brachte nicht mir den vvVständtgen personellen Sieg burch »Absägung der rechten Führergarmtur", genau so gut wie der ewig hin- und herschwankenden Mittelgruppe um Koenen und Stoecker. Er brachte auch den restlosen ideologischen Sieg der Maslow-Fischer-Gruppe. Die Sozialdemokratie ist jetzt endgültig zum gesährlichsten Feind des Kommunismus gestempelt worden. Die Taktik der Einheitsfront wird aufge» geben, der Kampf gegen und in den Gewerkschaften wird ver» schärst. Der Putschismu« zum Leitmotiv der Bewegung ge» macht. Die„Organisation der Revolution"' wird bombastisch als die Aufgabe der KPD. dezeichnet, die im übrigen an- kündigt, daß sie nach wie vor au» jedem Dreck eine revo« lutionäre Aktion zu machen bestrebt ist. Vom Standpunkte ihrer Parteiinteressen au» kann die Sozialdemokratie die Entwicklung der KPD. nur begrüßen. Eine reinliche Scheidung wird Zwitterstellung unmöglich machen und der ganzen Oeffentlichkeit den Unterschied zwischen sozialdemokratischer und kommunistischer Weltanschauung klar» machen. Von„sächsischen Experimenten" bleibt nicht nur die Kommunistische Partei , sondern auch die Sozialdemokratie in Zukunft verschont. Gewiß dleibt der Kommunismus noch ein« Gefahr. Di« Kommunisten verfügen über ein« Organisation von 300 000 MitgliÄ>ern. und das GerSusch, mit dem sie überall, namentlich In den wirtschaftlichen Organisationen der . Arbeiterschaft, auftreten, lähmt manche Energie, die besser positiven Aufgaben zugewandt werden könnte. Aber Radek hat nicht unrecht, wenn er in seinem Januarbericht vor der Exekutive erklärt«: „Mit einer rein agitatorischen Ante de» Konnmmismn» werden wir herrliche, kleine konmunristische Parteien haben. E» wird wieder vor uns die Frage stehen: Sekt« oder Partei? Die größte Quell« der Krise besteht darin: Wir find die Partei der Diktatur, aber wenn kein« revolutionüren Wellen schlagen, so kann man für die Diktatur nur Propaganda treiben und die Mass« lebt nicht nur von der Propaganda und Agitation.... Wenn wir da, nicht sehen...dann werden wir zerfallen." Noch stellt die Kommunistische Partei nach der schwer«« Zerrüttung des vergangenen Jahres ein« gewiss« Macht dar, weil mancher Proletarier von ihr Leistungen erwartet. Indem die KPD. solche Leistungen ausdrücklich ablehnt, er» fchüttert sie ihre Position selbst schiverer al» das durch Irgend- einen Angriff von außen geschehen könnt«. Ihre polittsche Hoffnung setzt sie nur auf neuen Zerfall. E» ist bezeichnend, daß in dem Aufruf des Parteitage» zugegeben wich, daß die Sozialdemokratie sich innerlich gefestigt hat. Die Kommu- nisten wissen, daß diese Festigung mit der Festigung der Wirtschaft und der Anbahnung einer internationalen Per- ständigung zusammenhängt. Auf diesem Boden allein kann die Arbeiterschaft wieder hochkommen. Da» Ideal der Kom- munisten ist neuer Zerfall und neu« Zerrüttung: „Schwere Erschütterungen der bürgerlichen Gesellschaft find im- vcrmeldlich Sie können' plötzlich hereintreff«,... Rüsten wir im», daß wir von nicht» überrascht werden könnenl Wir müsse» bereit fem!" Reue Erschütterungen würden zwar nicht die Kommunisten, sondern nur die Faschisten hochbringen, aber dies« Perspektive allein zeigt den Weg. den die KPD. zu gehen«nt- schlössen ist: Zur Sekte mit herrlichen Thesen. Der Sozialdemokrat i« und der Arbeiterschaft wird sie damit nicht gefährlich werden. Jetzt kommt e» nur darauf an. mit allen Kräften an der inneren und äußeren Konsosidierung zu arbeiten, dann ist der Anfftteg der Arbeiterschaft ebenso sicher, wie der hoffnungslos« Niedergang der kommunistischen Be> wegimg.
Mit der Waffe in der t>önd'. Die„Rote Fahne " Verbote«. Di«.Rote Fahne" ist für de« Abdruck einer Resolution, die der illegale Parteitag der KPD. angenommen hatte, für vierzehn Tage verboten worden. Die Redoklion selbst dürft« diese» Ergebni» vor- ausgesehen haben, denn fie war fett dem Wiedererscheinen de« Blatte» offensichtlich bemüht gewesen. Konflikt« mtt der Staat».
gemalt zu vermeiden. Die.Rote Fahne" war dadurch allerdbrgs ein etwas langwellige» Blatt geworden, immerhin ließ fich die Ab« ficht erkennen, den alten Fehler zu oermeiden, der darin bestand. daß man erst den Mund zn den unglaublichsten Kraftphrasen weit ausriß, wenn dies aber der Polizei schließlich zu bunt wurde, wider- spruchs. und widerstandslos m der Versenkung verschwand. Diese» Schauspiel ober wiederholt sich jetzt. Di« von der.Roten Fahne" veröffentlichte Resolution erklärt unter großmäuligen Sieges- Phrasen, daß der Kamps der KPD.„nur mit der Waffe in der Hand" geführt werden könne. Di« Organisierung.6 e w a f f. neter T e t l k ä m p s e" und die„Schaffung von Organen zur Führung dieser Kämpfe" wird für die Aufgab« der Partei erklärt. Wenn die„Rote Fahne " daraufhin verboten worden ist, so hoben die Kommunisten kein Recht, fich darüber beklagen, denn wer selber an dt« Gewalt appelliert, dem steht e» schlecht an, den Wehleidigen zu spielen, wenn Gewalt gegen ihn angewendet wird. Di« neu« Parteileitung der KPD. , die die Aufnahme jener blödsinnigen Re- soiution in die„Rote Fahne ' oeranlaßt und dadurch das Verbot verschuldet hat, müßte nun logischerweis«.mit den Waffen in der Hand" das Wiedererscheinen der.Roten Fahne" erzwingen, sonst Ist nur abermals bewiesen, daß man nicht sich und andere mit Redensarten besoffen machen darf, wenn man nicht» weiß und nicht» hat und nichts kann. Jedoch— um diesen Bewei, zu führen, ist es nicht notwendig, die»Rot« Fahne" in de» letzten Wochen vor der Wahl gleich für U Tag« unter verbot zu halten. Zeitungsverbvt« sind an sich schon «in Uebel, denn ein gesunder Staat müßte sich stark genug fühlen jeden gedruckten Unsinn auszuhalten, ohne gleich gegen ihn mit Polizeimitteln einschreiten zu müssen. Darum wäre e, richtig, wenn man der.Roten Fahne"— und ebenso auch der.Deutschen Zei» tung"— das Erscheinen alsbald wieder gestatten würde. Man hüte sich, den Gefundungs prozeß der Arbeiterbewegung. den die KPD. durch ihr sinnlose» Verhalten wider Willen«mge» leliet hat, durch Gewaltkuren zu unterbrechen. Vit heutigen Führer dieser grandiosen Partei der Weltrevolutton werden binnen kurzem für die ganze Arbetterschaft nur noch komisch« Figuren sein, wenn man fie nicht zu Märtyrern macht.
Sdperistbe Gerechtigkeit. ElSnerS Mörder beurlaubt— und Niederschöneufeld? . Mönche«, l«. April.(DA.) ver.Oberbayerlfche General. anzeiget* in Landsbcrg dementiert«lue Nachricht, wonach der dort i» Festung»hast befindliche Graf Arco au» der Haft eutlafst» worden sei. Da» Blatt fieltt fest, daß Are» lediglich für läu- gere Zeit beurlaubt worden sei. Da» Dementi ist nichts weiter al»«ine freche Verhöhnung. Der bayerisch « Staat scheint es darauf anzulegen, die Rechts- grundlagen immer mehr zu erschüttern und die Politisierung de» Rechte» im Interesse der Umstürzler zum obersten Grund- satz seiner Polttik zu machen. Die gleich« Regierung, die den Mörder Eisners auf längere Zeit beurlaubt, trotzdem über seinen Gesundheitszustand noch niemal, irgend etwas Nach- teilige» bekannt geworden lft. denkt gar nicht daran, in Nieder- fchöneiHld, wo fie Festungsgefangene entgegen allen gesetz- lichen Vorschriften schlimmer al» Strafgefangene behandelt, ihr Regime auch nur um«in Jota zu mildern. So wird dem schwerkranken Erich Mühsam immer noch ein Urlaub ver- weigert, trotzdem die Aerzte ihn längst al» notwendig be- zeichnet haben. * München . 14.«pell.(BS.) Z» der Nachricht, daß«ras«reo. der am 23. Februar 1919 den bayerischen Ministerpräsidenten Eisner «rfchosien hat. au» der Hast entlassen worden sei, erfährt die BS.» Korrespondenz, daß Arco nach Derbüßung«ine» Drittel» seiner Festungshast von insgesamt IL Jahren nunmehr mit sofortiger Wirkung Strafaufschub erhalten hat. Man nimmt an, daß dieser Strafaufschub später in eine endgültig« Begnadigung umgewandelt werden wird. Wie verlautrt, est zu Ostern mit weiteren Gnadenakten de, bayerischen Gesamtministerium, zu rechnen. Es soll fich jedoch, wie an maßgebender Stell« betont wird, nicht um Hitler und Genossen, ebensowenig um die seinerzeit wegen Teilnahm« an der Räterepublik verurteilten Kommunisten handeln.
Eitler und die französikbea Gelder. München , 14. April. (Eigener Drahtbencht.) Der Redakteur des in Berlin erscheinenden Organs de, Deutschen Bekleldungs- arbeiterverbcmdes, Otto Bennecke, brachte in seinem Blatt« im vorigen Jahr« einen längeren Artikel über die nationalsozialistische Bewegung. Darin lautete eine Stelle:„Roch anderen Münchener Meldungen sind der nattonalsozialistischen Bewegung auch sogar au» französischer Quelle Gelder zugeflossen." Al» Führer der Nationalsozialisten stellt« deswegen Hitler gegen Benneck« Klage wegen verleumderischer Beleidigung. Da» Schöffengericht hotte die Eröffnung des Verfahrens abgelehnt. Auf Grund einer Beschwerde Hillers hob aber das Landgericht München diesen Beschluß auf. In der daraufhin durchgeführten Verhandlung kam da» Schöffengericht(im August 192S) zur Freisprechung des Beklagten und der Ueberbürdung der Kosten auf Hiller. Das Schöffengericht vertrat dabei die Auffassung, daß der Borwurf der nationaisozialistischen Bewegung als solcher gemacht wurde und der Privatkläger als solcher in dem inkriminierten Satz« gar nicht erwähnt sei. Gegen diese« Urteil legte der Rechtsbeistand Hitters, Rechtsanwalt Roder, Berufung beim Landgericht ein. Dieses verwarf nun ebenfalls die Berufung Hillers und überbürdete ihm sämtliche Kosten. Dl« Berufungsinstanz schloß sich den Gründen der ersten Instanz vollinhalttich vielleicht... Eisenberger und die separatio« Bayer«?. München , 14. April. (Eigener Drahtbericht.) Die Mitteilungen de,„völkischen Kurier»' über die französischen Separa- tiopsversuch« in Bayern oeranlaßten den Führer des Bayeri- schen Bauernbund«», Eisenberger» jetzt, ein Schreiben an da» genannt» Blatt zu richten. Er erklärt, nicht Führer der Bayerischen Bolkspartei hätten ihn seinerzeit eingeladen, sondern Anfang Mai 1920 sei«in Professor Martini, der sich als argentinischer Konsul ausgab, im Beisein des Neffen von Millerand mit dem Auto- mobil an feinem Haufe vorgefahven. Der Reffe Millerands konnte nicht geläufig Deutsch , und Martini macht« deshalb den Dolmetscher. Er sogt«: Eisenberger, Li« sind der Borsitzend« de» Bauernbundes und sind bekannt al» ein Feind der Preußen. Was hätte Bayern für Nachteil«, wenn es sich vom Neich lostrennen und ein« Separierung mit Unterstützung Frankreich » machen wurde?" Eisen- berger erwiderte:„Ich bin allerdings kein Freund der Vormacht- polittk Preußen», aber ich bin ein Freund Deutschlands , viel» leicht würbe es ans Bayern unter Frankreich schlechter gehe», wie unter der vormachtpollltk Preußen», wenn wir uns vom Reich lostrennen würden. Wir haben zu wenig Kohl«. Getreide, Hucker ufw." Professor Martini sagt« dann unter Zustimmung des Reffen Mlverands:„Dieser Ausfall würde von Frankreich gedeckt werden. Bayern würde bei den Reparationszahlungen berücksichtigt «erde», und Eisenberger würbe auch«in persönlicher Portell zu- gebilligt erhalte«. Wenn der Bauernbund auch mitmachen würde, dann könnte die Separation tatsächlich durchgeführt werden." Eisen. berger erwidert« darauf noch, daß er sich persönlich and auch seine Partei niemals hergeben würben, ein derarttge» Geschäft mit den Franzosen zu machen. Er habe den Herren bedeutet, daß man am Ende der Unterredung angelangt sei. Die Herren hätten dann sein Haus verlassen und seien wieder nach München zurückgekehrt.
Reichswirtschastseat-Serichte. Unter der Ueberfchrift tendenziöse Berichterstattung" haben wir in unserer Eonntag�Norgenausgob« uns dagegen gewandt, daß in dem un» zugegangenen Bericht über die Tagung des Wirtschaft». politischen Lasschusse» de» Vorläufigen Reichswirtschastsrats vom S, 10. und 11. April die Red« de» Vertreters der Landwirtschaft. Oetvnomierat öioßdeutscher, wiedergegeben worden sei, während die mtt großer Lufmerksamkett entgegengenommene Rebe de» Genossen Dr. Hilferding und die Darlegungen de» Sewerffchastsoertreter» Genossen Tornow der Oeffenllichkett vorenthalten worden feien. Bon unterrichteter Seit« wird uns dazu mttgeteilt. daß«in« parteiische Berichterstattung nicht beabsichtigt war, daß vielmehr jene Reden lediglich ans technischen Gründen am Sonnabend vormittag nicht oer- isfentticht«erden konnten..
Hinkemann. M Ott«:»Dan da» Schrtfllkarr«ntft Zaltt——— Skafnntadrainlns j» dcwIZigm, tann tflne Folge gegeben Berten, seil die«eswwnno einer Siratnnlerdeechuna)n diesem zweck» mit dem Ernst« de» etrafooLzug« nicht»»reinbar ist. (<(.«»rtner, Znfttzmtnifter.- ll nter Menschen, dt» diese bastwartsche Abart der deutschen Sprache— in ihrer Form gleich schauderhaft wie in ihrem Inhalt— reden, sitzt Ernst Toller gefangen. Daß«» ihm möglich ist,„mit dem Ernste" eine« solchen.Strafvollzug»" die Tätigkett de» Dichten» überhaupt„oereinbar sein" zu lassen, ist allein schon ein technische» Berbienst und ein Bewei» stir moralische Ausdauer. Einem Sehnst- steller, der sie nicht besäße, müßte die Hand verdorren, ehe fie nach der Feder greift— in dieser Umgebung, deren Befehlen und Bor- schriften„seiten, der Opfer" leider„Folge gegeben werben" muß. Unter solchen Umständen ringen nur eine nein« Glut und ein heiliger Wille mit der Gestaltung eine» Stoffe«. Den reinen Willen besitzt Ernst Toller . Aber er ist nicht stark genu� den dichterisch konzipierten, dramatisch bewegten und stellenweise sogar visionär bearbetteten Stoff zu.bewältigen"; das heißt: bis zur einzigen Gültigkeit durch» zuformen. Das dramatische Gerüst ist schief. Di« Rollen schtottern vm die Personen Der treulich erlaufcht» Klang, die richtig beobachtete Erscheinung sind nicht die in die Region de» Ueberwirttich- Dichterischen gehoben. Die„starke" Wirkung ist oft ein« gewaltsam«. Die tragische Ironie hat ein« begrenzte, nicht überdimensional« Grau- samkett. Die Symbolik ist naiv, nicht metaphysisch. Da, Schicksal des„Helden"(Hmkemarm)— und mag er auch kein Individuum, sondern ein Collectivum sein— blüht nicht vorbedingt und unab- änderlich aus feinem Wesen. Denn«r wuch, nicht in der Phantasie und im Herzen seines Autor», sondern er wurde nachträglich, um «inen„Einsall" lebendig werden zu lassen, um die Idee gebaut, wie ein« Glocke um dl« bereit» oochanden« Form. Sein Schicksal— und somit die ganze Handlung— ist möglich, aber nicht unbedingt, nicht neturnotwendig. Eingebungen einer spielerischen Phantasie stören di« Andacht der Stimmung und lockeckrn da. Gefüge der Handlung die Andacht der Stimmung und lockern da» Gefüge der Handlung Ornament» auf der anderen Lette«ntschädtgt nicht für jene Heber- flüssigkett. Und dennoch bogt mtt diese« Drama(neben anderen) einen hlstv- rischen Abschnitt In der dramatischen Literatur. Denn e» führt, wie einmal da,„bürgerliche Trauerspiel" den Bürger, statt der Könige, den Proletarier, statt de, Bürger» auf der Bühne«in. E» bricht Bahn für di« dramattsche Behandlung der neuen Klasse, de» kommenden Menschen. Da» ist der Ansang einer neuen Literatur. Er muß mehr literarhistorisch als kritisch gewertet werden. Roch sind d!« meisten Schicksale, die wir auf unseren Bühnen sich erfüllen sehen. Schicksale bürgerlicher Menschen. Der Bürger mag den .Hiukoniann" nur krittsch werten. Ihm fft er»in« literarisch« Er- schdiuuifc»n, aber ist jede» Dlsma, dessen««galt« Ltttt BOD
unserem Blut sind, dessen Handlung proletarische« Erlebnis«in- schließt, ein« historische und ei« persönlich« Angelegenheit. Auch der künstlerisch unvoll komme« Hinkemann berührt un, üef: well er ein Proletarier ist, ein Opfer der herrschenden Klasse und je«» Kriege», den sie auf ihrem mangelhaften Gewissen hat. Im Welt- krieg hat Hink« mann durch einen Schuß sein Geschlecht verloren Gr wurde auf dem Fell» dieser zweifelhaften Ehr«, der„männlichen" Ehre,— entmannt. Und dies« Ironie ist es eigentlich, die den nationalistischen Sturm entfacht. Weil fit allein da«„Heldentum". von dem jene Dardaren leben, endgültig desavouiert. Kanu man ein „Held" fein, wenn man ein Eunuch ist? Schicksal de» Proleten! Unter dem vorwand, ihn zum Helden machen zu wollen, macht man ihn zum Eunuchen. Indem man seinen männlichen Ehrgeiz weckt, nimmt man ihm die Männlichkeit. Die Ironie dieses Gedanken» fft groß. Die Ironie steigert fich: der entmannt« Hinke- mann wird von«>«m Schoubudenbefitzer al» Rattenfresser aus- gestellt und als der Repräsentant.deutscher' Männlichkeit" gepriesen. Außer diesem Proletenschicksol nach Ausschnitte au» der Denkart de» Proletarier»: de» bornierten Rur-Partei-Menschen: de , rohen egoistischen Proletarier»: der proletarischen Frau. Toller vermocht« allerdings mehr„Milieu", al» dessen dichterische Gestaltung zu geben. Aber, daß er protetorische» Milien gab und de, Arbeiter» Leid und Loben zu erfasse» oersucht hat, fft, von unfern Augen gesehen,«in Verdienst. Also ist auch die Aufführung«in doppett«, verdienst:«in positive», weil sie«in Arbeiterschicksal vermittein will und ein«ga- tioes, well sie«i« tapfer« Entgegnung auf die Provokation des nationalen Bestiarnnn» bedeutet. Darüber hinaus kann die Auf- führung im Residsnztheater als gelungen bezeichnet werden. In der Regie«reinigten sich der diplomattsch-klug« Emil Lind und die inttiottv-schöpserisch« Erwin Berget. Professor Cef« Klein lieferte die sehr stillen und in ihrer tragischen Sanftheit sehr wirksamen D«korvtto«n. Den Hintemann gab Heinrich Georg«. Er verlebendigte selbst jene Stellen, die an matorischer Monotonie seiden. Er durchpulste die Rhethorli, füllt« gleichsam mtt Blut ieeve Redegefähe. Reben ihm gestaltet« Renä« Stobrawo die Frau Hinkemann mit kargen komprimierenden Gesten und spar- sorner Stimmkraft zu einer erschütternden Proletariergestalt. Außer diesen beideu sind nur noch Hugo Döblin al» Buden- bescher zu erwähnen und Eiaire Sei» und Frigge Braut in«in. brucksvollen Episodenrollen. Der starke Seifall galt der Regie und dem Hauptdarsteller. Er wird durch dl« Festungsmauern zu Ernst Toller dringen: der Beifall und der Dank der arbeitenden Menschen. K-td. » E» log so etwa, in der Lust wie ein Theaterskandal. Man hatte unkontrollierbar« Gerücht« von beabsichtigten Störungen durch nationalistisch« Elemente ausgestreut. Aber Berlin ist um dies« Sensation gekommen. Bielleicht hatte der gut organisierte Saalschutz. dst besonder» perstärtt» Tjeasq�osizsi von vornHeoech alle» Radau-
Versuchen vorgebeugt. So faß denn ein bunt gemischte» Publikum mt» allen Kreisen der Bevölkerung einträchtig und erwartungsvoll beisammen. In einem Schweigen, das eindrucksvoller als aller Beifall für da» Werk de» Dichter, sprach. Zum Schluß war dann der Beifall allgemein stark. Neben mir faß ein Herr mit einem E. A.-Bändch«n: er war sicher nicht al»«in Freund des Dichters gekommen. Aber zum Schlüsse klatscht« er genau so ehrlich Beifall wie alle anderen. Und da» war vielleicht der stärkste Erfolg des Dicht«, an diese« Abend.
,vk rote Kobe�. Et gM Stücke, die man nm ihrer Gesinnung willen aufführen muß. auch wenn sie Ntercnffch nicht von allzu großer Bedeutung find. E» ist leicht, von hoher Warte au», Brieux' Drama»Di« rvte Rebe", diese mutige Anklage gegen«i« feile und lieb«- die«rische Justiz al»„Tendenz" abzulehnen, aber niemand wird sich im heutigen Deutschland , da» einen Fechenb«*� wie einen Luden» dorf-Prozeß erleben nwtzc«, der starten und unmittelbaren Wirkung dieser Richeertragödie entzieden tvrmen. Bielleicht auch deshalb sind in dlesem Stücke voll starker dramatischer Akzent« die Szenen vvn stärkster, weiJ ungewollter Wirkung, wo da» System al» solches, da, fühlende Menlchen zu Paragraphemnaschttwn modelt, aus dem Munde seiner Diener spricht. „Was wallen Sie, sagt in ehrlicher Entrüstung ein Gericht»- mäfident auf die leidenschaftlichen Anklagen ei«, Staatsanwaltes hin..ich Hab« doch nur wein« Pflicht getan!" Und das vielleicht tiefst« Dort, da» den ganzen Widersinn unfever modernen Recht- sprechung aufdeckt, klingt am Ende de» Stückes, wenn ein junge, Weib, dem ei« herzensrohe mtt» allzu ellferttg« Justiz fein Leven zerbrochen hat, auischmt:„Wer hilft mir zu meinem Rocht» gegen c!«n Richter, der da» alles getan hat?"— und die ochselzuckend« Antwort kommt:»Die Justiz fft niemals vervinwortlich�. Spiel und Regie des Neuen Theaters am Zoo waren nnafeichinößig. Neben den etwas farblosen Figuren der einzelnen Richter war von starker Mrkung Heinz Etieda al, schneidiger Nntersuchunysrichter, mit bewußt preoßischer Betonung. Gut auch. w ein paar Änzeffzenen, Walter Neomann al» geschöfts- tüchtiger und omnipotenter Abgeordneter. Georg John al« Etchepav« gab ei« trefflich« Studie des dumpfen gequälten Menschen. der im Eisennetze der Justtz gefangen hängt und langsam seeliVl» zu Tode gervürgt wird. Ganz stark aber, da, Spiel beherr'chend. Mari« Lorchardt al, Frau Etchepme. Dies« kurzen hellen Kehllaute der Wut und de» Erschrecken», dann da» plötzlich« N»« derbreche, und fich demütigen vor der überlegenen Kraft ei«r geföhr- lichen und boshaft sicheren Intelligenz, bis zum erschütternden Ga, winsel um ihre Kinder— alle, da» war ganz auf den Ton diese» Natvrgeschöpfe, gestimmt, da, verzweifelt und hetdenmüttg ggjen ein System kämpft, dessen Sinn e, nicht begreift, aber dessen Der« nichtungswlllen gegen sein kleine» arme» Ledensglück es instinkthast auflodern läßt in Raserei und Wut— bis zur letzten rächenden Ber- zweiflungstat. Der Beifall war ehrlich und stark. Man muß dem Bildungsausschuß al» Dercmstalter Dank wisse», daß er„die Schaubühne zur moralisch« Anstatt" werdeu läßt. fr W,