellte, eine Einigung mit dem Rampfbund" wäre bisher nicht möglich gewefen. Hitler und Ludendorff et strebten die Bildung einer nationalen Reichsregie. rung in Bayern und wollten sie mit Gemalt nach Norben vor tragen. Kahr war der Ansicht, daß ein solches Borgehen von Bayern aus zu einem abfoluten Mißerfolg führen müsse und daß er niemals dabei mittun würde. Ludendorff hat sich ver­pflichtet, nichts zu unternehmen, was ihn in konflikt mit der Reichs­mehr und Landespolizei bringen würde. Wenn er feinen eigenen Wen gehen müßte, so würde er seine Beziehungen zum General­ftaatstommiffariat loyal lösen. Hitler erklärte ebenfalls, daß er nichts unternehmen würde, ohne den Generalstaats tommiffar vorher zu verständigen.

Seißer fügte noch hinzu, daß an dem Wort Ludendorffs nicht zu rüffeln fei und daß er auch keinen Zweifel an Hitlers Worten habe. Ferner fagte Seiker, er habe sich bemüht, der Landespolizei die Notwendigkeit zu erflären, gegen nationalgejinnte Männer auf­frefen zu müssen, um so mehr als viele Beamte Berwandte und Bekannte im Kampfbund" hätten. Er hoffe, daß diese Not­wendigkeit auch fünffighin erfpart bliebe. Wenn aber die Führer der Bewegung nicht mehr Herr der Lage blieben, würde die Landes­polizei ihre Pflicht fun, auch wenn es ihr unendlich schwer fallen würde. Im Falle eines Putsches werde die Candespolizei gege benenfalls auch von der Schuhwaffe Gebrauch machen. Darüber felen den genannten Herren feine Zweifel gelassen worden. Weiter fagte Seiker: mit dem Namen Kahr . Cossow und Seißer wird an­fcheinend Mißbranch getrieben. So ift ein Flugblatt, das von Gene­ ral v. Coffor unterzeichnet war, beschlagnahmt worden, mit dem Coffow überhaupt nichts zu tun hatte.

Der Zeune schildert dann die Ereignisse am 8. und 9. November. Als er am Abend des 8. November die Polizeidirektion verlassen wollte, tam ihm atemlos ein Kriminalbeamber entgegen, der ihm meldete, daß die Versammlung im Bürgerbräu über­fallen und die Regierung gestürzt fel. Major v. Imhoff begab sich daraufhin sofort in das Geschäftszimmer zurüd und ging bann zum Offizier vom Dienst, der ihm die Nachricht bestätigte und ihm mitteilte, Oberamtmann Dr. Frid habe sich bereits nach der Lage erfundigt und geraten. zunächst die Landespolizei nicht einzufeßen. um Blutvergießen zu vermeiden. Der Major Imhoff alarmierte die Landespolizei, um Verstärkungen be reitstellen zu lassen Inzwischen rief auch der diensttuende Beamte des Generalstaatstemmissariats, Regierungsrat Baron v. Frey­berg, an, der ihm u. a. mitteilte, daß weitere Verbände ber Nationalsozialisten im Anmarsch seien. Daraufhin wurde die ge­famte Polizei in Bereitfd) aft gefeßt und die heran­ziehung auswärtiger Berstärtungen besprochen. Es wurde auch die Hauptpost und das Telegraphenamt befeht, eine