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Abendausgabe

Nr. 187 41. Jahrgang Ausgabe B Nr. 93

Bugsbedingungen unb ngeig prette fnb i ber tergenausgabe angegeben Rebsttion: S. 68, Cinbenffrake& Jereipreser: Dinhof 282-293 Tel- breffe: Sozialbemofest Berlin

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Berliner Dolksblatt

5 Goldpfennig

50 Milliarden

Sonnabend

19. April 1924

Series and xgetgenabtet! aeg: Gefäftszett 9-5 Uhr

Beclager: Barmaris- Bering Omb. Berlin S. 68, Cindenstraße 8 Jerniprecher: Duho 2500-250%

Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands

An die Arbeiter der Welt!

Maiaufruf des internationalen Gewerkschaftsbundes.

Der Internationale, Gemertjchaftsbund richtet anfäßlich des be: 1 vorstehenden 1. Mai einen dringenden Appell an alle Landesgen tralen, das Marimum ihrer Kräfte einzufezen, um dem Weltfeiertag der Arbeit einen großartigen und außerordentlichen Charakter su geben, wie ihn die heutige Lage erfordert.

Deutschnationale Erfüllung.

Die Völkischen geben keinen Pardon!

Troß Helfferich und Quach bleibt die Tatsache unbestreit bar, daß die Ministerpräsidenten der Länder, auch Böltischen abhängig find, in der Beratung mit dem Reichskabinett der Annahme des Sachverständigengutachtens zugestimmt haben.

Die Arbeiterkaffe muß ferner alle ihr zufommende foziale Ge jene, die deutschnational gesinnt und von den rechtigteit verlangen, indem fie auf einem immer weiteren Ausbau der Rechte der Arbeit

besteht.

Die internationale Arbeitsgefeggebung darf nicht toter Allen ihren Forderungen voran muß die international organi Buchstabe bleiben: die Abkommen müssen durch gefehliche Festlegung fierte Arbeiterfiaffe den Rampf für den Frieden stellen. lebendige Wirklichkeit werben.

Gegen Krieg und Militarismus

muß sie die volle Bucht ihres Kampfes richten. Der Friedens gebante der Arbeiter ist aus ihrem Rieffenbewußtsein, entstanden und eng verbunden mit ihren Fortschritts. imd Freiheitsideen, die, gegründet auf die Solidarität aller Bölßer, fie zu unerbittlichen Gegnern des Krieges macht und fire swingt, die dee der Freiheit und Gerechtigkeit unlöslich mit der Friedensidee zu verknüpfen.

Die ganze internationale Arbeiterbewegung hat den Friedens. willen des Broletariats zu ihrem Ausgangspunkt. Für den Frieden arbeiten, heißt für die proletarische Befreiung arbeiten!

Diese Wahrheit hatte zu allen Zeiten ihre Geltung; fie hot fie heute mehr als je.

Die Welt- und namentlich Europa - fann fich aus dem Elend und den Rummen des Rrieges.

nur erheben durch den Frieden

- durch einen Frieden, der die Susammenarbeit der B51 fer ermöglicht, bie mehr als je ihre Rräfte vereinigen müssen, um ber wirtschaftlichen Desorganisation und bem finanziellen Zufam menbruch, die den burth Krieg verursachten Ratastrophen neue hin zufügen, ein Ende zu machen.

Gegenüber dem auf der schlimmsten sozialen Rückständigkeit ge gründeten völkerverhehenden politischen Nationalismus, gegenüber dem wirtschaftlichen Nationalismus, von dem nur der Besitz profi tiert, muß die Arbeiterflaffe eine internationale Organisation der Birtschaft fordern, die sich auf der friedlichen Zusammenarbeit aller Bolter und auf dem Brinzip der internationalen Berteilung ber Rohstoffe aufbaut.

Laut und allen vernehmlich muß die ArbeiterKaffe ihre Stimme für ihre Forderungen und Grundfäße erheben.

Sie muß bie tatsächliche Drganisierung des Friebens fordern burch eine allgemeine Abrüftung, um zugleich bie Bölfer von unerträglichen Lasten zu befreien fowie durch Errichtung eines obligatorischen Schiebsgerichts zur Schlichhmg internationaler Strei­tigkeiten.

Nationalistische Spiegelfechterei.

Das Einschüchterungsmanöver miszglückt. Paris , 19, April. ( Eca.) Zu der Antwort der deutschen Regie rung, den Sachverständigenbericht als Berhandlungsgrundlage an zunehmen. fdyreibt der Berliner Rorrespondent des Echo be Baris" be Billemus feinem Blatte, daß biefe Tatsache als wichtiges Ereignis hervorgehoben zu werben verbient. Die Nationa liften hätten.

Die Schaffenden, die Schöpfer des Reichtums, durch beren Ar. beit die Gesellschaft lebt, fordern ihren Anteil an der Rontrolle und Berwaltung in der Organisation des Produktionsprozesses und der Berteilung der Güter.

An den sozialen Errungenschaften des Achtstundentages und der Sozialversicherung, diesen wichtigsten eroberten Boften, muß felt gehalten, auf ihre Berallgemeinerung unablässig hingearbeitet

werden.

Die

Eroberung des Mitbestimmungsrecites der Arbeiter sowie die Reorganisation der Wirtschaft find fich für eine wirksame Betämpfung und Niederhaltung der fapita fiftifchen Einflüffe und zur Vorbereitung einer fozialen Ordnung, in der bie Früchte der Arbeit nicht mehr den Befigenden und Bevor. rechteten, sondern der Gesamtheit zufallen.

Mit dem Triumph dieser Forderung wird die Arbeiterfiaffe ben Beweis erbringen, daß fie reif ist für die Berwirklichung ihrer hi storischen Mission: die Befreiung der Arbeit durch Frieben und so ziale Gerechtigkeit.

"

Diese Feststellung ist den Deutschnationalen außerordent lich unangenehm, denn fie fchweigen darüber in allen Zungen. Um fo gesprächiger sind ihre völkischen Konkurrenten. Die Mecklenburger Barte" fäßt den von den Bölkischen mit­gewählten Rittergutsbesitzer v. Brandenstein, der jetzt in Schwerin als Ministerpräsident fungiert, nicht aus der Zange. Sie wendet sich mit voller Schärfe gegen die Deutsch­nationale Bartei, der sie vorwirft, daß fie vor den Wahlen große eriprechungen mache, die nach den Wahlen nicht eingelöst würden. Mit Genuginung" verzeichnet fie, baß fie jest schon vor der Reichstagswahl ben Bewe is dafür vorwegnehmen fönne:

Die beutschnationale Preffe hatte im großen und ganzen ben Borschlag der sogenannten Sachverständigen zur Lösung" des Re unerläßparationsproblems als das bezeidmet, was er ist, nämlich, ein Ber fuch, ben letzten Rest der deutschen Souveränität und der deutschen Wirtschaftsfräfte an das internationale Finanzfapital zu verschachern. Immerhin fonnte man von vornherein iniez bien beutschnationalen Blätterstimmen auch solche hören, die mindestens einer wohl. wollenben Prüfung der Angelegenheit nicht abgeneigt waren. nunmehr aber zeigt sich die Stellungnahme der mirtlich führen den Kreise der Deutschnationalen Ballspartei zu biefer Fraps, bei der es sich um Gedeih oder Berderb des deutschen Bolles banbelt, volltommen.flar und unverhüllt. Wie die Linkspreffe triumphierenb feststellt, und zwar auf Grunb amtlicher Mit­teilungen, haben sämtliche Ministerpräfibenten jämt ( tcher deutschen 2änder bafür entschieden, daß der Erguß der Sachverständigen sehr wohl als eine brauchbare Berhandlungs grundlage" angesehen werden könne. Der deutschnationale Miniffer Herr von Brandenstein ist dabei nicht ausgenommen; er hatte sich ebenfalls zustimmenb zur Berhandlungsbereitschaft befonnt, ebenje mie fein Barkeitollege, ber thüringische Minister Auf­häuser( foll natürlich heißen: Leutheußer! Red. b. B.").

Diese Forderungen sollen dem Weltfeiertag von 1924 Sinn und Gepräge, geben!

Ueberall, in allen Ländern, muß der Aufruf des Internatio nalen Gewerkschaftsbundes bei der Arbeiterschaft Gehör finden! Die Maffenfundgebung des Proletariats sei ein überwältigendes Jeug­nis feiner Kraft, feines erwachten Gewissens, jeines Willens zum Gieg! Für ein bejleres Dasein!

Für die foziale Gerechtigkeit! Für die Freiheit!

Für den Weltfrieden!

Für den Infernationalen Gewerkschaftsbund: 2. Jouhaur( Frontreich. Th.& eipart( Deutschland ), Corn. Mertens( Belgien ), Bizepräsidenten. 3. Dudegeeft, Joh. Saffenbach, J. W. Brown, Sefretäre. mirtschaftliche Bliie feinesmegs beeinträchtigen. Entgegen anderen Buffaffungen, führt der Korrespondent aus, habe er den Einbrud daß der Erfolg der äußerffen Nationaliffen nur ein vorübergehender fein tönne. Ihre Uebertreibungen haben den Vorteil, auch ihre ge­mäßigteren nationalistischen Rameraden zu kompromittieren und bie deutsche öffentliche Meinung werde sich zweifellos über ihre Wert fofigteit bald im flaren fein.

Die Gutachten an die alliierten Regierungen

ein Einschüderungsmanöver Paris , 19. April. ( 2.): Die Reparationsfommission wird am versucht. Die deutsche Regierung weigerte fich jeboh, ben Gefichte Sonnabend an die verbündeten Regierungen offiziell die beiben punft der nationalistischen Führer anzuerkennen, wenn auch das Sachverständigenberichte nebst je einem Begleitschreiben gelangen Rabinett in feiner Antwort mitgeteilt habe, daß der Reichstag über faffen. Diese Begleitschreiben haben alle denselben Wortiaut. Gleich. gewisse Sonderpunkte, wie z. B. für die Berpfändung der Reichszeitig wird die Kommission die alliterten Mächte um Mitteilung über eisenbahnen, gefragt werden soll. Diese Erklärung der deutschen die Maßnahmen bitten, mit denen diese an der Ausführung Regierung müiffe als Sachverständigengutachten mitzumirten gebenken.

gutes Borzeichen

aufgefaßt merben. Es würde jetzt zu nichts führen, bie Behauptung zu wiederholen: Die Deutschen werden versuchen, uns noch einmal hineinzulegen; fie mollen nicht bezahlen, mit ihnen ist nichts zu machen." In diesem Augenblid sei es wichtiger, einen Schritt Dorwärts zu tun. Der Sachperftänbigenbericht fei bas Rah, bas man in Bewegung fehen müffe, in der Hoffnung, eine Maschine baraus zu machen, die alle ihr in Zukunft begegnenden Schwierig feiten überwinden fönne, ir tennen die nationalistise Drohung in Deutschland , aber

man darf sich den kommenden Reichstag nicht als von den egiremen Pertelen beherrscht vorstellen.

Die deutschen Reaffionäre merden der im Abfommen geplanien Lösung der Reparationsfrage Biberfiand entgegenbringen und bie Schwierigkeiten merden groß sein, aber man darf nicht vergeffen, daß auch die deutsche Industrie ein Bort mitzureden habe. Die maßgebenden Stellen Berlins hätten z. B. feinerzeit erflärt, bay die Micumverträge nidt verlängert werden fönnten und treg. dem hätten die Industriellen neue Roniratie unterzeichnet. s werbe in der Sutunft ebenfo fein wie in der Ber. gangenheit 3m Reichstag werde es Erörterungen und Sturm geben, und zum Schluß werde die prattische Durchführung. bes Sagverständigenberigtes über ben Biberstand triumphieren. Der Reichstag werbe, um ben wirtschaftlichen und finanziellen Wiederaufbau des Reiches nicht unmöglich zu machen, bem ihm vorgelegten Entwurf zuftinmen. Die Wahlen und die pofitifden Tendenzen, die sich möglicherweise nach dem 4. Mal in Deutschland zeigen werben, ergeben

feinen Gennd zum Abwarten.

Man miffe in jebem Falle normärtsgeben und Deutsch fanb zeigen. baß es sorteilhaft für es fet, fich auf frieblichem Bege feiten laffen und die Finanzverpflichtungen zu erfüllen, bie feine

Die Sache hat ein Gutes; bie, Anhänger der Deutfcnationalen find nun in der Lage, nicht nur zu wählen, sondern auch zu wägen. 3 erwägen nämlich, ob sie ihre Grimmen einer Partei geben wollen, bie, wie das Ministerium Branbenstein in Medler. burg, fich nicht genug tun fonnte, die Dötfilde" holung zu betanen und die heute schon, wo es fich zum ersten Male barum handelt, wirklich välfifdje Boliti? zu treiben, glaft umfälli Das erfie Mal, wo die Deutschnationalen wirklich pofifie" an außen­politische Fragen herangehen, machen fie in Erfüllung polifit.

Dem deutschnationalen Minifier Brandenstein ist diese 2nzapfung natürlich äußerst unangenehm. Er läßt deshalb durch die Breffeabteilung seines Minifteriums folgende Er. flärung abgeben:

Da die in Frage fommenden Berhandlungen streng qertra. lich find, fann nähere Auskunft über die Stellungnahme der hiefiegen Regierung nicht erteilt werden. Die von der Warte" ge brachten Angaben treffen jedenfalls nicht zu."

Mit dieser Ausflucht ist jedoch das völtische Blatt durch aus nicht zufrieden. Es erinnert daran, daß das amtliche Communiqué der Reichsregierung über jene Berhandlungen weitestgehende Einmütigkeit" und leber. bereinstimmung aller Staats- und Ministerpräsenten der Länder feststellte. Und es fnüpft daran die weiteren Fragen:

Halbamtlich verlautet in Baris, daß eine Zusammenkunft vor läufig als verfrüht anzusehen fei. Aus Brüssel mird gemeldet, daß man in Brüffeler diplomatischen Areifen gleichfalls eine Be gegnung der beiben allilerien Ministerpräfibenten im gegenwärtigen Augenblid für ung med mäßig baite. Man hebt hervor, daß die Reparationsfomunission zunächst alle Mobalitäten bes Sachver ständigengutachtens, fomeit fie dafür zuständig ist, regein müsse.

Theunis und Symans beim König. Briffet, 19. April. ( TUL) Der König hat gestern Theunis und Hymans empfangen. Den Blättern zufolge wurden in ber Unters rebung hauptsächlich bie Reparationsfrage, die Sachverständigen. berichte imb bie beutsche Antwort an die Reparationstommiffion be berichte und die beutsche Antwort an die Reparationstommiffion be fprochen.

Amerikanische Hilfe.

Drei Millionen Dollar für die deutsche Kinderhilfe. New Yort, 19. April. ( II.) Das Komitee für beutsche Kinder­hilfe gibt befannt, daß es bisher brei Millionen Dollar erhalten hat, wovon nur 100 000 nicht aus allgemeinen Zahlungen herrühren.

Das amerikanische Einwanderungsgeseh.

Washington , 19. April. ( WIB.) Der Senat hat endgültig als Brunblage des neuen Einwanderungsbeschränkungsgefeßes eine meiprozentige Quote auf Grund des Ergebnisses der Bolkszählung

Don 1890 angenommen.

der Genat mit 46 gegen 30 Stimmen em Amendement ange Washington , 19. April. ( TU.) 3um Ginmanderungsgesetz bat der Senat mit 46 gegen 30 Stimmen ein 2 mendement ange. nommen, welches Einwanderungen bis zu 25 Broz. zugunsten der jenigen Austinber Dorfieht, die mit der Landwirtschaft ver. traut find. Das Amendement besagt jedoch ausbrüdlich, daß die Einwanderer. fich nur in dem Staat, in dem ein Bedarf an Land arbeitern besteht, niederlassen dürfen.

Hat Erz. Brandenfiein gegen bie Annahme geftiimint? Wenn ja, wie entstanden dann die Meldungen der Reichsproffes stelle über bie weitestgehende Einmütigteit aller Beteiligten? Hat Exz. Brandenstein für die Annahme gestimmt? Wenn ja, mie ist es bann möglich, daß die Edyweriner Breße fielle eine falfche Richtigstelling" herausgibt?

Nun wird die Mecklenburgische Breffeftelle mahrscheinlich nach einer anderen Lesart fuchen müssen. Denn Tatsachen find immerhin fo unangenehme Dinge, daß fie nicht gut hin­wegbiskutiert werden können. Zudem hat das vältische Blait ausnahmsweise recht, wenn es darauf hinweist, daß es nicht so sehr auf die Bersicherungen der Helfferich und sonstiger deutschnationaler Barteivertreter anfomme, als auf die hal­tung ber verantwortlichen Staatsleiter und day in diesem Falle der verantwortliche deutschnationale und land händlerische Führer in Mecklenburg eben derzeitiger Ministerpräsident v. Brandenstein sei!

Die Bölfifden fürchten aber von den Deutschnationalen noch weitere böse Streiche. Sie vermuten fogar, daß die Deutschnationalen die große Roalition bis zu den De­mofraten abschließen fönnten. Denn, so wirft Reinhold Bulle ihnen vor, sie haben im alten Reichstag das parlamentarijdje System erst ermöglicht oder es doch am Leben erhalten, menn es in Gefahr war. Sie haben pofitine Mitarbeit in dem Sinne geleistet, daß fie den Regierungen zur An nahme von Gesetzen verbalfen, die von den Sozialbenwiraten abgelehnt wurden. Sogar das Ministerium irth hätte nicht so lange regieren fönnen, wenn es ihm die Deutschnationalen nicht ermöglicht hätten. Daraus schließt Bulle:

er son hen Böffischen am 4. mai feine Stimme ben Dentinationalex giht Befattigt den jäbishen