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Abendausgabe

Nr. 12041. Jahrgang Ausgabe B Nr. 60

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Vorwärts

Berliner Dolksblatt

7 Goldpfennig

70 Milliarden

Dienstag

11. März 1924

Berlag and Anzeigenabteilung Gefchäftszeit 9-5 Uhr

Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhof 2506-2502

Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands

Der Statthalter der Monarchie".

Oberputschift Kahr als Zeuge.

BS. Munchen, 11. März. Die Kontrolle war heule, am 12. Berhandlungstage, besonders forgfältig. Rahr selbst, der schon lange vor der Gigung mit seinem Mitarbeiter aus dem Generalstaatsfommiffariat, Oberstleutnant Forster von der Landespolizei, erschienen war, blieb bis zu seinem Aufruf in dem für die Zeugen reservierten Zimmer. Um 9 Uhr betrat das Gericht den Saal und Landgerichtsdirektor Neidhart eröffnete die Sigung. Im gleichen Augenblid fast erschien Kahr. Unauffällig näherte er sich dem Richtertisch, vor dem er, den Rüden hartnäckig den Angefiagten zugewandt, Aufstellung nahm. bittet den Borsigenden, in zusammenhängender Weise die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Berhältnisse vor dem Putsch aufrollen zu tönnen und liest seine Rede vom Manuftript ab.

Er

Bors: Erzellenz, ich will mich im Zusammenhang mit den Shnen bekannten Borgängen am 8. und 9. November befaffen. Ich nache Sie aber darauf aufmerksam, daß Sie vorderhand unbe idigt gehört merden.

Kahrs Vorlesung.

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Zeuge v. Rahr: Ob vereidigt, ober unvereidigt, ist mir gleich gültig. Ich werde sagen, was die Wahrheit ist. Am Nachmittag des 26. September 1923 wurde ich zum Generalstaatstommiffar ernannt. Ich war bestrebt, bie bagerischen Belange zu fügen und sie staatliche Macht im Lande zu feftigen. Ich felbft ging von dem Brundsatz aus, daß der Staat der starte Schuß und Zusammenhalt aller nationalen Kräfte fein muß. baß er allein feinen Bürgern Schuß and Sicherheit verleiht. Ich ließ aber auch feinen Zweifel darüber, ich die Mach befugnisse, die mir übertragen worden waren, nicht sur im Intereffe Bayerns, fondern vor allem des jroßen deutschen Baterlandes verwalten. mollte. Meine Umtstätigkeit fiel in die Zeit der schwersten wirtschaftlichen, poli­ischen und sozialen Berhältnisse Deutschlands hinein. Deshalb will h hier auch in großen Züren den wirtschaftlichen und poli'ischen hintergrund zeichnen, aus dem heraus sich die Komödie vom 8 No sember abgelöst hat. Die Ernennung des Rabinetts 5tresemann läßt sich etwa vergleichen mit der Zeit des Prinzen Mar. Der Kanz'er Stresemann hatte das Kabinett der großen Koa­ition selbst als die lehte parlamentarische Möglich teit bezeichnet und gegen Ende seiner Amtstätigkeit tauchte das Direttorium auf, für das bereits verschiedene Namen genannt vorden waren. Dann kam der Rücktritt des Kanzlers Stresemann. Die innerdeutsche gespannte Lage wurde durch den Eintritt der kommunisten die sächsische und thüringische Regierung noch erschärft Die wirtschaftlichen Verhältnisse waren ernstester Natur an ganzen Reich. Die Währung verfiel immer mehr und mehr and die Arbeits ofigteit stien von Tag zu Tag. Die Währungsfrage war deshalb der Kern aller zu lösenden Probleme. Sie war aber ' r mo- lich bei Aufrechterhaltung der ftaatlichen Macht. Biele Kreise Drängten im Oktober auf eine felbftändice Währungsregelung in Brnern. Jch fret dem entgegen, um auch nur den Schein einer Birtschaftsevaration Bayerns zum Reich zu vermeiden. Denn nicht aur in polifischer, fondern auch in wirtschaftlicher Beziehung ist Bayern auf das eneste mit dem Reich verknüpft. Am schlimmsten varen die sozialen Berhältnisse. Die Kommunisten arbeiteten in geschickter Ausnutzung des Elends, das überall im Lande herrschte, auf eine Revolution hin. Ende Oktober nahmen die Blünde : ungen in Berlin , Hannover , Leipzig . Anhalt usw. ernfteften poli­schen Charakter on. Barern hatte damals die Aufgabe, affe Kräfte es Staates zu festigen und diese zusammenzuhalten zur Feftigung Der Staatsau'orität im Reich.

Alle ratoraten Kreise waren davon überzeugt, dak nar eine Umgestaltung der Regierung im Reid eine Befferung der unhaltbaren Cage bringen fonnte. Man war der Unficht, daß nur ein überparteifiches Direfforium diefer Rieser ufgabe gewachten fein fonnte. und daß dieses Direktorium die Aufarbe hatte, die Ehre der Nafion wieder­herzustellen und, geftüht auf eine ftatte militärische macht, frei von parlamentarischen Einflüffen, fief ein­fchneidenden Mahnahmen zur Reffung des Vaterlandes zu befchließen. Es fchien mir notwendig. daß von der Unitari­fierung der letzten fünf Jahre zurüdgearngen wurde auf eine gefunde Dezentralisation im Sinne Bismards, und das wir nach feinem Grundfah arbeiten mußten, wo­nach gefunde Staaten die Grundlage für einen starten Staat bisten. Im Infereffe der wirtschaftlichen Gestaltung muhie das überparteiiche Direttorium tommen. Und an dieser Auf­gabe hatte Banern febstverständlich mitzuarbeiten. Dabel , und das betone ich ausdrücklich, dachten wir nicht etwa an eine militärise Egefution, wie es immer dar­afie: wird, sondern wir wünschten einen starten poli­fifchen Drud auf die Reichsregierung auszuüben. Di Hitler Richtung hatte sich inzwischen in Bayern stort entwickelt. Ich hatte erfahren, daß Hitler bestrebt war, über die banerischen Grenzen hirauszugehen, und daß man die Bereri che Regierung unbehelligt lassen wollte, wenn sie nur den Vormarsch nicht hinderte. Lossow, Eeißer und ich empfanden diese Gecanten gänge Hitlers und feiner Freunde als ebenso bobenlos wie fatastrophal. Lossom rnd Seiker unternahmen es, den Herren das Undurchführbere und Schädliche ihres Planes auseinanderzu fegen, weil sie noch Beziehungen zu Ludendorff und Hitter unter hielten, während ich zu Filler seit Beginn des Frühjahrs 1923 in feiner Beziehung mehr stand, ba er meiner wiederholten Auf forderung zur Entgegennahme von Mitteilungen für feire Organi fation zu mir zu formen, nicht entsprochen hatte. Meine Be­ziehungen zu Ludendorff waren rein gesellschaftlicher Natur. Es war mir flar, welche fürchterlichen Folgen ein bayerischer Marsch nach Berlin für Bayern , das Reid) und die nationale Bemegung haben müffe. Eine völlige Seriolagung des

seit dem Jahre 1920 allmählich erfolgten nationalen Aufbaues und der inneren staatlichen Festigung in Bayern , eine völlige Verwirrung aller Geister im Lande wäre bie Folge gewesen. Budem war es mir bekannt, daß weder Hitler noch Ludendorff in Bayern in weiten Streifen, insbesondere auf dem Lande, als bayerische Führer angesehen wurden

Es schien mir andenkbar, daß die bayerische Regierung einem folchen Vormarsch ruhig zusehen konnte, wenn sie überhaupt noch den Namen einer Regierung verdiente. Bayern wäre dadurch aufs fieffte ins Verderben gestürzt worden und hätte den letzten Reft feiner Selbständigkeit verloren. Ueberdies mußte in diesem Falle mit einer militärischen Affion Frankreichs , mit der Be­fehung wichtiger Handelsstädte, mit dem Einmarsch der Tschechen und Polen gerechnet werden. Das waffenlose Deutschland mußte in einem folchen Konflift unterliegen. Aber auch im übrigen Reich hätte diefes Borgehen nicht nur zum Bürgertrieg, fondern, zu fatastrophalen Zuständen geführt. an einem Teil der nationalen Kreise Norddeutschlands wird der In einem Teil der nationalen Kreise Norddeutschlands wird der Name Ludendorff wegen feiner außenpolitischen Wirkung, Hitler aber unter allen Umständen abgelehnt. Ein Bormarsch Hitlers hätte zu einem zweiten Kriege 1866 geführt und die Folge ge­habt, daß das einzige pflichtreue und achtungswerte Machtinstru ment des Reiches, das in mühevoller Arbeit des Generals von Seedt und seinen Offizieren geschaffen war, die Reichswehr , die legte Baffe gegen den Bolschewismus, zerschlagen wurde. Wohin wir auch sahen, erblickten wir alle bei einem solchen Borgehen nur rauchende Trümmerhaufen, Zerstörung und völligen Zusammenbruch. Es bestand auch kein Zweifel daran, daß, selbst wenn die Reichswehr und die Landespolizel fich in Bayern beteiligt hätten, das Unternehmen faum weit über die Donau oder gar über die Landesgrenzen hinaus gefommen wäre. Es fehlte der jo genannten nationalen Armee an allem: An Bellei bung. Ausrüstung, Waffen, Munition und Geld. Die Requifitionen, die kommen mußten, hätten zu einer inneren Zerfegung geführt, hätten die Truppen in den Augen der Bevölkerung zu einer Räuberbande herabgefeßt, die man dahin wünscht, wo der Pfeffer wächst, und gegen die man zum Schluß mit den Waffen vorgeht. Es ist nicht wahr, daß diesem Zuge von allen Seiben bewaff nete Scharen aus dem Reich zugeftrömt wären. Wir haben auch wiederholt darauf hingewiesen, daß die Reichswehr sich durch den Namen Ludendorff nicht zum Ungehorsam gegen ihre Führer ver. leiten lassen würde. Wir haben uns diefem Plan, in Bayern die Reichsdiktatur auszurufen und sie mit Waffengewalt vorzutragen, entschieden widerseht. Jedes derartige Unternehmen, von wem es auch ausgeführt wurde, war von vornherein zum glatten Mißerfolg verurteilt. Auf der anderen Seite waren wir uns darüber klar, daß das Dieftorium im Reich wahrscheinlich auf den Widerstand der Kommunisten und der Gasse stoßen würde.

Zur Feftigung des Direfforiums sollte daher außer der Nord­deutschen Reichswehr und den jonfigen Kräfte auch die in Bayern entbehrlichen Machtmittel auf Anruf zur Verfügung ftehen.

Deshalb war es notwendig, die bayerischen Kräfte zu sammeln und ein starkes Bayern zu schaffen. Ich hatte den aufrichtigen Wunsch, die nationalen Kreise, wenn auch nicht unter einen Hut zu bringen, was bei den Gegenfäßen nicht zu erwarten war, doch wenigstens auf eine einheitliche nationale Linie einzustellen. Deshalb habe ich als Generalstaatstommiffar am 27. September die Vertreter aller Ber­bände eingeladen, es war meine erste Besprechung im neuen Amt. Ich habe dort das nationale Ziel für Bayern und das Reich dar gelegt und um die Unterstützung der Berbände gebeten. Ich habe aber auch feinen Zweifel daran gelassen, daß die Staatsautori. tät zu ihrem Rech tommen müsse, ich habe unbedingte Unter ordnung verlangt und betont, daß ich gegen jede Ausschreitung vorgehen müsse. Mit Ausnahme des Kampfbundes erklärten mir alle Berbände, daß sie sich der Arbeit des Generalstaa'skommissariats zur Berfügung stellen und sie unterstützen würden. Von dem Kampf­bund war statt der Herren Hitler . Kriebel und Dr. Weber nur Dr. v. Scheubner- Richter erschienen, der erklärte, daß er nur zu informatorischen Zweden erschienen und zur Abrabe von Erklärungen nicht berechtigt fei. Ich verlangte daraufhin, daß die Herren mir umgehend noch am selben Tage eine Erflärung über bie Haltung bes Rampfbundes zukommen laffen müßten. Diese Ert'ärung trag Nachmitag ein, es wurde in ihr eine abwar. tende Stellungnahme des Kampfbundes angefündigt und feftnestellt, daß die Schaffung des Generalstaatsfommiffariats ohne Fühlungnahme mit dem Kampfbund erfolat fei. Hitler hat sich dann auch bei Seißer beschwert, daß seine 14 Berfamm'ungen verboten, und daß er als Führer der größten Organisation nicht als erster zu der Besprechung eingeladen worden sei. Er setzte hinzu. ich( Rahr) ftände im Banne der Kurie, meine Reife ginge nach Paris , feine Reife dagegen nach Berlin Oberft v. Seißer trat dieser Auf foffung, allerdings ohne Erfola, entgegen. Nun fchritt die völkische Breffe zum vellen Angriff. Ich ließ zuerst die Schriftleiter ver­marnen, um die Brüde nicht abzubrechen. Loffow und Seißer blieben mei'er in Fühlung mit Hitler .

Mir schien es ror allen Dingen wichtig, weiterhin dem Gedanken einer Diktatur Hitler- Ludendorff en gegenzutreten. Es ist bei den folgenden Besprechungen immer betont worden, daß ein folches Internehmen auf den Widerstand der Reichsmehr und Landespolizei stoßen würde. Beiter wurde mir berichtet, Sitler habe erflärt er würde sich gegenüber dem Generalstaatsfommiffar neutral verhalten und nichts tun, ohne Lossow und Seißer u benachrichtigen. Am 6. Oftober hatte ich dann eine Be prehung mit der Presse. Ich betonte dort, daß die Voraussetzung für die Achtung eines Boltes das Vorhandensein einer Staats. autorität und einer Staatsgewalt fet. Um fie wieder herzustellen. Sei es notwendig, alle Kräfte für den Staat zusammen zufaffen. Mit dem deutschen Bolt dürfe man heute feine Experimente

mehr machen. Jm Oftober beftand dann die Wahrscheinlichkeit, day die bayerische Reichswehr vom Reichswehrministerium zur Ber­wendung in Sachsen und Thüringen tommen würde, und daß in folchem Fall. auch wie das bisher gehandhabi war, ten Reichswehr­fommandeuren Zivilfommiffare zur Stelle gestellt wurden. Am 6. Oftober ließ mir Dr. Frid mitteilen, ich möchte doch Oberlandes gerichtsrat Böhner eine Unterredung gewähren.

Die Unterredung mit Pöhner.

fand am 7. November statt. Ich tam auf die radikale Entwidiung in Thüringen und Sachsen zu sprechen, sowie darüber, daß das Aufgebot der banerischen Reichswehr zur Wieder. herstellung der Ordnung in Frage fomme. Da in diesem Falle dem betreffenden Reichswehrgeneral ein 3ivi Itommissar zur Seite gestellt werden muß, wäre es vielleicht eine Aufgabe, die Pohner interessieren tönnte. Ich als Generalstaatsfommissar kei nicht berechtigt, einen solchen Rommissar zu befehien, das bindlich mit ihm darüber sprechen. Böhner erwiderte, er ſei fei vielmehr Sache des Ministeriums. Ich fonnte daher nur uncer eventuell bereit, tas Rommiffariat für Nordbayern mit späterer Verwendung in Sachsen und Thüringen zu übernehmen, bereit, bei weitgehendsten Bollmachten mitzumachen. wenn seine Bollmachten entsprechend bemessen mürden. Er jei nur An Bayern selbst habe er fein Intereffe. Er interessiere sich nur für das große Deutschland . Ich erwiderte darauf, daß die Mindesta bedingung für die Gründung des Reiches die Gefundurg der Einzel­staaten wäre. Das war die einzige Aussprache mit Böhner bis zum 8. November. Ich hatte die stille Besorgnis, daß Pöyner im Falle einer Berufung durch die banerische Regierung seine Stellung als Kommiffar zu einer einseitigen Bevorzugung bes Rampfbundes benuhen würde, was zu neuer Zwictracht in den Verbänden und zu einer Machtstellung führen müßte, die bei der Eigenart Böhners Reibungen zur Folge haben müßte. 2n fang November verbreiteten sich dann Gerüchte, daß in den Water ländischen Verbänden mit übereilten Schritten in Sachsen und Thüringen gerechnet mürbe. Deshalb habe ich am 6. November die Führer der Verbände zu mir berufen. Ich verwies warnend auf diese Gerüchte und gab gleichzeitig meinem Mikfallen darüber Ausbrud, daß mit den Namen Kahr, Lossom und Seißer in Nordbayern Mißbrauch getrieben würde, daß diele Namen unter Schriftstücke gefeht würden, die mit derartigen Unternehmungen in Verbindung gebracht wurden. Ich erklärte, daß ein solcher Unfug unterbleiben müsse, daß ein solches Berhalten unwahrheit und un­treue bedeute.

Ich sprach dann davon, daß die Arbeit an der nationalen Sache weitergehen müffe, daß im Reiche die Regierung einer ftarten nationalen Regierung weichen müffe, entweder auf dem nor­malen Wege der parlamentarischen Entwidlung oder auf dem annormalen Wege für den die Verhandlungen im Gange jelen, nämlich auf dem Wege des starten politischen Drudes der Macht­fattoren im Reiche, der Landwirtschaft und der Berbände. Jedes gewaltsame Borgehen, so betonte ich, sei zum Schaden des Baterlandes und müsse un'erbleiben. Ich verlangte Unterord nung und Disziplin. Das Schidjal Deutschlands dürfe nicht davon abhängen, daß irgendeiner Organisation ihr Geld ausgehe. Die bayerische Reichswehr und Landespolizei würden niemals einen Rüstriner Butsch mitmachen. Wenn die Verbände fich nicht unter ordnen würden, dann müßten sich unsere Bege trennen, dann hätte ich in Reichswehr und Landespolizei ausreichende Mi'tel. um meinen Willen durchzusetzen. Lossom erklärte dann noch in scharfer mili­tärischer Form:

Die Reichswehr wird gegen jeden Bufsch militärisch eingreifen. Die Reichswehr läkt fich nicht in einem zweiten Kapp- Putsch hineinziehen, fie erklärt fich aber mit einem polifischen Drud einverstanden.

Lossow wandte sich dann noch scharf gegen einen furz vor der Be fprechung aufgedeckten, befolgten und vom ampfbund" stam menden Befehl, in dem mit der Unterschrift Lossows die Losung 2 uf nach Berlin " gegeben wurde. Oberst v. Seiker erflärte, baß die Landespolizei hinter dem Generalstaatstommiffar stände. Der Zweck der Besprechung war der, ein eventuelles Unternehmen irgendeines Verbandes zu verhindern. Damals erhielt ich von Großadmiral von Tirpit aus Berlin ein Sárciben, in dem er be­fonte, es bestände hohe Wahrscheinlichkeit dafür, daß sich die Dinge in Deutschland feftigten. Er habe aber die Sorge, daß der Kampi bund" durch einen Borstoß nach Sachfen und Thüringen alles wie­ber verloren gehen lassen würde. Ich teilte Tirpitz mit, daß ich tun würde, was in meinen Kräften stände, um ein solches Vorgehen zu verhindern. Eine militärische Attion gegen Berlin oder der. gleichen fam für mich, Lossow und Seiser niemals in Frage. Wir hörten aus dem Norden, daß dort kein Machtfaktor vorhanden war, an den sich ein solches Unternehmen anlehnen könnte.

Ich habe die Einjehung der bayerischen Madtmittel nur für den Fall in den Bereich der Möglichteit gezogen, daß die Ver­hältniffe im Norden fich ähnlich entwideln würden wie im Früh jahr 1919 in München . Als Seißer mich fragte, was er den norddeutschen Herren auf ihr Borhalten nur von Bayern tönne die Rettung fommen" und auf ihre Frage, ob Bayern im Falle einer fommunistischen Erhebung Norddeutschland hefen wirde, an worten sollte, erklärte ich, Bayern wird die naflorale Sache im Reich nicht im Stich laffen. Genau so, wie nichtbayerische Trup­pen im Jahre 1919 an der Befreiung Münchens teilnahmen, wird Bayern den not eidenden Staaten helfen, wie es auch 1920 feine Reichswehr ins Ruhrrevier gefchidt hat. Aber helfen fönnen wir nur auf Wunsch.

Die Zusammenkunft mit Ludendorff . Das Schreiben, das Oberstleutnant Kriebel am 7. Rovember an die Verbände rerich'et hat, beweist, daß die Herren sich darüber klar waren, baß Rahr, Lofsom und Geißer gegen jeden Butsch manu