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Adler schon manchen Brocken hätte fahren lassen müssen, so werde ihm auch Hannover , dieser fette Bissen, entrissen werden! Im Namen angeblicher Vaterlands- und Heimatsliebe gibt also diese Hetze gan� unverhohlen der innigen Freude darüber Ausdruck, daß deutsches preußisches Land an Belgien , Dänemark, - Polen und die T s ch e ch o- flo w a k ei verloren ging. Die Deutschhannoversche Partei ist in allen Fragen der Innen- wie Außenpolitik, der Wirt- schafts- wie Sozialpolitik, der Kulturpolitik und der Rechts- pfleg« k r a ß r e a k t i o n ä r. Sie appelliert an alle schmutz!- gen völkischen Instinkte und scheut sich keineswegs, wo es ihr gerade paßt, die neuerdings Mode geworden« Judenhetze in den Dienst ihrer Propaganda Zu stellen. Wer sie bekämpft, wird persönlich mit Dreck beworfen. Sachlich unterstützt von allen anderen Parteien, von den Kommunisten bis zu den Deutschvölkischen, lehnt die preußische Staatsregierung, lehnt namentlich auch die Sozialdemo- kratie der Provinz Hannover diese Destrebungen auf das nachdrücklichste ab. Gerade wir Sozialdemokraten wissen, daß das republikanische Preußen das Rückgrat der sozia- len, republikanischen Demokratie in Deutschland ist. Wir be» kämpfen deshalb jeden, der den Versuch wagt, diese» Rück- grat zu knicken. Am 18. Mai werden die Sozialdemokraten Hannovers dem deutschhannoverschen Vorabstimmungsantrag ihre Stimme verweigern und dadurch zu ihrem Teil dazu bei- trogen, daß dieses gefährliche Attentat engstirniger Partitula- risten der Einigkeit und der Freiheit in Deutschland nicht das Grab schaufeln kann. Ein flufruf üer Sozialüemokratie. Unsere Partei erläßt«neu Aufruf gegen die Los- lösung bestreb un gen der Welfen. Darin heißt es: .Preußen ist heute das Rückgrat des demokratischen Gedankens in Deutschland . Preußens ungeschwScht« Politik und dl« dauer- hafte republikanisch« Koalitionsregierung des preußischen Staates haben auf das polltlsch« und wirtschaftliche Leben des inneren Deutschlands beruhigend gewirkt und das Gleich. gewicht gehalten gegenüber den nationalistischen Umtrieben in Bayern und haben die von den Gewaltpolitikern der Entente, insbesondere von Poincare , angestrebte Trennung de« Rheinland «» und Ruhrgebietes von Deutschland verhindert. D!« Zerstückelung Preußens wäre nur im Interesse der Machtpvlitiker. Wer bei der Abstimmung den Welfen entgegenarbeitet, wer mithllst, ihre Pläne zu vereiteln, der dient dem gesamten deutschen Vaterland. Wir fordern imsere Parteigenossen auf. bsi der Abstimmung am 13. Mai nicht mitzustinunen."

tzergt und pokncarS. DaS erste Wunder. Die Wannen H e r g t s sind nach wie vor geteilter Met- nung über die programmatische Erleuchtung ihres Führers. Teils möchten sie gerne mit ihm in die Regierung, tells wollen sie die bequeme Agstotionsgrundlage des Kampfes gegen die Crstillungspolitik nicht aufgeben. Der Vorstand des Reichs- landbundes hat eine Entschließung gefaßt, die eine scharfe Absage an H e r g t bedeutet. In dieser Entschließung heißt es: »Der Reichstorudbund erklärt nach Kenntnisnahme des nunmehr vorliegenden Gesamtplanes der Sachverständigen die darin Deutsch - land zugemutete Preisgabe von Hoheitsrechten für unaunehm- bar und lehnt das Gutachten in der vorliegenden Gestalt als praktische©ninötege für die Lösung des Entschädigungsproblem» o b. Der Reichslandbund fordert, daß ein« Regierung gebildet wird, die dem Feindbunde Gegenvorschläge zustellt, die Wirtschaft» llch erfüllbar sind und politisch die Freiheit bringen." H e r g t zieht hüh, der Relchslandbund zieht hott, und was herauskommt, ist von Hebel. Die Frage der Außen- polstik war vier Jahre lang d i e politische Frag«, an der sich die Geister in Deutschland schieden, und nun offenbart sich. daß die Deutschnationalen heute noch nicht wissen, was sie in

dieser Frage wollen. Die Leute, dle sich im Wahlkampf als die berufenen starken Retter Deutschlands aufspielten, schwanken heute hin und her zwischen den außenpolitischen Ansichten ihrer Gegner und zwischen bequemen Agitations- Phrasen. Die außenpolitischen Interesien des Reiches werden von den Deutschnationalen ihren demagogischen Parteibedürfnissen gewidmet. Ihre Sehnsucht nach den Regierungssesseln schadet Deutschland gleichermaßen wie ihre Agitationsphrasen. H e r g t s Wunderrede macht P o i n e a r 6 Hoffnung, daß der Kurs der deutschen Außenpolitik seinen Absichten entgegen- kommen werde. Die Erklärung PoincarSs, daß er das Sach- verftändigengutachten sich gerne zu eigen mache, ist«in diplo- matifcher Schachzug. Er möchte die Rollen wechseln. Statt der bisherigen Situation: deutsche Annahme, dilatorisches Ver- halten Frankreichs, möchte er die Situation: deutsches dila- torisches Verhalten, französische Annahme erscheinen lasten. H e r g t s Rede gibt ihm die Hoffnung, aus der Isolierung herauszukommen und Deutschland in die Isolierung zu drängen. Das Auftreten Hergts hat also schon ein erstes Wunder gezeitigt: PoincarS erscheint mit dem Oelzweig der Verständigung um die Verständigung mit Hilfe deutsch - nationaler Eseleien um so sicherer durchkreuzen zu können. Gott verschon« uns vor weiteren solchen Wundern! So ernste Möglichkeiten kümmern H e r g t und die Seinen nicht. Das außenpolitische Verantwortungsgefühl ist bei dem Staatsmann des»großen Wunders" so wenig entwickelt wie sein Gefühl für die Grenze, an der gespielte politische Bedeu- tung in Liederlichkeit umschlägt.

verabstbleöung Selßers. Richtung Schwester oder Richtung Knilling? München . 8. Mai. ((Eigener Drahtbericht.) Di« Verabschie­dung des Obersten o. S e i ß e r als Chef des Bayerischen Landes- polizeimntes ist nunmehr Tatsache geworden. Aus einer Halbamt- lich gegebenen Mitteilung geht hervor, daß die Staatsregierung an Herrn v. Seißer mit der Aufforderung herangetreten ist, von seinem Posten zurückzutreten. Der Grund für diese Maßnahme lag für dt« Regierung angeblich in der Erwägung, daß die Landespolizet voll­kommen unpolitischen Charakter trägt und Ihr« Reihen vor innerpolitischen Auseinandersetzungen und Gegensätzen bewahrt bleiben müssen. Di« Voraussetzung dafür ist, daß das Landespolizet. amt von einer Persönlichkeit geleitet wird, die nicht selbst politisch umstritten ist. Diese Voraussetzung scheine der Regierung b« Oberst v. Seiher nicht mehr gegeben. Auf diese Aufforderung semer vorgesetzten Behörde hin hat Herr ». Seißer sofort sein Rücktrittsgesuch eingereicht und hat zur Erledigung der Derobschiedungsformalitäten einen neuen Urlaub angetreten. Zu seinem einstweiligen Nachfolger Ist der Kam- mandeur der Landespolizei, Abteilung Rürnberg-Fürth, Oberst o. Reiß, ernannt worden. Auf Grund des Ergebnisses der bayerischen Politik seit dem 23. September 1923, also feit Errichtung des Generalstaatskommls, sariats, ist es nur natürlich, wenn Harr o. Seißer von seinem Posten verschwindet, um so natürlicher, wenn man weiß, daß Seißer nicht nur der Gefährt« von Kohr und Lossow, sondern vielmehr dle maß» gebende Persönlichkeit de» Diktaturtriumvkats im Generalstaats- kommissariat gewesen ist. wenn er auch als solcher nicht in die Er- scheinung trat. Aber auch bei dieser Sachlage hätte es als selbst­verständlich erscheinen müssen, daß mindestens gleichzeitig mtt Seißer wegung ist und deren offene Sympathie genießt, so ist der Der- sentung verschwunden wäre. Da- hätte geschehen können trotz der verbriesten Beamtenrechte de» Herrn v. Kahr, während Herr v. Seißer nur die Rechte eine» verttagsan gestellten genossen hat. Die Einseitigkeit de« Vorgehens der bayerischen Regierung tritt auch des­wegen stark in die Erscheinung, weil da» gerichtlich« Ermitt- lungsoerfah ren gegen Lahr, Lossow und Seißer noch gar nicht beendet ist. Es liegt nahe, diesen Anfang der Bereinigung der 8.-November- Politik als einen Fingerzeig für den künftigen Kur» in Bayern anzusehen. Man kann der Auffassung sein, daß der Innenminister

Dr. Schweyer, der in seiner letzten Stunde so offensichtlich gegen die völkischen Staatsstreichler die starte Faust zeigen will, auf de? Entlassung des Herrn o. Seißer destanden hat in der Erwägung, daß die bayerische Landespolizei unter der Führung Seißer» allzu sehr von rechtsradikalen Tendenzen verseucht wurde. Die Berechtigung dieser Auffassung wird gestützt durch die Hoffnungen, die die Hoch- Verräter vom 8. November auf die Haltung der Landespolizei seiner» zeit setzen zu dürfen glaubten. Andererseits ist aber zu beachten, daß die Entlassung Seißers, dessen Haltung am S. November immer, hin zunächst einmal den Staat und die Regierung der Bayerischen Volkspartei vor dem unmittelbaren Einsturz bewahrten, für dt« Völkischen einen Triumph bedeutet. Da aber der Ministerpräsident v. K n t l l i n z, der«ine maßgebende Rolle bei der Entlassung Seißers gespielt hat, ein Freund und Beschützer der völkischen Le» wegung ist und deren offene Syympath!« genießt, so ist der Ver» dacht mehr als begründet, daß die Motto« der beiden Minister, di« st« zur Absetzung Seißers oeranlaßten, grundsätzlich verschieden sinb. Iüioten. München , 8. Mai. (Eigener Drahtbericht.) DerR oseti� heim er Anzeiger" teilt mit, daß in emer völkischen Wahlver» sammlung in, Brannenburg der Referent, ein Nattonalsoziaiist Hoffmann aus München , im Verlauf eines mehr als zweisttm. dtgen, von Beschimpfungen gegen Tote und Lebendige strotzenden Referats unter anderem sich folgende.vaterländische" Ergüsse leistete: Maiser Wilhelm II. war ein lldiot, und ich muh jeden, der für ihn gefallen ist. auch als Zdlolen bezeichnen. Sit eftmann und Seeckt. diese Burschen, haben den Sohn diese» Idioten wieder nach Deutsch . land hineingelassen. Da so etwa» sich bekanntlich vererbt, ist der Kronprinz ein Trottel, und da» ist der tünsttge Kaiser der vaitsch. nationalen!"

durcheinanüer in Necklenburg. Es hagelt Misttrauensanträge und alles bleibt beim alte«. Schwerin , 8. Mai. (TU.) Bei Emtritt in die Verhandlungen des heutigen Landtags erklärten sich alle drei Minister bereit, die auf sie entfallende Wahl anzunehmen. Der kommunistische Abg. Wen- z« l verlangt« daraus«ine erneut« Erklärung von Brandenstein über sein« Haltung in der Frag« des Sachverständigengutachtens, die aber von Branden st«In mtt der Begründung abgelehnt wurde, daß er feiner ootgestrigen Erklärung nichts hinzuzufügen habe. Darauf bracht« der Kommunist Wenzel«in Mißtrauens- votum mit demselben Inhalt gegen v. Brandenstein ein, wie das von den D« u t f ch o ö l t i I ch e n am Dienstag eingebrachte. Auch der geulfchoöikisch« Abg. Maertens brachte ein erneutes Miß. trauensvotum seiner Fraktion gegen den Ministerpräsidenten ein, da dessen heutig« Erklärung seiner Partei nicht genüg«. v. Brandenstein gab dann nochmals eine Erklärung ab, die de? bereits von ihm gegebenen Erklärung entspricht, nach welcher er selbstverständlich gegen die Annahm« des Sachoenrstän« digengutachtens stimmen werde, wenn die von ihm genannten Bor» ausfttzungen nicht erfüll: würden(1). Auf Antrag der Deutsch » völkischen trat dann eine Pa u s« von 10 Minuten«in. Nach der Pause gab der Abg. Maertens namens der Deutschvöl, tischen ein« Erklärung ab, nach der die Fraktion in Anbetracht der kolossal schwierigen Lage de» Vaterlandes und angesichts der jetzige« Erklärung o. vrandenslein, da» Mißtrauensvotum zurückziehe. Dos Mißtrauensvotum der Kommunisten wurde darauf gegen die Stimmen der Kommunisten abgelehnt. Di« Sozia ldemokrote« enthielten sich bei der Abstimmung der Stimm«. Die veusschväUlschen stimmte« gegen den kommunistische« Mißtrauensantrag, lrohdem dieser Antrag dem Mißtrauensantrag der DSlklfchen vom Dienstag entsprach. Di« Sozialdemokraten hatten ebenfalls ein Mßtrauens- votum gegen das Gesamtministerium eingebracht. Für dieses traten nur di« Sozialdemokraten ein, während die Kommunisten sich der Abstimmung enthielten. « Die bürgerliche Press« kommentiert die mit zwei Stimmen Mehr» hett erfolgte Neuwahl des deut�chnationalen Ministerpräsidenten v. Brandenstein in Mecklenburg . Schwerin . Sie kommt«instimmig zu dem Ergebnis, daß die Neuwahl kein« Lösung der Krise bade ut et

Toö, Gper und IX. Sinfonie. Konzertumfchau von Kurt Singer . Wir rasen mit Windeseile dem Tode de» Äonzertwinter» zit. Noch einmal, staut sich alles auf, wirbt um Interesse, sucht au. Zu. längsichkeit Creionis zu machen. Der helle Abend ist der Wirkung von Mufik abttäglich. Die Freiheit der Luft lockt schon mehr als die Freiheit der Kunst. Doch nicht so schnell rasen wir, daß wir nicht einen Augenblick halt mochten zur Erwnerung an Earl Beel, der plötzlich verschied. In einer Zeit, die alle vierzehn Tage ein Dirigier- genie entdeckt, das sich nach abermals vierzehn Tagen als ein« Spetzialdegabung erweist, darf auf Best als den guten, soliden Typ des roiitmierten, in allen Sätteln reitenden Theatortapellmeister» hingewiesen werden. Er tonnte, ohne Probe, immer einspringen, ohne daß Gefahren drohten. Er konnte auch, hört, Partituren lesen, Wielen, aufs Klavier überttvgen, fachlich korreptieren und begleiten. Er war sin Dollmustker, wenn auch nur von unpersönlichem Format. Begeisterung ging nicht von ihm au», aber Sicherheit, Geborgenheit, Gefühl sauberer Arbeit. Erich Kleiber sagte die IX. Sinfonie im Jubiläumsjahr als erster an und sagte wieder ab. Un» wundert das nicht. Wir haben Kleiber öfter als musikantischen Charakter, denn als Genie gezeichnet. Wenn in 14 Tagen ein Orchester unter 5 verschiedenen Dirigenten 2Zmal an der IX. Sinfonie übt und lernt was allein bleibt da einem WiLensmenfchen wie Kleiber an Arbeit übrig, um aus- merzen, zu reinigen, zu ordnen. Klang zu schassen. So viele Proben bekam er nicht bewilligt Also Wsage. Hut ab vor Kleiber. Er tastet em Heiligtum erst an, wenn er reif und vorbereitet ist. Des mrrkt man auch seiner intensiven und abgezirkelten Figaro» Auf. ftchrung an. Doch tötete hier seine philologische Kleinarbeit, ftin straffer Wille den Schwebeton Mozartscher Musik auch dann ab, wenn(außer Frau Merherr) ein einziger Mozartsänger von Eigenart und traditioneller Kultur auf der Bühne stände. Und die lasch hin- gespritzten Rezitativ e tun das Ih«, um die Stimmung zu oerderben. Sem jugendlich« Kollege von der Volksoper, Dobrowen , Holl sich dagegen mit der erhitzten und doch überlegen ausgebreiteten Traviata-Partitur«inen berochtigfeu Sieg. Hier ist es, wo die hoch. begabte Fritzi I o t l den Sprung von der Operette zur seriösen Rolle beherzt wagt, wo ein italienisch gebiDeter Tenor Raitscheff Wohllaut singt und wo Herr Blaset die Untugenden eines beut- schen Battistmi in Reinkultur wickergibt. Wv Kle-ber absagt, springt Scheinpflug willig ein. Ist er tcr Mann, um Beethovens letzte Sinfonie zu einer Erschütterung der Menschheit, zu einem Jubel freudloser Kreatur zu gestalten? Sportpalast und Philharmonie zwei gleiche, zwei gleich bedenk- liche Eindrücke. Er dirigiert da» Werk ganz frei von der Partitur, sozusagen mit grschloiftnen Augen. Die techrtfche Leistung ist vor» rrefflich Verschließt er auch sein Herz? Dt« Einzelheiten des Adagios, das mit der Feder aus dem Flügel eines Engels geschrieben ist wie irdisch klingfs, wie wenig kommt eine Einheit aus gesühl- vollen Einzelheiten heraus. Das Scherzo spielt sich von selbst, aber hier, im Wagio. liegt der Prüfstein für die Auserwählthett. Außer-

ordentlich wirkungsvoll. In den harten Akzenten des Schicksals, in den Vorbereitungen des Hymnus erklang der Schlußsatz Und dies, obgleich die Blüthnerhorven sehr müde waren, die Ebelsche Chor. Vereinigung ohne Rausch, ein illustres Quartett so gewaltsam sang, als wolle jeder den anderen überschveien. Emst Zander führt feinen großartig geschulten D o l k»ch o r gleichfalls ins Gefecht zu Ehren d« IX. Sinfonie. Seine Solidität, Ruhe, Sachlichkeit auch als Orchesterleiter- ist vespektabel. Sein Publikum ist feiertäglich gestimmt und bringt sonntägliche Atmo» sphäre schon von Häuft mit. Warum sie durch Guttmannz endlos«, selbstgefällige, mit fremden Philosophien durchfttzt« Rede üb« Beethoven durchbrochen wird, ist unverständlich. Ein ermüdete» Orchester spiell vor müden Ohren. Zander ringt so sehr noch mit dem Stofflichen, daß bei aller Tüchtigkeit der Mechanik der Geist und die Idee zweie: Sätze nur in Momenten kühnen Zusammenraffen- frei und groß sich offenbart. Tiefer wirkt das Adagio, das Zand« eindrucksvoll singen läßt. Das Programmbuch führte poetisierend in das giganiffche Werk ein. Aber mit Verlaub, es ist inhaltlich(und oft im Wortlaut) ein Plagiat. Man hätte gut getan, die Wagncrsche Schrift unverändert, ungekürzt, ohne jedes Beiwort abzudrucken. Nun aber ruhe di« IX. Sinfonie. Nur wer sie Rote für Note als menschliches Erlebnis in sich trägt, wag« wieder den großen Wurf. Inzwischen«probt Karl Zimmer, der Viel begabt«, erfolgreich seine vier Orchester(280 Mann) an klassischer Musik. Edmund M e i( e l, der Viclgeschäftige. rührt sich für SchumannsMan. fred", der dem Byronschen Text«ine weich«, gar zu gefühlsrcichs Musik unterlegt. Messel unterstreicht dieses romantische Melos als ein gebildeter, geübter, nach Ausdruck strebender Mann. Leider hatte er auch einen Bogel, Fritz mtt Vornamen, engagiert, der dem Glanz des Btethovenschen Lis-Dur-Konzerts kaum fingertechnisch gewachsen war. Was an rhythmischer Festigkeit und Klangsttssungen zu verderben war. das besorgte Mel'el mit dem Solisten im Bunde. Großarttg sprach Loubinger den Manfred, und von den Solisten der Gesang-partien fiel die unbekannte Altistin L o e z i u s durch klangvolle Stimme auf. Schrattenholz hat in seinem Sinfonieverein ein williges, ein geschultes, ein temporcuncnt- volles Ent.-mbl« erzogm. Di«Weihe des Hauses" war wirklich ein- mal eine Weihe der Musikgeisttr. Zuverlässig die gar nicht leicht« Begleitung im Brahmsschen Violinkonzert.' Das sittelte Josef W o lfs t h a l mit einer Größe des Ton« und der Auffassung, mit einer Sicherheit im Handwerk, daß man an allererste Vorbilder er- innett wurde. Ein großer Geiger! Dem Rheinischen Männergesangverein hätte man größeren Zulpruch gegönnt. Unter Ernst W i r tz lcssten diese 75 Männer(in Chören von Grell und Kämpf) Borzüglichts an Bs- weglichkeit der Stimmen und Klangeinheit. Margarethe Abler hat keine junge, keine unverbrauchte, aber ein« noch immer eindrucke. volle Sopranstimms, die elegischen Liedern gerecht wird. Härten des Tonansatzes und Rogisterwechsels bedürfen der Korrektur, die Wahl der Patatty-Liedsr beweist einen unavsqebildeten Gsschmack Georg G und lach wächst als Pianist nicht über den Salonftieler hinaus, wenn er sich an Chopins d-Moll-Sonate wagt Eine gute Finger» beweglichkett täuscht über den Gefühlsautomalismus nicht hinweg.

öaubureaukratie. Dom Städtischen Nachrichtendienst erhalten wir fol- gende Zuschrift, die sich auf unftren ArtikelStadtbaurat und Oberbürgermeister" in Nr. 214 bezieht: In den Mitteilungen über eine Entschließung de»Bunde » Deutscher Architekten" wird die Stellungnahm« des Magistrats, des Sachverständigenbeirats und der städtischen Baupolizei zu Bauvor. haben aus jüngster Zeit besprochen. Dabei wird anscheinend vor» ausgefttzt, daß der Magistrat ein Gutachten des Sachverständigen- beirats abgelehnt Hab«. Demgegenüber darf, ohne auf Einzelheiten einzugehen, bemerkt werden, daß diese Voraussetzung nicht zutrifft. Der Magistrat hatte zu dem Projekt der Ausstockung eines Geschäfts» Hauses in der Leipziger Straße Stellung zu nehmen und ersuchte zu- nächst den Sachverständigenbeirot um ein Guiachten dahin, ob die Leipziger Straße sich allgemein zu Aufstockungen eigne. Der Sach- verständigenbeirat bejahte diese Frag«. Der Magistrat, der auch die sonst noch in Frag« kommenden amtlichen Stellen angehört hatte. vertagt« aber den Beschluß mit Rücksicht darauf, daß demnächst der Entwurf der neuen Bauordnung abgeschlossen würde, in welchem allgemein für bestimmte Geschäftsviertel besonders günstige Aus- nahmebestimmungeü hinsichtlich einer besseren Ausnutzung der Grund» stücke, vornehmlich in der Höh«, festgelegt werden sollen. Der Ober- bürgermeister hat unmittelbar nach diesem Magistratsbeschluß die zuständigen Stellen angewiesen, di« Arbeiten am Entwurf der neuen Bauordnung aufs äußerste zu beschleunigen, und dabei ausdrücklich bemerkt, daß die Interessenten bei der vorbezeichneten Sachlage nun- mehr mit Recht die allerschnellst« Vollendung der neuen Bauordnung erwarten weiden. Allerdings wird der Entwurf noch der Zustim- mung der Aufsichtsbehörden bedürfen." Also: Der Magistrat hat das Gutachten des Sachverständigen» beirats nicht abgelehnt, sondern er vertagte nur seinen Beschluß. Und zwar im Interesse des Architekten und des Bauherrn, aus daß diesen diebesonders günstigen Ausnahmebestimmungen" der neuen Bauordnung zugute kämen, deren Entwurf allerdings noch nicht abgeschlossen ist und die auch der Zustimmung der Aussickits- behörten bedürfen wird. Es geht doch nichts über die zarte Rücksicht. nahm« einer Obrigkeit, die meisschauend die Interessen ihrer Unter, tanen wahrzunehmen bestrebt ist!

Die Welt des Wassertropfens. Naturgefchichtsschen Anschauung», Unterricht von seltsamer Schärft und Eindringlichkeit vermittelte ein Film, den Professor Dr. R ö m m e r t- München in der Urania zeigte. Di« kleinen und kleinsten Lebewesen, die ungeheuer leben- dige Welt in einem Wasftrtropfen. wurde hier auf der Leinwand vorgeführt. Tieft Taufende und aber Tausend« Tierchen, die dem bloßen Auge kaum sichtbar sind, oder doch nicht wie Leben und Lebewesen, sondern wie ein wenig Schaum, wie ein Tupfen Farbe erscheinen, konnte man deutlich in ihren Bewegungen, in ihrer G«- ftatong und ihren Lebensbedingungen erkennen. Ein Tropfen Wasser mit dieser Kleirtvelt wird zwischen zwei Masplatten gebracht, dann durch das Mikroskop vergrößert und in ihrer ganzen zappeln- den Beweglichkeit auf die Leinwand projektiert. Da erblickte man zum Beispiel Exemplar« des Süßwasserpolyps mit der«gmartigeu Knosp«. Diesen Tieren wachs«: di« Jungen au» einem Glied de»