Der demokratische Parteitag..
Weimar , den 6. April. ( Tul.) Am Sonntagmorgen wurden die Verhandlungen fortgesezt. Zur Debatte stand wiederum das Thema ,, Staat und Wirtschaft", über das der Gewerkschaftsführer Gustav Schneider sprach. Der Redner ging davon aus, daß alle Arbeit die Befreiung Deutschlands zum Ziele haben müsse. Deshalb sei eine Bersöhnung der Klassengegensäße notwendig. Die steigende Auswanderungszahl sei ein Warnungszeichen. Die deutsche Industrie hat ihren Weltruf durch Qualitätsarbeit begründet. Ohne Qualitätsarbeiter muß sie ihre Wet= bewerbsfähigkeit verlieren. Die wichtigste Frage fei und bleibe die Steigerung der Prodution. Die Arbeitsgemeinschaft habe in den den okratischen Arbeitnehmern die stärkste Stüße. Aber die Arbeitsgemeinschaft dari teine Form annehmen, die feinen Inhalt hat. Auf beiden Seiten muß der Wie zu gemeinsamer Arbeit vorhanden sein. Tatkräftige Sozialpolitik ist die notwendige Ergänzung der privaten Wirtschaft. Die Invaliden- und Angestellenversicherung müsse umgestaltet werden. um so durch verantwortliche Mitarbeit in der Wirtschaft die feste Grundlage für die moralische Verpflichtung und gemeinsame Lebenshaftbarkeit des ganzen Volkes"
zu gewinnen.
Das Referat über„ Bolf und Boden" hielt der Braun
schweigische Staatsminister Rönneburg . Er gab zunächst einen Ueberblick über die Verteilung von Grund und Boden, deren Ungerechtigkeit auf die Dauer nicht aufrechterhalten werden könne. Hier eine Gefundung zu erwirken, sei daß Ziel der demokratischen Bodenpoliit. Wir müssen uns von dem falschen Bodenrecht lösen, daß der Boden nur dem gehört, der ihn bezahlen fann, nicht dem, der ihn braucht. Die Nationalversammlung hat neue Wege gewiesen. Gesekentwürfe liegen vor und werden dem neuen Reichstag beschäftigen. Wir müssen soviel erzeugen, daß die Einfuhr vermindert werden fann. Stca'spolitisch ist für die Zukunft des Reiches der Wille der Landwirtschaftlichen Bevölkerung ausschlaggebend, sich als Träger des Staates zu fühlen und zu betätigen.
Zu dem Thema: Die Erhaltung der Kultur im verarm'en deutschen Staat" führte die Referentin, Oberlehrerin Emmy Beckmann , Hambura, folgendes aus: Auch der verarmte Staat hat die Pflicht der Erhaltung der Kultur. Wir wünschen, daß in Deutschland das Reich bestimmenden Einfluß auf fulturelle Bestrebungen behäl. Der neue deutsche Staat hat die Aufgabe, die Kultur unferes Boltes zu demofratifieren, er muk alle Sorgfalt der Schule, Fortbildungsichule, Volkshochschule , den Boltsbüchereien zuwenden, aber auch die Pflege des fünstlerischen und religiösen Heimatgutes sich angelegen sein lassen. Ebenso not
wendig wie diese breite Volkskulur ist dem demokratischen Deutsch
land tie Pflege der Wissenschaft.
Damit waren die Referate beendet. In der Aussprache wider soraden Professor Dr. Baumgarten Kiel unter lebhafter Zustimmung dem Gedanken an einen tein bürgerlichen Regierungsblod. Nachdem noch einige andere Redner zu Worte Nachdem noch einige andere Redner zu Worte gefommen maren, fakte.der Barteitag das Ergebnis ber Besprechungen in folgende Willenskundgebung zusammen: In Weimar , an der Geburtsstätte der deutschen Demokratie und Republik , an der Stätte, an der das deutiche Geistesleben seine höchste Entwicklung fand, erflär die DVP.: Im Zeitalter des Materialismus und Nüglichkeitslebens bekennt sich die DBP. zum deutschen Idealismus. Aus diesem Idealismus fließt der unerschütterliche Glaube an Deutschlands nationale Sendung, an Deutschlands nationale Zukunft. Wir fämpfen und ringen für Deutschlands Freiheit nach außen und Deutschlands Gleichberech Miguna unter den großen Völkern der Welt. Deutschland und die Welt müssen aus den Fesseln des Bersailler Dittats und aus den Barden der Schuldlüge befreit werden. Das Selbstbestimmungs. recht der Bölker muß auch bei uns Wahrheit werden! Wir kämpfen für eine vernünftige Regelung der Reparationen, die Deutschland und Eurova aus dem 10jährigen Kriegszustand befreit. Wir wollen und Girona aus bem a naprigen Reitter Demetratie, Der
Repubiit.
Die Kundgebung wurde einstimmig angenommen. Mit dem Gelang von Deutschland , Deutschland über alles", schloß der offizielle Teil des Parteitages.
TM
Ministerwahlreden.
Je näher der Wahltag heranrüdt, um so mehr werden wir Sonntags mit Bahlreben der verschiedenen Minister beglüdt. Gestern sprachen der Reichskanzler Marg in Barmen, Dr. Stresemann in Kiel , Dr. Jarres in Elberfeld . In den Reden aller Minister werden bezeichnenderweise die außenpoli tischen Fragen am eingehendsten behandelt. Der Ablauf der Micum- Verträge, die bevorstehende Veröffentlichung des Gutach tens der Sachverständigen zwingen die Regierung, sich gegen die deutschvöltische Agitation zu wenden. Dr. Marr sprach in Barmen von der Zwangsläufigkeit der Außenpolitik" und betonte:
Gerade weil wir uns in tiefster Scele deutsch fühlen und nationale Gesinnung nicht nur auf den Lippen tragen, darum muß imuner wieder betont werden, daß Politik nicht eine Sache des Herzens sondern Sache ruhiger Ueberlegung und falter Vernunft ist. Und fühle Ueberlegung muß uns sagen, daß nach dem Berlust des Weltkrieges auch die durch den Friedensschluß uns auferlegten Lasten getragen werden müssen, soweit es in den Grenzen unserer Leistungsfähigkeit liegt. Diese Bolitik wird am schärfsten von völkischer und deutsch nationaler Seite angegriffen. Man wirft uns Mangel an nationaler Gesinnung vor, weil wir auf Berständigung init dem übermächtigen Gegner bedacht gewesen sind und jede Möglichkeit benutzt haben, um zu Verhandlungen über unsere Leistungen aus dem Friedensvertrag zu gelangen. Der Friedensvertrag foll zerriffen werden, wir sollen jedee Leistung aus dem Fredersvertrag verweigern!
Wahrhaftig, es tönnie Herrn Poincaré fein größerer Gefallen geschehen, als wenn einmal eine deutsche Regierung so töricht wäre, diefer Aufforderung Folge zuleiffen. Die Herrschaften hüten sich auch wohl, die Folgen eines folchen Tuns darzulegen. Es ist geradezu Wahnsinn, ein wehrloses Boll zum Widerstand gegen eine hundertfach überlegene Armee, ausgerüstet mit den modernsten Kriegswerkzeugen, anzustacheln. Es ist Verbrechen am Baterland, durch Aufveifschung nationaler Leidenschaften Zwietracht in unjer Bolt hineinzufragen, wo uns allein einmütiges und entfchloffenes Auftreten eine gewiffe Stärte nach außen zu verleihen vermag. Es würde den Zerfall des Reiches, bie völlige Zerrüttung des deutschen Volkes zur Folge haben, wenn wir dem wahnwißigen Berlangen rechtsradikaler Kreise nach
tommen wollten"
Herr Stresemann war in seinen Aeußerungen auch gestern wieder vorsichtiger. Es ist Wahlkampf, und die Partei der ,, Rettensprenger" glaubt, ohne Verbeugunger gegen die Rechtsparteien nicht auszukommen. So legte er ein gutes Wort für die Baterländischen Verbände ein, betont, daß die Franzosen fein Recht hätten, Demonftrationen der Deutschvölkischen und Deitschnationalen für ihre Politik auszunuzen und versichert, daß auch ergt für Erfüllungspolitik eingetreten ist.( Bielleicht hofft er mit Hergt bald in einer Regierung zu fizen. Dr. Jarres bekämpft die Schuldlüge und verlangt die Wiederherstellung der Staatshoheit im besetzten
Gebiet.
Um gegen das Münchener Hitler- Urteil ihre Stimme zu erheben, fand sich die Berliner Arbeiterschaft in großer Menge am Sonntag Dormittag in der Brauerei Friedrichshain ein. Das Referat hielt Genosse Dr. Paul Levi. Seinen anderhalbstündigen Ausführungen wurde mit höchster Spannung gelauscht. Der Redner führte u. a. aus:
durch eine andere! Nicht allein durch Gewalt geschieht dieses. Auch Es ist ein eigentümliches Ding um die Beherrschung einer Klaffe geistige Fesselungen sind es, die feit jeher ununterbrochen an der Unterdrückung des Volkes mit am Werke sind. In erster Linie die Mythe von der Göttlichkeit des Königtums. Diese Gnade Gottes breiict es auch auf die anderen Unterdrückungs- Institutionen aus, insbesondere auf die Justiz. Die behauptet aber, über dem Tagesfampf, über der Politik zu stehen. In Wirklichkeit jedoch war sie ftets nichts anderes, als das unbewußte Werkzeug in der and der Klasse, deren Angehörige die Richter selbst sind. Indes sie glaubten, göttliches Recht zu sprechen, waren sie tatsächlich nur der lebendige Ausdruck der bestehenden sozialen Verhältniffe. Die Justiz in Deutschland hat aber schon seit langem aufgehört, nur ein unbewußtes Werkzeug der Klassenherrschaft zu sein. Die Richter wissen nur zu gut, daß sie die Waffe nicht des Staates, sondern eines Teiles der Staatsbürger gegen den anderen Teil führen.
Die Justiz ist politisch geworden.
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Sie war es, als das außerordentliche Gericht die Mörder Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs frei ausgehen ließen, sie war es auch, als im Jahre 1920 zum ersten Male auf Anregung des Oberreichs: Landesverräter stempelte. Mit diesem Richterspruch begann der anwalts das Reichsgericht in Leipzig einen deutschen Bürger zum Berfall des Reiches. Wie sah nun der Mann aus, der im Mittelpunkt der völkischen Bewegung stand Ludendorff ! Man hätte ihm, als einel geschlagenen Feldherrn, mitfühlen können, dern in dem Schicksal eines solchen Mannes liegt eine tiefe Tragit. Es ist auch nicht immer der äußere Erfolg, den die Geschichte mit Lorbeeren bedenkt. So ist der Nachwelt nicht der Namen eines Scipio, fnodern des von ihm geschlagenen Hannibals geläufig, nicht Größe dieser Männer ist nicht so sehr in ihren Siegen zu suchen der eines Hamiltons, fondern der des besiegten Napoleon . Die als darin, wie sie ihre Niederlage zu tragen verstan den haben und ſich ſchweigend zurüdzogen. Und Ludendorff? Cr hat das Schicksal des deutschen Boltes auf niesen Schultern ge= tragen, hat mit ihm gespielt und es verspielt; und dann stellte in die Schuhe. Er sprach vor den Münchener Richtern, daß er er fich wie ein feifendes Weib hin und schob anderen die Schuld Tannenberg und andere Siege verförpere, daß er in der Stille feiner Studierstube im Gene: alstabshause am Königsplak um die Seele des deutschen Boltes gerungen" habe; er vergaß aber zu er
Unter dem Hakenkreuz.
ver
zählen, deß er es war, durch dessen Schuld das deutsche Heer auf Sm Gipfel des militärischen Glücks die Marneschlacht ver= loren hat und daß durch seine Schuld, als ihm das Glüd 1917 nach dem Zusammenbruch der rumänischen Armee und nach der Februarrevolution wieder einmal winfte, er es war, der in feinem. Welteroberungswahn die deutschen Armeen im Osten und im Nor schuldet hatte, warf er das Schwert beiseite und floh nach den Rußlands verftreute, anstatt fie rach dem Westen zu bringen. Und als er Deutschlands Zusammenbruch Schweden . Und in ihm dem eitlen Narren im Glück und dem fahwächlichen Hypochonder im Unglück, fieht ein gewisser Teil des deutschen Volkes jetzt den Befreier Deutschlands ". Das Gericht in München hat ihn freigesprochen, weil er nur das, gewollt haben soil, was Sie bayerische Regierung wollte. Was hat aber die gewollt? Hochverrat hat er begangen,
als er, trotz der vor feinen Augen vorgenommenen Verhaftungen der bayerischen Regierung, Führer der nationalen Armee geblieben war. Es gab eine Zeit, wo deutsche Richter Eingriffe in die Wehrverfassung des Reichs anders beurteilten. Karl Liebknecht war es, der nur für die Verbreitung einer Broschüre, die die Agitation unter dem Militär zum Inhalt hatte, 2% Jahre Gefängnis erhielt, und der jeßige Parteifreund Ludendorffs, Sepp Derter, wurde wegen Hochperrat zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt. Ludendorff ging aber frei aus. Man fann wahrlich von ihm, dem Millionen Toe geopfert worden sind, mit dem griechischen Historiker Plutarch sagen: Als Feldherr hat er seinem Vaterland nichts genuht, aber den Feinden gegen sein Vaterland viel. Die vom Genossen Künstler eingebrachte und begeistert aufgenommene Resolution
hat folgenden Wortlaut:
,, Das Urteil des Boltsgerichts gegen Hitler- Ludendorff bedeutet Die Kapitulation der Staatsgewalt vor den deutschvölkischen Bandenführern. Innen- und außenpolitisch bedeutet es den beginnenden Zusammenbruch der Republik , die ihre inneren Feinde. freiläßt, während sie Tausende von Arbeitern, die für die Sache der Repu gedenk aller Opfer für die Sache des Proletariats rufen wir die blik gefämpft haben, in Gefängnissen und Zuchthäusern hält. EinArbeiter Deutschlands auf, im Kampf für den Sozialismus sich zusammenzuschließen und so aus höchster Not das zu retten, was für ihre Sache in Deutschland zu retten ist. Hitler - Banden fönnen uns niederringen." nicht retten, nur ein einiges Proletariat wird alle feine Feinde
Mit einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemo fratie schloß die Versammlung. Die zahlreich anwesende Polizei zu Fuß und zu Pferde hatte feinen Anlaß einzuschreiten..
frau des Führers Matthes wurde auf der Stelle getötet. Eine andere Infaffin, Frau Marie Priebe aus der Novalisstraße 14, trug einen schweren Bruch des linken Oberschenkels davon und mußte nach dem Hedwigs- Krantenhaus transportiert werden. Die übrigen Infassen sind mit Hautabschürfungen davongekommen. Nach Zeugen aussagen dürfte die Schuld dem Führer treffen, der übermäßig schnell gefahren ist. Die Leiche der Frau Matthes wurde nach der Friedhofshalle in Tegel gebracht.
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Neue völkische Beerdigungsdemonstration in Eichwalde . Die Beisetzung des Ruhrgefangenen Wilhelm Dreyer in Eichwalde wurde erneut von den nationalistischen Berbänden zu einer politischen Demonstration ausgenutzt. In Sonderzügen wurden die Abordnungen der einzelnen Ber: bände befördert, die zum größten Teil militärisch unifor miert waren und zahlreiche Fahnen mit sich führten. Waffen Am Sonntagnachmittag erfolgte an der Ede der Pfauen= waren, außer den zahllosen Handstöcken und Knuppeln, zwar weiter infel- Chaussee und der Königstraße in Bannsee nicht zu sehen. Daß aber die Herren fich für alle Fälle porbereitet ein Zusammenstoß zwischen einem Personenkraftwagen und einem hatten, beweist der Befehl eines Führers auf dem Bahnsteige:" Die Radfahrer, dem Assistenzarzt Dr. Bonsbach- Westend. Hierbei fuhrGummiknüppel unter die Jackel"" Das. Mitführen von her hagenführer- Richard, Krüger aus 28umersdorf auf der aus Hakenkreuzfahnen hatte der Kriegerverein Eichwalde als Beranſtal gegenüberliegenden Bürgersteig und gegen einen Bargarten, wobei ter der Trauerfeier ausdrücklich abgelehnt. Deshalb fah man auch drei weitere Berfonen verlegt wurden, darunter der 16jährige als acht große Hatenkreuzfahnen urt Dreßler aus Friedenau , der auf dem Transport nach deme nicht weniger wehend im 3uge, ganz abgesehen von den zahlreichen Hafen städtischen. Krankenhause in Potsdam verstarb. Der angefahrene Preuzarmbinden und dergleichen neben einer Unzahl von Radfahrer erlitt einen doppelten Schädelbruch und mußte nach dem schwarzweißroten und blauweißen Bannern. Eine Ab- Krankenhaus Westend gebracht werden. Der Führer des Autos soordnung der„ Baltifumer" erschien mit zwei Totenkopffah wie dessen Ehefrau und seine Tochter, die im Wagen faßen, wurden nen! Die in Preußen verbotenen Nationalsozialisten und herausgeschleudert. Die Frau erfitt hierbei eine schwere Rüdenverdas reitorps Lühow tamen besonders zahireich, in millegung: die Tochter blieb unverlegt. Das Auto selbst wurde start tärischer Gruppenkolonne formiert. Ebenso start erschien der berüch beschädigt. tigte bayerische Faschistenbund Oberland" mit einer besonderen Offizierskompagnie. Der Bismardorden, der Deutsche Herold " und die zahlreichen deutschnationalen Jugendverbände jeder Art wurden von Offizieren in Friedensuniform und mit ge chultertem Degen geführt, die Mannschaften" diefer Berbände waren halb wüchsige Jungen und Mädchen von 13 bis 17 Jahren. Die Farben der Republik waren nirgends zu jehenfie hätten fich auch dieser Umgebung fämen müssen. Nach der Trauerfeier in der evangelischen Kirche wurde der Sarg unter dem Borantritt eines Musikkorps der ehemaligen Gardepioniere nach dem Friedhof übergeführt und dort unter militärischen Ehren beigesetzt. General v. d. Golg hielt eine fu.ze Gedächtnisrede, in der Trener mit Schlageter verglich und den baldigen Radbefrieghe& heater infolge Kurzschlusses cin Bühnenbrand, bei tem
er
verkündete.
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Die Schupo hatte umfangreiche Schuhmaßnahmen getroffen, fo Daß es zu feinen Störungen fam. Am Görlizer Bahnhof wartete vorzogen, unter polizeilichem Schuße einzein und mit eine große empörte Menge auf die Hakenkreuzler, die es aber eingerollten Fahnen zu verschwinden.
Der Prozeß der Giftmischerin Gentschow. Die erste Verhandlung des neuen Schwurgerichts. Zum ersten Male trat heute früh das Schwurgericht in der neuen Besetzung zusammen, in dem drei Richter und sechs Geschworene zusammen das Richterfollegium bilden und gemeinsam über Schuldfrage und Strafmaß beraten Die bisherigen Geschmorenenbänke bleiben unbesetzt. Der erste Straffall, den das Schwurgericht des Landgerichts II heute abzuurte len hat, betrifft die Giflmi cheraffäre der Rose Gentschow. Sie ist beschuldigt, im Jahre 1922-23 in vier Fällen Männer an fich relockt zu haben, ihnen Betäubigungsmittel, teils Opium, teils Morphium, in die Getränke gemischt und die dann Betäubten ausgeplündert zu haben. Dabei ist der Tod eines ihrer Opfer, des Kaufmanns Hempel erfolgt. Die Anklage vertritt Staatsanwaltschaftsrat Loch. Der Vorsitzende des einer längeren Ansprache an die Deffentlichkeit. Darauf wurden die Schwurgerichts, Landgerichtsdirektor Duft, eröffnete die Sigung mit Schwurgerichts, Landgerichtsdirektor Duft, eröffnete die Szung mit Geschworenen vereidigt. Dann erhob R.- 2. Brandt Einwendun gen und Bedenken gegen die Rechtsgültigkeit des neuen Schwurgerichts Diese Bedenken seien nicht nur von der Anwaltschaft, sondern auch von Kreisen des Reichsgerichtes erheben worden. Nach kurzer Beratung wies das Gericht den Einwand der Verteidigung zurück und trat in die fachliche Verhandlung ein. Die Angeklagte Rose Gentschow ist eine schlanke, blonde Frau mit start verlebten Gesichtszügen, fie steht im 33. Lebensjahr und ist ftarfe Morphinistin und Kotainistin. Sie befindet sich, da sie von den Gerichtsärzten für haftunfähig erklärt worden ist, seit einiger Zeit auf freiem Fuß. Der midizinisch hochinteressante Fall hat die Buziehung eines ganzen Kollegiums von Sachverständigen erforder lich gemacht. Es find anwesend: Professor Dr. Strauch, Prof. Dr.
Fränfl, Dr. Thiele, Dr. Straßmann und der Gerichtschemifer Dr. Brüning.
Schweres Automobilunglück bei Tegel . Am Sonntagabend um 7 Uhr fuhr ein Opelwagen von den Kem. erich- Werken, Karlsbad , der mit sechs Berforen befezt war und von Hennigsdorf kam, in der Nähe der Försterei Tegelgrund gegen einen Baum. Der Anprall war so start, daß sich der
Was die Reichsregierung wirklich will, fann man freilich aus den Ministerreden nicht entnehmen. Es ist fraglich, ob die Undurchfichtigkeit der Regierungsabfichten nur Politik nach außen hin ift oder ob nicht alte Gegensäge darin zum Ausdruck fommen. Die schönen heroifchen Reden, in benen fich Dr. Stresemann neuerdings gefällt, werden aber auf die Außenweit kaum Eindruck machen und Dor allen Dingen die deutsche Regierung nicht von dem 3wang besagen überschlug und sämtliche Infassen samt dem Führer freien, au fagen, was fie eigentlich will: Phrase oder Bolitik?
auf das Chauffeepflaster geschleudert wurden. Die 28 Jahre alte Che
glücklich eine erste Sigung abgehalten, in der von den vorliegenden Der Unterausschuß zur Vorbereitung der Bürgermeisterwahl hat 48 Bewerbungen 19 von vornherein ausgeschaltet wur den. Die restlichen Bewerbungen find auf die Mitglieder des Unterausschusses zur Bearbeitung und Berichterstattung verteilt. In der zweiten Sigung soll eine weitere Aussiebung stattfinden, bis schließlich vielleicht ein Duhend übrig bleibt, die in die engere Wahl tommen. Die ganze Arbeit wird im Interausschuß mindestens zwei Lesungen erfordern. Man wird also noch lange warten können, bis ein Bericht an den Hauptausschuß fällig wird.
Theaterbrand. In der Nacht zum Sonntan enistand im Deut. verschiedene Vorhänge und Kulissen vernichtet wurden. Das Feuer wurde mit dem Haushydranten gelöscht.
dem Hause Schillerstraße 102 gerufen, wo in dem Atelierge
Großfeuer. Am Sonnabend abend wurde die Feuerwehr nach bäude des Maters und Bildhauers Professor Frid durch Kurzschluß Feuer ausgebrochen war, welches feine Wohnungs- und Ateliereinrichtung vollständig.. Dernichtete. Der Sachschaden ist bebeutend.
Bahnhof Gneisenaustraße. Heute vormittag fand eine erste Besichtigungsfahrt der neuen Strede der Nord= füdbahn vom Bahnhof Gneisenaustraße, Ede Mittenwalder Straße über Bahnhof Belle- Alliance- Straße bis zum Halleschen Tor statt. An der Besichtigungsfahrt nahmen der Oberbürgermeister Mitglieder des Magistrats, der Liefbau- und Verkehrsdeputation, des Verkehrsamtes und des Aufsichtsrats der Nordsüdbahn teil. Die Besichtigung fand in einem der neuen agen statt, mit denen der Betrieb der zwei neuen Bahnhöfe am 15. April aufgenommen. werden soll. Besonders der neue Bahnhof Belle- Alliance- Straße erregte allgemeines Aufsehen durch seine wirkungsvolie architektonische Ausgestaltung.
Der Kreisausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Kinderschuh verLehrgang für Allgemeine und Jugendwohlfahrt. Heute spricht Dananstaltet zusammen mit dem Jugendamt Brenzlauer Berg einen Lehrgang für Allgemeine und Jugendwohlfahrt. Heute spricht Danziger Straße 64 um 6% Uhr Genosse Ra chow über die sozialen Aufgaben der Schule.
Humboldt Hochschule. Die Etbit der Weltreligionen behandeln in einem Surjus Dienstag, abends 8 Uhr, Dorotheenstr, 12, Pfarrer Nitbad Sta hn.( Protestantismus ), Kaplan Fahse!( Statholizismus), Rabbiner Dr. Beiße( Judentum), Dr. Herbert Benzel( Buddhismus und Flam).
Deutschland " in New York eingetroffen. Wie die HamburgAmerikalinie mitteilt, ist der neue Dampfer Deutschland " nach einer glänzend verlaufenen Reise bereits am Sonnabend in New York eingetroffen.
Groß- Berliner Parteinachrichten.
4. Kreis. Prenzlauer Berg . Dienstag abend 6%, Uhr: Wichtige furze Besprechung mit den Abteilungsleitern bei Burg, Brenzlauer Allee 189. 4. u. 5. Kreis. Dienstag, den 8. April, atends 8 Uhr: Gigung der Bildungs ausschüsse bei Gott, Anibrobe Ede Barbelebenstraße. Tagesordnung: Matteier. 21. Abt. Dienstag abend 7 Uhr: Funktionärversammlung bei Kroll, Utrechter Straße 21. Sämtliche Betriebsvertrauenslente miffen zur Sigung erscheinen. 98. Abt. Mitimo, den 9. April: Abteilungsversammlung, abends 7 Uhr, Schule Mariendorfer Weg. Genosse Stadtrat Schneider spricht über: Stunft und Proletariat".
108. Abt. Röpenid. Dienstag, abends 7 Uhr, Treffpunkte: Dammvorstadt: Boka Schulz; Röllnische Borstadt: Rajajte, Rudower Str. 21; Riegborstadt: Btigk Müggelheimer Str. 42.