bisher kein Sterbenswort gehört. Aber gegen den Vorwärts" und seinen verantwortlichen Redakteur, unseren Kol legen Ernst Reuter , wird ein Landesverratsverfahren angestrengt, weil in dem Göz- Brief Angaben über die Her funft der nationalsozialistischen Waffenrichtige oder falsche- enthalten waren.
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Recht haben, ihre Verteidigung fo einzurichten, daß fie vor Angriffen sicher sind, aber die Worte des Innenministers lassen den gewagtesten Kombinationen Spielraum und können nur die eine Wirkung haben, den Scharfmachern auf der anderen Seite ein neues Schlagwort zu liefern. Es wird Zeit, daß der Minister, der die Wirkung seiner Worte und Gesten offenbar nicht abzuschätzen versteht, verschwindet, ehe er noch größeres Unheil anrichtet.
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An zuständiger Stelle wird die Richtigkeit der offiziösen fran. zöfifchen Darstellung der Gnadenmaßnahmen für Dreyer besta. tigt, ebenso die Tatsache, daß Hoesch und Stresemann der fran zösischen Regierung ihren Dank für die Freilassung des inzwischen Berstorbenen ausgesprochen hatten. Bon einem Abrüden von der Rede des Herrn Jarres hört man hingegen natürlich nichts: Das Schick. fal der Ruhrgefangenen und Ausgewiesenen ist auch nicht so wichtig, wie eine schöne nationale" Agitationsparole für die von der äußersten Rechten so start bedrohten Deutschen Volkspartei ....
Am Tage nach der Veröffentlichung, am 4. Februar, erflärte die bayerische Regierung, der Vorwärts" habe„ durch die Bekanntgabe der Mitteilungen über die geheimen Gewehr- und Munitionsbestände einen glatten Landesverrat begangen, der nicht ungeahndet bleiben fönne". Die bayerischen Regierungsstellen setzten sich dieser halb sofort mit der Reichsregierung ins Benehmen. Was tat die Reichsregierung? Hatte sie nur eine Spur von polis tischem Fingergefühl und von Selbstachtung, dann antwortete fie der bayerischen Regierung mit Göß, das heißt nicht mit dem neuen, sondern dem alten, dem von Berlichingen. Was tat die Reichsregierung, Emminger u. Co.? Sie leitete den Münchener Auftrag weiter, und so tommt es, daß heute im Auftrag des ausgerissenen Hochverräters Kahr gegen den„ Vorwärts" wegen Landesverrats prozessiert wird. Gegen das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie Die Hausburschen der Juden und die Deutsche Zeitung". wird der schmutzige und entehrende Vorwurf des Landesverrats erhoben. Wir weisen diesen Vorwurf mit Berdigere Formen an. Die Deutsche Zeitung" stellt neuerdings Der deutschvölkische Antisemitismus nimmt immer merkwür achtung zurüd. Eine Berurteilung des Vorwärts" den Grundfaß auf:„ Erst müssen die Hausburschen der wegen dieses ehrlosen Verbrechens würde nur diejenigen Juden fort, dann fommt der Parlamentarismus ganz von treffen, die fie etwa aussprechen sollten. Attace nur gegen die" Marristen" und Demokraten wendet. Die selber. Aber man geht fehl, wenn man annimmt, daß sich die Deutsche Zeitung" stellt ausdrücklich feft:
Aber vielleicht hat die juristische Hirnseuche, die Best der Landesverratsprozesse, die kulturgeschichtlich allenfalls nur noch mit der Pest der Herenprozesse verglichen werden kann, mit diesem Fall doch ihren Höhepunkt überschritten. Das Fieberthermometer zeigt 40 Grad, lange ist diese Temperatur nicht auszuhalten.
Möge die Krise die Gesundung beschleunigen. Möge fie uns dem Tag näherbringen, an dem eine deutsche Schande gutgemacht und Fechenbach aus dem Buchthaus befreit wird!
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Aber das wird nur dann der Fall sein, wenn sich zeigt, daß es in Deutschland noch Menschen gibt, die sich ein ge fundes Gefühl für das Recht bewahrt haben und die für das Recht zu kämpfen bereit sind.
Jarres redet weiter!
Reichsinnenminister Dr. Jarres hat in Hildesheim eine Rede gehalten, in der er einer TU.- Meldung zufolge u. a. ausführte:
Der Hitler- Prozeß mar unferem Ansehen fehr abträglich; aber Beröffentlichungen, wie die des Professors Quidde , müssen geradezu als Baterlandsverrat bezeichnet werden. Wir haben die Verpflichtungen, den Gedanken der Wahrhaftig. teit aufrech zuerhalten. Die deutsche Jugend müsse für alle Eventuali. täten der Zukunft serbereitet werden. Es fönne die Zeit kommen, mo das zerbrochene Edywert wieder zusammengeschweißt werden muß. Dieser Augenblid ist mit Klugheit abzuwarten.
Indem Herr Jarres die Veröffentlichungen Quiddes als Landesverrat bezeichnet, greift er als Chef der Verwaltung in ein schwebendes Verfahren ein. Er beeinflußt die Richter in einem dem Angeklagten ungünstigen Sinne. Das ist rechtswidrig und läßt auf eine Gesinnung schließen, für die ein parlamentarischer Ausdruck fehlt. Glaubt Herr Jarres vielleicht, eine derartige Haltung eines Reichs ministers sei dem Ansehen des Reiches weniger abträglich als der Hitler- Prozeß?
Völkisches, Allzuvölkisches.
Der schlimmste Feind sind die Jüdischverfippten, die mit jüdischem Golf verzierten, Adelswappen, und die Leute, die aus Ichsucht, Mißtrauen und Trägheit ohne hofjuden nicht glauben auskommen zu können.
Wer zählt die Bölkischen, die nach dieser Eröffnung die Flucht aus dem Hakenkreuzlager ergreifen müssen! Selbst Wulle dürfte ein wenig bänglich zumute werden.
Ein völkischer Führer".
Am 2. April veranstalteten die Böltischen in einer demo fratischen Bersammlung in Charlottenburg einen ihrer üblichen Krachs. Ein demokratischer Teilnehmer, der den Führer der ran. dalierenden Horde, Rosen, zur Rede stellte und von ihm darauf um Namen und Adresse gebeten" wurde, erzählt feine weiteren Erlebnisse mit dem völlischen Helden in der Bossischen Beitung" folgendermaßen:
Die Lügenhetze fängt wieder an.
Falschmeldungen über Sachsen .
Lotal- Anzeiger"," Tag" und wie die G. m. b. H. sonst noch hieß, die feinerzeit die Schauermärchen über Sachsen und Thüringen verbreitete, hat sich zu einem neuen Kreuzzug gegen Sachsen zufammengefunden. Sie lanciert diesmal die Nachricht in die Deffentlichkeit, der fächsische Innenminister habe ohne Vorwissen des Kabinetts die vom Militärbefehlshaber aufgestellte Hilfspolizei beseitigt und die verabschiedeten republitanischen Polizeibeamten wieder eingestellt. Die Nachricht war darauf zugeschnitten, eine Minister frise in Sachsen zu provozieren. Demgegenüber stellt die fächsische Regierung fest:
Die betreffenden Beamten beziehen seit Monaten ohne Tätigkeit ihr volles Diensteintommen vom Staat. Es ist daher notwendig, daß die gegenwärtige Regierung über ihre weitere Berwendung Entschließung faßt. Unrichtig ist, daß die Entschließung der Regierung bereits in der non der Presse gemeldeten Weise getroffen worden sei. Richtig ist nur, daß geplant wird, der Polizeimajor Rnetsch und die Polizeihauptleute Reizel und Hoffart bei dem Polizeipräsidium Dresden wiederum zu verwenden. Es sollen aber diese drei Polizeioffiziere nicht im Exekutivdienst, sondern lediglich im Innendienst Berwendung finden. Was den Polizeioberst Schükinger anfangt, so ist zwar dessen Versehung nach Leipzig ins Auge gefaßt, aber auch dieser Offizier soll nicht im Exekutivdienst tätig sein. Ueber Bolizeihauptmann Schneidenbach und Oberpolizeikommiffar Schmidt endlich ist noch keinerlei Verfügung getroffen. Ihre Wiederverwendung bei der Polizei ist nicht in Aussicht genommen. Im übrigen wird die Gesamtregierung noch zu dieser Angelegen heit Stellung nehmen. Un wahr ist, daß eine Verfügung über die Aufhebung der Hilfspolizei ergangen ist. Richtig ist nur, daß vorläufig Richtlinien für die Ueberleitung der Hilfspolizei in die Landespolizei aufgestellt sind, die den von der Reichsregierung aufgestellten Grundsägen nicht nur entsprechen, sondern über diese noch hinausgehen. Bei dieser Sachlage liegt nach Auffaffung der sächsischen Regierung für die Reichsregie rung feinerlei Grund zur Beschwerde vor. Auch entbehren die von einem Teil der Presse an diese Falschmeldungen geknüpften Rombinationen jeder Begründung.
Es ist zu erwarten, daß die Lügen- G.m.b.. mmmehr in Entrüftung über die Wiederverwendung der republikanischen Beamten machen und, wenn nötig, auch versuchen wird, die Reichsregierung gegen die sächsische Regierung scharf zu machen. Die sächsische Regierung wird demgegenüber zu beweisen haben, daß sie sich durch pöllische Schandmäuler nicht in ihrer wirklichen Aufbauarbeit ftören läßt.
Die deutsche Schmach.
Am nächsten Tage rief bei mir ein angeblicher Rechtsanwalt Brandt an und erklärte:„ Herr Rojen jei bereit, die Angelegenheit gütlich beizulegen, wenn ich den Lügner" bedauernd schriftlich zurüdnehme, gleichzeitig 10 mart einsende, die er( der Rechtsanwalt) für seine Bemühungen beanspruche. Sonst würde getlagt. Ich lehnte ab, worauf. es hieß, Herr Rofen wolle mir noch weiter entgegentommen. Er begnüge sich mit der Zurücknahme ohne ausdrüdliches Bebauern unter Einsendung der 10 Mart, und zwar bäte er um Erledi gung bis Ende der Woche. Am Sonnabend, den 5. April, bestellte mich ein mir bis dahin Unbekannter in ein Café, stellte sich als Angestellter der Technischen Hochschule vor und erzählte, daß diefer angebliche Rechtsanwalt Herr Rosen felbft gereichsanwalt erstattet wurde, anhängig gemacht worden. Die Be wesen sei, der mich in Gegenwart von drei Ohrenzeugen angerufen habe. Herr Rolen fei Führer im Jungbismardbund und als Leiter der flandalierenden Jungens oder wenigstens eines Teiles derfelben in der Versammlung gewefen. Er habe dem Jun bis mardbund die Spike zu einer Fahnenstange geftiftet, die an diesem Sonnabend fiberreicht werden foll, und die 10 mart oftet.
So sehen die Führer der Böllischen, bei Tageslicht be. fehen, aus!
Verboten!
Herr Jarres hat sich in letzter Zeit öfters fo gebärdet, als ob er und nicht Dr. Stresemann Außenminister sei, und dabei erheblichen Schaden angerichtet. Eeine Hildesheimer Rede zeigt, daß er mit Wilhelm II , nicht nur die Vorliebe für ge Hamburg , 8. April. ( WTB.) Die Hamburger Boltswiffe pompöse Gesten gemein hat. Wir haben gegen den Gezeitung" ift neuerdings wegen eines Artikels, der fich gegen die danken einer gefunden Wehrkraft des Boltes nicht das geringste Technische Rothilfe und den Polizeijenator richtete, für drei einzuwenden und sind der Ansicht, daß alle Völker dasselbe Tage verboten worden.
Der 60jährige Eugen d'Albert kann auf eine 45jährige fünft lerische Tätigkeit zurückbliden. In Glasgow fam er zur Welt, und der kompofitorisch begabte Bater vererbte den Drang nach Mufit auf den Knaben, der die Fundamente feines pianistischen Weltruhms bei Bauer in London und Richter in Wien legte. Die Entscheidung aber fiel in Weimar . Hier, wo alle großen Klaviertalente der Weit fich in der Hofgärtnerei um Franz Liszt fcharten, errang sich der bettefarme 16jährige Jüngling das Vertrauen, die Liebe und För berung des großen Meisters. Er galt fehr bald als das Génie unter den Pianisten. Liszt segnete seine Laufbahn, die an feiner Kultur stadt heimischen und fremden Bodens ohne Sieg Halt machte. Wer d'Albert vor 20 Jahren gehört hat, der weiß, daß er unter den elementar Wirkenden, durch das Feuer der Persönlichkeit zündenden Birtuosen keinen Nebenbuhler hatte. Sein Spiel war ein eben mäßiger Ausgleich von zartem Gefühl und loderndem Temperament, und im konstruktiven Bau der Beethovenschen Sonate, der Bachschen chromatischen Phantasie zeigte er die gleiche unerreichte Meisterschaft wie in den delikaten Tönungen Chopinscher Walzer und im großen Wurf der Lisztschen H- Moll- Sonate, Schumannschen Phantasien. Er war ein ganz universeller Musiker am Flügel. Sein Mitgefühl, ehern und musikantisch, abhold allem Tüfteln, war mitbestimmend für die Auffassung der Klavierkonzerte von Beethoven , Brahms , Liszt. nierenden d'Albert nicht aus. 3war neigbo er mit zarten und füßen Der Einfluß seines Lehrers Liszt blieb auch auf den tompo Einfällen in Liedern und Salonstücken zuerst den Romantikern und Brahms zu. Aber diese Gelegenheitswerke blieben unbeachtet in der Welt, erregten bei Liszt sogar ablehnendes Kopfschütteln. Auch die im Wagnerschen Fahrwasser segelnden Musikbramen der neunziger Jahre, deren Namen( Ghismonda",„ Gernot") schon auf die Welt ftimmung spekulierten, gingen geräuschlos unter. So wandte er fich vom epigonenhaften Pathos ab und zeigte 1898 in der Ab. reife", welch einen delikaten, kammermusikalischen Unterton er einer mondän- luftigen Episode geben konnte. Die gesangliche Klein arbeit war so eigenartig wie erfinderisch, so intim wie vornehm, und nur ein Ballast an Orchester bekam dem leichten Stoff nicht. In Flauto solo"( 1905) beschritt d'Albert später den gleichen Weg; ohne dem auflauernden Operettenton zu verfallen, entlockte er mit zarter Hand dem Wolzogenschen Sujet reizende Wirkungen. Der Gegensatz zwischen deutscher und italienischer Musit wurde mit Spielerischer Gewandtheit musikalisch ausgenugt.
Auch diese Feinarbeit brachte nicht den ersehnten Erfolg. Liesland" aber machte 1903 aus dem weltberühmten Bianisten über Nacht den weltberühmten Operntomponisten. Ohne Italiens , ohne Buccinis Einfluß, ohne die" Tosca "( 1900) wäre dieses Wert nicht denkbar. Hier fand d'Albert den wirkungsvollen, aufregenden,
brutalen Stoff, der feiner Begabung lag. Hier fonnte er Zeugnis ablegen für seine melodische Erfindung, die ohne Größe, aber immer charakteristisch und eingängig blieb. Die Themen haben Prägnanz und scheinen wie gemeißelt, ihre Wiederkehr ist leitmotivisch aus genußt. Zwischen die dramatische, psychologisch oft oberflächliche, immer aber wirkungssichere orchestrale Untermalung stellt der Tondichter gern einfachere, volksliederartige Nummern. Das alles schlägt ein, und ebenso cine den finnlich- erregten Szenen sich heißblütig anfettende Gefamtorchestermelodie. Bei diefer glänzenden musikalischen Berebfamkett fragt man nicht rasch nach der Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit des Gefühls. Die Sinnlichkeit und Erregtheit des Spiels läßt schnell den Mangel an Plastik, Tiefe, Ethos vergessen, und selbst Operntrids nimmt man im Moment padender Wirkung gern als höhere Eingebungen hin.
Dresden , 8. April. ( Eigener Drahtbericht.) Am Montagabenb fanden in Dresden vier start besuchte Versammlungen de: BSPD. gegen die Justizschmach statt. Die Redner entwarfen übereinstimmend das Bild einer Justiz, die der Welt dauernd zu beweisen sucht, daß es in Deutschland feine Rechtsprechung gibt. Rechts anwalt Gen. Graf Leipzig bestätigte, daß er die Verteidigung in dem Landesverratsverfahren gegen Zeigner übernommen habe. Das Berfahren fei auf Grund einer Anzeige, die Ende Oktober beim Ober bauptung der bürgerlichen Bresse, daß in der Zwischenzeit das Material gesammelt worden sei, bezeichnete er als unwahr. Er selbst habe am Sonntag dem Untersuchungsrichter fagen müssen, wo die feien. Obwohl also der Untersuchungsrichter den beiden Reden Zeigners, auf die sich die Antiage ftüßt, zu finden Inhalt der Reden heute noch nicht Lenne, habe er eine Untersuchung wegen Landesverrats bean. tragt Auf Befehl des Oberreichsanwalts ift dem Genossen Graf am Sonnabend vom Untersuchungsrichter erklärt worden, daß er auch als Verteidiger mit 3eigner nicht unter vier Augen sprechen dürfe. Man mies dem Genoffen Graf sogar ein Schreiben vor, in bem ihm das Berbot mitgeteilt wurde. Schließlich mußte man aber doch dem§ 147 der Strafprozeßordnung Rechnung tragen. Dem Justizminister Bünger warf Genoffe Graf vor, daß er einseitig versucht hat, Zeigner belastende Zeugen heranzuziehen.
Bolivien im Kunstgewerbemuseum. Gestern wurde im alten Runstgewerbemuseum eine Ausstellung eröffnet, deren Ziel die Wieder aufnahme und Förderung der fulturellen und fommerziellen Bealten reichen Kultur wie eines neuen fräftig aufstrebenden Staatsziehungen zwischen Südamerika und Deutschland ist. Bilder einer lebens bot die reichhaltige Zusammenstellung von Naturprodukten und Kunstarbeiten jeder Art, die Professor Bosnansky im Auftrage feiner Regierung geschaffen hat. Neben den Bodenreichtümern, wie Silber, Zinn, Wismut und Antimon, die feit undentlichen Zeiten in den Bergwerfen von Botofi gewonnen werden, und deren Er zeugnisse die spanischen Silberflotten befrachteten, galt das besondere Intereffe den funstgewerblichen Gegenständen der eingeborenen Be die mit primitiven Webstühlen gearbeitet werden, eine hochstehende völkerung. Webwaren in bunten Farben und von feinster Arbeit, Keramit von origineller Wirkung in ihren phantastischen Tier und Menschenformen, fein ziselierte goldene und silberne Amulette, Musikinstrumente, Hodermumien, Federschmud und. Lederarbeiten, alles das zeugt von der ursprünglichen und hohen Kultur der Intas"- bis durch die conquista der Spanier alles zerstört wurde und ein langes Hindämmern unter einer politisch wie religiös gleich unduldfultureller Eigenart vernichtete. Erst mit der Befreiung vom spani fchen Joch am Anfang des 19. Jahrhunderts begann eine allmähliche Regeneration, die dann in unserer Zeit zu einer vollen Erschließung des reichen Landes und zu feiner Einreihung in die Weltwirtschaft
Dieser Tiefland"-Triumph ist der einzige in d'Alberts Opern fchaften geblieben. In seinem sich sonst so schnell wandelnden Geschmad vergaß er, daß der Naturalismus und der Berismus aus gelebt hatten, daß dieser füdliche Stil in Buccini seinen Großmeister gefunden hatte. So blieben Die toten Augen"," Biebes fetten". Stier von Olivera" in einer festen Manier steden, die feine fünstlerische Offenbarung mehr bedeuten fonnte. Es rächte sich der Mangel einer original- eigenen Sprache, es rächte sich das völlige Berfagen eines geraden, zielbewußten, wie auch immer geführte. richteten künstlerischen Willens. In diesen zwei Jahrzehnten ſpielte Die Welt ist uns heute noch verschlossen. Um so bantbarer be d'Albert nur nebenbei Klavier. Er wurde flach, flüchtig, gleich grüßen wir jede Möglichkeit einer Verständigung und ideellen Be gültig. Erst jetzt wieder sammelte er sich zu überlegender, über- reicherung über alle hemmenden Ländergrenzen hinweg. Bolivien Sechziger- Herz, als daß er den Weg zurückfände zu bem Pianiften legener Runst. Kein schönerer Wunsch bringe an sein junges hat uns mit dieser Ausstellung die Hand gereicht. d'Albert vom Jahre 1900.
3m Friedrich- Wilhelmstädtischen Theater stand die verfloffene Woche unter feinem günstigen Stern, und die neue Woche hat auch nicht gerade glücklich begonnen. Die Bühne in der Chauffeestraße hat Direktor Meinede gepachtet, der Berlin mit einem Chriftus drama, Der Rabbi von Nazareth " von Frido Grelle , be. tanntmachen wollte. Indessen den Aufführungen stellten sich so piele technische Schwierigkeiten und sonstige Hemmungen in den Weg, daß die Direktion zu den ersten Abenden die Presse nicht einlud, um ihr nicht unfertiges zu zeigen. Inzwischen lehnte aber das Publikum das Stüd ab, der Saal blieb leer, und die Leitung beschloß gestern zwischen Nachmittag und Abend, das Chriftusdroma abzusehen und in jähem Wechsel des Genres" der Schwant„ Junggesellen. bämmerung" von Impefoven und Mathern zu spielen. Das harmlose Stück, das früher bereits auf einer anderen Berliner Bühne gezeigt worden ist, mag gewiß auf die Lachmuskeln bescheidener Menschen wirken. Diese Vorstellung aber, bei der die Souffleuse die Hauptrolle spielte und die Dekorationen von einer beleidigenden Primitivität waren, mirtie bringen die nächsten Abende ein befferes Zusammenspiel, so daß Hoffentlich fehr unerfreulich. wenigstens die, die lachen wollen um jeden Preis, auf ihre Kosten tommen,
R. E
ift ein Gaft eingezogen und hat ein Stück von Anno dazumal mit.
Ein Schwant von ehemals. Im Theater Folies Caprice" gebracht, dessen Hauptrolle er einft treiert hat. Mar Samst heißt der Gaft und„ Dntel Cohn" fein Schwant. Zuerst ist man baff über die Harmlosigkeit und Naivität; aber dann sieht man über die altmodische Art hinweg und freut sich am Bik und Humor dieses Dnfels, der der Mittelpunkt der Handlung ist, alle Verlobungen zu wege bringt und den Mitgiftspekulanten, den Grafen Schnitzelwiz aus Ostrowo , entlarot. Mar Samst beherrscht den jüdischen Wit wie den trockenen Humor und zeigt unter der schnurrigen Außenfeite soviet Menschenfreundlichkeit, daß er aller Herzen gewinnt. Auch die übrigen Rollen waren angemessen befeht: man hatte den Mut zur Schmiere, weil es der Stil des Stückes ist
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Bühnenchronit. Zum Nachfolger Felir D. Weingartners wurde Dr. Friz Stiedry von der Berliner Staatsoper an die Wiener Boltsoper berufen.
Schußverband Deutscher Schriftsteller fowie die Direktion Berger haben an Für Toller! Die Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger , der bas Baberliche Juftizminifterium ein Gesuch um die Beurlaubung des Dichters Zoller zur Berliner Aufführung seines Stüdes Dinlemann" ein gereicht. Die Unterzeichner hoffen auf die Genehmigung, da die haft Rollers am 16. Juli abläuft.
ausstellung mit Beichnungen von Mar Biebermann und einer Die Galerie 3. Casper, Kurfürstendamm 288, eröffnet ble Frühjahrs Rollettion neuer Bilder von H. Croissant